ETIKA

Henriette von Seckendorff

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27.9.2015

18B44

Hausandachten

Auszüge

Henriette von Seckendorff
Hausandachten
31. Auflage (121.-125. Tausend)
Brunnen-Verlag Gießen-Basel, 1953

Henriette von Seckendorff lebte von 1819 bis 1878. Ungeachtet ihrer evangelischen Radikalität, sich ausschließlich auf die Gnade Gottes zu verlassen und z. B. selbst nichts gegen eine Krankheit zu unternehmen (Pfarrer Kneipp hätte keine Freude an ihr, die Ärzte schon gar nicht), veröffentlichen wir Teile ihres unter frommen evangelischen Christen weit verbreiteten Buches. Denn vieles stimmt vollkommen mit den Erfahrungen und Lehren der Heiligen überein. Und wenn sie den Besuch von Theatern und das Lesen von Romanen verboten hat, so hat es auch auf katholischer Seite dergleichen Strenge gegeben.  - Ein Beitrag zu der von Gott gewollten Ökumene (nicht zur heute offiziell propagierten falschen) , denn wir Christen sollen alle eins sein.

I   Jesu Blut macht uns rein

1 . Samuel 2. (Stiller Samstag)

S. 40 Wir müssen unsere alte Natur ganz entschieden bekämpfen und ganz willenlos werden; denn

„Geht´s der Natur entgegen,
so geht´s, wie Gott es will“,

hat der liebe Tersteegen gesungen. Wir dürfen auch keinem einzigen unreinen  Gedanken mehr Raum geben, denn das Fleisch ist wider den Geist, und der Geist ist wider das Fleisch; sonst können wir nie in eine innige Gemeinschaft mit dem Herrn kommen. Nicht die geringste Sündenwolke darf zwischen uns und dem Herrn sein; die kleinste Sünde ist dem Herrn so unerträglich wie die größte; darum müssen wir unablässig wachen und beten, und wenn wir fühlen, daß sich zwischen uns und den Herrn eine Sündenwolke gelagert hat, nicht ruhen und rasten, bis wir Vergebung haben, und den Herrn bitten,  Er möge doch wieder Seine Gnadensonne in unser Herz scheinen lassen, damit alles weicht.

S. 42 Sei doch auf deiner Hut, denn der Tod kann dich übereilen, und ein schreckliches Warten des Gerichts und des Feuereifers Gottes, der die Widerwärtigen verzehren wird, wäre dann dein Los, und du müßtest klagen:

„O Seel´, o Seel´, wie hab ich dich verkürzt,
zum andern Tod bin ich hinabgestürzt!“

Darum lasse dich warnen, solange es „heute“ heißt. … Wer bist du, arme Seele, daß du Gottes Zorn nicht fürchtest? Siehe, wenn du fortfährst in deinem ungeheiligten Leben ohne Jesum, so geht es dir, wie es in jenem schönen Liede so treffend gesagt ist:

„Stich im Herzen,
Höllenschmerzen,
ew´ges Quälen
ist die Lust betrog´ner Seelen.“

Jesaja 45

S. 47 Gedicht „Die Lügnerin“ von Albert Knapp

Jesaja 53

S. 55 Auf Golgatha ist allein das Kräutlein zu finden, das uns heilen kann nach Leib und Seele. Das Blut Jesu Christi macht uns rein von allen Sünden und heilet alle Schäden und Gebrechen, wenn wir uns nur heilen lassen und die Bedingungen erfüllen wollen, die daran geknüpft sind, wenn wir Glauben, Demut und Gehorsam üben.

S. 56 Der Herr gebe, daß wir immer tiefer und tiefer eindringen in den Heilsrat und die Geheimnisse der göttlichen Offenbarungen und uns auch immer mehr demütigen und vernichten lassen, damit uns der Herr mit Seiner Gnade und Kraft füllen und nach Leib und Seele erquicken könne!

Sacharja 1

58 Wachet und betet , blickt unverrückt auf den Herrn, habt ein wachsames Auge auf euch und verflucht jeden Gedanken, der nicht von dem Herrn kommt! So machte es ein lieber Graf Z. aus Petersburg, welcher mehrere Wochen bei mir war; er erzählte mir, wenn ihm ein Zweifel oder sonst ein unreiner Gedanke gekommen sei, so habe er ihn sogleich verflucht und weggeworfen, dagegen aber die Segnungen Jesu, Seinen Glauben und Seine Reinheit auf sich fallen lassen, und auf diese Weise sei er bald von allem ungöttlichen Wesen los geworden.

Maleachi 2

S. 62 Die Bestrafung der Sünden, von der dieses Kapitel handelt, gilt zunächst den Priestern, aber auch dem ganzen Volk. … Sonntagsentheiligung … es ist ja ganz entsetzlich, wie allenthalben in der Christenheit der Tag des Herrn geschändet wird, im Kleinen und im Großen, im Geheimen und öffentlich.

