ETIKA

Luis von Granada
Meditationen und Gebete

www.etika.com
22-5-2005
4-6-2009

18B3M16A

Himmel: Die Schönheit und Vortrefflichkeit des Ortes der Herrlichkeit

Valencia 1851.
Meditation am Samstagabend

 

Meditaciones sobre los principales misterios
de nuestra Santa Fe, y doctrina para la oración.
Por el V. P. M. Fr. Luis de Granada,

del sagrado Orden de Predicadores.
Valencia. Imprenta de D. Agustin Laborda. Año de 1851. Seiten 280 - 288
Con aprobación y licencia de la Autoridad Eclesiástica de esta diócesis.

 

Fray Luis de Granada: Libro de la oración y meditación.
Segunda edición. Ediciones Palabra, S. A., Madrid, 1979. Seiten 162 - 166.

Text auf spanisch/espanol. Übersetzung: R. L.

Abhandlung über die Betrachtung der Herrlichkeit des Paradieses,
wo die vorangegangene Meditation näher erläutert wird
Kapitel 16

Was bei der Meditation der Glückseligkeit der Glorie hilft, um uns in allen Mühen anzuspornen, die wir ihretwegen auf uns nehmen müssen

Erster Abschnitt.
Von der Schönheit und Vortrefflichkeit des Ortes der Herrlichkeit

 

4. Betrachte zunächst die Schönheit des Ortes, welche uns der hl. Johannes in der Offenbarung (Kap. 21) mit den folgenden Worten anschaulich beschreibt:

 

"Und es kam einer der sieben Engel und sagte zu mir:

Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes.

Und er entrückte mich im Geist auf einen große, hohen Berg und zeigte mir die Heilige Stadt Jerusalem, die vom Himmel herniederstieg in der Herrlichkeit Gottes. Ihr Lichtglanz gleicht kostbarsten Steinen.

Diese Stadt hat eine mächtige, hohe Mauer mit zwölf Toren, und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben.

Die Grundsteine der Mauer der Stadt sind mit Edelsteinen aller Art geschmückt. Und die zwölf tore sind zwölf Perlen, jedes einzelne Tor aus einer einzigen Perle. Der Platz der Stadt ist lauteres Gold, klar und hell wie Kristall.

 

Einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn ihr Tempel ist der Herr, Gott, der Allherrscher, und das Lamm.

 

Und die Stadt bedarf weder der Sonne noch des Mondes, daß sie scheinen in ihr; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.

Und er zeigte mir einen Strom mit dem Wasser des Lebens, schimmernd wie Kristall, der vom Thron Gottes und des Lammes hervorkam.

In der Mitte ihres Platzes und des Stromes zu seinen beiden Seiten steht der Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt, jeden Monat gibt er seine Frucht, die Blätter des Baumes aber dienen zur Heilung der Völker.

 

Nichts Fluchbeladenes wird es mehr geben. Der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen. Sie werden sein Angesicht schauen, und sein Name ist auf ihren Stirnen. Und sie werden herrschen in alle Ewigkeit."
(Nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes, nach den Grundtexten übersetzt und herausgegeben von Prof. Dr. Vinzenz Hamp, Prof. Dr. Meinrad Stenzel, Prof. Dr. Josef Kürzinger, Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg, 25. Auflage, 1975)

 

5. Blick hierher, Bruder, auf die Skizze der Schönheit dieser Stadt, nicht damit du denken sollst, daß sich diese Dinge in ihr befinden, so materiell wie die Worte klingen, sondern damit du daraus andere geistigere und vortrefflichere Dinge entnehmest, die uns durch sie veranschaulicht werden.

 

6. Diese Stadt liegt über allen Himmeln, ihre Größe und Weite überschreitet jedes Maß. Denn wenn jeder der Sterne des Himmels schon so groß ist wie weiter oben beschrieben, wie groß wird dann jener Himmel sein, der alle Sterne und alle Himmel umfaßt?

