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P. Franz Ehmig

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18b8bgeld

Neue Gleichnisse: Geld

26.10.2008
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Zweiter Band. Stichwort: Geld

Geld verblendet den Menschen.

Als Kaiser Rudolph einmal nach Nürnberg kann, daselbst einen Reichstag zu halten, gingen ihn wie gewöhnlich viele Bürger um Gerechtigkeit an. Unter diesen war auch ein Kaufmann; der hatte einem Gastwirthe in Nürnberg, bei dem er eingekehrt war, zweihundert Mark Silbers in einem ledernen Beutel zum Aufheben gegeben, und als er wieder abreisen wollte, hatte der betrügerische Wirth, der nichts Schriftliches von sich gegeben, die ganze Sache geläugnet.

Der Kaiser erzählte dem Kaiser alle einzelnen Umstände genau und bemerkte zuletzt, der Wirth würde unter den Abgeordneten der Stadt sein, die ihm heute die Aufwartung machen wollten. Der Kaiser hieß ihn hierauf abtreten und sich bis dahin verborgen halten.

Jetzt kamen die Abgeordneten; Rudolph unterhielt sich mit ihnen, fragte sie nach ihren Namen und Gewerben und sagte dann wie verloren zu dem Wirthe: „Du hast einen hübschen Hut, laß uns tauschen.“ Der Bürger machte sich daraus eine Ehre, und Rudolph setzte den neuen Hut recht wohlgefällig auf. Während des ferneren Gesprächs ging er einmal hinaus, rief einen zuverläßigen Bürgersmann und sagte ihm:

„Lauf eilig zu des Gastwirths Frau und sprich zu derselben, ihr Mann verlange den ledernen Beutel mit dem Gelde, von dem sie wohl wisse; zum Wahrzeichen schicke er ihr hiemit seinen Hut.“

Die Frau besann sich beim Anblicke des Hutes nicht lange, das Geld herauszugeben. Der Bote brachte es dem Kaiser, dieser steckte es still ein und trat mit dem Hute wieder in den Saal. Als er die Abgeordneten entließ, behielt er den Wirth zurück und rief auch den Kaufmann herein. „Du hattest ja eine Klage gegen diesen Mann?“

Der Kaufmann wiederholte seine Geschichte, der Wirth läugnete sie trocken weg. Beide geriethen heftig an einander, als auf einmal der Kaiser den Beutel hervorzog. Der Wirth verstummte, erblaßte, der Kaiser legte ihm aber eine derbe Geldstrafe auf. So verblendet das Geld!

Geld hat seine Vortheile und Nachtheile.

Kein Erdtheil hatte so häufig Gold, Silber und Diamanten, wie Amerika. In Peru wollte zuletzt kein Soldat mehr dienen, der nicht ganze Säcke voll Goldes bekam. Gonzalo Pizarro gab einmal fünfmalhunderttausend Pesos her, um nur tausend Soldaten anzuwerben. Gaska wendete gar neunmalhunderttausend Pesos auf die Truppen, die er gegen Pizarro führen wollte. Um immer neues Gold aufzubringen, hatte Pizarro, wie Sulla, unter seinen Gegnern wahre Proskriptionen angestellt.

Die spanischen Schiffe brachten jährlich so viel Gold heim, daß am Ende Keiner in Spanien mehr arbeiten wollte. Bauern verließen ihren Pflug, Handwerker ihre Werkstatt und eilten nach Peru, um Gold zu holen. Dadurch wurde Spanien entvölkert, der Ackerbau blieb liegen, das Land verödete, Frau und Kinder verhungerten, und Spaniens Macht, durch die Massen Goldes Anfangs gehoben, sank bald so tief, daß es für sie vielleicht besser gewesen wäre, wenn man Amerika nicht entdeckt hätte.

