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ETIKA |
DAS
LEBEN MARIAS |
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María
von Ágreda |
Ein
Engel vollstreckt das Todesurteil Marias an Herodes |
Die
geheimnisreiche Stadt Gottes. 8. Buch, 3. Kapitel. Regensburg 1904, S. 432- 435 |
Die
geheimnisreiche Stadt Gottes.
Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie
sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart und von
derselben in spanischer Sprache niedergeschrieben wurde.
Bearbeitet
von L. Clarus.
Neue
illustrierte Volksausgabe bearbeitet von Franz X. Kerer.
Mit
kirchlicher Druckerlaubnis.
Regensburg
1904
Tod und Strafe des Herodes. Johannes predigt in Ephesus.
Es geschehen daselbst Wunder. Satan erhebt sich zu neuem Kampfe wider die
Himmelskönigin.
Maria erkannte alle argen
Entschließungen, welche in der schwarzen Seele des Herodes vor sich gingen. Ihr
lag der unglückliche Zustand dieser Seele offen vor Augen. Sie hatte darüber,
sowie über die verbrecherischen Pläne, welche darin wider die Christen
ausgebreitet wurden, ein deutliches Gesicht. Sie bat, Gott möge ihr verleihen,
für seine Diener und Gläubigen zu leiden, und dagegen abwenden, was Herodes
wider dieselben im Schilde führe.
Ein Engel verkündigte ihr, das
Urteil über Herodes sei ihr übertragen. Maria entsetzte sich in ihrer Demut
über diesen Antrag.
"Wie
vermöchte ich," entgegnete sie, "ein Urteil über ein Geschöpf und ein
Ebenbild meines Herrn zu fällen? Seitdem ich von seinen Händen mein Dasein
empfangen, habe ich unter den Menschen viele Verworfene erkannt, aber niemals
Rache wider sie begehrt, wohl aber, soviel es an mir lag, ihr Heil."
Maria beauftragte daher den
Engel, seinem allmächtigen Auftraggeber das Urteil über Herodes
anheimzustellen. Wenn es möglich sei, Herodes zurückzuleiten auf die richtige Bahn,
wolle sie alle Schmerzen der Welt leiden, die Gott über sie verhängen möge,
damit nur diese Seele nicht verloren gehe.
Der Engel meldete Maria zurück, Herodes sei
in der Zahl der Verworfenen, weil er
in seinen Missethaten hartnäckig beharre und keiner Ermahnung oder Lehre Raum
gebe.
Abermals lehnte Maria das Urteil zu fällen ab. Es sei ihr mildreichst zugestanden, eine
Mutter, Zuflucht und Fürsprecherin der sündigen Adamskinder zu sein. Sie habe
Milde und Barmherzigkeit an denen zu üben, welche zu ihr kämen und ihre
Fürbitten in Anspruch nähmen. Bei solchem Berufe falle ihr unmöglich zu, eine
strenge Richterin gegen irgend ein Geschöpf zu sein. Niemals sei ihr die
Gerechtigkeit, allzeit nur die Barmherzigkeit aufgetragen worden. Wenn es Gott
gefalle, so möge Herodes sterben, sie könne ihn aber nicht verurteilen.
Der Engel beschied Maria hierauf, wie ihre Barmherzigkeit
nur denjenigen Menschen gewidmet sei, welche nach ihrer Fürbitte ein Verlangen
hätten, nicht aber denen, welche dieselbe verachteten, wie
Herodes thun werde. Als eine Frau der Kirche sei sie mit der Gewalt, zu
richten, versehen. Es komme ihr zu, dieselbe zu handhaben. Nun erst, aber mit
zögerndem Widerstreben, verurteilte Maria den Herodes, weil er sich hartnäckig
und absichtlich als einen verstockten Feind Gottes und unwürdig seines
Erbarmens erwiesen, mit aller Gerechtigkeit zu dem Tode, welchen er verdient,
damit er nicht durch Vollbringen noch schwerer Übelthaten seine Höllenpein nur
vergrößere.
