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Ehmig: Gleichnisse

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Ketzer

4.6.2010
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Ketzer. Seiten 39-60.

Neue Definition von katholisch

Kennt ihr überhaupt die Religion, die ihr verteidigt? Kennt ihr eure Teilkirche, ihre Geschichte, ihre Sünden und Verbrechen? Katholiken, vergleicht die damalige katholische Kirche mit der heutigen! Möge dieses schmerzende Kapitel die Herzen der Christen aller Konfessionen erwärmen und in irgendeiner Weise der Wiedervereinigung dienen. AIHS

Ketzer.

Ursachen, warum die Ketzer des sechzehnten Jahrhunderts so vielen Anhang fanden.

Es darf den guten Katholiken nicht irre machen, wenn er hört, daß im sechzehnten Jahrhunderte ganze Länder vom wahren Glauben der Kirche abfielen. Was vermag nicht der Eigennutz?      Was war es, was ihnen unter Fürsten, Adel und Volk so viel Anhang verschaffte? Die Überzeugung nicht; denn die damaligen Christen waren in der Religion schlecht unterrichtet, ihr Christentum bestand größtenteils in äußeren Gebräuchen, ohne Kenntnis der Religion. Solche Menschen beirren ist leicht. Nebstdem köderten die Ketzer die unwissende Christenheit bei der schwächsten Seite; man zeigte ihnen aus der Annahme des Irrtums zeitliche Vorteile und diese zogen Viele hinüber. Das gemeine Volk gewann mit dem Übertritte die Befreiung von der Pfarrstola und vom Dezem; Andere, welche Kirchen- und Messenstiftungskapitalien entlehnt hatten, durften weder Interesse noch Kapital erlegen; denn die Messe war abgeschafft, die Stiftsbriefe wurden vernichtet. Der Adel verkaufte die Kirchengüter und Pfründen als Patron und behielt die Güter selbst oder den Erlös als Eigentum. Viele Pfründen besaßen die Söhne der Adeligen; sie behielten sie auch nach dem Übertritt, wie ein brandenburgischer Fürst Magdeburg als Bischof besaß und behielt. Kein Wunder also, wenn der Eigennutz Fürsten und Adelige hinüberzog; man konnte nun besser leben, größeren Aufwand machen, Schulden bezahlen, verschuldete Güter freimachen. Diesen unwissenden und eigennützigen Leuten war die Neuerung willkommen. Die Ketzer hatten überdies aus ihrer Religion alles Beschwerliche ausgemerzt: die Ehelosigkeit der Geistlichen, die Beichte, das Fasten, die Buße und guten Werke und hatten den Eingang in den Himmel leicht gemacht. Es ist noch zu wundern, daß ganze Länder katholisch blieben. Die Ketzer glichen dem Haifisch und die abgefallenen Christen den Lotsen. Die Nähe des Haifisches flieht alles, was im Meere lebt, denn er ist ein großes gefräßiges Ungeheuer. Kein Fisch macht mit ihm Gesellschaft; denn er würde nur seinen Hunger reizen und verschlungen werden. Trotzdem hat der Hai unter den Fischen seine Anhänger. Die Lotsen(fische), von der Größe eines Herings, schwimmen in seinem großen Rachen ein und aus, sind immer in seiner Nähe, begleiten ihn auf seinen Streifzügen, schwimmen stundenweit mit ihm, wenn er ein Schiff verfolgt. Warum? etwa aus natürlicher Zuneigung? Keineswegs; sondern aus Eigennutz. Sie leben von den Abfällen, von dem Abgange seines Raubes und von seinem Auswurfe. Diesem Hai gleichen die Ketzer und diesen Lotsen die Menschen, die zu ihrem Irrtum übertraten.

Die Lehren der Ketzer vergehen mit der Zeit.

Die Kirche mit ihrer Lehre unter dem Schutze des heiligen Geistes gleichet den hohen Bergen, welche bei der Schöpfung gegründet wurden, welche schon Jahrtausende stehen und bis zum Ende der Welt stehen werden; die Lehren der Ketzer gleichen den Sandhügeln in den afrikanischen und arabischen Wüsten, welche jeder Wind hebt und anders wohin führt. Wo ist die Ketzerei des Sabellius, Arius, Nestorius? Sie sind nicht mehr.

Alle Ketzer tragen teuflischen Haß gegen die Katholiken.

Im Jahre 353 zog ein Feldherr des arianischen Kaisers Konstantius, von fünftausend wohlbewaffneten Kriegern begleitet, in die Kirche des heiligen Thomas zu Alexandria, wo eben der Bischof Athanasius mit den Gläubigen versammelt war. Viele Menschen wurden ermordet oder zertreten, Athanasius, bis zur Ohnmacht geschlagen, entkam nur wie durch ein Wunder, und an seiner Stelle ward der Arianer Georgius, ein Schmarotzer und Betrüger, zum Patriarchen erhoben. Da nun die Katholiken mit dem Mietling keine Gemeinschaft haben wollten und sich zum Gottesdienste bei den Gräbern versammelten, zog der arianische Bischof mit dem Statthalter und dreitausend Kriegern auf den Kirchhof hinaus, wo er viele niedermetzeln ließ und die Jungfrauen zu verbrennen drohte, wenn sie sich nicht zur arianischen Lehre bekehren würden. Als die Drohungen fruchtlos blieben, ließ er sie mit Fäusten ins Angesicht schlagen. –

Der arianische Patriarch von Alexandria versammelte sich mit Gleichgesinnten in einer Kirche zu Konstantinopel, von dreihundert Soldaten umgeben, und ließ den heiligen Flavianus vorladen. Hier verkündete er laut: Wer in Christo eine göttliche und menschliche Natur zugleich annimmt, der sei verflucht! verbrannt, zerrissen, erwürgt werde Jeder, der zwei Naturen in Christo glaubt. Dioskorus selbst fiel über Flavianus her, schlug ihn ins Angesicht, trat ihn mit Füßen, und ließ ihn endlich, vom Blute triefend, von der Wache fortschleppen.

Ketzerei macht die Menschen dumm.

Der Ketzer Tanchelin eiferte gegen den Papst, gegen die Bischöfe und Geistlichen; er fand Gläubige. Nachher gab er sich für den Sohn Gottes aus und ließ sich Tempel bauen, während er die katholischen Kirchen zerstörte; wie dumm! Ohne ein einziges Wunder zur Beglaubigung seiner Lehre aufzuweisen, fand er Gläubige; wie dumm! Er trieb furchtbare Ausschweifungen, ja er forderte in Predigten schöne Frauen und Mädchen zum Beischlafe! Wie gottlos und dumm und dennoch fand er Gläubige, die sich als Männer und Väter eine Ehre daraus machten, ihm ihre Frauen und Töchter selbst zuzuführen und sich dieser Begünstigung zu rühmen. Wie dumm macht den Menschen die Ketzerei!

Ketzer beteten den Teufel an und waren ganz teuflisch gesinnt.

Papst Gregor IX. schrieb im Jahre 1233 an die deutschen Bischöfe und bezeichnet ihnen die Irrlehren der Katharerketzer. Er schreibt: „Sie haben sich von Satan, der ihnen unter verschiedenen Gestalten bei ihren Zusammenkünften erscheint und der die in seinen Dienst Verstrickten zu den schändlichsten und unaussprechlichsten Gräueln (sic, so, damals so geschrieben) verleitet, zu ihrem Lehrmeister genommen. Demgemäß geben sie in diesen ihren Versammlungen bei ausgelöschten Lichtern jeder Lust sich hin und nehmen alljährlich aus den Händen des Priesters den Leib des Herrn, den sie im Munde behalten und ihn dann in den Abtritt speien. Sie lästern: der Herr des Himmels habe den Lucifer gewalttätig, ungerecht und mit Hinterlist in die Hölle herabgedrungen; der Beeinträchtigte aber werde, nachdem er seinerseits den Gewalttätigen gestürzt, dahin zurückkehren, und dann erst würden auch sie die Seligkeit genießen. Von Allem, was dem Tyrannen wohlgefalle, müsse man abstehen; vielmehr Alles tun, was ihm verhaßt sei; und demgemäß peinigten und mordeten sie alle Priester und Mönche, die ihnen in die Hände gefallen.“ So schildert Papst Gregor diese gräulichen Ketzer. Es mußte gegen sie ein Kreuzzug unternommen werden, wobei mehr als sechstausend in den Sümpfen umkamen.

Die Ketzer sind keck; sie versprechen Wunder.

Als zur Zeit der Apostel das Christentum herrlich wirkte, stand in Persien ein Mann auf, mit Namen Manes, der grobe Irrtümer lehrte. Er war so keck, daß er Wunder versprach und deshalb ein klägliches Ende nahm. Er versprach dem persischen König Sapor, dessen kranken Prinzen gesund zu machen. Als das Kind aber unter der Behandlung starb, ließ Sapor ihm die Haut abziehen und dieselbe zum Andenken ausstopfen. Ein ähnliches, wenn auch nicht gerade dieses Ende, haben alle Ketzer genommen, wodurch Gott zeigt, wie verhaßt Ihm jede Ketzerei sei und daß Er die Anhänger verdamme.

Der Ketzer Arius und sein Ende.

Die Arianer gewannen den Kaiser Konstantin und schwätzten ihm vor, Arius sei fromm und unschuldig, man habe ihn nur unrecht verstanden; Athanasius aber, der damalige Bischof zu Alexandria, der Hauptgegner der Arianer, sei ein Verräter, der Raub und Mord begehe und die Kornausfuhr aus Ägypten nach der kaiserlichen Hauptstadt verhindere. Das wirkte. Der heilige Athanasius wurde nach Trier in Gallien verbannt; Arius aber sollte zu Konstantinopel feierlich in die Kirche eingeführt werden. Schon hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, schon sah man die Kirche vor sich liegen; da mußte Arius an einen geheimen Ort gehen, um seine Notdurft zu verrichten. Als er da ungewöhnlich lange verweilte, sah man nach ihm und da lag er auf dem Boden tot in seinem Blute, die Eingeweide ausgeschüttet.

