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Ehmig: Gleichnisse

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Keuschheit

8.7.2010
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Keuschheit. Seiten 61-86.

Keuschheit.

Keuschheit war auch bei den Heiden geschätzt.

Porsenna forderte von den besiegelten Römern Geiseln (damals Geißeln). Der allgemeine Geist der Freiheitsliebe machte in Rom auch die Mädchen herzhaft. Unter den Geiseln war Clölia, eine edle Jungfrau, mit mehreren ihrer Gespielinnen. Kaum angekommen im feindlichen Lager, dachten sie schon auf Entweichung aus den Händen der rohen Krieger. Sie überlisteten die Wächter in der Nacht, Clölia führte den Zug der Mädchen an, stürzte sich mit ihnen in den Fluß und schwamm glücklich hinüber. Persenna, zwar entrüstet über den Bruch des Bündnisses, doch zugleich auf´s Neue erstaunt über die verwegene Tat, begehrte die Geiseln zurück. Die Römer schlugen ihm nicht ab, was er mit Recht verlangen konnte, und sandten ihm die kühnen Mädchen wieder zu. Er lobte Clölia sehr, schenkte ihr großmütig selbst die Freiheit und erlaubte ihr, sich einen Teil der übrigen Geiseln loszubitten. Sie wählte aus guten Gründen die allerjüngsten Mädchen, weil diese unter den rohen Soldaten sich nicht so gut durchhelfen konnten, und zog mit ihnen nach Hause. Hier sehen wir keusche römische Mädchen, welche um ihrer Tugend willen durch den Fluß sich wagen und einen heidnischen Sieger, der die Keuschheit dieser Mädchen hochschätzt und ihnen die Freiheit schenkt.

Keuschheit selbst bei den Heiden hochgeschätzt.

Die Römer verehrten die Göttin Vesta, und Jungfrauen, zuerst vier, dann sechs, dienten als Priesterinnen. Sie mußten keusch und ledig bleiben, so lange sie Priesterdienste versahen, doch stand ihnen nach gewissen Jahren der Austritt frei. Die Strafe einer unkeuschen gefallenen Vestalin war grausam und schauderhaft; sie wurde lebendig begraben. In einem Hügel wurde eine Höhle gegraben; in diese setzte man ein Bett und einen Tisch mit wenigen Lebensmitteln, als Brot, Wasser, Milch und Öl und stellte eine brennende Lampe daneben. Die Verurteilte ward in einer ganz verhüllten Sänfte hieher getragen. Wer dem traurigen Zuge begegnete, ging still vorbei, oder folgte mit wehmütigem Blicke und schweigend nach. Eingangs der Höhle verrichtete der oberste Priester einige Gebete, hob dann die verschleierte Vestalin aus der Sänfte und stellte sie auf die Leiter, an der sie hinabsteigen mußte. Die Leiter ward zurückgezogen und eingeschlossen in den engen Grabeskeller hörte die Unglückliche die auf ewig verriegelte Türe mit Erde bewerfen, bis die Öffnung mit der Seite des Hügels wieder gleich gemacht war. Dagegen hatte eine sittsame Vestalin auch große Rechte. Begegnete sie einem Missetäter, der zum Tode geführt ward, so konnte ihr Wort ihn auf der Stelle begnadigen. Liebliche Sitte, welche die Tugend der Keuschheit so ehrenvoll auszeichnete!

Keuschheit soll man höher schätzen, als Freiheit und Leben.

Balduin I., Graf von Flandern, den seine Verdienste und sein Heldenmut auf den Kaiserthron von Konstantinopel erhoben hatten, war bei einer Schlacht in die Gewalt Ivanices, des Königs der Bulgaren, gekommen. Dieser ließ ihn in einen Kerker setzen, wo er beinahe vor Hunger starb und keinen andern Trost hatte, als die Besuche der Königin, welche diesem beklagenswerten Fürsten aber beschwerlicher fielen, als eine vollkommene Einsamkeit. Die Fürstin, gewandt und listig, hatte von ihrem Gemahle, der sie nur zu sehr liebte, unter dem Vorwande des Mitleids die Erlaubnis erhalten, Balduin besuchen zu dürfen. Die war in ihren Gefangenen leidenschaftlich verliebt und indem sie ihren schändlichen gelüsten die Zügel schießen ließ, wagte sie endlich, ihm zu sagen:

Es ist euch möglich, ohne Lösegeld zwei Gefangene in Freiheit zu setzen.

Welches sind diese Gefangenen? fragte Balduin.

Ihr und ich, die ihr aus der Sklaverei befreien würdet, worin ich unter der Tyrannei eines grausamen und barbarischen Ehegatten seufze, war die Antwort. Wenn ihr mich ehelichet, so werden wir Beide frei sein. Überlassen wir Ivanice dieses elende konstantinopolitanische Kaiserreich, und kehret mit mir nach Flandern zurück; die Mittel dazu werde ich euch an die Hand geben.

Balduin, keusch und gottesfürchtig, zitterte ob solch einer Erklärung und bemühte sich, der Fürstin begreiflich zu machen, daß die von ihr vorgeschlagene Heirat den göttlichen Gesetzen zuwider sei. Sie aber drohte ihm mit dem Tode und verließ wütend den Kerker, und kam am folgenden Tage wieder und wiederholte ihre Drohungen. Als aber Balduin auf ihre Liebe nur mit Ermahnungen antwortete, auf welche sie die Leidenschaft nicht hören ließ, ging sie zu Ivanice, und klagte den Gefangenen eines Verbrechens an, dessen sie allein schuldig war.

Der König, grausam von Natur, und durch Eifersucht, die ihm seine Gemahlin einflößte, noch grausamer geworden, lud seine Höflinge zu einem Gastmahle ein, ließ dorthin den Balduin führen und gab ihn den Schmähungen preis. Diese Barbaren, in der Meinung, sich ihrem Herrn gefügig zu erweisen, begnügten sich nicht damit, die ärgsten Beschimpfungen und Lästerungen gegen den unglücklichen Fürsten auszustoßen: sie ließen ihm Hände und Füße abhauen und ihn in einen Brunnen werfen, woselbst er noch drei Tage lebte, Gott seine Schmerzen aufopfernd und Ihm dankend, daß er ihm die Kraft gegeben hatte, den Tod dem Verbrechen vorzuziehen.

Die Heiligen wendeten heroische Mittel zur Bewahrung ihrer Keuschheit an.

Der heilige Bernhard war, im Alter von neunzehn Jahren, mit allen Reizen der Jugend und des Talentes geschmückt. Dies war der Zeitpunkt, wo die Prüfungen ihren Anfang nahmen. Bis jetzt hatte die Keuschheit des jungen Bernhard, von der Gottesfurcht und Schamhaftigkeit geschützt, keine Versuchung erlitten; aber die Lockungen der Welt, in deren Mitte er nun eintreten sollte, regten seine Sinne auf, und versetzten sein kindliches und zu empfindsames Herz in einen lebhaften Aufruhr. Es begegnete ihm eines Tages, daß seine Blicke auf eine Weibsperson fielen, deren verführerische Schönheit ihm aufgefallen war. Bernhard empfand ein ihm unbekanntes Gefühl, sein aufgeregtes Gewissen wachte mächtig auf; er schauderte, er fürchtete, der Pfeil könnte tödlich sein. Sogleich nahm er die Flucht, ohne zu wissen, wohin er ging; er lief zu einem gefrornen Teiche, stürzte sich kühn in denselben und blieb standhaft in diesem kalten Wasser, bis man endlich kam und ihn halbtot herauszog. Ein solcher Beweis von Geistes- und Willenskraft hatte für Bernhard die heilsamsten Folgen; seine siegreiche Tugend erhielt dadurch einen neuen Zuwachs von Kraft und von diesem Augenblicke an erhob er sich immer mehr über die Einflüsse des Fleisches.

Die Keuschheit darf man um keines Gewinnes willen opfern. (Anm. ETIKA: Pflichtlektüre!)

Ein junges Mädchen, Namens Marcellina, war in den Grundlehren des Glaubens und in einer sehr großen Andacht zur heiligen Jungfrau Maria erzogen worden.  Weil die Eltern arm waren, arbeitete sie für ihren Lebensunterhalt und zwar in einem Hause, in welchem auch ihre Eltern arbeiteten. Marcellina zeichnete sich durch Tugend aus, besonders redete sie oft von dem Glücke, ein Kind Mariä zu sein; sie ließ sich in den Marienverein aufnehmen und erfüllte genau seine Pflichten. Sehr oft hatten ihre Gefährtinnen sie zu weltlichen Vergnügungen zu ziehen gesucht, aber sie hatte sich immer widersetzt. Ihre Tugend sollte aber bald auf eine harte Probe gesetzt werden, um zu zeigen, was ein Kind Mariä vermag. Der Mann, welcher ihr und ihren Eltern Arbeit gab, machte dem keuschen Mädchen Anträge, welche eines Herrn unwürdig und in den Augen Gottes und der Menschen abscheulich waren. Marcellina nahm ihre Zuflucht zu Maria; sie fühlte sich gestärkt. Der wollüstige Herr aber beharrte mit größerer Zudringlichkeit auf seinen Versuchungen und um seines Erfolges sicherer zu sein, versprach er ihr eine ansehnliche Geldsumme; er sagte, daß ihre Eltern, welche sie liebte, besser unterstützt werden sollten, und was noch mehr ist, er gewann sogar ihren Vater, welcher so weit ging, daß er selbst seiner Tochter zusetzte, dem Ansinnen ihres Herrn nachzugeben.

Sie setzte ihr Vertrauen auf Gott und Maria, die ihre Kinder nie verläßt; sie widerstand starkmütig. Als ihr Herr sah, daß Alles fruchtlos sei, raubte er ihren Eltern Alles, was sie hatten, unter dem Vorwande, daß sie bei ihm Schulden hätten; darauf entließ er sie aus der Arbeit. Marcellina arbeitete nun ohne Unterlaß, um sich und die Eltern zu ernähre n, im Vertrauen auf den, der die Vögel ernährt. Zum Übermaße des Unglückes fielen ihre Eltern in eine schwere Krankheit; sie mußte dieselben pflegen und zugleich für den Unterhalt sorgen. Der Arzt, der sie besuchte, wunderte sich, die Kranken auf ein wenig Stroh zu finden; aber noch mehr staunte er, als er die Ursache dieses Unglücks vernahm. Während nun ihr Elend mehr und mehr zunahm, machte der entartete Vater seiner tugendhaften Tochter bittere Vorwürfe. Du unglückseliges Kind, sagte er, du bist die Ursache unserer Armut; hättest du in jene Anerbietungen gewilligt, so würden wir glücklich sein, während wir jetzt vor Elend sterben. Vater, habe Geduld, antwortete Marcellina, Gott wird uns schon zu geben wissen, was wir nötig haben.

