ETIKA

Kirchenväter

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18B38

Ephräm der Syrer

Auszüge
22.11.2015

 

Des heiligen Ephräm des Syrers Ausgewählte Schriften
I. Band.
Mit einer allgemeinen Einleitung von Dr. Otto Bardenhewer, Universitätsprofessor
Verlag der Jos. Köselschen Buchhandlung, Kempten & München, 1919
Ausgewählte Reden und Lieder
Aus dem Syrischen und Griechischen übersetzt von D. Dr. Sebastian Euringer, o. Hochschulprofessor am Lyzeum in Dillingen a. d. D.
ohne Copyright-Vermerk

S. LI Vorwort: Mir war die Aufgabe zugefallen, das erste Ephrämbändchen zu revidieren, welches seinerzeit der bekannte Syrologe

P. Pius Zingerle O.S.B.

(gest. 1881) für die „Bibiliothek der Kirchenväter“ besorgt hat … Zuerst sollten nur echte Arbeiten Ephräms beibehalten werden … Zingerle war in Zweifelsfällen geneigter, eine Schrift dem hl. Ephräm zu- als abzuerkennen.

LII Meine weitere Aufgabe bestand in der Revision der Übersetzung. Nachdem aber ein so gewiegter Syrologe und Ephrämkenner wie P. P. Zingerle es war, dieselbe besorgt hatte, konnte der Rotstift naturgemäß keine Orgien feiern. Mein Bestreben konnte sich nur darauf erstrecken, soweit es nicht schon von Zingerle geschehen war, die Antithesen überall scharf herauszuarbeiten … kurz, … mehr den Stil des Syrers als den meinigen zur Geltung zu bringen.

LIII Die Numerierung der einzelnen Abschnitte stammt von Zingerle.

Über den Glauben, I. Rede

S. 20f. 20. Das Auge schaut auf seine Gerechtigkeit und trifft auf seine Güte. Der Verstand schaut auf seine Barmherzigkeit: da eilt seine strenge Rute herbei. Erfreulich ertönt der Ruf seiner Vergebung, schrecklich der Ruf der Rache.  So irrt der Verstand bestürzt und staunend zwischen Gottes Güte und Gerechtigkeit hin und her. Der Beobachter steht verwirrt zwischen  Prüfung und Züchtigung. Während er sieht, wie die Bösen übermächtig sind, sieht er die Guten geschlagen. Gottes Läuterung prüft die Treuen, seine Rute züchtigt die Frevler. Gerechtigkeit und Güte sind eng verbunden, aber nicht vermengt; sie sind vereint, aber nicht verwirrt. Nur wegen seiner Unzulänglichkeit kann der Verstand sich nicht zurecht finden, weil er es nicht fassen kann. Während er den Tod von Greisen sieht, sieht er auch den Untergang von Kindern. Auf der einen Seite erblickt er die Gerechtigkeit, auf der andern ihr Gegenteil; denn der eine Gerechte leidet, der andere bleibt verschont. Die einen Guten sieht er in Bedrängnis, die andern in Frieden. Dieses erscheint als widersinnig. Betrachtet er ferner die Bösen, so wird der eine schon beim ersten Morde ertappt, ein anderer dagegen tötet eine Menge und geht frei aus.

S. 26f. 29. Wer über Gott nachgrübelt, dessen Tollheit überschreitet die Grenzen der Natur.  Er bekennt zwar seinen Glauben an das absolute Wesen, forscht aber doch darüber wie über ein Geschöpf. Er erhebt Gott überaus hoch dem Namen nach, aber durch das Grübeln erniedrigt er ihn wieder. Gib entweder die Benennung oder das Forschen auf! Nennst du ihn Gott, so muß alles Grübeln aufhören; zwischen Gott und dem Menschen wird nur Glaube gefordert. Glaubst du an ihn, so ehrst du ihn; forschest du aber über ihn, so entehrst du ihn. Zwischen dem Menschen und Gott gibt es nur Glaube und Gebet; denn du mußt seiner Wahrhaftigkeit glauben und zu seiner Gottheit beten.

Rede über den Text: „Wehe uns, dass wir gesündigt haben!“ (Klagel. 5, 16.)

S. 108 1 . Zwei bittere Erfahrungen voll Schrecken und Schauder erheben sich täglich in mir in allen Gedanken und setzen mich in Furcht. Zwei fürchterliche Gegenstände regen mich und ängstigen mich, jagen meinen Gliedern Entsetzen ein und öffnen in meinen Augen Tränenquellen. Zwei Dinge sind es, bei denen die Seele erschaudert, so oft sie daran denkt oder darüber nachsinnt; denn die Erinnerung an sie ist bitter. Zwei Dinge sind es, über die am Ende jeder sich entweder freut oder betrübt. So oft sie mir in den Sinn kommen, erwecken sie in mir Schrecken und Entsetzen.

