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ETIKA |
DAS
LEBEN MARIAS |
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María von Ágreda |
Ein
Engel bringt auf Marias Geheiß den Dianatempel in Ephesus zum Einsturz |
Die
geheimnisreiche Stadt Gottes. 8. Buch, 4. Kapitel. Regensburg 1904, S. 435ff. |
Die
geheimnisreiche Stadt Gottes.
Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart und von derselben in spanischer Sprache niedergeschrieben wurde.
Bearbeitet
von L. Clarus.
Neue
illustrierte Volksausgabe bearbeitet von Franz X. Kerer.
Mit
kirchlicher Druckerlaubnis.
Regensburg
1904
Zerstörung
des Dianatempels zu Ephesus durch Maria. Von Engeln zum obersten Himmel
entrückt, wird sie zum Siege wider die höllische Schlange gerüstet, welche ihre
Versuchungen mit der Hoffart beginnt.
In
Ephesus hatte der Fürst der Finsternis vorzugsweise seinen Thron und Wohnsitz
aufgeschlagen. Maria wurde von den Bewohnern dieser Stadt, als sie unter
ihnen weilte, auf das freundlichste behandelt. Aus Dankbarkeit betete sie
brünstigst zu ihrem Sohne, daß er die guten Leute erleuchten und ihnen zur
Erkenntnis des wahren Glaubens verhelfen wolle. Der Herr that ihr zu wissen, wie die Sünden, welche die Stadt auf sich
geladen, den Pforten der Milde Gottes einen Riegel vorgeschoben. Nur weil
Maria in derselben ihren Aufenthalt genommen, sei bisher der Lauf der göttlichen Gerechtigkeit gehemmt worden.
Hieraus vernahm Maria zu ihrer Betrübnis, wie die göttliche
Gerechtigkeit gewissermaßen von ihr die Einwilligung begehre, das Schwert der Rache über die Götzendiener
in Ephesus zu zücken.
Wohl wisse sie, war ihre Antwort, wie die Schärfe der
Gerechtigkeit vollzogen werden müsse, wenn der Barmherzigkeit kein Raum
gelassen werde, jedoch reiche zum Eintritte der letzteren jegliche Ursache aus,
wie klein und gering dieselbe auch seitens der Sünder sein möge. Jetzt sei ihr
nun diese Stadt zum Aufenthalte angewiesen. Die Einwohner wären gegen sie und
Johannes voll Freundlichkeit und Güte. Gott möge daher die Schärfe seiner
Gerechtigkeit mäßigen, und solche wider Maria wenden, damit die Epheser sich
die Wohlthaten Gottes zu nutze machen könnten.
Gott zeigte ihr statt der Antwort in einem Gesichte den
Grund seines Unwillens wider die Epheser. Sie erkannte, wie Satan einst viele Jahrhunderte vor der Menschwerdung
des Wortes in einer seiner höllischen Ratsversammlungen darauf aufmerksam
gemacht, wie aus allem klar erhelle, daß Gott den Menschen zu Hilfe kommen
wolle, sich von den Lastern, welche Satan unter ihnen zu verbreiten suche, zu
enthalten, namentlich von fleischlichen Gelüsten und der Geldgier. Er werde ihnen deshalb Hilfsmittel
gewähren, kraft deren sie aus eigenem freien Willen keusch und armselig leben
und sich dem Gehorsame anderer Menschen unterwerfen würden. Wenn die
Menschen mit diesen Tugenden die Hölle überwunden, würden sie großen Lohn und
Gnaden von Gott verdienen, wie er (Satan) schon aus manchen Vorgängen
abgenommen. Dadurch werde das Reich der Hölle beeinträchtigt. Es sei daher
nötig, gegen diese Gefahr Vorkehrungen zu treffen.
