ETIKA

Luis von Granada
Meditationen und Gebete

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18B3M11

Mittwochabend. Der Tod.

10.12.2009

Gebet und Betrachtung vom ehrwürdigen Ludwig von Granada aus dem Predigerorden.

Aus dem Spanischen übersetzt von Dr. phil. theol. Jakob Ecker, Professor am Priesterseminar zu Trier. (Anm.: *1851, † 17.11.1912)
Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau, 1912. Erstes Bändchen. Erster Teil. Zweites Kapitel.
B. Sieben Abendbetrachtungen. Seite 243-254.

Mittwoch. Der Tod.

Punkte. Denke an den Gang in den Tod. Dies ist eine der nützlichsten Betrachtungen, welche ein Christ anstellen kann, sowohl um die wahre Weisheit zu erlangen als auch um der Sünde zu entfliehen und zeitig anzufangen mit der Vorbereitung auf die Todesstunde.

Damit diese Betrachtung dir Nutzen bringe, mußt du den Herrn bitten, er möge dir einen kleinen Vorgeschmack von dem geben, was in jenem letzten Kampfe vor sich geht, damit du deine Angelegenheiten und dein Leben so ordnest, wie du alsdann gelebt zu haben wünschest. Und damit du besser im stande bist, etwas davon zu empfinden, so denke nicht daran wie an etwas Fremdes, sondern wie an deine eigene Angelegenheit. Stelle dir vor, du liegest auf einem Bett, aufgegeben von den Ärzten und in der festen Überzeugung, daß du bald sterben mußt.

1 . Denke nun zuerst darüber nach, wie ungewiß die Stunde ist, in welcher der Tod dich überfallen wird. Du weißt nicht, an welchem Tage, an welchem Orte, in welchem Zustand er dich ereilt. Du weißt nur, daß du sterben mußt; alles andere ist ungewiß, nur daß gewöhnlich diese Stunde zu einer Zeit schlägt, wann der Mensch sich am wenigsten um sie kümmert und sie vergessen hat.

Ferner denke an die Trennung, welche dann stattfindet. Man muß sich nicht nur von all den Dingen trennen, welche man in dieser Welt liebt, es muß sich auch die Seele von dem Leibe trennen; eine so alte und liebgewonnene Vereinigung wird aufgelöst. Es gilt als großes Übel, aus dem Vaterlande, aus dem Himmelsstrich verbannt zu werden, in welchem man geboren ward, wiewohl man alles, was man lieb hat, mit sich in die Verbannung nehmen kann. Um wieviel schlimmer wird die gänzliche Verbannung von allem sein: von Haus und Hof, von Hab und Gut, von den Freunden, den Eltern und den Kindern, von Licht und Luft, die alle gemeinsam haben, kurz von allen Dingen? Wen ein Ochs zu brüllen anfängt, wenn man ihn trennt von dem Ochsen, mit welchem er an einem Pfluge ging: wie wird dein Herz jammern, wenn man dich von all denen trennt, mit welchen du gemeinschaftlich das Joch der Lasten dieses Lebens trugst?

Betrachte auch die Angst, die der Mensch erleidet, wenn er sich vorstellt, was aus dem Leibe und aus der Seele nach dem Tode werden soll. Denn vom Leibe weiß man, daß ihm nach dem Tode kein besseres Los zuteil werden kann als eine enge Grube in Gesellschaft der andern Toten, in welchen Ehren er auch gelebt haben mag; was aber aus der Seele wird, welches Los ihr zufallen wird, das weiß man nicht. Sie wird zwar gestärkt durch die Hoffnung auf die göttliche Barmherzigkeit, aber die Betrachtung ihrer Sünden schlägt sie nieder.

Dazu kommt die Größe der Gerechtigkeit Gottes und die Tiefe seiner Gerichte, welche die Lose der Menschen vertauschen. Der Schächer stieg vom Kreuze auf ins Paradies; Judas fiel von der Höhe des Apostelamtes hinab in die Hölle. Der König Manasses fand den Weg zur Buße nach so vielen Greueltaten; ob Salomon ihn fand, nachdem er so viele Tugenden geübt, das wissen wir nicht.

