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Ehmig: Gleichnisse

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18b8jung

Jungfrau. Jüngling

28.5.2010
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwörter: Jungfrau. Jüngling. Seiten 17-25.

Jungfrau.

Jungfrauen müssen keusch leben.

Das englische Parlament bat die Königin Elisabeth, sie möchte sich doch vermählen, damit sie den Thron ihren Nachkommen vererben könnte. Aber dazu war Elisabeth nicht zu bringen, sie wollte nicht unter einem Ehemann stehen und sagte, sie wünsche ewig Jungfrau zu bleiben, daß man einst auf ihren Grabstein setzen könne: Hier ruhet die jungfräuliche Königin Elisabeth! Die Heuchlerin! Ganz England wußte, wie frech sie heimlich lebte, denn sie gebar neunmal, und wie wenig sie von einer züchtigen Jungfrau besaß; aber Keiner durfte davon sprechen, sonst mußte er sterben; auch der Hof war sittenlos. Sie fühlte, daß die Jungfräulichkeit vor Gott und Menschen Achtung gibt; aber von der Keuschheit, worin die Jungfrauschaft besteht, wollte sie nichts wissen.

Solcher Heuchlerinnen gibt es unter den Mädchen viele; sie huren, zeugen Kinder, setzen sie im Gebärhause ab, verläugnen ihr Kind, handeln unnatürlich, unterdrücken die angeborne Mutterliebe; dennoch lassen sie sich Jungfrauen nennen und gehen mit dem jungfräulichen Kranze zur Trauung, den Leib bereits mehrere Monate befruchtet! O Heuchlerinnen! Keuschheit macht das Mädchen zur Jungfrau! Strebt ihr nach der Ehre der Jungfräulichkeit, so lebet auch keusch!

Jungfräulichkeit ehrten sogar die Heiden.

Nach der alten fabelhaften Götterlehre der Griechen und Römer war die Göttin Vesta die Tochter des Kronos und der Rhea. Mehrere Götter begehrten sie zur Gemahlin, aber sie schwur, Jupiters Haupt fassend, immer Jungfrau bleiben zu wollen. Dafür bestimmte Jupiter ihr die höchste Ehre, in der Versammlung der Götter obenan zu sitzen, ihren Platz mitten im Hause zu haben, das Mark der Opfer zu empfangen und von den Menschen als oberste Göttin gepriesen zu werden.

Daher kam es, daß in jedem Hause der Herd, der Mittelpunkt der Familie, das Heiligtum der Vesta war, und der Tempel derselben stand überall mitten in der Stadt. Ihre Priesterinnen waren Mädchen, die in einem Kloster beisammen lebten; sie hatten große Ehre beim Volke und konnten dem Verbrecher Leben und Straflosigkeit erbitten; wehe ihnen dagegen, wenn sie nicht keusch lebten! Sie wurden lebendig eingemauert.

Aus der Ehre, die der Obergott der Vesta erzeigte und welche diese Priesterinnen genossen, mögen wir abnehmen, daß selbst die Heiden der jungfräulichen Reinheit und Sittsamkeit ihre Huldigung nicht versagen konnten.

Im Christentum, wo wir die Keuschheit Jesu und Mariä zum Vorbilde haben, wo die Keuschheit den ledigen Personen strenge befohlen ist, gilt diese Tugend noch mehr; desto abscheulicher ist dagegen das Laster der Unkeuschheit, das in der christlichen Jugend so allgemein getrieben wird. Wie soll Gott solche Jünglinge und Mädchen in der Ehe segnen? (Anmerkung ETIKA: Unseren diesbezüglichen Kommentar zu den pädophilen Priestern usw. dieser unseligen Neuzeit schreiben wir hier nicht nieder, aber Gott kennt ihn.)

Jungfräulichkeit wurde in der Kirche stets hochgeachtet und geübt.