2 . Vernehmet nun, meine Brüder, welches diese Dinge sind, die mich so erschrecken, und erschrecket und zittert auch ihr; denn sie sind für jeden überaus schrecklich! Die Last der Schulden, die ich mir aufgehäuft, und die Gerechtigkeit, welche dafür Rechenschaft fordert: diese sind es, von denen ich sagte, daß sie mich aufregen und erschüttern. Das große Verzeichnis meiner Schulden und das fürchterliche Gericht der Gerechtigkeit sind die zwei Dinge, welche meinen Geist beunruhigen und mich in Bestürzung versetzen. An das Unrecht, das ich in meiner Nachlässigkeit verübte, und an die Strafen, die meiner warten, denke ich, und deshalb zittern meine Gebeine und befallen mich Furcht und Schrecken. An die schwere Bürde meiner Sünden und an ihre entsetzliche Strafe erinnere ich mich in meinen Gedanken, und deshalb bemächtigt sich Furcht meiner Glieder. An die Vergehen, die ich verübt, denke ich und an die Vergeltung, die meiner wartet, und deshalb bemächtigt sich Jammer meiner Gedanken, und Leid und Furcht erschüttern mich. Dies sind, wie gesagt, die zwei bitteren Erinnerungen, welche sich in mir erheben, mich in Furcht setzen und meinen Gebeinen Schrecken einjagen. Dies sind die Erinnerungen, die in mir aufsteigen und mir Schauder erregen, die mich von allen Seiten verwirren und mein Herz tief betrüben. Das Gewissen mahnt mich in meinem Innern an meine Missetaten, stellt sie vor mir in Reihen auf und flößt so meinen Gliedern Schrecken ein. Es ruft mir die Verschuldung meiner Jugend und die in mir verborgenen Geschwüre der Unsittlichkeit ins Gedächtnis zurück und läßt dadurch meine Augen von Tränen überfließen und erfüllt vor Furcht und Entsetzen meine Gedanken mit Betrübnis. Dabei denke ich tagtäglich an die Verfehlungen in den Tagen meiner Kindheit; denn von all dem, was ich auf der Welt beging, bleibt meinen Augen nichts verborgen. Ich denke an die Missetaten, die ich in der Zeit meiner Jugend verübte, und denke zugleich an die Gerechtigkeit und rufe Wehe über mich selbst. Ich denke an alle meine Schandflecken und zugleich an das furchtbare Gericht, das meiner wartet, und die Seufzer ersticken meinen Geist; denn wohin soll ich gehen? Ich denke an das, was ich mir gesät habe und was ich einst dafür ernten werde. Ich gedenke des Tages der Vergeltung, und es ergreifen mich Angst und Schrecken.

3 . Ich denke an die Zeit, wo jeder ins Gericht muß, und es wird mir Angst, und meine Knie zittern; denn wohin werde ich dann kommen? Ich denke auch an jene Stunde, wo der Bräutigam zum Gastmahl eintreten wird, um die Geladenen zu besehen, und Tränen entströmen meinen Augen. Ich denke an die Zeit, wo man jeden, der schmutzige Kleider anhat, in die Finsternis hinauswerfen wird, und wehklage über mich.

·        Ich denke daran, wie an jenem Tage meine Werke offenkundig werden und ich vor aller Welt beschämt dastehen werde, und die Seufzer ersticken meinen Geist.

Ich betrachte alle meine Heimlichkeiten und sehe, wie abscheulich sie sind; ich weiß auch, daß sie offenbar werden,, und Schmerz foltert meine Glieder.

Ich betrachte das Kleid der Herrlichkeit, das ich in der Taufe angezogen, aber durch meine Vergehungen beschmutzt habe, und Schrecken bemächtigt sich meines Sinnes. Ich betrachte die strahlende Schönheit, mit der mich der Allgütige bei meiner Erschaffung schmückte, die ich mir aber durch die Sünden entstellte, und Zähne und Lippen beben mir. Ich betrachte die Herrlichkeit, welche die Gerechten am Ende erben, und denke zugleich an das schreckliche Feuer, und mein Herz pocht vor Furcht.

Ich betrachte das Entsetzen, das die Sünder dort ergreift, und Zittern bemächtigt sich meiner Glieder, und Schrecken bringt sie in Bestürzung. Schrecken bemächtigt sich meiner Glieder und Schaudern meiner Gedanken.

