ETIKA

Luis von Granada
Meditationen und Gebete

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18B3M16C

Himmel: Die Anschauung Gottes

Meditation am
Samstagabend
4.6.2009

Gebet und Betrachtung vom ehrwürdigen Ludwig von Granada aus dem Predigerorden.

Aus dem Spanischen übersetzt von Dr. phil. theol. Jakob Ecker, Professor am Priesterseminar zu Trier. (Anm.: *1851, † 17.11.1912)
Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau, 1912. Erstes Bändchen. Seite 357-359

Der Himmel
3. Die Anschauung Gottes

Mehr als alles Gesagte beseligt die klare Anschauung des Angesichtes Gottes, in welcher die wesentliche Glorie der Heiligen besteht.

Wie sehr alles Erwähnte auch beiträgt zum himmlischen Glücke, so ist doch alles nur wenig im Vergleich zu dieser Anschauung Gottes. Von Issachar sagt die Schrift:

„Er sieht, daß sein Ruheplatz gut ist und das Land gar lieblich, und er bietet seine Schulter dar zum Tragen, wird fronender Knecht.“ (Gn 49, 15.)

Der Ruheplatz und die Herrlichkeit der Heiligen sind schön, das Land, das diesen Ruheplatz trägt, ist schön und gut im höchsten Grade; denn dieses ist das Antlitz und die Schönheit Gottes, von dessen Anschauung die Ruhe und die Herrlichkeit der Heiligen ausgehen. Diese Anschauung Gottes ist allein im stande, unsern Seelen vollkommene Ruhe zu gewähren.

·       Denn alle Süße und Lieblichkeit der Kreaturen kann dem Menschenherzen wohl Freude bereiten, aber sie kann es nicht sättigen.

Wenn nun alle erwähnten Güter solche Freude bereiten, wie sehr muß jenes höchste Gut entzücken, das alle Güter im höchsten Grade in sich faßt! Und wenn der bloße Anblick der Geschöpfe etwas so Herrliches ist: welche Herrlichkeit wird es sein, jenes Antlitz, jenes Licht und jene Schönheit zu schauen, in denen alle Schönheiten widerstrahlen! Wie beglückend wird es sein, jenes so wunderbare, so einfache und so mitteilsame Wesen zu schauen und in ihm auf einen Blick das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die Herrlichkeit des Vaters, die Weisheit des Sohnes und die Güte und Liebe des Heiligen Geistes zu erblicken!

·       Dort werden wir Gott schauen, und in Gott werden wir uns und alle Dinge schauen.

Wie derjenige, sagt der hl. Fulgentius, der einen Spiegel vor sich hat, den Spiegel und in dem Spiegel sich selber schaut und alles, was vor dem Spiegel ist: so werden wir auch, wenn wir jenen makellosen Spiegel der Majestät Gottes vor uns haben, ihn selbst schauen und uns in ihm und auch alles, was außerhalb desselben ist, je nach der größeren oder geringeren Erkenntnis, die wir von ihm haben.

Dort wird das Verlangen unseres Verstandes Ruhe haben und nichts weiter zu wissen wünschen; denn er wird alles vor sich haben, was er wissen kann.

Dort wird auch das Verlangen unseres Willens Ruhe haben: wir lieben das allgemeine Gut, in welchem alle Güter enthalten sind und außer welchem es keine Freude gibt.

Dort wird auch unser Hunger gestillt sein durch den Genuß jener erhabenen Freude, die unser Herz dermaßen sättigt, daß ihm nichts mehr zu wünschen übrig bleibt.

Dort werden vollkommen belohnt jene drei Tugenden, durch welche Gott hienieden hauptsächlich geehrt wird, Glaube, Hoffnung und Liebe, wenn dem Glauben die klare Anschauung, der Hoffnung der Besitz und der vollkommenenen Liebe die Liebe in ihrer ganzen Vollkommenheit zur Belohnung gegeben wird.

Dort wird man schauen und lieben, genießen und loben, dort wird man gesättigt sein ohne Überdruß; man wird Hunger haben, ohne Mangel zu leiden.

Dort ist es, wo man gleichsam immer wieder von neuem jenes Lied anstimmt, das der hl. Johannes in seiner Offenbarung singen hörte; denn wenn dieses Lied auch stets dasselbe ist als allgemeiner Lobpreis, entsprechend einer allgemeinen Glorie, die alle besitzen, so ist es doch immer neu in Bezug auf die Freude und Süßigkeit, die es gewährt, und die Seligkeit, die es im Anfange gewährte, wird es für immer behalten.

Die Freude der Heiligen altert nicht, ebensowenig wie ihr Leben.

Denn der, welcher nach Verlauf so vieler Jahre die Himmel immer neu sein läßt, wird bewirken, daß die Blume seiner Glorie immer grünt und nimmer welkt.

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