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Celano

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18B40

Leben des hl. Franziskus von Assisi

29.10.2015

Eigene Übersetzung aus: Fra Tommaso da Celano: Vita di S. Francesco (Prima e Seconda) e Trattato dei Miracoli.
Traduzione di Fausta Casolini. Edizioni Porziuncola, S. Maria degli Angeli, Assisi, 1982.

Zweites Leben, zweiter Teil, Kapitel LXXXVIII, Seite 298f.

Von seinem Lob der Fröhlichkeit und den schlechten Auswirkungen des Trübsinns und der Schwermut

Das sicherste Heilmittel gegen die tausend Tücken und Listen des Feindes ist die Fröhlichkeit des Geistes (letizia), bekräftigte unser Heiliger. Er sagte nämlich:

„Der Teufel bricht in großen Jubel aus, wenn er einem Diener Gottes die Fröhlichkeit des Geistes rauben kann. Wenn er Staub in einen Spalt des Gewissens streuen kann, beschmutzt er die Weiße (candore, Unschuld) des Geistes und die Reinheit des Lebens. Wenn aber die Herzen voll geistlicher Freude sind, verspritzt die Schlange vergebens ihr tödliches Gift. Die Dämonen können den Diener Christi nicht verletzen, wenn sie ihn voll Fröhlichkeit des Geistes sehen; sie können ihn nur dann verletzen, wenn die Seele zum Weinen neigt, ohne Trost, voll Kummer, oder wenn sie sich leicht von der Traurigkeit besiegen läßt oder wenn sie sich eitlen Vergnügungen hingibt.“

Er selbst übte sich deshalb darin, immer fröhlich zu sein und die Salbe des Geistes und das Öl der Freude zu erhalten. Er vermied mit größter Sorgfalt die so schlimme Krankheit der Melancholie, so dass er, wenn er nur ein wenig spürte, dass sie von seinem Geist Besitz ergreifen wollte, sich sofort dem Gebet zuwandte. Und er sagte:

„Der Diener Gottes, kaum dass er sich ein wenig beunruhigt fühlt, wie es zu geschehen pflegt, soll sich unverzüglich zum Gebet erheben und in der Gegenwart des himmlischen Vaters verweilen, bis ihm die heilsame Freude zurückgegeben wird. Denn wahrhaftig, wenn man sich der Schwermut ausliefert, wächst jenes babylonische Übel, das, wenn man am Ende nicht den Tränen freien Lauf lässt, im Herzen einen unauslöschlichen Rostfleck bilden wird.“

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