ETIKA

Baron von Bussière

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22.11.2014

18B34

Lebensgeschichte der hl. Franziska Romana

Auszüge, teilweise
zusammengefasst

Lebensgeschichte der heiligen Franziska Romana,
Stifterin der Oblaten von Tor di Specchi,
mit einer Einleitung über christliche Mystik
von Baron Maria Theodor von Bussière.
Aus dem Französischen übersetzt von P. Gf. P.
Mainz. Verlag von Florian Kupferberg. 1854.

Vorwort

Die Geschichte der heiligen Franziska Romana enthält große Lehren für das christliche Weib in allen Verhältnissen. Franziska war in ihren ersten Jahren das Muster der Töchter und Jungfrauen. Gegen ihren Willen verheirathet, war sie dennoch die vollendetste Gattin und Familienmutter. Später erinnert sie uns an die heiligen Wittwen der ersten Kirche und erscheint uns als Ordensstifterin und Lenkerin der Seelen. Ihr Leben ist reich an wunderbaren Begebenheiten.

Erstes Kapitel. Vaterland und Familie der Heiligen; ihre Kindheit und erste Jugend.

S. 105 Als sie ihr sechstes Jahr erreicht hatte, nahm sie eine noch strengere Lebensweise an. Von diesem Augenblick an untersagte sie sich gänzlich den Genuß von Fleisch, von Süßigkeiten und Eiern und begnügte sich mit einigen Kräutern, welche in Wasser gekocht und mit etwas Salz gewürzt wurden. Ihr Getränk bestand in einem Glas klaren Wassers.

106 Schon damals begann sie mit dem größten Eifer die Biographien christlicher Jungfrauen zu studiren, besonders solcher, welche in der Zeit der Verfolgung aus Liebe zu Jesus den Martyrertod erduldet hatten. Diese fortgesetzte Lektüre flößte dem heiligen Kinde eine glühende Sehnsucht ein, ihr Leben ganz dem Herrn zu weihen und für ihn den letzten Tropfen ihres Blutes zu vergießen.

108 Die Lüge war ihr unbekannt; die Freuden, die Pracht und die Eitelkeiten der Welt flößten ihr nur Traurigkeit und Ekel ein, und niemals sah man ein unmäßiges Lachen dieses liebliche Gesicht entstellen, deren Züge und Ausdruck den Stempel der Heiligkeit trug.

Sie hätte die Zeit für verloren betrachtet, welche sie nicht Gott geweiht, und hatte die Gewohnheit zu sagen: wer nicht für das Paradies arbeitet, arbeitet umsonst.

Zweites Kapitel. Franziska´s Verheirathung; ihr Benehmen. – Ueber die Familie ihres Gemahls. – Krankheit und wunderbare Heilung.

113 (Beichtvater Antonio Savello: : ) „Aber sollten Ihre Aeltern darauf (auf der Hochzeit) bestehen, so bieten Sie sich als Opfer des göttlichen Willens dar, dessen Organ sie dann sein werden; auf diese Art werden Sie die an das Sacrament der Ehe geknüpften Gnaden erhalten, ohne vor Gott das Verdienst des Verlangens nach der Jungfrauschaft zu verlieren.“

Drittes Kapitel. Inneres Leben der Franziska. – Berichte über ihre Lebensweise und die der Vanozza. – Erste Anfälle des Dämons. – Warnung der Heiligen von ihrem Schutzengel.

123 Da sich Franziska so nahe dem Tod gesehen hatte, so wußte sie, wie der Christ gelebt zu haben wünsche, wenn der letzte Augenblick herankommt. … nahm mit neuem Eifer die früheren Uebungen der Frömmigkeit und Abtödtung wieder auf.

129 … erleuchtet durch das innere Licht, dessen Inspirationen sie willig folgte, verstand sie endlich, daß Gott es verlange, daß sie in der Welt lebe, als lebte sie nicht darin …

130 Diese (einsamen und unbewohnten) Räume wandelten sie (Franziska und ihre Schwägerin und Freundin Vanozza) nun in Betkapellen um, zierten dieselbe mit einem Crucifix, mit Bildern der heiligen Jungfrau Maria und mehrerer Heiligen und legten zugleich dort mehrere Bußwerkzeuge nieder. Diese demüthigen Zellen wurden für diese beiden heiligen Frauen ein wahrhaftiges Paradies; den Tag über flüchteten sie sich in die Grotte, sobald ihnen ihre Pflichten und der Besuch der Kirchen einige Augenblicke die Freiheit dazu gaben … Beide wußten wohl, daß Gott eine strenge Rechenschaft über den Gebrauch der Zeit verlangen wird und daß von einer einzigen gut oder schlecht angewendeten Minute die Ewigkeit der Beseligung oder Verdammung hervorgehen kann.

131 (Don Antonio Savello) bevollmächtigte .. diese beiden Schwestern, ein rauhes und grobes Bußkleid unter ihren Gewändern tragen zu können, und auf die Bitte der Franziska erlaubte er gleichfalls, daß sie einen eisernen Gürtel trüge, der ihre Lenden mit einer doppelten Reihe spitziger Häkchen zusammenschnürte …

132 Zur selben Zeit fing Franziska an, sich regelmäßig jeden Tag und jede Nacht die Disciplin zu geben. Sie schlug sich mit Stricken, welche eiserne Spitzen hatten, so lange, bis das Blut reichlich herabfloß, und verharrte in dieser Uebung während ihres ganzen Lebens.

Der Teufel, durch eine einzige Sünde aus dem Himmel gestürzt, umgibt fortwährend die Seelen, um sie auf

133 seine Seite hinzuziehen. Erbittert durch das Betragen der beiden Schwestern und durch die Bewunderung, welche sie einflößten, dachte er an die Zerstörung ihres Werkes. Gott hatte ihm früher gestattet, den heiligen Job zu quälen und den berühmten heiligen Antonius zu vesuchen, den ersten von den Vätern der Wüste; dieser Erlaubniß wurde ihm jetzt gegeben. Aber auch diesmal sollten seine Versuchungen zur Verherrlichung des Allmächtigen dienen. Der Geist der Finsterniß nahm die Gestalt eines ehrwürdigen Eremiten an, abgemagert durch Fasten und Nachtwachen …

137 Zu derselben Zeit gewährte der Allmächtige unserer Heiligen ein besonderes Vorrecht, von welchem man kein anderes Beispiel in der Geschichte der christlichen Mystik findet. Franziska, der menschlichen Veränderlichkeit und Gebrechlichkeit unterworfen, konnte leicht in Vergeßlichkeiten fallen. Da sie aber in den Augen Gottes ein kostbares Kleinod war, dessen Glanz nichts trüben sollte: gab Er ihr in ihrem Schutzengel einen unsichtbaren Mahner, welcher ihr keinen Fehler ungestraft dahin gehen ließ. Was immer die junge Franziska sich zu Schulden kommen ließ, am Tage oder in der Nacht, wenn auch nur aus Unachtsamkeit, mochte sie allein oder in Gesellschaft sein: sie fühlte einen heftigen Schlag. Die Umstehenden hörten den Schall des gethanen Schlages. Unsere Heilige sah sich daher genöthigt und verpflichtet, der strengen Censur, welche ihr Schutzengel über alle ihre Werke, Gedanken und Worte sprach, durch innere und äußere Reinigkeit zu genügen. Sie sah zwar nicht Denjenigen, der sie schlug; aber sie begriff, daß die Strafe durch eine Freundeshand ihr angethan wurde, und sobald sie eine solche Strafe erhalten, prüfte sie sich streng, bat Gott demüthig um Verzeihung und strafte sich noch selber damit, daß sie sich hundert Handschläge auf die Brust und den Mund gab.

Viertes Kapitel. Franziska wird Familien- und Hausmutter. – Ihre Liebe. – Die ersten Wunder.

140 Das Jahr 1400 nahm seinen Anfang …

141 Franziska stand in ihrem siebenzehnten Lebensjahr. Seit fünf Jahren und gegen ihren Willen verheirathet … genas glücklich eines Knäbleins … Johannes Baptista

143 Als das Kind heranwuchs, sprach sie ihm von den vorzüglichsten Geheimnissen des christlichen Glaubens und regte es durch sein (ihr) Beispiel zu allen Tugenden an. Ueberzeugt, daß der Mensch, einem fruchtbaren Erdreiche gleich, zu seiner Zeit die Früchte des anvertrauten Samens bringt, bemühete sie sich, in dem Herzen ihres Kindes den Keim zu allem Guten einzupflanzen und den Abscheu vor aller Lüge, Härte, Halsstarrigkeit, vor allem Neide und aller Unreinheit einzuflößen. Eine sehr zärtliche Mutter zwar, verschwendete sie demungeachtet keine Zärtlichkeiten an Baptista; weit entfernt, durch die jugendliche Anmuth verführt zu werden, ließ sie auch nicht den geringsten Fehler ungestraft und brach den Eigensinn des Kindes, indem sie durchaus nicht seinem Geschrei oder seiner Ungeduld nachgab.

145 Franziska hatte die Beschäftigungen aller ihrer Diener so gut vertheilt, daß jeder Zeit hatte, der heiligen Messe beizuwohnen, an Sonn- und Festtagen des Wort des Herrn zu hören, die heiligen Sacramente oft zu gebrauchen und täglich den Familiengebeten beizuwohnen, kurz die Pflichten eines Christen vollkommen zu erfüllen; denn, sagte sie, es ist gerecht, daß der Dienst Gottes dem Dienste bei den Menschen vorgeht.

… Diese … Selbstverleugnung hinderte sie aber dabei nicht, sich fest und unerbittlich zu zeigen, wenn es sich um eine Gott angethane Beleidigung handelte; in diesem Falle entflammte ihr Eifer und ließ sich durch nichts zurückhalten; sie tadelte und strafte die Schuldigen, wer sie auch waren, da sie nicht dulden konnte, daß irgend eine Sünde in ihrer Wohnung begangen würde. Man erzählt in dieser Beziehung folgendes:

Laurentius (ihr Gemahl) hatte eines Abends mehrere seiner Freunde zur Tafel geladen und es hatte der Eine von ihnen ein schlechtes

146 Buch mitgebracht, welches zugleich eine vollständige Abhandlung über die Hexerei enthielt. Laurentius durchblätterte es neugierig; sobald das Franziska bemerkte, nahm sie ihm das Buch mit Gewandtheit und warf es in den Kamin, wo es vollkommen zu Asche verbrannte. Ihr Gemahl tadelte sie wegen dieser Unhöflichkeit in sehr harten Ausdrücken; sie aber antwortete ihm sanft und ohne Aufregung: „ich fühle mich glücklich, viele Sünden verhindert zu haben, welche durch dieses höllische Buch begangen worden wären.“ (Acta Sanctor. loc. cit. Ponzileoni, op. cit. p. 31 u. 32.)

Unsere Heilige machte jedes Mal denselben Gebrauch, so oft ihr ein schlechtes Buch in die Hände fiel, und oft hörten bei diesen Gelegenheiten die Leute im Palast Ponziani den Lärm der sich entfernenden Teufel.

Fünftes Kapitel. Evangelista und Agnes. – Verschiedene Anfälle des Teufels. – Muth und Seelengröße der Franziska bei Unfällen. – Hungersnoth und Pest in Rom: Wunder. – Neue Peinigungen.

152 Die Dame Ponziani erreichte ihr zwanzigstes Lebensjahr (im Jahre 1403), als sie zum zweiten Mal Mutter wurde. Es war ein Knäblein … Johannes Evangelista. … 153 Es wuchs rasch an Gnade und Frömmigkeit und kannte keine andere Freude als das Gebet, kein anderes Vergnügen, als dem Gottesdienst beizuwohnen oder Armen Almosen zu vertheilen. 154 Evangelista hatte noch nicht sein drittes Lebensjahr erreicht, als ihm Franziska eine kleine Schwester gab, welche auf den Namen Agnes getauft wurde und durch ihre frühzeitige Frömmigkeit, ihre Anmuth und engelgleiche Schönheit das lebendige Ebenbild ihres früher geborenen Bruders war.