Überzeugt von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes, hatte die heilige Thekla sich schon in ihrem zarten Alter entschlossen, nie zu heiraten und stets im jungfräulichen Stande zu leben. Als einmal eine sehr vorteilhafte Verheiratungsgelegenheit sich zeigte, verlangten ihre Eltern, daß sie dazu einwillige. Allein sie eröffnete ihnen, wozu sie sich entschlossen habe, und bat, man möge nicht länger in sie dringen. Die Eltern, darüber unzufrieden, liebkosten ihrem Töchterlein; aber vergebens. Sie drohten ihr und auch wider vergebens. Der junge Mensch, der sie zu heiraten wünschte, ließ es auch nicht fehlen an Vorstellungen und Zudringlichkeiten aller Art. Dazu kamen noch alle ihre Anverwandten, die ihr sehr zuredeten, daß sie sich fügen möchte. Als aber alles dieses nichts helfen wollte, versuchte man es, sie mittelst der Obrigkeit durch Gewalt dazu zu zwingen; allein die heilige Jungfrau blieb in ihrem Vorsatze unabänderlich und da man gar nicht nachlassen wollte, entfloh sie, um allen ferneren Anfällen auf einmal zu entgehen. Der zugedachte Bräutigam aber, der sich dadurch beschimpft glaubte, ließ sie überall aufsuchen und da er ihren Aufenthalt erfuhr und ihren Sinn durchaus nicht zu ändern vermochte, so klagte er sie als eine Christin an und erlangte es, daß sie den wilden Tieren vorgeworfen wurde. So hoch stand die Jungfräulichkeit von jeher in der katholischen Kirche im Werte!

Die Macht der Jungfräulichkeit.

Die heilige Columba, 1467 zu Rente geboren, hatte schon früh sich in Bußwerken jeder Art geübt, hatte sich Christo im zwölften Jahr verlobt und jeden Antrag zur Ehe abgewiesen. In einem Gesichte wurde sie aufgefordert, sich in ein Kloster zu begeben, das ihr der Herr zeigen werde. Zu eben der Zeit wurde die Tochter eines reichen Mannes entführt, der dem Finder reichen Lohn versprach. Als sie auf der Landstraße ging, begegnete sie einem Manne, der, sie für die Entführte haltend, in sein Haus sie einlud. Der Mann trug ihr Essen auf. Bald sammelten sich junge Leute, die sogleich bei ihrem Anblicke, weil Alter und Schönheit zusammen trafen, die Entführte in ihr gefunden zu haben glaubten. Sie redeten sie mit schmeichelnden Worten an und fragten sie, ob sie jene Entführte sei. Columba schwieg. Die Jünglinge boten ihr Kleider und Geschmeide und baten und beschworen sie, daß sie ihnen hier, in der Verborgenheit, von Niemanden gesehen, zu Willen werde.

Der Ausdruck von Zucht und Würde, der in ihrem Antlitze lag, jagte ihnen indessen, ohne zu wissen, wie ihnen geschah, eine gewisse Scheu ein und sie hörten eine Weile schweigend an, wie sie ihnen von den Höllenstrafen, von Kürze der Lust und der harten Ahndung redete; bald aber unvermögend, dem Ungestüm ihrer Leidenschaften länger zu mäßigen, brachen sie mit den Worten auf sie ein: Nun, da du dich an deinen Liebhabern gesättigt, lügst du Keuschheit und Enthaltsamkeit; aber lebendig oder tot mußt du unser sein!

