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ETIKA |
Ehmig: Gleichnisse |
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18b8gefu |
Gefühl |
25.2.2009 |
Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen
über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger
und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien.
Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig,
em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer
Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Zweiter
Band. Stichwort: Gefühl. Seite 188f.
Die Gefühle des Menschen richten sich nach seinen
Ansichten und Kenntnissen von Gott.
Tamerlan, der Mongolenführer, eroberte
beinahe ganz Asien.
· Zweitausend
Einwohner von Sebsewar ließ er lebendig übereinander schichten und statt der Steine mit Kalk zu Thürmen aufmauern.
· Siebenzigtausend
fielen in einer Blutbade nach der
Einnahme von Ißfahan.
· Hunderttausend Hindus ließ er
niederhauen.
· Nach der Einnahme
von Siwas wurden viertausend armenische Reiter lebendig begraben.
· Nach der Einnahme
von Bagdad mußte jeder Krieger einen Kopf bringen, oder
den seinigen verlieren, und es wurden neunzigtausend
Köpfe gebracht.
Dazu denke man sich die Millionen, die
durch die Willkür dieses Einen Hab und Gut ohne Schuld verloren, ihre Hütten in
Rauch aufgehen, ihre Weiber und Kinder gemißhandelt
sahen und endlich selbst eines martervollen Todes sterben mußten.
Man denke die umgestürzten Reiche, das
ganze aufgeregte Asien, die Unruhe, die Angst, die Flucht, die Hungersnoth!
So ganz ohne Menschengefühl war Tamerlan, weil er von Gott und Religion gar nichts wußte; die Gefühle, besonders die besseren, entspringen aus
der Relglionskenntniß; daher auch alle Irrgläubigen
der wahren edlen liebevollen Gefühle gegen ihre Mitmenschen unfähig sind, wie
es alle ihre Religionskriege beweisen, die grausam waren gegen die Katholiken.
Irrige Anschauungen und Begriffe über Religion leiten auch die Gefühle irre.
Gefühle werden erstickt durch Erziehung.
Das römische Volk war von Natur aus wild und grausam.
· Die Gewohnheit,
Leib an Leib zu kämpfen, und dadurch sich mit Vergießung
des Blutes und dem Geschrei der Sterbenden zu befreunden;
· die Gewohnheit,
die Fechter sich unter einander tödten, oder gegen
die wilden Thiere kämpfen zu sehen, und einen Genuß an ihren Schmerzen und Zuckungen zu finden;
· der den Herren
über die Sklaven gewährte fürchterliche Despotismus;
· das den Vätern
über ihre Kinder ertheilte Recht über Leben und Tod,
das sie aus Privatrache gebrauchten;
· die zu häufige
Anwendung von grausamen Strafen, bei
welchen Unglückliche öffentlich mit Ruthen gehauen, an Kreuze genagelt, vom tarpeischen Felsen hinabgestürzt wurden;
· der blutige Prunk
der Triumphe mit den (…, Druckfehler)
Gefangenen, die man in Ketten dabei mitschleppte, verschwendeten
Beschimpfungen, und der gewaltsame Tod, der sie am Ende ihres Ganges erwartet;
dieses alles nährte die Grausamkeit eines
von Natur harten Volkes und stumpfte seine besseren Gefühle ab.
„Fortwährend Unmenschlichkeit,“ ruft Cicero, „bringen
uns um jedes menschliche Gefühl.“
Die Wildheit hatte ihre Seelen so grausam
gemacht, daß es besser war, mit den wilden Thieren, als in diesem Freistaate zu leben.
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