ETIKA

Luis von Granada
Meditationen und Gebete

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18B3M3B

Dienstag. Jesus am Ölberge.
Von denen, die geistigerweise die Hände Jesu binden

20.2.2014

Gebet und Betrachtung vom ehrwürdigen Ludwig von Granada aus dem Predigerorden.

Aus dem Spanischen übersetzt von Dr. phil. theol. Jakob Ecker, Professor am Priesterseminar zu Trier. (Anm.: *1851, † 17.11.1912)
Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau, 1912. Erstes Bändchen. Seite 77-82

Sieben Morgenbetrachtungen. Das bittere Leiden unseres Herrn.
Dienstag. Jesus am Ölberge.
3. Von denen, die geistigerweise die Hände Jesu binden.

O mildester, süßester Heiland, der du dich binden lassen wolltest, um uns aus unserer Gefangenschaft zu erretten und zu befreien: ich bitte dich um dieser deiner innigen Barmherzigkeit willen, die dich zu solchem Schritte bewogen hat, du mögest nicht gestatten, daß ich ein so großes Verbrechen begehe, dir die Hände zu binden, wie die Juden es getan.

Denn nicht nur jene haben deine Hände gebunden, sondern es bindet sie dir auch der, welcher deinen heiligen Einsprechungen widerstrebt und nicht dahin gehen will, wohin du ihn führen, und nicht annehmen will, was du ihm geben möchtest.

Ebenso bindet deine Hände derjenige, welcher seinem Nächsten Ärgernis gibt, durch seine bösen Beispiele (Anmerkung ETIKA: Lebensweise, Kleidung etc.) und Ratschläge ihn abwendig macht von seinen guten Vorsätzen und das gute Werk verhindert, das du durch ihn zu tun begonnen hast.

Auch die Mißtrauischen und die Ungläubigen binden die Hände deiner Freigebigkeit und Güte, o Herr; denn wie das Vertrauen die Hände deiner Gnade öffnet, so binden sie der Unglaube und das Mißtrauen. Daher sagt auch der Evangelist, daß du in deiner Vaterstadt nicht viele Wunder wirken konntest wegen des Unglaubens ihrer Bewohner (Mt 13, 58.)

Auch die Undankbaren und Nachlässigen binden dir die Hände und legen deiner Gnade Hindernisse in den Weg: die einen, weil sie dir für deine Gnade nicht danken, und die andern, weil sie dieselbe für müßig und zwecklos halten und sie nicht benutzen wollen.

Diejenigen endlich, die aus eitler Ruhmsucht sich der Gnaden rühmen, welche du ihnen gegeben, binden dir am festesten die Hände, weil sie sich durch diese Sünde deiner Gnade unwürdig machen. Denn es ziemt sich nicht, daß du noch ferner Gnaden denen erweisest, die dadurch noch eitler werden, und daß du die Schätze deiner Gnaden dem zukommen lassest, der dir nicht den Tribut der Ehre bringt, sondern als Verräter und Räuber sich mit derselben brüstet und die Rechte der Ehre sich anmaßt, die dir allein zukommen.

Ich möchte auch sagen, daß die Schwätzer dir die Händen binden, Herr, und die, welche die Tröstungen und die Gefühle, die du ihnen schenkst, nicht für sich behalten; denn wie vorsichtige und kluge Menschen ihre Geheimnisse denen nicht mitteilen, die sie in der Bewahrung solcher Geheimnisse untreu gefunden, so teilst auch du deine Geheimnisse oftmals denen nicht mit, welche dieselbe ohne Grund andern mitteilen und infolgedessen noch eitler werden.

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