(Anmerkung etika.com: Diese Begründung leuchtet ein. Demzufolge ist
auch für grausame Serienmörder und Sexualverbrecher das Todesurteil zulässig;
es kommt ihnen sogar zugute, denn sie werden von noch größerer Höllenpein
verschont. Wären die Massenmörder, die mehr als 100 Menschen umgebracht haben,
frühzeitig hingerichtet worden, wären viele Menschenleben gerettet worden und
die Schwerverbrecher hätten jetzt und in Ewigkeit vielleicht nur die Hälfte
jener entsetzlichen Qualen auszustehen, mit denen sie im Inferno gepeinigt
werden. Wichtig ist aber, daß kein Unschuldiger für eine Tat zum Tode
verurteilt wird, die er nicht begangen hat.)
Das Geheimnis der Übertragung des
Amtes der göttlichen Gerechtigkeit an die Jungfrau Maria kann nicht deutlicher
erklärt werden, als durch die Worte des Herrn bei Johannes (5,19.):
"Der
Sohn kann nichts aus sich thun, wenn er es nicht den Vater thun sieht. Und der
Vater richtet niemand, sondern hat das ganze Gericht dem Sohne übergeben. Und
er hat ihm Macht gegeben, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn
ist."
Das heißt durch seine heiligste
Mutter bei Erkenntnis der Gleichheit, welche die heilige Mutter mit ihrem
göttlichen Sohne gehabt, wird man die Beziehung der Mutter zum Sohne und des
Sohnes zum Vater in der Macht, zu urteilen, ermessen können.
Kraft dieser Macht gebot Maria
dem Engel des Herrn, sich nach Cäsarea zu begeben und dem Herodes daselbst das
Leben zu nehmen.
Von Würmern verzehrt, starb Herodes zeitlich und ewig.
Der Engel hatte ihn innerlich verwundet. Die Wunde erzeugte Fäulnis und die
Fäulnis Würmer.
(Anmerkung: sensationell)
Der Engel kehrte nach Ephesus
zurück und gab Maria Nachricht vom Vollzuge des Urteils. Maria beweinte den
Untergang der Seele des Herodes, dankte
aber für die Ruhe, welche der Kirche durch diesen Tod zu teil wurde, und in
welcher sie wuchs und gedieh, nicht
nur in Judäa, sondern auch in Ephesus. Denn mächtig wirkte hier unter
dem Beistande Marias der Apostel Johannes. Derselbe hatte alsbald nach seiner
Ankunft in dieser Stadt angefangen, zu predigen, zu bekehren und durch Wunder
die vorgetragene Lehre zu bekräftigen. Maria unterwies nicht nur die Bekehrten
näher, sondern unterstützte die Lehren auch durch Wunder. Den Notleidenden war
sie eine stets bereitwillige Helferin. Sie arbeitete für dieselben mit ihren
Händen, bediente die Kranken und leistete vielen in ihrer Sterbestunde
Beistand.
Der Vorschub, welchen Maria auf
diese Weise der Kirche leistete, machte die Hölle von neuem ergrimmen.
Namentlich war sie über den Tod des Herodes voll Zorn, weil sie an ihm ein
mächtiges Werkzeug ihrer Pläne verloren hatte. Gott verstattete, daß Satan sich
mit seinem Anhange aus der Tiefe des Abgrundes wieder erheben durfte, wohin
Maria sie gebannt hatte. Die Mächte der Hölle feuerten sich zu neuem Grimme
wider die heilige Jungfrau an. Namentlich brachte der Gedanke sie zur Raserei,
daß Maria nur ein Geschöpf sei und eine solche Macht über die Hölle sich anmaße
und üben könne. Es müsse immer von neuem der Versuch gemacht werden, sie zu
bekriegen.
Selbst vor den Allmächtigen brachte der alte Drache seine
Klagen, und stellte sich in seinem vermeintlichen Rechte als
Engel verletzt vor, wenn eine menschliche Kreatur mit solcher Gewalt ihm
gegenüber auftreten dürfe. Er verlangte, Gott solle der Jungfrau seinen
Beistand entziehen, damit sie, bloßer Staub und Asche, ein Gegenstand der
Verfolgung für die Hölle werden könne. Der Allerhöchste ließ zwar zu, daß der
Teufel wider die heilige Mutter seines Sohnes streiten durfte, entzog ihr aber
nicht, wie jener verlangt hatte, seine Gaben und Gnaden. Denn diese waren eben
die Waffen, womit er der glorwürdigen Streiterin den Sieg sichern wollte.