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Ehmig: Gleichnisse

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Fasten

25.2.2009
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Zweiter Band. Stichwort: Fasten. Seiten 43-46

Das Fastengebot muß man strenge beobachten.

Eines Donnerstags Abends kehrte in Tyrol in einem Wirthshause ein Fremder ein und übernachtete. Freitag Morgens verlangte er Fleisch.

Die Wirthin sagte: Sind Sie katholisch? – Allerdings. – Heute ist Freitag. – Was Freitag! Fleisch will ich; überall bekommt man Fleisch; seid ihr Tyroler allein so heylig? auch Andere sind gute Christen, wenn sie auch Fleisch essen. –

Wird schon sein, sagte die Wirthin, aber weil wir in Tyrol sind, wollen wir mit den Tyrolern halten; hier wird das Fastengebot strenge beobachtet. –

Ei, sagt mir doch, wenn die Tyroler so fromme Gotteskinder sind, woher kommt es denn, daß sie Gott so straft? Kein Land wird so oft und so stark durch Hagel, Wasser und Feuer verheert, als Tyrol. –

Das kommt daher, sagte die Wirthin, weil Gott diejenigen züchtiget, die er liebt. –

Hierauf schwieg der Fremde und forderte kein Fleisch mehr.

Das Fasten und sein körperlicher Nutzen.

Karl der Große wußte in einem Alter von achtundsechzig Jahren noch nichts von Krankheit, denn er bewegte sich viel und war höchst mäßig in Speis und Trank. Stieß ihm eine Unpäßlichkeit zu, so heilte er sich durch Fasten. (Anmerkung ETIKA: Mahatma Gandhi tat dasselbe; man lese seine Schriften.)

Fasten und Abtödtung des Gaumens ist ein Sieg über seine Leidenschaften.

Der heilige Vinzenz von Paul war beflissen, alle seine Sinne abzutödten, besonders aber den Sinn des Geschmackes. Nie stand er vom Tische auf, ohne sich einen Abbruch gethan zu haben. Viele Jahre bediente er sich sogar eines sehr widerlichen Pulvers, welches er unter die Speisen mischte, um der Sinnlichkeit wehe zu thun. Dadurch hatte er die Lüsternheit des Gaumens so ertödtet, daß ihm alle Speisen beinahe gleichgiltig waren.

Als er einst sehr ermüdet nach Hause kam, wurde ihm aus Versehen ein Paar ungekochte Eier vorgesetzt; er genoß sie ganz ruhig, ohne es im Geringsten zu ahnden.

Selbst in seinem höchsten Alter und bei aller Kränklichkeit wollte er nicht zugeben, daß ihm eine besondere Speise bereitet würde; die Fasten hielt er sehr strenge; schon sein Mittagsmahl war an diesen Tagen sehr sparsam und am Abende genoß er Nichts, als etwas Obst und ein wenig Brod.

Das beste Fasten ist, sich täglich einen kleinen Abbruch zu thun.

Abt Poemen antwortete auf die Frage, wie man fasten müsse: Ich will, ein Mönch soll alle Tage etwas weniges essen, jedoch so, daß er niemals satt wird; denn ein zwei- und dreitägiges Fasten gibt leicht Anlaß zur Ruhmsucht und Eitelkeit. Die heiligen Väter haben nämlich dieß Alles versucht und gefunden, es sei am besten, alle Tage zu fasten und so wenig zu essen, daß man stets hungrig sei. Diesen Weg wiesen sie uns als den besten und leichtesten.

Das Fasten vertreibt unkeusche Gedanken und Begierden.

Ein Bruder bat einen Altvater um Rath, wie er die unkeuschen Gedanken und Begierden vertreiben könne? Der Altvater gab ihm zur Antwort:

Ich bin in diesem Stücke niemals angefochten worden; denn seit ich Mönch geworden bin, wurde ich niemals satt, weder am Brode, noch am Wasser, noch am Schlafe und der Gedanke an dieses Alles befreite mich von jedem solchen Kampfe.

