|
ETIKA |
DAS LEBEN MARIAS |
www.etika.com |
|
María von Ágreda |
Maria
kämpft weiter gegen die Hölle und besteht große Gefahr auf dem Meer |
Die
geheimnisreiche Stadt Gottes. 8. Buch, 5. Kapitel. Regensburg 1904, S. 4359 - 443 |
Die
geheimnisreiche Stadt Gottes.
Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart und von derselben in spanischer Sprache niedergeschrieben wurde.
Bearbeitet
von L. Clarus. Neue illustrierte Volksausgabe bearbeitet von Franz X. Kerer.
Mit
kirchlicher Druckerlaubnis. Regensburg 1904
Von
Petrus gerufen, kehrt Maria nach Jerusalem zurück.
Fortsetzung des Kampfes gegen die Hölle.
Maria besteht große Gefahr auf dem Meer.
Nach dem Tode des Herodes genoß
die Kirche zu Jerusalem einige Ruhe. Inzwischen predigten Paulus und Barnabas
mit unglaublichem Erfolge in Antiochien, Lystris, Perge und vielen anderen
Städten Asiens, wie im 13. und 14. Kapitel der Apostelgeschichte zu lesen.
Petrus predigte, nachdem er aus Jerusalem entflohen, in einem anderen Teile
Asiens. Alle erkannten ihn für den wahren Statthalter Christi und das Oberhaupt
der Kirche, glaubten auch, dass alles im Himmel bekräftigt werde, was Petrus
auf Erden verordne. Man trug ihm als höchsten und obersten Priester Zweifel und
Fragen zur Entscheidung vor. Auf diese Art gelangte auch an ihn, was Paulus und
Barnabas zu Antiochien über den Gebrauch der Beschneidung gepredigt hatten. Die
Jünger zu Jerusalem baten bei dieser Gelegenheit Petrus, in die heilige Stadt
zurückzukehren, um manche Zweifel zu lösen. Er wurde auch gebeten, die Rückkehr
der Jungfrau nach Jerusalem zu erwirken, welche dort mit Sehnsucht von den
Gläubigen erwartet wurde.
Petrus lud, ehe er selber nach
Jerusalem ging, Maria brieflich dahin ein. In diesem Briefe nannte er Maria die
Mutter Gottes, wie es unter den Aposteln gewöhnlicher Brauch war,
nachdem die Glaubensartikel entworfen waren. Andere benannten sie Jungfrau und Mutter, weil der Kirche daran gelegen war, dass in den
Herzen aller Gläubigen der Glaubenslehrsatz von der Jungfräulichkeit und der
Mutterschaft Marias wohl eingedrückt bliebe. Aus Ehrerbietung gegen den
Stellvertreter Christi küsste Maria den ihr durch einen Boten überbrachten
Brief fußfällig. Sie öffnete denselben aber nicht, sondern übergab das
Schreiben Johannes, welcher beim Eintreffen des Boten abwesend war, bei dessen
Rückkunft, damit dieser ihn öffnen und lesen möchte. Johannes that es, und
fragte Maria, was sie zu thun gedächte. Die heilige Jungfrau, in allem ein
Vorbild des Gehorsams, überließ die Entscheidung Johannes. Dieser fand es
billig, dass dem Oberhaupte der Kirche in seiner Aufforderung Gehorsam
geleistet würde.
Maria hatte in Ephesus eine Schar
Frauen und Jungfrauen um sich versammelt. Die Zahl derselben betrug dreiundsechzig.
Unter ihnen befanden sich auch die neun, welche bei der Zerstörung des
Dianatempels erhalten waren. Sie bildete eine Gesellschaft zur Bewahrung der Keuschheit, zum Gegensatz der verruchten Genossenschaft,
welche sich unter dem Namen der Götzin vereinigt hatte. Maria führte ihnen die
Abscheulichkeiten des Dianadienstes und dessen gerechten Untergang zu Gemüte.