Die höllischen Geister beschlossen nun, daß eine große
Anzahl von ihnen es übernehmen solle, alle diejenigen Personen zu versuchen, welche sich
befleißigen würden, in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben. Zur Verspottung der
Keuschheit sollten sogleich gleißnerische und falsche Scheinjungfrauen aufgestellt werden, welche unter
diesem Namen dem Dienste der Hölle Vorschub leisten. Dieses vorgebliche keusche Wesen sollte nur der Ausgelassenheit in
fleischlichen Lüsten zum Deckmantel dienen. Dergleichen falsche
Keuschheitsheldinnen wurden namentlich in der Schar der Amazonen aufgestellt. Diese waren alle durch den Vorwand der Keuschheit
bethört, hinter welchem anderen Lastern gefröhnt wurde.
Auch zu Ephesus bildete sich eine Sekte angeblicher Jungfrauen. Hier wurde in dem Dienste der
vermeintlichen Göttin Diana die
Absicht Satans in einer entsprechenden Weise verwirklicht. Der dieser Göttin zu
Ephesus gewidmete Tempel wurde unter die Wunderwerke
der Welt gerechnet. Als derselbe um 300 vor Christo von einem gemeinen
Manne abgebrannt worden, wurde er durch reichliche Beisteuern wieder erbaut.
Dieser neuere Tempel mit seinem Dianadienste bestand noch, als die heilige
Jungfrau ihren Aufenthalt in Ephesus nahm. In dem Tempel wohnten in
verschiedenen Abteilungen die Jungfrauen der Götzen, und pflogen ihre verruchte
Gemeinschaft mit dem Teufel, durch Übung von allerlei abscheulichen
Sünden.
Dieses alles erkannte Maria. Sie gestand dem Herrn zu, daß
diese schon viele Jahrhunderte lang fortgesetzten Scheußlichkeiten nun ein Ende
nehmen müßten, daß nicht länger die Entehrung des herrlichen Namens und der
köstlichen Tugend der Keuschheit unter der Pflege des Dienstes der Diana
fortgesetzt werden dürfte. Durch Gottes Bestimmung eine Führerin und Mutter der
Jungfrauen, eines der edelsten Teile der Kirche, könne sie einen solchen Mißbrauch der Keuschheit, wie er zu
Ephesus getrieben werde, nicht dulden, und müsse klagend und Strafe fordernd
wider die Hölle auftreten, auch bitten, daß die unter dem falschen Keuschheitsdienste schmachtenden Seelen von
demselben befreit werden möchten. Der Herr versprach, diese Bitte zu
gewähren, bemerkte aber, es würden von den verführten Mädchen viele, bei der Halsstarrigkeit in
ihren Sünden, davon nicht ablassen wollen, und nur wenige auf den
Weg des Heils gelangen. Maria bat Johannes, ihr durch Gebet und Mitwirkung zur
Ausrottung des Dianadienstes behilflich zu sein.
In Kraft
des Allerhöchsten gebot Maria den Höllengeistern, welche im Dianatempel ihre
Stätte hatten, diesen Platz zu räumen und in den Abgrund der Hölle
hinunterzufahren. Es waren dort aber viele Legionen Teufel angesiedelt. Sie
stürzten eilends in die Hölle hinab, die Macht, an den verlassenen Ort
zurückzukehren, war ihnen zugleich genommen.
Maria
befahl einem Engel, den Tempel Dianas dergestalt zu zerstören, daß kein Stein
auf dem anderen bliebe, die verworfenen Weiber aber unter dem Sturze zu begraben.
Nur neun von den Dienerinnen Dianas sollten geschont werden. Der Engel that,
wie ihm geboten worden.
Die Epheser waren entsetzt über dieses rätselhafte
Ereignis. Johannes nahm daraus Anlaß, mit desto größerem Nachdruck die
göttliche Kraft zu verkündigen und den Ephesern dazulegen, wie sie vom Teufel
bethört worden. Wenn mehrere Jahre nach dieser Begebenheit im 19. Kapitel der
Apostelgeschichte wieder von einem Tempel der Diana in Ephesus die Rese ist, so
ist damit ein anderer, geringerer gemeint, den die Epheser nach Zerstörung des
prächtigen sich wieder erbaut, als Maria ihre Stadt verlassen hatte. Der
Aberglaube an die Diana war in Ephesus und der Umgegend zu tief gewurzelt
gewesen, als daß er mit einem Schlage hätte vertilgt werden können. Viele Apostel
mußten lange Jahre daran arbeiten, ehe dieser Erfolg erreicht war.
