ETIKA
18B4803

DAS LEBEN MARIAS

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17.9.2001

María von Ágreda

Ein Engel vollstreckt das Todesurteil Marias an Herodes

Die geheimnisreiche Stadt Gottes. 8. Buch, 3. Kapitel. Regensburg 1904, S. 432- 435

Die geheimnisreiche Stadt Gottes.

Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart und von derselben in spanischer Sprache niedergeschrieben wurde.

Bearbeitet von L. Clarus.

Neue illustrierte Volksausgabe bearbeitet von Franz X. Kerer.

Mit kirchlicher Druckerlaubnis.

Regensburg 1904

 

Tod und Strafe des Herodes. Johannes predigt in Ephesus. Es geschehen daselbst Wunder. Satan erhebt sich zu neuem Kampfe wider die Himmelskönigin.

 

 

Maria erkannte alle argen Entschließungen, welche in der schwarzen Seele des Herodes vor sich gingen. Ihr lag der unglückliche Zustand dieser Seele offen vor Augen. Sie hatte darüber, sowie über die verbrecherischen Pläne, welche darin wider die Christen ausgebreitet wurden, ein deutliches Gesicht. Sie bat, Gott möge ihr verleihen, für seine Diener und Gläubigen zu leiden, und dagegen abwenden, was Herodes wider dieselben im Schilde führe.

 

Ein Engel verkündigte ihr, das Urteil über Herodes sei ihr übertragen. Maria entsetzte sich in ihrer Demut über diesen Antrag.

 

"Wie vermöchte ich," entgegnete sie, "ein Urteil über ein Geschöpf und ein Ebenbild meines Herrn zu fällen? Seitdem ich von seinen Händen mein Dasein empfangen, habe ich unter den Menschen viele Verworfene erkannt, aber niemals Rache wider sie begehrt, wohl aber, soviel es an mir lag, ihr Heil."

 

Maria beauftragte daher den Engel, seinem allmächtigen Auftraggeber das Urteil über Herodes anheimzustellen. Wenn es möglich sei, Herodes zurückzuleiten auf die richtige Bahn, wolle sie alle Schmerzen der Welt leiden, die Gott über sie verhängen möge, damit nur diese Seele nicht verloren gehe.

Der Engel meldete Maria zurück, Herodes sei in der Zahl der Verworfenen, weil er in seinen Missethaten hartnäckig beharre und keiner Ermahnung oder Lehre Raum gebe.

Abermals lehnte Maria das Urteil zu fällen ab. Es sei ihr mildreichst zugestanden, eine Mutter, Zuflucht und Fürsprecherin der sündigen Adamskinder zu sein. Sie habe Milde und Barmherzigkeit an denen zu üben, welche zu ihr kämen und ihre Fürbitten in Anspruch nähmen. Bei solchem Berufe falle ihr unmöglich zu, eine strenge Richterin gegen irgend ein Geschöpf zu sein. Niemals sei ihr die Gerechtigkeit, allzeit nur die Barmherzigkeit aufgetragen worden. Wenn es Gott gefalle, so möge Herodes sterben, sie könne ihn aber nicht verurteilen.

 

Der Engel beschied Maria hierauf, wie ihre Barmherzigkeit nur denjenigen Menschen gewidmet sei, welche nach ihrer Fürbitte ein Verlangen hätten, nicht aber denen, welche dieselbe verachteten, wie Herodes thun werde. Als eine Frau der Kirche sei sie mit der Gewalt, zu richten, versehen. Es komme ihr zu, dieselbe zu handhaben. Nun erst, aber mit zögerndem Widerstreben, verurteilte Maria den Herodes, weil er sich hartnäckig und absichtlich als einen verstockten Feind Gottes und unwürdig seines Erbarmens erwiesen, mit aller Gerechtigkeit zu dem Tode, welchen er verdient, damit er nicht durch Vollbringen noch schwerer Übelthaten seine Höllenpein nur vergrößere.

