ETIKA
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DAS LEBEN MARIAS

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21.11.2001

María von Ágreda

Maria kämpft weiter gegen die Hölle und besteht große Gefahr auf dem Meer

Die geheimnisreiche Stadt Gottes. 8. Buch, 5. Kapitel. Regensburg 1904, S. 4359 - 443

Die geheimnisreiche Stadt Gottes.

Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart und von derselben in spanischer Sprache niedergeschrieben wurde.

Bearbeitet von L. Clarus. Neue illustrierte Volksausgabe bearbeitet von Franz X. Kerer.

Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Regensburg 1904

Von Petrus gerufen, kehrt Maria nach Jerusalem zurück.
Fortsetzung des Kampfes gegen die Hölle.
Maria besteht große Gefahr auf dem Meer.

 

Nach dem Tode des Herodes genoß die Kirche zu Jerusalem einige Ruhe. Inzwischen predigten Paulus und Barnabas mit unglaublichem Erfolge in Antiochien, Lystris, Perge und vielen anderen Städten Asiens, wie im 13. und 14. Kapitel der Apostelgeschichte zu lesen. Petrus predigte, nachdem er aus Jerusalem entflohen, in einem anderen Teile Asiens. Alle erkannten ihn für den wahren Statthalter Christi und das Oberhaupt der Kirche, glaubten auch, dass alles im Himmel bekräftigt werde, was Petrus auf Erden verordne. Man trug ihm als höchsten und obersten Priester Zweifel und Fragen zur Entscheidung vor. Auf diese Art gelangte auch an ihn, was Paulus und Barnabas zu Antiochien über den Gebrauch der Beschneidung gepredigt hatten. Die Jünger zu Jerusalem baten bei dieser Gelegenheit Petrus, in die heilige Stadt zurückzukehren, um manche Zweifel zu lösen. Er wurde auch gebeten, die Rückkehr der Jungfrau nach Jerusalem zu erwirken, welche dort mit Sehnsucht von den Gläubigen erwartet wurde.

Petrus lud, ehe er selber nach Jerusalem ging, Maria brieflich dahin ein. In diesem Briefe nannte er Maria die Mutter Gottes, wie es unter den Aposteln gewöhnlicher Brauch war, nachdem die Glaubensartikel entworfen waren. Andere benannten sie Jungfrau und Mutter, weil der Kirche daran gelegen war, dass in den Herzen aller Gläubigen der Glaubenslehrsatz von der Jungfräulichkeit und der Mutterschaft Marias wohl eingedrückt bliebe. Aus Ehrerbietung gegen den Stellvertreter Christi küsste Maria den ihr durch einen Boten überbrachten Brief fußfällig. Sie öffnete denselben aber nicht, sondern übergab das Schreiben Johannes, welcher beim Eintreffen des Boten abwesend war, bei dessen Rückkunft, damit dieser ihn öffnen und lesen möchte. Johannes that es, und fragte Maria, was sie zu thun gedächte. Die heilige Jungfrau, in allem ein Vorbild des Gehorsams, überließ die Entscheidung Johannes. Dieser fand es billig, dass dem Oberhaupte der Kirche in seiner Aufforderung Gehorsam geleistet würde.