Die Zerstörung des Tempels blieb aber ein Geheimnis. Man schob dieselbe auf
natürliche Ursachen. Maria versammelte diese heiligen Genossinnen um sich, und
empfahl ihnen, in der Weise fortzuleben, welche sie bisher beachtet, und nie
andere Meister als die Jünger oder Nachfolger zu hören. Sie werde nun zwar
Ephesus verlassen, aber stets dafür sorgen, dass die Jünger und Nachfolger
Christi den zurückbleibenden Genossinnen Beistand leisteten. Es bleibe an ihrer
Statt Maria die Ältere zurück. Dieser hätten die Genossinnen in allem folge zu
leisten. Es solle in dem Haus, in welchem sie sich vereinigt aufhielten, eine
unverletzliche Eingezogenheit und Einsamkeit herrschen, und keinem Manne der Zutritt verstattet werden. Wäre aber eine Besprechung mit Männern
notwendig, so dürfe dieselbe nur an der Pforte im Beisein dreier anderer Genossinnen
stattfinden. Besonders empfahl Maria ihren Freundinnen Einsamkeit und Gebet, hinterließ ihnen auch Geschriebenes, das
sie beten und singen könnten.
Diejenige Maria, welche als Oberin zurückblieb, war eine von den frommen
Frauen, welche die heilige Jungfrau aufgenommen und bewirtet hatten. Sie war
die erste, welche auf den Namen Maria getauft worden. Die Mutter Gottes
hinterließ den heiligen Frauen die zwölf Glaubensartikel, das Vaterunser, die
zehn Gebote und andere Gebete schriftlich. In dem Gebetzimmer hatte sie ein
großer Kreuz aufrichten lassen. Nachdem sie das Haus also bestellt, nahm Maria
unter großer Betrübnis ihrer Freundinnen feierlichen Abschied von denselben.
Nach dritthalbjährigem Aufenthalte in Ephesus traten Maria und Johannes ihre Rückreise nach Jerusalem
an.
Beim Hinaustritte aus ihrer
Wohnung offenbarten sich ihre
Engel der Mutter Gottes in sichtbarer Gestalt, alle jedoch wie in einer
Feldschlacht geordnet, in Gestalt eines bewaffneten Heeres. Diese Erscheinung sollte eine Mahnung an Maria
sein, ihren Kampf gegen den höllischen Drachen und seinen Anhang fortzusetzen.
Noch ehe die beiden Reisenden das
Meer erreichten, sah Maria die höllischen Geschwader mit gesammelten Streitkräften in
entsetzlichen Gestalten wider sich anrücken, hinter ihnen den siebenköpfigen
Drachen. Mitt Worten aus den Psalmen
waffnete sich Maria im Glauben wider diese entsetzlichen Feinde, und bat ihre
Engel, ihr beizustehen. Sobald das Schiff, welches Maria trug, auf hohem Meere
schwebte, erregten die Höllenmächte einen entsetzlichen Sturm.
Mit schrecklichem Getöse bäumten
sich die Wellen empor, und spritzten zu den Wolken hinauf. Ganze Berge von
Schaum und Wasser wurden emporgeschleudert. Das Schiff wurde von einer Seite
auf die andere geworfen. Ein Wunder schien es, wenn es nicht bei jedem Anstoß
in Trümmer ging. Mast und Segel berührten sich häufig mit den Wogen. Hätten die
Engel nicht das Schiff gehalten, es wäre dem Abgrunde nicht entronnen.
Schiffer und Reisende erkannten
zwar, dass eine besondere Gnade sie schütze; allein der Ursache unkundig, waren
sie auch des Ausganges nicht gewiß. Deshalb schrieen und jammerten sie, als ob
ihr Untergang unvermeidlich wäre. Diese Bedrängnis vermehrten die Geister der Hölle. Dieselben nahmen menschliche Gestalt an, und schrieen überlaut, als wenn sie auf vorüberfahrenden Schiffen sich
befänden. Sie rieten, die
Mannschaft möge das Schiff scheitern lassen und
sich so gut retten, als sie es vermöchten. Diese teuflische Bosheit erkannte nur Maria. Die Schiffer aber glaubten,
jene Stimmen kämen von anderen Schiffen herüber. In dieser Bethörung wollten sie das eigene Schiff verlassen, und
sich in die vermeintlich vorüberfahrenden fremden Schiffe begeben. Die Engel
führten das Schiff, nachdem es von den
eigenen Leuten dem Schicksale preisgegeben worden.
