ETIKA

Luis von Granada
Meditationen und Gebete

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18B3M13A

Freitagabend. Die Hölle. Die Strafe der Pein.

6.1.2010

Gebet und Betrachtung vom ehrwürdigen Ludwig von Granada aus dem Predigerorden.

Aus dem Spanischen übersetzt von Dr. phil. theol. Jakob Ecker, Professor am Priesterseminar zu Trier. (Anm.: *1851, † 17.11.1912)
Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau, 1912. Erstes Bändchen. Erster Teil. Zweites Kapitel.
B. Sieben Abendbetrachtungen. Seite 319-331.

Freitag. Die Hölle.

1 . Die Strafe der Pein.

Wiewohl die Höllenstrafen nicht zu zählen sind, so lassen sich dieselben doch, wie wir bereits gesagt haben, auf zwei Hauptarten zurückführen: die Strafe der Pein und die Strafe des Verlustes. Die Strafe der Pein martert die Sinne und Leiber der Verdammten; die Strafe des Verlustes besteht in der beständigen Entbehrung der Gegenwart und Gesellschaft Gottes. Diese beiden Arten von Strafen entsprechen zwei Übeln und Unordnungen, die es in der Sünde gibt: nämlich der ungeordneten Liebe zu den Geschöpfen und der Geringschätzung des Schöpfers.

Der Liebe und der sinnlichen Lust, die man für die Kreatur empfand, entspricht die Strafe der Pein: die Sinne, welche sich ergötzten gegen das Gebot Gottes, sollen mit dem Schmerze der Strafe die Lüsternheit der Schuld büßen; und der Geringschätzung Gottes entspricht der immerwährende Verlust Gottes; denn da der Mensch zuerst Gott von sich stieß, so ist es gerecht, daß Gott ihn auf immer von sich verstoße. Und weil von diesen beiden Übeln das letztere, die Geringschätzung Gottes, unvergleichlich größer ist als das erstere, so ist die Strafe des Verlustes, welche jenem Übel entspricht, unvergleichlich höher als die Strafe der Pein.

Beginnen wir nun mit der Betrachtung über die Strafen der äußeren Sinne! Die erste Strafe besteht im Feuer von solcher Glut und Wirksamkeit, daß, wie der hl. Augustinus sagt, unser irdisches Feuer im Vergleich mit jenem gleichsam nur ein gemaltes Feuer ist. Dieses Feuer wird nicht nur die Leiber quälen, sondern auch die Seelen; und zwar wird es sie in der Weise quälen, daß es sie nicht verzehrt, damit so die Strafe ewig sei. Dies wird, wie der hl. Augustinus bemerkt, durch ein besonderes Wunder geschehen; denn Gott, der allen Dingen ihre Natur schenkte, gab jenem Feuer die Eigentümlichkeit, daß es in der Weise quält, daß es nicht aufzehrt.

Nun betrachte du jetzt, was die Unglücklichen empfinden werden, die stets auf einem solchen Lager sich befinden. Damit du es besser erfassest, stelle dir vor, was du empfinden würdest, wenn man dich in einen auf das äußerste erhitzten Feuerofen werfen würde, gleich demjenigen, welchen der König Nabuchodonosor in Babylon heizen ließ, dessen Flammen 49 Ellen hoch zum Ofen herausschlugen. (Dn 3, 47.) Hieraus kannst du in etwa mutmaßen, wie es dort zugehen wird; denn wenn unser Feuer, das, wie gesagt, nur wie gemalt ist, schon so schrecklich peinigt, was wird jenes Feuer bewirken, welches das wahre Feuer ist? Man sollte hier nicht so bald weitergehen, sondern bei diesem Gegenstande Halt machen und verweilen, bis man etwas tiefer in diese Wahrheit eingedrungen ist.

Zu dieser Pein wird eine andere kommen, die ihr entgegengesetzt, aber ebenso unerträglich ist: es ist eine furchtbare Kälte, die man mit unserer Kälte gar nicht vergleichen kann. Sie bietet denen, welche in jenem Feuer brennen, eine gar klägliche Erfrischung, so daß dieselben, wie der fromme Job schreibt, „von dem Schneewasser in die größte Hitze übergehen“ (Job 24, 19.).