Des andern Tages kam der Arzt wieder und erzählte von der Ankunft einer sehr reichen Frau, welche von einer ansteckenden Krankheit befallen sei und Niemanden finden könne, der sein Leben in Gefahr setzen wolle, um ihr aufzuwarten, ungeachtet der vorteilhaften Anerbietungen, welche sie stelle. O sehr gerne nehme ich diese Stelle an, sagte Marcellina, um meinem Vater und meiner Mutter den nötigen Unterhalt zu verschaffen. Gott wird mich bewahren. Marcellina meldete sich bei der Kranken und wurde angenommen. Sie erwies derselben alle nötigen Dienste, ohne von der Krankheit angesteckt zu werden, und wußte sich die Zufriedenheit dieser Frau in solchem Grade zu erwerben, daß dieselbe ihrer Familie ein anständiges Jahrgeld aussetzte, so daß diese für ihr übriges Leben versorgt war. Marcellinas Eltern priesen in dieser unerwarteten Lage unaufhörlich Gott den Herrn, daß Er ihnen eine so tugendhafte Tochter geschenkt hatte.

Die Heldin der Keuschheit.

In Mexiko hatte ein Wüstling alle erdenkliche Mühe verschwendet, um eine keusche Person zum Falle zu bringen; doch ihre Standhaftigkeit hatte alle seine Kunstgriffe zu Schanden gemacht. Eines Tages traf er sie in einem abgelegenen Orte ganz allein und von Haß und Rachgierde entflammt, ergriff er sie bei den Haaren, schleppte sie zu einem Baume hin und nachdem er sie an demselben befestiget, schlug und stieß er sie erbärmlich. Sie aber rief mit unerschütterlichem Mute: Lieber will ich auf die grausamste Art mein Leben, als meine Jungfrauschaft verlieren. Und sie hätte auch durch den Wüterich ihr Leben evrloren, wenn nicht die Annäherung von Menschen den Elenden in seiner Rache unterbrochen und verscheucht hätte.

Mittel, die Keuschheit zu bewahren.

Ein adeliger Jüngling hatte in fremden Ländern, die er durchreiste, die Unkeuschheit erlernt und dieses Laster in seine Vaterstadt Rom mitgebracht. Die häßliche Gewohnheit war bei ihm so tief eingewurzelt, daß es ihm unmöglich schien, dieselbe abzulegen. Trotz öfterer Beichte und der von Pater Zuchi angeordneten Mittel kam er dennoch immer wieder mit denselben Sünden in den Beichtstuhl. Der fromme Pater war darüber sehr betrübt und ersann endlich als letztes Mittel das, daß er sein Beichtkind der allerseligsten Jungfrau völlig zu übergeben beschloß. Pater Zuchi sprach also zu ihm: Mein Sohn, statt aller Buße verlange ich nichts Anderes von dir, als daß du Maria zu deiner gebietenden Herrin und Mutter erwählest und alle Morgen, sobald du aufgestanden bist und den englischen Gruß gebetet hast, noch also sprechest:

O meine Herrin und Mutter Maria! Zum Zeichen meiner Treue und Unterwürfigkeit schenke ich dir diesen Tag; ich schenke dir meine Augen, meine Ohren und meine Zunge, mein Herz und mich selbst ganz mit Leib und Seele; so bin ich denn diesen Tag über ganz dein, so bewahre mich denn und beschütze mich als dein Eigentum!

Dieses Gebet wiederhole am Abend mit dreimaligem Küssen der Erde. So oft dich bei Tag oder Nacht eine fleischliche Versuchung anwandelt, so seufze alsbald:

O Maria! meine Herrscherin! Denke, daß ich dein bin, verteidige mich als dein Eigentum!

Der Jüngling folgte diesem Rate. Als er nach Verlauf von vier Jahren, die er anderwärts zugebracht hatte, wieder nach Rom kam und seinem vorigen Beichtvater sein Gewissen eröffnete, konnte sich dieser nicht genug wundern, wie er denn nachher selbst bekannte: Es dünkte mich, ich hörte die Beichte eines unschuldigen heiligen Menschen an. Auf die Frage, woher denn eine solche Veränderung komme, antwortete der Jüngling freudig: Die vor vier Jahren vorgeschriebene Andacht zur Mutter Gottes, die ich nach Ihrem Rate beständig gepflogen habe, hat dies Alles bewirkt. So oft ich diese meine Mutter angerufen, habe ich jedesmal deutlich gefühlt, daß ich gegen die Versuchung gestärkt und vor dem Falle bewahrt wurde.

Als nachher Pater Zuchi dieses Geschichte mit Erlaubnis des Jünglings in einer Predigt dem Volke vorgetragen hatte, fanden sich Mehrere, welche durch Übung derselben Andacht in gleichen Umständen merkwürdige Hilfe fanden; unter Andern ein Offizier, der lange Zeit mit einer gewissen Person in unerlaubten Liebesverhältnissen gelebt hatte. Da er später einmal die besagte Person heimsuchen wollte, um zu erfahren, ob sie nicht etwa mit Anderen ein Liebesverhältnis unterhalte, wurde er an ihrer Haustüre von einem heiligen Schauer überfallen, rief alsbald Maria, seine Beschützerin, an: Hilf mir, meine Beschützerin, ich werde angefochten! und wurde wie durch unsichtbare Hände in seine eigene Behausung zurückgeführt. Nicht lange darauf kam die Mutter eines andern Jünglings zum Pater Zuchi und sagte demselben mit großer Freude Dank, daß er ihren Sohn aus einem Teufel in einen Engel umgewandelt habe.

Keuschheit soll der christlichen Jugend heilig sein. (ETIKA-Pflichtlektüre)

Zu Alexandria lebte zur Zeit der Christenverfolgung unter dem Kaiser Severus eine junge und wegen ihrer Schönheit berühmte Sklavin, Potamiena. Sie wurde von ihrem Gebieter, dessen Gelüsten sie durchaus nicht willfahren wollte, als Christin angegeben. Der Richter befahl ihr, sich ihrem Herrn günstig zu erweisen, widrigenfalls sie in einen Kessel siedenden Pechs geworfen würde, wozu man, um sie zu schrecken, sogleich Anstalt machte. Sie verachtete aber die Drohungen und sprach:

Ich werde nie einem Richter Gehör geben, der so ungerecht ist, mich zum Laster und zur Schande zwingen zu wollen.

Der Richter befahl, sie zu entkleiden und in den Kessel zu werfen. Die schamhafte Potamiena fürchtete die Entblößung mehr, als den Tod.  Um dieselbe zu verhüten, verfiel sie auf den Gedanken, den Wüterich aufzufordern, sie nach und mach mit den Kleidern in das siedende Pech tauchen zu lassen. Man tat es und sie litt drei volle Stunden diese Qualen, ehe sie ihren Geist aufgab.

(Anmerkung ETIKA: Es werden wieder solche Richter uns Christen verfolgen; nehmen wir uns die heiligen Märtyrer als Vorbild, denn der Himmel wird die Belohnung dafür sein.)

Keuschheit soll Eltern und Kindern heilig sein. (ETIKA-Pflichtlektüre)

Als Appius Claudius einmal auf dem Markte zu Gerichte saß, sah er ein sittsames Mädchen, Namens Virginia, vorübergehen. Plötzlich entstand in ihm der unselige Wunsch, diese zu seiner Sklavin zu haben, um sie mißbrauchen zu können; darum machte er gleich den Plan, daß Marcus Claudius, einer seiner Untertanen, behaupten sollte, sie sei die Tochter einer seiner Sklavinnen, um sie dann dem Appius zu überlassen. Marcus Claudius drang also mit mehreren Gehilfen in die Schule, wo Virginia lernte, und befahl ihr als seiner Sklavin, ihm ohne Verzug zu folgen. Sie schreit, Marcus braucht Gewalt, das Volk lief zusammen, der erkaufte Marcus fordert sie gleich vor des Appius Richterstuhl und behauptete da die verabredete Lüge. Der Richter entschied, daß die Sklavin einstweilen ihrem Herrn folgen solle. Das Volk erregte einen Tumult; des Kindes Oheim Numitorius eilte herbei - der Vater Virginius, ein Plebejer, war als Soldat im Felde, Appius mußte die Jungfrau für heute in den Händen ihrer Verwandten lassen, doch erklärt er, morgen das Urteil sprechen zu wollen.

Am andern Tage erschienen Vater, Tochter und Oheim auf dem Markte, alle in Trauerkleidern. Der bestochene Marcus erneuerte seine Forderung, Virginius führte den deutlichsten Beweis, daß Virginia seine freigeborne Tochter sei, aber umsonst; Appius sprach sie dem Claudius als Sklavin zu, und befahl den Lictoren, sie zu greifen. Da bat Virginius den Richter um die Erlaubnis, mit Virginia und ihrer Wärterin noch einmal reden zu dürfen, und dies wurde ihm gestattet. Nun führte der Vater seine Tochter etwas abseits, umarmte sie zärtlich, ergriff das Schlachtmesser eines dastehenden Fleischers und stieß es ihr in die Brust mit den Worten;

Dadurch allein, mein Kind, kann ich dich in Freiheit setzen!

Und hob das blutige Messer gegen den Richter und schrie:

Durch dieses Blut weihe ich dein Haupt dem Verderben!

Er bahnte sich einen Weg durch die Menge bis zum Tore, kam im Lager an und erzählte dort den Kriegern die Schreckenstat. Das Heer kehrte Rache fordernd nach Rom zurück, die Richter legten ihr Amt nieder, aber Appius wurde von Virginius belangt und starb im Kerker durc h Selbstmord. Dem Virginius als Vater war es unerträglich, daß seine Tochter des Appius Hure abgeben sollte.

(Anmerkung ETIKA: Wenn Gott es uns möglich macht, werden die Leser des geplanten Romans „Die kommende Gerechtigkeit“ Appius Claudius und Marcus Claudius in der Hölle, Virginia und ihrem Vater aber im Himmel begegnen. Denn nicht alle Mörder sind in der Hölle, manche kommen auch ins Paradies, denn Gott unterscheidet. Dies sagt uns der von Gott eingegebene Gerechtigkeitssinn.)

Um keusch zu sein, muß die Jugend alle unsittlichen Liebschaften meiden.

Als der heilige Franz von Sales in Padua studierte, kam eine italienische Fürstin in häuslichen Angelegenheiten dahin. Sie war sehr reich und schonte das Geld nicht, wenn es darauf ankam, ihre Leidenschaften zu befriedigen. Einmal traf sie den jungen Grafen in der Kirche, er gefiel ihr ungemein und sie beschloß, ihn in ihr Netz zu ziehen, was es immer kosten möchte. Als er aus der Kirche trat, sandte sie ihm nach bis in seine Wohnung und zog genaue Erkundigung über ihn ein. Sie erfuhr zugleich, daß er ein sehr zurückgezogenes Leben führe, der strengsten Tugend ergeben sei und durchaus keinen Umgang mit Damen habe; ja daß er ihnen ausweiche, so sehr es nur die  Höflichkeit gestatte, und man ihn für unfähig halte, in einen Liebeshandel sich einzulassen. Diese Nachrichten brachten die Fürstin beinahe zur Verzweiflung. Doch sie wurde durch diese Schwierigkeiten nur noch mehr gereizt. Die Fürstin gewann einen seiner Mitschüler, mit dem Franz einige Freundschaft hielt. Dieser ließ sich durch die Geschenke der Fürstin verblenden, sich mit ihr wider die Unschuld seines Freundes zu verschwören und ihr zu versprechen, nichts unversucht zu lassen, um ihn für ihre leidenschaftliche Liebe günstig zu stimmen. Er geriet jedoch in keine geringe Verlegenheit, als es galt, dem Grafen einen solchen Antrag zu tun. Er ging also eines Tages an sein Werk und suchte den heiligen Franz mit allen hervorgesuchten Gründen zu bereden, die Fürstin zu besuchen und ihre Liebe mit Gegenliebe zu erwidern. Der heilige Franz, erwägend, daß man nicht anhören dürfe, was zu tun eine schwere Sünde wäre, sagte entrüstet zu seinem Freunde:

Was habe ich Ihnen zu Leide getan, grausamer Freund, oder vielmehr, was hat Gott Ihnen zu Leide getan, daß Sie meine Seele verführen wollen, für die Er gestorben ist? Sagen Sie der Fürstin, was Ihnen beliebt; ich aber erkläre Ihnen, daß ich keinen weitern Umgang mehr mit Ihnen und durchaus keinen mit der Fürstin haben werde.