Maria hatte in Ephesus eine Schar Frauen und Jungfrauen um sich versammelt. Die Zahl derselben betrug dreiundsechzig. Unter ihnen befanden sich auch die neun, welche bei der Zerstörung des Dianatempels erhalten waren. Sie bildete eine Gesellschaft zur Bewahrung der Keuschheit, zum Gegensatz der verruchten Genossenschaft, welche sich unter dem Namen der Götzin vereinigt hatte. Maria führte ihnen die Abscheulichkeiten des Dianadienstes und dessen gerechten Untergang zu Gemüte. Die Zerstörung des Tempels blieb aber ein Geheimnis. Man schob dieselbe auf natürliche Ursachen. Maria versammelte diese heiligen Genossinnen um sich, und empfahl ihnen, in der Weise fortzuleben, welche sie bisher beachtet, und nie andere Meister als die Jünger oder Nachfolger zu hören. Sie werde nun zwar Ephesus verlassen, aber stets dafür sorgen, dass die Jünger und Nachfolger Christi den zurückbleibenden Genossinnen Beistand leisteten. Es bleibe an ihrer Statt Maria die Ältere zurück. Dieser hätten die Genossinnen in allem folge zu leisten. Es solle in dem Haus, in welchem sie sich vereinigt aufhielten, eine unverletzliche Eingezogenheit und Einsamkeit herrschen, und keinem Manne der Zutritt verstattet werden. Wäre aber eine Besprechung mit Männern notwendig, so dürfe dieselbe nur an der Pforte im Beisein dreier anderer Genossinnen stattfinden. Besonders empfahl Maria ihren Freundinnen Einsamkeit und Gebet, hinterließ ihnen auch Geschriebenes, das sie beten und singen könnten. Diejenige Maria, welche als Oberin zurückblieb, war eine von den frommen Frauen, welche die heilige Jungfrau aufgenommen und bewirtet hatten. Sie war die erste, welche auf den Namen Maria getauft worden. Die Mutter Gottes hinterließ den heiligen Frauen die zwölf Glaubensartikel, das Vaterunser, die zehn Gebote und andere Gebete schriftlich. In dem Gebetzimmer hatte sie ein großer Kreuz aufrichten lassen. Nachdem sie das Haus also bestellt, nahm Maria unter großer Betrübnis ihrer Freundinnen feierlichen Abschied von denselben. Nach dritthalbjährigem Aufenthalte in Ephesus traten Maria  und Johannes ihre Rückreise nach Jerusalem an.

 

Beim Hinaustritte aus ihrer Wohnung offenbarten sich ihre Engel der Mutter Gottes in sichtbarer Gestalt, alle jedoch wie in einer Feldschlacht geordnet, in Gestalt eines bewaffneten Heeres. Diese Erscheinung sollte eine Mahnung an Maria sein, ihren Kampf gegen den höllischen Drachen und seinen Anhang fortzusetzen.

 

Noch ehe die beiden Reisenden das Meer erreichten, sah Maria die höllischen Geschwader mit gesammelten Streitkräften in entsetzlichen Gestalten wider sich anrücken, hinter ihnen den siebenköpfigen Drachen. Mitt Worten aus den Psalmen waffnete sich Maria im Glauben wider diese entsetzlichen Feinde, und bat ihre Engel, ihr beizustehen. Sobald das Schiff, welches Maria trug, auf hohem Meere schwebte, erregten die Höllenmächte einen entsetzlichen Sturm.

 

Mit schrecklichem Getöse bäumten sich die Wellen empor, und spritzten zu den Wolken hinauf. Ganze Berge von Schaum und Wasser wurden emporgeschleudert. Das Schiff wurde von einer Seite auf die andere geworfen. Ein Wunder schien es, wenn es nicht bei jedem Anstoß in Trümmer ging. Mast und Segel berührten sich häufig mit den Wogen. Hätten die Engel nicht das Schiff gehalten, es wäre dem Abgrunde nicht entronnen.

 

Schiffer und Reisende erkannten zwar, dass eine besondere Gnade sie schütze; allein der Ursache unkundig, waren sie auch des Ausganges nicht gewiß. Deshalb schrieen und jammerten sie, als ob ihr Untergang unvermeidlich wäre. Diese Bedrängnis vermehrten die Geister der Hölle. Dieselben nahmen menschliche Gestalt an, und schrieen überlaut, als wenn sie auf vorüberfahrenden Schiffen sich befänden. Sie rieten, die Mannschaft möge das Schiff scheitern lassen und sich so gut retten, als sie es vermöchten. Diese teuflische Bosheit  erkannte nur Maria. Die Schiffer aber glaubten, jene Stimmen kämen von anderen Schiffen herüber. In dieser Bethörung  wollten sie das eigene Schiff verlassen, und sich in die vermeintlich vorüberfahrenden fremden Schiffe begeben. Die Engel führten das  Schiff, nachdem es von den eigenen Leuten dem Schicksale preisgegeben worden.

 

In heiterer Ruhe und Schöne stand Maria  auf dem Verdecke. Tiefes Mitleid gegen die Schiffahrenden bewegte ihr großes Herz. Die ungezäumte Stärke des Meeres erregte ihr Staunen, und sie betrachtete in derselben den Zorn der göttlichen Gerechtigkeit, welche in diesem gefühllosen  Geschöpfe so mächtig hervorzubrechen schien. Unter allen diesen Schrecken beteten sie für die heilige Kirche. Am meisten betrübte sie, dass die mit ihr Reisenden um ihretwillen vom Teufel verfolgt wurden.

