ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

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18b8kind

Kinder

24.11.2010
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Kinder. Seiten 86-146

Kinder ahmen Alles nach und nehmen leicht Ärgernis.

Die Affen sind wegen ihres starken Nachahmungstriebes zum Sprichworte geworden. Diese Nachahmungssucht wird oft benützt, um sie zu fangen. Man geht in den Wald, wo sie hausen, wäscht sich das Gesicht und läßt ein Gefäß mit Leimwasser stehen; der Affe kommt herunter vom Baume, wäscht sich auch, verkleistert sich aber die Augen und wird leicht gefangen. Oder man zieht unter dem Baume Stiefel an und aus, und läßt ein Paar gepichte Stiefel stehen; kaum hat sich der Mensch entfernt, steigt der Affe herunter, zieht die Stiefel an, kann nun nicht entfliehen und wird leicht gefangen. Gerade so nachahmungssüchtig sind die Kinder. Sie denken, empfinden, reden und handeln wie die Ältern (Eltern).

Herrscht in einem Hause eine sündhafte Denkungsart, oder Sünden, Laster, Leidenschaften, Unsittlichkeit, so spiegelt sich das getreu in den Kindern. (Anmerkung: arme, von … adoptierte Kinder! Es muss wohl ein Fluch liegen auf unsittlichen Eltern.) Daher bemerkt man an ihnen die Eitelkeit der Eltern, das Prahlen, den Ehrgeiz, den Hang zum Stehlen, den Geiz und die Härte gegen Arme, die Grobheit, das Fluchen und Sakramentieren, die Trägheit im Gebete, die Unordnung, die Faulheit, die Genäschigkeit. Wie viele unschuldige Kinder werden in Folge dieses Nachahmungstriebes in den zarten Kinderjahren verdorben! Wie sorgfältig sollte sich der Erwachsene vor Kindern betragen, und sich so äußern, so reden, so handeln, daß sie nur Gutes und Nachahmungswürdiges sehen und hören! Wie schwer lastet die Sünde des Ärgernisses auf Aeltern und Jedem, der vor Kindern Böses tut und redet! Schon das Beispiel allein verführt.

Das Kindesalter ist zur Erwerbung von Kenntnissen und Tugenden am geeignetsten.

Gewisse Kenntnisse und Fertigkeiten, sowie auch die christlichen Tugenden müssen in der Kindheit erlernt und eingeübt werden. Die ersteren, z. B. Lesen, Schreiben und Rechnen, sowie die häuslichen Arbeiten setzen eine kindliche Geduld voraus; dem Erwachsenen ist es zu langweilig, zu geringfügig; daher lernt man das am besten und leichtesten als Kind. Die christlichen Tugenden müssen zur Fertigkeit werden; dies setzt Angewöhnung und Übung voraus; z. B. Arbeitsamkeit, Fleiß, Ordnungsliebe, Reinlichkeit, Sparsamkeit, Mäßigkeit und Selbstbeherrschung, Verträglichkeit, Mitleid und Barmherzigkeit, Sanftmut, Bescheidenheit, Frömmigkeit, Ehrerbietigkeit und Gehorsam, Wachsamkeit über sich selbst u. s. w. Als Kind muß der Mensch diese Kenntnisse und Fertigkeiten sich eigen machen, diese Tugenden sich angewöhnen.

Als Kind lernt, übt und gewöhnt man es so leicht, als sich junge Tiere zu allerhand Künsten abrichten lassen. Der Affe z. B., aber nur der junge, lernt auf dem Seile tanzen, ein Rad schlagen, sich putzen, Feuer anmachen, den Bratspieß drehen, Wasser holen, Gläser spülen, mit Messer und Gabel essen. O ihr Eltern, versäumet ja nicht diese kostbare Zeit! Schickt eure Kinder fleißig zur Schule, unterweiset sie in den häuslichen Arbeiten, übt und gewöhnt sie zu den christlichen Tugenden!