Diese Worte trafen den treulosen Freund wie ein Donnerschlag, er verließ ihn ganz beschämt. Der heilige Franz wurde noch behutsamer und schloß sich ganz an Gott an.

Um die Keuschheit zu bewahren, muß man den Umgang mit Personen des andern Geschlechtes meiden.

Der heilige Vinzenz von Paul war so besorgt für seine Keuschheit, daß er mit einer Frauensperson nur in dringenden Angelegenheiten redete; selbst da, wo er schon im hohen Alter stand. Mußte er eine weibliche Person vor sich erscheinen lassen, so mußte stets ein Bruder zugegen sein, und konnte dieses nicht sein, so ließ er die Türe offen, damit er vom Vorzimmer aus gesehen werden konnte.

Denen, die für die Keuschheit kämpfen, kommt Gott zu Hilfe.

Ein Einsiedler wurde vom Teufel mit unzüchtigen Begierden angefochten. Da nahm er sich vor, mehr Handarbeiten zu verrichten, um die Fleischeslust mehr abzutöten. Er war ein Töpfer. Er machte daher aus Ton eine weibliche Figur und sprach zu sich selbst: Siehe, nun hast du ein Weib, es ist also notwendig, daß du mehr als gewöhnlich für sie arbeitest, Nach einigen Tagen machte er eine andere Figur, welche seine Tochter vorstellte, und sprach: Siehe, dein Weib hat dir eine Tochter geboren, du mußt also noch mehr arbeiten, damit du dich, dein Weib und deine Tochter kleidest und nährest. Durch zu viele Arbeit entkräftete er seinen Leib so sehr, daß er nicht mehr im Stande war, die große Anstrengung zu ertragen. Hierauf sprach er zu sich selbst: Wenn du nicht vermagst, diese Mühe zu ertragen, so darfst du auch kein Weib suchen. Der Herr aber, welcher seinen guten Willen sah, für die Keuschheit zu kämpfen, befreite ihn von den lästigen Anfechtungen des Teufels; er aber lobte und pries Gott für diese Gnade.

Die Keuschheit läßt sich erbitten.

Der heilige Abt Serenus war ein Mann von höchster Heiligkeit und Enthaltsamkeit. Ihm war die Gabe der Keuschheit so eingegossen, daß er nicht einmal im Schlafe von natürlichen Reizungen sich beunruhigt fühlte. Als nämlich dieser heilige Serenus um die Keuschheit des Herzens und des Leibes in täglichen und nächtlichen Gebeten, Mit Fasten und Nachtwachen unablässig flehte und sein Gebet erfüllt sah, indem alle Glut der Begierlichkeit in seinem Herzen erloschen war, so entbrannte er im süßen Gefühle der Keuschheit zu noch größerem Verlangen nach Reinigkeit und verlegte sich auf noch angestrengteres Fasten und Gebet, daß sich die Gabe der Keuschheit, welche ihm bloß für den inneren Menschen verliehen worden, sich auch auf die Reinigkeit des Leibes so weit erstrecke, daß er nicht einmal eine einfache und natürliche Bewegung, wie sie selbst in Kindern und Säuglingen entsteht, zu erdulden habe. Nachdem er bei seiner Bitte mit Seufzen und Weinen unablässig verharrte, kam ein Engel in einem nächtlichen Gesichte zu ihm, und nahm ihm, indem er ihm gleichsam den Unterleib öffnete, ein feuriges Stück Fleisch aus demselben und warf es weg. Hierauf sprach der Engel, alle Eingeweide wieder in die vorige Lage bringend, zu ihm: Siehe, nun ist alle fleischliche Brunst von dir genommen; wisse daher, daß du von heute an die immerwährende Reinigkeit des Leibes, die du so vertrauensvoll verlangt, erhalten habest. Auf diese Weise wurde diesem Manne Gottes die Gnade der Keuschheit zu Teil.

Maria schützt die Keuschheit ihrer Verehrer. (Anm: Krieg ist ein Verbrechen.)

Im Jahre 1814 beim ersten Einzug der Alliierten in Paris erfuhr eine Nonne von der Heimsuchung, welche ein in einem dem Schauplatze des Kampfes nahen Stadtviertel gelegenes, ziemlich bedeutendes Mädchenpensionat zu leiden hatte, auf eine ganz merkwürdige Weise die Wirkungen des Schutzes der allerseligsten Jungfrau. Da sie die meisten ihrer Zöglinge den Eltern nicht mehr zurücksenden konnte, so sah sie sich mit ihrer kleinen Familie allen Zufällen des Krieges ausgesetzt. Nicht bloß der Schrecken und die Tränen, die Kanonenkugeln und Bomben, welche sie unter den Trümmern ihres Hauses begraben konnten, waren es, was man befürchten mußte; sondern, was noch weit schlimmer war, die moralischen Folgen, die Gefahr der Notzucht, welche im Falle eines Überfalles hätten statt finden können. Die fromme Nonne versammelte nun alle Mädchen zu den Füßen einer Bildsäule, die sie unter dem Titel Unserer Lieben Frau von der Wache verehrte, ermahnte sie, auf Maria ein unbegrenztes Vertrauen zu setzen und mit ihr ein Gelübde zu machen, wie es sich mit dem Alter und dem Stande der einzelnen vertragen möge. Ihre Worte wurden mit Freuden aufgenommen, und die Wirkung dieses Gelübdes war so mächtig, daß, obgleich mehrere Kugeln durch das Haus geflogen waren und eine Bombe das Fußgestelle der Bildsäule Marias beschädigt hatte, dennoch nicht nur Niemand verwundet wurde, sondern keine von den Klosterschülerinnen auch nur eine leise Regung von Furcht und Unruhe empfand; auch betrat kein Soldat das Haus. Die Kugeln und Bomben bewahrt man noch heute als ein Denkmal der schützenden Macht Mariä.

II. Teil

Mittel, die Keuschheit zu bewahren.

Ein Sünder, welcher es für ganz unmöglich hielt, die Sünden gegen die Keuschheit zu lassen, fing an, den Rosenkranz zu beten, und wurde ganz von der Sünde befreit. Eine andere Person, welche einen schlechten Umgang mit Jemanden hatte, empfand mit einemmale, da sie den Rosenkranz betete, einen großen Abscheu vor dieser Sünde. Mehrmals fiel sie indes wieder in dieselbe Sünde zurück, aber durch den heiligen Rosenkranz gelang es ihr endlich, die Sünde ganz und gar zu lassen.

Die Keuschheit bewahrt man nur durch Zurückgezogenheit.

Die heilige Rosalia war zu Anfang des zwölften Jahrhunderts zu Palermo in Sizilien von altadeligen Eltern geboren und kam wegen ihrer ausgezeichneten Schönheit und vorzüglichen Geistesgaben als Kind schon an den königlichen Hof. Sie hatte wohl eine fromme Erziehung genossen, aber wie leicht werden die Grundsätze der besten Erziehung vergessen und erstickt zur Zeit der Versuchung und besonders durch das verführerische böse Beispiel der weltlich gesinnten Menschen? Wirklich nahte sich der Versucher unter der reizendsten Gestalt der unschuldigen Rosalia, um sie einzuweihen in die Genüsse des Lasters und ihr reines Herz zu vergiften mit der nimmersatten Wollust. Aber die geängstete Rosalia schrie zu Gott und Maria um Rat und Hilfe. Da erkannte sie, daß sie, um ihre Seele zu retten, nicht am Hofe bleiben, sondern Alles verlassen und sich in die Einsamkeit zurück ziehen müsse. Heimlich entfloh sie an einen schauerlichen Ort, so daß alle Nachforschungen vergeblich waren; sie bewohnte eine finstere Höhle bis zu ihrem Tode. Vierhundertundsiebenzig Jahre nach ihrem Tode fand man ihren Leichnam; sie lag auf der Erde gleich einer Schlafenden, mit der einen Hand das Haupt unterstützend, die andere auf der Brust ruhend.

Christus beschützt die Keuschheit Derer, die Ihn anrufen.

Die heilige Serapia stammte aus Antiochia. Ihre Eltern starben in Italien, wohin sie mit ihr nach dem Ausbruche einer Christenverfolgung geflohen waren. Sie war eine Christin. Sie trat bei der jungen Witwe eines Offiziers, Sabina genannt, in den Dienst und bekehrte ihre Herrin zum Christentum. Sabina zog sich nach der Taufe mit Serapia auf ein Landgut zurück. Da sie nicht mehr die Zirkel vornehmer Damen besuchte, fiel es auf, man forschte nach der Ursache, und entdeckte, daß sie durch ihre Magd eine Christin geworden sei. Der Präfekt Berillus ließ die Serapia gefangen nehmen. Sabina scheute sich nicht, ihre Magd zu begleiten und sie zu verteidigen. Berillus ließ die Serapia einsperren; da wollten zwei Wüstlinge gewaltsam sie mißbrauchen. Als sie dieses wahrnahm, betete sie zu Jesus Christus um Schutz; und siehe, es entstand ein Erdbeben und die zwei Wollüstlinge stürzten tot zur Erde. Berillus tobte vor Zorn, als er dies erfuhr, und erklärte Alles als ein Werk der Zauberei. Serapia schrieb es der Macht Christi zu. Wenn dein Gott dieses kann, rief Berillus, so soll Er sie auch wieder lebendig machen. Auf diese Aufforderung fiel Serapia auf die Kniee und betete zu Jesus Christus; sie stieß die Toten mit dem Fuße und sprach: Stehet auf! Sogleich wurden beide lebendig. Serapia wurde im Jahre 122 enthauptet; dasselbe Glück erlangte auch Sabina.

Gott schützt die Keuschheit.