·       Keine Art der Marter soll an denen unversucht bleiben, die keine Art der Lust unversucht lassen wollten.

Doch nicht nur Frost und Feuer werden die Verdammten quälen, sondern auch die Teufel selbst durch ihre schrecklichen Gestalten wilder Tiere und furchtbarer Ungeheuer, in denen sie sich ihnen zeigen. Sie werden durch ihr Erscheinen die ehebrecherischen und unehrbaren Augen quälen, auch jene Augen, die zu Fallstricken und Netzen des Satans gemacht wurden.

Diese Marter ist größer, als sich jemand denken kann. Manche Menschen haben den Verstand verloren oder sind sogar gestorben vor Schrecken bei dem Anblick oder der Vorstellung furchtbarer Gegenstände; zuweilen sträuben sich schon die Haare, und man fängt an zu zittern, wenn man nur denkt, man könnte so etwas sehen: was wird da die Furcht vor jenem finstern See bewirken, der voll ist von schrecklichen, schauerlichen Ungeheuern, wie sie sich dort den Augen der Bösen darbieten werden?

Stellen wir uns besonders vor, wie schrecklich der Satan erscheint! Wie schauderhaft sind die Bilder, unter denen uns Gott in der Heiligen Schrift den Teufel schildert! Es heißt im Buche Job:

„Wer hat jemals sein Gewand aufgedeckt und wer dringt in seines Gebisses Doppelreihen? Wer hat je seines Rachens Doppeltor geöffnet? Rings um seine Zähne lagert Schrecken. Sein Leib ist wie gegossene Schilder, geschlossen mit Schuppen dicht aufeinander. Eine reiht sich an die andere: kein Lüftchen dringt zwischen sie ein. Seinem Rachen entfahren Fackeln, entsprühen Feuerfunken. Aus seinen Nüstern dringt Dampf hervor wie von einem siedenden Topfe. Sein Odem entzündet Kohlen, und Flammen entfahren seinem Rachen.“ (Job 41, 5-13.)

Wie muß uns der Anblick eines so schrecklichen Ungeheuers entsetzen, das uns unter diesen Bildern geschildert wird!

Zu der Qual für die Augen kommt eine andere für den Geruch. Es wird ein unausstehlicher Gestank an dieser Stätte sein als Strafe für die Düfte und Wohlgerüche, welche die fleischlichen und weltlichen Menschen in dieser Welt aufsuchten. Gott droht durch den Propheten Isaias:

„Weil die Töchter Sions stolz einhergehen, im Gehen den Hals hochrecken und freche Blicke werfen, weil sie immerfort tänzelnd einhergehen und mit den Fußspangen klirren: so wird der Herr den Scheitel der Töchter Sions kahl machen. Statt des Balsams gibt´s Moder, statt der Schärpe einen Strick, statt des kunstvollen Gekräusels eine Glatze, statt des Prachtmantels Umgürtung mit härenem Gewande.“ (Is 3, 16 17 24.)

Das ist die Strafe, welche den Düften und Wohlgerüchen der weltlichen Menschen gebührt.

Um dir einen Begriff von dieser Strafe zu machen, stelle dir die schreckliche Art der Marter vor, die ein höchst grausamer Tyrann erfand, um die Menschen hinzurichten. Er nahm eine Leiche und ließ sie auf einen lebenden Menschen legen, ließen den Lebenden mit dem Toten fest zusammenbinden und ließ sie solange zusammen, bis der Tote den Lebenden durch den Gestank und die Würmer, die aus ihm hervorkamen, getötet hatte. (Anmerkung ETIKA: Wie andere Folterer, nämlich jene von Guantánamo etc. im Jenseits bestraft werden, wird in dem Roman von Vicente F. Delmonte: „Jedem nach seinen Taten“ geschildert.)