Es ist eine der größten Qualen, die wir in diesem Leben leiden, zu wissen, daß es eine ewige Glorie und eine ewige Pein gibt, und nicht zu wissen, welches dieser beiden so ungleichen Lose uns zuteil wird.

2 . Auf dieses Leiden folgt ein anderes, das nicht geringer ist: die Rechenschaft, welche wir dort ablegen müssen. Sie ist derart, daß sie auch die Mutigsten erzittern läßt. Von Abt Arsenius wird berichtet, daß er im Angesichte des Todes anfing zu fürchten. Und als seine Schüler ihn fragten: „Vater, und du fürchtest jetzt?“ erwiderte er:

„Meine Kinder, diese Furcht ist bei mir nichts Neues; denn ich lebte immer in ihr.“

In der Todesstunde werden dem Menschen nämlich die Sünden des vergangenen Lebens wie ein Heer von Feinden erscheinen, die über ihn herfallen wollen; die größten Sünden, durch die er am meisten seine Lust befriedigte, werden ihm am lebhaftesten vor Augen stehen und ihm die größte Furcht einflößen.

Da kommen ihm die Personen ins Gedächtnis, die er verführt, die er mißhandelt, denen er Ärgernis gegeben. Da wird gegen mich schreien nicht das Blut Abels, sondern das Blut Christi, das ich vergoß und verachtete, als ich dem Nächsten Ärgernis gab. Und wenn das Urteil hierüber gefällt werden muß nach dem Gesetze: „Aug´ für Aug´, Zahn um Zahn, Wunde für Wunde“ (Ex. 21, 24.): was kann den erwarten, der eine Seele ins Verderben gestürzt hat, wenn du es nach diesem Gesetze beurteilst? O wie bitter ist dann das Andenken an das vergangene Vergnügen, das zu anderer Zeit so süß erschien! Ganz gewiß sagt der Weise mit Recht:

„Sieh nicht nach dem Weine, wie er rötlich schimmert, wie er im Becher so schön sich spiegelt, leicht hinuntergleitet: hintennach beißt er mich wie eine Schlange und spritzt Gift wie ein Basilisk.“ (Spr 23, 31 32.)

O wüßten doch die Menschen, welch große Wahrheit uns hier gesagt wird! Welcher Natternbiß kann so schmerzen wie die Erinnerung an die vergangene Lust? Das sind die Hefen des giftigen Trankes des Feindes, das ist der Nachgeschmack, den jener Becher aus Babel an sich hat, der von außen vergoldet war.

3 . Dann folgen die Sakramente der Beicht und der Kommunion und schließlich der letzten Ölung; es sind die letzten Mittel, mit denen uns die Kirche in jener äußersten Not helfen kann. Auch hierbei magst du betrachten, welche Angst und Not der Mensch aussteht, weil er schlecht gelebt hat; wie er einen andern Weg eingeschlagen haben möchte; welches Leben er dann beginnen würde, wenn man ihm dazu Zeit ließe, und wie er alsdann sich bemühen wird, Gott anzurufen; aber die Schmerzen und das rasche Fortschreiten der Krankheit werden es ihm kaum möglich machen.

Betrachte auch die letzten Anfälle der Krankheit, welche die Vorboten des Todes sind, wie schrecklich sie sind, und wie man sich vor ihnen fürchten muß.

·       Es hebt sich die Brust,

·       die Stimme wird heiser,

·       die Füße sterben ab,

·       die Knie erstarren,

·       die Nase spitzt sich zu,

·       die Augen fallen ein,

·       das Gesicht scheint erstorben,

·       die Zunge wird unsicher in ihrem Dienste;

·       mit der Eile, mit der die Seele sich losreißt, werden schließlich alle Sinne gestört und verlieren ihre Kraft und Wirksamkeit.

Vor allem aber ist es die Seele, welche dann die größten Qualen leidet.

Dann ist sie im Kampfe und im Todesstreit, weil sie scheiden soll und weil sie Furcht hat vor dem Gerichte; denn von Natur widerstrebt sie dem Scheiden, liebt sie ihren Aufenthalt und fürchtet sie die Rechenschaft.