Der heilige Eustachius floh in einer Christenverfolgung mit Weib und Kindern aus Rom bei finsterer Nacht, mit den wenigen Kleidern, die sie in der Eile anziehen konnten. Eustachius entschloß sich, zu einem Freunde nach Ägypten zu reisen. Er fand am Ufer des Meeres ein segelfertiges Schiff und bestieg es mit seinen Angehörigen. Der Befehlshaber des Schiffes war ein heidnischer wollüstiger Tyrann, der ein gottloses Verlangen nach Theopista, der Gemahlin des Eustachius, trug und über einen Plan brütete, sich dieselbe eigen zu machen. Die Armut der Familie begünstigte sein nichtswürdiges Vorhaben. Als das Schiff landete, konnte der unglückliche Gemahl die Kosten für Nahrung und Überfahrt nicht bezahlen und Theopista wurde als Pfand zurückbehalten. Da nützte kein Bitten und Flehen; man drohte sogar, den Eustachius ins Meer zu werfen. Tiefgebeugt und ohne Abschied von seiner treuen Gemahlin nehmen zu dürfen, führte er seine zwei kleinen Söhne aus dem Schiffe, empfahl sie dem Schutze Gottes und wanderte fort. Doch Gott schützte die Keuschheit seiner Gemahlin, Er errettete sie unbefleckt aus den Händen des Befehlshabers des Schiffes, denn er starb des jähen Todes. Nach fünfzehn Jahren fanden sie sich alle wunderbar zusammen, Mann und Frau, Eltern und Kinder.

Die Keuschheit bewahrt man durch öftere Kommunion.

Die heilige Ositha stammte aus königlichem Geblüte und wurde in einem Kloster erzogen. Als sie ihr Vater nach Hause holen ließ, bemerkte sie, daß es am Hofe schwer sei, die Unschuld zu bewahren. Ihr Beichtvater gab ihr den Rat, fleißig zu beten, sich selbst zu verleugnen und öfters zu kommunizieren. Ositha befolgte diesen Rat und bewahrte ihre Unschuld; ja Christus gewährte ihr die Gnade, ihr Leben als Martyrin für den christlichen Glauben hinzugeben.

Die Keuschen schützt Gott.

Der heilige Malchus war der einzige Sohn reicher Bauersleute in Syrien. Er zog es vor, aus Liebe zu Jesus lieber keusch, als in der Ehe zu leben; darum ging er ins Kloster und lebte vollkommen. Nach Jahren starben seine Eltern; da bat er seinen Abt um Erlaubnis, nach Hause reisen zu dürfen, um seine Wirtschaft zu verkaufen und dann wieder zu kommen. Der Abt beschwor ihn, zu bleiben; doch ließ sich Malchus nicht von seinem Vorsatze abbringen. Auf der Reise wurde er mit vielen Anderen von Sarazenen gefangen und zum Sklaven gemacht. Er mußte die Schafe weiden. Da sein Herr sah, daß er geschickt und brauchbar war, zwang er ihn, eine mit ihm gefangene Frau zum Weibe zu nehmen; alle Vorstellungen nützten nichts. Beide fürchteten Gott und die Sünde, er als Mönch, sie als Eheweib; darum besprachen sie sich und lebten mitsammen wie Bruder und Schwester. Gott half ihnen zur Freiheit. Sie entflohen und nach drei Tagen kam ihnen ihr Herr auf Kamelen nach. Sie flüchteten in eine Höhle, wohin ihre Fußstapfen den Herrn führten. In dieser Höhle hatte eine Löwin ihre Jungen. Als nun der Herr in die Höhle hinein rief, zerriß ihn die Löwin; Malchus aber und die Schwester setzten sich auf die Kamele und gelangten so in ihre Heimat, wo er sein Leben in seinem Kloster beschloß.

Gott schützt die Keuschheit.

Die heilige Ursula mit den tausend Jungfrauen fuhr von England ab; ein Sturm verschlug die Schiffe an die Küste der Niederlande und sie mußten im Rhein landen. Von da segelten sie den Rhein aufwärts, um von der entgegengesetzten Seite nach Frankreich zu kommen, wohin sie eben wollten. Als sie aber Köln erreichten, wurden sie von den Hunnen, die damals wider Kaiser Maximus Krieg führten und allenthalben mit Feuer und Schwert wüteten, überfallen. Sie bemächtigten sich der Schiffe, erklärten die Jungfrauen als Sklavinnen und waren im Begriffe, sie zur Stillung ihrer viehischen Lüste zu mißbrauchen. Aber begeistert von Gott, widersetzte sich die heilige Ursula diesem Frevel und bewirkte durch ihr standhaftes Beispiel und ihre eindringenden Ermahnungen, daß alle Jungfrauen wie starke Männer gegen die Barbaren kämpften und ihre Unschuld mit dem Martertode krönten.

Keuschheit beschützt Gott durch Wunder.

Polemius, ein reicher Herr aus Alexandria, hatte einen einzigen Sohn Chrysanthus, den er ganz heidnisch erzog und mit dem er nach Rom übersiedelte. Dort lernte Chrysanthus die christliche Religion kennen und ward so für sie eingenommen, daß er einen förmlichen Missionär unter den Heiden machte. Sein Vater sperrte ihn darum in ein Gefängnis; entließ ihn jedoch auf den Rat seiner Freunde und versuchte ein anderes Mittel, ihn zum Heidentum zurückzuführen. Er ließ ihm die ausgesuchteste Kost reichen, kleidete ihn prächtig und gab einer seiner schönsten jungen Dienerinnen den Auftrag, ihn zu bedienen und bei ihm zu wohnen; denn er hoffte, die Fleischeslust in ihm zu entzünden. Chrysanthus betete fleißig und bewahrte seine Unschuld. Dies schrieb man der Zauberei der Christen zu. Ein Freund des Polemius erinnerte sich, daß Chrysanthus als Heide ein Mädchen, schön, schlau und gewandt, Namens Daria, geliebt habe. Diese beredete man, es über sich zu nehmen, den Chrysanthus zu verführen, was diese auch versprach. Doch die Sache kam anders, als man erwartet hatte; Chrysanthus unterrichtete die Daria im christlichen Glauben und bildete aus ihr das keuscheste Mädchen; Beide legten das Gelübde ewiger Keuschheit ab und lebten wie Bruder und Schwester. Da Beide viele Heiden bekehrten, er unter den Männern, Daria unter den Frauen, kam die Sache zu den Ohren des Statthalters, der Beide einkerkerte. Daria wurde in ein verrufenes Haus leichtfertiger Weiber gebracht. Während sie betete, kam auf einmal ein aus seinem Käfig entsprungener Löwe und legte sich vor die Türe Dariä, als ob er von Gott zu ihrem Wächter berufen worden wäre. Als nun ein unzüchtiger Jüngling zu ihr eingehen wollte, sprang der Löwe auf, warf denselben nieder und hielt ihn fest, während er auf die Jungfrau schaute, als wollte er fragen, was er mit ihm tun solle? Daria sprach zum Löwen: Tue ihm nichts zu leide, sondern halte ihn, so lange ich zu ihm rede. Sie stellte ihm nun das Sündhafte seiner Absicht vor. Der Jüngling bat sie, ihn unversehrt zu entlassen, was auch geschah. Auf ihren Wink ließ ihn der Löwe los und er entfloh, erzählte aber überall das Wunder mit dem Löwen und verkündete die Gottheit Jesu. Als der Präfekt dieses vernahm, ließ er das Haus, worin Daria war, anzünden. Als der Löwe die Flammen bemerkte, wurde er ganz unruhig und brüllte. Da streichelte ihn Daria und sprach: Fürchte dich nicht; du wirst weder verbrennen, noch getötet und gefangen werden, sondern eines natürlichen Todes sterben; gehe in Frieden! Auf dieses ging der Löwe fort, ohne Jemanden zu verletzen. Daria wurde zu Tod gesteinigt; auch Chrysanthus wurde getötet.

Keuschheit ehrt Gott.

Kaiser Heinrich der Heilige und seine Gemahlin Kunigunde lebten in ihrer Ehe keusch und jungfräulich. Einst wurde Kunigunde bei ihm verdächtigt, als stehe sie in einem unerlaubten Verhältnisse. Dies kränkte den Kaiser nicht weniger, als seine Gemahlin. Es sollte hier Gott durch ein Wunder für ihre Unschuld sprechen. Sie erbot sich, über glühende Kohlen unversehrt zu gehen. Eine große Menge Zuschauer hatte sich gesammelt; sie ging wirklich unverletzt darüber hin; Jeder erkannte darin das Zeugni Gottes für ihre Unschuld.

Mittel, die Keuschheit zu bewahren, ist die Flucht der Gelegenheit.

Der heilige Joseph Calasanz studierte in Valenzia. Unter dem dortigen Adel waren mehrere Familien mit ihm verwandt, und so kam er in ihre Gesellschaft. Unter Anderen lernte ihn eine reiche adelige Witwe kennen und verliebte sich in ihn. Joseph merkte in seiner Unschuld längere Zeit nichts davon, bis sie ihre Wünsche deutlicher an den Tag legte. Da machte er es, wie sein Namensbruder im alten Testamente. Er ging auf der Stelle fort in eine Kirche und gelobte Gott ewige Keuschheit, dann fragte er seinen Beichtvater um Rat und verließ auf dessen Gutachten alsogleich die Stadt und begab sich auf die Universität zu Alkala. Der junge Mensch kann in verschiedene Versuchungen gegen die Keuschheit kommen; aber er wird seine Unschuld behaupten, wenn er wie Joseph dem Beichtvater gleich Anfangs die Versuchung mitteilt und die Gefahr flieht.

Was die Heiligen zur Bewahrung der Keuschheit taten.

Eines Tages wurde der heilige Benedikt sehr heftig, wie noch nie sonst, von der Fleischeslust angefochten. Es kam ihm mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit eine Frauensperson in den Sinn, welche er in früheren Jahren einmal gesehen hatte, und es fachte sich in ihm ein solches außerordentliches Verlangen nach ihr an, daß er schon anfing zu überlegen, ob er nicht die Einöde verlassen sollte. Allein die Gnade zerstreute den schwarzen Nebel der Versuchung; Benedikt kam zur Besinnung, zog sein Gewand ab und wälzte sich nackt in Dorngebüschen, bis er ganz wund war. Auf diese Weise löschte er die innerliche Versuchung zur Wollust durch äußerlichen Schmerz. Für diese tapfere Tat bekam Benedikt die Gnade, daß er sein Leben lang nie mehr von unkeuschen Versuchungen angefochten wurde.

In Versuchungen gegen die Keuschheit soll man Maria anrufen.

Jakob Lainez, einer der ersten Gefährten des heiligen Ignatius, wählte Maria zu seiner beständigen Patronin, predigte mit Begeisterung von ihren Vorzügen und suchte in allen Herzen die Liebe zur gebenedeiten Jungfrau anzufachen. Er hatte ihr beständige Keuschheit gelobt und bewahrte sie unter ihrem Schutze unversehrt. Zu Rom trat ihm einmal auf abgelegenem Wege ein unverschämtes Weib entgegen und setzte ihm mit den schändlichsten Anträgen zu. Er aber rief inbrünstig zu Gott und Maria und sprach dann mit ernster Miene: Weib bedenke, daß Gott Alles sieht und daß du sterben mußt! Darüber erschrak das Weib und entwich. Er aber gestand später dem Pater Ribadeneira, der sein Leben beschrieb: In einem solchen Falle wäre es besser, daß man sich die Ohren verstopfe und davon laufe, als viele Worte gebrauche.

III. Teil

Keuschheit ist Gott lieb.