Wenn dir diese Qual höchst schrecklich erscheint, dann sage mir: wie furchtbar wird jene Qual sein, welche der Gestank der Leiber aller Verdammten bereitet und jenes abscheulichen Ortes, wo die Bösen sich befinden? Dort werden einem jeden dieser Elenden die Worte des Propheten Isaias gesagt:

„In die Unterwelt ist dein Stolz hinabgestürzt, dorthin sank dein toter Leib; unter dir ist die Verwesung ausgebreitet, und Würmer sind deine Decke.“ (Is 14, 11.)

Wenn das die Strafe des Geruchsinnes ist: wieviel werden die Ohren büßen, mit welchen weit größere Sünden begangen werden? Sie werden gequält durch ewiges Schreien und Heulen, Ächzen und Lästern, das man dort vernimmt. Denn wie im Himmel nur ein beständiges Alleluja und Lob Gottes ertönt, so ertönen in diesem höllischen Aufenthalte der Peiniger nur Lästerungen und Flüche gegen Gott und ein schreckliches Durcheinander verschiedenartiger Stimmen, die sich dort vernehmen lassen unter den lauten Schlägen und Streichen der Henker. Der Wirrwarr und die Verschiedenheit der Stimmen wird so groß, und die Wehklagen in jenem ganzen unseligen Kerker werden so gewaltig sein, daß beim Untergange Trojas und beim Brande Roms nicht geschah, was hiermit verglichen werden könnte.

Um dir eine klare Vorstellung von dieser Strafe zu machen, stelle dir nun vor, du gingest durch ein sehr tiefes Tal, voll von einer unzähligen Menge verwundeter und kranker Menschen, die alle laut jammern und schreien, jeder in seiner Weise, Männer und Frauen, Kinder und Greise. Wie gräßlich würde dir dieser große Lärm mit seinem schrecklichen Durcheinander vorkommen! Welchen Eindruck muß nun erst der fürchterliche Lärm einer so großen Menge von Verdammten machen, die ewig nichts anderes tun als schreien und lästern, Gott und seine Heiligen verwünschen und verfluchen?

Das sind die Metten, welche dort gesungen werden; das ist die traurige Kapelle des Fürsten der Finsternis, das sind seine Lieder und Hymnen, welche singen werden alle Lästerer und alle, die ihre Ohren den Lügen des bösen Feindes geliehen haben. (Anmerkung ETIKA: Wir denken an unsere unzähligen Leser, die sich nicht von unseren Texten beeinflussen lassen, sondern weiter auf die Lügen des bösen Feindes hören.)

Auch der leckern Zunge und dem verwöhnten Gaumen wird die Strafe nicht fehlen. Wir lesen ja im Evangelium von dem Durste, welchen jener reiche Prasser inmitten der Peinen seiner Flammen litt, und von den flehenden Worten, die er an den heiligen Patriarchen richtete, indem er diesen um einen einzigen Tropfen Wasser bat, um die Zunge zu benetzen, die von brennendem Durste gepeinigt wurde.

Unendlich schmerzhaft sind alle dieser Peinen der äußeren Sinne des Leibes; doch weit größer noch sind die Qualen der inneren Sinne der Seele, welche eine um so härtere Strafe treffen muß, je nachlässiger sie waren, die Sünde zu verhindern. Zunächst wird die Phantasie mit einer so heftigen Vorstellung jener Schmerzen gequält, daß sie mit nichts anderem sich beschäftigen kann. Denn wenn uns ein heftiger Schmerz erfaßt, können wir uns nicht von dem Gedanken an ihn trennen, wenn wir es auch wollten; der Schmerz selbst erregt die Einbildungskraft so sehr, daß sie mit etwas anderem sich gar nicht beschäftigt: um wieviel mehr wird dies dort der Fall sein, wo der Schmerz unvergleichlich heftiger ist? So wird die Phantasie den Schmerz erregen, und der Schmerz die Phantasie, damit so auf jede Weise die Qual des Verdammten erhöht werde. Dieses werden die beständigen Betrachtungen derer sein, die während ihrer Lebenszeit niemals dieser Strafen sich erinnern wollten; und so werden die, welche nicht an diese Strafen denken wollten zur Zügelung ihres Lebens, sie dort leiden zur Strafe für ihre Sünden.