159 Die Kämpfe mit den höllischen Mächten, welche Franziska bis zu ihrem Tode auszustehen bestimmt war, und aus denen sie immer siegreich hervorgehen sollte, wurden … von Tag zu Tag häufiger.

160 Franziska setzte niemals andere Waffen dem Dämon entgegen, als die Demuth und die Verachtung; voll Mißtrauen in ihre eigenen Kräfte stützte sie sich einzig auf Gott. … Nachdem sie ihren Körper in die gehörige Knechtschaft gebracht, hörte sie nach und nach auf, den gewöhnlichen Bedürfnissen des Lebens unterworfen zu sein. …

Gott gewährte ihr .. das Vorrecht, durch den Geruch den Gewissenszustand Derer, mit denen sie verkehrte, zu erkennen. Die Sünden, besonders die gegen die Keuschheit, waren für sie mit einem so üblen Geruche begleitet, daß dessen Intensität sie oft ohne Besinnung hätte hinfallen lassen, hätte man sie nicht eiligst unterstützt und ihr beigestanden.

162 Franziska war jetzt reif für Trübsale; sie sind die gewöhnlichen Begleiter und in gewisser Art der Probierstein der Heiligkeit … Als geliebte Schülerin unseres Herrn wurde sie vielleicht mehr wie jede andere in der Schule des Unglücks und der Leiden geprüft.

163 Laurentius (ihr Mann) fiel, die Seinigen hielten ihn für todt. … 165 Graf Troja ließ Paluzzo, den Gatten der Vanozza, verhaften, und da er erfahren, daß Laurentius einen bereits acht- oder neunjährigen Sohn habe, befahl er, ihn auf der Stelle als Geißel in Beschlag zu nehmen, indem er unter einem Eidschwur hinzusetzte, daß er im Fall der Verweigerung seinen Gefangenen Paluzzo enthaupten lassen würde. Die Trostlosigkeit der Franziska bei dieser furchtbaren Botschaft läßt sich eher begreifen, als beschreiben. Man verlangte, daß sie einem zügellosen und barbarischen Tyrannen des älteste ihrer Kinder, den künftigen Stammhalter ihrer Familie, ausliefern sollte!

168 Papst Alexander VI. starb zu Bologna 1410; sechszehn Cardinäle, in dieser Stadt versammelt, erwählten Balthasar Cosca zu seinem Nachfolger, der den Namen Johannes XXIII. annahm. (Anmerkung ETIKA: beide Male kein Druckfehler, offenbar herrschte damals in der Kirche ein ähnliches Durcheinander wie heute.)

Ladislaus (König von Neapel) bemächtigte sich Roms, das der Plünderung überlassen wurde. Der Sieger steckte eine große Anzahl

169 von Palästen und Häusern in Brand, beraubte die Kirchen ihrer Schätze und entweihte sie durch schamlose Orgien, verwandelte die Kirchen in Ställe und gab den Befehl zur Tortur und zur Enthauptung einer großen Anzahl von Denjenigen, welche der Sache des Papstthums treu geblieben waren. Die Ponziani standen an der Spitze der päpstlichen Anhänger. Laurentius hatte sich noch schwach und krank durch die Flucht dem Rachegefühl des Siegers entzogen; aber er hatte nicht mehr die Zeit, seine Frau und seine Kinder mitzunehmen. … Der Reichtum der Familie beruhte auf Landgütern … verwüstet. Ein neuer Job (Hiob), sah die Dame von Ponziani nach einander die Diener ankommen, welche ihr die Niedermetzelung oder die Gefangennehmung ihrer Gefährten verkündeten und die Wegnahme zahlloser Heerden von Kühen, Schafen und Pferden … Alle diese traurigen Nachrichten empfing sie mit gewohnter Ergebung; bei jeder Nachricht erhob sie die Augen gen Himmel und wiederholte die Worte: „Der heilige Name des Herrn sei gepriesen; sein immer gerechter und anbetungswürdiger Wille geschehe in allen Dingen.“

170 Inzwischen drang eine wüthende Rotte in das Palais ein, entriß den Armen der Franziska den jungen Baptista, forderte den Laurentius mit großem Geschrei, mißhandelte die Diener des Hauses, um sie zu zwingen, den Zufluchtsort ihres Herrn anzugeben, und plünderte endlich den alten Sitz der Ponziani. In wenig Stunden war Alles, was er enthielt, geraubt oder zerstört. Ein einziger Tag hatte genügt, Franziska ihren Gatten, ihren ältesten Sohn und ihren Reichthum zu rauben.

171 Eine furchtbare Hungersnoth zeigte sich in Rom, kurze Zeit nach dem Ueberfalle des Ladislaus, wie gewöhnlich war sie bald von einer Pest begleitet. … bald wurde Evangelista von ihr ergriffen.

172 Evangelista: „Jesus Christus, mein Schatz, ist im Himmel, mein Herz sehnt sich, dorthin zu kommen … Der Herr erhört mich heute und will, daß wir uns trennen; man muß ihm dafür danken; denn er befreit mich für immer von der Sünde, von der Krankheit, von dem Alter und den Gefahren, in welche man auf Erden fällt; er will, daß ich unter seinen Seligen weile in Ewigkeit. … Siehe da die schönen Engel, welche kommen, um mich zu begleiten!“ Darauf kreuzte das Kind seine kleinen Arme über die Brust, ein letztes Lächeln umblühte seine Lippen und seine unschuldige Sele eilte im raschen Fluge nach dem Land der ewigen Freude.

173 Die Hungersnoth und die Pest setzten ihre Verwüstungen in Rom fort; von allen Seiten hallten Jammertöne 174 von Denen wieder, welche um ein Stückchen Brod baten; die Häuser, die Straßen, die öffentlichen Plätze waren mit Unglücklichen angefüllt, welche eine Beute der Ansteckung waren. Blaß, mager, abgezehrt, stießen sie bald dumpfe Seufzer aus, bald ein Geschrei, welches ihnen die Heftigkeit ihrer Schmerzen auspreßte. Da lag ein Greis in den letzten Zuckungen des Todes, umgeben von den Leichen seiner Kinder; dort vernahm man das Röcheln einer Mutter, welche mit einer instinktmäßigen Bewegung einen sterbenden Säugling noch umarmte; weiterhin forderte eine Unglückliche einen Gatten oder eine Familie zurück, welche nicht mehr existirten. Man sah einen Trauerwagen von Thür zu Thüre mit abgemagerten Ochsen zur Aufnahme der Leichen vorüberziehen. War der Wagen voll, zog er langsam nach den Kirchhöfen.

175 Die Frau von Ponziani … beraubte sich selbst des Nöthigen, um es den noch Aermeren, als sie, zu geben. … sie verwandelte einen großten Theil des Unterstockes ihres Palastes in ein Hospital … Pestkranke … wäscht sie  …, verbindet sie …

176 Sie bereitet jedem die Speisen und Mittel, welche seinem Zustande zusagen … flößt ihnen die Liebe zu Gott und dem Leiden ein, als Mittel der Sühnung.

179 Gott gewährte Franziska die Gabe der Wunder, und eine große Anzahl Kranker, von ihr gepflegt oder berührt, wurden gegen alles Voraussehen der Aerzte geheilt.

182 So liebevoll nun Franziska gegen Andere war, eben so hart war sie gegen sich selbst. Sie gestattete sich nicht mehr als zwei Stunden Schlaf, und dies nur auf einem einfachen Brett, bedeckt mit einem Stück Teppich, sehr schmal und sehr kurz, so daß sie sich weder ausstrecken noch umwenden konnte. Jeden Tag geißelte sie sich bis auf´s Blut, und wenn ihr Fleisch zerrissen war, schüttete sie zerlassenes Wachs oder Fett hinein … bestrafte jeden Versuch des Aufruhrs (ihrer Sinne) durch eine verdoppelte Strenge.

Sechstes Kapitel. Erscheinung des Evangelista und ihre Folgen. – Ein Erzengel Begleiter der Franziska.

183 Ein Jahr war nach dem Tode des Evangelista vergangen. … Plötzlich sieht sie sich von einer blendenden Klarheit umgeben. … Evangelista … sie erkennt seine Züge … Neben ihm ist ein Kind desselben Alters, derselben Gestalt, aber seine Schönheit ist bei weitem größer. Ihr Sohn naht sich ihr. …

185 „Dieser himmlische Geist ist dir von der göttlichen Majestät gesandt, um dich zu trösten auf deiner irdischen Pilgerschaft; du wirst ihn Tag und Nacht an deiner Seite sehen, er wird dir in Allem beistehen. … Aber ich bin auch gekommen, dir zu sagen, daß von jetzt nur nach kurzer Zeit meine Schwester Agnes oben im himmlischen Jerusalem bei mir sein wird. Betrübe dich nicht, freue dich. “ Nachdem Evangelista ungefähr eine Stunde bei seiner Mutter zugebracht hatte, verließ er sie, um in das Paradies zurückzukehren, und ließ ihr den Erzengel, mit welchem er gekommen war, als Gefährten zurück.

186 Einige Tage nachher wurde Agnes krank. … Diese unschuldige Taube hauchte ihren letzten Seufzer aus in einem Alter von sieben Jahren. …

In dem Augenblicke, wo Evangelista Franziska verlassen hatte …, wandte sie sich an den Erzengel, bat ihn, sie in allen Zweifeln zu erleuchten, ihr in allen Verhältnissen den

187 göttlichen Willen anzukündigen, damit sie sich ihm gleichförmig mache; ihre Fehler zu rügen und sie vor der Sünde zu bewahren; sie in den Kämpfen mit dem Feinde des Heils zu beschützen; endlich sie in den Uebungen der Frömmigkeit und der Buße auf eine Art zu leiten, daß sie auf dem Wege christlicher Vollkommenheit vorschreite und daß sie mehr und mehr dem Herrn wohlgefällig werde.

Der Erzengel folgte ihr, eingehüllt in leuchtende Strahlen, allen Anderen, außer ihr, unsichtbar. … Des Nachts las und arbeitete sie so leicht wie am Tage bei dem Lichte ihres himmlischen Begleiters.

188 „Seine Gestalt,“ sagte sie ihm (dem Beichtvater Don Antonio Savello), „ist noch nicht so hoch, wie die eines Kindes von neun Jahren, sein Anblick ist voll Sanftmuth, seine Schönheit übersteigt die der Sonne; eine unaussprechliche Majestät ist über sein ganzes Wesen ausgegossen. Seine Augen sind beständig zum Himmel gerichtet und nichts kann die Reinheit seines Blickes beschreiben. Seine Stirne ist immer heiter, seine Haare, ähnlich dem feinsten Golde, fallen in dicken Locken auf seine Schultern, seine Arme gekreuzt auf der Brust. Sein Anblick erhebt und begeistert meine Seele; ihn anblickend, begreife ich den Adel der Engelsnatur und unsren eigenen Verfall. Er trägt ein langes, glänzend weißes Gewand und darüber die kleine Tunica eines Subdiakonen, dessen Farbe wechselt; bald scheint sie mir weiß, wie die Lilie im Garten, bald roth wie die Rosen, wohl auch noch wie das reine Blau des weiten Firmamentes. Wenn ich mit ihm die schmutzigen Straßen durchwandere, so berühren seine Füße niemals den Schmutz.“

189 Der Erzengel wurde für Franziska wie ein Schild in den häufigen Kämpfen, welche sie mit den Teufeln zu bestehen hatte.

190 Wenn sie aus Unachtsamkeit in einen leichten Fehler fiel, verschwand der Engel. Franziska fühlte dann einen bitteren Schmerz; sie erforschte auf der Stelle mit der ängstlichsten Aufmerksamkeit ihre Handlungen, ihre Worte und ihre Gedanken.

191 Sie kam dahin, in allen Dingen den Willen Gottes zu sehen, sich vollkommen zu unterwerfen und mit Ergebenheit alle Widersprüche zu ertragen.