Ketzer schützen bringt Fluch von Gott.

Kaiser Julian war getauft und christlich erzogen; aber er schwur das Christentum ab und wurde Heide. Er ließ sich den Bart wachsen und trug immer einen schlichten Philosophenmantel. Er befliß sich eines tugendhaften Wandels, aber alles dieses aus Haß gegen das Christentum; er wollte zeigen, daß man Tugend haben könne, ohne ein Christ zu sein. Er verfolgte die Christen, namentlich die Katholiken, auf eine feine Art; zu diesem Zwecke berief er alle Bischöfe zurück aus der Verbannung, rechtgläubige und arianische, damit sie sich durch innere Spaltungen aufreiben möchten. Er zog die Güter ein, welche Konstantin der Kirche geschenkt hatte, um durch die Armut, wie er sagte, den Katholiken zum Himmel zu helfen. Die Christen mußten die verödeten Heidentempel wieder in alten Stand setzen, hatten keinen Zutritt zu den Gerichten, durften nicht klagen, denn ihr Meister habe ja gesagt, wenn einer ihnen einen Schlag auf die rechte Wange gäbe, so sollten sie ihm auch die linke reichen. Alle Schulen wurden ihnen geschlossen, weil ein Christ blind glauben müsse, ohne zu vernünfteln und weil Wissenschaft ihm am Glauben hinderlich wäre. So bekriegte Julian das Christentum durch Spott, Zurücksetzung jeglicher Art und durch Ränke und wenn er auch selbst keine blutige Verfolgung anordnete, so widersetzte er sich doch den Heiden nicht, welche an verschiedenen Orten Christen töteten. Christus nannte er nicht anders, als den Galliläer. Zuletzt kam er auf den Einfall, Jesum zum Lügenpropheten zu machen. Da er wußte, Jesus habe gesagt, es werde im jüdischen Tempel kein Stein auf dem andern bleiben, so wollte er denselben wieder aufbauen; aber Flammen aus der Erde vertrieben die Arbeiter. Bald darauf unternahm er einen Feldzug gegen die Perser, in welchem er elend umkam. Seine letzten Worte waren: Du hast gesiegt, Galliläer!

Ketzerei ist etwas Teuflisches.

Ketzerei bestraften im Mittelalter die Regenten durch Verbrennen, denn sie sahen sie als ein Verbrechen an. Der Erzbischof von Trier, zugleich weltlicher Fürst, hielt 1231 eine Kirchenversammlung in seiner Hauptstadt und ließ drei Ketzer verbrennen. Unter diesen war ein Weib, welches kläglich schrie, Luzifer sei unschuldigerweise aus dem Himmel verstossen (sic). Eine Sekte zu Trier beteten den Teufel an. Eine andere Sekte lehrte, Männer und Weiber könnten überall konsekrieren; andere sagten der geistlichen Obrigkeit allen Gehorsam auf und hatten im Stillen einen besonderen Bischof, der für achtzehn Pfennige die Erlaubnis erteilte, daß Eltern und Kinder sich miteinander verheiraten konnten. Ist das nicht teuflisch?

Ein Ketzer und sein klägliches Ende.

Wiklef, ein englischer Ketzer im vierzehnten Jahrhundert, lehrte alle Irrtümer, die später Luther und Calvin wieder aufwärmten. Unter Anderem lehrte er, daß alle Stände gleich seien. Dies brachte einen allgemeinen Freiheitsschwindel hervor. Ein Haufe Bürger und Bauern, zwanzigtausend Mann stark, zog nach London, ermordete den Erzbischof und nötigte den König zur Flucht. Als Wiklef am Feste des heiligen Thomas von Canterbury 1385 predigte, wurde er vom Schlage gerührt und bekam die Mundsperre; ein Übel, welches Gott für einen solchen Irrlehrer wie eigens ausgedacht hatte. Zwei Jahre führte er ein trauriges Leben und starb am letzten Tage des Jahres 1387, nachdem er alle seine neuen Lehren widerrufen hatte.

Ein Ketzer bekehrt sich vor seinem Ende, der andere nicht.

Thomas Münzer hatte durch seine Ketzerei in Mühlhausen ein eigenes Königreich errichtet und eine Armee von achttausend Mann aus Bauern unter dem Kommando seines Gehilfen Pfeifer zusammengebracht. Als Albrecht Mühlhausen belagerte und einnahm, wurden fünftausend auf der Stelle niedergehauen, Münzer selbst auf dem Boden eines Hauses erwischt und ins fürstliche Lager gebracht. Pfeifer wurde auf der Flucht gefangen. Beide Ketzer erhielten ihre Strafe durch einen gewaltsamen Tod, zu welchem sich Münzer christlich vorbereitet, indem er seine Taten verabscheute und die heiligen Sakramente nach katholischer Weise empfing; Pfeifer aber verwarf den Beistand eines Priesters und starb, seinen Irrtümern getreu, zum Schauder der Zuschauer.

Ein Ketzer und sein Ende.

Zwingli, ein Priester der Schweiz, verbreitete seine Ketzerei in der Schweiz; der Kanton Zürich nahm sie an. Die ältesten Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden blieben der katholischen Kirche treu. Die Züricher aber glaubten, ihre Landsleute bekehren zu müssen, und da dieses in Güte nicht ging, so rückten sie gegen dieselben ins Feld, Zwingli gepanzert als Feldprediger zu Pferde an ihrer Spitze, nachdem er von seinem Weibe einen zärtlichen Abschied genommen hatte. Ehe er auszog, suchte Zwingli die Seinigen durch eine Predigt zu begeistern. Brechet uff, rief er auf der Kanzel, brechet uff, die fünf Ort sind in üwern Gewalt. Ich will vor üwer Ordnung hergehn und zuvörderst an die Viend. Da werdet ihr gspüren die Kraft Gottes. Dann wann ich sy mit der Wahrheit des Gottesworts anreden und sagen wird: Wenn suchet ihr, Gottlosen, werden sy vor Schrecken und Forcht nicht antworten können, sondern all zurückfallen und entfliehen, wie die Juden am Oelberg ob dem Wort Christi. Ihr werdet sehen, daß das Geschütz, das sy uff üch gerichtet, sich umkehren, in sy gon und sy umbringen wird. Ihr Spieß, Helparten und Gwehr werden nicht üch, wohl aber sy verletzen.

Am Martinitage 1531 war die Schlacht bei Kappel. Die Katholiken gewannen und Zwingli, der selbst mit einhieb, sank mit Wunden bedeckt. Da nahte sich ihm einer aus Uri und sprach: Du syst der Hölterich, sollt i meine? Zwingli bejahte es und der Kriegsknecht fuhr fort: Gläubst du an Papsten, so möchst du lebe. Zwingli antwortete: Ich gläube an Gott. Da mußt du sterbe, erhielt er zum Bescheid und wurde durchbohrt. Luther äußerst sich so über den Gefallenen: Zwingli ist gestorben und ist verdammt. Ein Züricher nahm Zwinglis Herz und brachte es zu Oekolampadius; dieser warf es in den Rhein, mit den Worten, daß man keiner Reliquien bedürfe.

Drei Ketzer und ihr Ende.

Johann von Leiden hatte sich in Münster zum König ausrufen lassen, Knipperdöllink war Bürgermeister und sein Scharfrichter, Johann Dusentschur war Prophet. Er (Anm.: der König) hatte sechzehn Weiber. Der Fürstbischof belagerte Münster. Es entstand in der Stadt eine Hungersnot und erreichte eine seltene Höhe. Man verschlang Baumbast, Pferdefleisch, Katzen und Mäuse, ja Mütter schlachteten ihre Kinder und aßen sie. Die Not brachte Viele zu Verstande und Mancher hätte gern dem Bischof die Tore geöffnet. Aber Johann wollte nicht und erlog Offenbarung über Offenbarung. Doch damit ließ sich das Murren der hungrigen Menge nicht stillen. Johann nahm zum Schrecken seine Zuflucht. Wer nur einen Zweifel gegen die Worte des Königs laut werden ließ, mußte sterben. Eine Frau des Königs sagte einmal, es könne doch wohl der Wille Gottes nicht sein, daß so viele Menschen Hungers stürben. Da führte der König sie auf den Markt, richtete sie, tötete sie mit eigener Hand und tanzte mit seinen andern Weibern um die Leiche. Nachdem die Belagerung sechzehn Monate gedauert hatte, wurde die Stadt mit List erobert. Eine ganze Woche ging noch hin, daß man alle noch lebenden Wiedertäufer aus Kellern, Türmen und Misthaufen herauszog. Johann von Leiden, der König, sein Scharfrichter Knipperdöllink und sein Minister Krechting wurden lebendig gefangen, ein halbes Jahr lang in Deutschland zur Schau umhergeführt (Anm.: dieses Schicksal fürchtete übrigens auch Hitler bei einer Niederlage) und dann am 22. Jänner 1536 auf dem Markte in Münster hingerichtet. Vier Henkersknechte kniffen jeden eine Stunde lang mit glühenden Zangen und stießen ihm dann einen glühenden Dolch ins Herz. Der König Johann von Leiden litt die Marter zuerst und schrie so schneidend, daß sich alle Zuschauer entsetzten. Er rief unaufhörlich den himmlischen Vater an und sagte sterbend: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Die beiden Andern starben eben so unbußfertig, nur Knipperdöllink sagte am Ende: Gott! sei mir Sünder gnädig! Von Krechting hörte man keinen Laut, als die leisen Worte, die er in der Marter immer wiederholte: O Gott! O Gott! Die drei Leichen wurden in drei eiserne Körbe gelegt, die man am Lambertusturme angebracht hatte. Wer muß hier nicht sagen: Diese Ketzer waren vom Teufel beseelt und besessen?