Für diese Sorgfalt werden euch eure Kinder auf edlere Weise erfreuen, als jener junge Orangutang, welcher seine Abrichter auf seine Weise erfreute. Auf einem Schiffe, welches von Ostindien nach Amerika segelte, war ein Orangutang, der den Backofen heizte und genau Acht gab, daß keine Kohle herausfiel, die das Schiff hätte in Brand stecken können; hatte der Ofen den gehörigen Grad der Hitze erreicht, dann eilte der Affe zum Bäcker und gab ihm ein Zeichen, der dann getrost seinen Teig brachte. Außerdem verrichtete er alle Matrosendienste, wand den Anker auf, zog die Segel ein und band sie fest; kurz die Matrosen betrachteten ihn als einen ihres Gleichen. Auf weit edlere Weise werden euere Kinder euch zur Freude sein.

Kinder verziehen und verwöhnen hat böse Folgen.

Eltern! verwöhnet eure Kinder nicht, lasset ihnen nicht allen Willen, gestattet, gebet, tut nicht Alles, was sie haben wollen. Wo nicht, so werdet ihr einst die bittern Früchte zuerst kosten. Sie werden euch nicht folgen, sie werden ihren Kopf aufsetzen, zum eigenen und zu euerem Nachteile; sie werden euch Schande machen und nirgends gut tun, sondern euch zur Last fallen; sie werden gegen euch allen Respekt, alle Ehrfurcht, Höflichkeit, Liebe und Schonung bei Seite setzen, werden euch hart und unbarmherzig behandeln, wo ihr ihren Trost, Rat und Hilfe am meisten bedürfet; sie werden sich gegen euch gerade so betragen, wie die Affen in Ostindien.

In vielen Gegenden Ostindiens  werden diese Tiere göttlich verehrt, sie haben dort prächtige Tempel, in mehreren Städten hat man Hospitäler für alte und kranke Affen gebaut. Zu bestimmten Zeiten kommen die Affen in die Städte, bedecken zu Tausenden die platten Dächer der Häuser und verzehren die Nahrung, die man ihnen hingelegt hat. Sie sind also gewöhnt, immer Nahrung zu finden; finden sie nichts, so werden sie wütend, brechen das Dach ab und treiben den ärgsten Unfug. Das bewirkt die Verwöhnung. Jetzt tust du deinen Kindern allen Willen, du verwöhnst sie. Was Wunder, wenn sie dann gegen dich wüten, wenn du einmal ihren Eigensinn nicht wirst erfüllen wollen oder können.

Gewöhne sie also bei Zeiten an die Entsagung, versage ihnen jedes unbillige Verlangen, ja auch mitunter billige Wünsche. Denn wer seine Wünsche nicht bezähmen gelernt hat, ist ein unglücklicher und gefährlicher Mensch, und immer unzufrieden; gefährlich als Verführer, undglücklich und unzufrieden, weil es auf Erden Niemanden gibt, der jederzeit Alles haben kann, was sein Herz begehrt.

Kinder sollen die Pflichten des vierten Gebotes gegen ihre Eltern erfüllen.

Ehre Vater und Mutter, damit es dir wohlgehe und du lange lebest auf Erden. Dies ist ein Gebot mit göttlicher Verheißung. (Anmerkung ETIKA: Es gilt nicht bei Kindesmißbrauch! Denn dann sind die Eltern keine Eltern mehr, sondern Bestien, auf die die Hölle wartet. Und wehe den Kindern, welche zusehen, wie ihre Geschwister ebenfalls mißbraucht werden, und dies nicht Vertrauenspersonen mitteilen!) Man sollte glauben, der Eigennutz und die Eigenliebe müßten jedes Kind vermögen, die Eltern als die besten Freunde und größten Wohltäter zu lieben, zu ehren und sie in ihren Nöten und im Alter zu pflegen. Leider gibt es der Kinder nicht wenige, welche so gottlos sind, ihre Eltern zu hassen, zu betrügen und zu bestehlen; welche sie mit bitteren Worten kränken und beschimpfen, sie verschreien, ja sie sogar schlagen; welche das Ausgedinge nie ganz, nie gutwillig, nie in guter Art und Qualität, sondern zur Unzeit, nur durch Amtsgewalt gezwungen, so schlecht als möglich reichen; welche mit Ungeduld auf die Stunde ihres Todes warten, wo sie der kindlichen Pflichten überhoben sind.