Wie sie aber gegen die Wütenden sich wehrte, wurde sie unter ihren Händen wie Stein und sie vermochten sie nicht von der Stelle zu bewegen. Blind indessen vor Lust und Eifer, wollten sie ihr die Kleider wegreißen; da sie über diesem Bestreben ein Klingen an ihr vernahmen, wähnten sie, es sei Geld und wurden nur um so hastiger; wie sie aber ihr Busentuch geöffnet, fanden sie ein Cruzifix, Reliquien und eine Geißel. Als sie bestürzt ihr die Kleider durchschnitten, sahen sie sie mit einem Bußgürtel angetan und um die Lenden mit zwei eisernen drei Finger breiten Bändern gegürtet, während zwei einschneidende Eisenketten über der Brust sich kreuzten. Vom Schrecken des Herrn geschlagen, flohen sie entsetzt von dannen und haben in kurzer Zeit, einer nach dem Andern, den Tod gefunden. Der Elende aber, der sie ihnen zugeführt, warf sich ihr zu Füßen, flehte um Verzeihung und geleitete sie bis in die Vorstadt von Trevi, wo er ihr Frauen zum Geleite nach Foligno gab und dann in der Folge sein Leben besserte.

Die jungfräuliche Würde wird auch von Wüstlingen geachtet.

In dem letzten schweren Kriege in der Krim 1854 zwischen der Türkei und Rußland, an welchem Frankreich, England und Sardinien Anteil nahmen, verpflegten barmherzige Schwestern die kranken und verwundeten Soldaten, wahre Lämmer unter Wölfe, Engel in Menschengestalt unter Menschen, die Sünden wie Wasser hineintrinken, denen besonders die Übertretung des sechsten Gebotes für keine Sünde gilt und vor denen kein weibliches Wesen sicher ist. Und doch, alle waren voll Hochachtung und Ehrfurcht gegen die Schwestern; selbst die Türken; keiner erlaubte sich ein ungebührliches Wort an sie zu richten. Solch eine Macht übt die Jungfräulichkeit auf die rohesten Menschen!

Die jungfräuliche Unschuld der Mädchen schützen ist ein gutes Werk.

In einer vielbewegten kriegerischen Zeit, welche zahlreichen verwilderten Soldaten vollauf zu tun gab, hatte Herzog Alexander Farnese von Belgien aus die Stadt Dorlent (Dourlens) in der Picardie erobert und nach damaliger Sitte seinen Soldaten zur Plünderung übergeben. Im Gefolge des Feldherrn befand sich sein Beichtvater, Thomas Sailly, ein aus Brüssel gebürtiger ausgezeichneter Mann, welcher dem Orden der Gesellschaft Jesu angehörte. Diesem edlen Priester ging der Jammer der Frauen und Jungfrauen der Stadt zu Herzen. Um sie vor der viehischen Rohheit der Soldaten zu bewahren, ließ er durch die Hauptstraße zwei lange Stricke oder Seile spannen, deren Enden er an seinen Gürtel knüpfte; dann wendete er sich zu den Bürgerfrauen und Mädchen, die händeringend und verzweiflungsvoll auf der Straße sich zusammen drängten, und rief ihnen mit lauter Stimme zu: Jede, der ihre Ehre lieb ist, möge an einem der Seile sich festhalten und beherzt ihm folgen. Und so geschah es.

Mitten durch zwischen den Klauen der Geier, den Rachen der Leoparden und Tiger, mitten durch die Reihen der erbosten, vor Zorn schäumenden Krieger, die jedoch gegen die geistige Übermacht des ehrwürdigen Mannes keinen Widerstand wagten, führte Sailly eine große Schar Frauen und Jungfrauen ins Freie hinaus und gab ihnen so lange das Geleite, bis sie in voller Sicherheit sich befanden.

Auch die Wilden hatten keusche Jungfrauen.

