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ETIKA |
DAS LEBEN MARIAS |
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María von Ágreda |
Maria gedenkt der Leiden Christi. Altarsgeheimnis |
Die
geheimnisreiche Stadt Gottes. Geschichte des Lebens der heiligsten
Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda
geoffenbart wurde. 8. Buch, 10. Kapitel. Regensburg 1904, S. 456ff. |
Zehntes Kapitel
Maria pflegt das
Gedächtnis und die Übung der Leiden Christi.
Ehrerbietung, womit sie das heilige Altarsgeheimnis empfängt.
Bei aller Thätigkeit
und Sorglichkeit für das Wohl der Kirche versäumte Maria nicht, fleißig ihre geheimen Übungen und verborenen Werke zu vollziehen, mit denen sie den Gläubigen
im allgemeinen sowie einzelnen Seelen insbesondere zu Hilfe kam.
Zu den
eigenthümlichen Gnaden, deren sie sich erfreute, gehörte, daß sie allzeit in
ihrem Gedächtnisse das ganze
Leben, Wirken und Leiden ihres Sohnes gegenwärtig hatte. Was sie hiervon erkannt hatte und wußte, vergaß sie nimmer.
Vorzugsweise aber waren in ihrem Herzen mit unvergänglichen Farben die Bilder
der Leiden Christi in ihrer ganzen und vollständigen Aufeinanderfolge lebendig
geblieben, und zwar dergestalt, daß sie in der Erinnerung immer die Schmerzen
mitempfand, welche jener zu erleiden gehabt hatte. Das war ihr Gebet gewesen.
Sie hatte nur das
Leben behalten mögen, um mit
Christo gekreuzigt zu werden, und
in sich seine Schmerzen fortzusetzen und sein bitteres Leiden unablässig zu erneuern.
Durch die Stärke der
Liebe und die Schmerzen, welche sie dabei empfand, ist Maria unzähligemal eine Märtyrerin geworden.
Ohne den Beistand
Gottes wäre sie oft diesen Empfindungen erlegen. Sie hat durch diese Übungen
viel mehr gearbeitet und für Gott gelitten, als alle Heiligen und Märtyrer.
Häufig vergoß sie blutige Thränen und benetzte damit ihr heiliges Antlitz. Oft
schwitzte sie in den Schmerzensängsten Blut, und netzte damit den Boden. Der
Herr selbst stärkte und erneuerte sie, daß sie die Schmerzen und Übungen
fortsetzen konnte.
Ausgenommen von
diesen Leiden waren nur jene Tage, an welchen Maria das Gedächtnis der
Auferstehung feierlich beging, wo die Freude den Schmerz überwog, dessen
Gegenstand übrigens Maria niemals völlig aus ihrem inneren Gesichtskreise
verlor. Mit der Bitterkeit des Leidens mäßigte sie die Süßigkeit aller Gnaden,
welche ihr sonst so reichlich zuflossen.
Jeden Freitag beging Maria noch besonders den Tod und das
Begräbnis ihres allerheiligsten Sohnes. Sie verließ dann niemals ihre Betzelle.
Johannes oder irgend ein anderer Jünger hütete die Thür, damit niemand die
Feiernde störe. Diese Übung begann Donnerstag abends, und währte bis Sonntag
mittags. Damit dazwischen die äußeren Geschäfte nicht litten, hatte sie
veranstaltet, daß ein Engel unterdessen
dasjenige kürzlich besorgte, was keinen Aufenthalt vertrug. Mir ist unmöglich auszusprechen, welchen
Verlauf die Übung dieser drei Tage nahm. Mit dem Geheimnisse der Fußwaschung
beginnend, schritt sie fort bis zur Auferstehung. Stunde für Stunde erneuerte
sie alle Bewegungen, Leiden und Thätigkeiten, welche in jenem Zeitraume von
Christo durchgemacht waren. Sie verrichtete dieselben Gebete und Bitten. Sie
trug das Kreuz und heftete sich an dasselbe; kurz, sie erneuerte wöchentlich an
sich die vollständige Passion.
Dabei erlangte sie
vom Herrn große Gnaden und Wohlthaten für alle diejenigen, welche sein bitteres
Leiden andächtig verehren würden. Durch ihre Bitten erlangte sie auch, daß in
der heiligen Kirche viele Personen in diesen Übungen des Leidens ihr nachfolgten.
Mit ganz besonderer
Andacht beging sie dabei das Gedächtnis der Einsetzung des allerheiligsten Altarssakramentes. So oft sie dies Sakrament genoß, was fast
täglich geschah, wenn sie nicht ihre Zelle hütete, bereitete sie sich von neuem
mit vollstem Eifer und tiefster Inbrunst darauf vor; sie opferte dabei die
ganze Übung des heiligen Leidens einer jeden Woche.
Sie opferte auf
Christi bitteres Leiden und Tod, samt
der Würde, womit Christus bei der Verwandlung sich selber gespeist, und der
Vereinigung seiner göttlichen mit seiner menschlichen Natur, endlich sein
ganzes Wirken vom Augenblicke seiner Empfängnis in ihrem Schoße an, bis ans
Ende der Welt.