 

(Anmerkung etika.com: Diese Begründung leuchtet ein. Demzufolge ist auch für grausame Serienmörder und Sexualverbrecher das Todesurteil zulässig; es kommt ihnen sogar zugute, denn sie werden von noch größerer Höllenpein verschont. Wären die Massenmörder, die mehr als 100 Menschen umgebracht haben, frühzeitig hingerichtet worden, wären viele Menschenleben gerettet worden und die Schwerverbrecher hätten jetzt und in Ewigkeit vielleicht nur die Hälfte jener entsetzlichen Qualen auszustehen, mit denen sie im Inferno gepeinigt werden. Wichtig ist aber, daß kein Unschuldiger für eine Tat zum Tode verurteilt wird, die er nicht begangen hat.)

 

Das Geheimnis der Übertragung des Amtes der göttlichen Gerechtigkeit an die Jungfrau Maria kann nicht deutlicher erklärt werden, als durch die Worte des Herrn bei Johannes (5,19.):

"Der Sohn kann nichts aus sich thun, wenn er es nicht den Vater thun sieht. Und der Vater richtet niemand, sondern hat das ganze Gericht dem Sohne übergeben. Und er hat ihm Macht gegeben, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist."

Das heißt durch seine heiligste Mutter bei Erkenntnis der Gleichheit, welche die heilige Mutter mit ihrem göttlichen Sohne gehabt, wird man die Beziehung der Mutter zum Sohne und des Sohnes zum Vater in der Macht, zu urteilen, ermessen können.

Kraft dieser Macht gebot Maria dem Engel des Herrn, sich nach Cäsarea zu begeben und dem Herodes daselbst das Leben zu nehmen.

 

Von Würmern verzehrt, starb Herodes zeitlich und ewig. Der Engel hatte ihn innerlich verwundet. Die Wunde erzeugte Fäulnis und die Fäulnis Würmer.

(Anmerkung: sensationell)

 

Der Engel kehrte nach Ephesus zurück und gab Maria Nachricht vom Vollzuge des Urteils. Maria beweinte den Untergang der Seele des Herodes, dankte aber für die Ruhe, welche der Kirche durch diesen Tod zu teil wurde, und in welcher sie wuchs und gedieh, nicht nur in Judäa, sondern auch in Ephesus. Denn mächtig wirkte hier unter dem Beistande Marias der Apostel Johannes. Derselbe hatte alsbald nach seiner Ankunft in dieser Stadt angefangen, zu predigen, zu bekehren und durch Wunder die vorgetragene Lehre zu bekräftigen. Maria unterwies nicht nur die Bekehrten näher, sondern unterstützte die Lehren auch durch Wunder. Den Notleidenden war sie eine stets bereitwillige Helferin. Sie arbeitete für dieselben mit ihren Händen, bediente die Kranken und leistete vielen in ihrer Sterbestunde Beistand.

 

Der Vorschub, welchen Maria auf diese Weise der Kirche leistete, machte die Hölle von neuem ergrimmen. Namentlich war sie über den Tod des Herodes voll Zorn, weil sie an ihm ein mächtiges Werkzeug ihrer Pläne verloren hatte. Gott verstattete, daß Satan sich mit seinem Anhange aus der Tiefe des Abgrundes wieder erheben durfte, wohin Maria sie gebannt hatte. Die Mächte der Hölle feuerten sich zu neuem Grimme wider die heilige Jungfrau an. Namentlich brachte der Gedanke sie zur Raserei, daß Maria nur ein Geschöpf sei und eine solche Macht über die Hölle sich anmaße und üben könne. Es müsse immer von neuem der Versuch gemacht werden, sie zu bekriegen.

Selbst vor den Allmächtigen brachte der alte Drache seine Klagen, und stellte sich in seinem vermeintlichen Rechte als Engel verletzt vor, wenn eine menschliche Kreatur mit solcher Gewalt ihm gegenüber auftreten dürfe. Er verlangte, Gott solle der Jungfrau seinen Beistand entziehen, damit sie, bloßer Staub und Asche, ein Gegenstand der Verfolgung für die Hölle werden könne. Der Allerhöchste ließ zwar zu, daß der Teufel wider die heilige Mutter seines Sohnes streiten durfte, entzog ihr aber nicht, wie jener verlangt hatte, seine Gaben und Gnaden. Denn diese waren eben die Waffen, womit er der glorwürdigen Streiterin den Sieg sichern wollte.

 

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