Was die Personen anbelangt, mit denen sie verhandelte, so erkannte sie ihre geheimsten Gedanken, durch das übernatürliche Licht erleuchtet, welches von dem Erzengel ausströmte. Ihre Gedanken, ihre lasterhaften Neigungen verursachten ihr ein unaussprechliches Mitleiden und Schmerz. Das übermenschliche Wissen, welches sie so besaß und die Gabe, die Geister zu unterscheiden, machten sie im höchsten Grade geschickt, die Gewissen zu leiten. Daher die außerordentliche Macht, welche wir sie werden ausüben sehen, um verirrte Seelen zurückzuführen, um bösen Absichten vorzubeugen, um endlich den eingewurzelsten Haß und alte Feindschaften zu zerstören.

Siebentes Kapitel. Krankheit der Franziska. Gesichte.

192 Pestartige Krankheiten setzten ihre Verwüstungen in der Stadt Rom fort. Das Jahr 1414 begann. Kaiser Sigismund und Papst Johann XXIII. waren überein gekommen, ein Concil in Constanz abhalten zu lassen, und die Gläubigen fingen an, die fernliegende Hoffnung zu nähren, daß das Schisma, welches seit so vielen Jahren die Kirche verwüstete, endlich aufhören würde; aber diese so unbestimmte Hoffnung verminderte nicht das Gewicht der gegenwärtigen Trübsale.

193 Franziska interessirte sich dafür in der verständigen Gluth ihrer Liebe, und sie sah mit dem tiefsten Schmerz, wie die Beleidigungen gegen die göttliche Majestät sich vermehrten und die Verbrechen wie die Sünden von Tag zu Tag zunahmen.

Die Peinen, die sie dadurch fühlte, verbunden mit ihren grenzenlosen Mühen, mit ihren Abtödtungen und die geringe Sorge für sich selbst, mit der sie die Pestkranken pflegte: alle diese Ursachen zusammengenommen brachten ihr eine sehr schwere Krankheit, welche sie an den Rand des Grabes brachte. Sie war in Todesgefahr während mehrerer Monate. (Arch di Tor di Specchi. Amico, op. cit. p. 37. et seq. Ponzileoni, op. cit. p. 71 et seq.)

Franziska, eine Beute furchtbarer Schmerzen, zeigte sich so wie sie immer gewesen war, ruhig, mild und geduldig; der größte Theil der Ihrigen verließen sie aus Furcht vor der Ansteckung, sie beklagte sich nie darüber. Andere Personen, die sie besuchten, warfen ihr in harten Ausdrücken ihre niedrigen und knechtischen Arbeiten vor, als die Ursache ihres Uebels, und klagten sie an, durch einen übertriebenen und schlecht angewendeten Eifer die Pest in ihr eigenes Haus gebracht zu haben; sie regte sich deswegen nicht auf.

194 Es war ihr einerlei, zu dulden oder nicht zu dulden, wenn nur der Wille Gottes erfüllt würde. Ungeachtet ihrer körperlichen Krankheit erfreute sich Franziska ununterbrochen der so kostbaren Gesundheit der Seele. … Sie sollte noch glorreiche Werke hier auf Erden erfüllen;

195 aber damit die Größe der Offenbarungen und Gnaden, welche Gott ihr bestimmte, sie weder zum Hochmuthe noch zur Vermessenheit verleitete, beschloß der Herr, sie mehr und mehr in seiner Furcht zu befestigen. Darum wollte die ewige Weisheit auch, daß Franziska die sündige Menschheit aus ihrer Lauheit herausreißen und ihr die furchtbaren, von der göttlichen Gerechtigkeit vorbehaltenen Strafen verkündigen sollte. Um diese Aufgabe zu erfüllen, mußte sie eine genaue Kenntniß Dessen erhalten, was sie der Welt androhen sollte.

Es war in den letzten Tagen des Winters; Franziska, allein in ihrem Zimmer, betrachtete das Unglück Derer, die ihren Leidenschaften und der Sinnengewalt hingegeben, sich für alle Ewigkeit vernichten.

Ihre Betrachtung wurde immer tiefer und tiefer, bald verliert sie das Selbstbewußtsein und sie kommt in Ekstase. Da zeigt sich ihr ein Engel und befiehlt, ihr ihm zu folgen.

195-205 Durch die Hölle, 1. Vision ETIKA 95H28 – Weitere Visionen 95H29

206-209 Durch das Fegefeuer ETIKA 95F5

209 Einige Tage darauf fand Franziska ganz plötzlich ihre Gesundheit wieder.

Die Vision der Hölle hatte auf ihren Geist einen solchen Eindruck gemacht, daß sie nie davon sprechen konnte, ohne von einem krampfhaften Zittern, Weinen und Schluchzen ergriffen zu werden. Dieser Schrecken diente, sie in der Furcht Gottes und der tiefsten Demuth zu erhalten, trotz den außerordentlichen Gnaden, mit denen sie nach und nach beschenkt wurde, – und trieb sie an, oft heilsame Ermahnungen Denen zu geben, die zu viel von der göttlichen Barmherzigkeit voraussetzen und zu wenig Sorge für die ewige Gerechtigkeit tragen.

Später, nachdem sie die Congregation von Tor di Specchi gegründet hatte, ließ unsere Heilige die Vision der Hölle auf die Mauern der Kapelle malen, auf daß diese furchtbare Belehrung für ihre geistlichen Töchter und für die Nachwelt nicht verloren ginge.

Achtes Kapitel. Rückkehr des Gatten und Sohns von Franziska. – Neue Berichte über ihre Demuth und Liebe. – Bekehrungen, durch die Heilige bewirkt.

209 Papst Johann und Kaiser Sigismund hatten zusammen ein Bündniß geschlossen, um Italien von dem verhaßten Joche Ladislaus, Königs von Neapel, zu befreien. … eine heftige Krankheit, Folge seiner Unenthaltsamkeit, ergriff ihn … er starb den (210) 5. August 1414. Das Oberhaupt der Kirche … reiste mit Sigismund ab, um das Concil von Constanz zu eröffnen. Dasselbe Concil sollte ihn später absetzen und das große Schisma im Orient schließen, indem auf den Stuhl Petri der berühmte Martin V. erhoben wurde.

Die Unglücksfälle der Ponzianis endeten  mit der Rückkehr des Friedens. Paluzzo, Laurentius und Baptista kehrten wieder aus dem Exil zurück; Hab und Gut wurde ihnen ebenfalls zurückerstattet.

214 Franziska: Was Aergerliches in der Stadt Rom vorgeht, erfährt sie sogleich. Da eilt sie herbeizukommen, sie beschwichtigt den Haß, bricht die gefährlichen Verbindungen, versöhnt die entzweiten Eheleute und Familien, macht Ungerechtigkeiten wieder gut … es genügt ihr einen Blick auf den Erzengel zu werfen, um die geheimsten Sünden und Gedanken eines Jeden zu erkennen; mit ihrem Blicke dringt sie in die äußersten Falten der Gewissen. Von da an wurde es ihr leicht, die Schuldigen zu beschämen und zu überzeugen und sie dahin zu bringen, ihr Leben zu ändern.

215 Eine junge Frau ist in Gefahr, in Verzweiflung zu sterben. Die unglückliche Fremde hatte selbst ein uneheliches Kind erwürgt … Ihr Verbrechen ist unbekannt, sie 216 wagt es nicht zu beichten. Franziska spricht ihr liebreich von der großen Barmherzigkeit Gottes gegen eine aufrichtige Reue, von der Thorheit Derjenigen, die lieber den Höllenpeinen entgegenlaufen, ehe sie beichten möchten, und die am Tage des Gerichts ihr Verbrechen vor dem Himmel und der Erde aufgedeckt sehen werden, welches sie nicht einem Menschen aufdecken wollten, der zum unverbrüchlichen Schweigen verpflichtet und vom Allerhöchsten gesezt ist, loszusprechen und auszulöschen. … Da endlich brach das Herz der Fremden … sie begehrt einen Beichtvater …

Neuntes Kapitel. Franziska mit zwei und dreißig Jahren. – Sie nimmt Theil an den Schmerzen bei dem Leiden unsers Herrn, und sagt das Ende des großen Schisma´s im Abendlande voraus. – Visionen und Ekstasen.

228 Franziska´s Geduld und Starkmuth kam ihrem Gehorsam gleich. Wir Alle sind hier zum Leiden verurtheilt; es offenbart die Tugenden der Guten und verschafft ihnen Verdienste für eine ewige Glorie; das Leiden gibt auch den Bösen Gelegenheit, sich zu bessern und mit Gott auszusöhnen.

229 Krank, verzehrt vom Fieber und von heftigen Schmerzen gequält, entschlüpft ihr kein Seufzer, noch irgend ein ungeduldiges Wort … Zu all diesen Leiden gesellen sich die, welche ihr die Dämonen anthuen.

231 Die Keuschheit und Reinheit unserer Heiligen ist der Art, daß eine unanständige Handlung oder Rede, in ihrer Gegenwart verübt oder gesprochen, ihr sogleich Erbrechen verursachte. Ihre Liebe zum Nächsten schwächt sich nicht.

232 Sie hat, wenn es möglich ist, noch mehr Eifer, das geistige Elend zu lindern, als das Leiden des Körpers. … Den noch in der Jugend Sterbenden stellt sie vor, wie sie den Gefahren und den Unfällen des Lebens entgehen, ja vielleicht dadurch einem langen Fegefeuer oder selbst der Verdammung.

233 Ihr Gebet beginnt Franziska immer mit dem Vater unser, welches der Herr sie selbst gelehrt hatte, und dann flieht sie zum Sohne durch seine Mutter, sie begrüßt die Jungfrau durch das Ave. Sie betet langsam, betrachtend 234 jedes der Worte. Alle Tage betet sie das Officium der heiligen Jungfrau, jede Hore zur vorgeschriebenen Zeit und gewöhnlich auf den Knien. Außerdem betet sie mehrere Psalmen, den Rosenkranz und eine große Anzahl Gebete für die armen Seelen im Fegefeuer.

Sie betrachtet gern die unendliche Größe Gottes und ihr eigenes Nichts. Sie betet zum Ewigen, daß er ihr die vollkommene Entäußerung von den irdischen Dingen, die Gleichförmigkeit mit seinem Willen, die Ausdauer, die Weisheit, Haß gegen sich selbst und gegen die Sünde und die Gnade gewähre, ihre Irrthümer zu erkennen und die Versuchungen zu überwinden.

Zehntes Kapitel. Franziska´s neuer Kampf mit den Dämonen. – Sie sieht die Verdammung eines der Simonie schuldigen Priesters. – Zweite Vision von der Hölle.

243 Mitten in der Nacht war Franziska in ihrem Zimmer in der Betrachtung … während sie betet, stürzen … höllische Geister auf sie in Gestalt halber Menschen und halb wilder Schweine; sie stoßen gräuliche Töne aus, sie aber begnügt sich zu sagen: „Domine, salvam me fac, ne tradas bestiis animas confitentis tibi. Rette mich, o Herr, übergib den Thieren die Seelen nicht, welche auf dich vertrauen.“ Der Engel hält sie in dem Augenblicke zurück, wo sie die Gattin des Laurentius an der Gurgel fassen, um sie zu erwürgen.

