ETIKA
18B4804

DAS LEBEN MARIAS

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9.10.2001

María von Ágreda

Ein Engel bringt auf Marias Geheiß den Dianatempel in Ephesus zum Einsturz

Die geheimnisreiche Stadt Gottes. 8. Buch, 4. Kapitel. Regensburg 1904, S. 435ff.

Die geheimnisreiche Stadt Gottes.

Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart und von derselben in spanischer Sprache niedergeschrieben wurde.

Bearbeitet von L. Clarus.

Neue illustrierte Volksausgabe bearbeitet von Franz X. Kerer.

Mit kirchlicher Druckerlaubnis.

Regensburg 1904

Zerstörung des Dianatempels zu Ephesus durch Maria. Von Engeln zum obersten Himmel entrückt, wird sie zum Siege wider die höllische Schlange gerüstet, welche ihre Versuchungen mit der Hoffart beginnt.

 

In Ephesus hatte der Fürst der Finsternis vorzugsweise seinen Thron und Wohnsitz aufgeschlagen. Maria wurde von den Bewohnern dieser Stadt, als sie unter ihnen weilte, auf das freundlichste behandelt. Aus Dankbarkeit betete sie brünstigst zu ihrem Sohne, daß er die guten Leute erleuchten und ihnen zur Erkenntnis des wahren Glaubens verhelfen wolle. Der Herr that ihr zu wissen, wie die Sünden, welche die Stadt auf sich geladen, den Pforten der Milde Gottes einen Riegel vorgeschoben. Nur weil Maria in derselben ihren Aufenthalt genommen, sei bisher der Lauf der göttlichen Gerechtigkeit gehemmt worden.

Hieraus vernahm Maria zu ihrer Betrübnis, wie die göttliche Gerechtigkeit gewissermaßen von ihr die Einwilligung begehre, das Schwert der Rache über die Götzendiener in Ephesus zu zücken.

Wohl wisse sie, war ihre Antwort, wie die Schärfe der Gerechtigkeit vollzogen werden müsse, wenn der Barmherzigkeit kein Raum gelassen werde, jedoch reiche zum Eintritte der letzteren jegliche Ursache aus, wie klein und gering dieselbe auch seitens der Sünder sein möge. Jetzt sei ihr nun diese Stadt zum Aufenthalte angewiesen. Die Einwohner wären gegen sie und Johannes voll Freundlichkeit und Güte. Gott möge daher die Schärfe seiner Gerechtigkeit mäßigen, und solche wider Maria wenden, damit die Epheser sich die Wohlthaten Gottes zu nutze machen könnten.

Gott zeigte ihr statt der Antwort in einem Gesichte den Grund seines Unwillens wider die Epheser. Sie erkannte, wie Satan einst viele Jahrhunderte vor der Menschwerdung des Wortes in einer seiner höllischen Ratsversammlungen darauf aufmerksam gemacht, wie aus allem klar erhelle, daß Gott den Menschen zu Hilfe kommen wolle, sich von den Lastern, welche Satan unter ihnen zu verbreiten suche, zu enthalten, namentlich von fleischlichen Gelüsten und der Geldgier. Er werde ihnen deshalb Hilfsmittel gewähren, kraft deren sie aus eigenem freien Willen keusch und armselig leben und sich dem Gehorsame anderer Menschen unterwerfen würden. Wenn die Menschen mit diesen Tugenden die Hölle überwunden, würden sie großen Lohn und Gnaden von Gott verdienen, wie er (Satan) schon aus manchen Vorgängen abgenommen. Dadurch werde das Reich der Hölle beeinträchtigt. Es sei daher nötig, gegen diese Gefahr Vorkehrungen zu treffen.