Der Häuptling der Kaskaskias-Indianer hatte eine Tochter, welche in der heiligen Taufe den Namen Maria erhielt. Ihr Vater mit seiner ganzen Familie, so wie die übrigen Häuptlinge des Stammes haßten das Christentum und blieben Heiden. Der französische Gouverneur Ako verlangte das Mädchen zur Ehe. Ihr Vater fand sich geschmeichelt und sagte sie ihm zu. Aber Maria erklärte ihren Eltern, daß sie aus Liebe Jesu ledig zu bleiben vorhabe. Der Missionär erklärte ihr, es stehe in ihrem freien Willen, zu heiraten oder nicht. Doch sie weigerte sich standhaft, in die Ehe zu treten. Da entkleidete sie ihr Vater und jagte sie aus der Hütte, auch verfolgte er von nun an den Missionär und suchte ihn zu töten, weil er glaubte, er sei schuld an ihrer Weigerung. Als das keusche Illinoismädchen sah, daß um ihretwillen der Missionär und die jungen Gläubigen verfolgt wurden, kam sie zum Missionär und sprach: Vater! ich habe einen Gedanken, und weiß nicht, ob er gut ist. Willige ich in die Heirat, dann wird mein Vater auf dich hören, und so werden dann Alle tun. Mich verlangt, Gott zu gefallen; werde ich nicht Jesu auch wohlgefällig bleiben, wenn ich aus Liebe zu Ihm gegen meine Neigung einwillige? Sage, wird dies das Rechte sein? Gerührt von ihrer kindlichen Frömmigkeit, billigte der Missionär ihre Gedanken. Sie ward Akos Ehegattin, der Vater gab sich zufrieden, er und die andern Häuptlinge nahmen das Christentum an. Maria ward obendrein ein tugendsam musterhaftes Weib und bekehrte auch noch ihren Mann von seiner verworfenen Lebensweise.

Die Jungfräulichkeit ehrt Gott sehr.

Die heilige Thekla, eine Schülerin des heiligen Paulus, gelobte dem Herrn ewige Keuschheit. Da sie auf keine Weise zu vermögen war, in die vorgeschlagene Ehe mit einem Jünglinge zu willigen, wurde sie der heidnischen Obrigkeit als Christin angegeben und von dieser zu einem Löwen gesperrt. Weit entfernt, die Jungfrau zu zerreißen, legte das wilde Tier allen Blutdurst ab, warf sich vor ihr auf den Boden und leckte ihre Füße. Da der Löwe sie nicht berührte, wurde sie auf einen Scheiterhaufen gebunden, um verbrannt zu werden; aber auch das Feuer scheute sich, ihren jungfräulichen Leib zu verletzen. So zeigt Gott, wie lieb Ihm die Jungfräulichkeit sei.

Jungfräuliche Keuschheit ist Gott lieb.

Emerich, ein ungarischer Prinz, ging in Vesprim einmal des Nachts in eine Kirche. Dort fiel er nieder und fragte Gott, was er wohl für ein Opfer bringen könnte, das Ihm am wohlgefälligsten wäre. Da wurde es in der Kirche tageshell und eine Stimme sprach von oben: Die Jungfrauschaft ist eine preiswürdige Sache, darum fordere ich von dir jungfräuliche Keuschheit des Leibes und des Gemütes; diese opfere Gott und in derselben verharre. Später nötigte ihn sein Vater, zur Wohlfahrt des Reiches eine tugendsame Prinzessin zu heiraten. Er gab zwar seinem Vater nach, beredete aber seine Braut, daß sie mit ihm in jungfräulicher Enthaltsamkeit lebte. Emerich wird unter die Heiligen gezählt.

Die Jungfräulichkeit verdient alle Hochachtung.

Der heilige Bischof Martinus ging einst mit einem Geistlichen vor einem Landhause vorbei und hörte, daß darin schon mehrere Jahre eine gottselige Jungfrau lebe. Da er von ihren großen Tugenden hörte, kehrte er um und wollte die Jungfrau durch seinen Besuch ehren. Allein diese Jungfrau blieb so strenge bei ihrem Vorhaben, nie Besuche von männlichen Personen anzunehmen, daß sie den berühmten Heiligen vor der Türe durch eine Frau bitten ließ, nicht bei ihr einzukehren. Der heilige Martin war über diese Abweisung nicht nur nicht aufgebracht, sondern lobte die Jungfrau und ging mit inniger Freude über ihre Tugend weiter.