246 Die Hölle versucht noch einmal, die Demuth Franziska´s zu versuchen. Sieben Geister der Finsterniß dringen in ihr Gemach unter der Gestalt friedlicher Lämmer, und eine Stimme spricht die Worte: „Wir sind die sieben Gaben des heiligen Geistes, geschickt, bei dir zu wohnen, theures und kostbares Kleinod des Allmächtigen.“ Bei diesen Worten und dem zweifelhaften Lichte, das sie umgibt, erkennt Franziska die Gesandten des Satans und stößt sie mit Verachtung zurück. Darauf wechseln sie die Gestalt und nehmen die reißender Wölfe an; sie scheinen bereit, sich auf sie zu werfen und stoßen gräuliches Geheul aus. Sie rührt sich nicht. „Ich fürchte euch nicht,“ sagte sie ihnen kaltmüthig, „ich fürchte nur eine Sache, das ist, Gott zu beleidigen, ihr könnt nur thun, was Er euch erlaubt und Er wird nur erlauben, was zu Seiner Ehre und zu meinem Heile dient.“

248 Franziska ist auch Zeuge ihrer (der bösen Geister) Kunstgriffe bei Personen, mit denen sie umgeht. Sie bemerkt zur Seite eines jeden Individuums einen Dämon als Versucher; sie sieht die vorsichtige List, welche sie anwenden, um den Menschen zum Bösen anzutreiben …

249 Franziska: „Eine einzige läßliche Sünde kann uns ein unvergleichlicheres größeres Uebel zuziehen, als alle höllischen Mächte zusammen.“

255-259 Zweite Höllenvision ETIKA 95H29 (in Vorbereitung)

Eilftes Kapitel. Verehelichung des Baptista Ponziani. – Verhältniß unserer Heiligen zu Mobilia, ihrer Schwiegertochter. – Wunderbare Ereignisse.

265 Die Krankheiten, die geistlichen und zeitlichen Gefahren wurden ihr (Franziska) geoffenbart, damit sie dieselben  heilen oder durch ihren Rath, ihre Handlungen und besonders durch ihr energisches, fruchtbares Gebet abwenden könnte.

Zwölftes Kapitel. Laurentius entbindet Franziska von den ehelichen Pflichten .- Ursprung der Oblaten. – Wallfahrt nach Assisi.

274 Unsere Heilige empfand für sich selbst einen so tiefen Haß, einen wahren Abscheu, daß, mit dem besten Glauben von der Welt, sie sich für die schuldigste und unwürdigste Frau ausgab; die ewige Barmherzigkeit allein, sagte, konnte sie verhindern, in die äußersten Excesse zu verfallen, und niemals habe sie es verstanden, den Gnaden, mit welchen Gott sie überschüttete, zu entsprechen. So wie sie sich des leichtesten Actes der Unvollkommenheit schuldig glaubte, strafte sie sich mit der furchtbarsten Strenge, und vergoß so häufige Thränen

280 Sie sagte zu ihren Gefährtinnen, daß sie Alle an den Verdiensten dieser guten Religiosen (Olivetaner, ein Zweig der Benediktiner) Theil nehmen würden, wenn sie sich der heiligen Jungfrau unter dem Titel der Olivetaner Oblaten aufopferten, und sich gewissen, aus der Ordensregel des heiligen Benedictus angenommenen Vorschriften unterwürfen, denen sich auch Personen unterziehen könnten, welche durch ihren Stand berufen wären, in der Welt zu leben.

281 Santa Maria Nuova. 15. August 1425.

283 Man hörte sie oft mit Jubel ausrufen: „Ich gehöre mir selbst nicht mehr an, ich bin die Geopferte (Oblate) der mächtigsten König der Engel; sie ist meine Herrin und meine Frau, ich bin ihre Untergebene, ihre Dienerin, ihre Sclavin.“ Zwölf Gefährtinnen.

Wallfahrt nach dem heiligen Ort Maria von den Engeln zu Assisi

285 „Man lernt,“ sagte sie (ihren drei Gefährtinnen), „sich mit Wenigem zu begnügen, und man hängt sich nicht so an die Güter der Erde, denn schnell durchwandert man einen Ort und zaudert nicht, ihm den Rücken zu kehren.“

286 Der heilige Franziskus betrachtet mit Liebe und zärtlichem Mitleid diese armen, noch auf der Erde verbannten Pilger, fern von dem schönen wahren Vaterlande und den furchtbaren Lebenskämpfen noch ausgesetzt.

II. Teil

Dreizehntes Kapitel. Franziska nimmt zu ihrem Beichtvater Don Giovanni Mattiotti. – Vision bezüglich der Bildung der Congregation von Tor di Specchi. – Anfälle des Dämon.

289 Um in der Wahl (ihres Beichtvaters) nicht zu irren, nahm die Heilige die Zuflucht zu dem immer wirksamsten Mittel – dem Gebete.

295 Die Dämonen hatten es schon früher vergebens versucht, die im Einverständniß 296 mit Vanozza unternommenen Liebeswerke zu hemmen und den Einwirkungen ihrer Beispiele auf die Frauen Roms zuvorzukommen. Der Geist der Finsterniß verdoppelt seine Verwegenheit, wie er sieht, daß die Gründung einer neuen Congregation im Begriffe steht, in´s Leben zu treten zur größeren Ehre Gottes und zum Heile vieler Seelen.

297 Eingehüllt in falsches Licht, nimmt er (der Dämon) die ehrwürdige Gestalt des Eremiten Onuphrius an und erscheint vor Franziska. … „Elender,“ antwortete sie ihm, „wie schlecht bist du, du hoffst, mich zu betrügen und mich zu bestimmen, mit dir in die Einöde zu gehen. Ich will dort bleiben, wo es meinem Herrn gefällt, daß ich sei, und im Namen dieses selben Herrn Jesus Christus befehle ich dir, in den Abgrund zurückzukehren, der dir zur Wohnung dient.“ Bei diesen Worten fällt der vermeintliche Onuphrius mit furchtbarem Gekrach auf´s Angesicht zur Erde, der Engel schüttelt sein goldenes Haar und jagt ihn in die Flucht, und mit ihm verschwinden Franziska´s Zweifel und Aengsten.

302 Bald erschienen ihr die Dämonen unter der Gestalt von Negern, Affen, Löwen, Wölfen, Schlangen oder einer siebenköpfigen Hydra, um sie zu schlagen, sie in´s Feuer zu werfen oder auf tausenderlei Art zu mißhandeln; bald schleppten sie dieselbe in die oberen Stockwerke des Hauses und drohten, sie auf die Straße zu stürzen oder sie mit Keulen niederzuschlagen; sie selbst setzte ihnen die Kraft einer heroischen Seele entgegen und begnügte sich, den heiligen Namen Jesus auszusprechen. Verlängerte sich der Kampf zu sehr, so mischte sich der Erzengel hinein und trieb mit einer einzigen Bewegung die feindliche Armee in die Flucht (Acta Sanct. Mattiotti cit. p. 154 et 155.).

304 Einige Zeit darauf sieht sie acht Dämonen bei der Kirche Santa Cäcilia aufgestellt, welche die frommen Uebungen der Benedictiner-Mönche zu stören suchen und sich bei einem Hause erfreuen, welches zwei Frauen von schlechter Aufführung bewohnen. Sie betet für die Religiosen und läßt die beiden Frauen durch die Eigenthümer dieser Wohnung schmachvoll fortjagen. (Acta Sanct. Mattiotti, p. 153. Amico, op. cit. p. 204 et 267.)

Vierzehntes Kapitel. Visionen bezüglich neuer Unglücke Roms. – Tod der Vanozza. – Mehrere Ekstasen der Franziska.

306 Franziska, einstmals im Gebet in ihrer Betkammer in einer Julinacht des Jahres 1430, erblickt da sechs und zwanzig Dämonen, welche in wilder Freude brennende Fackeln schwingen. Von Zeit zu Zeit schreien sie Alle auf einmal: „Hier ist das Feuer des Zornes Gottes, welches auf Rom fallen wird, um es für seine Ungerechtigkeiten zu bestrafen; wir sind die Vollstrecker der ewigen Rache, wir werden Niemand verschonen.“ Die Heilige, erschreckt, empfiehlt auf den Knieen ihr Vaterland der göttlichen Barmherzigkeit, und sogleich gerät sie in Verzückung. … Darauf hört Franziska eine Stimme, welche die Worte spricht: „Der Herr, beruhigt durch die Gebete seiner Heiligen, verschiebt noch die Ausführung seines Urtheiles gegen die schuldige Stadt; aber Wehe, dreimal Wehe, wenn sie sich nicht bekehrt, denn große Schmerzen werden sie treffen.“

307 Eine erschreckende Vision offenbart ihr, daß die Zeit nahe ist. Es war auch noch in einer Julinacht. Eine furchtbare Hitze hatte die Heilige bewogen, die Fenster ihres Zimmers zu öffnen. Während sie den gestirnten Himmel betrachtet, sieht sie ihn sich plötzlich verdunkeln und ein riesiger Drache mit flammendem Rachen durchstreift die Luft von der Stadt bis nach Latium, und erregt auf seinem Wege einen grausigen Sturm. … In der Tat, kaum sind einige Monate verflossen, so erfüllen sich schon die Vorhersagungen unserer Heiligen.

Martin V. hatte die Anarchie unterdrückt.

308 Gabriel Condolmero (wird) Eugen IV.; bei dem ersten Consistorium senkte sich der Fußboden des Saales … ein Bischof wurde zerschmettert. … Stephan Colonna … ein Franziskaner conspirirt … zum Tode verurtheilt

309 Eugen kam bald in offenen Streit mit dem Baseler Concil. …Der Herzog Philipp von Mailand … unterschob den Baseler Vätern ein Dekret, welches ihn zum General-Statthalter der Kirche von Italien ernannte. … Philipp beeilte sich, Franziskus Sforza und Nicolaus Fortebraccio, berühmte Abenteurer, welche er in seinen Sold genommen hatte, gegen das Erbe Petri zu dirigiren. Letzterer wendete sich gegen Rom und verwüstete die Umgegend. Es gelang Eugen, die beiden Generäle zu entzweien, indem er an Sforza die lebenslängliche Besitzung der Mark Ankona und … überließ. Darauf schlug Sforza Fortebraccio bei Tivoli in die Flucht. … Aufstand der Ghibellinen in Rom … Eugen, im Vatikan belagert, entschlüpfte mit großer Mühe in einer Mönchskutte.

310 Rom wurde einer vollständigen Anarchie überlassen.

314 Während der Dauer des Begräbnisses (für ihre Freundin Vanozza, 1431) kniet sie an der Seite des Sarges und Angesichts des ganzen Volkes kommt sie in Ekstase. Ihr Körper, leicht erhoben, berührt kaum noch den Boden …

Fünfzehntes Kapitel. Visionen der Heiligen.
(Himmelsvision!)

319 So zu sagen fast alle Tage befand sie sich in direktem Verkehr mit der Geisterwelt.

321 Eines Tages, zu Weihnachten, ward sie im Geiste in die Grotte von Bethlehem versetzt.

322 Selbst die beiden Thiere, welche dort angebunden sind, erkennen ihren Schöpfer und knieen sich nieder. … In der rührendsten Weise bittet Franziska die heilige Jungfrau, ihr das Kindlein anzuvertrauen, um es in die Windeln einhüllen zu können. Die Königin des  Himmels erhört sie und legt Jesus in ihre Arme.

340 Wenige Tage nachher betrachtet Franziska das himmlische Vaterland der Seligen. …Die neun Chöre der seligen Geister stellen sich ihren Blicken dar. … Alle Auserwählten sind auf dem Gipfel der Freude so glücklich, als es ihnen zu sein möglich ist; wohl sind es Einige mehr als Andere, aber Alle sind glücklich, weil die Fähigkeit eines Jeden befriedigt ist. Sie verstehen die erhabenen Geheimnisse, welche hienieden dem Christen zu glauben geboten sind, und sie erlangen die vollständige Intelligenz von dem, was der Gegenstand des menschlichen Wissens ausmacht. Franziska sieht auch,

341 daß die in Freude ersättigten Seelen nicht Diejenigen vergessen, welche ihre irdische Pilgerschaft noch zu vollenden haben; Gott läßt es zu, daß sie vollständige Kenntniß von den Huldigungen haben, welche wir ihnen darbringen, von der Verehrung, welche wir ihren Reliquien und Bildern zollen; sie erfreuen sich dieser Acte öffentlicher Verehrung und erlangen oft vom Allmächtigen besondere Gnaden und Wunder für Die, welche sie so ehren.

Die Auserwählten kennen die Leiden der Verdammten und hören nicht auf, Gott zu danken, daß er sie davor bewahrt habe; die Existenz der Hölle, die Offenbarung der ewigen Gerechtigkeit stört nicht ihre Freude und verursacht ihnen kein Leid.

