ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

www.etika.com

18b8aaeus

Aeußeres.

24.2.2009
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1867. Erster Band. Stichwort: Aeußeres.

Das Aeußere des Menschen ein Bild seines Inneren.

Beim Menschen läßt sich aus seinem Aeßeren, nämlich aus seinem Gesichte, dessen Form und Zügen, aus seiner Lebensart, und aus seinen Reden und Handlungen auf sein Temperament, auf seine Neigungen und Gesinnungen schließen.

Wer ein beschmutztes Gesicht, unreinliche Hände, schmutzige Wäsche und Kleidung und Unsauberkeit im Hause verträgt, sollte dieser viel auf Reinlichkeit der Seele und des Herzens halten?

Wer seine Tagesgeschäfte nur so ebenhin, ohne Fleiß, zur Unzeit, nur halb verrichtet und seine Geräthe und Kleider nicht an bestimmten Orten aufbewahrt: sollte dieser wohl eifrig, pünktlich und thätig in Erfüllung der Gebote Gottes sein und Ordnung halten in Dingen des Seelenheiles?

Wer von Gott und der Religion ohne Ehrfurcht spricht, über die göttlichen Wahrheiten spöttelt (Anm. ETIKA: Theologen, aufgepaßt!), gräuliche Flüche und Gotteslästerungen ausstößt und schmutzige unkeusche Reden führt: sollte dieser wohl Glauben, Liebe und Furcht Gottes, Frömmigkeit und keuschen Sinn besitzen?

Wenn man bei solchen Menschen vom Aeßeren auf die Unordnung ihrer Seele schließt, thut man ihnen eben so wenig Unrecht, als wenn man beim Nashornvogel und Wiedehopf aus ihrer unsauberen Lebensart den Schluß zieht, daß ihr Fleisch ungesund und ungenießbar sei. Der erstere lebt vom Aase und verbreitet einen so unausstehlichen üblen Geruch um sich, daß sich alle Thiere fern von ihm halten; der andere lebt von Insekten, die er im Miste sucht und baut sein Nest aus Menschenkoth.

Da sie nun beide das Unreine lieben, genießen und auch stinken: so schließt man daraus, daß ihr Fleisch ungesund und ungenießbar sei, wie es auch wirklich ist.

Ebenso schließt man auch beim Menschen von seinem Außeren auf sein Inneres und Gott hat es zum Spiegel gemacht, um uns das Böse verhaßt zu machen und zur Tugend zu reizen.

(Anmerkung ETIKA: Wie viele verlebte Gesichter sieht man in der Stadt, tote Augen, selbst bei ganz jungen Menschen!)

 

Übersicht über Neue Gleichnisse - Index 18 B ETIKA-Bibliothek