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Ablaß- und Bruderschaftsbuch

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30.1.2014

18B22AB74

Betrachtung über die Hölle

S. 192-196; entspricht ETIKA 95H14

Ablaß- und Bruderschaftsbuch für katholische Christen
und zugleich Vollständiges Handbuch für die Mitglieder des dritten Ordens des heiligen Franziskus. Getreu und nach authentischen Quellen bearbeitet von P. Gaudentius, Ex-Generaldefinitor des Franziskanerordens. Sechste, neu bearbeitete und vermehrte Auflage. Mit Approbation der Hochwürdigsten Erzbischöflichen und Bischöflichen Ordinariate Salzburg, Wien, München-Freising, Brixen, Seckau, Trient, Linz, Paderborn und Speyer und mit Approbation und Erlaubniß des Hochwürdigsten Ordensgenerals. Innsbruck. Druck und Verlag von Fel. Rauch. 1899.

I.           Theil. Anleitung zur christlichen Vollkommenheit. oder zur vollkommenen Liebe Gottes.
Zweite Abtheilung. Von den Mitteln, die Tugenden zu üben und zur christlichen Vollkommenheit zu gelangen.
Siebentes Kapitel. Die monatliche Geisterneuerung oder sogenannte Recollection.
Betrachtungen zur Auswahl für die Recollection.
IV. Betrachtung über die Hölle

Erklärung.

Gott straft die Sünde auf eine ihr entsprechende Weise: für die Orte der Sünde durch einen Ort der Qualen, für die Gesellschaft der Sünder durch eine Gesellschaft von Peinigern, für das Sündigen mit der Seele durch Peinen der Seele, für das Sündigen mit allen Gütern und Wohlthaten Gottes mit dem Verluste derselben, für das an sich ewig Unverbesserliche der Sünde durch die Ewigkeit aller dieser Strafen; und das ist die Hölle.

Bei dieser Betrachtung möge man diese Gegensätze sich unauslöschlich in die Seele einprägen, und die Orte und Gesellschaften der Sünde, der Mißbrauch der Geschöpfe werden jeden Reiz verlieren, und man wird die Leidenschaften der Seele und die Gelüste des Fleisches leicht im Zaume halten für eine Spanne Zeit, um solchen Strafen für eine Ewigkeit zu entgehen. Auch wird im Hinblicke auf dieselben weder die Beicht noch was immer für eine Buße als unmöglich oder zu schwer erscheinen. Die Betrachtung über die Hölle ist also sehr heilsam, und ihre Offenbarung von Seite Gottes eine große Barmherzigkeit.

Vorbereitungsgebet (Seite 183).

Erste Vorübung. „Ich soll mir im Geiste dem Umfang, die Tiefe, die Breite der Hölle vorstellen.“

Zweite Vorübung. „Bitte zu Gott um einen recht empfindsamen Eindruck von der Strafe der Verdammten, damit mir doch wenigstens die Furcht vor der Hölle helfe, daß ich nicht in die Sünde falle, wenn ich je der ewigen Liebe des Herrn wegen meiner Vergehungen vergessen sollte.“

Erster Punkt.

„Betrachte den Ort der Hölle.„

Die heilige Schrift nennt die Hölle:

1.   Einen Ort der Qualen (Luc. 16,28), wo nichts als Qual, und alle Qualen sind durch die ganze Ewigkeit! –

2.   Sie werden dort in einen Kerker eingeschlossen. (Isai. 24, 22.) Von der göttlichen Gerechtigkeit – für ewig.

3.   Ein Land des Elendes und der Finsterniß, wo Todesschatten und keine Ordnung, sondern ewiger Schrecken wohnt (Job. 10, 22.)

4.   Einen See des Zornes des großen Gottes (Apoc. 14, 19.) – für ewig!

5.   Ihr Antheil wird in einem brennenden Feuer- und Schwefelpfuhle sein. (Apoc. 21, 8.)

6.   Ich habe sie in meinem Grimme zertreten, ich habe sie in meinem Zorne zermalmt (Isai. 63, 3.) – für ewig!

Sieh da die Strafen für den Besuch der Orte der Sünde!

Zweiter Punkt.

Betrachte die Gesellschaft in der Hölle.

1.   Die gefallenen Engel. –

2.   Die verdammten Menschen. –

3.   Nur Böse, nur Lasterhafte, und zwar Verstockte und alle schwere Sünder: Gotteslästerer, Unkeusche, Trunkenbolde, Stolze, Mörder, Ehebrecher, Verleumder, unversöhnliche Feinde, Diebe, Räuber u. s. w.

4.   Alle von Gott und von allen Guten Verfluchte!

5.   Die nichts Gutes an sich haben, als ihre Natur, und durchaus verdorben sind, und zwar Alle deine Feinde. –

6.   Und ich sollte einmal unter ihnen sein – für ewig! –

Wenn ich mir lebhaft vorstelle, als befände ich mich unter Verbrechern in einem Gefängnisse oder auf den Galeeren, wie könnte ich es aushalten? Und was wäre diese Gesellschaft im Vergleiche mit jener? –

Sieh da die Strafen für den Umgang mit deinen Sündengenossen! –

Dritter Punkt.

