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Ehmig: Gleichnisse

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Kampf. Kannibalismus. Kartenspiel.

28.5.2010
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwörter: Kampf. Kannibalismus. Kartenspiel. Seiten 25-28.

Kampf.

Der Christ kämpft in seinen Versuchungen im Angesichte vieler Zuschauer.

Als einst Rom mit Albalonga Krieg führte, wurde man einig, daß von beiden Heeren drei Brüder im Namen und Angesichte Aller kämpfen und die Schlacht entscheiden sollten. Diese sechs Brüder traten zum Kampfe in die Mitte, wurden von den Ihrigen ermuntert, Aller Augen waren auf sie gerichtet. So sehen auch uns zwei Heerscharen in unseren Kämpfen zu: und zwar Gott mit seinen Engeln und Heiligen, so wie auch unsere Angehörigen und Mitmenschen auf Erden; andererseits der Teufel mit seinen bösen Geistern, so wie unsere Angehörigen und Mitmenschen. Je nachdem man siegt oder fällt, freut sich der Himmel oder die Hölle.

Die Kämpfe in den Versuchungen werden zu Verdiensten.

Von der Miesmuschel kommt die schöne kostbare Perle; sie entsteht, wenn von außen die Schale angebohrt wird, durch einen Schleim, den das Tier an der Stelle absetzt und der sich zur Perle verdichtet. Diesen gleichen die Versuchungen und Kämpfe, welche sie dem Menschen verursachen, wenn er sie in der heiligmachenden Gnade überwindet. Sie werden zu Verdiensten bei Gott, und um so kostbarer, je mehr der Mensch hat kämpfen müssen. Wer nicht widersteht und sich von der Versuchung überwinden läßt, der gleichet der Auster, welche, angebohrt, die Stelle nicht deckt, sondern von Würmern verzehrt wird.

Wir sollen nicht um Befreiung vom Kampfe, sondern um Kraft und Geduld bitten.

Der Abt Pastor erzählte vom Abte Johannes, daß Gott ihm auf sein Gebet allen Kampf mit den Leidenschaften abgenommen, und seine Seele in eine gänzliche Ruhe gebracht habe. Er ging sodann zu einem Altvater und sprach zu ihm: Siehe an mir einen Menschen, der ruhig ist und keinen Kampf mehr hat. Der Altvater sprach zu ihm: Gehe hin und bitte Gott, daß Er dir wieder den Kampf gebe; denn im Kampfe macht unsere Seele Fortschritte. Und als der Kampf in ihn wieder zurückgekehrt war, bat er ferner nicht mehr, daß er von ihm genommen würde, sondern sprach: Herr, gib mir Geduld, diesen Kampf auszuhalten.

Kannibalismus.

Den Kannibalismus der Wilden rotteten katholische Missionäre aus.

Es war bei vielen Stämmen der Wilden Amerikas Sitte, die Kriegsgefangenen zu fressen. Alle Bemühungen der Regierung, diesen verfluchten Gebrauch abzuschaffen, waren vergebens. Eines Tages, schreibt der Protestant Southeys, hörten die Missionäre Nobrega und seine Gefährten den Lärm und die Freude der Wilden bei einem dieser Opfer; sie begaben sich auf den freien Platz, gerade als der Gefangene niedergemacht worden war und die alten Weiber seinen Leichnam zum Feuer schleppten; sie entrissen ihnen denselben und trugen ihn, Angesichts des ganzen Stammes, der über ihren Mut betroffen war, davon. Bald bestürmten die Weiber die Krieger, diese Beleidigung zu rächen. Mittlerweile hatten die Priester die Leiche heimlich eingegraben, während die Wilden sie suchten.