Angela Merici liebte Jesus und Maria. Wenn ihre Brüder spielten, ging sie mit ihrer Schwester in die Kammer und betete; auch schlief sie oft auf dem Boden. Angela hatte sehr schöne Haare und ein liebliches Angesicht. Da ihr einmal eine Gespielin im Scherze sagte, es werde ihr deshalb an Liebhabern nie fehlen, da erschrak sie, denn sie war entschlossen, niemals einen andern Geliebten zu haben, als Jesum Christum. Sie nahm sich daher vor, die Schönheit ihrer Haare und ihres Angesichtes zu zerstören, um Niemanden Anstoß zu geben. Sie nahm Ofenruß, sott ihn mit Wasser und beschmierte damit die Haare, wodurch diese nach und nach alle ihre Schönheit verloren. Auf gleiche Weise machte sie durch Fasten und Wachen die schöne Blüte ihrer Wangen welken. Auf solche Art suchte sie die jungfräuliche Keuschheit zu bewahren.

Was die Heiligen zum Schutze ihrer Keuschheit getan.

Die selige Ritta (Anm.: wohl Rita) ward von ihren Eltern in ihrem hohen Alter gezeugt. Jesus und Maria waren immer in ihrem Herzen und Munde. Zum Ehestande gezwungen, ward sie von ihrem Ehemanne sehr hart gehalten, aber durch Gebet und Geduld wandelte sie ihn in ein sanftes Lamm um. Nach dem Tode ihres Mannes und ihrer zwei Kinder ging sie ins Kloster. Da ward sie vom Satan stark mit Fleischesgelüsten versucht. Sie aber hielt ihre Finger in die Flamme, warf sich bei größter Kälte auf Eis und Schnee, trug ein rauhes Bußkleid und geißelte sich des Tages dreimal, immer das Leiden des Herrn und Seiner schmerzhaften Mutter betrachtend. Endlich lebte sie bloß von der heiligen Kommunion und starb selig.

Keuschheit bis zum Martertod bewahrt.

Die selige Maria, die schmerzhafte genannt, ward im Jahre 1260 in einem Dorfe zu Brabant geboren. Sie machte vor dem Bilde Mariä zwei Gelübde: das der ewigen Keuschheit und das der freiwilligen Armut. Sie entsagte aller Hoffnung eines Erbteils und suchte ihr Stücklein Brot von Haus zu Haus. Nach mehreren Jahren kam eine harte Probe über sie. Ein Mann, gereizt von ihrer Schönheit und ihrem sittsamen Betragen, hatte ein Auge auf sie geworfen. Von sündhafter Geilheit entbrannt, ging er eines Tages zu Maria und machte ihr den schändlichsten Antrag. Sie aber antwortete ihm mit heiligem Ernste, daß sie niemals in sein Begehren willigen werde; denn sie habe ihre Jungfrauschaft Gott und der allerseligsten Jungfrau gelobt.

Der gottlose Mann ließ sich aber nicht abschrecken, er fand keine Ruhe, die höllische Glut hatte ihn erfaßt, er wollte die fromme Jungfrau in seine Gewalt bekommen, koste es, was es wolle. Um sein teuflisches Vorhaben auszuführen, beobachtete er das Haus, wo Maria öfters Herberge nahm und bewirtet wurde. Er schlich sich hinein, stahl einen silbernen Becher und steckte ihn in den Reisesack der Maria. Als man den Becher suchte, fand man ihn nirgends, hatte aber keinen Verdacht auf sie. Eines Tages trat der Bösewicht zu Maria, bezichtigte sie rund heraus des Diebstahls und sagte ihr, daß er ihr Verbrechen entdecken würde, wenn sie nicht nach seinem Willen tun würde. (Anmerkung: hochaktuell). Maria erschrak heftig und beteuerte, daß sie eines solchen Verbrechens nicht schuldig sei. Er aber fuhr fort, sie mit Gericht und Strafe zu bedrohen. Maria sprach: das wäre ja eine ungeheuere Sünde, einen Unschuldigen dem Tode zu überliefern, da ich mich nicht des geringsten Diebstahls schuldig weiß. Darauf packte der gottlose Mensch den Reisesack der Jungfrau, zog den Becher heraus, den er selbst hineingesteckt, und sprach: Siehe, so bist du überwiesen (überführt)! Willige also in mein Begehren und du entgehst der Strafe! Maria, obwohl tief beängstigt, sprach: Das wird niemals geschehen, was du begehrst; ich will lieber unschuldig sterben, als deiner Geilheit dienen.

Wütend über diese Weigerung eilte der Ruchlose zum Ortsrichter, zeigte ihm den Becher und sagte, daß ihn die Bettlerin Maria entwendet und er ihn in ihrem Reisesacke gefunden habe; dann setzte er rachedürstend hinzu, diese Bettlerin sei eine Hexe und Zauberin und entflamme die Herzen der Männer zu schändlicher Liebe, wie sie es ihm angetan, so daß er weder schlafen noch essen könne. Diebe wurden nach damaligen Gesetzen enthauptet, die Hexen lebendig verbrannt. Maria, welche nicht leugnen konnte, daß sich der silberne Becher in ihrem Sacke gefunden habe, wurde zum Tode verurteilt. Maria wurde in eine Grube gelegt, mit Erde überschüttet und lebendig begraben, und da man sie für eine Zauberin hielt, so wurde ein spitziger Pfahl durch die Brust der Lebendigbegrabenen getrieben. Viele aus den Umstehenden weinten bitterlich über diese Grausamkeit und Ungerechtigkeit. Der Ankläger aber blieb verstockt.

Doch die Rache Gottes blieb nicht aus. Kaum hatte er den Richtplatz verlassen, als der Teufel in ihn fuhr. Er fing an zu wüten und zu heulen. Man war gezwungen, ihn mit den stärksten Ketten zu fesseln, und weil man da noch seine Wut fürchtete, sperrte man ihn in eine tiefe Grube, wo er weder essen noch trinken wollte. Sieben ganze Jahre blieb er in diesem schauderhaften Zustande. Man führte ihn an verschiedene Wallfahrtsorte; aber der Teufel wich nicht, sondern schrie, daß er nur am Grabe der schmerzhaften Maria werde ausgetrieben werden. Die Unschuld der grausam gemordeten Maria war bereits anerkannt worden: ihr Grab wurde durch Wunder verherrlicht. Man baute eine Kapelle über dem Grabe. Dahin wurde der besessene Ankläger auf einem Wagen geführt, wohin man ihn nur mit größter Gewalt bringen konnte. Kaum war er in die Kapelle gebracht, so wich der Teufel.

Die Keuschheit höher geschätzt als Gesundheit und Leben.

Der heilige Casimir, ein polnischer Prinz, liebte Maria überaus sehr. Täglich sang er ihr zu Ehren einen Gesang, den er ihr zu Ehren gedichtet hatte. Aber dafür durchströmte Freude und Wonne seine Brust und himmlische Stärke durchdrang seine Seele, um den schönsten Kampf für die jungfräuliche Reinigkeit durchzukämpfen und den glänzendsten Sieg zu erringen. Maria läßt ja nichts unbelohnt, was man zu ihrer Ehre tut. Der heilige Casimir hatte Gott seine Unschuld zum Opfer gebracht. Weder seine Eltern noch seine Freunde konnten ihn jemals überreden, in die Ehe zu treten. Weder Fleisch noch Blut, weder Schmeichelei noch Sinnenlust vermochten es, ihn von dem Vorhaben immerwährender Krankheit abzubringen. Allein eine unerklärliche Krankheit nagte an seinen Lebenskräften. Er welkte wie eine Blume sichtbar dahin. Die Ärzte wußten kein anderes Mittel anzugeben, um ihn zu heilen, als daß er in den Ehestand trete. Dagegen aber sträubte sich der jungfräuliche Sinn Casimirs, er widersetzte sich standhaft dem Willen der Ärzte und wählte lieber den Tod, als das Band der Ehe.

Gott schützt die Keuschheit gegen Verführer durch Wunder.

Als der Gemahl der heiligen Katharina gestorben war, stand sie im Alter von zwanzig Jahren. Von Gestalt war sie schön und anmutig, dabei aber immer streng und ernst in ihrem Verhalten. Dessenungeachtet konnte sie doch nicht verhindern, daß vornehme Herren, von ihrer Schönheit angelockt, ihr auge auf sie warfen und sie zu ehelichen wünschten. Doch sie wies alle Anträge mit den Worten zurück: Ich habe das Gelübde beständiger Keuschheit getan und werde mit keinem sterblichen Bräutigam eine Verbindung mehr eingehen. Die von blinder Leidenschaft gefangenen Herren dachten auf Mittel, sie in ihre Gewalt zu bekommen. Sie suchten sie auf ihren Wallfahrten, die sie zu mehreren Kirchen außer der Stadt machte, gefangen zu nehmen.

Unter Andern tat dies ein Graf, der ihr mit seinem Diener lange auflauerte. Allein Gott schlug ihn mit Blindheit, so daß er sie nicht vorüber gehen sah; er erlangte sein Gesicht erst wieder, als er ihr seine Bosheit bekannte, und Verzeihung bat und als sie für ihn betete.

Einmal wallte sie mit ihrer Mutter nach Assisi. (Anmerkung: Es handelt sich also um die hl. Katharina von Siena.) Dort konnten sie keine passende Herberge finden; endlich gelangten sie in der Dunkelheit zu einem armseligen Wirtshause; mit Not nahm sie der Wirt auf und wies ihnen einen höhlenartigen Raum zum Schutz gegen Regen und Schnee an. Mitten in der Nacht traf bei dem Wirtshause eine zahlreiche Räuberbande ein. Die Räuber zündeten ein Feuer an und besahen sich die Gesichter der Gäste und Pilger. Von der Schönheit Katharinas betroffen, wagten sie es, an sie verliebte und unzüchtige Reden zu richten. Angst und Schrecken ergriff Katharina. Alle menschliche Hilfe war fern, nur der göttliche Schutz blieb ihr übrig, den sie demütig durch die seligste Jungfrau erflehte. In dem Augenblick, als die Räuber, von höllischer Lust entzündet, über sie herfallen wollten, ließ sich draußen vor dem Hause ein Geräusch wie von heranziehenden Soldaten vernehmen. Man vernahm das Rasseln der Waffen und Stimmen, welche zur Gefangennehmung der Räuber aufforderten. Als die Räuber dies hörten, flohen sie erschreckt von dannen. Draußen aber kamen die Räuber wieder zu sich und besetzten den Weg, auf dem Katharina nach Assisi ziehen mußte. Als sie aber mit ihrer Mutter früh Morgens ihre Reise fortsetzte, sahen sie die Räuber, sie selbst aber wurden von ihnen nicht gesehen; denn es lag auf ihnen eine dunkle Finsternis, während die ganze Erde von der Sonne beleuchtet war. So entgingen die Frauen den Händen der Gottlosen, und setzten im Vertrauen auf den Herrn ihre Wallfahrt fort.

Heilige verstümmelten sich, um ihre Keuschheit zu bewahren.