S. 63 … der Herr läßt Seiner nicht spotten. Als ich bei Dorothea Trudel in Männedorf war, kam eines Tages ein Mann dahin und wurde freundlich von Dorothea aufgenommen. Als er ihr sein Leiden geklagt hatte, daß er schon über 20 Jahre furchtbare Gesichtsschmerzen habe und kein Arzt ihm helfen könne, ja daß er schon sein ganzes Vermögen zu Kuren verwendet, jedoch ohne Erfolg, blickte sie ihn an, wie sie zu tun pflegte, mit freundlichem Ernst ins Gesicht und sagte dann mit großem Nachdruck:“Weißt du, woher deine Leiden und Schmerzen kommen? Von deiner Sabbatschänderei.“ Der Mann war ein Beindreher und arbeitete fast immer am Samstag. Er war aufs tiefste betroffen, ging in sich und bereute diese schwere Sünde und war in drei Wochen gesund und frei von allen seinen Schmerzen. Er war so glücklich darüber, daß er beschloß, zum bleibenden Andenken an seine Heilung ein wertvolles Kruzifix für den Betsaal zu stiften. Ehe er Männedorf verließ, ging er an einem Sonntag mit Dorothea Trudel und mir an das Ufer des Züricher Sees, um einen Bekannten auf das Schiff zu begleiten. Auf dem Rückweg fragte er Dorothea, ob sie erlaube, daß er diesen Nachmittag über den See fahren dürfe, er habe dort eine Kiste mit Waren übergeben, im Falle man mehr Waren brauche, so habe er den Schlüssel bei sich in der Tasche. Er selbst wolle keine Waren verkaufen, nur den Schlüssel dazu abgeben. Dorothea Trudel erwiderte ihm sehr ernst: „Wenn du das tust, so wird deine Krankheit wiederkommen, und es wird mit dir ärger werden denn zuvor“, und schnell ging sie ins Haus. Herr N. N. fragte nun auch mich, was er denn tun solle. Ich konnte ihm nichts anderes sagen, als daß ich ihn warnte, doch genau auf das zu achten, was Dorothea ihm eben gesagt habe. Hierauf kehrte ich nach Hause (64) zurück. Herr N. N. aber ging seines Weges. Am andern Morgen sah ich ihn weder beim Frühstück und bei der Andacht, und als ich mich bei der lieben Trudel nach ihm erkundigte, sagte sie mir: „Ja, der liegt drüben im Hause (sie hatte drei Häuser) und hat wieder so rasende Schmerzen, daß man ihn von weitem schreien hört.“ Seht, so straft der Herr, wenn wir Sein Wort und Seine Befehle mißachten und Ihm zuwiderhandeln. … Ja, unser Gott ist ein gerechter Gott! In jedem Gericht, das über uns kommt, müssen wir seine Gerechtigkeit erkennen und aufrichtig Buße tun …

Johannes 10

76 Er ist ein eifersüchtiger Gott, Er kann durchaus nicht dulden, daß wir andere Dinge mehr lieben als Ihn. Er will Besitz von unserem ganzen Herzen haben, und dann, wie gut haben wir es! Dann kommen wir von einer Freude in die andere, von einer Klarheit zur andern, alles, was Er uns erworben, ist unser, wir dürfen uns auf jedes Wort der Verheißung felsenfest verlassen und können in Seiner Kraft Taten tun.

77 Die wahre Bekehrung ist eben keine leichte Sache, sie erfordert große Beharrlichkeit und vor allem gründliche Selbsterkenntnis und gänzliche Beugung. Haben wir uns auch endlich von groben Sünden losgesagt und diese in der Kraft Jesu überwunden, dann geht die Arbeit erst recht an, dann kommt die feine Geisteszucht, die es haarscharf nimmt und uns offenbart, wie wir in unsern Herzen noch abscheuliche Nester von Ungeziefer aller Art beherbergen, die alle ausgerottet werden müssen, und das ist keine leichte Mühe, weil wir dadurch alle satanischen Mächte in Aufruhr bringen, die noch alles versuchen, uns zu umgarnen und festzuhalten. Aber ist endlich das Herz gesäubert von aller Unreinigkeit und geheiligt durch Jesu Blut und Wunden, dann wird auch der Körper gesünder werden. …

Wir dürfen nie vergessen, wer wir sind und wer wir waren, daß die Gerichte lauter göttliche Gerechtigkeit sind und daß alles Gnade ist, was Er uns schickt. Deshalb wollen wir auch ohne Unterlaß loben und danken, in aller Demut und Stille vor dem Herrn liegen und im festen, lebendigen Glauben Seiner Hilfe harren, die, wenn sie auch verzieht, doch nie ausbleiben wird, so wir unter dem Schatten Seiner süßen Jesushand bleiben und der Zucht des Geistes uns willig überlassen. Aber diese Zucht will den Menschen nicht gefallen; wir sehen das auch oft an den Juden. Wenn der Herr noch so mild und (78) freundlich mit ihnen redete, sagten sie stets: „Das ist eine harte Rede“; das kam daher, daß Er einen wunden Fleck bei ihnen berührte.

Wer sich selbst noch liebt und hochmütig ist, liebt es nicht, die Wahrheit zu hören. Um die Wahrheit hören zu können, muß man demütig sein. Die Juden waren so verstrickt und verblendet von der Sünde und dem Satan, daß sie sogar, als der Herr Seine Wunder getan, glaubten, Er tue dieselben mit Beelzebub, dem Obersten der Teufel. Wenn wir Wahrheit hören, sollen wir sie immer zuerst prüfen, ehe wir sie verwerfen oder beiseite schieben, denn Wahrheit bringt Licht. Die Juden aber, die wohl eingesehen, daß Jesus die Wahrheit lehrte und der erwartete Messias sei, widerstrebten doch fortwährend dieser Wahrheit und machten sich dadurch großer Sünden schuldig.