Das Ende der Ketzer Servet und Calvin.

Servet schrieb ein Buch, worin er die drei göttlichen Personen leugnete, setzte aber seinen Namen nicht vor. Calvin, sein Freund, erfuhr zufällig, daß Servet der Verfasser sei; er zeigte dies in Frankreich an. Servet wurde eingekerkert, entkam aber dem Gefängnisse und entfloh nach Italien. Sein Weg führte ihn durch Genf, wo sich Calvin aufhielt. Kaum vernahm dieser, daß der Erzketzer angekommen sei, so wirkte er beim Senate dessen Verhaftung aus. Wie entsetzte sich Servet, als Calvin, sein Freund, als Kläger gegen ihn auftrat. Widerrufen wollte er nicht, darum wurde er von Calvin zum Feuer verdammt. Darüber verlor er fast den Verstand und da alles Flehen um Gnade vergeblich war, bat er noch, man möchte ihn doch lieber mit dem Schwerte hinrichten. Auch das wurde ihm abgeschlagen. Am 17. Oktober 1553 wurde er zum Scheiterhaufen geführt, der aus grünem Holze bestand, welches gar nicht brennen wollte. Über eine halbe Stunde quälte sich der Unglückliche und schrie unaufhörlich. Sein Buch wurde mit ihm verbrannt. –

Calvin herrschte am Ende in Genf unumschränkt, wie ein Kalife. Er starb am 27. Mai 1564 noch nicht fünfundfünzig Jahre alt, unter Flüchen und Gotteslästerungen in Verzweiflung; er war ein Wüstling und zog sich böse Geschwüre an den Schamteilen zu, welche von Würmern wimmelten und so furchtbar stanken, daß es des üblen Geruches wegen Keiner an seinem Krankenbette aushalten konnte. Welch ein Unterschied! Die Heiligen haben unter denselben Umständen den lieblichsten Wohlgeruch von sich gegeben, und selbst ihre Leichname dufteten wie Balsam; dieser aber stinkt! (Anmerkung ETIKA: Auch der Leichnam von Pius XII. stank bei der Trauerfeier, worauf der katholische Traditionalist Andreas Pitsch näher eingeht; dessen Urteil war Vicente F. Delmonte noch nicht bekannt, als er seinen Roman „Jedem nach seinen Taten“ schrieb.) Ist das nicht ein Anzeichen der ewigen Verdammnis? Die Heiligen starben Gott preisend, dieser Gott lästernd!

Ketzer bekehren sich schwer und selten.

Der Ketzer Beza war zwar kein Priester, aber doch im Besitz zweier geistlicher Pfründen, und trat später zur Ketzerei Calvins über. Der heilige Franz von Sales bemühte sich, ihn zur katholischen Religion zurückzuführen und hatte zu diesem Zwecke drei Besprechungen mit ihm. Zwar ergab sich Beza nicht, aber er ward so sehr erschüttert, daß er bei seinem Abschiede von dem Diener Gottes, dessen Sanftmut ihn bezwungen hatte, ihm die Hand drückte, die Augen zum Himmel erhob und unter tiefen Seufzern sprach: Bin ich nicht auf dem guten Wege, so bitte ich Gott jeden Tag, daß Er durch Seine unendliche Barmherzigkeit es sich gefallen lasse, mich auf denselben zu versetzen. Diese Worte Bezas bestimmten den heiligen Franz, noch ein viertes Mal nach Genf zurückzukehren, um sich ohne Zeugen mit ihm zu besprechen. Beza, der für den heiligen Franz eine wahre Hochachtung hegte, antwortete ihm, es würde ihm Vergnügen gewähren, ihn anzuhören; er sei von der Aufrichtigkeit seiner Gesinnungen überzeugt; es sei Niemand in der Welt, den er lieber anhöre, als ihn, er habe weder seine Hochachtung, noch sein Vertrauen ihm versagen können und was er für ihn tun würde, das würde er für Niemand auf der Welt tun.

Franz eröffnete ihm nun, daß er im Auftrage des Papstes zu ihm gekommen sei, der dem Beza einen Jahrgehalt von viertausend Goldtalern anbot, wenn er zur katholischen Kirche zurücktrete, und zeigte ihm zugleich das päpstliche Breve. Nachdem man, sprach der heilige Franz, auf so redliche Weise für seinen Unterhalt gesorgt habe, sollten ihn nun auch keine menschlichen Rücksichten zurückhalten; er sei in einem Alter, wo es Zeit sei, an sein Seelenheil zu denken; die Zeit der Erbarmungen gehe vorüber, um der Gerechtigkeit die Stelle zu räumen; Gott spreche zu ihm durch seinen Mund, vielleicht zum letzten Male und er würde es einst, aber zu spät und vergeblich bereuen, ihn nicht angehört zu haben; es sei schrecklich, die Anerbietungen der Gnade Gottes verworfen zu haben.

Beza, der die Wahrheit erkannte, beobachtete bei dieser Rede ein finsteres Stillschweigen, er fühlte sein Herz durch alle Rügen gefoltert, die ein aufgeschreckte Gewissen vorwerfen kann. Andererseits jedoch hielten ihn Menschenfurcht, Gewohnheit, die Schande des Widerrufs und die geheime Ehe mit einem schönen Mädchen zurück. Der heilige Franz hoffte trotz der Unentschlossenheit, Beza würde sich ergeben. Doch was vermag die menschliche Vernunft wider einen verführten, seinen Leidenschaften überlassenen, unter dem Gewichte seiner veralteten Gewohnheiten niedergedrückten und unter dem Gesetze der Sünde gefangenen Willen! Solche Hindernisse zu überwinden, werden Gnaden der ersten Größe, gleich jenen erfordert, die einen heiligen Paulus, einen heiligen Augustinus bekehrten; selten jedoch verleiht Gott dieselben den Urhebern von Ketzereien und Spaltungen. Dies erfuhr Beza gleich vielen Anderen. Statt der Antwort also, die der heilige Franz erwartete, sagte ihm Beza: er sei zwar überzeugt, man könne in der katholischen Kirche sein Heil wirken; doch zweifle er nicht daran, dies auch als Calviner zu können. Der heilige Franz konnte nicht mehr zu Beza nach Genf kommen, weil man ihm nach dem Leben strebte.

Einige Jahre nachher ward Beza krank und als er dem Tode sich nahe fühlte, wünschte er mit dem heiligen Franz zu sprechen; da ihm aber die Calviner das Verlangen versagten, bereute er es, die katholische Kirche verlassen zu haben, und er starb, getrennt von der Kirche, getrennt von Christus, als Ketzer.

Gegen Ketzerei und Irrglauben muß man einen großen Abscheu haben.

Als der heilige Franz von Sales zum Tode krank war, fragte man ihn, ob er erlaube, daß man für ihn bete? Er erwiderte: Im Gegenteile, Sie werden mir einen Gefallen tun; niemals bedurfte ich des frommen Gebetes so sehr! Da man fürchtete, er möchte in eine Schlafsucht verfallen, sprach ein Geistlicher, der zugegen war, um ihn wach zu erhalten, ob er kein Calviner oder Hugenotte sei; denn er habe lange genug Umgang mit diesen Ketzern gehabt, so daß man Ursache habe, dies zu vermuten. Da strengte sich der heilige Bischof, dessen Glauben immer rein, und dessen Eifer für die Bekehrung der Verirrten immer brennend gewesen, gewaltig an und sprach: Gott bewahre mich davor; urteilen Sie hierüber durch dies Zeichen! Und als er dies gesagt hatte, bezeichnete er sich mit dem Zeichen des Kreuzes, was die Ketzer niemals tun. Hierauf aber hörte man, wie er mehrmals wiederholte: Der Verrat wäre allzu groß! Mein Gott, Du kennst mein Herz!

Wie man seinen Glauben gegen die Ketzer bewahrt.

In Ostindien hatte der heilige Franz Xaverius ein Völkchen an der Küste zum katholischen Glauben bekehrt. Die Holländer, welche dort ein Handelslager aufschlugen, gerieten auf den Einfall, auch Missionen für ihren Irrglauben anzulegen, und ließen einen reformierten Prediger aus Batavia dahin kommen, die neuen Katholiken aus ihrer Finsternis zu reißen. Bei der ersten Unterredung, welche derselbe mit dem Oberhaupte des Fischervölkchens hatte, sagte dieser: Du wirst wissen, daß der Glaube unter uns nur durch die großen Wunder, welche der heilige Vater Franziskus Xaverius in diesen Gegenden wirkte, Wurzeln geschlagen hat. Ehe sich also von einer Änderung reden läßt, mußt du weit mehr Wunder verrichten, als er, zum Beweise, daß die Religion, die du uns anrätst, besser sei, als jene, die wir verlassen sollen. Mache also den Anfang damit, daß du wenigstens zehn Tote erweckest; denn unser Vater Xaverius hat ihrer sechs wieder belebt. Heile alle unsere Kranken, und mache das Meer fischreicher, als es gegenwärtig ist. So lange du dergleichen nicht tust, hast du auf deinen Vorschlag keine Antwort von uns zu erwarten. Der Prediger hatte sich einer solchen Antwort von einem Fischer nicht versehen, indessen bei dem Mangel der Wundergabe brauchte man Gewalt; man zwang sie mit Gewalt zur Predigt. Der Häuptling schlug aber die Warnung an, daß Jeder, welcher an dem neuen Gottesdienste Teil nehme, als Landesverräter behandelt werden solle. Einer, welche diese Warnung verachtete, wurde wirklich des Landes verwiesen. Man verlange also Wunder!