Auf der andern Seite wurde durch die Entdeckung des Goldlandes Peru das Gold in der ganzen Welt häufiger, alle Lebensmittel stiegen im Preise, und das erweckte den Wetteifer bei Allen, von diesem Metalle so viel zu verdienen, als möglich war. Diese Habsucht ist nicht zu loben; aber wer dürfte die dadurch bewirkte Thätigkeit der Menschen verachten? Die Vorsehung gebraucht die Leidenschaften und Bedürfnisse der Menschen, ihre Kräfte anzuspornen und auszubilden und das ganze Geschlecht zu höherer Vollkommenheit zu führen.

Geld macht Sorgen.

Eine alte Geschichte erzählt: Es war ein reicher, verdrießlicher, schlafloser Mann und daneben sein Nachbar, ein armer Schuhmacher. Der Schuhmacher arbeitete fleißig, betete und sang fromme Lieder. Da wollte ihm einmal der reiche Nachbar die gute Laune zerstören; er schlich bei gelegener Stunde in sein Haus und stellte ihm, ganz unvermerkt, einen Geldsack auf den Tisch. Als der Schuhmacher heim kam, fand er das Geld, erschrack und sein Weib mit ihm. Woher dieß Geld? Es ist nicht zu errathen. Hat es uns Jemand geschenkt? Es ist nicht zu vermuthen. Inzwischen mußte er‘s aufbewahren.

Der Abend kommt: kein frommes Lied und wenig Gebet; die Nacht ohne Schlaf, früh kein Morgengebet und kein Morgengesang, Vormittags keine Arbeit, Mittags keine Eßlust. Der Abend schlich wieder heran; der Sorgenreiche sprach zu seiner Frau: Niemand meldet sich, es geschieht keine Nachfrage, keine Spur regt sich, am Ende wird die hübsche Summe wohl unser sein? Denn Wunder sind auch noch möglich. Aber wo verwahren wir es am besten? Am sichersten im Bette, im Stroh. Er legte den Reichthum in den Strohsack und sich selbst darauf. Wieder kein Abendlied, kein Schlaf, kein christlicher Lobgesang am Morgen, sondern dafür grämliche Aeußerungen von beiden Seiten.

Frau, sagte er, es könnte doch heute Jemand kommen, das Geld abzuholen; es ist so eine Art von Ahnung in mir. Ich bleibe liegen. Falls Jemand mit mir reden wollte, so sag ihm, ich sei krank und müsse das Bett hüten.

Denselben Vormittag kam wirklich Jemand und zwar der reiche Nachbar; er ließ sich durchaus nicht abweisen, er trat mit Hut und Stock geradezu an’s Krankenbette, nahm dort Platz und bedauerte den kranken Nachbar; endlich rückte er mit der Frage heraus: Ob er keinen Geldsack gefunden?

Der arme Mann ward blaß und läugnete, von dieser Sache etwas zu wissen. Der Reiche aber stimmte einen bitterernsten Ton an und redete von Zwangsmitteln und sehr ernsten Folgen.

Da stand der geschlagene Mann von seinem Lager auf, zog ganz sachte den Geldsack hervor und der Reiche trug ihn fort.

Denselben Abend hörte man ihn wieder beten, doch noch nicht singen, den folgenden Tag stellte auch der Gesang sich wieder ein.

Die bösen Interessen des Geldes sind:

·       Sorge und Frucht, Gebets- und Arbeitsscheu, Verwirrung und Lüge.

O dreimal glücklich der Mann, der nicht mehr hat, als er gerade bedarf und der damit zufrieden ist und auf Gott vertraut!

Geld verblendet.

Unter den ägyptischen Einsiedlern starb einer derselben nach langen, in Gebet und Buße hingebrachten Jahren. Als man nun seine Leiche bestatten wollte, fand man unter der Schilfmatte, worauf er lag, einen Geldsack mit hundert Silbermünzen.

Da versammelten sich die Väter, um sich zu berathen, was mit dem Gelde zu thun sei? Einige wollten es für die Armen verwenden, Andere zum Bau einer Kirche, oder für Abschriften der Evangelien; allein die heiligen Aebte Makkarius und Pambo entscheiden es anders; sie sprachen: Leget den Geldsack zu ihm hinein in‘s Grab, schüttet Erde darüber und rufet dabei: Dein Geld sei ewig mit dir zu deinem Verderben!