4 . Nachdem die Seele das Fleisch verlassen, hast du noch zwei Gänge zu machen: du hast den Leib bis zum Grabe zu geleiten und der Seele zu folgen, bis ihre Sache entschieden ist. Auf beiden Gängen betrachtest du, was mit jedem dieser Teile vorgeht. Betrachte also, wie der Leib aussieht, nachdem seine Seele ihn verlassen hat, wie man ihm ein schönes Kleid anlegt, um ihn zum Begräbnis vorzubereiten, und wie schnell man bei der Hand ist, um ihn aus dem Hause zu entfernen. Betrachte sein Begräbnis mit allem, was dabei geschieht: das Läuten der Glocken, die allgemeine Nachfrage nach dem Verstorbenen, die Feierlichkeiten und Trauergesänge der Kirche, das Gefolge und das Leid der Freunde, kurz alle Einzelheiten, die dort vorzukommen pflegen, bis der Leib ins Grab gelangt, wo er in der Erde zu ewiger Vergessenheit begraben bleiben wird. Und da, wie wir sehen, der Lauf der Dinge sich ändert, so kann es geschehen, daß nach einiger Zeit neben deiner Grabstätte, wie prächtig sie auch sein mag, ein Gebäude aufgeführt wird, und daß man Erde auswirft, um eine Mauer zu errichten: und so wird dein Leib als Staub schließlich zu Tage gefördert und findet als solcher Verwendung bei der Aufführung der Mauer, und wäre es einst auch der edelste und verzärteltste der Welt gewesen. Wie viele Leiber von Königen und Kaisern werden schließlich mit solcher Würde geendigt haben?

Nun laß den Leib in seiner Ruhestätte und gehe der Seele nach. Schau den Weg, den sie zu machen hat nach jener unbekannten Gegend, wo ihre Endbestimmung ist, und wie sie gerichtet wird. Stelle dir vor, du seiest schon bei diesem Gerichte gegenwärtig, und der ganze himmlische Hof erwarte den Ausgang des Richterspruches, wo Rechnung und Rechenschaft verlangt wird über alles Empfangene, selbst über die Nadelspitze. Da wird Rechenschaft gefordert über das Leben, über Vermögen und Familie, über die Eingebungen Gottes, über die Vorkehrungen, die wir getroffen haben, um ein gutes Leben zu führen, und vor allem über das Blut Christi und den Gebrauch seiner Sakramente; und so wird jeder gerichtet nach der Rechnung, die er über das Empfangene abzulegen vermag.

 

 

Einleitung. Die Betrachtung des Todes ist sehr nützlich in mancher Hinsicht, besonders aber aus drei Gründen: zunächst, um die wahre Weisheit zu erlangen. Diese besteht darin, daß der Mensch sein Leben einzurichten und anzuordnen versteht. Alles, was einem bestimmten Ziele dienen soll, muß sich nach diesem Ziele richten. Wer ein Gebäude errichtet, wer eine Meerfahrt unternimmt, kurz, jeder, der etwas tun will, muß stets die Augen auf das Ziel gerichtet halten, das er sich vorgesteckt hat, und diesem Zweck muß alles dienen.

Da nun ein Ziel und Endzweck unseres Lebens der Tod ist, wo wir alle schließlich anlangen, muß derjenige, welcher gewiß sein will, einen guten Weg durch das Leben einzuschlagen, seine Augen auf dieses Ziel richten und ihm entsprechend alles einrichten, was er zu tun hat. Er muß beachten, wie arm und entblößt er von hier scheiden muß, ein wie strenges Gericht er dort zu bestehen hat und wie gedemütigt und vergessen er im Grabe liegen muß: und dem entsprechend muß er zusehen, wie er sein Leben einrichtet. So tat auch ein Weltweiser, welcher sagte:

„Nackt kam ich zur Welt, und nackt kehre ich wieder in das Grab zurück. Wozu soll ich Zeit verlieren, um Reichtum zu sammeln, wenn ich zuletzt doch nackt und bloß bin?“