Es sagt der heilige Paulus: Wer die Seinigen, namentlich seine Hausgenossen, also die Eltern, nicht versorgt, der ist ärger als ein Heide und hat den Glauben verleugnet. Ja er ist ärger als ein Tier; denn die verachteten Hausratten versehen die Alten und Kraftlosen, die nicht mehr gehen können, sorgfältig mit Futter. Und du, o Mensch, kannst so hart sein gegen deine Eltern, die dir das Leben gaben, dich groß gezogen, zum gesunden, verständigen, brauchbaren Menschen, zum Christen gebildet haben mit unaussprechlicher Liebe und unsäglichen Entbehrungen und Opfern!

Auch Kinder von minder guter Gemütsart können gut werden.

Der Schakal gehört unter die reißenden Tiere; er stiehlt selbst Kinder und scharret Leichen aus, die er verzehrt. Er ist gegen den Menschen viel kecker, als selbst die böse Hyäne. Im Hunger ist er so verwegen, daß er den Reitern die Schuhe von den Füßen fressen will. Fängt man aber den Schakal jung, so läßt er sich zähmen und nimmt dann ganz das Betragen des Hundes an; wedelt mit dem Schwanze, wenn ihm etwas gefällt, springt freundlich an seinem Herrn hinan und frißt aus der Hand. Wenn sich dieses Tier zähmen läßt, warum solltet ihr Eltern, denen Gott die Kinder vom Augenblick der Geburt ganz übergeben hat, nicht im Stande sein, euere Kinder mittelst einer entsprechenden guten Erziehung und Angewöhnung, auch bei minder guten Gemütsarten nicht zu guten Christen bilden können? Mißraten sie, so hast sie entweder falsch erzogen und gewöhnt, oder du hast die Erziehung nicht verstanden, oder du hast dir ihre Erziehung gar nicht angelegen sein lassen.

Die Eltern müssen für die Kinder den Stand wählen, ohne sie zu zwingen, und trachten, daß sie selig werden.

Die Eltern müssen bemüht sein, ihre Kinder in den Himmel zu bringen. Sie müssen aber Alles verhüten, was sie um dieses unschätzbare Glück bringen könnte. Dies bewirkt nun aber die Sünde. Eltern müssen also jede Sünde sorgfältig verhüten und alle Mittel der Aufsicht, Belehrung, Warnung und Strafe ergreifen, um dieses Übel abzuwenden. Gehen Kinder durch der Eltern Schuld einst verloren, so verlieren diese dabei ihre eigene Seligkeit oder sie erleiden wenigstens an der eigenen Seligkeit einen sehr großen Abbruch.

Doch welche Sorgfalt trifft man in diesem so wichtigen Punkte an? Ist es nicht, als ob sie gar nicht an ein ewiges Leben glaubten? Für Tiere sorgt man mehr, als für Kinder! Man gibt ihnen nicht, was ihnen schadet. Himbeeren sind für Gänse Gift, man gibt sie ihnen nicht, weil man sie nicht verlieren will. Was ist aber ein Tier gegen eine Menschenseele? gegen ein Kind, das die Natur lieben lehrt? Sehr viele Eltern lassen aber ihre Kinder nicht nur in Sünden leben, sondern unterrichten sie noch im Sündigen. Man sieht Väter in Wirtshäusern mit ihren Söhnen spielen; man sieht den aufkeimenden Neid, Geiz, die Ausgelassenheit, die Bubenstreiche und strafet sie nicht! Ja man überhäufet Seelsorger und Lehrer, welche Strafe anwenden müssen, mit Grobheiten! Manche freuen sich der Sünden ihrer Kinder, billigen sie, loben sie und tun Alles, um sie im Sündigen zu bestärken. Welch ein unbarmherziges Gericht wird einst über solche gottlose Eltern ergehen!