Ach, meine Lieben! wir wollen uns recht prüfen, ob wir nicht auch wir wie die Juden der Wahrheit widerstreben. Wir wollen den Herrn bitten: Mache uns weise und durchdringe uns mit Deiner göttlichen Wahrheit, Weisheit und Geduld …

Philipper 3

78 Wir haben immer Ermahnungen nötig und wollen uns doch so ungern ermahnen lassen. „Freuet euch in dem Herrn!“ fordert der Apostel die Philipper auf. Wie steht´s bei uns? Freuen wir uns auch in dem Herrn allewege? Wenn wir in Jesu Christo sind, so sterben wir auch in der rechten Freudigkeit. Haben wir unseren stolzen Sinn gebeugt, haben wir (79) uns Ihm ganz ergeben mit allem, was wir sind und haben, so daß es bei uns heißt:

„Er, Er allein, Er soll es sein,
dem ich wieder mich ergebe,
dem ich einzig lebe“?

Steht es so bei uns, dann sind wir glücklich, der Friede und die Liebe Gottes anders sind wir wankelmütig, bald fröhlich, bald traurig, und ein kopfhängerisches Christentum mit Betrübnis und Trauer ist ein krankes Christentum; da fehlt Friede und Freude im Heiligen Geist. Eher kann der Heilige Geist nicht in uns Wohnung machen, bis wir vom eignen Wesen ganz los sind. O, daß wir doch alles wegwerfen, was uns beschwert und belastet, und uns ganz willenlos der Zucht und Leitung des Heiligen Geistes hingeben würden, wie namenlos glücklich könnten wir uns fühlen! Man sieht dieses Glück jedem schon von außen , der Friede und die Liebe Gottes leuchten aus den Augen.

II   Minister von Pfeil an die Kindsmörderin

Philipper 3

81ff Mein lieber Urgroßvater von Pfeil hatte, als er Minister war, die Akten einer Kindsmörderin im Referat und fühlte zu dieser armen Seele ein so herzliches Erbarmen, daß er ihr ein selbstverfaßtes Gedicht im Gefängnis vorlas; dieses wurde der armen Seele zu so großem Segen, daß mein lieber Urgroßvater unter das Lied schrieb: „Gott sei gedankt für den Segen, den es beim Lesen gehabt.“ Dieses ergreifende Lied heißt:

„So wahr ich lebe“, spricht der Mann,
der nichts als Wahrheit sagen kann,
„Ich habe ein Gefallen nicht
am Todesurteil und Gericht.

Die Sünde wirkt des Sünders Tod.
Mich aber freut nicht seine Not.
Ich wollte lieber, daß er sich
bekehr´ und lebe ewiglich.“ …

Der Sünder macht mit seinem Blut
dazu bei Gott noch gar nichts gut,
und würd´ er tausendmal gericht´t,
das löschte Gottes Zorn noch nicht.

Das macht den armen Sünder arm,
er schreit: „Ach, daß es Gott erbarm´!
Ist denn für mich kein Retter mehr?
Ich hörte doch, daß einer wär? …

Der Teufel führt mich hin am Strick
wie ein im Spiel gewonn´nes Glück
und legt mir seine Fesseln an,
daß ich ihm nicht entkommen kann.

Mit Ketten großer Finsternis
sind mir gebunden Händ´ und Füß´,
weil ich so unbarmherzig war,
so ist´s mit mir auch aus und gar.

O, wäre doch ein Retter da!“
Bald ist das Lämmlein Gottes nah
und fragt den Satanas: „Wohin
mit diesem Raube und Gewinn?“

Der spricht: „Ich schlepp´ ihn mit mir fort
an meinen und an seinen Ort;
denn er ist mein leibeig´ner Knecht,
den ich erwarb mit allem Recht.“

„Mit was für Recht?“ fragt Jesus Christ.
Der Satan spricht: „Mit Lust und List.“
„Was?“ sagt der Heiland, „weiche du!
Ich hab´ ein größ´res Recht dazu.

Die Seelen, die gehören mir,
nicht eine davon laß Ich dir,
wenn sie Mich um Erlösung fleh´n,
den Augenblick laß diese gehen!“

Bald zeigt Er ihm des Blutes Preis,
den ausgetropften heil´gen Schweiß.
Da ist´s um Satans Macht getan,
den Sünder aber faßt Er an

und spricht: „Du armer Sünder du,
komm, sag mir deine Seele zu:
Sie kostet mich mein teures Blut,
was macht sie in der ew´gen Glut?

Davon hab´ ich dich losgemacht,
als man Mich an das Kreuz geschlacht´t,
und daß man Mich getötet hat,
geschahe Mir an deiner Statt. …

So viel hab´ ich getan für dich,
was tust du wiederum für Mich?
Geh, mach´ Mir und den Engeln doch
mit deiner Buße Freude noch.