Auch das Gedächtnis wird die Verdammten peinigen, wenn es sie dort erinnert an das alte Glück und an die vergangenen Lüste, wegen deren sie solche Qualen erdulden müssen. Dort werden sie klar sehen, wie teuer sie die elende Schwelgerei bezahlen müssen, und wieviel Pfeffer jene Bissen enthielten, die ihnen so süß vorkamen. Ein Weiser sagt:

„Unter allen Arten von Widerwärtigkeiten besteht die größte darin, daß man ins Elend gerät, nachdem man glücklich war.“

Wenn also die, welche in dieser Welt reich und mächtig waren, rückwärts schauen und sich des früheren Glückes und Überflusses erinnern, in welchem sie lebten; wenn sie dann sehen, wie auf jenen Überfluß eine so große Not folgt, daß ihnen nicht ein einziger Tropfen Wasser zugestanden wird, wie ihr Wohlleben sich in Trübsal verwandelt hat, ihre Düfte in Gestank, ihre Musik in Gewimmer: wie groß wird da die Qual sein, welche sie durch diese Erinnerung erleiden?

Noch weit größer wird diese Qual sein, wenn sie die Dauer der vergangenen Freuden mit der Dauer der gegenwärtigen Schmerzen vergleichen und sehen, wie die Vergnügen nur einen Augenblick währten und wie die Leiden ewig dauern werden. Welch ein Schmerz, welch ein Jammer wird es sein, wenn sie nach abgelegter Rechnung sehen, daß ihre ganze Lebenszeit nur der Schatten eines Traumes war, und daß sie für die Lüste, die schnell vorüber waren, Qualen leiden werden, welche nie ein Ende haben werden!

Das sind die Qualen, welche sie durch das Gedächtnis erleiden, wenn sie sich des vergangenen Glückes erinnern; aber noch größere Qualen werden sie durch den Verstand erleiden, wenn sie das verlorene Himmelsglück betrachten. Hieraus entsteht der nagende Wurm des Gewissens, mit welchem die Heilige Schrift so oft droht, der Tag und Nacht ohne Unterlaß beißen und nagen und sich weiden wird in den Eingeweiden der Unglücklichen. Der Wurm entsteht im Holze und nagt beständig an dem Holze, das ihm Leben gab: so entsteht jener Wurm aus der Sünde und lebt in beständigem Hader mit eben der Sünde, die ihn erzeugt hat.

Dieser Wurm ist Verzweiflung und wütende Reue, welche die Bösen beständig erfaßt, wenn sie das Glück betrachten, das sie verloren haben, den Grund, weshalb sie es verloren, und die günstige Gelegenheit, die sie hatten, um den Verlust zu verhüten. Diese günstige Gelegenheit haben sie stets vor Augen; fortwährend zehrt sie an ihren Eingeweiden und veranlaßt sie, immer wieder zu sagen:

„Ich Unglücklicher, der ich Zeit hatte, ein so großes Glück zu erwerben, und sie nicht benutzen wollte! Es gab eine Zeit, in der mir dieses Glück angeboten wurde, in der ich gebeten wurde, es anzunehmen, und es ward umsonst angeboten, ich wollte es nicht. Das bloße Geständnis und mündliche Bekenntnis meiner Sünden hätte mir Verzeihung gebracht; ich hätte Gott nur um das Heilmittel zu bitten brauchen, und er hätte es mir bewilligt; für einen einzigen Krug kalten Wassers wollte er mir das ewige Leben geben.

Jetzt muß ich beständig darben und weinen und bereuen, was ich tat: und alles wird umsonst sein. Ach wie schnell schwand jene Zeit dahin, und nimmer wird sie wiederkehren! Was bot man mir, daß ich mich solcher Gefahr aussetzte? Auch wenn man mir alle Königreiche und Lüste der Welt gegeben hätte, und ich hätte sie so viele Jahre besitzen und genießen können, als es Sandkörner am Meere gibt, so würde alles das ein Nichts gewesen sein im Vergleich mit der geringsten Strafe, die man hier erleidet. Aber es ward mir nichts gewährt als ein kleiner Schatten flüchtiger Lust: und dafür muß ich ewige Marter auf mich nehmen?