II

Beim Mißraten der Kinder fällt der größere Teil der Schuld auf die Eltern.

Wenn in einer christlichen Familie ein oder mehrere Kinder mißraten, so liegt wohl die Schuld an beiden, an Eltern und Kindern. Jene haben entweder dem Kinde keine christliche und dem Gemüte entsprechende Erziehung gegeben, oder es gar nicht verstanden, selbe zu geben; das Kind wollte sich nicht ziehen lassen. Doch fällt die größere Schuld immer auf die Eltern. Denn wenn die indischen Gaukler im Stande sind, die böse und sehr giftige Brillenschlange so zu zähmen und abzurichten, daß sie tanzen lernt und sich nach dem Willen ihres Herrn des Giftes entleert: wie sollte es einem christlichen Elternpaar nicht möglich sein, ein Kind und zwar ein Kind Gottes, in dem Gottes Geist wohnt, mit Hilfe der sakramentalischen Ehegnade und der Furcht Gottes christlich zu erziehen?

·       Man benützt ja die Religion, die Gebete Gottes, die Furcht des Herrn und eine vernünftige Zucht beinahe gar nicht als Erziehungsmittel!

·       Man wendet Bitten, Schmeicheleien, Versprechungen, leere Drohungen an; reizt das Ehrgefühl durch Vorstellungen von Schicklichkeit; mit diesen hohlen Mitteln will man erziehen!

Kein Wunder, wenn die Kinder mißraten. Ihre Entschuldigungen sind leer und vergeblich, die Brillenschlange straft sie Lügen.

Eltern müssen ihre Kinder in der Religion unterrichten und zur Tugend gewöhnen.

Kinder, bei denen der Religionsunterricht und die Tugendübung vernachlässigt wird, verlieren allen Sinn für Religion und Tugend; es geht diesen vernachlässigten Kindern, wie den Reit- und Saumpferden. Von ihrer Jugend an haben kein Kummet am Halse getragen, haben weder Wagen noch Kutsche gezogen, haben nur Menschen und Getreidesäcke getragen. Wenn sie zum Zuge verkauft werden, lernt selten eins oder das andere mehr ziehen. Ein Bauer kaufte ein solche Saumpferd; nun sollte es ziehen; hatte er schon Mühe, ihm das Kummet an den Hals zu stecken, so hatte er noch größere, es zum Ziehen zu gewöhnen; statt zu ziehen, stemmte es sich an, hielt den Wagen auf und schob ihn zurück; er legte ihm eine Kette an den Hals und ließ es durch einen Ochsen schleifen; so lang es ihm ans Leben ging, zog es aus allen Kräften; war es aber frei, so spielte es wieder seine vorige Rolle; es ließ sich durchaus nicht mehr zum Zuge abrichten; als Füllen würde es sich spielend an den Zug gewöhnt haben.

So sind jene Menschen, welche nicht als Kinder an den Religionsunterricht, an den Gottesdienst und an christliche Tugenden gewöhnt werden; sie verlieren allen Sinn dafür und sind unverbesserlich. Nur ein Stück Geld, oder die Neugierde, ein Brautpaar zu sehen, kann sie in die Kirche locken; sonst sieht man sie Jahre lang nicht in der Kirche. Gesetzt nun, ihr Eltern wäret selbst so verkommene Christen, so schicket doch wenigstens euere Kinder fleißig zur Schule und Kirche, damit diese nicht euch nachgeraten und damit euere Rechenschaft und Verdammnis nicht gar so schwer werde. Jung gewohnt, alt getan; was man in der Jugend nicht lernt, lernt man im Alter schon gar nicht!

Eltern müssen ihre Kinder von der Welt zurückhalten.