Es wird Franziska gesagt, daß nach dem Gericht die Körper an der Glorie der Seele Theil nehmen werden. Sie werden mit einer wunderbaren Beständigkeit und Feinheit leben und dabei leidenfrei und strahlend sein, verhältnismäßig nach dem Grade ihrer Glückseligkeit. (Amico, op. cit. p. 58 et seq.)

Sechszehntes Kapitel. Fortsetzung der bewunderungswürdigen Visionen der Heiligen und einige Angriffe des Dämon.

360 Am Feste Allerheiligen durchstreift sie den gestirnten Himmel, den Kristallhimmel und den Feuerhimmel und wird vor den Thron der heiligen Dreifaltigkeit geführt. Unser Herr thront darauf; er hat die Arme auf der Brust gekreuzt, seine Hände sind strahlender als seine Füße, das Gesicht wird noch heller als die Hände. Drei glänzende Strahlen gehen aus den Wunden des Erlösers hervor, umgeben Maria mit einem außerordentlichen Lichte und erhellen mehr oder weniger die Seligen, je nach dem Verdienst eines Jeden.

Die Heilige sieht dieselben Strahlen auf die Menschen herniederleuchten und diese durchdringen nach dem Verhältnisse ihrer Liebe und Verdienste; einige sogar halten 361 sich bei verstockten Sündern auf, um ihnen Gelegenheit und Zeit zur Bekehrung zu geben.

·        Es wird ihr geoffenbart, daß der Erlöser die Bösen oft vor der Zeit von der Welt abruft, um sie zu verhindern, sich ein Uebermaaß des Zornes aufzusammeln, und daß oft auch die Guten über die bestimmte Zeit hinaus (Zeit) erhalten, um sich mehr Verdienste zu erwerben.

365 Unterdessen sieht der Geist der Finsterniß mit Wuth Franziska´s Fortschritte auf den Wegen der Heiligung … 366 Er hat es vergebens versucht, die Heilige durch den Hochmuth, die Ungeduld oder die Verzweiflung zum Sündigen zu bringen; nun will er noch eine Versuchung gegen den Glauben unternehmen. In einer Septembernacht im Jahre 1431 fand sie sich allein in ihrem Oratorium. Die andern Bewohner des Palastes Ponziani waren im tiefen Schlafe.

Der Dämon stellte sich ihr in Gestalt eines Menschen dar und suchte ihr Gebet durch ein unaufhörliches Geschwätz zu beunruhigen und zu stören. Aber Franziska, vollkommen mit Gott geeint und an dem Lichte ihres Erzengels den Feind des menschlichen Geschlechtes erkennend, bekreuzt sich und sagt:

„Elender, warum kehrst du nicht zur göttlichen Barmherzigkeit zurück und warum bereuest du nicht deine Verstocktheit, statt hier deine Zeit mit mir zu verschwenden.“

Der Dämon fuhrt fort seine Rolle zu spielen, antwortete nichts auf diese Frage, sondern brachte vielmehr scheinbar so gewichtige und spitzfindige Argumente gegen die ewige Gerechtigkeit, gegen die Fürsehung und Vorherbestimmung Gottes vor, daß ein vollkommener Theologe in Verwirrung hätte gerathen können. Seine Absicht war, Franziska zum Zweifel an der Güte und Barmherzigkeit des Herrn zu bringen und sie zu einigen Irrthümern zu verführen, welche ihre Liebe zu Gott vermindern konnten. Aber sie entdeckt die Fehler seiner Gründe und antwortete ihnen mit unwiderlegbaren Beweisen. (Anmerkung ETIKA: Wie es einst die hl. Katharina von Alexandrien gegenüber den heidnischen Weltweisen tat.) Wüthend und verwirrt stürzte er sich auf sie, schlug sie heftig und überhäufte sie mit Verwünschungen und Schmähungen und verschwand. (Ponzileoni, op. cit. p. 158)

Wenige Tage darauf zeigte er sich der Heiligen unter der Gestalt eines Lichtengels, aber sie spuckte ihm in´s Angesicht und zwang ihn, sich zu entfernen. Diese Anfälle erneuerten sich oft. Franziska aber blieb immer siegreich. Mochte die Wuth ihrer Feinde noch so heftig sein, sie verachtete sie, zeigte keine Furcht und spottete über die Ohnmacht der Dämonen, die über sie, ein armes und kraftloses Weib, nichts vermöchten.

Siebenzehntes Kapitel. Franziska verfolgt das Unternehmen der Oblatencongregation und empfängt während der Ekstasen verschiedene Regeln und Hinweisungen.

372 Als sie Alle (die Oblaten) 373 vereint sind, richtet Franziska folgende Worte an sie:

„ … Er hat euch mit mir erwählt, um 374 die ersten Grundsteine zum Hause der heiligen Jungfrau Maria zu sein; er hat euch bestimmt, ähnlich kostbaren Samenkörnlein, in der Zukunft eine reiche Erndte hervorzubringen. Er will euch nicht mehr den Zerstreuungen in eurer Wohnung, den Sorgen für das Irdische und Vergängliche ausgesetzt sehen. Er will euch ganz haben, beschäftigt, ihm in der Zurückgezogenheit zu dienen, seine Beispiele und die der heiligen Jungfrau Maria nachzuahmen, zu beten, um seinen Zorn über das entartete Rom zu besänftigen, welches den Glauben und die Frömmigkeit der Vorzeit vergessen hat. … Seht ihr denn nicht, daß jeder Tag neue Ursachen des Verderbens diesem unglücklichen Lande und seinen Bewohnern herbeiführt? Aber der Herr ist voll Barmherzigkeit; selbst wenn ihn unsere Sünden erzürnen, sucht er geeignete Seelen, ihn zu beruhigen. Er hat seine Augen auf uns, meine theuren Schwestern, gerichtet; Er will, daß wir uns zwischen Ihn und die Pflichtvergessenen stellen …“

375 Nachdem Franziska die Beistimmung ihrer geistlichen Töchter erhalten, hatte sie doch noch mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen.

377 Nach vielerlei Versuchen schlug Don Ippolito dem Don Giovanni ein Haus in dem Stadttheil von Campitelli vor, welches auf einer früheren Stelle des Thurmes von Specchi, gegenüber dem Capitol und in geringer Entfernung von Santa Maria Nuova stand. … Haus 1432 gekauft … Dieser provisorische Aufenthalt der Töchter der heiligen Franziska, in der Folgezeit erweitert, blieb das Stammhaus, wie denn auch die Congregation selbst in den päpstlichen Bullen mit dem Namen der „Oblaten von Tor die Specchi“ bezeichnet ist.

378 Der Herr mischt immer die Süßigkeit der Tröstungen, die er uns hienieden gewährt, mit einiger Bitterkeit; die Sorgen befestigen die Tugend der Gerechten und offenbaren in den Augen der Welt ihre vollkommene Ergebung in die Beschlüsse der göttlichen Vorsehung.

388 Darauf erklärt unser Herr Franziska den Weg der heiligen Armuth; es gibt eine dreifache, sie kann in jedem Stande geübt werden und führt auf einem sicheren Wege zum ewigen Leben. Die erste Art der Armuth ist die, welche man die geistige nennt; sie wird von Denen geübt, welche die Güter der Erde besitzen, aber nicht daran hängen und sie nur gebrauchen, um das Elend Anderer zu lindern. Diese Seelen handeln im Geheimen und wollen nicht, daß ihre Wohlthaten bekannt werden. Sie sind Gott sehr lieb und trinken aus dem Quell des Lebens. Die zweite Art Armuth verzichtet auf die Welt, entblößt sich von Allem zu Gunsten der Armen und unterwirft sich dem Gehorsam. … Die Armuth dritter Art ist die herrlichste von Allen, denn die reine Liebe zu Gott ist ihre Triebfeder; sie gibt Alles, was sie besitzt, ist unempfindlich bei Entbehrungen, kümmert sich um Nichts, was auch geschehe, und ergibt sich ganz in den Willen des Allmächtigen. (Anmerkung ETIKA: Siehe dazu unsere Einwände bei den entsprechenden Stellen im Buch von P. Eusebio Nieremberg S. J.)

389 Der heilige Johannes der Täufer gibt ebenfalls unserer Heiligen Verhaltungsregeln für den Beichtvater der Oblaten. „ … Es gibt Seelen mit mehreren Lastern beschmutzt, da muß man besonders Das auszureißen trachten, welches vorherrscht. Man erlangt es, wenn man oft die Hülfe von oben anruft und wenn man gleich Anfangs der Versuchung entgegengesetzte Tugendacte übt. Tödtet die äußeren Sinne ab: die Augen, damit sie 390 sich nicht an Gegenstände haften, welche die Seele vergiften; die Ohren, aus Furcht, daß sie nicht zu Thüren der Hölle dienen, um in den Geist einzudringen (Anmerkung ETIKA: Es ist wohl überflüssig, dass wir dabei besonders an die Jugend appellieren, denn sie hört uns nicht); den Geschmack und Geruch, die, wenn man sie mit Zärtlichkeit bedient, die vernünftige Creatur entwürdigen; das Gefühl, der schrecklichste der Sinne, kann oft nur mit Hülfe der größten Strenge und Disciplin unterdrückt werden. … Vergesset nicht, daß je reifer eine Frucht und je schöner sie aussieht, der innere Wurm zu fürchten ist, daß er sie nicht zernage;  im geistlichen Leben sind der Hochmuth und die Eigenliebe, die Würmer, welche den Geist zernagen. Arbeitet denn, nur allein Gott zu gefallen und Ihm zu gehorchen. Achtet nicht die Meinung der blinden Sclaven dieser Welt …“

391 Am 1. März im Jahre 1433 wird unsere Heilige, auf ihrem Zimmer in Betrachtung vertieft, durch Verzückung in den Aufenthalt der Seligen versetzt. … Darauf reicht Maria Franziska die Hand, setzt sie zu ihrer Rechten, bedeckt sie mit ihrem gestirnten Mantel und drückt sie an ihr Herz.

Achtzehntes Kapitel. Anfang der Congregation von Tor di Specchi. – Anstrengung der Hölle, um sie zu zerstören. – Die Bestätigung.

396 … Doch die Werke Gottes werden gleich von Anfang an verfolgt. Die Congregation von Tor di Specchi sollte dem gewöhnlichen Schicksal nicht entgehen. Die Oblaten, kaum gegründet, wurden in Rom der Gegenstand der allgemeinen Unterhaltung. Das Murren, die üble Nachrede und die Verläumdung mischten sich bald darunter. Die Masse … behandelte die Frau von Ponziani als eine eigensinnige, lächerliche, überspannte Frau, und klagte sie an, einige nach etwas Neuem begierige Seelen verführt zu haben. Man geht so weit, die geistlichen Vorgesetzten aufzufordern, diesen neuen Orden aufzulösen und die Damen in ihre früheren Wohnungen zurückzuschicken.

597 Solche jeden Tag wiederholte und böswillige Reden machten auf den von Natur furchtsamen und unentschlossenen Geist Don Giovanni Mattiotti und Fra Bartolomeo Eindruck. Der Dämon benutzt diese Stimmung, um sie noch schwankender zu machen. …

Neunzehntes Kapitel. Berichte über die Lebensweise der Oblaten. – Neue himmlische Gnaden, an Franziska verliehen. – Visionen bezüglich der Lage Roms, der katholischen Welt und deren Folgen.

411 Franziska war für die Oblaten das vollendete Vorbild der Reinheit und Bescheidenheit. Der Widerschein ihrer Tugenden strahlte auf dem Aeusseren unserer Heiligen ab. Ihre Haltung hatte eine ernste Würde und flößte Achtung ein; ihre Augen, immer geneigt oder zum Himmel erhoben, ruhten nie auf einer Person; ihre Worte athmeten nur ungetrübte Lauterkeit und sie verstand, Jedem, der ihr nahte, Abscheu vor dem Laster einzuflößen. … Der Vater des Hochmuthes und der Lüge, pflegte sie zu sagen, wird unfehlbar in die Flucht gejagt durch Demuth und die Abtödtung; suchet demnach diese ausgezeichneten Tugenden mit Ausdauer zu üben!