Wenn ein Kaiser eine feindliche Stadt erobern will, so schneidet er ihnen zuerst die Lebensmittel und das Wasser ab, damit die Feinde durch Hunger und Mangel gezwungen werden, sich seinem Reiche zu unterwerfen. Ebenso werden die Fleischeslüste, wenn du fastest und Hunger leidest, entkräftet und verlieren ihre Stärke gegen deine Seele. Denn was ist so stark, wie ein Löwe? Und doch treibt ihn der Hunger in den Käfig und demüthigt alle seine Kräfte.

Die Katholiken im Fasten beschämt von Abyssiniern und Türken.

Die Abyssinier fasten strenge. Als die protestantischen Missionäre sich bemühten, sie zu bekehren, wendeten sie ein ganz verkehrtes Mittel an. Während einer ihrer feierlichsten Fasten stellten die Missionäre frisch geschlachtetes Fleisch im Missionshause aus, um die Armen und Hungrigen zu versuchen, gegen ihr Gewissen zu sündigen.

Aber die hungernden Abyssinier wurden durch dieses Verfahren nur empört und es erregte so allgemeinen Unwillen und Verachtung, daß man die Missionäre für keine Christen erklärte und als sie endlich abreisten, hinterließen sie nicht einen einzigen Freund. Die protestantischen Missionäre sind Familienväter und von weltlichen Sorgen in Anspruch genommen; darum hassen sie das Fasten. Dadurch stoßen sie nicht nur die Christen, sondern selbst die Türken und Heiden von sich.

„Das Volk bringt mich um´s Leben mit seinem Schwätzen über das Fasten,“ sagte ein in Afrika reisender Engländer. „Zwei junge Touarik-Mädchen kamen zu mir und fragten mich, da sie nie zuvor eine Person gesehen haten, die nicht fastete: „Du, Christ, fastest du?“ – „Nein, die Christen fasten nicht.“ – „Wissen die Christen nichts von Gott? Was können diese Engländer (Protestanten) nur sein? Sind sie Juden? Oder Muhamedaner, oder was sonst?“

Und wenn einige schonend bemerkten, sie könnten möglicherweise eine Art verderbter Christen sein, so pflegten die Umstehenden zu entgegnen: „Christen? Unmöglich! Sie fasten ja nicht!“

So urtheilen Abyssinier, Türken und Heiden über jene Christen, die nicht fasten; sie fühlen, das Fasten gehöre zur Verehrung Gottes, und sei ein Mittel, die unordentlichen Begierden des Leibes unterthänig zu machen und für die Sünden Buße zu thun.

Fasten und Keuschheit verlängert das Leben.

Johannes der Einsiedler konnte aus langwierigem Gebrauche und steter Gewohnheit nur am Abend eine Speise zu sich nehmen und da nur wenig; denn er war vom Fasten ganz dürr und abgemagert am Leibe. Seine Haare und sein Bart waren dünn wegen Mangel an Feuchtigkeit, weil sie nämlich keine hinreichende Speise nährte, noch ein Saft in sie sich ergoß. Er aß auch im Alter von neunzig Jahren keine gekochten Speisen. Der heilige Antonius wurde über neunzig, der heilige Paulus über hundert, der heilige Apollonius über achtzig Jahre alt.

Fasten kann und soll man ohne Aufsehen.

Die heilige Barbara von Avrilliot übte sich beständig, aber unvermerkt in der Selbstbeherrschung, darum duldete sie längere Zeit eine Person um sich, deren Manieren ihr zuwider waren.

Ihre Nahrung war so mäßig, daß sie immer noch mit einigem Hunger vom Essen aufstand. Was sie sich von ihrer Nahrung abzog, gehörte den Armen und diese erhielten immer das Beste, während sie das weniger Gute aß, ja sich an manchen Tagen mit Wasser und Brod begnügte.

Fasten schadet der Gesundheit nicht.

Der heilige Mauritius, Bischof von Angers, führte bis zu seinem Tode das ärmste Leben; das Brod der Armen war seine Speise, der Boden war sein Lager.