Erwäge die Strafe der Entbehrung.

1.   Der Verdammte hat Gott verloren, und mit Gott jedes Gute – auf ewig! –

2.   Er hat die seligste Jungfrau Maria, die Engel und Heiligen verloren – auf ewig! –

3.   Er hat den Himmel und dessen Wonne und Glorie verloren – auf ewig! –

4.   Er hat nichts Gutes – durchaus gar nichts Gutes mehr. – Durchgehe die einzelnen Güter – auch jene dieses Lebens. Er ist ganz verlassen auf ewig!

5.   Was nützt ihm nun alles dasjenige, wegen dessen er gesündiget hat? –

6.   Sieh da die Strafen für den Mißbrauch aller Güter! –

Vierter Punkt.

Erwäge die Strafen eines Verdammten an der Seele.

1.   An der Einbildungskraft; diese wird ihm alle Vergnügungen dieses Lebens vorhalten – die nun für ewig verloren sind! und alle Schrecken und Bitterkeiten der Hölle – für ewig! –

2.   An dem Gedächtniß; dieses wird ihn erinnern an seine Sünden und an seine Mühen in der Sünde, – an seine Schmerzen und Opfer für die Sünden, - an die Gnaden Gottes, mit denen er seine Seele hätte reden können, wenn er gewollt hätte, wie er sie aber vernachlässiget, verspottet, verachtet hat u. s. w. – und nun sind sie für ewig verloren! –

3.   An dem Verstande, indem er nun endlich erkennt, einerseits die Menge, die Größe, die Abscheulichkeit, die Bosheit seiner Sünden, - andrerseits die Majestät und Güte Gottes – und in Folge dessen die Gerechtigkeit der Höllenstrafen.

4.   An dem Willen durch Verzweiflung an der Möglichkeit eines besserem Looses; - und deßhalb wird er in ewige Verwünschungen gegen Alles und gegen sich selbst ausbrechen! –

5.   Am Herzen, durch Haß gegen Alles und gegen sich selbst! –

Siehe da, was es nützt, in diesem Leben seinen Leidenschaften zu frönen!

Fünfter Punkt.

Erwäge die Strafen an den Sinnen des Leibes.

1.   „Ich sehe da jene ungeheuern Feuerbrände und die Seelen wie in feurigen Körpern.“ -

2.   „Ich höre da Jammer, Geheul, Geschrei, Lästerungen gegen Christus und seine Heiligen hervorbrechen.“ –

3.  „Ich rieche da Rauch, Schwefel, Morast und Fäulniß.“

4.   „Ich schmecke da bittere Dinge, wie Thränen, Traurigkeit, den Wurm des Gewissens.“

5.   „Ich fühle da, wie jene Feuer das Gewissen, die Seele berühren und brennen.“

6.   Alle Glieder, das Fleisch, die Adern, das Blut, die Gebeine, die Eingeweide, Alles im Feuer!

7.   Und alles bisher Bezeichnete durch eine ganze Ewigkeit!

Sieh´ da die Strafen für die Sünden am Leibe! –

Ist es also der Mühe wert, kurze Zeit hindurch bußfertig zu leben, um so große und dazu ewig dauernde Qualen zu vermeiden?

Bereue deine Sünden: bitte um Verzeihung; danke, daß du noch nicht verdammt bist; fürchte für die Zukunft; fasse Entschlüsse, und empfiehl Gott deine Vorsätze.

„Gespräch mit Christus dem Herrn über die Seelen, welche sich in der Hölle befinden; über jene, die vor seinem Erscheinen auf Erden an Ihn und an seine Ankunft nicht geglaubt haben, und über jene, welche während seines Lebens auf Erden und nach seiner Himmelfahrt zwar geglaubt, aber nicht nach seinen Geboten gewirkt und gelebt haben, und deßhalb zu Grunde gegangen sind. Damnke Ihm zugleich, daß Er nicht zugelassen habe, daß auch du zu einer von diesen Gattungen gehörest, sowie auch daß Er dich bisher mit solcher Liebe und Barmherzigkeit behandelt habe.“

Vater unser.

Nachfolge Christi. Buch I. Kap. 24, von Nr. 3 bis zum Ende.

 

wird fortgesetzt

Wenn wir nicht der felsenfesten Überzeugung wären, dass die Hölle eine reale Gefahr für die meisten Menschen und wohl auch für die allermeisten unserer Leser darstellt, würden wir nicht so viele Artikel darüber bringen. Doch ist die jetzige Welt Schall und Rauch, und die Hölle besteht in Ewigkeit, freilich auch mit Rauch.

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