ETIKA

Luis von Granada
Meditationen und Gebete

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18B3M13C

Freitagabend.
Die Hölle. Die besonderen Strafen der Verdammten.

6.1.2010

Gebet und Betrachtung vom ehrwürdigen Ludwig von Granada aus dem Predigerorden.

Aus dem Spanischen übersetzt von Dr. phil. Theol. Jakob Ecker, Professor am Priesterseminar zu Trier. (Anm.: *1851, † 17.11.1912)
Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau, 1912. Erstes Bändchen. Erster Teil. Zweites Kapitel.
B. Sieben Abendbetrachtungen. Seite 333-334.

Freitag. Die Hölle.

3 . Die besondern Strafen der Verdammten.

Außer den erwähnten Strafen gibt es noch andere. Jene sind nämlich allgemeine Strafen, die allen Verdammten gemeinsam sind; es gibt aber noch besondere Strafen, die jeden einzelnen treffen je nach der Art seiner Versündigung. Das deutet der Prophet Isaias mit den Worten an:

„Maß gegen Maß, so richtest du ihn. So beschloß der Herr in seinem grimmigen Zorne am Tage der Glut.“ (Is 27, 8.)

Die Strafe, welche der Herr in seinem gerechten Zorne bestimmt, wird der Schuld entsprechen. Denn dort wird die Schönheit und Ordnung der göttlichen Gerechtigkeit erstrahlen, die einem jeden nach dem Verhältnis seiner Sünden seine Strafe gibt. So werden dort, wie ein Geisteslehrer sagt,

·       die Habsüchtigen gestraft durch elende Not;

·       die Trägen werden gezüchtigt durch feurige Stacheln;

·       die Schlemmer werden gequält durch schrecklichen Hunger und großen Durst;

·       die Fleischlichen und Unkeuschen werden angefallen von Flammen stinkenden Schwefels;

·       die Neidischen werden vor inneren Schmerzen heulen wie wütende Hunde;

·       die Stolzen und Anmaßenden werden voll sein von ewiger Beschämung: und so verhält es sich mit allen übrigen.

O ihr Götzendiener der Welt, die ihr nach Ehre trachtet, Reichtum aufhäufet, neue Trachten, Schmausereien und Lüste erfindet!

O traurige und jammervolle Stadt Babylon! Wer wird jetzt über dich weinen und zum zweiten Male des Erlösers Tränen vergießen, als er sagte:

„O wenn du doch jetzt erkenntest!“ (Lk 19, 42.)

O wenn du doch jetzt erkenntest, wie teuer du die Leckerbissen bezahlen mußt und wie grausame Henker für dich dort die Götzen sein werden, die du angebetet hast!

Wer unreifes Obst ist, bekommt notwendig stumpfe Zähne. Weil nun die Weltmenschen vor der Zeit die Seligkeit genießen und das Paradies am Ort der Verdammung haben wollen, muß ihnen dieser Bissen eines Tages stumpfe Zähne machen, wie Gott androht durch seinen Propheten, welcher spricht:

„Wer unreife Trauben ißt, dem sollen die Zähne stumpf werden.“ (Jer 31, 30)

Er soll wissen, daß sie ihm bitter werden. Auch der genießt die Trauben, bevor sie reif sind, welcher in diesem Leben die Freuden des andern Lebens im voraus genießen will: ihm wird nachher dieser Bissen bitter schmecken, wenn er gestraft wird im Gerichte Gottes, weil er vor der Zeit genießen und die Seligkeit haben wollte.

Anmerkung ETIKA: Mehr darüber in Dantes „Inferno“, bei P. Martin von Cochem sowie im Roman von Vicente F. Delmonte: „Jedem nach seinen Taten“.