Wenn du mit deiner Sünde fast
die ganze Welt geärgert hast,
so freut ob deiner Buße sich
der ganze Himmel über dich. …

Daß du nicht Menschenblut verschont,
wird dir hier mit dem Schwert gelohnt,
eh´ aber Gott dich ewig richt´t,
schont Er viel lieber Meiner nicht. …

Man stößt dich aus der Welt hinaus,
und Ich führ´ dich ins Vaterhaus.
Da sehet, diese Mörderin,
sprech´ Ich, ist mir ein Blutgewinn.
Und stell´ dich ja zum Schächer hin
als meinen neuen Kreuzgewinn.“

O Seele, wie ist dir zumut?
Das Lämmlein Gottes ist so gut,
daß, wenn du ihm nur glauben willt,
dir alle diese Wahrheit gilt.

III   Heilung und finanzielle Unterstützung durch Gebet

Psalm 119, 121-136

87 Ja, in allen Lagen des Lebens dürfen wir uns an Ihn wenden. Er hilft nach Seele und Leib; wie oft zeigte mir das der Herr schon! So kam unlängst ein sehr lieber Jüngling zu mir, den ich schon länger kenne; er hatte sich in seinem Beruf an der inneren Handfläche durch einen Splitter schwer verletzt; die Wunde eiterte sehr stark, und die ganze Hand schwoll auch dermaßen an, daß ein gerade anwesender Arzt sagte, man müsse Breiumschläge machen, die Wunde aufschneiden und die ganze Hand schienen. Er habe derartige Verletzungen schon öfters behandelt, aber vor 4-6 Wochen sei an keine Heilung zu denken. Darauf sagte ich dem Jüngling, der in große Not geriet, in meinem Hause (Anmerkung ETIKA: Henriette Freiin von Seckendorff-Gutend, Mutter der Kranken und Schwermütigen, hat die Villa Seckendorff in Stuttgart Bad Cannstatt, Freiligrathstr. 3,  gegründet, wo Tausende Kranken behandelt wurden) würden weder Breiumschläge gemacht noch geschnitten und geschient; er habe jetzt die Wahl und könne sich entweder einem Arzt anvertrauen oder sich in meinem Hause durch die Kraft des Blutes Jesu heilen lassen. Er wählte letzteres, worauf ich ihm nach meinen Erfahrungen sagen konnte, daß er nicht 4-6 Wochen zur Heilung brauche, sondern, wenn er treu sei und pünktlich befolge, was ich ihm sage, schon in sechs Tagen wieder hergestellt sein könne. Der liebe Jüngling ging auf alles, was man ihm sagte, sehr gewissenhaft ein, und was tat der Herr? Schon am fünften Tage war die Hand vollständig geheilt.

Psalm 106

92 …erkennt, was zu eurem Frieden dient! Dringt recht tief ein in euren bösen Herzensgrund und seht, wie traurig es da aussieht; wieviel Unordnung, wieviel Lust zum Bösen, wieviel Undank, Unglauben und Kleinglauben, wieviel Zweifel und Teufelsphantasien, welch ein Abgrund des Verderbens darinnen ist ! Sehr zurück auf euer bisheriges Leben! Wie ungescheut, wie treu habt ihr dem Satan gedient, mit welchem Undank die vielen unverdienten Wohltaten Gottes gelohnt, wie oft das Blut Christi mit Füßen getreten! O, wir müssen uns alle in tiefer Demut in den Staub werfen und mit Beschämung und Reue bekennen, wieviel Schmerz, wieviel Mühe und Arbeit wir dem lieben Heiland mit unsern Sünden und unserer verzweifelten Halsstarrigkeit gemacht haben. (Jesaja K. 43, V. 24)

94

„Versöhnungsblut, komm´ über mich,
vertreib´ die Macht der Finsternis.“

„O Heiland, Dir nur dien´ ich gern,
denn Du hast mich erkauft;
ich weiß und will sonst keinen Herrn,
auf Dich bin ich getauft!“

95 Ich sah ein, daß ich in Stuttgart mit meinen Kranken keine Mietwohnung bekommen konnte, da sich das Werk sehr ausdehnte und der Herr mir immer mehr Kranke  zuführte; deshalb mußte ich daran denken, ein eigenes Haus zu bekommen. Nun bat ich den Herrn darum und blickte fest auf Seine Verheißungen, wobei mir besonders die Stelle wichtig wurde: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in Meinem Namen, so wird Er es auch geben.“

Und wirklich, der Herr hat mich mit diesem Glauben nicht zuschanden werden lassen. Im (96) Vertrauen auf Ihn und auf Seine Verheißungen habe ich angefangen, das Haus zu bauen, welches mit Grund und Boden 30 000 Gulden gekostet hat, und obgleich ich nichts weiter als 2000 Gulden bar daliegen hatte und sonst nichts, hat mich mein Herr und Heiland doch nie in Geldverlegenheit kommen lassen. Ich erhielt immer zur rechten Zeit die nötigen Mittel zur Fortsetzung des Baues, obwohl mich alle meine Freunde dabei im Stich ließen. Sie waren mit dem Hausbau nicht einverstanden und zogen sich deshalb ganz von mir zurück. Dagegen aber mußten auf des Herrn Befehl ganz fremde Leute durch Anleihen und Geschenke mir helfen, das Haus zu bauen. Ich durfte dabei die merkwürdigsten Erfahrungen machen, daß, wenn ich auf keine Hilfe meiner Freunde wartete, der Herr alsdann ins Mittel trat und mir Geld schickte; blickte ich aber auch nur mit einem Gedanken auf diese, so floß das Geld schon nicht mehr so reichlich. Die Sprache Gottes verstand ich bald und bitte auch euch, ihr Lieben, sucht nie bei Menschen eure Hilfe, auch wenn es eure besten Freunde wären; sucht sie allein nur bei dem Herrn!

