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Ehmig: Gleichnisse

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Jubel. Juden. Jugend.

28.2.2010
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwörter: Jubel. Juden. Jugend. Seiten 15f.

Jubel.

Die Heiligen hatten die Gabe des Jubels.

Die Gabe der Jubilation wohnte vor vielen Andern der Maria von Oignys bei, die, als sie dem Tode nahte, ihr Herz mit Freude, ihre Lippe mit Gesang erfüllte. Sie begann nämlich mit hoher und klarer Stimme zu singen und hörte nicht auf, drei Tage und Nächte lang Gott zu preisen, Ihm Dank zu sagen und den lieblichsten Gesang von Ihm, den Engeln, der heiligen Jungfrau und den anderen ihr befreundeten Heiligen in süßer Modulation zu singen.

Sie hatte in dieser Zeit niemals angehalten, um sich auf den Inhalt zu besinnen, um den gefundenen in Verse zu setzen; sondern Gott gab es ihr und legte ihr Alles in den Mund und es war nicht anders, als wenn der Gesang ohne Anstrengung eingegossen würde. So war es denn ein Jubel ohne Unterlaß und da sie den ganzen Tag mit hoher heller Stimme gesungen hatte, wurde sie heiser, so daß sie beim Anbruche der Nacht kaum einen Laut hervorzubringen vermochte.

In der Morgenfrühe des andern Tages begann sie wieder aufs Neue höher noch und heller ihren Sang; denn der Engel des Herrn hatte alle ihre Heiserkeit hinweggenommen; und so ließ sie mit erneuten Kräften nicht ab, den ganzen Tag hindurch Gottes Lob zu singen. So endete sie, nachdem sie drei Tage also gejubelt und gesungen.

Juden.

Haß der Juden ist unchristlich.

Als in Deutschland ein Kreuzzug zustande gekommen war und mächtige Kriegsscharen sich sammelten, um den Christen im heiligen Lande zu Hilfe zu kommen, da forderte ein Mönch im falschen Eifer das Volk auf, die Juden zu vertilgen; derselbe durchzog viele Städte und verführte das Volk, die Juden zu berauben und zu töten. Dieses Volk hatte damals eine schwere Zeit, bis der heilige Bernhard das christliche Volk durch seine Predigten beruhigte. Er sprach:

Ziehet gegen Jerusalem, verteidiget das Grab unseres Heilandes; aber rühret die Juden nicht an und sprechet nur mit Wohlwollen zu ihnen; denn sie sind Fleisch und Bein Jesu Christi und wenn ihr sie belästiget, so laufet ihr Gefahr, den Herrn in Seinem Augapfel zu verwunden. Der Pater hat nicht nach der Wahrheit geprediget. Das Volk hörte auf ihn und ließ seinen Zorn gegen die Juden fahren.

Jugend.

Der Jugend ist Geld und Freiheit gefährlich.

Bei der Jugend erwacht die Liebe, der Geschlechtstrieb, die Vergnügungssucht und das Verlangen nach Freiheit und Unabhängigkeit mit Heftigkeit. Wer sie ohne Beschäftigung und ohne Aufsicht läßt, ihnen Geld und Freiheit gibt, der richtet sie moralisch zu Grunde. Sie gleichen wohlgenährten Pferden, die lange müssig im Stalle stehen; sie zerschlagen Alles, oder trachten, durchzugehen und wenn es ihnen gelingt, so zertrümmern sie Wagen und Pflug und beschädigen sich selbst.

Die Jugend ist die Zeit der Tugend und des Lernens.

Die Kindheit und Jugend ist die Zeit, um Tugend und Kenntnisse zu erwerben; da ist man fürs Gute empfänglich, man glaubt der Religion ohne Zweifel und Grübelei, man hat nicht mit großen Leidenschaften zu kämpfen, man besitzt da die nötige Geduld und Unterwürfigkeit, man ist geduldig, und hat nichts Anderes zu tun, als Kenntnisse zu sammeln, welche in reiferen Jahren zur Anwendung kommen sollen.

·       Darum liebe Jugend, sammle dir Kenntnisse, übe die Tugend.

Eltern, die nicht darauf sehen, daß ihre Kinder etwas lernen; Kinder, welche aus Trägheit nichts lernen, beschämet das Kamel. Wenn das junge Kamel einen Monat alt ist, so beginnt seine Erziehung. Man biegt ihm die Beine unter den Bauch und bedeckt es mit einem Zelttuche, an dessen Rändern schwere Gewichte hängen, die ihm das Aufstehen unmöglich machen. So muß es vier Monate lang liegen und bekommt nur spärliche Nahrung. Nach dieser Zeit erlaubt man ihm oft aufzustehen und nun werden die Kinder des Hauses seine Lehrer. Zweimal im Tage bringen sie ihm Nahrung; aber ehe sie ihm diese reichen, schlagen sie mit einer Gerte an seine Beine und das junge Tier ist klug genug, schnell niederzuknieen und knieend sein Futter zu empfangen. So gewähnt sich das Kamel, auf ein Zeichen immer niederzuknieen, wenn man es besteigen oder mit Waren beladen will; was bei einem so hochbeinigen Tiere dem Menschen sonst nicht möglich wäre.

Haltet also euere Kinder zur Tugend und zum Lernen an; denn in der Jugend lernt man am leichtesten.

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Anmerkung: Statt auf´s schreiben wir aufs, statt zu Stande zustande, statt Kriegsschaaren Kriegsscharen, statt tödten töten, statt vertheidiget verteidiget, statt thun tun, statt Ältern Eltern, statt Kameel Kamel, statt Thier Tier, statt Waaren Waren und dergleichen, um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern. Müssig ist so geschrieben.

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