Es gibt keine Größe in der Welt, die sich mit ihr vergleichen läßt. Wie sagte doch ein Heiliger? Die Strecke vom westlichen Ende Spaniens bis nach Amerika legt ein Schiff, wenn gutes Wetter herrscht, in wenigen Tagen zurück, aber um jene Region des Himmels mit Sternen, die leichter sind als Strahlen (Anmerkung: Übersetzung möglicherweise nicht zutreffend), zu durchqueren, braucht es viele Jahre.

 

7. Wenn du nun fragst, wie dieser Bau errichtet worden ist, so gibt es keine Zunge, die es erklären könnte; denn wenn das, was sterblichen Augen verschlossen bleibt, so schön ist, was wird dann dort für die unsterblichen Augen aufbewahrt werden?

Und wenn wir sehen, daß durch Menschenhand hier einige Werke entstehen, die so prächtig und von solcher Schönheit sind, daß sie die Augen des Betrachters zum Staunen bringen - was wird dann die Hand Gottes in jenem Königshaus geschaffen haben und in jenem heiligen Palast und in jenem Haus der Erquickung, das er zur Glorie seiner Auserwählten erbaut hat?

 

O wie lieblich sind, sagt der Prophet (Psalm 82) deine Tabernakel, Herr, Gott, der du alles vermagst! Sehnlichst wünscht sich meine schmachtende Seele, die Paläste des Herrn zu betrachten.

 

8. Das, was in erster Linie die Städte adelt, ist die Beschaffenheit ihrer Bürger, ob sie edel, zahlreich und untereinander einig sind. Nun, wer wird über die Vornehmheit dieser Stadt Aussagen treffen können? Alle ihre Bewohner sind Edelleute, und keiner von ihnen ist aus niedrigem Stande, denn alle sind Kinder Gottes.

 

Sie verkehren freundschaftlich miteinander, sind ein Herz und eine Seele. Und sie leben in solchem Frieden, daß ihre Stadt den Namen Jerusalem trägt, was bedeutet: Vision des Friedens.

 

Und wenn du Näheres über die Zahl und die Bevölkerung dieser Stadt wissen willst, so antwortet darauf der hl. Johannes in der Offenbarung (Kap. 7), wo er sagt:

"

"Darauf sah ich eine große Schar von Seligen, die niemand zu zählen vermochte, aus jeder Nation und aus allen Stämmen, Völkern und Sprachen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Gewändern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und sangen Gott Loblieder."

 

Damit stimmt überein, was der Prophet Daniel über diese heilige Zahl aussagt, nämlich (7,10):

"Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm."

 

9. Und denke nicht, daß sie, weil sie so viele sind, ohne Ordnung seien. Denn dort ist die große Menge kein Anlaß für ein Durcheinander, sondern alles spielt sich in vollständiger Ordnung und Harmonie ab. Denn jener, der mit so wundervollem Zusammenklang die Bewegungen der Himmel bestimmte und den Lauf der Sterne einrichtete, die er alle mit Namen rief, derselbe ordnete das ganze unzählige Heer der Seligen in wunderbarem Einklang, indem er jedem seinen Ort und seine Glorie gab, je nach seinem Verdienst.

 

Und so ist ein Ort den Jungfrauen vorbehalten, ein anderer den Bekennern, ein anderer den heiligen Märtyrern, ein anderer den Patriarchen und Propheten, ein anderer den Aposteln und Evangelisten, und so auch allen anderen.

 

Und so wie die Menschen aufgeteilt und in ihre Wohnungen eingewiesen werden, so sind auf ihre Weise die Engel in drei Hierarchien eingeteilt, welche sich in neun Chöre aufteilen. Über allen erhebt sich der Thron ihrer Hoheit, der Königin der Engel, die für sich allein einen Chor bildet, denn sie hat niemanden, der gleich oder ähnlich ist wie sie. Und den Vorsitz über alle schließlich führt jene heilige Menschheit Christi, die zur Rechten der Majestät Gottes in der Höhe sitzt.