Ketzer sind sorgfältig zu meiden.

Der heilige Einsiedler Antonius hatte niemals Gemeinschaft mit denen, die in der Kirchenspaltung lebten. Niemals gab er den Manichäern und andern Ketzern auch nur freundliche Worte, außer solche, welche sie von ihrem Irrtume und ihrer Sünde zurückbringen konnten. Er sagte, daß die Freundschaft und Unterredung mit diesen Menschen die Seelen verderbe. Er verabscheute die Arianer so, daß er Jedermann sagte, man solle ihnen nicht einmal nahen. Einmal kamen Arianer zu ihm; als er sie als solche erkannte, verbannte er sie von seinem Kloster und sprach: ihre Reden können viel mehr schaden, als Schlangen. Einmal streuten die Arianer in Alexandria die Lüge aus, Antonius habe ihren Glauben angenommen. Staunend über ihre Keckheit, von Schmerz getrieben und von den Bischöfen gebeten, ging er nach Alexandria, verdammte in einer öffentlichen Rede die Ketzerei des Arius und beteuerte, daß diese Sekte die schlechteste aller Ketzereien und die Vorläuferin des Antichrists sei. Er verkündete dem Volke die katholische Lehre vom Sohne Gottes und sagte: Habet mit den Arianern keine Gemeinschaft; denn selbst die Elemente zürnen ihnen und alle Geschöpfe seufzen über die Wut der Arianer, weil sie sehen, daß Jesus, ihr Herr, der Alles erschaffen hat, ihnen beigesellt und gleich geschätzt wird.

Mit Ketzern soll man keine Gemeinschaft haben.

Der heilige Einsiedler Marcianus verabscheute die unsinnige Ketzerei des Arius, er verachtete den Wahnsinn des Apollinaris und bekämpfte tapfer die Anhänger des Sabellius, welcher die drei göttlichen Personen in Eine zusammendrängte. Gleicherweise widersetzte er sich den Euchiten, welche im klösterlichen Gewande von der manichäischen Ketzerei angesteckt waren. Sein Feuereifer für die kirchliche Lehre war so glühend, daß er selbst gegen einen bewunderungswürdigen und gottseligen Mann den Kampf unternahm. Es war nämlich in jener Einöde ein gewisser Altvater, mit Namen Abraames, ein Mann von grauen Haaren und ergrauter Klugheit, in jeder Tugend erleuchtet und stets in Tränen der Zerknirschung gebadet. Dieser ließ sich in seiner Einfalt anfänglich verleiten, das Osterfest mit den Juden zu feiern, wahrscheinlich nur aus Unkunde der Beschlüsse der nicäischen Kirchenversammlung, und aus Anhänglichkeit an die alte Gewohnheit und weil viele Andere damals an der nämlichen Unwissenheit litten. Allein Marcianus bemühte sich mit vielen Worten, den Altvater Abraames zur Übereinstimmung mit der Kirche zu bewegen. Als er aber förmlichen Ungehorsam zeigte, sagte sich Marcianus öffentlich von seiner Gemeinschaft los. Im Verlaufe der Zeit aber löschte Abraames diese Makel aus und richtete sich in der Feier des Festes nach der heiligen Kirche. Dies bewirkte aber lediglich die Lehre des heiligen Marcianus.

Die Ketzer haben mit dem Teufel Gemeinschaft.

Als der fluchwürdige Ketzer Marcion das Unkraut seiner Lehre in der Umgegend von Cyrus aussäete, bemühte sich der Bischof auf alle Weise, ihm entgegen zu arbeiten. Nun geschah es aber, daß diejenigen, die er schützen wollte, ihn anstatt der Liebe mit Haß verfolgten und ihn verleumdeten, ja sogar den Teufel anriefen, und ihm durch Zauberkünste zu schaden suchten. Denn zur Nachtszeit hörte er einen bösen Geist in syrischer Sprache rufen; Warum streitest du wider den Marcion, wie darfst du dich dessen unterfangen? Sag an, womit hat er dich jemals beleidigt? Stehe ab von deinem Vorhaben, gib deinen Widerwillen auf, oder du wirst es erfahren, wie gut es für dich gewesen wäre, ruhig zu sein. Schon längst hätte ich dich durchbohrt, wenn ich nicht hätte den Chor der Martyrer mit dem Jakobus dich beschützen sehen. Diese Worte hörte der Bischof und er sprach zu einem seiner Vertrauten, der in seiner Nähe schlief: Hörst du, was man da sagt? Er antwortete: Alles habe ich gehört und ich hätte aufstehen und sehen mögen, wer redet; allein deinetwegen verhielt ich mich ruhig, um dich nicht zu stören, da ich meinte, du schliefest. Sie standen daher auf und suchten Beide überall nach; doch konnten sie nichts weiter sehen und hören. Eben jene Worte vernahmen auch alle seine übrigen Hausgenossen. Unter den besagte heiligen Martyrern verstand der Teufel ein Gefäß mit geweihtem Öle, das von vielen Martyrern gesammelt an seinem Bette hing, und unter seinem Haupte lag ein alter Mantel des großen Jakobus, welcher ihn mehr schützte, als Schloß und Riegel.

Anmerkung ETIKA: Herr, tue auch heute solche Wunder für diejenigen, die Dir treu bleiben wollen, aber in dieser chaotischen Zeit fast untergehen.

2. Teil

Ein Ketzer und sein Ende.

In der Stadt Thessalonika war einst ein Bischof, Namens Thaleläus, welcher weder Gott, noch dessen Strafgericht fürchtete, sondern die christliche Lehre unterdrückte, die priesterliche Ehre und Würde verachtete und statt ein Hirt vielmehr ein Wolf war. Denn der Unselige leugnete die allerheiligste Dreifaltigkeit und betete sogar Götzenbilder an. Die Bischöfe verurteilten ihn daher durch einhelligen Spruch und vertrieben ihn von seinem Sitze. Trotzdem wagte der gottlose Bösewicht, bald darauf sein Bistum sich wieder anzumaßen, und weil dem Gelde Alles gehorchet, wurde er wieder in sein Vaterland zurückberufen; denn nach seiner Verbannung hielt er sich in Konstantinopel auf, wo solche Kaiser und Fürsten zu wohnen pflegten, welche um der Geschenke willen dem Gottlosen Recht geben und dem Gerechten sein Recht nehmen. Allein der allmächtige Gott verließ Seine Kirche nicht, sondern machte den wider die apostolischen Satzungen eingdrungenen Bischof bald zu nichts. Denn als Thaleläus eines Tages in prächtigem Aufzuge einherstolzierte, um an den kaiserlichen Hof zu gehen, damit er durch dessen Befehl sein Bistum wieder erlange, drängte ihn die körperliche Notdurft und da er einen heimlichen Ort aufsuchte, blieb er über drei Stunden aus. Weil er nicht zurückkam, suchten ihn seine Begleiter und fanden den Unglücklichen kopfüber mit den Füßen in der Höhe, im heimlichen Gemache stecken. Nachdem man ihn aufgerichtet hatte, sah man, daß er denselben Tod wie der gottlose Arius erlitten habe. Denn gleichwie diesem, als er, sich auf die Macht der Fürsten stützend, in die Kirche eindringen wollte, der Engel Gottes sein schändliches Eingeweide im heimlichen Gemache ausgeschüttet hatte, ebenso geschah auch diesem gleichgesinnten Bösewichte nach dem Ausspruch des Apostels: Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Hebr. 10, 31.

Die Ketzer werden verdammt.

In einem alten ägyptischen Kloster war ein großer Altvater von äußerster Enthaltsamkeit, der in Glaubenssachen sehr einfältig war, und überall, wohin er kam, ohne Unterschied kommunizierte. Eines Tages erschien ihm ein Engel Gottes und sprach zu ihm: Sag an, Alter, wenn du sterben wirst, wie willst du, daß wir dich begraben? Der Altvater antwortete: Ich weiß es nicht. Hierauf fuhr der Engel fort: Denke darüber nach und entschließe dich; denn nach drei Wochen werde ich wieder kommen und dann mußt du es mir sagen. Daher ging der Altvater zu einem andern und erzählte ihm, was der Engel gesagt hatte. Dieser erstaunte sehr darüber, betrachtete eine Weile den Altvater und fragte ihn endlich auf göttliche Eingebung: Wo empfängst du die allerheiligsten Geheimnisse? Auf die Antwort des Bruders: Wo ich immer hinkomme; sagte Jener weiter: Das sollst du ja nicht mehr tun, daß du außer der heiligen katholischen und apostolischen Kirche kommunizierest, wo die vier Kirchenversammlungen vorgelesen und bekannt werden, nämlich die von Nicäa, von Konstantinopel, von Ephesus und Chalcedon. Wenn aber der Engel wieder kommt, so sage ihm: Ich will begraben werden wie ein katholischer Christ. Nach Ablauf von drei Wochen kam auch wirklich der Engel wieder und fragte den Altvater: Wie ist´s, Alter? Hast du dich besonnen? Der Altvater sprach: Ich will als katholischer Christ begraben werden. Der Engel antwortete ihm: Wohl! und alsbald gab der Altvater seinen Geist auf. Dies alles geschah aber deswegen, damit er nicht die Frucht seiner Bemühungen verliere und etwa mit den Ketzern verdammt werde.

Ketzerei ist ein Ehebruch an Gott begangen.