Brüder! An all dies erinnert mich jederzeit mein Gewissen, es stellt mir meine Missetaten in Reihen vor Augen und verbittert mir dadurch täglich das Leben. Wenn ich alle meine geheimen Verschuldungen überschaue, dann rufe ich über mich Wehe und preise die Fehlgeburten selig, welche das Licht dieser Welt nicht erblickten. Besser ist es, ohne Sündenschuld im Grabe zu liegen, als mit Sünden bedeckt das Licht zu schauen.

·        Wer sich hienieden schuldig macht, über den bricht am Ende die Finsternis herein. (Anmerkung ETIKA: Wie Gott will, wieder eine Warnung an die Teilnehmer der von Papst Bergoglio inszenierten Homosexuellen-Synode im Vatikan.)

 

Des heiligen Ephräm des Syrers Nisibenische Hymnen, in Auswahl übersetzt von Prof. Dr. Adolf Rücker, Privatdozent a. d. Universität Breslau

S. 245 Vorbemerkungen: „… hier wurde auch, soweit vorhanden, die Prosaübersetzung Zingerles benutzt.“

Über unsern Herrn und über den Tod und den Teufel

35.

Der Ruf erscholl. – Da eilten herbei die Scharen Satans mit seinen Dienern. Das Lager des Unkrauts versammelte sich ganz, weil sie sahen, daß Jesus zum Ärger der ganzen linken Seite (d. h. der Partei der Gottlosen) glorreich sei. Weil niemand unter ihnen war, der nicht Qual empfand, so fing ein jeder an, aufzuzählen, was alles sie zu ertragen hätten. Die Sünde und die Unterwelt (nach alttestamentl. Sprachgebrauch Scheol genannt) waren bestürzt, der Tod zitterte, da die Toten sich empörten, und Satan, da die Sünder sich gegen ihn erhoben. – (Kehrvers : ) Preis dir, denn bei deinem Anblick geriet Satan in Verwirrung!

Die Sünde rief und erteilte ihren Söhnen, den Dämonen und Teufeln, Rat und sprach zu ihnen: „Legion (Vgl. Mark. 5, 9; Luk 8, 30.), das Haupt eures Reiches, ist nicht mehr; das Meer hat ihn und seine Gesellen verschlungen. Auch euch wird dieser Jesus, wenn ihr gleichgültig bleibt, zugrunde richten, euch, die ihr doch den Salomon gefangen habt. Eine Schmach wäre es also, wenn ihr den Jüngern, den Fischern und ungelehrten Leuten, unterliegen würdet. Seht, sie haben schon Menschen gefangen, die unsere Beute waren.“

„Das ist das größte aller Übel“, sprach nun Satan in bezug auf unsern Erlöser; „es genügt ihm nicht, uns zu berauben, sondern er begann, sich an uns wegen Jonas, des Sohnes Mattais, zu rächen. An Legion nämlich nahm er Rache für ihn, den er ergriff und ins Meer warf. Jonas kam nach drei Tagen wieder ans Trockene. Legion aber auch nicht nach langer Zeit, denn die Tiefe des Meeres hält ihn auf Christi Befehl fest.

Ich reizte ihn nach seinem Fasten durch das lockende Brot, , aber er begehrte nicht danach. Zu meinem Verdrusse habe ich mich bemüht, einen Psalm zu lernen (Ps. 90, 11 f.) damit ich ihn mit seinem Psalm fangen könnte. Vergebens; da wiederholte ich es ein zweites Mal; er machte aber meine Wiederholung erfolglos. Ich führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Güter, bot sie ihm an, er ließ sich aber nicht verlocken. Glücklicher war ich in den Tagen Adams; denn er verursachte mir nicht soviel Mühe, ihn zu überreden.“

Satan überging nun seine Mühe und fuhr fort: „Zum Nichtstun gereicht mir (zwingt mich) dieser Jesus; denn sieh, sogar Zöllner und Buhlerinnen nehmen zu ihm ihre Zuflucht. Was für eine Arbeit soll ich mir fürderhin suchen? Bei wem soll ich, der ich bisher der Lehrer aller Menschen war, in die Schule gehen?“

Da nahm die Sünde wieder das Wort: „So muß ich denn ablassen und aufgeben das, was ich bin; denn dieser Sohn Marias, der da kam, hat die Menschheit zu einer neuen Schöpfung gemacht“.