 

Die höllischen Geister beschlossen nun, daß eine große Anzahl von ihnen es übernehmen solle, alle diejenigen Personen zu versuchen, welche sich befleißigen würden, in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben. Zur Verspottung der Keuschheit sollten sogleich gleißnerische und falsche Scheinjungfrauen aufgestellt werden, welche unter diesem Namen dem Dienste der Hölle Vorschub leisten. Dieses vorgebliche keusche Wesen sollte nur der Ausgelassenheit in fleischlichen Lüsten zum Deckmantel dienen. Dergleichen falsche Keuschheitsheldinnen wurden namentlich in der Schar der Amazonen aufgestellt. Diese waren alle durch den Vorwand der Keuschheit bethört, hinter welchem anderen Lastern gefröhnt wurde.

 

Auch zu Ephesus bildete sich eine Sekte angeblicher Jungfrauen. Hier wurde in dem Dienste der vermeintlichen Göttin Diana die Absicht Satans in einer entsprechenden Weise verwirklicht. Der dieser Göttin zu Ephesus gewidmete Tempel wurde unter die Wunderwerke der Welt gerechnet. Als derselbe um 300 vor Christo von einem gemeinen Manne abgebrannt worden, wurde er durch reichliche Beisteuern wieder erbaut. Dieser neuere Tempel mit seinem Dianadienste bestand noch, als die heilige Jungfrau ihren Aufenthalt in Ephesus nahm. In dem Tempel wohnten in verschiedenen Abteilungen die Jungfrauen der Götzen, und pflogen ihre verruchte Gemeinschaft mit dem Teufel, durch Übung von allerlei abscheulichen Sünden.

 

Dieses alles erkannte Maria. Sie gestand dem Herrn zu, daß diese schon viele Jahrhunderte lang fortgesetzten Scheußlichkeiten nun ein Ende nehmen müßten, daß nicht länger die Entehrung des herrlichen Namens und der köstlichen Tugend der Keuschheit unter der Pflege des Dienstes der Diana fortgesetzt werden dürfte. Durch Gottes Bestimmung eine Führerin und Mutter der Jungfrauen, eines der edelsten Teile der Kirche, könne sie einen solchen Mißbrauch der Keuschheit, wie er zu Ephesus getrieben werde, nicht dulden, und müsse klagend und Strafe fordernd wider die Hölle auftreten, auch bitten, daß die unter dem falschen Keuschheitsdienste schmachtenden Seelen von demselben befreit werden möchten. Der Herr versprach, diese Bitte zu gewähren, bemerkte aber, es würden von den verführten Mädchen viele, bei der Halsstarrigkeit in ihren Sünden, davon nicht ablassen wollen, und nur wenige auf den Weg des Heils gelangen. Maria bat Johannes, ihr durch Gebet und Mitwirkung zur Ausrottung des Dianadienstes behilflich zu sein.

In Kraft des Allerhöchsten gebot Maria den Höllengeistern, welche im Dianatempel ihre Stätte hatten, diesen Platz zu räumen und in den Abgrund der Hölle hinunterzufahren. Es waren dort aber viele Legionen Teufel angesiedelt. Sie stürzten eilends in die Hölle hinab, die Macht, an den verlassenen Ort zurückzukehren, war ihnen zugleich genommen.

 

Maria befahl einem Engel, den Tempel Dianas dergestalt zu zerstören, daß kein Stein auf dem anderen bliebe, die verworfenen Weiber aber unter dem Sturze zu begraben. Nur neun von den Dienerinnen Dianas sollten geschont werden. Der Engel that, wie ihm geboten worden.

 

Die Epheser waren entsetzt über dieses rätselhafte Ereignis. Johannes nahm daraus Anlaß, mit desto größerem Nachdruck die göttliche Kraft zu verkündigen und den Ephesern dazulegen, wie sie vom Teufel bethört worden. Wenn mehrere Jahre nach dieser Begebenheit im 19. Kapitel der Apostelgeschichte wieder von einem Tempel der Diana in Ephesus die Rese ist, so ist damit ein anderer, geringerer gemeint, den die Epheser nach Zerstörung des prächtigen sich wieder erbaut, als Maria ihre Stadt verlassen hatte. Der Aberglaube an die Diana war in Ephesus und der Umgegend zu tief gewurzelt gewesen, als daß er mit einem Schlage hätte vertilgt werden können. Viele Apostel mußten lange Jahre daran arbeiten, ehe dieser Erfolg erreicht war.