In Konstantinopel hielten sich zwei syrische Brüder auf, welche Geldgeschäfte machten. Da sprach der Ältere zum Jüngeren: Wir müssen nach Hause reisen, um unser väterliches Haus in Besitz zu nehmen. Der Jüngere antwortete: Warum sollen wir Beide unser Geschäft hier aufgeben? Gehe also entweder du und ich bleibe, oder umgekehrt will ich gehen und du bleibst hier zurück. Sie kamen demnach überein, daß der Jüngere abreiste. Einige Zeit darnach sah der in Konstantinopel Zurückgebliebene im Träume einen überaus schönen und ehrwürdigen Greis vor sich stehen, der zu ihm sagte: Weißt du, daß dein Bruder sich mit dem Eheweib des Gastwirts versündiget hat? Daher betrübte sich der Ältere, als er erwachte, und sprach bei sich selbst: Ich bin die Ursache seines Falles, warum ließ ich ihn allein fortgehen? Da sah er diese Erscheinung zum zweiten Male und der Greis sprach: Weißt du, daß dein Bruder mit der Frau seines Wirtes gefallen ist? Hierüber wurde er noch bestürzter. Endlich erblickte er den Greis zum dritten Male und hörte ihn sagen: Weißt du wohl, daß dein Bruder sein eigenes Weib verlassen und sich an das Weib seines Wirtes gehängt hat? Daher schrieb der ältere Bruder sogleich dem jüngeren, er solle Alles liegen lassen und unverzüglich nach Konstantinopel kommen. Dieser hatte kaum den Brief erhalten, als er sogleich sich aufmachte und kam. Als der ältere Bruder ihn sah, führte er ihn in die Hauptkirche, hielt ihm seine Schuld vor und sprach: Ist das recht von dir, mein Bruder, daß du das Weib deines Wirtes zum Ehebruche mißbrauchtest? Der Jüngere schwur auf diese Beschuldigung bei Gott dem Allmächtigen, daß er weder einen Ehebruch begangen, noch eine andere Person, als seine Ehegattin erkannt habe. Hierauf fragte ihn der ältere Bruder: Oder hast du eine andere schwere Sünde begangen? Der Jüngere sprach: Ich weiß mich keiner andern Sünde schuldig, als daß ich in unserer Vaterstadt mit severianischen Mönchen zusammen kam und ohne zu wissen, daß es unrecht sei, mit ihnen kommunizierte; außerdem wüßte ich nicht, was ich getan haben sollte. Hieraus erkannte der ältere Bruder, daß Jener in so ferne einen Ehebruch begangen habe, weil er die heilige katholische apostolische Kirche verließ, und der Ketzerei des Severus, welcher in der Tat ein schlechter Wirt war, angehangen und den Adel des katholischen Glaubens befleckt habe.

Die Ketzer zeihen selbst Jesum des Irrtums.

Die Ketzer tadeln am katholischen Gottesdienste die vielen Ceremonien und Zierathen, Bilder, Lichter und Lampen; sie loben sich ihre Einfachheit in ihren Bethäusern. Calvin trieb die Ansprüche auf Einfachheit noch weiter und wunderte sich, daß der Sohn Gottes nicht den Aberglauben des Weibes im Evangelium tadelte, das durch die Berührung des Saumes Seines Kleides geheilt wurde. Er fand es unerträglich, daß Gott so die Lehre von der Verehrung der Reliquien geheiligt und gebilligt hat, und dieser Ketzer gebot seinen Anhängern, diesen Irrtum zu verschmähen. Sicher hatte der preußische Philosoph Recht, wenn er sagte: Die Calvinisten behandeln den Erlöser als ihren Untergeordneten, die Lutheraner als ihres Gleichen, die Katholiken als ihren Gott.

Ketzer hassen und verfolgen die Katholiken.

Die protestantischen Holländer hatten Olinda in Brasilien zerstört, zogen am Charfreitage des Jahres 1633 um Mitternacht durch die rauchenden Ruinen dieser Stadt und griffen am Morgen die Stadt Garassu an, während die Einwohner der diesem Tage eigenen Missa praesanctificatorum beiwohnten. Der Augenblick war gut gewählt. Kein Wilder würde diese Calvinisten in ihrer List übertroffen haben; kein Bluthund hätte seine Beute mit unbarmherzigerer Grausamkeit zerreißen können, als sie. Die Männer, welche ihnen in den Weg kamen, wurden niedergemacht, die Frauen ausgeraubt und mit brutaler Grausamkeit rissen ihnen die Plünderer die Ohrläppchen ab und schnitten ihnen um der Ringe willen die Finger weg. Nachdem sie die Stadt geplündert und niedergebrannt hatten, machten sie sich auf den Rückzug, indem sie einige Franziskaner als Gefangene mit sich nahmen, die sie ihres Bekenntnisses wegen ganz besonders haßten und indem sie die Priester gerade in den Gewändern, in denen sie sie vom Altare weggerissen hatten, höhnend vor sich hertrieben. Im nächsten Jahre griffen sie Paraiba an, offenbar weil es ein Benedektinier-, ein Carmeliter- und ein Franziskanerkloster enthielt. Die Einwohner hatten nach einer tapferen Verteidigung auf das ausdrückliche Versprechen: freier Ausübung der katholischen Religion und friedlichen Genusses ihres Eigentums hin kapituliert. Die abscheulichsten Grausamkeiten wurden von diesen Eroberern an diesem tapferen Volke ausgeübt und diejenigen, welche Eigentum besaßen, wurden gefoltert, bis sie die volle Summe bezahlten, die als Lösegeld verlangt wurde. So erhoben die Holländer achtundzwanzigtausend Kronen und auf diese Weise haben sie auch in Indien gehandelt und haben dadurch ihren Namen im Osten und Westen stinkend gemacht. Ketzer sind der christlichen Liebe unfähig, sie können die Katholiken nur hassen und verfolgen; der Geist des Teufels beseelt sie.

Ketzer können die christliche Religion nicht verbreiten.

Die Hugenotten von Frankreich, die Calvinisten von Holland und die Bischöflichen von England haben alle Versuche gemacht, ihre Irrtümer in Brasilien zu verbreiten und Einfluß zu gewinnen; aber man kann nicht sagen, welche von diesen Sekten das auffallendste Mißgeschick erlitten. Die Ketzerei tritt immer unter einer von zwei Gestalten auf; entweder als Trauerspiel oder als Lustspiel; wenn sie nicht grimmig auftritt, ist sie lächerlich. Die Holländer machten die Brasilianer durch ihre Grausamkeit weinen, die Engländer haben sie zum Lachen gebracht. Die französischen Hugenotten hatten kein besseres Schicksal.

Katholiken verfolgende Ketzer und ihre Strafe.

Sieben Jahre regierte bereits der grausame und gottlose Arianerketzer, König Hunerich, über die Vandalen. Da hetzte ihn Cyrila, Bischof der Arianer, auf, als könne er nicht ruhig auf lange Jahre hin regieren, wenn er nicht die Katholiken ausrotte. Zuerst fing er an, die Katholiken zu nötigen, sich noch einmal arianisch taufen zu lassen. Er verbannte alle Priester und ließ ihnen zur Nahrung nichts geben, als eine Art Haber, der sonst nur für Zugtiere verwendet wurde und zwar ungeschroten in Hülsen. Da seine Wut immer noch zunahm, befahl er, ihnen auch diesen zu entziehen. Bald darauf ließ er alle katholischen Kirchen schließen und große Felsenstücke vor die Türen wälzen. Die Klöster wurden den Heiden geschenkt, die Mönche zu Sklaven gemacht. Überall war Jammergeschrei, überall nichts als Tränen, aber auch überall feste volle Entschlossenheit, für Christus zu sterben. Dafür erreichte aber auch Gottes Strafgericht den König, indem er bald darauf von Fäulnis und Würmern zerfressen des schändlichsten Todes starb.

Ketzer haben gegen Katholiken keine Liebe und Barmherzigkeit.

Pater Angelus von Jojosa, früher Herzog und Vizekönig von Aquitanien, gestorben 1608, trat in den Kapuzinerorden. Als Provinzial reiste er mit einem Pater umher, um die Klöster zu visitieren. Sie wurden von der Nacht überfallen und es war nirgends eine Wohnung zu sehen, als das Schloß eines calvinischen Edelmanns. Sie baten nun den Herrn um Nachtherberge; allein dieser schlug es rund ab und da Angelus fortfuhr, ihn darum zu bitten, erlaubte endlich der lieblose Mann, daß sie im Stalle übernachten könnten. Ohne einige Nahrung brachten nun die zwei Kapuziner die Nacht zu und heiligten gleichsam den Stall durch Gebet, Betrachtung und Lob Gottes; mit Tagesanbruch machten sie sich wieder auf den Weg. Da begegnete ihnen ein Herr, welcher mit Angelus wohl bekannt war und gerade in das Schloß wollte, woher die Kapuziner kamen. Er grüßte freundlich den Pater Angelus und seinen Begleiter, und da er hörte, daß sie dort übernachteten, fragte er, wie sie von dem Calviner aufgenommen worden seien. Pater Angelus sagte: ganz ihrem Stande gemäß, er möge daher dem Edelmann seinen besten Dank und freundlichen Gruß ausrichten. Als dieser erfuhr, daß Pater Angelus ein Herzog sei, schämte er sich und ritt den Kapuzinern nach, bat um Verzeihung, lud sie dringend ein, auf sein Schloß zurückzukehren, um seinen Fehler gut zu machen. Pater Angelus war sehr freundlich, entschuldigte sich aber und kehrte nicht zurück. Den Herzog hätte er aufgenommen, den Kapuziner aber nahm er aus Religionshaß nicht auf.

Ketzer sind grausam gegen die Katholiken.