413 Im Sommer 1434. Sie vernimmt eine starke und drohende Stimme, welche für Rom schreckliche Mißgeschicke verkündete. … theilt ihren Töchtern die furchtbaren Worte mit: „Meine Schwestern, was sollen wir machen? Der Zorn Gottes bedroht unser Vaterland; Rom ist in der Gewalt grausamer und blutdürstiger Menschen; der heilige Vater ist geflohen, seine Diener sind eingekerkert, man will an sein Leben, als wäre er ein verabscheuungswürdiger Tyrann und wir haben keine Hoffnung, ihn wiederzusehen. Die Verwirrung vermehrt sich, das Laster triumphirt, die Hölle bevölkert sich mit Seelen, welche durch das Blut Christi erkauft sind; diejenigen, welche bei der Löschung des Brandes helfen könnten, schüren vielmehr das Feuer und beschwören den Zorn Gottes herauf. Die heilige Jungfrau fordert Thränen, Gebete und Bußen; an uns ist es, diesem Mangel abzuhelfen; zu diesem Endzweck haben wir uns vereiniget; das Gebet und die Abtödtung sind unser Beruf; unsere Herzen sind die Opfer, welche den erzürnten Himmel besänftigen müssen; eure Thränen sind bestimmt, diese furchtbaren Flammen zu löschen.“

414 Sie erlangten die erbetenen Gnaden. denn am 24. October desselben Jahres 1434 nahmen Johannes Vitelleschi, Bischof von Recanati, und der Bischof von Turpia wieder Besitz von der Stadt Rom im Namen des Papstes Eugen IV. und mit der vollen Zustimmung der Römer, welche der Gräuel der Anarchie müde waren.

Bald suchte aber ein noch schrecklicheres Uebel, als die Verwirrung in Rom, die katholische Welt heim und verursachte unserer Heiligen einen tiefen Schmerz.

Papst Martin V. hatte zu Basel ein Concil zusammenberufen, aus den Bischöfen des Orients und des Occidentes zusammengesetzt und von päpstlichen Legaten beschickt. Die Anfänge dieser Versammlung waren glücklich. Aber nachdem Eugen IV. in dem Kriege der Florentiner mit Philipp, Herzog von Mailand, und mit den Venetianern sich für die Ersteren erklärt hatte, nahm Philipp dafür in der Art Rache, daß er mehrere der auf dem Concil gegenwärtigen Bischöfe gegen den Papst aufregte … schismatische 415 und dem päpstlichen Ansehen feindliche Propositionen wurden aufgestellt; man wagte zuletzt, den Papst Eugen aufzufordern und sich gegen die vorgebrachten – absurden – Anklagen zu vertheidigen.

Diese traurigen Conflicte brachten die ganze katholische Welt in Gefahr.

Es war in der Nacht des 14. October 1434, zehn Tage vor der Befreiung Roms, als unsere Heilige sich in ihrer Hauskapelle befand und einen siegreichen und schweren Kampf mit dem Dämon bestand. Sie kam in Ekstase, sah Maria auf dem Throne, an ihrer Seite die beiden Apostelfürsten … Franziska warf sich nieder vor der heiligen Jungfrau und klagte über der Kirche und Roms Lage und bat die Muttergottes, Mittlerin in diesen unglücklichen Zeiten zu werden. Mit Wohlwollen betrachte die Königin des Himmels 416 ihre demüthige Dienerin und trug dem heiligen Apostel Paulus auf, die Instructionen aufzuzeichen, welche sie ihm dictirte. Die heilige Jungfrau trug einem Jeden auf, zu beichten und mit einer aufrichtigen Reue und dem festen Vorsatze, nicht mehr zu sündigen; alle Mönche sollten in ihren Kirchen Bußprocessionen halten und die Lauretanische Litanei singen; ausserdem solle man zwanzig Messer zu Ehren Gottes und verschiedener Heiliger feiern.

418 Die Dame Ponziani bat Don Giovanni, sich nach Bologna zum Papst Eugen zu begeben und von dem heiligen Vater die Verordnungen zur Ausführung der Befehle der heiligen Jungfrau zu erlangen. Aber sie fand in ihrem geistlichen Führer nicht die gehoffte Stimmung; er fiel in seine früheren Zweifel und Furchtsamkeit und besorgte, daß sein Beichtkind der Spielball außerordentlicher Täuschungen sei … er fürchtete die Witzeleien und weigerte sich, nach Bologna zu gehen … Demungeachtet verlor unsere Heilige und ihre Töchter nicht den Muth; sie setzten ihr Gebet und ihr Flehen zu Gott fort, einen Blick der Barmherzigkeit auf seine Kirche zu werfen. Der Ewige hat die Gründung von Tor di Specchi gewollt, damit in diesen unheilvollen Zeiten fromme Gebete zu ihm aufsteigen, um seinen Arm zurückzuhalten, der gewaffnet und bereit war, die sündhafte Menschheit zu schlagen.

Am neun und zwanzigsten November. 419 Der heilige Paulus erschien ihr von Neuem. Der Apostel gab zur Bewahrheitung der Visionen, welche die Heilige gehabt, dem Mattiotti ein Unterpfand, indem er ihm durch Vermittlung der Franziska mehrere Geheimnisse offenbarte, deren Kenntniß nur Gott allein und er selbst haben konnte.

Endlich entschloß sich Don Giovanni. Er reiste … Eugen IV. nahm den Gesandten der Heiligen gütig auf und beauftragte ihn, die Befehle nach Rom zurückzubringen zur genauesten Ausführung aller von der Königin des Himmels gegebenen Befehle.

420 Man beeilt sich nun in Rom, den Verordnungen des Papstes nachzukommen. Bald konnte die Christenheit die glücklichen Folgen erfahren. Eugen IV., von Oben erleuchtet, setzte dem Winkel-Concil von Basel das öcumenische Concil zu Ferrara entgegen und setzte es zu Florenz fort, wodurch endlich den blutenden Wunden der Kirche das Heilmittel gebracht und die Wiedervereinigung des Orientes mit dem Occident bewirkt wurde.

Zwanzigstes Kapitel. Letzte Krankheit und Tod des Laurentius Ponziani. – Franziska zieht sich nach Tor di Specchi zurück. – Ein neuer Engel wird ihr gegeben. – Sie wird genöthigt, die Stelle der Oberin anzunehmen. – Ihre Leitung. – Wunder.

429 Nachdem diese Worte (Franziskas zu ihrer Trauerfamilie) gesprochen, entriß sich unsere Heilige den Thränen ihrer Familie und begab sich nach Tor di Specchi. Es war das den 21. März 1437, am Festtage des heiligen Benedictus. Nachdem sie die erste Pforte des Hauses durchschritten, blieb sie bei der Treppe stehen, legte ihren Schleier, ihr schwarzes Kleid und ihre Schuhe ab.  Sie legte einen Strick um ihren Hals und, indem sie bittere und  reichliche Thränen vergoß, ähnlich denjenigen, welche einst Magdalena zu den Füßen Jesu weinte, küßte sie die Erde, breitete ihre Arme in Kreuzesform aus, machte mit lauter Stimme in Gegenwart der Oblatinnen ihre Generalbeichte und rief darauf aus:

„Wie unglücklich bin ich, ich habe die Blüthe meiner Jahre der Welt gegeben und opfere jetzt den Rest Gott auf. Ich erkenne, daß ich geirrt habe, und daß die Stunde herangekommen, einen bessern Weg zu betreten. Ich flehe daher die Oberin und die Schwestern dieser Congregation an, mich um der Liebe desselben Gottes aufzunehmen, den ich so oft beleidiget habe, und mir zu gestatten, unter ihnen als die letzte der Dienerinnen zu leben, obzwar ich eine elende Bettlerin und eine Sünderin bin, die zu nichts taugt.“

Bei diesen Worten erhoben sie ihre Töchter, umarmten sie, führten sie in das Haus, bekleideten sie mit ihrem Ordensgewande und führten sie in die Hauskapelle, um dem Ewigen Dank zu sagen.

430 Die Heilige weigerte sich (nach dem Verzicht der Agnes von Lellis, ihre Nachfolgerin zu werden), sie erklärte sich für ein unwürdiges, mit Unrath angefülltes Gefäß; sie sei, sagte sie, „einzig geschickt zu dienen und zu gehorchen, und sie könne sich nicht in ihrem Gewissen mit einem Amte betrauen, zu dessen Verwaltung sie durchaus unfähig wäre.“ … Don Giovanni … befahl endlich seinem Beichtkinde, die Stelle der Oberin im Namen des heiligen Gehorsams anzunehmen.

Von ihrem Eintritte in Tor di Specchi an hatte Franziska vom Allmächtigen eine neue wunderbare Gnade erhalten.

431 Sie war in Ekstase gekommen, während sie sich in die Hauskapelle zurückgezogen hatte. Der Erzengel, welcher sie seit vier und zwanzig Jahren erleuchtet, vertheidiget und beschützt hatte, nahm Abschied von ihr mit einem süßen Lächeln. Versetzt in demselben Augenblick an einen Ort, wo ein unbeschreiblicher Lichtglanz herrschte, sah sie  unsern Herrn. Die Engel, um den Thron eine zahllose, in neun Chöre getheilte Heerschar bildend, kamen nach und nach alle, warfen sich vor dem Throne nieder und empfingen die göttlichen Befehle. Als die vierte Reihe ankam, die der Mächte und sich ihrerseits verneigt hatte, blieben die Blicke des Erlösers auf dem zweiten Engel der zweiten Hierarchie in diesem Chore stehen, und Er befahl diesem erhabenen Geiste für Franziska, seine treue Dienerin, Sorge zu tragen, ihr in allem beizustehen und sichtbar an ihrer Seite zu verweilen, wie der Erzengel, sein Vorgänger. In diesem Augenblicke kam unsere Heilige wieder zu sich und bemerkte zu ihrer unaussprechlichen Freude an ihrer Seite den neuen Gefährten, den ihr der Allmächtige bestimmt hatte.

Bis zu ihrem Todestag hörte sie nicht auf ihn zu sehen. Sein Aussehen war das eines wunderschönen Jünglings und glänzender noch als der Erzengel. … Es genügte sein bloßes Erscheinen, um die Dämonen, welche die Heilige angriffen, in die Flucht zu jagen.

432 Sie hatte unaufhörlich die Ermahnungen vor Augen, welche der heilige Paulus dem Timotheus und Titus gegeben:

„Predige das Wort, beharre auf demselben, gelegen oder ungelegen; ermahne, bitte, strafe in aller Geduld und Lehrweisheit. In allen Dingen erweise dich selbst als Vorbild guter Werke, in der Lehre, in der Unverfälschtheit und Würde.“

433 Franziska war für ihre Töchter die zärtlichste und liebreichste, die weiseste und erleuchtetste Mutter. … Franziska gibt ihren Töchtern das Beispiel der praktischen Tugenden in einem heroischen Grade. … Sie verlangte, daß Agnes sie selber mit der größten Wachsamkeit beobachte und für jeden Fehler streng rüge.

434 Sie ließ keinen Fehler ungeahndet dahin gehen, kein müßiges Wort und sie tadelte Dienigen, die sich in dieser Beziehung schuldig machten, mit eben so viel Liebe wie Festigkeit. Sie bewahrte den Frieden und die Einheit zwischen den Oblaten und ließ keine privaten Freundschaftsverbindungen zu. Wenn die Schwestern aus dem Kloster gehen, oder wenn sie ihre Verwandten im Sprachzimmer empfangen, haben sie immer eine Begleitung. Die Heilige verpflichtet e sie, lange Unterhaltungen zu vermeiden, und nichts von allem Dem zu wiederholen, was sie draußen gehört.