 

Nachdem der Dianatempel zerstört worden, entbrannte Maria in noch höherem Eifer für die Erhöhung des Namens Christi. Durch Engel, welche hierzu den Auftrag des Allmächtigen erhalten, wurde sie eines Tages in den Himmel entrückt, und hatte daselbst eine mittelbare Anschauung der göttlichen Majestät. Es wurde ihr von derselben eine neue Übertragung der Gotteskraft verheißen, um gegen den alten Feind und dessen Hoffart in den Kampf zu treten. Zu diesem Ende mußten Seraphim sie bekleiden und bewaffnen. Sie wurde mit einem Lichte, undurchdringlich wie ein Harnisch, umgeben. Auch einen Widerschein der Gottheit legten sie ihr auf das Angesicht, dessen Glanz die Geister der Hölle nicht auszuhalten vermögen. Als Waffen reichten ihr die Engel göttliche Kräfte und Tugenden. So ausgerüstet, besaß Maria die Macht, die innersten Gedanken und Anschläge der höllischen Geister zu verhindern.

 

 

Von der heiligen Dreifaltigkeit eingesegnet, wurde Maria durch die Engel zurückversetzt in ihre Betzelle. Sie warf sich hier zur Erde, heftete ihr Angesicht auf den Boden und dankte in tiefster Demut dem Allerhöchsten. Als sie über den Kampf nachdachte, welcher ihr aufgetragen, hatte sie ein Gesicht.

 

Es schien ihr, als ob aus dem Abgrunde ein roter Drache mit sieben Köpfen emporstiege. Aus jedem seiner sieben Rachen spie er Feuer und Rauch aus. Eine Menge von Teufeln umgab ihn. Kein Lebender hätte dieses entsetzliche Gesicht ertragen können. Mit Drohen und ingrimmig nahte dieser Feind Maria und frohlockte, daß er vom Allmächtigen die Erlaubnis erhalten, diese Feindin zu versuchen, die nur ein irdisches Geschöpf und daher der Versuchung zugänglich sei. Dem Feinde dünkte vorteilhaft, auf dem Wege der Hoffart den ersten Angriff zu wagen, weil er auf diesem mit Erfolg schon sonst andere Laster eingeführt hatte. Er verkleidete sich zu dem Ende (Anm.: Ziele) in einen Engel des Lichtes. Dasselbe that sein Gefolge. Die Thörichten meinten, Marias Blick könne diese Verkleidung nicht durchdringen. Mit Lobsprüchen und Schmeicheleien nahten sie Maria.

Mächtig und groß bist du, sprachen sie, Maria, unter den Weibern. Die ganze Welt ehrt und rühmt dich wegen deiner ausgezeichneten Tugenden und der vielfältigen Wunder, welche du verrichtet. Niemand gleicht dir an Heiligkeit. Wir erkennen solches besser, als alle.

Während er diese wirklichen Wahrheiten sprach, bemühte Satan sich, in dem Herzen der demütigen Himmelskönigin verderbliche Gedanken der Hoffart und des Hochmutes zu erregen. Diese Versuchungen waren nur Pfeile des Schmerzes für Maria. Alle Qualen, welche die Märtyrer zu bestehen haben, wären ihr nicht so schmerzlich gefallen, als die Schmeichelreden des bösen Feindes. Sie verdemütigte sich diesen Angriffen gegenüber also, daß Satan wohl sah, wie die Hoffart über diese Seele keine Gewalt haben würde. Nichts ist ihm unterträglicher, als die Demut. Er floh daher samt seinem Anhange aufs schimpflichste.

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