Papst Martin hatte mehrere Bischöfe exkommuniziert, weil sie sich den Aussprüchen der Kirchenversammlungen nicht unterwarfen, solche, welche am kaiserlichen Hofe sehr beliebt waren. Kaiser Konstans ließ den heiligen Martin einer Verschwörung gegen den Kaiser beschuldigen, unter diesem erdichteten Vorwande gefangen nehmen und in den Kerker werfen, wo man ihm kein Wasser zum Waschen gab, wo er vor Kälte erstarrte, wo man ihm eine ekelhafte Nahrung reichte, von der er die Ruhr bekam, die ihn ganz entkräftete. Man hoffte ihn auf diese Weise aufzureiben. Man stellte ihn vor Gericht, wo man es darauf anlegte, ihn recht verächtlich zu behandeln; es wurden vierundzwanzig falsche Zeugen gegen ihn gedungen. Nachdem er verurteilt war, wurde er auf den öffentlichen Platz geführt, die Henker rissen ihm die priesterlichen Kleider bis aufs Hemd ab, auch dieses zerrissen sie von oben bis unten, dann belastete man ihn mit Ketten, machte ihm einen Eisenring um den Hals und die Schergen mit dem Scharfrichter voran führten ihn durch lange Gassen. Wäre nicht der Unwille des Volkes laut geworden (Anmerkung ETIKA: heute führen die Mächtigen die perversesten und ungerechtesten Dinge ein, doch vom Unwillen des Volkes hört man nirgendwo etwas), so hätte ihn der Kaiser hinrichten lassen. Dafür wurde er in den Kerker hinabgeworfen, so daß die Stiege mit Blut gefärbt war und der alte Mann dem Tode nahe kam. Ohne Bett lag der ehrwürdige Greis mit Ketten beladen, der grimmigsten Kälte preisgegeben, auf einer Bank. Er wurde Monate darauf auf die Insel Krim verbannt, wo er nach einem halben Jahre starb.

Ketzer bestraft, welche Katholiken verfolgen und verspotten.

Die Kaiserin Justina war mit ihrem ganzen Hofgesinde der arianischen Ketzerei ergeben und suchte den heiligen Ambrosius wegzuschaffen. Dieses war aber schwer, weil das Volk ihm mit Liebe zugetan war. Ein gewisser Euthemius hatte aus Wohldienerei gegen die Kaiserin ein Haus neben der Kirche gemietet und sich einen Wagen angeschafft, um einmal den heiligen Ambrosius heimlich zu ergreifen und wegzuführen. Allein nachdem er vergebens ein ganzes Jahr auf eine günstige Gelegenheit gelauert hatte, fügte es Gott, daß dieser Mensch selbst wegen eines Verbrechens an einen Strafort abgeführt wurde und zwar gerade auf dem Wagen, den er für den heiligen Ambrosius bestimmt hatte. Dieser aber tröstete seinen Feind und unterstützte ihn mit Geld. – Einmal wurde der heilige Ambrosius von zwei arianischen Hofherren aufgefordert, ihnen den andern Tag den katholischen Glauben öffentlich in der Kirche zu beweisen, sie würden mit den übrigen Arianern sich einfinden. Allein als sich der heilige Ambrosius zur festgesetzten Stunden einfand, erschien Niemand; denn jene zwei Arianer wollten nur ihr Gespött mit ihm treiben und waren unterdessen spazieren gefahren; allein der Wagen wurde umgeworfen und die Spötter kamen jämmerlich ums Leben.

Ketzer lügen und verleumden die Katholiken.

Der heilige Canisius, ein Jesuit, hatte durch seine Bemühung die Einwohner Würzburgs größtenteils beim katholischen Glauben erhalten und begab sich zu gleichem Zwecke nach Ellwangen. Da verbreiteten die Protestanten in Würzburg das Gerücht, Canisius sei zur Erkenntnis gekommen und auch protestantisch geworden. Darüber war bei den Protestanten großes Frohlocken und Spott, bei den Katholiken große Betrübnis; deshalb kehrte Canisius noch einmal nach Würzburg zurück und erklärte auf der Kanzel, daß das Gerücht wegen seiner Glaubensveränderung eine boshafte Lüge der Protestanten sei. Ketzer machen sich aus Lüge und Verleumdung der Katholiken nicht nur kein Gewissen, sie glauben vielmehr ein gutes Werk zu tun.

Der teuflische Haß der Ketzer gegen die Katholiken ein Zeichen des Irrtums.

Der selige Nikolaus de Mello war ein Augustinerordenspriester und Missionär. Seine Oberen schickten ihn mit einem jungen Inder, welcher die Priesterweihe empfangen sollte, nach Rom zum Papste. Da kein Schiff zu Handen war, reisten sie zu Lande dahin. Als sie nach Moskau kamen, fanden sie bei einem katholischen Arzte freundliche Aufnahme. Da nun auch andere Katholiken von den zwei Missionären hörten, versammelten sie sich täglich, um das Wort Gottes und die heilige Messe zu hören und die heilige Kommunion zu empfangen; auch ließ der Arzt sein neugebornes Töchterlein vom seligen Nikolaus taufen. Einige englische Protestanten zeigten die Sache beim Landesfürsten an; dieser hatte einen grimmigen Haß gegen die Katholiken, während er ein Gönner aller Ketzer war. Dieser ließ sie in ein Kloster einsperren, wo die abtrünnigen Mönche ihnen nichts zu essen gaben, als halbgekochte Rüben und die Abfälle des Brotes; überdies wurden sie verspottet, gestoßen, geschlagen und das dauerte sechs Jahre lang. Unter dem Fürsten Demetrius wurden sie freigelassen; doch er starb bald und der Nachfolger Basilikus haßte grimmig Alles, was katholisch war; dieser ließ sie wieder ergreifen und in den Kerker werfen und prügeln, weil sie den russischen Glauben nicht annehmen wollten. Er ließ sie ganz nackt in grimmiger Kälte hinausführen; der Indier wurde enthauptet, Nikolaus aber auf Verwendung einiger Kaufleute ins Gefängnis zurückgebracht, wo er wieder ein Jahr lang schmachtete. Endlich wurde er lebendig verbrannt. Kann das die wahre Religion sein, deren Bekenner aus Religionseifer so lieblos und grausam handeln? (Anmerkung ETIKA: Somit gehören auch die Orthodoxen dem Kreis der Protestanten, Anglikaner, Katholiken usw. an, die Andersgläubige wegen ihres Glaubens umgebracht haben und selbst heute noch Andersgläubige, zum Beispiel fromme Traditionalisten und Fundamentalisten, ausgrenzen und verfemen.)

Ketzerische Regierungen töten die katholischen Missionäre.

Im Jahre 1700 erließ die Regierung von Neu-York das Gesetz, daß jeder papistische Priester, der freiwillig in die Provinz käme, gehenkt werde, und der englische Gouverneur erklärte, dieses Gesetz an jedem Jesuiten, den er ergreifen würde, in Anwendung zu bringen. Sebastian Raslet, ein katholischer Missionär, hatte bereits fünfundzwanzig Jahre segensreich unter den Wilden gewirkt. Da die protestantischen Missionäre unter den katholischen Wilden nichts ausrichteten, setzten sie einen Preis von tausend Pfund Sterling auf das Haupt dieses allzu erfolgreichen Missionärs. Weil aber kein Wilder dieses Blutgeld verdienen wollte, so überfielen die Engländer das Dorf der katholischen Wilden, fingen den Pater Rasles (diesmal so geschrieben), schlugen und skalpierten ihn, zerbrachen seine Hirnschale an mehreren Stellen und füllten Mund und Augen mit Schmutz. Hier ging das Wort Jesu in Erfüllung: Wenn sie euch töten, werden sie glauben, Gott einen Dienst zu tun. So teuflisch können nicht Katholiken, sondern nur Ketzer handeln. (Anmerkung ETIKA: Das stimmt nicht, oder viele Berichte aus dem Mittelalter sind erlogen; man denke nur an die schmähliche Behandlung der Indianer, siehe Bartolomé de las Casas.) Der Rat von Halifax erklärte alle katholischen Rothäute als Banditen, Räuber und Rebellen und bot für Jeden, der ergriffen oder getötet werde, zehn Guineen, die bei der Vorzeigung des Wilden oder seines Skalpes bezahlt werden sollten; und zwar, um die Schurken zur Vernunft zu bringen, nämlich zum Abfall zu bewegen; sie verbrannten ihre Dörfer und behielten ihr Vieh als Beute; kurz, sie jagten sie aus ihren Dörfern hinaus, um sich eine neue Heimat zu suchen. Die Grausamkeit der Weißen ist eben die Ursache, warum die wilden Indianer einen unverlöschbaren Haß gegen sie tragen.

Bilder schändende Ketzer mit Blindheit geschlagen.

Die Stadt Bouglone in Frankreich besaß ein Muttergottesbild. Die Hugenotten sahen die Verehrung dieses Bildes mit Ärger, bemächtigten sich desselben und verunehrten es auf barbarische Weise. Sie warfen es mehrmals ins Feuer; sie suchten es mit Beilen zu zerstückeln, aber vergebens; kurz, da sie es nicht mehr in der Stadt dulden wollten, brachten sie es in ein hugenottisches Haus am Ufer des Meeres und warfen es in einen Brunnen des Schlosses Haneau. Die Frau des Schlosses, welche katholisch war, zog es insgeheim wieder heraus, brachte es an einen verborgenen Ort und verrichtete daselbst ihre Andacht. Vor diesem Bilde betete sie um die Bekehrung der Ketzer, namentlich ihres Mannes. Ungefähr vierzig Jahre blieb das Bild in diesem Hause, bis es ein Priester wieder nach Bouglone zurückbrachte. Sind diese Ketzer nicht blind, wie wütende Stiere, daß sie sogar eine leblose Sache mißhandeln?

Ketzerei ist teuflisch.

Zu Maria-Saal ist ein Gnadenbild der Mutter Gottes. Die Lutheraner verspotteten im sechzehnten Jahrhunderte die frommen Pilger, mißhndelten die Geistlichen, rissen sie mit Stricken vom Altare weg und töteten sie; schlugen dem Dechant zu Maria-Saal Johann Roseker alle Zähne ein; mißhandelten die Weibspersonen und entließen sie mit Schmach; sangen in den Gotteshäusern schändliche Lieder, bedeckten den Boden mit Unflat und besudelten die heiligen Bilder. Diese höllischen Frechheiten arteten nach und nach in die größte Grausamkeit gegen die Wallfahrer aus.

