ETIKA

Luis von Granada

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29.4.2004

18B2

Führer für Sünder

 

18B2C

Inhalt der ersten Abtheilung

S. 24-26. Kann übersprungen werden
Spanisch - Castellano

Die Lenkerin der Sünder,
von dem ehrwürdigen Vater Ludwig von Granada, aus dem Predigerorden.
Erste Abtheilung.

Kurzer Inhalt der ersten Abtheilung.

 

Diese erste Abtheilung enthält, o christlicher Leser, eine ausführliche Ermahnung zur Tugend, die darin besteht, die Gebote Gottes zu halten und auf deren Ausübung zu wachen. Sie zerfällt in drei Bücher.

 

In dem ersten werden, nach den Lehren der heiligen Kirchenväter, die allgemeinern Beweggründe angegeben, welche uns bestimmen müssen, die Tugend zu lieben, nämlich: die großen Verpflichtungen, die wir gegen Gott den Herrn haben, sowohl wegen dessen, was Er in sich Selbst – also wegen Seiner eigenen Wesenheit – als was Er für uns mit Rücksicht auf die unschätzbaren Wohlthaten, die Er uns verleiht, ist; ferner die für uns unumgängliche Nothwendigkeit, tugendhaft zu sein, bewiesen durch die vier letzten Dinge, welche sind der Tod, das letzte Gericht, das Himmelreich und die Hölle.

 

In dem zweiten Buche wird die Verpflichtung, die Tugend zu lieben, aus noch anderen Gründen hergeleitet; nämlich wegen der Gnadengüter, welche dem Tugendhaften schon in diesem Leben verheißen sind. Es werden davon zwölf besondere, der Tugend verliehene Vorrechte angeführt, und von jedem derselben insbesondere  gehandelt.

Die heiligen Kirchenväter haben zwar auch diese Vorrechte der Tugend, obgleich nur kurzhin, berührt und als solche das derselben verliehene Licht, den ihr innewohnenden Frieden, die wahre Freiheit, die Freude eines ruhigen Gewissens und die Tröstungen des heiligen Geistes angeführt – Alles Dinge, deren sich der Gerechte zu erfreuen  hat und die von der Tugend unzertrennlich ist.

Allein bis jetzt hat sich keiner angelegen sein lassen, diesen Stoff so ausführlich und in solcher Ordnung, wie ich es gethan habe, zu behandeln. Daher es mir auch keine geringe Mühe und Arbeit gekostet hat, alles aus der heiligen Schrift hieher Gehörige zusammenzutragen, das hin und her Zerstreute unter allgemeinere Benennungen und Begriffe zu bringen, und jedes für sich allein aus den Zeugnissen der heiligen Schrift und der Kirchenväter zu bestätigen. Daß so viel Fleiß auf diesen Gegenstand verwendet wurde, war deshalb nothwendig, damit diejenigen, welche nicht durch die Hoffnung noch zu erwartender Belohnungen – weil diese ihnen noch weit entfernt scheinen – bewogen werden,  nach Tugenden zu streben, wenigstens durch die unschätzbaren Güter und Vortheile, welche die Tugend schon hienieden begleiten, mögen angeregt werden.

 

Da es aber, um Jemanden von der Wahrheit einer Sache zu überzeugen, nicht allein hinreicht, die Beweise, welche für sie sprechen, anzuführen, sondern auch die Gegenbeweise müssen widerlegt werden, so ist hierzu das dritte Buch dieser Abtheilung bestimmt, in welchem allen Einwürfen, welche die Lasterhaften zu ihrer Entschuldigung und Vertheidigung wegen ihres Mangels an Tugend anzuführen pflegen, hinlänglich begegnet wird.

 

Damit endlich der christliche Leser sich nicht verwirre, merke er sich, daß die erste Abtheilung des gegenwärtigen Werkes mit dem ersten Theile meines Gedenkbuchs des christlichen Lebens (Anmerkung: Von diesem Werke ist in derselben Verlags-Buchhandlung eine vollständige deutsche Übersetzung in 4 Bänden erschienen.) übereinstimmt, welches ebenfalls eine Aufmunterung zur Tugend enthält, mit dem Unterschiede jedoch, daß sie dort nach dem jenem Werke zum Grunde liegenden Plane viel kürzer abgefaßt ist, hier aber wegen der Wichtigkeit und Erhabenheit des Gegenstandes, dem kein anderer gleich kommt, mit Fleiß mehr ausgeführt wird.

Die zweite Abtheilung entspricht aber der im vierten Theile des Gedenkbuchs enthaltenen christlichen Lebensregel, welche ebenfalls im gegenwärtigen Werke mit großer Ausführlichkeit behandelt ist.

Da aber der Gegenstand beider Abtheilungen überhaupt die Tugend ist, so soll der Leser noch wissen, daß hier unter dem Worte „Tugend“ nicht blos Tugendgesinnung, sondern auch die tugendlichen Handlungen und Pflichten, die aus jener Tugendgesinnung hervorgehen, verstanden werden, nach einer bekannten Redefigur, gemäß welcher die Wirkung durch die Benennung der Ursache und diese durch jene ausgedrückt wird.

 

Fortsetzung folgt.

Die Lenkerin der Sünder.
Verfaßt von
dem ehrwürdigen Vater
Ludwig von Granada
aus dem Prediger-Orden.

Erster Band.
Fünfte verbesserte Auflage.
Mit Approbation des hochwürdigsten General-Vikariats in Köln.
Aachen, 1853.
Verlag der Cremerschen Buchhandlung.
(Frz. Cazin.)

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