Hierauf folgten die
inbrünstigsten Akte tiefster Demütigung, in welcher sie ihre Niedrigkeit der
unendlichen Erhabenheit Gottes entgegensetzte. Dabei bat sie die Engel, ihr
behilflich zu sein, ihn würdig zu empfangen. So brachte sie die Nacht vor der Kommunion zu. Wenn die Stunde des Empfangs der
heiligen Speise herannahte, hörte sie eine, von einem der heiligen Evangelisten
gelesene Messe. Obwohl damals noch kein Evangelium und keine Epistel dabei
verlesen werden konnte, so wurden doch viele Psalmen und andere Gebete
vorgetragen.
Die Konsekration dagegen war schon ganz so wie gegenwärtig. Nach dreimaligem Fußfalle
empfing sie, in Liebe ganz entflammt, ihren allerheiligsten sakramentalen Sohn
und Gott. Hierauf verharrte sie, wenn nicht ein besonderes Hindernis eintrat,
drei Stunden in einer tiefen Gemütssammlung.
Alsdann strahlte
Maria wie im Glanze der Sonne. Zuweilen hat der Evangelist sie also gesehen.
Sie trug Sorge, daß die Apostel und Priester zur Feier des Sakramentes in reicheren Kleidungen als sie sonst zu tragen pflegten, auftraten.
Mit eigenen Händen verfertigte sie einen priesterlichen Ornat, und legte
dadurch den Grund zum jetzigen Gebrauche in der Kirche. War er auch dem
gegenwärtigen nicht ganz gleich, so war er doch auch nicht allzusehr davon
unterschieden. Der Stoff war immer ziemlich gleich, nämlich feine Leinwand und
Seide. Die Verfertigung dieses Gewandes bewirkte Maria stehend oder knieend.
Sie vertraute dieselbe niemand als ihren heiligen, immer hilfreichen Engeln.
Alles blieb so in unvergleichlicher Ordnung und Sauberkeit. Ein himmlischer
Geruch durchdrang alles, welcher den Geist der Priester und Kirchendiener
entzündete.
Aus den Ländern, in
welchen die Apostel gepredigt, kamen viele Neubekehrte nach Jerusalem, um die Mutter des Weltheilandes zu sehen und kennen zu lernen. So kamen
unter anderen vier sehr hohe Herren, welche gleichsam Könige in ihren Ländern
waren. Sie brachten der Jungfrau kostbare Geschenke dar. Maria lehnte die
Annahme ab, und nahm endlich auf inständiges Bitten nur einen Teil, um damit
einen reicheren Altarschmuck herzurichten. Das übrige wurde in die Spitäler
verteilt, welche sie fleißig besuchte und bediente.
Den vier Fürsten gab
sie heilsame Lehren in Bezug auf die Regierung ihrer Länder, namentlich aber empfahl sie denselben die
Erhöhung und Ausbreitung des Namens Jesu Christi und die Sicherung des Glaubens
an denselben. Die Fürsten unterhielten später durch Briefe und Gesandte einen
fortwährenden Verkehr mit Maria.
Alle, welche ihr
nahe kamen, fühlten sich mit Licht und unaussprechlichem Troste erfüllt; denn
für jeden, der sie hörte, strömten ihre Lippen über von Gnade. Allen erschien
sie wie ein göttliches Wunder aller Heiligkeit.
In den letzten Jahren aß und schlief Maria nur sehr wenig.
Dies that sie auch nur aus Gehorsam gegen Johannes, welcher sie gebeten,
nachts ein wenig auszuruhen. Über eine Stunde lang that sie es nie. Ihre Speise
bestand in wenigen Stücklein Brot
und ein wenig Fisch. Johannes
speiste mit ihr. Sie selbst bereitete ihm die Speise und legte ihm dieselbe
vor, wie eine Mutter ihrem Sohne. Sie gehorsamte ihm als einem Priester und
Stellvertreter Christi. Maria hätte ohne diesen Schlaf und diese Speise leben
können. Sie ließ dieselben nur zu, um sich im Gehorsame gegen den Apostel zu
üben, und aus Demut, um doch in etwas der Bürde der menschlichen Natur ihren
Tribut zu entrichten.
Anmerkung ETIKA: Niemand außer Gott weiß, wie sehr uns das Wörtchen „Fisch“ schmerzt. Erst vorgestern veröffentlichten wir das Ergebnis einer Studie am Roslin Institute und an der Universität von Edinburgh, wonach auch Fische Schmerz empfinden, weil sie die nötigen Rezeptoren besitzen und bei Schmerzreizen auch eindeutig Verhaltensänderungen zeigen (D 30.4.2003 APA) - für uns stets selbstverständlich! Wir erinnern an den Spruch:
Der arme Käfer, den dein Fuß zertritt,
fühlt körperlich ein Leiden ganz so groß,
als wenn ein Riese stirbt. (Isabella)
William Shakespeare (1564-1616), englischer Dramatiker, Maß für Maß III,
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Herr. erbarme dich unser und
aller leidenden Tiere!