„Liebe Seelen, traut beständig
eurem ewig treuen Hort;
Er ist Gott und ist lebendig,
ist euch nah an jedem Ort;
ist euch irgend Hilfe nötig:
Klopft nur an, er ist zu Haus
und zu jeder Hilf erbötig,
schüttet euer Herz nur aus!“

97 Laßt es euch deshalb heiligen Ernst kosten, durchzudringen, der Sünde ganz abzusterben und eifrige Werkzeuge im Reich Gottes zu werden, denn der Heiland hat so wenig Arbeiter in Seinem Weinberg und der Satan so viele. (Kol. 4, 2; 1. Kor. 16, 13). Ich kann euch versichern, dich auch einen harten Kampf gekämpft habe. Ich war vor zweiunddreißig Jahren fünfviertel Jahr lang lahm, habe aber dem Herren fest geschworen vor der heiligen Engelschar, daß ich allem absagen wolle, was nicht ins Reich Gottes tauge, um ein Werkzeuge seiner Gnade werden zu können. Ich kann euch nicht aussprechen, welch einen seligen und glücklichen Lauf ich in diesen zweiunddreißig Jahren durch die Gnade Gottes, meines Heilandes, gehabt habe.

1 . Mose 18

100 Dieser Tage las ich in der von Hausvater Ruhmer herausgegebenen Zeitschrift „Wächter“ eine wahre Geschichte, durch welche die … Erfahrung, daß wir die Stimme Jesu, des treuen Hirten, noch jederzeit vernehmen können, bestätigt wird, weshalb ich diese hier mitteilen will. Jenes Blatt schreibt: „Vor noch nicht langer Zeit wurden in einem westfälischen Dorf einem Schäfer während seiner Abwesenheit zwei seiner besten Schafe von der Weide entführt. Nicht lange nach der Wiederkehr zu seiner Herde bemerkte er den Diebstahl. Blitzschnell fuhr ihm der Gedanke ins Herz. ,Das hat niemand anders getan als der Schäfer N. an der andern Seite des Dorfes.´ Er besprach sich nun nicht lange mit Fleisch und Blut, sondern ging sogleich zu dem Ortsvorsteher und teilte diesem die ganze Angelegenheit mit, indem er dabei ganz (1o1) scharf bemerkte, daß kein anderer als jener N. der Täter sei. ,Jakob´, warnte der Beamte, , das behaupte nur nimmer´, das könnte dir schwierige Folgen zuziehen, denn du hast es ja nicht gesehen. ´ ,Das ist mir ganz eins´, meinte der Schäfer, ,ich lasse es darauf ankommen. Gehen Sie nur einmal mit mir, wir wollen den Ort aufsuchen, wo mein Kollege hütet, dann will ich pfeifen, und passen Sie auf, ob mich meine Schafe nicht verstehen! ´Nach einigem Zögern ging der Ortsvorsteher mit, und als sie nicht mehr gar weit von der Herde des Kollegen entfernt waren, pfiff der Schäfer Jakob aus Leibeskräfte. Und siehe da, auf einmal reckten zwei Schafe von der ganzen Herde die Köpfe in die Höhe und blökten ihr bekanntes: „Mäh! Mäh! Voll Freude schrie nun der glückliche Schäfer dem Beamten entgegen: ,Sehen Sie es nun, Herr Bürgermeister, daß mich meine Schafe kennen, und daß sie hier sind?´ ,Es ist aber doch eine ganz merkwürdige Sache mit dir, Jakob´, meinte dieser. Voll Scham und Verlegenheit mußte nun der Kollege seinen Diebstahl herausgeben und dabei froh sein, daß ihn der Jakob nicht verklagte. Der Ortsvorsteher glaubte aber jetzt entschieden, daß die Schafe ihres Hirten Stimme kennen.“ Und wir, wir wollen nicht glauben,  daß Jesu Schafe Seine Stimme kennen sollten (Joh. 10, V. 27?) Wie beschämen uns oft die unvernünftigen Tiere? Ach, um wieviel Genuß und Segen bringen wir uns selbst durch unsern Hochmut, Unglauben, Kleinglauben usw., durch unser halsstarriges Wesen, das sich nicht brechen und durchleuchten lassen will!

IV – Unsichtbare Zeugen – Schauriger Frevel

5. Mose 33

107 Wenn wir mehr daran dächten, daß wir immer und überall von unsichtbaren himmlischen Zeugen umgeben sind; - denn mein Urgroßvater Pfeil sagt: (108)

„Siehe Mensch, es sind um dich
unsichtbare Zeugen,
welche, was du sprichst und tust,
oben nicht verschweigen“, -

wenn alles, was wir den Tag über denken, reden und tun, notiert und uns am Abend vorgelesen würde vor einer großen Gesellschaft, wie würden wir uns da schämen! Und nun wissen wir, daß unsere geheimsten Gedanken drüben offenbar sind. Welch unerhörte Frechheit gehört dazu, dennoch fortzulügen und fortzusündigen!