Nachdem der Dianatempel zerstört worden, entbrannte Maria
in noch höherem Eifer für die Erhöhung des Namens Christi. Durch Engel, welche
hierzu den Auftrag des Allmächtigen erhalten, wurde sie eines Tages in den Himmel entrückt, und hatte
daselbst eine mittelbare Anschauung der göttlichen Majestät. Es wurde ihr von
derselben eine neue Übertragung der
Gotteskraft verheißen, um gegen den alten Feind und dessen Hoffart in den
Kampf zu treten. Zu diesem Ende mußten
Seraphim sie bekleiden und bewaffnen. Sie wurde mit einem Lichte,
undurchdringlich wie ein Harnisch, umgeben. Auch einen Widerschein der
Gottheit legten sie ihr auf das Angesicht, dessen Glanz die Geister der Hölle
nicht auszuhalten vermögen. Als Waffen reichten ihr die Engel göttliche Kräfte
und Tugenden. So ausgerüstet, besaß Maria die
Macht, die innersten Gedanken und Anschläge der höllischen Geister zu
verhindern.
Von der heiligen Dreifaltigkeit eingesegnet, wurde Maria
durch die Engel zurückversetzt in ihre Betzelle. Sie warf sich hier zur Erde,
heftete ihr Angesicht auf den Boden und dankte in tiefster Demut dem
Allerhöchsten. Als sie über den Kampf nachdachte, welcher ihr aufgetragen,
hatte sie ein Gesicht.
Es schien ihr, als ob aus
dem Abgrunde ein roter Drache mit sieben Köpfen emporstiege. Aus jedem
seiner sieben Rachen spie er Feuer und Rauch aus. Eine Menge von Teufeln umgab
ihn. Kein Lebender hätte dieses entsetzliche Gesicht ertragen können. Mit
Drohen und ingrimmig nahte dieser Feind Maria und frohlockte, daß er vom
Allmächtigen die Erlaubnis erhalten, diese Feindin zu versuchen, die nur ein
irdisches Geschöpf und daher der Versuchung zugänglich sei. Dem Feinde dünkte
vorteilhaft, auf dem Wege der Hoffart den ersten Angriff zu wagen, weil er auf
diesem mit Erfolg schon sonst andere Laster eingeführt hatte. Er verkleidete
sich zu dem Ende (Anm.: Ziele) in einen Engel des Lichtes. Dasselbe that sein
Gefolge. Die Thörichten meinten, Marias Blick könne diese Verkleidung nicht
durchdringen. Mit Lobsprüchen und Schmeicheleien nahten sie Maria.
Mächtig und groß bist du,
sprachen sie, Maria, unter den Weibern. Die ganze Welt ehrt und rühmt dich
wegen deiner ausgezeichneten Tugenden und der vielfältigen Wunder, welche du
verrichtet. Niemand gleicht dir an Heiligkeit. Wir erkennen solches besser, als
alle.
Während er diese wirklichen Wahrheiten sprach, bemühte
Satan sich, in dem Herzen der demütigen Himmelskönigin verderbliche Gedanken
der Hoffart und des Hochmutes zu erregen. Diese Versuchungen waren nur Pfeile
des Schmerzes für Maria. Alle Qualen, welche die Märtyrer zu bestehen haben,
wären ihr nicht so schmerzlich gefallen, als die Schmeichelreden des bösen
Feindes. Sie verdemütigte sich diesen Angriffen gegenüber also, daß Satan wohl
sah, wie die Hoffart über diese Seele keine Gewalt haben würde. Nichts ist ihm
unterträglicher, als die Demut. Er floh daher samt seinem Anhange aufs
schimpflichste.