ETIKA

Nachfolge Christi

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Gericht und Strafe

= 95H47. 3.6.2014

Auch etika.com könnte unendlich viel Erbauliches, Erfreuliches, Positives berichten. Aber ringsum stoßen wir auf Menschen, die sich nicht bewusst seind, dass sie geradewegs dem Abgrund zusteuern. Aus Sorge und Nächstenliebe hören wir deshalb nicht auf, vor der Sünde und den Höllenstrafen zu warnen. Heute ein Kapitel aus der Nachfolge Christi, einem Buch, das von Katholiken und evangelischen Christen gleichermaßen anerkannt wird und das übrigens auf dem Nachtkästchen von Agatha Christi lag.

Das Buch von der Nachfolgung Christi,
verfasset von Thomas von Kempis,
und neu übersetzt und mit einer Einleitung und kurzen Anmerkungen für nachdenkende Christen herausgegegebn von
 (Bischof) Johann Michael Sailer.
Sechste Ausgabe. München, 1825. Gedruckt und im Verlag bei Ign. Jos. Lentner.
ERSTES BUCH. Ermahnungen, die denen, welche ein frommes, geistliches Leben führen wollen, heilsam seyn können.

Vier und zwanzigstes Hauptstück.
Gericht und Strafe.
(S. 99-105)

1 . In allem, was du thust, schau auf das Ende, und frage dich: wie werde ich vor dem strengen Richter bestehen, dem nichts verborgen ist, den keine Gabe bestechen kann, der keine Ausflüchte gelten läßt, der richtet – nach der Gerechtigkeit?

Elender, thörichter Sünder! sieh, du zitterst vor dem Angesichte eines zornigen Menschen: wie wirst du dich nun vor Gott verantworten – vor Gott, der alle deine Sünden weiß? Wie kannst doch so gar unvorsichtig (und ohne alle Vorbereitung), auf den Tag des Gerichts dahin leben – auf einen Tag, an dem keiner den andern entschuldigen oder vertheidigen können, an dem jeder genug mit sich selbst zu thun haben wird? Itzt, itzt kann deine Arbeit Früchte bringen, deine Thräne Gnade finden, dein Seufzen Hülfe erflehen, deine Buße der Gerechtigkeit ein Genüge thun, und dir zur Reinigung dienen.

2 . Wer Geduld übet, das heißt, wem an der Kränkung seiner Ehre mehr die Sünde des andern, der ihn kränket, als die Kränkung selbst, wehe thut; wer für seine Gegner gern fürbittet, und ihnen das Unrecht, das sie an ihm getan haben, von ganzem Herzen verzeihet (Anmerkung ETIKA: wie an anderer Stelle ausgeführt, dürfen Reue des Täters und Wiedergutmachung nicht außer acht gelassen werden, denn wenn man zum Beispiel Serienmördern von vornherein verzeiht, morden sie ungestraft weiter und machen sich über die dummen Christen lustig); wer selbst der erste um Vergebung bittet; wer sich leichter zur Erbarmung als zum Zorne bewegen lässet; wer sich selbst recht oft Gewalt anthut, und die Sinnlichkeit der Herrschaft des Geistes vollkommen zu unterjochen strebet – ein solcher Mann hat schon in diesem Leben, hat schon in sich sein Reinigungsfeuer, das wahrhaftig nicht geringe ist, und großen Segen schaffet. Es ist doch besser, schon in diesem Leben die Bande des Lasters zu lösen, und von der Sünde rein werden, als die Reinigung in die Ewigkeit hinüber sparen. Wir täuschen uns nur selbst, so oft wir eine ungeordnete Liebe zu dem, was sinnlich ist, in unserem Herzen aufkommen lassen.

3. Was wird doch jenes verzehrende Feuer anders zu verzehren haben, als deine Sünden? Je mehr du itzt deiner schonest, je mehr du deiner Sinnlichkeit nachgiebst, desto empfindlicher wirst du einst dafür gestrafet werden, desto mehr Stoff wirst du für jenes verzehrende Feuer mit hinüberbringen. Worin die Sünde ihre größte Lust suchte, darin wird sie auch die schwerste Strafe finden.

