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ETIKA |
DAS LEBEN MARIAS |
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María von Ágreda |
Ankunft in Ägypten. Wunder. Verstoßung der
bösen Geister aus den Götzenbildern. Die Baumverneigung |
Die geheimnisreiche Stadt Gottes. Geschichte des Lebens der heiligsten
Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda
geoffenbart wurde. 4. Buch, 24. Kapitel. Regensburg 1904, S. 239ff. |
Auf ihrer Reise nach Heliopolis wurden Maria und Joseph einige Umwege
geführt, um an verschiedenen Orten Wunder hervorzubringen. Sie legten in den
fünfzig Tagen ihrer Wanderung über zweihundert Meilen zurück, obwohl sie auf
geradem Wege viel kürzer hätten ans Ziel gelangen können.
Die Ägypter waren der Abgötterei ergeben. Auch der kleinste Ort hatte
sein Götzenbild. An vielen Orten hatten sie Tempel, in welchen böse Geister auf
Anfragen Antworten erteilten, welche das thörichte, abergläubische Volk
verblendeten. Zur Erlösung dieser armen Menschen bedurfte es des
menschgewordenen Wortes selber. Deshalb mußte Christus auf den Armen seiner
Mutter in diesen Gegenden erscheinen, um dieses Land mit der Kraft seines
göttlichen Lichtes zu bescheinen.
Bei der Ankunft in Ägypten erhob das Jesuskind seine Augen gen
Himmel, und bat
Gott für das Heil jener armen Sklaven der bösen Geister.
Von denen, welche
sich bei und in den Götzenbildern befanden, stieß er einige in den Abgrund.
Zugleich zerfielen mit heftigem Geprassel die Götzenbilder, die Tempel und
Altäre.
Die bösen Geister wußten nicht, wo die Kraft
ausging, welche sie bedrängte. Die Ägypter waren über diese Erscheinungen
betroffen. Unter ihren Weisen hatten aber einige darüber Licht empfangen. Seit
Jeremias war die Nachricht in Ägypten verbreitet, daß ein König der Juden in
dieses Land kommen und die Götzentempel zerstören werde. Etwas Näheres wußten
die Schriftgelehrten nicht, dem Volke aber war gar nichts davon bekannt.
Einige kamen zu Maria und Joseph, und erzählten ihnen von den Mirakeln.
Maria nahm Anlaß, die Ansprechenden besser zu unterweisen, ihnen den wahren
Gott bekannt zu machen und sie zu unterrichten, wie er der alleinige Schöpfer
Himmels und der Erde sei, welcher allein angebetet und als Gott anerkannt
werden müsse, wogegen die Bilder, welche man angebetet, von
Lügengeistern bewohnt, keine eigene wahre Kraft hätten.
Marias Reden waren so lieblich und eindringlich, daß überall, wohin sie
kam, sich viel Volk versammelte, um sie zu hören. Daselbe spürte zugleich die
Wirkung des menschgewordenen Gottes. Es bekehrten sich viele zur wahren
Erkenntnis und thaten Buße für ihre Sünden, ohne zu wissen, woher oder durch
wen ihnen diese Wohlthat zu teil geworden.
Jesus und Maria setzten auf ihrer Reise ihr Wunderwirken fort, vertrieben
die Teufel auch aus Besessenen, heilten viele schwere Krankheiten, und
erleuchteten die Herzen vieler Leute.
In Hermopolis waren viele Götzenbilder und hausten viele Teufel.
Namentlich hatte ein solcher in einem wegen seiner Größe und Schönheit
ansehnlichen Baume Platz gefaßt. Als Christus dem Baume sich näherte, fuhr
nicht nur der Teufel aus demselben, sondern der Baum neigte sich zur Erde, als
ob er sich seines Glückes dankbar freute. Das Wunder der Baumverneigung vor dem
vorüberziehenden Schöpfer begab sich auf dieser Reise öfter. Aber das Wunder zu
Hermopolis ist mehr im Gedächtnisse geblieben, weil Laub und Früchte dieses
Baumes viele Krankheiten geheilt haben.. Es ist auch von mehreren
Schriftstellern erzählt (Nicephorus, Sozomenus).
Aus einem Brunnen bei Kairo hatten Maria und
ihr Kind getrunken.; auch die Windeln des letzteren waren darin gewaschen. An
diesem Brunnen begaben sich gleichfalls Wunder, von denen in verschiedenen
Schriften Erwähnung geschieht.
Ergrimmt über den
gewaltsamen Niedersturz so vieler Geister in die Hölle, eilte Luzifer an die
Oberwelt und durchstrich
Ägypten. Namentlich hatte sein Reich in Heliopolis Schaden genommen, und er
spürte hier nach der Ursache umher. Er fand dort aber nichts Besonderes, außer
daß Maria sich dort niedergelassen. Auf das Jesuskind achtete er nicht, weil er
dasselbe für ein gemeines Menschenkind nahm.
Er hatte aber doch Argwohn auf Maria und beschloß, dieselbe von neuem zu
verfolgen. Er teilte diesen Entschluß seinen Höllengeistern mit, welche ihn in
seinem Vorgaben zu unterstützen versprachen. Es eilten ihrer daher viele nach
Ägypten.
Eine geheime
Kraft aber hielt sie ab, der Jungfrau auf mehr als siebentausend Schritte sich
zu nähern. Beim Versuche, weiter zu kommen, wurden sie jählings in den Abgrund
der Hölle gestürzt.
Diese Erfahrung quälte Luzifer, zumal nach der Menschwerdung des Wortes
dieselbe schon mehrmals vorgekommen war. Er geriet auf den Gedanken, der Messias
müsse doch auf die Welt gekommen sein. Da er sich diese Ankunft aber nur als
eine feierliche denken konnte, so fiel er immer aus einem Zweifel in den
anderen.