109 In der Lebensgeschichte des verstorbenen Pfarrers David Spleiß las ich einmal, wie dieser eifrige Gottesmann, als einst in der Kirche unter der Schar der Knaben, die um den Altar saßen (von wo aus er zu der Gemeinde redete), ein kleiner Kuhhirtenknabe eingeschlafen war, er denselben mit den Worten aufgerüttelt habe: „Du Kuhhirtenbub“, wache auf, „der Herr will dich zu einem König und Priester in Seinem (110) Reiche machen!“ Das habe auf den kleinen Knaben und auf die Gemeinde einen tiefen Eindruck gemacht.

Klagelieder Jeremias 3

113 Wer es noch leicht nimmt mit der Sünde, mit dem Kampf gegen die Macht der Finsternis, der wird sicherlich zum Ziel gelangen; und wer einmal weiß, daß etwas Sünde ist und es dennoch tut, dem ist es doppelt Sünde. Ja, wer einmal die Sünde als Sünde erkannt und die Veergebung seiner Sünden bekommen hat, der möge sich ja hüten, immer und immer wieder in die alten Sünden zu fallen und diese mit Lust zu üben, sonst gilt ihm das Wort der Schrift 2. Petri 2, 22: „Der Hund frißt wieder, was er gespien hat; und die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot.“

Psalm 45

120 (Mein seliger Urgroßvater, der Minister von Pfeil) hat zu beten verstanden, hat nicht auf eigene Kraft und Gerechtigkeit gebaut, sondern alles im Namen des Herrn Jesu Christi getan und unternommen, deshalb sind ihm auch alle seine Unternehmungen geglückt, und hat ihm sein König Friedrich der Große von Preußen (bekanntlich ein Anhänger Voltaires), dessen Minister er war, und der ihn stets als seine rechte Hand benützte, immer zum Schluß an seinen Briefen, deren ich noch eine Menge in unserem Schlosse Deufstetten vorfand, ermahnt: „Beten Sie zu Ihrem Gott, der Ihnen alles gelingen läßt!“

Herr Pf. St. erzählte mir vor ungefähr achtzehn Jahren, als ich ihn einmal besuchte (er kam soeben aus dem Armenhaus, wo er eine Kranke, die eben heimgegangen war, besucht habe), daß diese arme (121) Person jetzt als Fürstin drüben vor Gottes Thron glänze. Sehet, meine Lieben, so können aus Armenhäusern, aus den niedrigsten Hütten Himmelsfürstinnen hervorgehen.

Psalm 139

123 … eine ergreifende Begebenheit, die ich dieser Tage im Christenboten vom 11. Februar 1877 las: „In der ,Berliner Klinischen Wochenschrift´ vom 20. November 1876 erzählt ein Arzt folgenden erschütternden Fall:

In der Neujahrsnacht von 1873-74 ging der Schreinergeselle L. in K. (in Rheinbayern), ein wegen seiner Frechheit gefürchteter Mensch, beim Vorübergehen am Friedhof mit mehreren Kameraden um einige Schoppen Bier die Wette ein, daß er über die Mauer in den Friedhof eindringen, dreimal um den Franzosenstein – ein für napoleonische Soldaten errichtetes Denkmal – herumgehen und dabei dreimal recht laut Gott und den Teufel, wenn es solche gebe, auffordern werde, ihn zu holen. Der Frevler führte dieses zum Schauder der durch das Gittertor sich davon überzeugenden Kameraden aus. Beim dritten Umgang bemerkten sie, daß seine Stimme plötzlich erstickte und er eiligst nach der anderen Seite des Kirchhofes hin davonlief.

Sie fanden ihn bleich vor Entsetzen, zitternd, ohne Kopfbedeckung, mit emporstehenden Haaren, kaum mehr imstande, einige Worte zu stammeln. So brachten sie ihn nach Hause, wo er nach einiger Zeit Sprache und Besinnung wiedererlangte und seiner Mutter und seinen Kameraden, später dem Arzt und der Polizei wie auch dem protestantischen Pfarrer folgendes erzählte:

Bei der dritten Aufforderung an Gott oder den Teufel, ihn zu holen, habe er sich plötzlich am linken Arm ergriffen und festgehalten gefühlt, ein unbeschreiblicher (124) Schrecken habe ihn erfaßt, einen Augenblick sei er bewegungslos stillgestanden, und dann, als er gefühlt habe, daß er nicht mehr gepackt werde, sei er in namenloser Bestürzung davongelaufen. Im Begriff, über die Mauer zu steigen, sei er wiederum von hinten am Rock angehalten und seiner Kopfbedeckung beraubt worden. Seither hatte er Ruhe und Schlaf, Gesundheit, Appetit und jede Lust, unter die Menschen zu gehen, verloren. Im linken Arm fühlte er einen beständig auf- und abrieselnden Kälteschauer. Der Arm schwoll stark an und war um das Ellenbogengelenk schmerzhaft gerötet. Im Munde zeigten sich immer stärker die Erscheinungen des Skorbuts mit aasartigem Gestank. Allmählich wurden alle Glieder von Skorbut ergriffen, alle vom Arzt angeordneten Mittel halfen nur vorübergehend, und am 40sten Tage nach jener Begebenheit hauchte der arme Mensch seine gemarterte, gefolterte Seele aus.