Die heilige Euphemia, des Fürsten von Ratibor Tochter, wurde, zur schönen und geistreichen Jungfrau herangewachsen, einem hohen Herrn zur Ehe versprochen. Euphemia, die dem Heilande ihre jungfräuliche Keuschheit gelobt hatte, weigerte sich, einem Sterblichen ihre Hand zu geben. Vergebens schilderte sie ihrem Vater den Abscheu, den sie gegen den Ehestand fühlte, vergebens flehte sie ihn an, ihr zu gestatten, dem Herrn in unversehrter Jungfräulichkeit dienen zu dürfen; ihr Vater verharrte auf seinem Willen. Als der zur Hochzeit bestimmte Tag erschien, wollte er sie zum Altare schleppen, um sie dem Manne seiner Wahl zu übergeben. Als Euphemia allen Widerstand vergeblich sah, trat sie in die Hauskapelle, und flehte Maria um Schutz und Stärke an; alsdann nahm sie, von himmlischer Begeisterung ergriffen, eine Schere und schnitt sich Nase und Lippen zugleich ab. So verstümmelt erschien sie vor ihrem Vater. Dieser aber, ganz wütend hierüber, übergab sie einem seiner Pächter als Magd, der ein roher grausamer Mann war und sie mit Arbeiten und sogar mit Schlägen überhäufte. Euphemia, sich glücklich fühlend, für Christus leiden zu dürfen, ertrug die Schmach und Mißhandlung mit Geduld und Ergebung und dankte Gott, daß Er sie würdig befunden, zu seiner Ehre leiden zu dürfen. So verlebte sie sieben Jahre unter diesem harten Joche, im Gebete und im Empfange der heiligen Sakramente ihren Trost suchend. Am Abende des Weihnachtsfestes, während die Leute des Pächters zu Tische saßen, begab sich Euphemia in den Stall, um dort zu beten. Da erschien ihr Maria, ermahnte sie zum standhaften Ausharren und heilte ihr Nase und Lippen. Kaum hatte der Vater von dem Wunder gehört, als er sie sogleich zu sich nahm und den Hof zu einem Kloster umbaute, in welches Euphemia mit mehreren Jungfrauen trat, wo sie auch 1359 selig starb.

Gegen die Keuschheit erregt die Hölle schwere Versuchungen.

Der heilige Vinzenz Ferrerius wurde eine Zeit lang von unkeuschen Versuchungen geplagt. Unreine Bilder ließen ihm bei Tag und Nacht keine Ruhe. Er nahm deswegen zu Maria seine Zuflucht. Als er einst zur Nachtzeit vor einem Bilde Mariä betete, erschien der Satan unter der Gestalt eines alten Einsiedlers aus der Wüste und sprach zu ihm: Ich bin einer von den Einsiedler, welche viele Jahre in wunderbarer Enthaltsamkeit und strengem Fasten in der Wüste lebten, während ich als Jüngling jede Lust des Fleisches genossen. Nachdem ich so meine Jugend in Lust und Freude zugebracht, kam mir die Reue und der barmherzige Gott hat mir alle meine Sünden vergeben. Nun siehst du mich als Greis vor dir stehen und ich rate dir, daß du deine blühende Jugend schonest, ihr auch Lust und Freude gönnest und die Buße bis zum hohen Alter verschiebest; denn immer ist Gott bereit, den Reumütigen aufzunehmen. (Anmerkung ETIKA: So sprechen auch die modernen Theologen, viele Priester und die jüngsten Päpste.)

Vinzenz erkannte, daß dies der Satan sei, bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuze und rief Maria an. Der Satan verschwand. Der heilige Vinzenz war von schöner Gestalt und rosigem Angesichte; daher reizte der Teufel eine vornehme schöne Frau an, ihn zu besuchen und zum Falle zu bringen. Anfangs suchte sie unter dem Scheine des Beichtens sich den Heiligen geneigt zu machen, der in seiner kindlichen Einfalt glaubte, sie sei eine reumütige Büßerin, und ihre Absicht nicht durchschaute. Da sie aber auf diese Weise nicht zum Ziele kam, stellte sie sich krank, ließ den Heiligen rufen und gestand ihm mit frecher Miene, wie sehr sie ihm zugetan sei und ohne ihn nicht leben können. Jetzt erkannte Vinzenz mit Schrecken die Schlinge, welche ihm der Teufel durch dieses Weib legte. Aug und Herz zum Himmel erhebend, sagte er, daß er eher tausendmal sterben wolle, als die Keuschheit zu verletzen.

Als das Weib sah, daß ihr Plan fehlgeschlagen sei, beschimpfte sie den Heiligen, aber auf Gottes Befehl fuhr der Teufel in sie und peinigte sie so sehr, daß sie erbärmlich schrie. Der Teufel erklärte, er werde nicht weichen, bis man Denjenigen herbeibringe, der mitten im Feuer unverbrannt blieb. Da die Umstehenden gehört hatten, daß sie dem Vinzenz gebeichtet hatte, rief man diesen herbei. Er kam und sobald er in das Zimmer trat, wich der Teufel. Sehet, rief er laut, das ist der Mann, der im Feuer nicht brannte; diesem muß ich weichen. Er sprach´s und verließ das halbentseelte Weib.

Er betete nicht bloß beständig, sondern bezähmte auch seine Augen und betrug sich so schamhaft, daß er dreißig Jahre lang niemals einen Teil seines Körpers, außer die Hände und das Gesicht, bloß sehen ließ. Ja wenn er seine Unterkleider wechseln mußte, begab er sich immer in ein finsteres Gemach, um sich selbst nicht entblößt zu sehen. Er schien mehr ein Engel als ein Mensch zu sein.

Teil IV

Keuschheit verursachte den Heiligen Kämpfe.

Die heilige Magdalena von Pazzis wurde einmal außerordentlich von unreinen Versuchungen gequält. Da schloß sie sich in ein abgelegenes Zimmer ein und bat die Mutter Gottes unter häufigen Tränen, sie möge sie doch stärken, die Anfechtungen unbeschadet ihrer Herzensreinigkeit zu überwinden. Während sie so betete, erschien ihr Maria und versicherte sie, daß sie in allen Kämpfen, welche sie gegen diese Tugend ausgestanden, Gott niemals beleidigt, sondern im Gegenteile durch ihren mutvollen Widerstand einen vollständigen Sieg errungen habe; sie sagte ihr, daß sie in Zukunft von allen Versuchungen gegen diese Tugend der Herzensreinigkeit frei bleiben werde. So geschah es auch wirklich und sie wurde während ihres ganzen übrigen Lebens nie mehr gegen diese Tugend versucht; und zum Zeichen, wie rein sie in Gottes Angesicht sei, gab ihr Körper einen so lieblichen und wunderbaren Wohlgeruch von sich, daß man nicht wußte, womit man diesen Geruch vergleichen sollte. Dieser Geruch teilte sich auch den Kleidern mit, welche die Heilige trug.

Keusche Menschen schützt Gott.

Lelia Viola befand sich zu Neapel als Magd in dem Hause des Herrn Alphons Manes, eines Schiffskapitäns. Ein Soldat, welcher in demselben Hause als Diener des Kapitäns wohnte, faßte eine unreine Liebe zu der frommen Magd, deren Tugend er öfters gefährliche Schlingen legte, doch vergebens. Lelia blieb unerschütterlich. Da verwandelte sich die Liebe des Soldaten in tödlichen Haß und er dachte nur mehr daran, an ihr Rache zu nehmen. Er gab daher am 14. Juli 1584 vor, er sei von dem Herrn Manes beauftragt, mit der Magd Lelia nach Poselippo, wo Jener ein Bad gebrauchte, Linnenzeug für denselben zu bringen. Lelia, nichts Schlimmes argwöhnend, traute den Worten des boshaften Soldaten, packte einen Bündel Leibwäsche für ihren Herrn zusammen, begab sich damit auf einen kleinen Nachen, auf dem sie, von dem Soldaten, der das Ruder führte, allein begleitet, nach der im Meere gelegenen nahen Insel Poselippo fuhr. Kaum waren sie eine Strecke weit gefahren, als der Soldat seine schändlichen Anträge erneuerte. Lelia wies sie standhaft zurück. Da geriet der Ruchlose in Wut, ergriff die tugendhafte Lelia, warf sie in das Meer hinaus und ruderte sogleich nach Neapel zurück.

Die tugendhafte Jungfrau, von aller menschlichen Hilfe verlassen, rief in ihrer Not Maria an und erfuhr sogleich ihren mächtigen Beistand. Eine halbe Stunde lang hielt sich Lelia wunderbarerweise auf dem Wasser, bis zufällig oder vielmehr durch göttliche Fügung ein Schiff in einiger Entfernung vorüber fuhr. Wiewohl Lelia nicht wußte, wer das Schiff leitete, so rief sie doch den Steuermann beim Namen: Andreas! Andreas Cenemmo hilf mir! hilf mir! ich muß ertrinken! Als Andreas die Stimme hörte und nicht wußte, wer ihn beim Namen genannt habe, fragte er die Schiffsleute, ob ihn Jemand gerufen habe? Niemand, erwiderten diese. Als er  nun auf dem Meere umhersah, erblickte er zu seinem großen Erstaunen Lelia, welche mit den Wellen rang. Er leistete ihr sogleich Hilfe, lenkte das Schiff auf sie zu, zog sie aus dem Wasser und setzte sie ans Land. Nachdem sich Lelia von ihrem Schrecken ein wenig erholt hatte, brach sie in Freudentränen aus und pries mit lauter Stimme Maria, die seligste Jungfrau, als ihre Erretterin. Von Andreas befragt, wie sie denn seinen Namen, bei dem sie ihn um Hilfe gerufen, gewußt habe, antwortete sie: Eine Frau, mit dem Karmeliterkleide angetan, hat mich unter ihren weißen Mantel genommen, damit ich nicht unterginge, und hat mir gesagt, ich sollte mit lauter Stimme dem Andreas Cenemmo rufen, der würde mich aus dem Wasser erretten. Hierauf begab sich die fromme Lelia, von vielem Volke begleitet, in die Karmeliterkirche, um dort ihrer Erretterin zu danken.

Im Kampfe mit den Versuchungen gegen die Keuschheit soll man Maria anrufen.

Der selige Konradin von Brescia wurde 1419 zu Padua geboren. Er war ein inniger Verehrer Mariä und liebte besonders die Tugend der Keuschheit. Um sie unbefleckt zu bewahren, stellte er sich unter den Schutz der allerreinsten Jungfrau und ehrte sie mit kindlicher Andacht. Er mußte aber eine Prüfung überstehen. Er mußte die heftigsten Anfechtungen des Fleisches erfahren. Um im harten Kampfe zu siegen, griff er zur Geißel und schlug sich bis aufs Blut; dabei rief er flehentlich zu Maria. Und siehe da, nicht vergebens! Sie erschien ihm, von zwei Jungfrauen begleitet, schaute ihn freundlich an und sprach: Mein Sohn, deine Sorgfalt um Erhaltung der Reinigkeit (Anmerkung: heute Reinheit) gefällt mir und du mögest wissen, daß dir mein Sohn Alles gewährt, was du begehrst. Damit du aber siehst, wie wahr ich gesprochen, werde ich dir die Gabe der Keuschheit verleihen, nach der du verlangst. Dieses sprechend salbte sie seine Lenden mit wunderbarem Öle mit den Worten: Durch diese Salbung mögen gestärkt werden deine Lenden, auf daß du in Zukunft nicht mehr fühlest den Stachel des Fleisches! Von dieser Zeit an hatte Konradin keine Anfechtung mehr und genoß des vollkommensten Friedens.