O unselige Lust, unseliger Tausch, o unselige Stunde, unseliger Augenblick, der mich so verblendete! Ach, ich Blinder! Ach, ich Unglücklicher! Ach, ich tausendmal Unglücklicher, der ich mich also täuschte! Verflucht sei, der mich betrog; verflucht, der mich nicht zurechtwies! Verflucht sei der Vater, der mich verzärtelte; verflucht die Milch, die ich sog, und das Brot, das ich aß, und das Leben, das ich lebte! Verflucht sei meine Geburt und alles, was zu meinem Dasein dienlich war! Glücklich und selig die, welche niemals waren, nie geboren wurden! Glücklich der Mutterschoß, der nie geboren, die Brust, die nie genährt hat!“

So werden die Elenden alle Geschöpfe verwünschen, besonders jene, welche die Ursache ihres Verderbens waren. (Anmerkung: Hier sei besonders der bedauernswerten Massenverführer und -verführerinnen im Fernsehen und Internet gedacht.) So lesen wir in den Lebensbeschreibungen der Väter von einem heiligen Manne, der in einer Offenbarung einen sehr tiefen Brunnen erblickte, angefüllt mit gewaltigen Feuerflammen. Inmitten derselben befand sich ein Vater mit seinem Sohne. Sie waren aneinander gefesselt und verfluchten einander in grimmiger Wut. Der Vater sprach:

„Verflucht seist du, Sohn; denn um dich reich zu hinterlassen, ward ich ein Wucherer, und darum wurde ich verdammt.“

Und der Sohn sagte:

„Verflucht seist du, Vater; denn indem du dachtest, mir Gutes zu erweisen, hast du mich ins Unglück gebracht, weil du mir ein Vermögen hinterließest, das ungerecht erworben war, und darum wurde ich verdammt.“

Wie werden aber zu diesem allem die Qualen und Schmerzen des verkehrten Willens sein? Er wird stets von wütendem Neide über die Glorie Gottes und seiner Auserwählten erfüllt sein; dieser Neid wird den Verdammten immer an den Eingeweiden nagen wie der erwähnte Wurm. Von dieser Qual sagt der Psalmist:

„Der Sünder sieht´s und grollt, knirscht mit den Zähnen und vergeht; der Wunsch der Bösen wird zunichte werden.“ (Ps 111, 10.)

Sie werden auch einen so großen Abscheu und Haß gegen Gott haben, weil er sie an diesem Orte zurückhält und züchtigt, daß, wie ein rasender Hund mit großer Wut in die Lanze beißt, die ihn verwundet, auch die Verdammten, wenn es möglich wäre, Gott in Stücke reißen möchten. Sie wissen ja, daß er es ist, der mit der Lanze nach ihnen stößt und der sie von oben herab mit dem Schwerte seiner Gerechtigkeit trifft.

Sie behalten auch eine sehr große Hartnäckigkeit im Bösen; denn es schmerzt sie nicht, daß sie böse sind und daß sie böse waren, sie möchten eher noch böser gewesen sein.

Wenn es ihnen qualvoll ist, schlecht gelebt zu haben, so geschieht das nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Eigenliebe und weil sie diesen Martern hätten entgehen können, wenn sie auf andere Weise gelebt hätten. Bei alledem verharren sie in ewiger Verzweiflung; denn sie denken so schlecht von Gott und seiner Barmherzigkeit, daß sie von derselben nicht hoffen, jemals Verzeihung zu erlangen, und deshalb sind sie überzeugt, daß ihre Qualen kein Ende haben, daß es kein Heilmittel für sie gibt. Das ist der Grund ihrer Lästerungen und Schmähungen wider Gott; denn da sie nun nichts mehr von ihm hoffen, bemühen sie sich, soviel sie können, sich an ihm zu rächen mit ihren wütenden Zungen.