Da die Welt heut zu Tage sehr verdorben ist, müssen die Eltern ihre Kinder von ihr möglichst fern halten und gewöhnen, zu Hause zu bleiben. Schlechte Häuser und Gesellschaften dürfen ihnen durchaus nicht gestattet werden. Doch das Verbot allein reicht nicht hin; das väterliche Haus darf sie nicht langweilen, der Umgang mit den Eltern und Geschwistern ihnen nicht zum Überdruß werden. Man mache es in gewisser Beziehung, wie man es mit dem Hausgeflügel macht. Man gibt ihnen zu Mittag wenig oder keine Nahrung, füttert sie aber Abends zu einer bestimmten Stunde; sie merken sich die Zeit, der Hunger stellt sich ein, das Futter lockt sie heim, man streut ihnen Futter und läßt sie nicht mehr ausgehen, sondern sperrt sie ein. So macht man es mit Hühnern, Gänsen, Enten, Tauben. Gäbe es denn nicht auch für Kinder so eine angenehme geistige Nahrung, welche die Langeweile angenehm verkürzen und das Auslaufen verhüten könnte? Man lese mit ihnen das Evangelium und bespreche sich über die Predigt und Christenlehren; man erzähle oder lese die heilige Schrift und biblische Geschichte, und das Leben der Heiligen; oder man betrachte das Leiden Christi, oder die ewigen Wahrheiten aus dem heiligen Alphonsus. Man bete mit ihnen den Rosenkranz oder andere Andachten nach Verschiedenheit der Zeiten und Feste. Diese frommen häuslichen Andachtsübungen werden Interesse erwecken, zur Frömmigkeit stimmen, die weltliche Lust schwächen; die Kinder gewöhnen sich daran, es wird ihnen Bedürfnis. So werden sie vor den Gefahren der Verführung bewahrt und unterhalten sich weit angenehmer, als bei weltlichen Freuden, da die geistigen Vergnügungen edler und reiner sind.

Kinder sind der Eltern Ehre oder Schande, je nachdem.

Die Schrift sagt: Die Ehre des Vaters sind wohlgeraten Kinder; und umgekehrt, ihre Schande sind ungeratene Kinder. Von einem wohlgezogenen Kinde schließt man ehrenvoll auf die Geschwister und weiter auf die Eltern; man denkt: da dieses Kind brav ist, so mögen die andern auch so sein; sie müssen brave Eltern und eine gute Erziehung genossen haben. Von einem mißratenenen Kinde schließt man nachteilig auf die Geschwister und Eltern; man denkt: wie dieses Kind ist, mögen wohl die übrigen auch sein; es mag keine braven Eltern gehabt und keine gute Erziehung genossen haben; es mag an den Eltern wohl ebenfalls nichts Gutes sein, sonst hätten sie ihre Kinder besser gezogen! So sind wohlgeratene Kinder der Eltern Ehre, mißratene deren Schande.

Es geht den Eltern in dieser Beziehung, wie den unschädlichen Schlangen. Es sind nämlich nicht alle Schlangen giftig und gefährlich. Die Ringelnatter, in Deutschland zu Hause, ist ein völlig unschädliches Tier. Doch, da einige Gift bei sich führen, so traut man keiner Natter; auch die unschädlichen werden gehaßt. Es ist daher eine heilige Pflicht für jedes Kind, seinen Eltern und Geschwistern durch seine Aufführung Ehre zu machen und Alles zu vermeiden, was den guten Ruf der eigenen Person mit Schande beflecken könnte; weil diese Schande und Ehre auf die Familie übergeht.

Die fehlenden Kinder müssen gezüchtigt werden.

Die Birke wächst überall, in allen Zonen, sie hat aber auch überall die langen feinen Äste, die sie herabsenkt. Jede Birke spricht zu Vater und Mutter: Siehe, du hast unfolgsame, unartige Kinder; mir hat der Schöpfer diese langen Zweige eben für deine Kinder wachsen lassen, daß du sie damit züchtigest, sie folgen lehrest und die Unarten vertreibest! (Anmerkung ETIKA 2010: Davon ist man heute auch in der katholischen und evangelischen Kirche abgekommen, aber es ist zu überlegen, ob man nicht zu derartigen Strafen bei Fällen von Grausamkeit, Brutalität, Erpressungen anderer Schüler, Tierquälereien und dergleichen zurückgreifen sollte. Denn irgendwie muß man doch solche Fehlentwicklungen ausmerzen und verhüten, dass die Kinder eine Verbrecherlaufbahn einschlagen. Die UNO-Kinderrechte sind da keine Hilfe. Als Christ hat man zunächst Pflichten; das gilt auch für die Kinder. Achtung: Jedermann hüte sich aber davor, jemanden zu bestrafen, der unschuldig ist. Ungerechte Strafen werden nie vergessen. Man denke an Karl May, der wegen einer ungerechten Strafe zum Dieb wurde.)