435  Um dieselbe Zeit vergoß Perna, die jüngste der Oblatinnen, durch Zufall oder aus Unaufmerksamkeit  ein wenig Oel auf die Erde. Nach der Regel des heiligen Hauses von Tor di Specchi mußte sie sich wegen ihrer Nachläßigkeit bei der Oberin anklagen und um eine Pönitenz bitten. Aber ängstlich bis zum Uebermaß und sicher, von keiner Person gesehen worden zu sein, vernachläßigte Perna diese Pflicht. Der Herr ließ unserer Heiligen die Kenntniß des Vorgefallenen zugehen. Franziska wartet, bis die Oblaten versammelt sind, und befiehlt Derjenigen unter ihnen, welche Oel vergossen habe, sich anzuklagen. Sie schweigen Alle. Da nähert sich Franziska als Oberin der Perna, schlägt sie sanft auf die Schulter und sagt ihr: „Gestehe deinen Fehler, ehe der böse Geist mit seiner Schlinge dich erwürgt.“ Da kommt die junge Tochter zu sich; befreit vom Dämon, der sie zu sprechen verhinderte, knieet sie weinend nieder, erfüllt die Regel und unterwirft sich mit frommem Eifer der Buße, welche ihr Franziska auferlegt.

Unsere Heilige sorgte mitunter auch gern für eine bescheidene Erholung ihrer Töchter. Sie führte sie zu einem und zum andern ihrer Weinberge, welche außerhalb Roms lagen, damit sie die frische Landluft einathmen und ihre Gesundheit durch Bewegung stärken konnten. Eine 436 unschuldige und heilige Heiterkeit herrschte bei diesen Spaziergängen. … sie sammelten Reisig und Kräuter und trugen sie auf ihrem Kopfe in die Stadt wie einfache Bäuerinnen. 437 Traubenwunder.

Ein und zwanzigstes Kapitel. Ihre fernere Leitung. – Ekstasen. – Wunderbare Thatsachen.

450 Gewöhnlich wachsen die Heiligen in der Vollkommenheit, je näher sie dem Ziele ihrer irdischen Pilgerschaft sind, und Gott vermehrt in ihnen in demselben Verhältnisse die ausserordentlichen äußern und innern Gnadengaben, um ihre Heiligkeit in Aller Augen erglänzen zu lassen. … Es verging kein Tag mehr, so zu sagen, an dem sie nicht einige auffallende Wunder wirkte; von allen Seiten kamen die Kranken, die Betrübten und Unglücklichen zu ihr, sicher, die Heilung ihrer Leiden und Schmerzen zu finden. Selbst die Elemente schienen in ihr eine übernatürliche Macht anzuerkennen.

458 Don Giovanni Mattiotti: „Außer den erzählten Wundern gab Franziska einer großen Anzahl von Stummen die Sprache, Blinden das Gesicht, Verstümmelten und Lahmen den Gebrauch ihrer Glieder wieder; sie heilte durch eine einfache Berührung Pestkranke, Besessene, Verwundete und von der Epilepsie Befallene; mit einem Worte, die verjährtesten und unheilbarsten Schmerzen wichen der übernatürlichen Macht, mit welcher Gott Franziska ausgerüstet hatte.“

Zweiundzwanzigstes Kapitel. Neue Anfälle des Dämon und Belehrungen, welche unsere Heilige darüber ihren geistlichen Töchtern gibt. – Hohe Vollkommenheit der Franziska. – Der Erzengel ändert seine Arbeit. – Vorzeichen des nahen Todes der Heiligen.

458 Die Tugenden, die ausgezeichneten und wunderbaren Gaben der Franziska erregten täglich mehr die Wuth der Hölle. Der Dämon, verzweifelnd, die Congregation zu zerstören, deren Entstehung und Entwickelung er nicht hatte verhindern können, will sich rächen, indem er der Heiligen Leiden bereitet und sie in den letzten Jahren ihres Lebens mit den furchtbarsten Anfällen quält.

In einer Nacht des Monats Februar des Jahres 1437, während die Oberin von Tor de Specchi auf ihrem Zimmer im Gebete ist, erscheinen ihr zwei böse Geister unter der 459 Gestalt von reißenden Löwen. Sie speien Flammen aus dem Rachen und den Augen und wollen sich auf Franziska losstürzen, aber ihr Engel verhindert sie. Darauf kommt ein dritter höllischer Geist, noch schrecklicher als die beiden ersten; sein Ansehen ist das eines mißgestalteten scheußlichen Riesen; er ergreift heftig die Heilige und will sie zum Fenster hinausstürzen, der Engel hält ihn zurück und legt seine Gefährtin auf ein Bett nieder. Der Dämon schlägt sie mit verdoppeltem Grimm. Schwester Agnes erwacht über den Lärm, will zu der Oberin und findet sie sterbend und erstarrt; sie schließt das Fenster, welches offen geblieben war, und läuft, in der Küche Wäsche zu wärmen. Sie hat sich kaum entfernt, als der Kampf von Neuem beginnt. Sie hört den Widerhall der Schläge, welche ihre Mutter treffen und kehrt zu ihr zurück. Da entfernen sich die Dämonen. Franziska kommt wieder zu Athem und erhält die Sprache zurück: „Gott sei gelobt,“ sprach sie, „er hat mir den Sieg gegeben!“

„Warum hast du dich nicht,“ fragte Agnes, „dieser Gewalttätigkeit entzogen und das Zimmer verlassen?“ „Du kennst nicht die Macht,“ entgegnete sie, „welche der Böse erhalten würde, wenn ich Furcht zeigte und den Kampf vermiede. Nichts schlägt und demüthiget meinen Feind mehr, als wenn er sieht, daß ich ihn weder fliehe noch fürchte.“ …

460 Wenige Tage darauf ist die Heilige im Gebete bei ihrem Bette. Plötzlich wird sie gewaltsam zur Erde geworfen und bis zur Schwelle der Zelle geschleppt. Agnes und mehrere Oblaten eilen herbei, Franziska aber hat während des Kampfes durchaus nicht ihr Gebet unterbrochen und sagt mit ihrem sanften Lächeln: „Betet, es ist nichts.“ Jedesmal, wenn ihre Töchter ankamen, um ihr zu helfen, schickte sie dieselben zurück; sie wollte keine andere Hülfe, als die ihres vielgeliebten Jesus.

Perna sah sie in die Luft gehoben und mit furchtbarem Gekrach auf den Boden geworfen; die Heilige sprach nur die Worte: „Gott sei gelobt in allen Dingen!“

Augustina versicherte, daß sie die Tasse der Franziska mit besonderer Sorgfalt auszuwaschen, mit ganz reinem Wasser auszuspülen und dann zu bedecken pflegte; ungeachtet dieser Vorsichtsmaßregeln aber war die Tasse mit Fliegen, Schmutz und Unreinigkeiten jedesmal angefüllt, so oft die Heilige trinken wollte. Schwester Augustine betrübte sich darüber und verdoppelte ihre Aufmerksamkeit. Da sagte die geistliche Mutter zu ihr: „Warum quälst du dich so ab, meine Tochter? das ist das Werk des Dämon; 461 er will nicht, daß ich reines Wasser trinke.“

Franziska belehrte ihre Töchter über die verschiedenen Gestalten, unter welchen die bösen Geister ihr erschienen. Sie sagte, daß sie dieselben nie in ihrer ganzen schauerlichen Scheußlichkeit sehe, weil das menschliche Auge ihren Anblick nicht ertragen würde; aber sie kämen unter den Gestalten von Thieren, von Riesen oder auch von so gräßlichen Ungeheuern, daß sie lieber in einen brennenden Ofen geworfen sein wollte, als sie anblicken.

Sehr oft quälten die Dämonen auch die Eine oder Andere der Oblatinnen, um ihre Stifterin zu betrüben. Erschreckt, suchten sie immer Hülfe und Schutz bei der Heiligen. „Fürchtet diese Kämpfe nicht, meine Schwestern, sondern rufet aus ganzem Herzen unsern Herrn Jesum Christum an; machet das Zeichen des heiligen Kreuzes, welches die Hölle erzittern macht; nehmet Weihwasser, und wenn ihr könnt, zündet eine geweihte Kerze an. Vor Allem bleibt fest und niedergeknieet; betet, aber rührt euch nicht eher, als bis die bösen Geister sich entfernt haben und ihr werdet sicher den Sieg davon tragen. Der Dämon kann mit der Zulassung Gottes zwei Klassen von Menschen quälen, solche, die im Zustand der Gnade sind, und solche, welche Sclaven der Sünde sind. Ich ermahne euch, Furcht zu haben nicht vor dem Engel der Finsterniß, sondern allein vor der Sünde; Diejenigen, welche der Dämon als seine Sclaven quält, ziehen daraus einen sehr großen Schaden, fallen leicht in die Verzweiflung und in die 462 Verdammung. Diejenigen hingegen, welche Freunde Gottes sind, ziehen aus diesen Kämpfen einen großen Vortheil; sie werden fester in der Tugend, andächtiger im Gebete, innigere Freunde von Jesus Christus und demüthiger. Die Tugend vollendet sich in Mühsal.“ – (Virtus in infirmitate perficitur.)

Franziska war durch den Muth, mit welchem sie den so oft wiederholten Angriffen der Hölle widerstanden hatte, den Dämonen  schrecklich und furchtbar geworden. Gott hatte ihr die Gewalt gegeben, sie aus den Körpern der Besessenen zu jagen. Es genügte die Gegenwart oder eine einfache Benediction der Heiligen, um sie mit Geschrei und Geheul in die Flucht zu jagen. Der Canonisationsproceß bestätigt das und viele Thatsachen der Art sind in den alten Fresken der alten Kapelle in Tor di Specchi abgebildet. Oft bewirkte auch der bloße Name der Franziska, von den Verwandten der Besessenen mit Vertrauen ausgesprochen, ihre Befreiung. Satan selbst wurde eines Tages gezwungen, laut zu erklären, daß dieser Name ihm eine schreckliche Qual verursache und daß die Heilige ihm einen unaussprechlich wüthenden Haß einflöße.

Dem Herrn gefiel es, Franziska mit den außerordentlichsten Gnadengaben zu überhäufen. Sie war auf der höchsten Stufe der christlichen Vollkommenheit angelangt, und Alles deutete darauf hin, daß diese Seele, welche seit langer Zeit schon mehr im Himmel als auf der Erde lebte, ihren Aufschwung nach dem wahren Vaterlande in Kurzem nehmen würde.

465 Einige Zeit darauf kam Franziska in eine große Verzückung. Unser Herr … richtet folgende Worte an sie:

„Die Gaben, welche ich dir, geliebte Braut, gegeben, waren dir nützlich, sie haben dich von aller Sünde rein bewahrt. Ich habe dich auf dem Wege heiliger und heilsamer Furcht geführt, und diese hat dich vor dem Sündenschmutz bewahrt, du bliebst demüthig und ich habe dich in meinem Herzen wie einen kostbaren Edelstein eingeschlossen. Du hast überreiche Verdienste gesammelt, indem du das Heil anderer Seelen rettetest. Denn keine unordentliche Neigung hat dich von dem Pfade der erhabensten Tugend abgewendet. Du hast die Güter der Erde gehaßt. Du hast sie immer verachtet, wohl wissen daß Bitterkeit und Mißgeschicke die einzigen Früchte davon sind. Viele Gefahren, welche der Menschheit drohten, sind durch dich, Franziska, abgewendet worden … ich habe dich mit einer Klugheit begabt, daß du die noch so fein angezettelten Liste(n) der bösen Geister entdecktest und sie dir nie schaden konnten. Du warst im Feuer und verbranntest nicht; die Flamme der Versuchung drang bisweilen in dein Herz, aber du bliebest treu und standhaft … hast dein Herz frei von allem Schmutz, frei und entfernt von aller Sinnlichkeit erhalten. Die Welt konnte dich nicht verführen, weil du ihre Unbeständigkeit kanntest, du lebtest in ihr als eine Pilgerin und Fremde.“

Anmerkung: Bei einer anderen Erscheinung vorher war sie ebenfalls gelobt worden. S. 463 Der Herr habe ihr „einen vollkommenen Haß gegen sich selbst und die Eitelkeiten der Welt eingeflößt … sie hat das Fleisch dem Geiste durch die härtesten Abtödtungen unterworfen. Das Fleisch und der Dämon können sie nicht mehr verführen oder täuschen. Sie hat ihren Leib in Knechtschaft gebracht durch die härtesten Bußen. Ihr einziger Gedanke ist, – Gott zu gefallen.“

Dreiundzwanzigstes Kapitel. Letzte Krankheit und Tod der Heiligen.