 

Johannes war wegen seiner heiligen Begleiterin in höchsten Sorgen. Er wusste den Zusammenhang nicht, und glaubte ihr zusprechen zu müssen. Die Reise, welche man sonst in sechs Tagen zurücklegt, währte des Sturmes halber fünfzehn Tage. Die lange Dauer der Gefahr machte selbst Johannes kleinmütig. Er forderte die heilige Jungfrau auf, ihren Sohn zu bitten, dass er die Gefährdeten ansehe und mit väterlichem Blicke und in der Bedrängnis beschütze. Maria erwiderte:

 

Betrübe dich nicht, mein Sohn, denn es ist die Zeit, den Streit des Herrn zu kämpfen und seine Feinde mit der Stärke und Geduld zu überwinden. Ich flehe ihn an, dass kein einziger von denen, die mit uns reisen, verloren gehe. Der Schutz Israels schläft nicht.  Starke aus seinem Gefolge stehen uns bei und beschützen uns. Wir aber wollen leiden um dessentwillen, der sich um des Heils aller willen an das Kreuz hat schlagen lassen.“

 

Mit diesen Worten gewann Johannes wieder neue Kraft. Satan und seine Gesellen drohten Maria, dass sie in diesem Sturme scheitern und den Wellen nicht  entrinnen werde. Dieser ohnmächtigen Drohungen achtete Maria nicht; sie entgegnete darauf nicht das mindeste. Die Teufel aber vermochten wegen der Kraft, die in dasselbe gelegt worden, Marias Antlitz nicht anzublicken, und die Waffen nicht auszuhalten,, mit denen Maria ihre Angriffe abwehrte.

Nachdem Schiffahrt und Sturm vierzehn Tage gewährt hatten, erschien Christus Maria. Er sprach:

 

„Liebe Mutter, ich bin bei dir in der Bedrängnis.“

 

Maria hatte über den Besuch ihres Sohnes eine unaussprehcliche Freude.

 

„Du bist der,“ sprach sie, „dem Meer und Wind gehorchen, laß die Geschöpfe deiner Hände nicht untergehen.“

 

Christus übertrug ihr die Gewalt über seine Kreaturen und forderte sie auf, ihnen zu gebieten. Maria hatte gewünscht, der Herr möge den Wogen gebieten, wie er es einst auf dem Galiläischen Meere gethan. Nun aber war ihr selber dies Gebot übertragen. Sie gehorsamte und befahl dem Teufel mit seinen Genossen, das Meer zu verlassen. Augenblicklich entfernten sich die höllischen Mächte und zogen sich nach Palästina. Hierauf befahl Maria den Winden und Wellen, sich zu beruhigen. Beide gehorsamten. Die Schiffer erstaunten über die plötzliche Veränderung. Christus verließ seine Mutter, nachdem er verheißen, sie werde folgenden Tages an das Land steigen. Dies geschah auch.

 

Nachdem Johannes und Maria Gott  für die Errettung aus diesen Gefahren gedankt, machten sie sich auf  den Weg nach Jerusalem. Die Engel begleiteten sie, abermals wie in Schlachtordnung, weil auch jetzt die Mächte der Hölle immer zum Angriffe bereit standen. Ehe Maria ihr Haus betrat, hatte sie ein brennendes Verlangen, alle heiligen Orte, wie sie es vor ihrer Abreise nach Ephesus ebenfalls gethan, zu besuchen. Petrus war aber bereits zu Jerusalem eingetroffen. Der Gehorsam ging Maria über alle Tugenden. Sie bezwang ihr Verlangen, und eilte auf kürzestem Wege zu Petrus, den sie fußfällig um seinen Segen und um Verzeihung für ihr langes Ausbleiben bat, wobei sie indes der Verzögerung durch den Sturm nicht gedachte. Dieses erfuhr Petrus erst durch Johannes. Petrus und die übrigen Jünger und gläubigen waren höchlichst erfreut über Marias Heimkehr.

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