Kindern soll man keinen Umgang mit schlechten Personen gestatten.

Die Kinder gleichen den zwei Metallen, dem Eisen und dem Bleie; beide haben eine starke Neigung zum Sauerstoff in der Luft, ziehen ihn an sich und verschlechtern dadurch; das Blei oxidiert und wird kalkartig; das Eisen wird rostig, der Rost zerfrißt es nach und nach ganz. Diesen zwei Metallen gleichen die Seelen der Kinder; sie sind begierig, Viel zu wissen und zu sehen und wollen fröhlich sein; sie fühlen sich gerade nicht zu ernsten, tugendhaften Männern, wo sie etwas Tüchtiges lernen könnten, sondern zu lustigen, leichtfertigen Menschen, zu Spaßmachern und Possenreißern, zu Lustigmachern hingezogen. Da solche leichte Menschen gewöhnlich seichte und schlechte Grundsätze haben, so ist es gefährlich, ihnen den Umgang mit solchen Menschen zu gestatten; dasselbe gilt auch von unsittlichen Romanen, welche von Liebe und Spitzbubenstreichen sprechen, welche listig ausgeführt wurden.

Kinder müssen nicht mit Strenge allein, sondern auch mit Liebe behandelt werden.

Es ist zum Erstaunen, wie viel die Hunde lernen und wie leicht sie lernen, wenn man sie lobt und nach vollbrachter Arbeit belohnt; so der Fleischer-, der Jäger-, der Schäferhund. So muß man es auch mit Kindern machen; man muß sie nicht mit Strenge allein anhalten, sondern mehr dadurch, daß man sie dahin bringt, eine Sache aus eigenem Triebe mit Lust zu tun; dies geschieht durch Lob und Belohnung nach einer gut verrichteten Sache. So erhält der Fleischerhund beim Schlachten manches Stück Fleisch, ebenso leckt der Jägerhund das Blut des erlegten Wildes und der Schäferhund setzt sich neben seinen Herrn und erhält von seinem Brote unter Streicheln und Liebkosen. Jeder tut seinen Dienst lieber, wenn der Beifall des Herrn seinen Fleiß belohnt und wenn man dem Dienenden Zufriedenheit zu erkennen gibt.

Christlich erzogene Kinder machen den Eltern Freude im Leben und jenseits.

Eltern, welche ihre Kinder christlich erziehen, erleben an ihnen Freude, hier und dort jenseits. Es geht ihnen, wie dem Diagorus von Rhodus, einem edlen Griechen, der selbst einmal als Sieger gekrönt worden war. Dieser brachte in seinem Alter zwei Söhne nach Olympia zu den Spielen. Sie betraten die Kampfbahn und erwarben sich die Krone. Mit edlem Sinne setzten sie dieselbe ihrem Vater auf das Haupt, hoben den gerührten glücklichen Greis auf die Schultern und trugen ihn im Triumphe mitten unter den Zuschauern umher. Das Volk weinte vor Freuden über die kindliche Liebe dieser beiden Söhne, wünschte dem alten Vater Glück, bewarf ihn mit Blumen und rief ihm zu: Stirb, Diagorus, denn nun hast du nichts mehr zu wünschen übrig! Wirklich konnte der Greis so viel Glück und Freude nicht ertragen; er sank in den Tod hin vor den Augen der Versammlung, die in Rührung über diesen Anblick zerfloß und die Söhne segnete, die ihren Vater so glücklich gemacht hatten. Alle christlich erzogenen Kinder machen ihren Eltern mehr oder weniger Freude.