Diesen Worten fügte der Arzt noch bei, daß der Geistliche, den der Kranke sich erbeten und dem er reumütig seine Sünden bekannt hatte, erstaunt gewesen sei über den Ausdruck namenlosen Entsetzens in seinem Gesicht wie in allen seinen Worten, und daß dieser Pfarrer, der als Feldgeistlicher schon gar viele Sterbende gesehen, gegen den Arzt geäußert habe, noch nie habe er einen Sterbenden mit größerer Todesfurcht und Seelenangst getroffen als diesen. … eine neue erschütternde Bestätigung des Schriftwortes: ,Gott lässet Seiner nicht spotten.“

V Wer betet, kann alles machen

5. Mose 4

128 Wer die wahre Demut besitzt, der hat eine unwiderstehliche göttliche Macht, besonders auch über die unsauberen Geister.

131 Jede Sünde entspringt zuerst in den Gedanken; deshalb mußte auch der Heiland eine Dornenkrone tragen zur Strafe für unsere Gedankensünden.

132 Ja, so gnädig und so barmherzig, so liebevoll und so freundlich der Herr unser Gott ist, hütet euch, daß ihr Seinen Zorn nicht reizet, denn er frißt bis in die unterste Hölle hinunter. Das Blut Jesu Christi läßt Er nicht mit Füßen treten und ebensowenig die Gnade auf Mutwillen ziehen, das habe ich bei meinen 2500 Kranken schon zur Genüge erfahren dürfen. Wenn an einer Kranken die Kraft des Blutes schon viel gewirkt und der Herr in Seiner Gnade viel Gutes getan hat, und sie fällt mutwillig immer wieder in die Sünde, die ihr aufgedeckt worden ist, zurück, dann zieht endlich der Herr auch Seine Hand zurück und rafft sie oft plötzlich hinweg. (Beispiel: Mädchen mit Tollfuß, geheilt, trotz Versprechen, nie wieder auf Tanzböden zu gehen, gewann sie die Welt wieder lieb, hinweggerafft.)

5. Mose 10

149 O die unreinen Gedanken und Phantasien, welche aus dem Herzen kommen, können entsetzliche Folgen haben!

Daniel 12

155 Sie kam fast täglich in die Betstunden, ging nie mehr ins Theater und bekehrte sich gründlich. Zum Thema Theater: http://etika.com/deutsch4/48k17.htm

Psalm 26

165 Die Hauptsache ist, daß unsere Grundrichtung auf das Ewige geht.

Der Psalmist hat nach Vers 5 die Gesellschaft der Boshaften gehaßt; zwar muß man im Leben manchmal Verkehr mit ihnen haben; aber ihren Umgang aufsuchen dürfen wie niemals; ja, wir müssen sie möglichst meiden. In dieser Gesellschaft lebt der alte Mensch auf, und das geistliche Leben wird geschwächt.

166

„Suche Jesum und Sein Licht,
alles and´re hilft dir nicht.“

Hosea 13

167 Vor mehreren Jahren war ein Mädchen bei mir, das schon 20 Jahre den schwarzen Star hatte, und viermal hatte der Herr ihm die Gnade geschenkt, daß es wieder sehend wurde, und zwar so, daß es auf dem gedeckten Teetisch alle Gegenstände erkennen konnte. Nachdem es aber zum viertenmal sein Augenlicht wieder verlor, weil es abermals in die geheime Sünde verfiel, auf die ich es so ernstlich aufmerksam machte, und welche es erkannt und bereut hatte, da war es mir sehr schwer zumute, so daß ich das Mädchen nach Hause schickte und ihm sagte, daß der Herr nicht mit sich spotten lasse, da Er ein ebenso furchtbarer und gerechter als ein überaus gnädiger und liebevoller Gott sei; Er lasse das Blut Christi nicht so mit Füßen treten. Jetzt sei ihm aber die Gnadentür noch offen, es dürfe noch kommen in aufrichtiger Reue und Buße, wenn es die Sünden lassen und sich dem Herrn ganz übergeben wolle. Ich schrieb noch an seinen Geistlichen und bat ihn, diese Blinde doch öfters zu besuchen und mit ihr über ihre Gebundenheit zu sprechen, die ihr durch die Gnade Jesu offenbar geworden war. Nach vierzehn Tagen traf sie der Schlag, so daß sie nach wenigen Stunden starb, ganz wie ich es ihr vorausgesagt hatte. Ich kann euch versichern, der Herr läßt Seiner nicht spotten! Er ist ein gerechter, furchtbarer Gott.

Psalm 105

202 Ich habe einmal gehört, daß ein frommer Mann in der Nähe von K. es sich zur Aufgabe machte, nur von einem Tag die Wohltaten Gottes aufzuschreiben, und da habe er vom Erwachen des Morgens an bis vormittags 10 Uhr bereits 200 verzeichnet gehabt.