Die Einsiedler entsetzten sich darüber so sehr, daß Niemand mehr etwas zu ersparen dachte. Jene Einsiedler waren nämlich durch das strenge Gelübde der Armuth gebunden und durften nichts besitzen; der Geiz war also bei ihnen eine Art Gottesraub, daher forderte er eine so strenge Warnung.

Drei Laster, sagt Seribanus, stürzen den Menschen in´s Verderben: Hoffart, Wollust und Geiz; doch aber so, daß durch das Sakrament der Buße von hundert Hoffärtigen leichtlich fünfzig, von hundert Wollüstlingen leichtlich dreißig, von hundert Geizigen aber kaum drei selig werden und dieß nur deßhalb, weil bei den Letzteren ein wesentlicher Theil der Buße im Wiederersatze besteht, der dem Menschen so überaus schwer fällt.

Das Geld verachten die Heiligen.

Es kam einmal ein ansehnlicher, aber unbekannter Mann in die Wüste Scythi, der Gold bei sich trug und den Priester des Klosters bat, es an die Brüder auszutheilen. Der Priester gab ihm aber zur Antwort: Die Brüder haben kein Geld nöthig.

Da aber der reiche Mann sehr in ihn drang und sich nicht abweisen lassen wollte, so stellte der Priester einen ganzen Korb voll Geld vor die Kirchenthüre hin und sagte: Wer etwas nöthig hat, der nehme davon.

Allein kein Einziger berührte das Geld; einige schauten nicht einmal hin darauf. Der Altvater aber sprach zu dem reichen Manne: Gott hat deinen guten Willen als Opfer angenommen, gehe hin und gib dieses Geld den Armen. Der Reiche ging mit großer Erbauung von hier fort.

Wer auf sein Geld und nicht auf Gott vertraut, den (dem) nimmt es Gott.

Ein Gärtner arbeitet sehr emsig und vertheilte all seinen Gewinn unter die Armen. Er behielt sich nur so viel zurück, als er zu seinem Lebensunterhalte nöthig hatte. Nachhin gab ihm der Satan die Versuchung in das Herz: auch etwas Geld für sich zu sammeln, damit er etwas für seine Nothdurft habe, wenn er alt oder krank werden sollte.

Er sammelte nun Geld und gab den Armen wenig oder nichts. Da wurde er krank und es fing ihm der Fuß zu faulen an. Nun mußte er Alles, was er gesammelt hatte, an die Aerzte hingeben und doch half ihm Alles nichts. Ja es kam so weit, daß ihm ein Arzt das Bein abnehmen wollte. Es wurde nun zur Absägung des Fußes der Tag bestimmt.

In jener Nacht ging er in sich, that Buße, seufzte, weinte und sprach: O Gott, sei eingedenk meiner früheren guten Werke, als ich noch in meinem Garten arbeitete und den Erlös meiner Arbeit den Armen gab!

Da stand ein Engel vor ihm und sprach: Wo ist jetzt das gesammelte Geld? Und wo ist die Hoffnung, die du darauf gesetzt hast?

Er verstand und sagte: Ich habe gesündiget, o Herr, verzeihe mir; ich will fernerhin nicht mehr so handeln.

Hierauf berührte der Engel seinen Fuß und er ward gesund. Der Gärtner arbeitete wieder fleißig in seinem Garten und schenkte den Erlös wieder den Armen; nicht mehr auf Geld, sondern auf Gott vertrauend.

In Originalschreibweise; nur etliche Beistriche geändert, weil sonst beim Nachwuchs das totale Rechtschreibchaos ausbricht.

Vergleiche: Crash-Chronik

Vergleiche:
Hercule Poirot: „Geld bringt Schwierigkeiten, Unruhe, Habgier und so weiter.“
Agatha Christie: Elephants Can Remember, 1972. Elefanten vergessen nicht. Scherz Verlag Bern, 1979, Seite 102

 

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