Anmerkung im Buch: Der weise Christ wird in dieser Beschreibung dasjenige ausgemalet finden, was Paulus mit wenigen Worten zeichnete: Was der Mensch säet, das wird er auch ärnten. Gal. VI. 8. Sowohl diese Zeichnung von einem Apostel unsers Herrn, als jene Ausmalung von einer frommen Hand, können uns, bei dem Gefühle unsrer Schwächen, Sünden etc. die besten Dienste thun. Es ist der Mensch so reizbar zum Bösen, so brechlich in seinen Vorsätzen, gut zu handeln, und in dem Guten, das er wirklich thut, so voll Eigenliebe und so unlauter, daß er nicht zu oft an das große Gesetz der Gerechtigkeit: Guten wird es wohl, Bösen übel gehen, Röm. II. 6 – 9. erinnert werden kann.

Die meisten Menschen bedürfen offenbar, , durch Furcht im Zaum gehalten zu werden, weil sie die Liebe noch nicht regieren kann. Und dies will auch Jesus, wenn Er von Gericht und Strafe redet. Math. XXV. 3 – 46. Er will den Sündern den Blick auf die Aernte, die aus den Sünden erwächst, schärfen, damit sie im Anblicke des Abgrundes, in den sie die Sünde zu stürzen drohet, den Muth zur Beharrlichkeit im Bösen verlieren sollten. Eben deßwegen habe ich auch dieses Hauptstück hie und da mehr erweitert, als strenge übersetzt, um den Eindruck der Wahrheit auf die Herzen der Leser zu verstärken. Möchte uns doch alle, die Furcht in Schranken halten, bis uns die heilige Liebe in ihre Schule nehmen kann! Oder lieber, möchten wir alle das sanfte Joch der heiligen Liebe tragen, und nicht mehr nöthig haben, durch Furcht im Zaum gehalten zu werden!

Brennende Stacheln werden die Trägheit nie ruhen lassen; Hunger und Durst die Unmässigkeit peinigen; siedendes Pech und Schwefel die Wollust züchtigen.

4 . Jedes Laster wird seine eigne Plage haben; der Neid vor Schmerzen heulen, gleich einem tollen Hunde; Schande und Schmach, wie Berge, über die Hoffart fallen; die Armuth mit ihrer schwersten Last den Geiz zerdrücken.

Dort schmerzet eine Stunde Pein mehr, als hier Jahrhunderte – in strengster Buße durchgelebt. Der Ungebesserte, der Verdammung hingegebene Sünder wird dort keine Ruhe, keinen Trost finden können; indessen es für uns hier doch hie und da einen Feyerabend zum Ausruhen – und Stunden des Trostes in dem Schooße der Freundschaft giebt.

So traure  denn, lieber Freund, itzt, um deiner Sünden willen; sorge itzt für die Zukunft, damit du, am Tage des Gerichts, kühn und froh dein Haupt mit allen Heiligen emporheben dürfest.

Anmerkung: Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Matth. V, 5. (sic) Es giebt eine Reue, die uns nie gereuen wird. II. Cor. VII. 10.

 Dann werden die Gerechten mit Zuversicht auftreten, und muthvoll dastehen gegen die, von welchen sie in diesem Leben sind geängstiget und niedergedrücket worden. Dann wird jeder, der sich den Urtheilen der Menschen, in Demuth und Gelassenheit unterworfen hat (Anmerkung ETIKA: z. B. der diktatorischen Gender-Ideologie der UNO), sich erheben, nicht um zu schweigen, sondern um zu richten.

Anmerkung:Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? I. Cor. VI. 2.

Dann wird der Arme und Demüthige mit edler Zuversicht dastehen, und der Hochmüthige (der ehemals auf ihn mit verachtenden Blicken herabgesehen hatte,) zitternd – vor ihm niedersinken.

5. Dann wird der als ein weiser (und großer) Mann erscheinen, welcher die seltene Kunst verstand, sich um Christus willen für einen Thoren und für Auskehricht der Welt halten zu lassen. Dann wird alle Trübsal, mit Geduld ertragen – eine heitere Gestalt für uns gewinnen, und alle Bosheit, die in diesem Leben den Mund weit aufgethan hat, verstummen müssen.