203 Wenn ein Wasser lange steht, wird es stinkend und faul, das Feuer, wenn es in einem engen Raum fest eingeschlossen ist, erstickt und löscht aus, und die Luft, wenn sie lange eingesperrt ist, riecht übel und ist ungesund. So verhält es sich gerade mit dem inneren Leben eines Christen: Ist er träge im Gebet, schwach im Glauben, faul zu Lob und Dank, da geht es nicht vorwärts, sondern mit schnellen Schritten rückwärts. Der Herr läßt Seiner nicht spotten. Wir haben Sein Wort und Seine herrlichen Gnadenmittel, wenden wir diese nicht an, so ist´s unsere eigene Schuld, wenn unsere Wege lauter Unfall und Herzeleid sind.

In diesen Tagen waren zwei Frauen bei mir, die mir geklagt haben, daß ihr ganzes Leben bis heute nur Unglück, Sorge und Kummer gewesen. Ich fragte sie nach ihrem Herzenszustand, ob sie immer bei dem Heiland geblieben, ob sie auch gebetet um die Kraft des Namens Jesu und Seines heiligen Blutes, und ob sie Sein Wort ihres Fußes Leuchte und ein Licht auf ihrem Wege haben sein lassen; und als sie mir das freimütig verneint und aufrichtig bekannt hatten, daß sie im Gegenteil der Sünde gedient und, statt dem Herrn zu danken,  gegen ihn gemurrt haben, mußten sie die Gerechtigkeit des Herrn erkennen und versprachen, es fortan anders zu machen und den Herrn suchen zu wollen. Bei dem Herrn ist eitel Friede und Freude im Heiligen Geist.

Jesaja 44

210 Der Herr will kein geteiltes Herz, Er will das ganze Herz.

212 Er muß der Erste und Letzte für uns, unser ein und alles sein. Das kann nur geschehen, wenn wir mit unserm „Ich“ ganz aufhören, dem Herrn in allen Dingen die Ehre geben, nicht auf uns und die Umstände blicken, sondern allein auf Ihn und Ihn über alles lieben und ehren. Wenn wir uns selber zu unserm Gott machen, so kann Er unmöglich unser Gott sein; die selbstgemachten Götzen: Selbstsucht, Eigenliebe und Hochmut müssen fort, und Er muß ganz allein in uns herrschen. So gilt´s einen fortgesetzten Kampf. Es könnte uns freilich oft bange werden, denn der Kampf mit dem Teufel, der Welt und unserm eigenen Fleisch ist ein Kampf auf Leben und Tod, aber der Herr sagt ja: „Fürchte dich nicht, Ich bin mit dir.“

Wir müssen deshalb vorher ganz ausgezogen werden, dann sind wir erst fähig, die Gnadengüter und Erquickungen in uns aufzunehmen.

213 Ob es der Herr tropfen- oder stromweise einer Seele geben will, das ist seine Sache und darüber dürfen wir nicht murren und klagen. Ein jeglicher Klageton ist aus der Hölle. Wir haben gar keine Ursache zu klagen, denn es ist unbeschreiblich, was der Herr an uns tut, aber die Menschen sehen und hören nicht, sie verschließen gewaltsam ihre Ohren und Augen, bis der Herr in Seiner unendlichen Gnade sie wieder aufrüttelt und mit allerlei Leiden heimsucht. Darum wollen wir den gütigen, liebevollen Heiland nicht beharrlich betrüben durch Ungehorsam und Halsstarrigkeit, sondern Ihm uns kindlich und vertrauensvoll ergeben und ohne Unterlaß bitten um gänzliche Vernichtung; denn je kleiner wir in unsern Augen sind, desto seliger ist unser Lauf.

214 Es gibt so viele Menschen, die, wenn sie fleißig in die Kirche gehen, ehrbarlich wandeln, auch morgens und abends regelmäßig ihre Hausandachten halten, es aber doch noch mit der Welt halten, meinen, gottesfürchtige Leute zu sein, und ganz beruhigt sind über ihre Seligkeit. Aber sie werden einst mit Schrecken ihres Irrtums gewahr werden, denn der Herr will ein entschiedenes Herz.

Das möchten doch alle, besonders aber auch die Mütter … recht zu Herzen nehmen, damit sie es ihren Kindern nie gestatten, auf Bälle und ins Theater zu gehen. Da wird die Sinnlichkeit gereizt, die Seele vergiftet, und der Herr muß oft mit schweren Strafgerichten kommen, um solch ein irregeleitetes Kind wieder zurechtzubringen. (Anmerkung ETIKA: Was sollen wir da heute im Zeitalter des Fernsehens und internetfähigen Smartphones, das schon die Kleinsten Tag und Nacht mit sich herumtragen, noch hinzufügen? Man würde uns auslachen, wenn wir unsere Meinung darlegen würden.)

Psalm 142

216 Ich kann euch versichern, es ist dem Herrn leichter, Millionen von Sternen zu schaffen, wie wir sie nachts am Firmament sehen,  als ein einziges Menschenherz nach Seinem heiligen Wohlgefallen zuzubereiten.

Psalm 116

228 Gedicht von Urgroßvater von Pfeil:

„Betet, denn wer beten kann,
der kann alles machen,
auch das Schwerste sieht Er an
als geringe Sachen.“

Matthäus 15

232

„Geht´s der Natur entgegen, so geht´s, wie Gott es will,
die Fleisch und Sinne pflegen, die kommen nicht zum Ziel.“

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