In der heiligen Fastenzeit mahlte er das Getreide, das er zu seinem wenigen Brod bedurfte, selbst; und dieß rauhe Brod mit Salz und Wasser war sein Leckerbissen.

Obschon er aber ein solch strenges Leben führte, erreichte er doch ein Alter von neunzig Jahren und war niemals krank; vielmehr war sein Angesicht immer wie eine blühende Rose und sein Körper immer rüstig.

Durch Fasten büßt man Sünden ab.

Dem heiligen Rembertus erschien die Seele eines vor kurzer Zeit verstorbenen Priesters und bekannte, er werde im Fegfeuer wegen zu vieler Begierde nach Speis und Trank und wegen Verschwendung der Zeit hart geplagt, er könne aber erlöset werden, wenn der Heilige für ihn vierzig Tage in Brod, Wasser und Salz fasten wolle. Rembertus fing diese Fasten an, erlöste dadurch diese Seele, welche ihm hernach dafür dankte und die ewige Glorie verkündigte. Nadasi. 4. Febr.

Das Fasten ist gesund.

Viele Aerzte behaupten, daß Fieber am vierzigsten Tage ihr Ende nehmen; auch ist bekannt, daß Reisende, welche aus pestkranken Ortem kommen, sich einer vierzigtägigen Kontumaz unterziehen müssen. Ueberhaupt ist die vierzigtägige Fastenzeit gesund.

Ein vornehmer Herr wurde von übermäßigem Essen und Trinken krank und hatte allen Apetit verloren. Um seine Gesundheit wieder zu erlangen, reiste er auf Anrathen der Aerzte in ein Bad. Unterwegs wurde er von einem seiner Feinde gefangen und in ein Zimmer eingesperrt. Zur Mittagszeit kam ein Diener und brachte ihm Bohnen und Wasser. Darüber erzürnt, verlangte er bessere Kost, auch begehrte er mit dem Herrn darüber zu sprechen; doch man gewährte ihm weder das eine noch das andere. Bohnen mochte er nicht essen; lieber litt er Hunger.

Da er aber nichts Besseres bekam und der Hunger ihn peinigte, aß er am Ende doch die Bohnen und trank Wasser. Nach und nach wurde er so gesund, daß er, als man ihn aus seiner Haft entließ, kein Bad mehr benöthigte.

Durch das Fasten wurden die ungesunden und überflüssigen Säfte verzehrt. P. J. Antonius a S. Gerardo in seinem Lazarus J. Discuso.

Gott straft die Verspottung des Fastens.

Im Jahre 1592 hat sich bei Breslau ein lustiges Trauerspiel zugetragen. Ein dortiger Ketzer hat am Freitage Fleisch gegessen, dringt auch einem Bauern einen Brocken mit Gewalt auf und schmiert es ihm um´s Maul herum; dieser will aber nicht essen.

Nun nimmt der Ketzer das Fleisch wieder und sagt: Siehe, dieses Stückel wird mir gut schmecken, und reißt zugleich das Maul weit auf. Aber die Strafe Gottes folgte unverzüglich nach; denn er konnte auf keine Weise mehr das weite offene Maul zusperren; aller Fleiß und Mühe der Doktoren war umsonst; er mußte ein steter Maulaffe bleiben. Hätte er doch sein Maul gehalten!

Das Fasten schwächt weder die Gesundheit, noch kürzt es das Leben.

Auf einer der Anhöhen, welche den Golf von Neapel umgeben, liegt ein Kloster der Kamaldulenser. Die Thätigkeit dieser Leute besteht im Schweigen und Beten. Die einfachste Pflanzenkost reicht hin, den Verlust zu decken, den diese Anstrengungen nach sich ziehen.

Mein Führer, so erzählt Professor Harsen in der Kirchenzeitung 1859 Nro. 17, welcher bei dem Aussehen eines Vierzigers siebenzig Jahre zählte, war der Jüngste seiner Genossen. Er versicherte, daß es unerhört sei, daß ein Kamaldulenser vor dem neunzigsten Jahre sterbe. Sehr Viele werden hundert überschreiten. Das Fasten schadet also nicht.

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