Gott schützt die Keuschheit.

Gott sandte eine schwere Prüfung über die heilige Winefrida, die aber zu ihrer Verherrlichung dienen sollte. Sie war eines Edelmannes Tochter aus England. Cradok Alain, der Sohn des Landesfürstin von Nord-Wales, sah sie und entbrannte in böser Lust gegen sie. Er machte ihr Anträge, die sie verabscheute. Ergrimmt über ihre Weigerung, seinem Begehren zu willfahren, wollte er ihr Gewalt antun. Winefrida aber entriß sich seinen Händen und wollte in die vom heiligen Bruno erbaute Kirche flüchten. Der Schändliche aber setzte ihr nach und schlug ihr mit seinem Schwerte das Haupt ab. Doch plötzlich traf ihn die Rache Gottes. Kaum hatte er jene entsetzliche Tat vollbracht, als die Erde sich auftat und ihn lebendig verschlang. An dem Platze aber, wohin das Haupt der heiligen Winefrida fiel, entsprang eine wunderbare Quelle, deren Boden mit Stein und Felsstücken von roten Adern durchzogen bedeckt ist, und um welche ein wohlduftendes Moos wächst.

Kaum hatte der heilige Bruno von dem Martertode der heiligen Winefrida gehört, als er herbeieilte, sich auf die Kniee warf und um das Leben der Jungfrau zu Gott flehte. Und siehe, als er das Haupt mit dem Rumpfe vereinigen wollte, erhob sich die Ermordete und war lebendig. An ihrem Halse sah man nur einen roten Streif, zum Zeichen des erlittenen Martertums. Alles lobte und pries Gottes Macht. Winefrida zog sich hierauf in ein Kloster zurück und lebte darin bis zu ihrem Tode heilig.

Die Versuchungen gegen die Keuschheit soll man herzhaft überwinden.

Andreas Avellinus liebte Maria von Kindheit an und betete gerne den Rosenkranz. Er wurde nach Sinesio geschickt, um dort zu studieren. Sechzehn Jahre alt, wunderschön von Gestalt, bescheiden, sittsam und eingezogen, zog er Aller Augen auf sich. Da geschah es, daß eine Frau ihre Augen auf ihn warf, um ihn zu verführen. Doch Maria wachte über ihn; sie flößte ihm den größten Abscheu gegen alle Anträge des bösen Weibes ein, so daß er ausrief: Lieber will ich mit meinen eigenen Händen meine Augen ausreißen, als die Majestät Gottes beleidigen! Bald darauf drang ein gottloses Mädchen nächtlicher Weile in sein Zimmer; er aber entsprang entsetzt, verriegelte die Türe und brachte die ganze Nacht im Gebete und in Danksagung zu. Da er die Gefahren der Jugend aus eigener Erfahrung kannte, so reiste er von Ort zu Ort, versammelte die Kinder und unterrichtete sie in der Religion und in der Tugend der Keuschheit. Er trat später in den Orden der Theatiner.

Man soll den Tod dem Verluste der Keuschheit vorziehen.

Der heilige Nicasius, Bischof von Rheims, hatte eine Schwester, welche Jungfrau war. Wilde kriegerische Scharen zogen im fünften Jahrhunderte aus Deutschland nach Frankreich und verheerten Rheims. Es wurden alle Einwohner niedergemacht, nur die Schwester des heiligen Nicasius blieb verschont. Da sie aber merkte, daß die Ungläubigen Schändliches gegen sie im Sinne hätten, rief sie aus, sie wolle lieber sterben, als ihren Glauben und ihre Keuschheit verlieren. Sie hatte dieses kaum gesprochen, als man sie gleichfalls niedermetzelte. Ihr und ihres Bruders Leiber wurden später in einer Kirche begraben.

Die Keuschheit nimmt Gott in Schutz.

Vinzentius Bolluacensis schreibt, daß eine gottselige Jungfrau sich in die Flucht begab, um den Nachstellungen einiger Wollüstlinge zu entgehen. Da spaltete sich ein Felsen mitten von einander, nahm sie in ihren Schoß auf und schloß sich hernach wieder zu. In specul. hist. lib. 10. c. 87.

In Amerika, in der Stadt Angelopole, hatte sich unlängst ein schöner Jüngling zum Glauben bekannt und bekehrt. An diesem Orte verliebte sich ein freches Weibsbild in den schönen Jüngling, lockte ihn durch Hinterlist in ihr Haus und verschloß die Türe. Nun suchte sie ihn mit schamlosen Liebkosungen zur Sünde zu reizen. Allein der Jüngling entwand sich ihren Händen und entfloh. Da er die Haustüre verschlossen fand, rannte er in den Hof, sah einen Strick und henkte sich im unbesonnenen frommen Eifer an einen Baum. Gott, der seine gute Meinung ansah, machte, daß der Strick riß und er herab fiel. Darüber kam das Weib dazu, sah dies, erschrak und erhenkte sich an seiner Stelle; alle seine Ermahnungen fruchteten nichts; sie fuhr zur Hölle. Carolus Gregor. Rosignoli Cent. 3. de reg. Ind.

In Valencia in Spanien lebte eine junge schöne Witwe, welche sich trotz des herabgekommenen Vermögens vorgenommen hatte, keusch zu leben. Ein Edelmann machte ihr schändliche Anträge mit Geldversprechungen, welche sie aber ausschlug. Als er damit nichts ausrichtete, sandte er seinen Bedienten zu ihr und ließ des Nachts anläuten. Als die Magd fragte, was es gäbe, sagte der Diener, die Muhme der Frau liege am Sterben und wünsche mit ihr zu sprechen. Unterdessen lauerte der Edelmann. Als die Frau kam, wollte er sie überfallen. Diese aber weckte durch ihr Geschrei die Nachbarn, welche herbei eilten und den Edelmann vertrieben. Zur Belohnung ihrer Keuschheit wendete Gott dieser Frau eine Erbschaft zu, welche ihren Lebensunterhalt reichlich deckte. Cardano lib. 3 c. 7.

Die Heiligen schätzten die Keuschheit hoch.

Der Laienbruder, der die Unterstützungsgelder von Paris nach Lothringen zu überbringen pflegte,  erzählte dem heiligen Vinzentius, daß in den Städten viele vaterlose und verlassene Töchter, sowohl aus dem Adel als aus dem Bürgerstande in dem größten Elende und nebstdem in Gefahr seien, vom Mutwillen des dort in Besatzung liegenden Militärs zur Beute zu werden. An einigen Orten der Champagne hatten sich gegen dreißig adelige Töchter, um dem Mutwillen der Soldaten zu entgehen, in Höhlen und Wäldern verborgen, wo sie in schrecklicher Not darbten, bis ihnen von Paris aus Rettung und Sicherheit zu Teil wurde. Noch weit mehrere wurden vom gemeinen und bürgerlichen Stande gerettet. Kaum hatte der heilige Vinzenz von ihrer Gefahr und Not gehört, so ließ er diese Mädchen einladen, nach Paris zu kommen, wo sie Versorgung finden würden. So kam ein Zug von hundertundsechzig solcher Jungfrauen nach Paris, welche alle die fromme Le Gras zu sich nahm, bis sie nach und nach in guten Häusern als Kammerjungfern versorgt werden konnten. Auf diese Art wurde eine große Anzahl Mädchen, welche in Gefahr waren, Unschuld und Ehre zu verlieren, in Sicherheit gebracht.

Teil V

Keuschheit um jeden Preis zu bewahren.

Unter den christlichen Sklaven in Tunis befand sich eine Französin, welche heldenmütig starb, indem sie lieber unter den schrecklichsten Mißhandlungen ihren Geist aufgab, als daß sie ihre Jungfrauschaft und ihren Glauben aufgegeben hätte. Merkwürdig ist der Tod eines gefangenen Portugiesen. Wie einst Joseph in Ägypten, so wurde auch er von der Frau seines Gebieters zur Unzucht angereizt; weil er ihr aber mutig widerstand, so verleumdete sie ihn, als hätte er sie verführen wollen. Nach vielen Mißhandlungen wurde er zum Tode verurteilt und starb, getröstet von Guerin, dem Missionär, als Martyrer der Keuschheit. Noch auf dem Richtplatz rief er mit gegen Himmel gerichteten Augen: Mein Gott, ich sterbe unschuldig!

Keuschheit kann man nur unter dem Schutze Mariä bewahren.

Im Jahre 1430 war in einer Stadt Englands ein adeliger Jüngling, mit Namen Ernest, der sein ganzes Vermögen den Armen austeilte und ins Kloster ging, wo er auferbaulich lebte, so daß die Oberen ihn sehr hoch schätzten und zwar besonders wegen seiner Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria. Als jene Stadt später von der Pest heimgesucht wurde, baten die Bürger die Klostergeistlichen, für sie zu beten. Da befahl der Abt dem frommen Ernest, er solle vor einem Muttergottesaltar niederknieen, und denselben nicht eher verlassen, bis die Mutter Gottes ihm gesagt, was man zu tun habe, um dieses Unglück von der Stadt abzuwenden. Der fromme Jüngling blieb drei Tage vor dem Altare und erhielt endlich eine Antwort von Maria, in der sie einige Gebete vorschrieb, die man verrichten sollte. Dies geschah und die Pest hörte endlich auf.

Indes wurde der fromme Jüngling in seiner Andacht zu Maria lauer, der Teufel versuchte ihn sehr heftig, besonders gegen die heilige Keuschheit, und gab ihm den Gedanken ein, das Kloster zu verlassen. Schon beschloß der Unglückselige, weil er es unterließ, Maria anzurufen, über die Klostermauer zu steigen; da er indes bei einem Bilde Marias, das im Kreuzgange stand, vorbeiging, vernahm er eine Stimme, die ihm zurief:

Mein Sohn, warum willst du mich verlassen?

Da fiel Ernest bestürzt und reumütig auf die Kniee nieder und sprach:

Aber siehst du denn nicht, meine Königin, daß ich nicht mehr widerstehen kann, warum hilfst du mir nicht?

Die Mutter Gottes antwortete:

Warum hast du mich nicht angerufen? Hättest du dich mir empfohlen, so wäre es nicht so weit mit dir gekommen; von heute an mußt du dich immer mir anempfehlen und auf meinen Beistand keinen Zweifel setzen.

Hierauf kehrte Ernest in seine Zelle zurück. Indes kamen von neuem heftige Versuchungen über ihn; er unterließ es wieder, sich Maria anzuempfehlen, verließ endlich das Kloster, führte ein gottloses Leben, fiel von einer Sünde in die andere und wurde sogar ein Mörder.

Keuschheit beschützen nicht Mauern, sondern der sittliche Sinn und die Wachsamkeit der Eltern.