Ein wütender Ketzer durch ein Pferd gestraft und getötet.

Balacius, Landpfleger von Ägypten, ein eifriger Arianerketzer, verfolgte die Katholiken, so daß er in seiner Raserei Einsiedler und Jungfrauen öffentlich entblößen und geißeln ließ. An diesen schickte Antonius einen Brief folgenden Inhalts: Ich sehe den Zorn Gottes über dich kommen. (Anmerkung AIHS: Auch wir sehen den Zorn Gottes über viele kommen, die die Warnungen der Apostel der letzten Zeiten missachten und im Bösen verharren.) Laß ab, die Katholiken zu verfolgen, damit dieser Zorn dich nicht ergreife, der dir den nahen Untergang droht. Der Verblendete las den Brief, spottete darüber, spie ihn an und warf ihn zur Erde. Den Überbringern tat er viel Schmach an und dem heiligen Antonius ließ er Strafe androhen. Aber der Tod kam seiner Drohung zuvor und Gott stopfte sein Lästermaul; denn nach fünf Tagen machte er mit dem Statthalter eine Tagereise. Sie ritten auf den sanftesten Pferden, welche Balacius in seinem Stalle hatte. Da nun die Pferde nach ihrer Art miteinander scherzten, biß das sanfteste Pferd, auf welchem Nestorius ritt, plötzlich den Balacius, riß ihn auf die Erde und zerbiß seine Schenkel so, daß er sogleich in die Stadt zurückgetragen werden mußte und nach drei Tagen starb. Jedermann erkannte daran, daß die Drohung des Antonius schnell in Erfüllung gegangen ist. Das war ein Ende, wie es so ein Katholikenverfolger verdiente.

Ketzerei ist vom Teufel.

Zum heiligen Epiktet wurde ein Besessener geführt. Da der Mann Gottes diesen bei sich wohnen ließ, schrie der Teufel drei Tage lang: O Qual, die ich leide! O wie wohl war mit in den Landschaften Phrygiens! Wie beredete ich da die Menschen, mir zu opfern und zu dienen! Dort lebte ich in Ehren und ich Unverständiger komme daher! Dann ich bin derjenige, der durch den Montanus so viel Gotteslästerisches gelehrt; ich habe durch die Maximilla viele Lastertaten begangen, ich habe jene ganze Gegend zu meiner Verehrung verleitet. Ich habe durch Arius die Stadt Alexandria angefallen und beredet, daß sie den Sohn Gottes ein Geschöpf nannten. Ich habe durch Manes die Ketzerei der Manichäer angefangen und es dahin gebracht, daß man mir Fasten heiligte. Ich habe durch Donatus ganz Afrika verwüstet. Und nun werde ich durch einen Deiner Diener, O Christus, wie ein entlaufener Sklave gebunden und festgehalten! Dieses und viel Mehreres klagte der Teufel; aber vom seligen Manne beschworen, verließ er am dritten Tage seine Behausung, und die befreite Person dankte Christo dem Herrn. Hier haben wir das Geständnis des Teufels selbst, daß alle Ketzereien und Irrlehren von ihm ausgehen (Anmerkung ETIKA: Was für ein Unsinn ist es, wenn ein Papst und mit ihm viele Traditionalisten behaupten, das ganze heutige Chaos sei von Luther ausgegangen!); darum nennt ihn Christus den Vater der Lüge und daß er aus seinem Eigentume nur Lügen vorbringen könne.

Bei Ketzern hält sich der Teufel auf.

In das Kloster der Zellen – Cellularum – bei Alexandria kam einmal ein Bruder aus weiter Ferne hergereist und wollte daselbst wohnen. Er bat den Priester fußfällig, daß er in der Zelle des Evagrius bleiben dürfe. Der Priester sagte ihm zwar sogleich, daß er sich dort nicht werde aufhalten können; denn, sprach er, mein Sohn, es wohnt in derselben Zelle der wütendste Teufel, welcher auch den Evagrius verführt und vom wahren Glauben abwendig gemacht hat, indem er ihm die schändlichsten Irrlehren eingab. Deswegen läßt er auch Niemanden da wohnen. Der Bruder aber beharrte auf seinem Begehren und sprach: Fürwahr, wenn ich hier bleibe, so will ich in dieser Zelle wohnen. Endlich gab der Priester notgedrungen nach und sagte zu ihm: Auf deine eigene Verantwortung und Gefahr gehe hin und nimm die Zelle in Besitz. Der Bruder wohnte demnach etwa eine Woche in der Zelle und als der Sonntag kam, begab er sich in die Kirche. Sobald ihn der Priester sah, beruhigte er sich, denn er war seinetwegen sehr bekümmert. Am darauffolgenden Sonntage kam der Bruder nicht mehr zur Kirche; daher sendete der Priester, welcher ihn vermißte, zwei Brüder, um nachzusehen, weshalb er ausgeblieben sei. Als aber diese in die Zelle eintraten, fanden sie, daß der Bruder sich selbst an einem Stricke erhenkt hatte.

Ketzerei macht fanatisch und verfolgungssüchtig, verleumderisch, gotteslästerlich.

Als die neun Gefährten des heiligen Ignatius von Paris nach Venedig wanderten, kamen sie durch Constanz, wo die Ketzerei Luthers vom Magistrate und Volk angenommen worden war. Als sie sich der Stadt näherten und bei dem Pestspitale vorübergingen, sahen sie eine alte Frau auf sich zukommen, die entzückt zu sein schien, sie zu sehen, und die, ihre Hände zum Himmel erhebend, das Zeichen des Kreuzes machte. Der Anblick ihrer Rosenkränze hatte sie herbeigelockt; denn durch Deutschland gingen sie, den Rosenkranz um den Hals gehängt, um an den Orten, wo die Ketzerei zu herrschen begann, gewissermaßen ein öffentliches Glaubensbekenntnis abzulegen. Die alte Frau war eine gute Katholikin und die Lutheraner hatten sie als Verrückte aus der Stadt gejagt, weil weder Versprechungen noch Drohungen sie hatten bewegen können, ihre Religion zu verlassen; sie logen auch, die ganze Erde glaube an Luther. Die arme Frau küßte zu widerholten Malen die Rosenkränze dieser Fremdlinge und da sie keine andere als ihre Muttersprache verstand, bat sie dieselben durch Zeichen, einen Augenblick auf sie zu warten. Sie lief in das Spital, worin sie wohnte, und brachte die Stücke mehrerer Cruzifixe herbei, welche die Lutheraner zertrümmert hatten, und gab ihnen zu verstehen, daß dies das Teuerste und Kostbarste sei, was sie besäße. Um Jesus Christus wegen der in Seinen Bildern von den Lutheranern erlittenen Beschimpfungen eine Art von Ehrenerklärung zu tun, knieten sie alle im Schnee nieder, beteten Ihn in den Bruchstücken jener Kreuze an und küßten dieselben mit Ehrfurcht. Hierauf kehrte die Frau in Begleitung der wenigen Katholiken der Stadt in ihr Spital zurück und sagte zu den Leuten, die ihr entgegen kamen: Sehet, ihr Unglücklichen, daß es nicht wahr ist, wenn ihr saget, die ganze Erde glaube an eueren Luther und daß nirgends mehr eine Spur von der römisch-katholischen Religion zu finden sei; wo kommen diese Männer mit ihren Rosenkränzen her? Sind sie nicht von dieser Welt?

Ketzer erlauben sich die schlechtesten Mittel, um zu ihrem Irrtum zu verführen.

Die Jesuiten bekämpften die Irrgläubigen in Deutschland und Frankreich. Da die Ketzer nicht wußten, wie sie sich rächen sollten, nahmen sie sich vor, den heiligen Ignatius selbst und die Seinigen zu verführen. Hiezu ersannen sie ein Mittel, welches ihnen der Lügengeist eingegeben hatte. Philipp Melanchthon, der seit Luthers Tode das Haupt der Protestanten war, und noch ein anderer Ketzerhäuptling, sandten einen ihrer Schüler, Namens Michael, mit dem Auftrage nach Rom, er solle so gut als möglich den Katholiken spielen und den General der Jesuiten, den heiligen Ignatius, darum angehen, in die Gesellschaft aufgenommen zu werden. Michael war ein Mann in der Blüte seiner Jahre, geistreich, bescheiden, wohlgestaltet, und hatte eine glückliche Gesichtsbildung. Unter so schönem Anscheine zögerte Ignatius nicht, ihn aufzunehmen. Der neue Noviz verstellte sich bewunderungswürdig. Nie hatte man mehr Eifer und größere Ordnung gesehen. Er war überall der erste, beichtete und kommunizierte wöchentlich mehrere Male und geißelte seinen Körper mit vieler Strenge. Was aber das Seltsamste war: man sah in ihm weder Eigenliebe, noch Stolz. Als er sich fest genug gestellt glaubte, fing er an, sein Gift zu verbreiten, und er tat es auf eine sehr feine Weise. Man hatte ihm die Sorge für das Refektorium übergeben und zum Gehilfen einen gewissen Olivier Manar bestellt. Da er Gelegenheit hatte, mit diesem allein zu sprechen, so nahm er sich vor, sich durch angenehme und zugleich erbauliche Manieren bei ihm einzuschmeicheln und ihn dann allmählich zu verführen. Es hingen im Refektorium verschiedene Bilder von Heiligen. Eines Tages fragte er Manar gesprächsweise und mit einfältigem Tone, wozu diese Bilder dieneten und ob es nicht unrecht wäre, vor ihnen das Haupt zu entblößen oder die Kniee zu beugen. Manar hatte eben seine Theologie beendet und etwas gelernt. Er antwortete nicht allein, was ein guter Katholik, sondern was ein guter Theolog antworten mußte. Sehet da, erwiderte der Heuchler, wie die Meinungen über einen und denselben Punkt verschieden sind: ich habe in Deutschland berühmte Doktoren gekannt, die sich Skrupel daraus machten, dergleichen Bilder zu verehren. Manar machte ihn sicher und in Zeit von wenigen Tagen vernahm er aus seinem Munde mehr als zwanzig lutherische ketzerische Behauptungen; er bewog ihn, sie niederzuschreiben, um ihren gemeinschaftlichen Freund Eberhard Merkurianus darüber entscheiden zu lassen. Michael glaubte den Manar bereits gewonnen zu haben und hoffte, auch Merkurianus zu verführen. Diese Beiden aber überreichten diese Schrift dem heiligen Ignatius, welcher den Verführer sogleich aus dem Hause jagte.