Die Jungfräulichkeit hat hohen Wert bei Gott.

Die heilige Cäcilia war die Tochter vornehmer Eltern in Rom und schon als Kind getauft, während ihre Eltern heidnisch blieben. Sie ließen ihr in Allem ihren Willen, bis auf die Ehe mit einem Jüngling, Valerianus mit Namen. Cäcilia hatte dem Herrn ewige Keuschheit gelobt. Da sie diese Ehe nicht hindern konnte, sprach sie zu Valerianus: Lieber Valerian, ich muß dir ein Geheimnis mitteilen; ich habe nämlich einen Engel Gottes bei mir, der mich sorgfältig behütet; sobald dieser merkt, daß du mich mit sinnlichem Verlangen berührst, so wird er seinen Zorn an dir auslassen; wenn er aber wahrnimmt, daß du mich mit reinem Herzen liebst und meine Jungfrauschaft in Ehren hältst, so wird er dich gleich mir lieben und dir seine Gnade erweisen. Der heidnische Jüngling verlangte diesen Engel zu sehen, dann wolle er sie nicht berühren; drohte ihr aber den Tod, im Falle sie einen Andern lieben sollte. Cäcilia versprach, ihm den Engel zu zeigen, wenn er sich taufen lasse. Valerian ließ sich taufen, sah den Engel, lebte mit ihr keusch und Beide ließen als Martyrer ihr Leben für den Glauben.

Jungfräuliche Keuschheit schützt Gott durch Wunder.

Ein äußerst wollüstiger Mann, welcher früher den hohen Rang eines Kriegsobersten bekleidet hatte, besaß unter seinen Untertanen eine Jungfrau, welche Vater und Mutter verließ und ins Kloster ging. Als dies der Oberste erfuhr, ängstigte er die Mutter durch Einkerkerung und Schläge so lange, bis sie ihm den Aufenthaltsort ihrer Tochter entdeckte. Alsbald begab er sich in seiner Wut dahin, raubte gewaltsam das Mädchen und schleppte sie in sein Haus, um sie zu mißbrauchen. Allein Derjenige, welcher Abrahams Gattin beschützte und ihren königlichen Räuber züchtigte und die Sodomiten mit Blindheit schlug, welche sich an Loths Gästen vergreifen wollten, entriß auch diesem Obersten seine Beute, indem Er sie vor seinen Augen verschwinden ließ, als er in ihre Kammer eintrat. Als daher der Unsinnige sah, daß er derjenigen nichts anhaben könne, welche Christum zu ihrem Bräutigam erwählt hatte, mußte er von seinem schändlichen Vorhaben abstehen. Er verfiel aber bald in eine schwere Krankheit; denn seine Brust wurde von einem schmerzlichen Krebsgeschwüre ergriffen. In dieser qualvollen Lage rief er den heiligen Einsiedler Petrus zu sich und siehe, so lange dieser Mann Gottes bei ihm war, empfand er nicht den mindesten Schmerz; daher ließ er ihn oftmals zu seinem Troste kommen.

Christo als Jungfrau vermählt zu sein, ist die größte Ehre.

König Erich von Schweden nahm eine Gerichtsdienerstochter zum Weibe; welche Ehre für dieses Mädchen! Thuanus lib. 43. Hist. Herzog Albrecht von Baiern wollte die schöne Bernauer, eine Gerberstochter von Augsburg, ehelichen, wenn sie nicht ertrunken wäre. Welche Ehre! Aventin, in annal. Aber ungleich größer ist die Ehre, welche der heiligen Katharina von Alexandria, der heiligen Katharina von Siena, der heiligen Riccia, Agnes, Coleta, Stephana, Quintiana, Theresia, Rosa von Lima, Ursula Benincasa, Maria Vilana und vielen anderen zu Teil wurde; denn mit diesen hat sich Christus der Herr selbst vermählt.