Weil wir dieses Ziel nicht vor Augen haben, entstehen alle unsere Irrtümer. Hieraus entspringt unsere Anmaßung, unser Hochmut, unsere Habgier, unser Wohlleben und die Luftschlösser, die wir bauen. Denn wenn wir bedächten, wie wir in wenigen Tagen in jenem armen Hause aussehen werden, würde unser Leben demütiger und gemäßigter sein. Wie kann der anmaßend sein, der bedenkt, wie er dort Staub und Asche ist? Wie kann seinen Bauch als seinen Gott derjenige betrachten, der erwägt, wie er dort eine Speise der Würmer ist? Wie kann man so hochtragende Gedanken hegen, wenn man bedenkt, wie schwach der Grund ist, auf welchen sie sich stützen? Wer wird umherirren, um Reichtümer zu suchen zu Wasser und zu Land, wenn er bedenkt, daß man sie ihm bezahlen wird mit einem Leichenkleid? Kurz, alle Werke unseres Lebens wären besser, wenn wir sie mit diesem Maßstab messen würden.

Daher sagen die Philosophen, das Leben des Weisen sei nichts anderes als ein beständiger Gedanke an den Tod. Den diese Betrachtung lehrt den Menschen, was etwas ist und was nichts ist, was er anstreben und was er fliehen muß, entsprechend dem Ziele, was er erreichen muß.

Von den weisen Brahmanen schreibt man, daß sie sich alle diesem Gedanken hingeben, daß sie an den Türen ihrer Häuser offene Gräber haben, um beim Ein- und Ausgehen immer an diesen Ausgang des Lebens zu denken.

Der Herr sprach zum Propheten Jeremias:

„Geh hinab zum Hause des Töpfers, dort will ich dich meine Worte vernehmen lassen.“ (Jer 18, 2.)

Wohl konnte Gott auch an jedem Orte mit ihm reden; doch er wollte es an jenem Orte tun, um zu verstehen zu geben, daß die Töpferwerkstätte, d. h. das Grab, die Schule der wahren Weisheit ist, wo Gott den Seinigen seine Lehre vorzutragen pflegt. Dort lehrt er sie, wie groß die Eitelkeit der Welt, das Elend des Fleisches, die Kürze des Lebens ist; vor allem lehrt er sie dort sich selbst erkennen, was eine der höchsten Weisheiten ist, die man lernen kann.

So steige denn, o Mensch, im Geiste hinab in dieses Haus, und du wirst dort sehen, wer du bist, wovon du bist, was aus dir werden soll, was aus der Schönheit des Fleisches und aus der Herrlichkeit der Welt wird. Und so wirst du alles verachten lernen, was die Welt anbetet, weil sie nicht versteht, wie sie es ansehen soll.

Sie sieht nur das Gesicht Jezabels, die wohlgeschmückt sich an dem Fenster blicken läßt; sie sieht aber nicht ihre traurigen Überbleibsel, die nach Gottes Willen liegen blieben, nachdem der Körper von den Hunden aufgefressen war. Daran sollen wir erkennen, wie die Welt etwas ganz anderes ist, als es den Anschein hat; wir sollen ihr so ins Gesicht sehen, daß wir uns auch des schmerzlichen Endes erinnern, das ihre Herrlichkeit haben wird. (Anmerkung ETIKA: empfehlenswerte Übung bezüglich gewisser Gesichter im Fernsehen, im Internet und auf DVDs.)

Zweitens nutzt diese Betrachtung, um uns von der Sünde fernzuhalten, wie der weise Sirach sagt mit den Worten:

„Bei allen deinen Werken denke an dein Ende, und in Ewigkeit wirst du nicht sündigen.“ (Sir 7, 40.)

Eine wichtige Sache ist es, nicht zu sündigen, und ein wirksames Mittel dazu ist das Nachdenken darüber, daß man sterben muß. Der hl. Gregor sagt:

„Es gibt nichts, was die Lüste des verkehrten Fleisches mehr ertötet, als daß man darüber nachdenkt, wie dasselbe aussehen wird nach dem Tode.“

Von einem Mönche wird folgendes berichtet: Als einst der Tisch gedeckt war und er sich niedersetzte, um zu essen und dem ermüdeten Körper einige Erquickung zu gönnen, da kam ihm plötzlich der Gedanke an den Tod, und als wäre dieser Gedanke ein Gerichtsdiener, quälte und ängstigte er ihn dermaßen, deß er vom Essen abließ. Siehe, was im Herzen des Gerechten das Andenken an diese Rechenschaft vermag! Es hielt ihn ab, etwas zu tun, was erlaubt und zum Leben nötig war.

