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27-9-2002

Hl.
Bonaventura

Itinerarium Mentis in Deum - Weg der Seele zu Gott

 

Der Kirchenlehrer Bonaventura ist einer der größten Heiligen der Franziskaner. Er wurde geboren in Bagnoreggio bei Viterbo, studierte Theologie in Paris und wurde zusammen mit Thomas von Aquin zum Magister befördert. Mit 35 Jahren Ordensgeneral der Franziskaner von 1257 bis 1273. Schriftsteller. Tod am 15.7.1274. 1482 heilig gesprochen. Größter Theologe der Scholastik zusammen mit Thomas. „Doktor seraphicus“. Leo XIII, nannte ihn „Fürst unter allen Mystikern“. (Aus: Das große Buch der Heiligen, Melchers, Südwest Verlag München, 1980, s. 435f.)

Bonaventura verfasste „Das große Franziskusleben“, „Das kleine Franziskusleben“ und Predigten auf Franziskus, alle in dem empfehlenswerten Buch, das P. DDr. Sophronius Clasen OFM herausgegeben hat: „Franziskus – Engel des sechsten Siegels, Sein Leben nach den Schriften des heiligen Bonaventura“ (Dietrich-Coelde-Verlag Werl/Westfalen). Dort ausführliche Würdigung.

Als der heilige Thomas ihn einmal fragte, wo er seine Bibliothek habe, antwortete Bonaventura, mit dem Finger auf ein Kruzifix zeigend:

„Dieses ist meine Bibliothek, woraus ich alles erlernt habe, was ich lehre.“ (Auer: Goldene Legende, Köln 1904, 548)

Itinerarium Mentis in Deum
Prologus
I Incipit speculatio
pauperis in deserto
II De speculatione Dei in vestigiis suis in hoc sensibili mundo
III De speculatione Dei per suam imaginem naturalibus potentiis insignitam
IV De speculatione Dei in sua imagine donis gratuitis reformata
V De speculatione divinae unitatis per eius nomen primarium, quod est esse
VI De speculatione beatissimae Trinitatis in eius nomine, quod est bonum
VII De excessu mentali et mystico, in quo requies datur intellectui, affectu totaliter in Deum per excessum transeunte

Kein Werk eines Heiligen scheint uns so philosophisch geschrieben wie oben erwähntes Werk. Am leichtesten zu verstehen ist noch der Schluß, weshalb wir damit beginnen. Wir greifen nur einzelne Sätze heraus, die wir selbst aus dem Italienischen übersetzen, so gut wir es eben vermögen:


VII Die mystische Entrückung der Seele, bei welcher dem Verstand (Intellekt) Ruhe gewährt wird, während das Gemüt (Affekt) sich völlig Gott zuwendet

„... frage Gott, nicht den Menschen; ...; nicht das Licht, sondern das Feuer, das alles entflammt und das (dich, alles) zu Gott bringt: die Zerknirschung und die glühendste Zuneigung schleudern (dich) zu Ihm. Gott ist dieses Feuer... Christus zündet dieses Feuer an im liebevollen Ansturm seiner glühendsten Passion, und dies empfindet wahrhaft nur derjenige, der sagt:

„Meine Seele wünschte, dass ich erwürgt würde, und meine Knochen ersehnten den Tod“ (vgl. Hiob 7,15).

Wer diesen Tod liebt, kann Gott sehen, denn unzweifelhaft wahr ist folgende Behauptung:

„Kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“ (2. Mose 33,20, Luther: Kein Mensch wird leben, der mich sieht. Esodo 33,20)

Sterben wir also und treten wir ein in die Finsternis; gebieten wir den Sorgen Schweigen, den Wünschen, den sichtbaren Bildern; gehen wir mit dem gekreuzigten Christus „von dieser Welt zum Vater“, damit wir, wenn uns der Vater gezeigt wird, mit Philippus sagen:

„Es genügt uns“. (Johannes 14,8),

mit Paulus hören:

„Laß dir an meiner Gnade genügen“ (2. Korinther 12,9);

mit David lobpreisen:

„Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil und mein Gott in Ewigkeit.“ (vgl. Psalm 72 (73),26)

„Gelobt sei der Herr in Ewigkeit und das ganze Volk sage: So sei es, so sei es.“ (Psalm 105 (106),48) Amen.“

Benedictus Dominus in aeternum, et dicet omnis populus: Fiat, fiat. Amen.

Entnommen und übersetzt aus dem soeben erschienen Buch
Bonaventura: Itinerario dell´anima a Dio, a cura di Letterio Mauro, Bompiani, Testi a fronte, Milano 2002, pp. 144-147, 8,80 Euro www.bompiani.rcslibri.it

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