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ETIKA |
Ehmig: Gleichnisse |
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18b8irre |
Irrende, Irrglaube |
20.1.2010 |
Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen
über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger
und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien.
Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig,
em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer
Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter
Band. Stichwörter: Irrende. Irrglaube. Seite 3f.
Irrende.
Irrende muß man durch Belehrung und Überzeugung
heilen.
Der Irrtum ist eine Krankheit des Verstandes; die irrigen
Ansichten und Meinungen über die Religion sind der Krankheitsstoff der Seele,
welche nur in der christkatholischen Wahrheit gesund bleibt. So wie nun der
Krankheitsstoff aus den Körpern durch Arznei fortgeschafft wird, durch Brech-
und Abführmittel, durch Baden und Schneiden: so der Irrtum aus der Seele durch
Belehrung, Unterricht und Überzeugung. (Anmerkung
ETIKA in Anlehnung an Savonarola und das Buch „Christen, seid alle eins!“: Es
kommt natürlich darauf an, was man unter katholisch versteht. Heute eine schwierige
Sache, wenn man täglich die Zeitungen liest und vom Abfall der Kirchenführer
erfährt.)
Irrglaube.
Der Irrglaube macht hart und lieblos.
Einmal wäre der heilige Franz von Sales durch die Herzenshärte
der ketzerischen Inwohner eines Dorfes beinahe umgekommen. Er war bei Nacht
während eines furchtbaren Regens dort angelangt. Niemals konnte er es aber erlangen,
unter Dach und Fach zu kommen; alle seine Bitten um Nachtherberge waren
vergebens. Er war also genötigt, die ganze Nacht vom Regen sich durchnässen zu
lassen; und er lobte Gott gleich den Aposteln, daß Er ihn würdig achtete, um
der Ehre Seines heiligen Namens willen zu leiden.
Der Irrglaube macht grausam gegen die Katholiken.
Die Vandalen
hingen der Irrlehre des Arius an und
wurden dadurch grausame Feinde der Katholiken. In Afrika steckten sie Alles in
Brand, plünderten Städte und Dörfer, ohne der Gotteshäuser und Kirchen zu
schonen, und vergossen Ströme von Blut. Zwei Bischöfe verbrannten sie lebendig;
andere peinigten sie mit grausamer Wut. Zu Karthago
verheerten sie alle öffentlichen Gebäude, den Bischof und die angesehensten
Bürger verwiesen sie ins Elend. Es wurden nicht nur die Katholiken mit den ausgesuchtesten
Martern gepeinigt, sondern auch die Kirchen gottesräuberisch erbrochen und
entehrt; zu Tinucius,
einer Stadt, traten die Soldaten den Leib und das Blut Jesu mit Füßen. Der
König verbot den katholischen Bischöfen das Predigen.
Der Irrglaube macht grausam gegen die Katholiken.
Im Canton Graubünden lebte ein frommer
katholischer Pfarrer, mit Namen Ruska.
Er war vielen Irrgläubigen, besonders aber den Predigern eine verhaßte Person.
Weil sie ich n nicht widerlegen konnten, so trachteten sie ihn aus der Welt zu
schaffen. Aus politischen Gründen wurden die Katholiken von den Protestanten
verfolgt, aus dem Lande gejagt, Manche sogar getötet. Die Prediger ahmten die
Handschrift Ruskas nach, schrieben falsche Briefe und
ließen ihn, den achtzigjährigen Greis, als Staatsverräter
ins Gefängnis setzen. Hier wurde er an den Daumen, die Hände rücklings
gebunden, in die Höhe gezogen. So ließen sie ihn drei Tage und drei Nächte
hängen, immer in ihn dringend, daß er sich als Landesverräter bekenne. Während
seiner Qual spieen sie ihn an, schlugen ihn mit Fäusten und drehten den Leib am
Seile im Kreise herum; dann gingen sie zur Tafel mit schlechten Weibspersonen.
Das Seil zerriß, Ruska fiel herab, es sprangen einige Adern, das Blut drang zum
Mund und Nase heraus, er starb schweigend und verzeihend als Martyrer. Nicht
zufrieden mit seinem Tode, schleiften sie seinen Leichnam zum Galgen, warfen
ihn in eine Grube und füllten diese mit Steinen, unter Lärm und Gelächter. In
derselben Nacht ereignete sich in Graubünden ein Bergsturz, so daß die ganze Stadt Plurs mit einigen Tausend Menschen, Vieh und Häusern plötzlich
zugeschüttet und begraben wurde.
Irrglauben erzeugt Haß gegen die Katholiken.
Nachdem es in den Landesteilen Litauens, in denen die katholische
Bevölkerung nur einen kleinen Bruchteil ausmacht, zur Regel geworden ist, jedes
neugeborene Kind katholischer Eltern auch gegen deren Willen von Amtswegen
griechisch-orthodox (Anmerkung: richtig
wohl: russisch-orthodox) taufen zu lassen, befahl der Landeschef auch in Samogitien, das
von einer katholischen Bevölkerung bewohnt ist, mit dieser Art Russifizierung
vorzugehen. Ins Haus einer Bäuerin trat der russische Pope und taufte dort mit
Gewalt das neugeborne Kind nach griechischem
Ritus. Der hierüber in Zorn versetzte Vater, ein eifriger Katholik, erschlug sein eignes Kind, und stellte sich
hierauf selbst dem Gerichte mit der Bemerkung, daß er jede Strafe der Sünde
vorziehe, ein Kind als Ketzer zu erziehen. Der Landeschef wurde wegen dieser Russifizierungswut abgesetzt.
Irrglaube macht grausam gegen Katholiken.
Der Erzbischof
von Warschau, Sigismund Felinsky, weilt noch
immer als Gefangener in Jaroslaw.
Seine Wächter, die alles Gefühls bar sind, beraubten ihn einige Tages des
letzten Trostes. Sie entrissen ihm seinen Kelch und seinen Tragaltar, den ihm
der heilige Vater geschenkt hatte und auf welchem der
Erzbischof täglich das heilige Meßopfer für seine
Gläubigen darzubringen pflegte. Und nicht damit zufrieden, neckten sie ihr
Opfer auf die grausamste Weise, indem sie glaubten, dadurch seine Festigkeit
und die Liebe zum Vaterlande zu erschüttern; Niemand würde es glauben, daß die
Russen solche Rohheiten gegen ihren Gefangenen verübt
hätten, wenn nicht die verläßlichsten Zeugen dies bestätigt hätten.
Anmerkung
1: So wie P. Franz Ehmig Meldungen über Unrecht gesammelt
und angeprangert hat, sammeln auch heute Christen Meldungen über Unrecht und
werden sie spätestens beim Letzten Gericht kundtun.
Anmerkung
2: statt dem altertümlichen th schreiben wir t, statt
dieß dies und dergleichen, um die Übersetzung in
andere Sprachen zu erleichtern.
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