Der gierige Tod heulte und sprach: „Nun habe ich fasten gelernt, das ich sonst nicht kannte. Seht, Jesus sammelt die Menge um sich, sein Gastmahl aber kündet mir Fasten an. Dieser eine Mensch schließt mir den Mund, der ich den Mund vieler schloß.“

Die Unterwelt aber sprach: „Ich muß meine Freßgier hemmen, es ist nun Hungerszeit. Dieser da, der bei der Hochzeit sich glorreich zeigte, verwandelt wie das Wasser in Wein, so auch das Gewand der Toten zum Leben. Auch hat Gott die Sintflut gesandt und die Erde abgewaschen und sie von ihren Schulden gereinigt; auch Feuer und Schwefel ließ er über sie kommen, um sie von Flecken zu reinigen. Durch das Feuer gab er mir die Sodomiter und durch die Flut die Riesen. Er schloß den Mund der Leute Sanheribs und öffnete (den Rachen der) Unterwelt. Dieses und Ähnliches machte mir Freude. Aber statt der Todesstrafen der Gerechtigkeit hat er nun in seinem Sohn Wiederbelebung der Toten in seiner Gnade verliehen.“

„Es kamen mir Propheten und Gerechte zu Gesicht“, sprach Satan zu den Seinen, „obgleich gewaltig waren ihre Kräfte, so war doch ein Hauch von mir in ihnen; denn das Gebilde der Menschenkinder hat etwas von unserm Sauerteig an sich. Dieser ist zwar mit Adams Leib bekleidet, aber es verwirrt uns, daß unser Sauerteig über ihn ohnmächtig ist. Mensch ist er nämlich und Gott; denn seine Menschheit ist mit seiner Gottheit vermischt.

Ich habe Adam gesehen, jene Quelle, aus der alle Geschlechter hervorgingen. Seine Kinder habe ich erforscht und jeden einzelnen versucht, doch niemals sah ich einen Menschen, der zu einem Teile Gott war und zur andern Hälfte Mensch. Moses, der im Lichtglanz strahlte, auch ihn habe ich versucht und durch seine Zunge in Verwirrung gebracht; diesen aber nicht einmal in seinem Innern; denn die Quelle seiner Gedanken ist völlig rein.

Die Fleischeslust steckt in jedem Körper, daß sie sogar, wenn sie schlafen, in ihnen wach bleibt. Wer in wachem Zustande sich rein erhält, den verwirre ich im Traume. Die Unreinheit des Fleisches erregt sich durch eine geheime Bewegung in seinem Innern; Wachende und Schlafende also bringe ich in gleicher Weise in Unruhe. Dieser allein ist rein, so daß ich ihn nicht einmal im Traume erregen konnte; denn auch im Schlafe ist er makellos und heilig.

So war denn auch seine Kindheit anders als die anderer Knaben, die ich kennen lernte; an ihm fand ich keinen Anteil an dem Meinigen. Schon in seiner Kindheit hatte ich Furcht vor ihm, darum trieb ich den Herodes an, damit er mit den Kindern ermordet würde. Doch auch das, daß er entkam, verstärkte meine Furcht; denn wie konnte er von unserm Geheimnis Kenntnis haben? Er empfing die Gaben der Magier, spottete unser, da er entkam und unserm Schwerte entging.

Ich sah Knaben, Söhne Gerechter, und Kinder, Söhne züchtiger Frauen, und prüfte sie einzeln vom Mutterleibe an und entdeckte in ihnen unsern Sauerteig, daß sie zornmütig, zum Lästern geneigt, hitzig und gierig waren, Früchte, die erst durch den Unterricht reif und süß wurden. Dieser aber war schon von seinem Entsprossen an eine gute Frucht, die voll Süßigkeit war, denn durch sie wurden die Sünder süß.

Schon als unmündiges Kind ward er zum Lehrer für die Menschen; über den Glanz, der über ihm war, wunderte sich schon jener Priester, der ihn trug. Mit der Weisheit der Greise war er bekleidet, Joseph trat ehrfurchtsvoll vor ihm zurück, seine Mutter durfte sich seiner rühmen. Eine Hilfe war er in seiner Jugend allen, die ihn sahen, ein Beistand denen, die ihn kannten. Vom Tage an, da er in die Welt trat, war er ein Helfer der Menschheit durch seine Wundertaten.

Woher ist nun also diese Frucht Mariens entsprossen, die Traube, deren Wein nicht von natürlicher Art ist? So schwebe ich nun zwischen Verlegenheiten; denn ich fürchte, wenn ich ihn frei gewähren lasse, daß jene mit seiner Lehre Süßigkeit annehmen, die meine Bitterkeit an sich tragen; es schaudert mich aber auch, ihn zu keltern und zu treten, damit er nicht etwa zu neuem Weine werde für die Sünder, die dann, sobald sie von ihm berauscht sind, ihre Götzen vergessen. Seht, vor beidem fürchte ich mich, vor seinem Tode wie vor seinem Leben.“

Dem Bösen antworteten nun seine Diener…

Fortsetzung folgt