Zur Zeit der preußischen Invasion in Mähren 1866 hatte eine Mutter bange Sorgen um die Keuschheit ihrer fünf Töchter; denn sie hatte gehört, daß die Preußen nicht bloß die Butterbemmchen, sondern auch schöne Mädchen lieben und sie fürchtete für ihre Kinder. In der Angst beredete sie ihre Töchter, sich einmauern zu lassen. Die Preußen liebten auch den Wein, daher durchsuchten sie den Keller, bemerkten daselbst frisch Gemauertes, vermuteten einen Schatz dahinter und befreiten so die Töchter. Auch in einem anderen Dorfe ließen sich drei große Mädchen aus Furcht vor den anrückenden Preußen einmauern, wovon jedoch eine bald das Leben eingebüßt hätte, wenn nicht noch rechtzeitig durch das Klopfen der Andern Hilfe gekommen wäre. Der Raum, worin die Mädchen eingeschlossen waren, war nämlich so klein und hatte so wenig Luft, daß die Eine bereits ohnmächtig war, als man sie befreite und auch die andern Zwei waren schon sehr schwach. Sachverständige erklärten, daß, wenn die Hilfe nur um eine Stunde später gekommen wäre, alle drei Mädchen erstickt wären. War auch die Wahl des Mittels zur Bewahrung ihrer Keuschheit unvernünftig, so verdient doch die sorgfalt für die Erhaltung der Keuschheit auf Seite der Eltern und Mädchen alles Lob.

Dem Verluste der Keuschheit ist der Tod vorzuziehen.

In Paris machte es sehr viel Aufsehen, als am 8. Dezember 1866 daselbst eine Jungfrau ermordet wurde, die lieber sterben, als entehrt werden wollte. Die Ermordete war dreiundzwanzig Jahre alt, fromm, fleißig, sanft und heiter. Sie hatte die besten Zeugnisse von ihren Herrschaften. Am 8. Dezember, also am Feste der unbefleckten Empfängnis Mariä, hatte sie Morgens in der heiligen Messe kommuniziert; sie trug das Skapulier, als sie ermordet wurde. Wie wurde denn die Ermordung herbeigeführt? Durch eine Liebschaft. Sie war hübsch, offen, heiter und freundlich gegen Jedermann. Als sie nach Paris kam, um einen Dienst zu suchen, fühlte sie sich allein und verlassen in der großen Stadt unter wildfremden Menschen. Da fand sie nur Trost in der Kirche, dort fühlte sie sich zu Hause, denn sie fand da denselben Gott, wie in ihrer Heimat. Hätte sie sich doch an diesen allein gehalten!

Allein sie traf eine Landsmännin an; sie hätte die lockere Kamerädin fliehen sollen. Sie tat es aber nicht und wurde durch dieselbe ganz sachte in eine Bekanntschaft mit einem Jüngling gezogen. Dieser wollte sie heiraten, sagte er. Sie sagten´s ja alle, und die Mädchen glaubten es auch fast alle. So rechtschaffen und brav war aber das Mädchen, mit Namen Louise, daß sie sich nicht in die Sünde der Unkeuschheit hineinziehen ließ. Sobald sie inne wurde, daß der Kerl eigentlich ein Verführer sei, gab sie ihm den Abschied und bemühte sich, die Liebe zu ersticken, die in ihrem Herzen sich entzündet hatte. Um sich recht innerlich zu reinigen von den Brandflecken dieser Leidenschaft, hatte sich die Jungfrau Samstag Morgens in die Kirche begeben und durch Beicht und Kommunion sich mit Gott ausgesöhnt. Der Bursche, angemutet durch die saubere Landsmännin, versuchte es, das Mädchen wieder für sich zu gewinnen. Sie widerstand aber heldenmütig allen Lockungen und fiel als ein Opfer jungfräulicher Unschuld, am Tage der unbefleckten Empfängnis Mariä, eines seligen Todes. Der geile Liebhaber ermordete sie. Wohl der schönste Tod, den sich eine christliche Jungfrau wünschen kann! Lieber sterben, als die Unschuld und Keuschheit verlieren, ist ja der Wahlspruch jeder echt christlichen rechtschaffenen Jungfrau.

Keuschheit von den alten heidnischen Deutschen hochgeehrt.

Tacitus, der römische Geschichtsschreiber, erzählt, wie heilig die Deutschen die Ehe hielten, und wie gewissenhaft Jung und Alt jede Unsittlichkeit verabscheute. Er sagte wörtlich: Bei den Deutschen ist es nicht üblich, über das Laster zu lachen und Verführung für den Geist der Zeit zu erklären; gute Sitten herrschen vielmehr bei ihnen und diese sind wirksamer, als anderwärts gute Gesetze. Die zwei berühmten heidnischen Geschichtsschreiber Diodorus Sikulus und Strabo erzählen uns, daß die Deutschen ein kräftiges, mutiges und tapferes Volk gewesen, daß sie einen hohen Körperwuchs, blaue Augen, blonde Haare und wahre Riesenkraft besaßen und daß sie offenbar deswegen so groß, so mutig und tapfer gewesen, weil sie sehr keusch gelebt und ihre Kraft nicht durch Unkeuschheit und Weichlichkeit vergeudet haben. Daß diese Schriftsteller Wahrheit redeten, davon können wir uns noch jetzt überzeugen, wenn wir jene Waffenrüstungen betrachten, welche die alten Deutschen trugen. Die schwere Lanze führten sie mit Einer Hand, heutzutage haben bereits zwei Mann daran zu tragen; das wuchtige Schlachtschwert führten sie kräftig und behend mit Einem Arme, heutzutage kostet´s einem Männchen des neunzehnten Jahrhunderts Mühe, es mit zwei Armen zu heben. Ja, unsere Vorfahren waren groß, kräftig und mutig, weil sie keusch und sittenrein lebten.

Anmerkung ETIKA: Ein echter Deutscher ist nur, wer jede Unsittlichkeit verabscheut. Das unterscheidet uns von jenen. Deshalb fürchten sie uns so. Heiliger Erzengel Michael, steh deinem Volk bei!

Keuschheit ist von Gott hochgeschätzt.

Die heilige Brigitta hatte ihre Jungfrauschaft Gott verlobt. Ihr Vater aber wünschte, daß sie sich vermähle. Da bat die Jungfrau inständig ihren himmlischen Bräutigam, Er möge doch ihren Leib verunstalten und sie dadurch vor der Ehe bewahren. Und siehe! Brigitta, die ein Bild der Schönheit gewesen, verlor ein Auge, und wurde häßlich wie die Nacht, so häßlich, daß ihr Anblick Entsetzen erregte. Als ihr Freier sie in diesem Zustande sah, stand er herzlich gerne von seiner Bewerbung um sie ab, und auch ihr Vater verschonte sie hinfür mit der Zumutung, sich zu verehelichen, indem er in dieser wunderbaren Entstellung den Willen Gottes erkannte, daß seine Tochter als unentweihte Jungfrau Gott dienen solle. Und wie belohnte Gott diese heldenmütige Gesinnung Seiner getreuen Magd? Brigitta erhielt alsbald das verlorene Auge wieder und ihr Antlitz strahlte von überirdischer Schönheit und Anmut. Ihr Mädchen! bei euch gilt es: Lieber schlecht, bodenlos schlecht, nur nicht häßlich!

Keuschheit macht alt.

Im Jahre 1586 starb der Pfarrer Antonius Hasech, einhundertfünfundzwanzig Jahre alt. Und von diesen einhundertfünfundzwanzig Jahren hatte er hundert auf ein und derselben Pfarrei zugebracht. Als ihn einst sein Bischof fragte, welche Lebensessenz er anwende, um solch hohes Alter zu erreichen, sagte er:

Ich habe drei liederliche Personen nie in mein Pfarrhaus gelassen: den Zorn, die Wollust und die Trunksucht.

Nimm´s zu Herzen, du willst ja auch alt werden!

Der heilige Franz von Paula hat ein Alter von zweiundneunzig, der heilige Remigius von sechsundneunzig, der heilige Antonius von einhundertfünf, der heilige Simon Stylites von einhundertneun und der heilige Romuald von einhundertzwanzig Jahren erreicht. Und warum? Weil sie keusch, mäßig, enthaltsam und nüchtern gelebt.

Keuschheit macht stark.

Gottfried von Bouillon, zur Zeit der Kreuzzüge der erste König zu Jerusalem, besaß eine solche Riesenkraft, daß er in mancher Schlacht geharnischte Ritter mit Einem Streiche vom Helm bis auf den Sattelknopf spaltete. Als man den Helden fragte, woher denn seine Riesenstärke komme, antwortete er: Dies ist die Kraft der Keuschheit; denn nie habe ich diese Hände durch Wollust und Unzucht befleckt.

Der kaiserliche General Tilly war ein Kriegsheld erster Größe. Er sagte von sich selbst: Ich war nie berauscht, nie verliebt und nie besiegt. Drei kostbare Edelsteine im Leben des Menschen! Luther hat drei andere empfohlen, mit den Worten, die heute überall Geltung haben: Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.

Keuschheit soll von Mädchen bewahrt werden.

Surius schreibt von zwei adeligen Töchtern im Fürstentum Lombardien: Beim Einfalle der Barbaren ersannen diese Mädchen eine List, um ihre Jungfrauschaft zu retten. Sie verbargen tote Hühnchen in ihren Busen. Durch die Wärme gingen sie schnell in Fäulnis über und verbreiteten unerträglichen Gestank. Da nun diese barbarischen Kriegsknechte diese Mädchen sahen, bestimmten sie sie zur Wollust. Als sie sich aber näherten, schrieen sie: Pfui Teufel, es kann´s Niemand um sie aushalten, und liefen davon.

Keuschheit höher zu schätzen, als das Leben.

Die heilige Euphrasia ward in der diokletianischen Verfolgung in ein Hurenhaus geführt, ihr folgte gleich ein geiler Jüngling nach. Sie ersuchte ihn, ihrer zu schonen, sie wolle ihm dafür ein Geheimnis offenbaren, wodurch er sich könne hieb- und stichfest machen, und damit er sehe, es seien nicht leere Worte, wolle sie die Probe selber bestehen. Sie schmierte demnach den Hals mit einer Salbe. Herr, sprach sie dann, jetzt schlagt mit dem Schwerte aus allen Kräften los, ihr könnt mich nicht verwunden. Dieser schlug und schlug ihr den Kopf ab. Euphrasia ist in den Himmel geflogen, und der verbuhlte Jüngling stand mit offenem Munde staunend da. Dies war kein Selbstmord, denn sie wäre ja ohnehin gemartert worden.

Die Keuschheit von Heiligen hochgeschätzt.

Die heilige Paula, eine spanische Jungfrau in Abula, ward ihrer Schönheit halber stark versucht. Als sie einst von einem solchen Wüstling zur Unzucht gereizt ward, flüchtete sie sich in die Kirche des heiligen Laurenz und bei den Füßen des Kreuzes bat sie den Heiland,, Er möge ihr doch die schöne Gestalt nehmen, worauf ihr sogleich ein Bart wuchs und das Gesicht grob und holzhackerisch wurde. So entging sie der Gefahr. Sie heißt deswegen S. Paula barbata, die Bebartete.

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Anmerkung: Um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern, schreiben wir Tat statt That, Teil statt Theil, unablässig statt unabläßig, Alliierte statt Alliirte, Rat statt Rath, Witwe statt Wittwe, Kamele statt Kameele, Heimat statt Heimath, Gefängnis statt Gefängniß, erschrak statt erschrack, Blüte statt Blüthe, Schere statt Scheere, deswegen statt deßwegen, Scharen statt Schaaren, verleumden statt verläumden.

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