In der Tat ist es eines der schrecklichsten Dinge, dies es in der Welt gibt, daß die Menschen eine so sichere Kenntnis von der Rechenschaft haben, welche in jener Stunde von ihnen gefordert wird, und daß sie dennoch solche Leichtfertigkeit im Sündigen besitzen.

Wenn ein Wanderer, der nur noch eine Kupfermünze im Beutel hat, in ein Gasthaus ginge, sich an den Tisch setzte und vom Wirte die feinsten Leckerbissen verlangte und nach seinem Belieben verzehrte, ohne daran zu denken, daß die Zeit der Rechnung kommen wird: wer würde einen solchen nicht für einen Schwindler oder einen Toren halten?

Wie weit größer ist aber die Torheit derer, welche sich zügellos allen Lastern hingeben, die so süß in ihnen schlummern, ohne sich daran zu erinnern, daß binnen kurzem, beim Verlassen der Herberge, so strenge Rechenschaft für jede dieser Ausschweifungen gefordert wird!

Deshalb darf man zuversichtlich glauben, daß der Teufel sich bemüht, soviel er kann, um uns so weit zu bringen, daß wir nicht an den Tod denken; er weiß ja sehr gut, welchen Nutzen wir aus dieser Erinnerung ziehen würden. Wie wäre es sonst möglich, daß die Menschen ein so furchtbares und schreckliches Ereignis vergessen könnten, von welchem sie so sicher wissen, daß es über ihr Haus kommen wird?

Die Furcht vor einem geringen Verluste an Vermögen hält uns häufig in steter Wachsamkeit und macht, daß wir Schlaf und Gesundheit einbüßen. Warum hat das Andenken an den Tod nicht diese Wirkung, der doch für Leib und Seele das Schrecklichste ist, was es geben kann?

Ich halte es für ein großes Wunder, daß die Menschen wegen nichtssagender Dinge so in Sorgen sind und so sorglos dahinleben im Betreff einer Sache, auf die so viel ankommt.

Drittens verhilft uns diese Betrachtung nicht nur dazu, daß wir gut leben, wie gesagt worden, sondern auch daß wir gut sterben. Bei großen und schwierigen Dingen ist es sehr wichtig, daß man sich auf dieselben vorbereitet. Ein so großer Sprung wie der Tod, der aus diesem Leben in das andere führt, kann nicht gut gelingen, wenn man nicht einen weiten Anlauf nimmt. Keine große Tat gelingt gut das erstemal. Da nun das Sterben eine so wichtige Sache ist, und es so notwendig ist, gut zu sterben, so laßt uns oft im Leben sterben, damit wir sicher sind, beim Tode gut zu sterben.

Die Mannschaft, welche kämpfen soll, erhält zuerst Unterricht und macht ihre Übungen, um in Friedenszeiten zu lernen, was sie zur Zeit des Krieges tun soll. Das Pferd, das einen Wettlauf machen soll, durchgeht und durchläuft zuerst die ganze Rennbahn und macht sich mit allen Schritten derselben bekannt, um beim Rennen nicht fremd darin zu sein.

Da wir nun alle diese Rennbahn durchlaufen müssen, weil es keinen Menschen gibt, der immer am Leben bleibt und den Tod nicht zu sehen bekommt; da ferner der Weg dunkel und rauh ist, wie wir alle wissen, und die Gefahr so groß ist, daß derjenige, welcher fällt, (Anm: nicht nur vielleicht Aids und dergleichen bekommt, sondern) in die Tiefe der Hölle stürzen muß, so wird es gut sein, jetzt den ganzen Weg zurückzulegen und alle Schritte zu sehen, die wir zu machen haben, einen nach dem andern, weil bei allen vieles zu beachten ist.

Und wir wollen uns nicht damit begnügen zu betrachten, was außerhalb um das Bett des Kranken vor sich geht, sondern wir müssen weit mehr dahin streben einzusehen, was im Innern seines Herzens vorgeht.

En lengua castellana - Spanischer Text Segunda parte - Einleitung