Die Wilden waren in der Verfolgung rasch und eifrig; aber mit Hilfe der portugiesischen Behörden entkamen die Missionäre ihrer Wuth; und der Eindruck, den ihre Unerschrockenheit auf dieselben machte, war so groß, daß es nicht lange währte, so kamen gerade diese Wilden, um sie um Verzeihung zu bitten und ihnen zu versprechen, solche Feste nie mehr wieerholen zu wollen. Einem Jesuiten gelang es wirklich, den Kannibalismus bei einigen Stämmen abzuschaffen, indem er unter ihnen umher ging und sich vor ihren Türen so lange geißelte und schlug, bis er mit Blut bedeckt war, wobei er ihnen sagte, er tue sich diese Qual an, um die Strafe abzulenken, welche Gott wegen dieser himmelschreienden Sünde über sie verhängen würde. Sie konnten dies nicht ertragen, gestanden, das, was sie getan, sei Unrecht gewesen und bestimmten schwere Strafe für Jeden, der sich desselben wieder schuldig machen würde. Auf diese Weise rotteten die katholischen Missionäre den Kannibalismus aus. Freilich brachte dieses Verfahren Qual und Leiden mit sich und jeden Tag setzten sie sich den Gefahren des Todes in seinen unerträglichsten Formen aus; aber sie fürchteten den Martertod nicht nur nicht, sondern setzten ihren Stolz darein. So Southey.

Kartenspiel.

Das Kartenspiel ist wegen seiner bösen Folgen sehr sündhaft.

Im Königreiche Neapel bekam die Frau eines Soldaten noch einen Sohn in ihren höheren Jahren. Der Vater kümmerte sich nicht viel um die Erziehung des Knaben; derselbe wurde zwar in die Schule geschickt, aber Karten und Würfel waren ihm lieber als das Lernen; daher brachte er es kaum so weit, daß er ein wenig lesen und schreiben konnte. Achtzehn Jahre alt geworden, ging er auch zu den Soldaten und sollte nun mit seinem Vater einen Feldzug gegen die Türken mitmachen; allein sie erkrankten Beide, und mußten in Ankona zurückbleiben; der Vater starb, die Mutter hatte er schon früher verloren. Die Eltern hatten ihm rein nichts hinterlassen, als was er am Leibe trug, seinen Degen und sein Kleid; überdies bekam er ein Geschwür am linken Fuß.

Kamillus, so hieß er, hörte, daß im Spital zu St. Jakob in Rom geschickte Ärzte seien; er reiste dahin und trug sich dem Spitalmeister als Krankenwärter an, in der Hoffnung, bei dieser Gelegenheit könne auch sein Fuß geheilt werden. Kamillus wurde auch wirklich angenommen; allein es tat nicht lange gut, er war so spielsüchtig, daß er manchmal, statt die Kranken zu warten, sie liegen ließ und aus dem Spitale schlich, um zu spielen; zudem zeigte er auch einen zänkischen Charakter. Darum wurde kurzer Prozeß mit ihm gemacht und er ungeachtet aller seiner Versprechen endlich fortgeschafft, als der Spitalmeister einmal unter seinem Kopfkissen ein Spiel Karten fand. Was sollte Kamillus nun machen? Er nahm 1569 Kriegsdienste bei den Venetianern gegen die Türken; allein der Krieg ging bald zu Ende, die Truppen wurden abgedankt, und Kamillus war wieder so arm und brotlos, wie früher.

Im kalten Winter ohne Geld und kaum notdürftig gekleidet, fand er bei den Kapuzinern in Manfredonia, welche am Kloster einen Bau vornahmen, Arbeit. Hier arbeitete er nun den Winter hindurch im Taglohne und hätte sich außer der Nahrung und Kleidung auch noch etwas ersparen können, wenn das Spielen nicht gewesen wäre; aber seine Leidenschaft dazu war so groß, daß er eines Tages all seine Habseligkeiten bis aufs Hemd verspielte.

·       Dem Spieler und Branntweintrinker ist nur zu helfen, wenn er sich entschließt – nicht, seltener und nicht so lange zu spielen, oder nicht so viel zu trinken, sondern, nie und nimmermehr Karten zu berühren.

Kamillus setzte diesen Entschluß; die stillwirkende Gnade Gottes und der Aufenthalt bei den frommen Kapuzinern hatten allmählich sein Herz aufgeweicht; jenes Unglück im Spiel und der rührende Zuspruch des Guardians haben vollends den Durchbruch der Bekehrung bei dem fünfundzwanzigjährigen Kamillus bewirkt. Er wurde von nun an ein Heiliger. Er beweinte und verabscheute sein bisheriges Leben und machte das Gelübde, in den Kapuzinerorden zu treten, um da lebenslänglich Buße zu tun. Später gründete er einen eigenen Orden für Krankenpfleger.

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Anmerkung: Statt Thier schreiben wir Tier, statt Muth Mut, statt Aerzte Ärzte, statt brodlos brotlos, statt nothdürftig notdürftig und dergleichen, um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern.

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