Die Jungfrauen nimmt Jesus in Schutz.

Die heilige Brigitta von Hibernien hatte Christo ihre Jungfrauschaft gelobt. Da sie von ihren Eltern zur Ehe angetrieben wurde, bat sie den Heiland inbrünstig, Er möchte ihr die Gestalt verändern, was Er ihr auch gewährte; denn ihr Gesicht bekam eine Wildheit, daß sie Jedermann zum Abscheu wurde. Als sie aber als Nonne eingekleidet wurde, erhielt sie ihre vorige Gestalt wieder. –

Die heilige Paula erlitt von einem ungezogenen Jüngling allzu große Nachstellungen. Sie nahm ihre Zuflucht in die Kirche und flehte vor einem Crucifixe, Gott wolle ihr Angesicht verunstalten. Darauf wuchs ihr ein wilder Bart, der sie von allen Nachstellungen befreite. Torell. In hist. August. An. 518. Lib. c. 3. –

Unweit Graz, der Hauptstadt Steiermarks, ist ein Berg, dessen Felsen gegen die Mur eine abschüssige Wand bilden. Ein gottloser Jüngling stellte einem Bauernmädchen nach und traf sie gerade auf diesem Felsen. Anfangs erschrocken, faßte sie Vertrauen zu Gott und wagte den Sprung. Und siehe: Gott trug sie nicht nur unbeschädigt hinab, sondern trug sie ans jenseitige Ufer hinüber. Dieser Berg heißt von daher durch Jahrhunderte: der Jungfernsprung.

Keusche Jungfrauen wählten lieber den Tod, als den Verlust ihrer Jungfräulichkeit.

Die heilige Jungfrau Euphrasia sollte den Glauben verleugnen. Weil sie dieses nicht tat, wurde sie einem äußerst wollüstigen Soldaten in die Gewalt übergeben. Euphrasia ersann eine heilige List. Sie fiel dem Soldaten zu Füßen und bat ihn, ihre Jungfräulichkeit nicht zu beflecken; sie versprach zum Dank ihm etwas zu geben, was ihm als Soldaten ungemein nützlich sein werde. Sie besitze nämlich das Geheimnis, aus gewissen Kräutern eine Salbe zu bereiten, welche den menschlichen Körper unverwundbar mache. Dem Soldaten gefiel dieser Vorschlag; er willigte in ihre Bitte. Euphrasia sammelte nun im Garten allerlei Kräuter, drückte den Saft aus und bereitete die Salbe. Dann sprach sie zum Soldaten: Ich werde jetzt meinen Hals einsalben und du magst an mir selbst die Probe von der Kraft meiner Salbe machen; nimm dein Schwert, und schlage mit aller Kraft in meinen Hals. Sie salbte den Hals, kniete nieder, der Soldat holte aus und schlug durch einen einzigen mächtigen Hieb das Haupt ab. Euphrasia zog also den Tod dem Verluste ihrer Jungfräulichkeit vor! O wie rar sind heut zu Tage diese Euphrasien!

Wie die christliche Jungfrau den Verführer abtreiben soll.

Ein Wüstling stellte unter dem Vorgeben brennender, flammender, heißer, glühender Liebe einen schändlichen Antrag an eine christliche Jungfrau; diese wies aber seinen Antrag mit Verachtung zurück. Er wiederholte ihn aufs neue; sie entgegnete kurz und ernst: es ist eine Todsünde. Der Wüstling antwortete: Was die Liebe tut, kann keine Sünde sein. Darauf entgegnete die Jungfrau: Nun so bete vorher ein andächtiges „Vaterunser“, dann will ich dir zu Willen sein. Der Wüstling aber sagte auffahrend und hohnlachend: Dazu bedarf es keines Gebetes. Hinweg von mir, giftige Schlange, rief in edlem Zorne die Jungfrau, den Wüstling durchschauend, „nur zur Sünde braucht man nicht zu beten.“