In der Ketzerei sterben, heißt verdammt werden.

In der Geschichte der Gesellschaft Jesu im Königreich Neapel findet sich folgender Zug aus dem Leben eines adeligen Jünglings aus Schottland, der Wilhelm Elfinstre hieß und ein Verwandter des Königs Jakob war. Im Protestantismus erzogen, hing er eifrig seiner Sekte an, bis die göttliche Gnade ihn erleuchtete und er erkannte, daß er im Irrtum sei, worauf er sich nach Frankreich begab, wo er durch den Beistand eines frommen schottischen Jesuiten, aber noch weit mehr durch die Vermittlung der allerseligsten Jungfrau Maria dahin gelangte, die Wahrheit zu erkennen, worauf er dann seine Irrtümer abschwor und katholisch wurde. Später begab er sich nach Rom. Eines Tages sah ihn einer seiner Freunde sehr betrübt, er fragte ihn, was die Ursache hievon sei, worauf Wilhelm ihm erzählte, daß die letzte Nacht ihm seine verstorbene Mutter erschienen sei und zu ihm gesagt habe: Es ist ein Glück für dich, mein lieber Sohn, daß du zur wahren Kirche zurückgekehrt bist; denn siehe, ich bin im Irrrtume gestorben und verdammt worden. Von jener Zeit an wurde seine Andacht zu Maria noch weit größer, er wählte sie zu seiner Mutter, worauf er in den Jesuitenorden trat und bald darauf selig starb.

Ketzerei macht wütend gegen die Katholiken, ist also vom Teufel.

Ernst Schlosser, der Bürgermeister der Stadt Außig (Anmerkung: damals deutsch, gehört seit der Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg zu Tschechien), ein entschiedener Katholik, widersetzte sich dem Eindringen der ketzerischen Prediger. Gegen ihn verschworen sich vierundzwanzig Unkatholische in schauerlicher Weise. Sie schlossen die Stadttore, öffneten das Gefängnis, läuteten Sturm und zogen zur Wohnung des Bürgermeisters, den sie unter dem Dache fanden. Unter Gebrüll schleppten sie ihn auf den Marktplatz. Ein Fleischer, dem er viele Wohltaten erwiesen, versetzte ihm den ersten Stich; mit zweihundertundsiebenzig Wunden verhauchte er sein Leben. Als die Übeltäter von Untersuchung hörten, verbanden sie sich, Niemanden in die Stadt zu lassen, sondern im äußersten Falle sich sammt derselben zu verbrennen. Schlosser starb als Martyrer des katholischen Glaubens und das geschah beiläufig im Jahre 1618.

Ketzer durch ein Wunder von der Wahrheit der katholischen Religion überzeugt.

Einmal hielt sich der heilige Antonius in Rimini auf, wo es eine große Mnge Ketzer gab, die er zur Wahrheit der katholischen Religion zurückführen wollte, weshalb er ihnen etliche Tage predigte und mit ihnen disputierte. Da sie aber seinen Reden nicht zustimmten und wie Verstockte ihn ferner zu hören sich weigerten, ging er zur Beschämung derselben auf Eingebung Gottes hinaus an den Fluß, wo er ins Meer mündet und predigte den Fischen. Höret das Wort Gottes, rief er, ihr Fische des Meeres und des Flusses, weil die treulosen Ketzer es zu hören sich weigern. Nachdem er solches gesprochen, da kam unverweilt eine unermeßliche Menge Fische ans Ufer, groß, klein, mittelmäßig, hielten sämmtlich die Köpfe in die Höhe und sahen den Heiligen an; voran; näher am Ufer, standen die kleinen Fische, hinter ihnen die mittleren, ganz hinten, wo das Wasser tiefer war, die großen. Als sie nun also gereiht waren, fing er an zu predigen und sprach: Ihr habet große Ursache, unserem Schöpfer zu danken, der euch ein so edler Element zur Wohnstätte gegeben, so daß ihr, wie es euch beliebt, süßes und salziges Wasser habet; Er hat euch Zufluchtsstätten gegeben, den Stürmen auszuweichen, klaren, durchsichtigen Trank und Speise zum Leben. Als Er euch schuf, gab er euch Seinen Segen, daß ihr euch vermehrt; bei der Sündfluth starben alle Tiere, nur euch hat Er gerettet. Dazu gab Er euch Flossen, um hinzuschwimmen, wohin es euch gefällt. Euch ward die Erhaltung des Propheten Jonas zugestanden; ihr habt dem armen Heiland den Zinsgroschen bezahlt; ihr gabt Christo nach der Auferstehung Speise mit euerem Fleische. Aus diesen Ursachen seid ihr Gott sehr zum Danke verpflichtet, mehr als andere Geschöpfe. Der heilige Antonius, solche Ehrfurcht der Fische gegen ihren Schöpfer sehend, sagte mit lauter Stimme: Gepriesen sei Gott, weil ihn die Fische mehr ehren, als die Ketzer und weil die unvernünftigen Tiere besser auf sein Wort hören, als die ungläubigen Menschen. Die Zahl der Fische nahm immer zu und Keiner entfernte sich. Auf dieses Wunder lief das Volk aus der Stadt herzu und zog auch die Ketzer herbei. Als diese das offenbare Wunder sahen, wurden sie betroffen und fielen sämmtlich dem Heiligen zu Füßen, um sein Wort zu hören. Da fing der heilige Antonius an, vom katholischen Glauben zu predigen, so kräftig, daß sich all jene Ketzer zum katholischen Glauben bekehrten, die Gläubigen aber darin bestärkt wurden. Nach diesem segnete er die Fische und sie entfernten sich mit Zeichen der Fröhlichkeit.

Ketzer werden schon auf Erden von Gott gestraft; sie nehmen kein gutes Ende.

Johannes Wikleff, ein Engländer, war der Fahnenträger der Irrlehrer neuerer Zeit. Als er im Jahre 1385 sich zu einer Predigt vorbereitete, die er am Feste des heiligen Thomas von Canterbury zur Schmähung dieses Heiligen halten wollte, verhängte der Herr die verdiente Strafe über ihn; denn er wurde von einer Lähmung befallen, die ihn schrecklich entstellte und namentlich seinen schändlichen Mund verzerrte, der so viele Lästerungen ausgestoßen, so daß er kaum zu reden vermochte. Er starb vor lauter Verzweiflung.

Die Ketzer heucheln Wunder, werden aber von Gott zu Schanden gemacht.

Staphilo, früher Lutheraner, dann Katholik, erzählt, was er mit eigenen Augen gesehen. Man brachte von Meißen ein besessenes Mädchen zu Luther, daß er es befreie. Er ließ es in die Sakristei führen und begann die Beschwörung des Teufels, aber nicht nach katholischer Weise, sondern nach seiner Art. Aber der Teufel versetzte ihn in so große Angst, daß Luther zu entfliehen suchte. Aber der Teufel hatte die Türe verschlossen. Er eilte ans Fenster, aber auch dieses war durch ein eisernes Gitter verschlossen. Endlich nahm man eine Axt und ich, der Jüngste und Kräftigste, schlug die Türe ein. Der Zorn des Teufels war ein gerechter; waren nicht er und Luther zwei gute Freunde? Warum wollte er seinen Freund vertreiben?

Nach dem Berichte Bolsers wollte Calvin ein Wunder wirken. Ein gewisser Bruläus, sehr arm, bat Calvin um Unterstützung. Dieser sagte sie ihm zu, wenn er sich tot stelle und auf Calvins Wort hin auferstehe. Der arme Mann gehorchte. Aber was geschah? Als Calvin mit lauter Stimme rief: Stehe auf, Bruläus, im Namen Jesu Christi! und das Volk mit Spannung den Erfolg erwartete, da rührte sich Bruläus nicht. Calvin wiederholte den Befehl; Bruläus blieb unbeweglich. Endlich schüttelte ihn sein Weib, aber Bruläus war wirklich tot. Das schluchzende Weib erzählte nun den Hergang der Sache.

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Anmerkung: Um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern, schreiben wir statt Eigenthum Eigentum, statt Lootsen Lotsen, statt Häring Hering, statt gewaltthätig gewalttätig, statt Verräther Verräter, statt Nothdurft Notdurft, statt todt tot, statt konsekriren konsekrieren, statt läugnete leugnete, statt Schamtheilen Schamteilen, statt Verdammniß Verdammnis, statt Goldthalern Goldtalern, statt erwiederte erwiderte, statt reformirt reformiert, statt Finsterniß Finsternis, statt verläumdeten verleumdeten, statt Oele Öle, statt Bisthum Bistum, statt anmassen anmaßen, statt Gastwirth Gastwirt, statt eckelhaft ekelhaft, statt Unflath Unflat, statt Sündfluth Sündflut und dergleichen.

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