 

10. Du, christliche Seele, strebe zu diesen Chören: gehe auf diesen Plätzen und Straßen spazieren, schau die Ordnung an, die unter diesen Bürgern herrscht, bewundere die Schönheit dieser Stadt und den Adel ihrer Bewohner, grüße jeden einzelnen mit Namen, bitte sie um ihre Fürbitte, grüße auch dieses liebliche Vaterland; und als Pilger, der es noch von weitem sieht, schicke mit den Augen dein Herz und sprich:

 

Gott grüße dich, liebes Vaterland, Land der Verheißung, Hafen der Sicherheit, Ort der Zuflucht, Haus des Segens, Königreich aller Jahrhunderte, Paradies der Wonnen, Garten der immerblühenden Blumen, Platz aller Güter, Krone aller Gerechten und Ziel und Verwirklichung aller unserer Wünsche.

Gott grüße dich, unsere Mutter, unsere Hoffnung, die wir so ersehnen, deretwegen wir bisher seufzen und für die wir kämpfen, denn nur derjenige wird in dir gekrönt, der kämpft in Treue.

 


 

ETIKA-Vision über Paradies und Hölle (Kurzfassung):

 

Ein Trost angesichts der in diesem Kapitel von Luis von Granada vorgenommenen Reduzierung des Himmels auf eine Stadt ist uns der erste Vers im 21. Kapitel der Offenbarung:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Es ist also danach nicht alles nur eine Stadt, auch wenn sie noch so prächtig ist. Der neue Himmel und die neue Erde wären ja dann unnötig.

 

Wir können uns gut vorstellen, daß die Himmelsbewohner nicht gezwungen sind, die ganze Ewigkeit in dieser Stadt zu verbringen. Gott wird wohl ein richtiges Paradies geschaffen haben wie am Anfang den Garten Eden. Wir wollen auch Natur, nicht nur Edelsteine und Gold und feste Häuser. Zumindest der russische Pilger wird Sehnsucht nach der Weite der Wälder oder der Steppe haben, und die Alpinisten wird es zum heiligen Berg hinziehen, von dem ja auch in der Bibel die Rede ist. Wir glauben, daß es im Himmel alles gibt, also auch Landschaften aller Art, die nicht unbedingt vergeistigt sein müssen. Schließlich dürften auch die Löwen und Wölfe, die neben den Lämmern und Kaninchen weiden, von Fleisch und Blut sein, und nur die Gier wird aus ihnen ausgezogen sein. Ebenso wird auch das Böse, das jetzt noch aufgrund der Erbsünde und wegen ihrer eigenen Schuld in den Menschen ist, verschwunden sein. Seele und Leib werden auferstehen, und wenn alles total vergeistigt wäre, bräuchte es ja keinen Leib. Tatsache ist, daß der Mensch mit sündenlosem Leib im Himmel sein wird. Was es genau mit der Verklärung auf sich hat, werden alle erfahren, die beim Jüngsten Gericht nicht zur Hölle verdammt werden.

 

Dort unten sind die menschlichen Leiber weiterhin sündenbeschmutzt. Nur kommt zu den Begierden und Lastern, die nach unserer Vermutung in irgendeiner Form weiter existieren (siehe Alejandro Casona über Quevedos Höllenbesuch in: El caballero de las espuelas de oro, Espasa-Calpe Madrid 1972, S. 54), noch eine Vielfalt von Strafen hinzu. Da sie von ihren unreinen Vergnügungen nicht lassen wollen, verharren sie in der Sünde, verfluchen sich und Gott ohne aufzuhören.

Keineswegs sind sie jener großen Barmherzigkeit wert, die eine mitleidige Seele im Zwiegespräch mit Gott verlangt und schließlich erhält; Fanny Moissejewa ist zu weit gegangen und hat das Tabu der göttlichen Gerechtigkeit verletzt, siehe die Schulausflugsszene bei Schaffner.

Die Örtlichkeiten, möglicherweise im Innern der Erde, sind zum Teil in den Apokryphen, zum Teil in Horrorfilmen drastisch beschrieben, was zur Abschreckung eigentlich ausreichen sollte. Aber wer nicht hören will, muß fühlen.

 

Mehr über den Himmel:
Wer auf Erden zu kurz kommt
, aber Gott treu bleibt, wird im Himmel für alles entschädigt – „an allen Sinnen“
Die mutigste, verheißungsvollste Himmelsvision! Die große, letzte Hoffnung für jeden und jede lässt alle irdische Not ertragen!
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