Eine andere christliche Jungfrau, welcher der Versucher in ähnlicher Weise nahte, sagte zu demselben: Ich will vorher meinen Beichtvater um Rat fragen; bestätigt dieser dein Vorgeben, es sei keine Sünde, weil Natur und Liebe dazu führen und berechtigen, so soll´s geschehen. Das geht den Beichtvater gar nichts an, sagte giftig der Verführer. Und warum denn nicht, entgegnete die kluge Jungfrau; wenn´s Sünde wäre, müßte ich es ja doch beichten; lieber will ich also hierüber um Rat fragen, um das allenfallsige spätere Beichten zu verhüten; komm später und frag nach der Antwort! Doch der Verführer kehrte nie wieder, die Antwort zu holen.

Als die österreichische Armee im Jahre 1848 Wien belagerte, kamen viele aus der Residenz geflüchtete vornehme Herren ins Lager und erlaubten sich manche Unanständigkeiten gegen jene Mädchen und Weiber, die mit ihren Vätern und Männern aus Dalmatien, Kroatien, Slavonien u. s. w. gewohnheitsmäßig in den Krieg gezogen waren. Viele von diesen Mädchen und Weibern waren übrigens nicht verlegen, verstanden keinen Spaß und ließen sich, wie manche Katzen, durchaus nicht streicheln. Einer jener vornehmen Herren erlaubte sich nun solch einen sogenannten Spaß mit einer ernsten, spröden und handfesten Grenzlerin. Diese aber versetzte dem feinen Stadtherrn eine solche Ohrfeige, daß ihm Hören und Sehen verging. Bravo, sage ich, und abermals bravo! Möchten es in ähnlichen Fällen alle Jungfrauen eben so machen. Das abgefahrene und mauschellierte Herrchen wendete sich mit seiner hochgeschwollenen Backe an den Kommandanten jener Truppenabteilung, bei welcher das erwähnte Mädchen sich befand, beklagte sich über die von ihr erlittene Schmach und verlangte Bestrafung derselben. Der Kommandant erklärte jedoch dem weinerlichen Herrchen: Die Mädchen stehen nicht unter meinem Kommando und das Wegbleiben ist das beste Rezept. O stoß den Versucher mit Verachtung zurück.

Wenn Jemand vom Fehmgericht zum Tode verurteilt war, so bestand die Hinrichtung nicht selten darin: In einer Wandnische befand sich ein Muttergottesbild, und dieses mußte der Verurteilte küssen, wahrscheinlich unter dem falschen Vorgeben, dadurch Gnade zu erlangen. Wenn nun der Unglückliche das Bild umschlang, so umfing es ihn auch, Messer fuhren aus der Brust desselben, der Fußboden sank und in den Abgrund stürzte der Leichnam. Siehe, das ist die Liebe der Unkeuschen; in ihren Armen findest du den Tod der Seele und stürzest hinab ins ewige Verderben. Und das willst du Liebe nennen?

Jungfrauschaft, einmal verloren, ist unwiederbringlich.

Der Wind, der gute Mann und die Jungfrauschaft waren einmal in Gesellschaft. Nachdem sie eine Weile geplaudert hatten, hat sich eins vom andern empfohlen. Der Wind ging zuerst fort und sprach: Addio, meine Herren, nach zwei Tagen komme ich wieder. Viel Glück auf die Reise, riefen die Bleibenden, komme gesund wieder! Bald darauf wollten auch die zwei von einander scheiden, reichten sich herzlich die Hände: Lebe wohl, liebe Jungfrauschaft, sagte der gute Mann, gehe ich einmal von einem Orte weg, komme ich äußerst selten wieder. Ach, seufzte die Jungfrauschaft, du kommst halt doch manchmal wieder; gehe aber ich von einem Orte fort, so komme ich nimmermehr wieder, nimmermehr in Ewigkeit; trennen wir uns also jetzt von einander, dann sehen wir uns nicht mehr in Ewigkeit; dabei wischte sie sich die nassen Augen mit einem Tüchel.