Dann wird die Andacht, die ihren Gott nie aus dem Auge ließ, ihr Jubelfest feyern, und der irdische Sinn, der ohne Gott in der Welt war, trauren (sic) müssen. Dann wird dir die Kreuzigung des Fleisches, um des Geistes willen, mehr Jubel einbringen, als alle Verzärtelung und die ausgesuchteste Pflege des Leibes. Dann wird der Zwilch des Gottseligen glänzen, und das Seidengewand des Gottlosen allen Farbenglanz versore haben. Dann wird die niedere Hütte (des guten Taglöhners) in größerer Achtung stehen, als der goldene Palast, (in dem das Laster wohnte.) Dann wird die standhafte Geduld größere Eroberungen machen, als alle Herrlichkeit und Macht der Welt. Dann wird der Gehorsam des einfältigen Herzens über alle Arglist des feinen Kopfes triumphiren.

6. Dann wird uns ein gutes, reines Gewissen mehr Seligkeit verschaffen, als alle Welt-Weisheit der Gelehrten. Dann wird die Verschmähung des Reichthums alle Schätze der Welt (auf der Wage des Richters) weit aufwiegen. Dann wird dir ein Gebet, das dir aus dem Herzen strömte, mehr Trost schaffen, als ein Freudenmahl, das den Bauch mit Leckerbissen überfüllte.

Dann wird das fromme Stillschweigen eines Augenblickes mehr Freude einärnten, als das geistlose Geschwätz eines Jahrhunderts. Dann werden die guten Thaten mehr gelten, als die schönen Worte. Dann werden dich die Tage, in ernster Selbstverläugnung und strenger Buße durchgelebt, mehr erfreuen, als alle Freuden der Erde.

Lerne itzt geringere Leiden tragen, damit du dir einst größere ersparen mögest. Versuche itzt, was du einst werdest leiden können. Wenn dir itzt ein so kurzes Leiden schon zu lange ist, wie wirst du einst endlose Leiden aushalten können? Wenn dich itzt ein geringes Leiden so ungeduldig macht, wie wirst du das Leiden der Hölle ertragen können? Sieh! zwey Paradiese – giebt es nicht für dich: hier die thörichten Freuden der Welt thöricht mitgenießen, und dort mit Christus herrschen – das kannst du nicht.

7.  Hättest du bis auf diesen Tag, im steten Genusse der Ehre und Wollust gelebet, und müßtest in diesem Augenblicke sterben: sage mir, was hättest du nun von all diesem Genusse? So ist denn alles – lauter Eitelkeit, ‒ nur Eines nicht: Gott lieben und Ihm allein dienen.

Denn, wer Gott von ganzem Herzen liebt, der fürchtet Tod und Strafe, Gericht und Hölle – nicht. Die vollkommene Liebe bahnt ihm einen freien, furchtlosen Zutritt zu Gott.

Anmerkung: Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt alle Furcht aus. Denn die Furcht hat Pein. I. Joh. IV. 17-19.

Wer aber noch an der Sünde Freude hat, der hat eben darum noch Furcht vor Tod und Gericht. Doch kann dich die Liebe noch nicht von allem Bösen abhalten, so ist es Gewinn für dich, daß wenigstens die Furcht der Hölle dich zurückschrecket, (und den weitern Ausbrüchen der Sünde einen Damm setzet.)

Wer aber die (heilige) Furcht Gottes verläßt, der wird nicht lange mehr im Guten feststehen können, sondern gar bald in die Stricke des Satans fallen.

 

Anmerkung ETIKA: Was Jahrtausende lang gelehrt wurde und den Kern des Christentums ausmacht, nämlich die Unterscheidung zwischen Gute und Böse, zwischen Gott und Teufel, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Christus und Antichrist, das können die Verräter der Gegenwart, die es in allen Konfessionen gibt, nicht so ohne weiteres ausmerzen. Die Wahrheit bleibt bestehen und wird Jene auffressen, die sich an ihr vergangen haben. Vergleiche die Teufelsvision der frommen Seherin Mechthild von Magdeburg.

 

 

Originaltext. Nachdruck gestattet, da der Übersetzer seit mindestens 70 Jahren tot ist.

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