472 Franziska hat ihr sechsundfünfzigstes Jahr erreicht. Ihr Körper war erschöpft durch Fasten, Nachtwachen, Abtödtungen und Bußübungen. Schwach, abgemagert, oft krank und eine Beute außerordentlicher Schmerzen, fuhr unsere Heilige dennoch fort, ihre tägliche Aufgabe und die täglichen Werke der Liebe zu erfüllen. Die außerordentliche Frische ihres Geistes und die Kraft ihres Willens erhielten allein noch eine abgeschwächte und ausgezehrte Natur.

Gegen das Ende des Jahres 1439 verband sich eine große moralische Betrübniß mit dem physischen Leiden und vollendete die Niederlage der Franziska. Um diese Zeit nämlich waren einige Bischöfe und

473 Theologen in ihrer Hartnäckigkeit, das Winkelconcil  von Basel fortzusetzen, so weit gekommen, daß sie ein förmliches Schisma hervorriefen. Zum Scandal aller Gläubigen decretirten sie die Absetzung des Papstes Eugen IV. und wählten an seiner Stelle den alten Amadeus, Herzog von Savoyen, welcher sechs Jahre vorher zu Gunsten seiner Söhne abgedankt hatte und als Eremit an den Ufern des Genfersee´s lebte. Der Gegenpapst nahm die Tiara an, welche ihm die schismatischen Prälaten anboten und nannte sich Felix V. Er führte diesen Namen gegen zehn Jahre. Franziska, die Kirche von Neuem durch die Uebel angegriffen sehend, welche ihr früher so viele Thränen ausgepreßt hatten, bat den Herrn, sie bald von der Erde zu nehmen, um nicht mehr Zeuge der Schmerzen zu sein, welche die mystische Braut Jesu Christi auszustehen habe. Die rasche Abnahme ihrer wenigen noch übrigen Kräfte und die heftigen Schmerzen, welche sie in ihrem Körper fühlte, bewiesen ihr, daß sie erhört worden wäre.

Dies war der Zustand der Dinge im Anfange März 1440.

Donnerstag den 3. dieses Monats zeigte man ihr an, daß ihr Sohn Baptista, von einem sehr heftigen Fieber ergriffen, sich niederlegen mußte. Sie begibt sich sofort in´s Palais Ponziani; die Oblate Augustine begleitet sie. Sie findet Baptista fast erholt von dem Anfalle, doch gibt sie den Bitten ihrer

474 Kinder nach und williget ein, den Tag mit ihnen zu verbringen. Gegen Abend nimmt die Schwäche der Franziska so zu, daß sie sich kaum aufrecht halten kann und, treu der Ordensregel, will sie nach Tor di Specchi zurückkehren. Sie geht zu Fuß. Sie kommt zur Kirche Sancta Maria in Trastevere und hält dort an, um noch einmal die Benediction ihres geistlichen Vaters zu erlangen. Da er sein Beichtkind so vollkommen erschöpft und so weit von zu Hause sieht, so befiehlt er ihr, mit ihrer Gefährtin in´s Palais Ponziani zurückzukehren und die Nacht dort zuzubringen.

Franziska ist über diesen Befehl tief betrübt. Sie weiß, daß, wenn sie diesen Abend nicht mehr nach Tor di Specchi zurückkehrt, sie nie mehr zurückkehren werde; aber eifrig besorgt, vor Jesus mit der Palme des vollkommenen Gehorsams zu erscheinen, fügt sie sich ohne Widerrede.

475 Freitag Abends befiehlt die Kranke ihren Töchtern, ins Kloster zurückzukehren; Schwester Augustina allein bleibt bei ihr zur Nachtwache zurück und ist Zeuge einer der letzten Ekstasen der Heiligen.

Jesus Christus im herrlichsten Lichtglanze, umgeben von einer Menge Engeln und Heiligen, erscheint der Franziska. Er nähert sich dem Lager der Kranken und herzt sie mit einer süßen Traulichkeit. „Freue dich, und jubele auf, o meine Vielgeliebte,“ sagt Er zu ihr; „denn der Augenblick naht heran, in welchem du für deine Mühen und Arbeiten den Lohn im Paradiese erhalten sollst. Bald wirst du die Siegeskrone empfangen, welche du dir durch deine Siege über die höllischen Feinde erworben hast; eine Glorie ohne Ende wird in Kurzem dein Antheil sein. Du hast mir deine ganze Liebe gegeben, so sei denn fortan für immer meine Braut. Nach siebentägigen Leiden wirst du den Thron einnehmen, welcher dir von aller Ewigkeit her bestimmt ist und eine himmlische Seligkeit wird dein Antheil sein.“

Darauf verschwand der Erlöser.

476 Der Sonnabend ging vorüber. Sie gebrauchte weder Aerzte noch Arzneien und überließ sich ganz dem göttlichen Willen. Ihre Heiterkeit verließ sie keinen Augenblick und die heftigsten Schmerzen konnten ihr weder eine Klage noch einen Seufzer auspressen.

477 Sonntag früh zu Don Giovanni: „Gepriesen sei der Allmächtige, meine Pilgerschaft wird vom Mittwoch auf den Donnerstag enden.“ Darauf bat sie in lebhaftester Weise um den Empfang der heiligen Sacramente. Sie beichtete und communicirte und empfing auch die letzte Oelung. Sie hörte nicht auf, den Herrn zu loben …

Die Heilige unterbrach nicht ihre frommen Uebungen; sie beteten jeden Tag das Officium der heiligen Jungfrau, den Rosenkranz und ihre gewöhnlichen Gebete; sie war stundenlang in Contemplation und Meditation.

478 Die Oberin der Oblaten ließ Alle herein, die sich ihr zu nähern wünschten und Jeder ging erbaut und getröstet weg, und nahmen heilsame Ermahnungen und Rathschläge mit. Die Nachricht von ihrer Krankheit war bald in ganz Rom verbreitet, die Menge drängte sich nach dem Palaste Ponziani; Jeder wollte sie noch einmal sehen und hören und dem Gebete der Heiligen sich empfehlen. Sie zeigte sich weder belästiget, noch ermüdet von der großen Menge, die ihr Schmerzenslager umstand; sie hatte für Jeden ein Lächeln und ein freundliches Wort. Ihr Geist behielt seine Stärke und volles Bewußtsein bei allen Schmerzen des Körpers.

Die Dämonen hatten Franziska während ihres ganzen Lebens gequält. Don Giovanni und Agnes, Zeugen ihrer früheren Kämpfe, fragten sie, ob die bösen Geister ihr naheten. „Ich sehe sie nicht mehr,“ antwortete lächelnd die Heilige, „Gott ist Sieger, der Feind ist besiegt und in den Abgrund der Hölle gestürzt.“ Ihr Engel im Gegentheil ist immer an ihrer Seite.

480 Die Krankheit verschlimmerte sich von Dienstag an. Das Palais Ponziani konnte kaum die Massen der geistlichen und weltlichen Besucher fassen, welche Franziska noch einmal sehen wollten. Mächtig in ihrem Wirken auf Erden, dachte man, daß sie noch mächtiger im Himmel sein würde; Jeder kommt, sich ihr zu empfehlen. Ihre Schmerzen nehmen zu, aber ihre Herrlichkeit bleibt dieselbe; sie freut sich im Gegentheil, denn sie fühlt, daß der Augenblick naht, wo sie in die ewige Glückseligkeit übergehen wird.

481 Franziska richtet eine letzte Abschiedsrede an ihre Töchter. Sie ermahnt sie, vor Allem in Gottes heiligen Willen ergeben zu sein und sich über ihren Verlust nicht übermäßig zu betrüben, ihnen versprechend, sie nach dem Tode eben so zu lieben und ihnen ebenso beizustehen, wie in ihrem Leben, als sie noch unter ihnen weilte. „Möge die Liebe und Gottesfurcht in euren Herzen wohnen,“ sagte sie.

482 Der Tag rückt vor und jede Stunde bringt eine sehr bemerkbare Abnahme ihrer Kräfte hervor. Unsere Heilige fährt fort zu beten, Gott zu loben und zu preisen. Nie war ihre Liebe glühender als in diesen letzten Augenblicken. Gegen Abend sieht sie ihr Beichtvater die Lippen bewegen, er glaubt, daß sie etwas verlange und befrägt sie darum: „Ich bete die Vespern zur heiligen Jungfrau,“ antwortet ihm sein Beichtkind mit einer schon dem Tode nahen, gebrochenen Stimme. Also bis zu ihrem letzten Athemzuge hielt sie treu eine fromme Gewohnheit, welche sie seit ihrem fünften Jahre angenommen hatte.

Unterdessen neigte sich der siebente Tag ihrer Krankheit. Franziska behält ihre ganze Geistesgegenwart; ein erhabener Ausdruck verbreitet sich über ihr Gesicht, ihre Augen sehen den Himmel offen, die Bewohner des himmlischen Jerusalem kommen ihr entgegen, ihr Engel verbreitet einen neuen, ungewöhnlichen Glanz. Das Goldgewebe (Anm.: an dem der Engel wob) ist vollbracht; der himmlische Geist verläßt seine Arbeit, neigt sich voll Anmuth und Würde vor seiner Gefährtin und gibt ihr ein Zeichen, ihm zu folgen. Die Heilige antwortet noch ein letztes Mal an Don Giovanni, der ihr befiehlt zu sagen, was sie sehe; darauf leuchtet ein himmlisches Lächeln auf ihren Zügen, ihre Augen schließen sich und die Engel tragen ihre Seele zu den Füßen des Allmächtigen.

Vierundzwanzigstes Kapitel. Franziska´s Leichenbegängnis. – Wunder. – Canonisationsprozeß.

487 Eine ununterbrochene Prozession von Krüppeln, Lahmen, Blinden, Fieberhaften, Besessenen und Gebrechlichen aller Art wird zum Körper der Franziska geführt; alle Die, welche den Sarg berühren, sind augenblicklich von ihren Leiden befreit.

495 Paul V. decretirte die Canonisation der Franziska zur unaussprechlichen Freude der Oblaten, der Olivetaner und ganz Rom. Eine Bulle gestattete den Gläubigen, Kirchen und Altäre unter der Anrufung der heiligen Franziska zu errichten und setzte ihren Festtag auf den 9. März. Der Papst hielt das Hochamt in der St. Peterskirche am 29. Mai 1608 und proclamirte die Canonisation.

Fünfundzwanzigstes Kapitel. Auffindung des Körpers der heiligen Franziska Romana. – Wunder. – Zugaben.

497 Santa Maria Nuova … am Charfreitag den 1. April 1638 fand man das Grab der Heiligen.

498 Den 25. August setzte man den heiligen Leib in Santa Maria Nuova öffentlich aus.

499 Franziska´s Grab wurde erst zur Zeit Innocentius X., Panfili, vollendet.

502 Die Oblaten sind keineswegs Nonnen, obzwar Benedictiner-Tertiarien vom Orden der Olivetaner; sie leben nur einfach zurückgezogen in dem Hause von Tor di Specchi, sind aber durch keine Gelübde gebunden. Ihr Anzug ist nicht klösterlich, sondern  sie tragen das Gewand, welches die adeligen Wittwen Roms zur Zeit der heiligen Franziska trugen. Sie haben keine Clausur und verzichten nicht auf ihre Rechte in der Familie.

503 Ihre Regel verpflichtet nicht unter Strafe einer Sünde.

Ende

Anmerkung: Die heilige Franziska begleitet in unserem Roman „Jedem nach seinen Taten“ (Neuauflage 2013, als E-Book nur 2.49 Euro) Vicente und Irina auf ihrer Reise durch Hölle, Fegefeuer und Himmel.