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Ehmig: Gleichnisse

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Christlich: immerwährender Kampf auf Leben und Tod

24.2.2009
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1867. Erster Band. Stichwort: Christlich. Seite 399ff.

Vor einem oder zwei Jahrzehnten forderte ein junger Priester auf dem Grieser Platz bei einer Primizfeier vor der barocken neuen Pfarrkirche
mit ersterbender Stimme die Menge auf: „Kämpft nicht!“ Das war eine falsche Botschaft. Nachstehend die richtige:

Christlich leben heißt, bis ans Ende tapfer streiten.

Nach einer alten Volkssage wurden die Verbrecher, welche zum Tod verurteilt wurden, in einem gewissen Reiche nicht gehenkt und geköpft, sondern der eisernen Jungfrau überliefert. Es war dies ein Verschlag, in dessen Hintergrunde eine Maschine angebracht war, die den ganzen Verschlag durchwanderte und mit langen, scharfgeschliffenen Dolchen besetzt war. Wie in einer Brettmühle das Gestelle mit der Säge von einem Ende bis zum andern schreitet, so setzte sich auch diese Dolchmaschine durch ein Triebwerk in Bewegung und durchschritt den Raum von hinten nach vorn. Die Maschine ließ sich mittels eines Stockes zurückschieben, schritt aber immer wieder von Neuem vor.

In diesen Verschlag sperrte man die zum Tode verurteilten Verbrecher, reichte ihnen einen Stock, um die Maschine zurückzudrängen, gab ihnen Speise und Trank und überließ sie ihrem Schicksale. Entfliehen konnten sie nicht. Jeder mußte darin, je nach der Größe seines Verbrechens, eine Anzahl Tage zubringen.

Lebte er nach Ablauf der Strafzeit noch, dann wurde er in Freiheit gesetzt und reich beschenkt entlassen; doch die Wenigsten kamen lebendig davon.

Wer nun sein Leben erhalten und sich gegen diese eiserne Jungfrau schützen wollte, der mußte während seiner Strafzeit arbeiten, alle Kräfte anstrengen, um die Maschine zurückzudrängen, er durfte sie sich nicht auf den Leib kommen lassen, durfte auch nicht schlafen. Vergaß er in der Angst, zu essen und zu trinken, so wurde er matt, seine Kräfte reichten nicht mehr hin, sie zu überwinden, die Maschine rückte ihm auf den Leib, und konnte er nicht mehr Zeit gewinnen, die all zu nahe Maschine zurückzustoßen, so war es sein Tod.

Viele erkämpften ihr Leben, wurden als Tapfere vom Volke und Könige geehrt, gespeiset, erquickt, reicht beschenkt und in Freiheit gesetzt. Solche freuten sich ihr Leben lang hoch ihres errungenen Sieges. Viele, besonders die Sorglosen, die Schlafenden, die nicht aßen, die den Stock entfallen ließen, endeten, vielfach durchstochen, auf eine erbärmliche Weise ihr Leben. –

Diese Verbrecher sind alle Menschen; die eiserne Jungfrau mit ihren Dolchen ist die Erbsünde mit den aus ihr entspringenden sieben Hauptsünden, bösen Neigungen und Begierden. Das immer sich erneuernde Andringen ist die stete Wiederkehr böser Gedanken und Begierden. Der Stab ist der durch den Glauben gestärkte feste Wille, nicht zu sündigen; das Zurückdrängen ist der Kampf, das Ausschlagen böser Gedanken, das Versagen der Einwilligung in die böse Begierde; die stärkende Speise ist das Gebet, das Andenken an Gott, an Himmel und Hölle und der öftere Empfang der Sakramente der Buße und des Altares, welches letztere die Sinnlichkeit schwächt; der Verschlag ist die unzertrennliche Verbindung des Leibes und der Seele; die Tage des Kampfes sind die Lebenszeit; die von der Maschine Getöteten sind Jene, die in die böse Begierde einwilligen, ihre Seele töten und in die Hölle kommen; die lebendig Gebliebenen, reich Beschenkten, Geehrten und in Freiheit Gesetzten sind die Gerechten, welche ihre Seele vor der Todsünde bewahren, in der heiligmachenden Gnade sterben und im Himmel in Ruhe und unaussprechlicher Seligkeit bei Gott sich erfreuen.

Scheuen wir also nicht den Kampf mit unseren bösen Gedanken und Begierden, kämpfen wir, willigen wir nie ein!

·       Der Kampf ist kurz, der Lohn ist ewig! (Anmerkung ETIKA: ein Ausspruch der hl. Teresa von Avila)

·       Die böse Lust währet kurz, die Qual in der Hölle endet nie!

Ringen wir, damit wir ins ewige Leben eingehen! Der Kampf dauert lebenslänglich bis zum Tode, denn ist auch die Sinnlichkeit und ihre Versuchung in der Jugend heftiger, so ist doch auch das Alter nicht frei von Versuchungen des Zornes, des Neides, des Geizes, der Hoffart, der Feindschaft und Rache. Der Preis ist Himmel oder Hölle. Je nachdem man siegt oder besiegt wird und in die Sünde fällt.

·       Das Leben eines guten Christen ist also ein immerwährender Kampf auf Leben und Tod.

Brüder, wenn ihr nach dem Fleische lebet, werdet ihr sterben; wenn ihr aber mit dem Geiste die Werke des Fleisches abtötet, werdet ihr leben. Röm. 8, 12. 13.

 

Ohne Vereinigung mit Christus fehlt es an der Gnade, folglich kann man nicht christlich leben

Ohne Gnade kann man nichts Gutes tun; man kann nicht einmal mit Ehrfurcht sagen: Herr Jesus. Die Gnade kömmt von Christus; also muß man, um Gnade zu haben, mit Christus verbunden sein; die Verbindung wird bewirkt durch den Glauben.

In dieser Hinsicht gleichet Jesus dem Weinstocke, die Gläubigen den Reben, die Gnade dem Safte, die Trauben den Tugenden und guten Werken. Eine Rebe kann nur dann Frucht bringen, wenn sie mit dem Weinstocke verwachsen ist und aus diesem Saft ziehet, den sie verarbeiten kann. Abgetrennt verdorrt sie. So ist es mit den katholischen und abtrünnigen Christen in Betreff der Gnade.

 

Die christliche Religion ist vortrefflich, wenn sie befolgt wird.

Der chinesische Mandarin des Distriktes Te-Yang sagte öffentlich von der christlichen Religion:

„Sie ist schwer und streng und verpflichtet die Menschen zu großen Opfern. Wenn jedoch alle Menschen einwilligen könnten, diese Religion anzunehmen und ihren Gesetzen und Vorschriften zu folgen, so würden wir gewiß keine Wachthunde mehr nötig haben, um unsere Häuser zu hüten oder Räuber hinwegzuscheuchen; es würde nicht einmal nötig sein, während der Nacht unsere Türen aus Vorsicht gegen schlechte Menschen zu schließen, weil alsdann alle Menschen bieder und gewissenhaftig sein würden.“

Und doch ließ dieser Mandarin jene Christen, welche ihre Religion verteidigten, auf den Mund schlagen. So viel vermag Vorurteil, mit der Muttermilch eingesogen. Wir Christen sollten daher nicht über schlechte Zeiten klagen, sondern an unsere Brust schlagen und reumütig bekennen:

·       Unsere Religion ist sehr gut: aber wir erfüllen ihre Gebote nicht!

Darum sind die Menschen schlecht und schlechte Menschen machen schlechte Zeiten!

 

Rechtschreibung geringfügig angepaßt zwecks Erleichterung der Übersetzung in andere Sprachen

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