In
heiterer Ruhe und Schöne stand Maria
auf dem Verdecke. Tiefes Mitleid gegen die
Schiffahrenden bewegte ihr großes Herz. Die ungezäumte Stärke des Meeres erregte ihr Staunen, und sie
betrachtete in derselben den Zorn der göttlichen Gerechtigkeit, welche in
diesem gefühllosen Geschöpfe so mächtig
hervorzubrechen schien. Unter allen diesen
Schrecken beteten sie für die heilige Kirche. Am meisten betrübte sie, dass die
mit ihr Reisenden um ihretwillen vom Teufel verfolgt wurden.
Johannes war wegen seiner
heiligen Begleiterin in höchsten Sorgen. Er wusste den Zusammenhang nicht, und
glaubte ihr zusprechen zu müssen. Die Reise, welche man sonst in sechs Tagen
zurücklegt, währte des Sturmes halber fünfzehn Tage. Die lange Dauer der Gefahr
machte selbst Johannes kleinmütig. Er forderte die heilige Jungfrau auf, ihren
Sohn zu bitten, dass er die Gefährdeten ansehe und mit väterlichem Blicke und
in der Bedrängnis beschütze. Maria erwiderte:
„Betrübe
dich nicht, mein Sohn, denn es ist die Zeit, den Streit des Herrn zu kämpfen
und seine Feinde mit der Stärke und Geduld zu überwinden. Ich flehe ihn an, dass kein einziger von denen, die
mit uns reisen, verloren gehe. Der Schutz Israels schläft nicht. Starke aus seinem Gefolge stehen uns bei und
beschützen uns. Wir aber wollen leiden um dessentwillen, der sich um des Heils
aller willen an das Kreuz hat schlagen lassen.“
Mit diesen Worten gewann Johannes
wieder neue Kraft. Satan und seine Gesellen drohten Maria, dass sie in diesem
Sturme scheitern und den Wellen nicht
entrinnen werde. Dieser ohnmächtigen Drohungen achtete Maria nicht; sie
entgegnete darauf nicht das mindeste. Die Teufel aber vermochten wegen der
Kraft, die in dasselbe gelegt worden, Marias Antlitz nicht anzublicken, und die
Waffen nicht auszuhalten,, mit denen Maria ihre Angriffe abwehrte.
Nachdem Schiffahrt und Sturm
vierzehn Tage gewährt hatten, erschien Christus Maria. Er sprach:
Maria hatte über den Besuch ihres
Sohnes eine unaussprehcliche Freude.
„Du bist der,“ sprach sie, „dem Meer und Wind gehorchen, laß die Geschöpfe deiner Hände nicht untergehen.“
Christus übertrug ihr die Gewalt über seine Kreaturen und forderte
sie auf, ihnen zu gebieten. Maria hatte gewünscht,
der Herr möge den Wogen gebieten, wie er es einst auf dem Galiläischen Meere
gethan. Nun aber war ihr selber dies Gebot übertragen. Sie gehorsamte und befahl dem Teufel mit seinen
Genossen, das Meer zu verlassen. Augenblicklich entfernten sich die höllischen
Mächte und zogen sich nach Palästina.
Hierauf befahl Maria den Winden und Wellen, sich zu beruhigen. Beide
gehorsamten. Die Schiffer erstaunten über die plötzliche Veränderung. Christus
verließ seine Mutter, nachdem er verheißen, sie werde folgenden Tages an das
Land steigen. Dies geschah auch.
Nachdem Johannes und Maria
Gott für die Errettung aus diesen
Gefahren gedankt, machten sie sich auf
den Weg nach Jerusalem. Die Engel begleiteten sie, abermals wie in
Schlachtordnung, weil auch jetzt die Mächte der Hölle immer zum Angriffe bereit
standen. Ehe Maria ihr Haus betrat, hatte sie ein brennendes
Verlangen, alle heiligen Orte, wie sie es vor ihrer Abreise nach Ephesus
ebenfalls gethan, zu besuchen. Petrus war aber bereits zu Jerusalem
eingetroffen. Der Gehorsam ging Maria über alle Tugenden. Sie bezwang ihr
Verlangen, und eilte auf kürzestem Wege zu Petrus, den sie fußfällig um seinen
Segen und um Verzeihung für ihr langes Ausbleiben bat, wobei sie indes der
Verzögerung durch den Sturm nicht gedachte. Dieses erfuhr Petrus erst durch Johannes.
Petrus und die übrigen Jünger und gläubigen waren höchlichst erfreut über
Marias Heimkehr.