Jungfrauen, die in der Unschuld sterben, sind selig.

Ein sonst frommes Mädchen litt an der Auszehrung und war nahe zum Sterben. Da ward sie einst sehr ängstlich und erzählte es später ihrem Beichtvater; sie dachte: bin ich mir auch keiner schweren Schuld bewußt, so fürchte ich mich doch vor dem Gerichte; denn man muß von jedem unnützen Worte Rechenschaft geben. Mit diesem Gedanken, sagte sie, schlief ich ein. Da träumte mir: Ein Mann kam zu mir und sagte: warum fürchtest du dich? Vertraue auf die Barmherzigkeit Gottes; und er sprach mich von meinen Sünden los, reichte mir dann einen Zettel, worauf etwas mit goldenen Buchstaben geschrieben war: es war schon dunkel, ich konnte es nicht lesen und ging damit zum Fenster; da las ich das Wort Paradies; voll Freude hierüber erwachte ich. Sie starb bald darauf ruhig.

Jüngling.

Jünglinge sollen Maria zur Geliebten wählen.

Als der heilige Thomas von Canterbury noch als Jüngling sich eines Tages in Gesellschaft mit mehreren andern jungen Leuten befand, geschah es, daß jeder derselben sich seiner eitlen Liebschaften rühmte. Der heilige Thomas sagte nun, daß auch er eine sehr edle Dame lieb habe und auch von derselben innig geliebt werde, womit er die allerseligste Jungfrau Maria meinte. Später bereute es Thomas, daß er sich dessen gerühmt habe. Als er nun hierüber in Angst war, da erschien ihm Maria und sprach zu ihm voll lieblicher Huld: Warum fürchtest du dich, Thomas? Du hast ja Recht gehabt, da du gesagt, daß du mich lieb habest und daß ich dich liebe. Wiederhole in Gegenwart deiner Freunde, was du ihnen gesagt hast, und zum Zeichen der Liebe, die ich zu dir trage, kannst du ihnen das Geschenk zeigen, welches ich dir jetzt mache. Das Geschenk, welches Maria hierauf dem heiligen Thomas machte, war eine kleine Büchse, in der sich ein blutrotes Meßgewand befand, zum Zeichen, daß Maria ihm, um der Liebe willen, die sie zu ihm trug, die Gnade erlangt habe, Priester und Martyrer zu werden, wie dies denn auch in der Tat in Erfüllung ging. Der heilige Thomas ward nämlich Priester und später Erzbischof von Canterbury in England, von wo er, als der König ihn verfolgte, nach Frankreich in das Cisterzienserkloster Pontigni fliehen mußte. Daselbst geschah es nun eines Tages, daß er seinen Bußgürtel, welcher zerrissen war, selbst wieder in Ordnung bringen wollte; weil er aber wenig Geschicklichkeit dazu besaß, so erschien ihm seine erhabene Königin Maria, welche mit außerordentlichem Wohlwollen den Bußgürtel aus den Händen nahm und denselben in Ordnung brachte. Nachdem Thomas später wieder nach Canterbury zurück gekehrt war, wurde er um des Eifers willen, den er für seine Kirche bewies, ein Opfer des Hasses seiner Feinde, die ihn grausam ermordeten.

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Anmerkung: Statt Heiligthum schreiben wir Heiligtum, statt genoßen genossen, statt heirathen heiraten, statt Aeltern Eltern, statt todt tot, statt Antheil Anteil, statt Uebertretung Übertretung, statt Schaar Schar, statt verläugnen verleugnen, statt blutroth blutrot, statt dieß dies, statt That Tat und dergleichen, um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern.

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