III

Mittel, die Kinder vor Trunkenheit zu bewahren.

Die Spartaner gewöhnten ihre Kinder  zur Mäßigkeit im Essen und Trinken. Um sie vor dem Laster der Trunkenheit zu bewahren, führten sie den Kindern betrunkene Sklaven vor, damit die Jugend die Folgen der Völlerei und Trunkenheit in ihrer ganzen Widrigkeit kennen lerne; damit sie sehe die Verzerrung des Gesichts, das Taumeln der Füße, damit sie höre die dummen Reden, und damit erreichten sie ihren Zweck. Da die christlichen Eltern dieselbe Aufgabe haben, so macht es mit eueren Kindern auch so.

Kinder sind für alles Gute sehr empfänglich.

Die guten Lehren und Gewöhnungen, welche man den Kindern gibt, werden nach und nach bleibende, vorherrschende Gesinnung und Denkungsart; was sie als Kinder zu üben gewöhnt werden, das üben sie als Männer fort bis zum Tode. Kinderseelen gleichen den Kürbissen; die Buchstaben, die man in den kleinen zarten Kürbis einschneidet, vergehen nicht; sie wachsen mit ihm und werden große Frakturbuchstaben; der Buchstabe, welcher anfänglich eine halbe Linie breit war, erreicht die Breite eines Zolles. Pflanzet nur fleißig die Tugenden ein!

Kinder müssen keusch erzogen werden.

Einst ging Maria durch das Kloster des heiligen Dominikus in Rom und segnete alle Brüder, bis auf Einen, welcher entblößt, aber seiner unbewußt, im Bette lag. Wenn Maria die christlichen Häuser, wo man sie zu verehren pflegt, besuchen mag, o wie oft wird sie da Menschen treffen, die sie nicht segnen kann; ja Häuser, wo das Laster der Unzucht zu Hause ist, wo Kinder und Dienstboten Ausschweifung treiben und Gott beleidigen, wo sie gar nicht eintreten kann. Eltern, haltet euere Kinder an zur Verehrung der Mutter Gottes, aber auch zur Schamhaftigkeit und Keuschheit!

Kinder, welche in der Unschuld sterben, sind wohl aufgehoben.

Ich kannte eine Mutter, welche selbst unsittlich lebte und zwei Töchter hatte. Die ältere gab sie einem jungen Herrn, der krank war und dem die Ärzte den Beischlaf als die einzige und beste Arznei empfohlen hatten, zur Beischläferin hin. Der junge Herr starb, aber die Familie sorgte für das Mädchen und ihr Kind, das sie mit dem kranken Herrn zeugte. Die andere Tochter ging bei hoch angeschwollenem Wasser über einen schmalen Steg, schwindelte, fiel ins Wasser und ertrank in einem Alter von neun Jahren. Die Mutter war untröstlich; und doch wie gut hat es Gott mit diesem Kinde gemeint; es würde von der Mutter sicher verdorben worden sein, und wäre ewig verloren gewesen; so aber nahm es Gott in seiner Unschuld zu sich in den Himmel und versetzte es unter die Engel. O wie wohl ist den Kindern, die in ihrer Unschuld sterben! (Anmerkung: Vergleiche die ähnlich lautende Inschrift zu dem Bild von den kleinen Lawinenopfern in Hinterpasseier in Südtirol, das in der Kapelle am Schneeberg hängt.)

Kinder, welche das vierte Gebot übertreten, straft Gott.

Ein Bauer aus K… war sehr geizig und behandelte seinen alten Vater hart und roh; derselbe durfte nicht in die Stube und mußte freiwillig ausziehen. Diesen geizigen harten Sohn strafte Gott auf folgende Art. Die älteste Tochter verheiratete er in die Schänke nach N.; sie ist ebenfalls vom Geizteufel besessen, verhätschelt ihre Kinder, trinkt Branntwein, und wird oft von ihrem Manne geschlagen. Die zweite bekam einen liederlichen Mann. Die dritte erhielt das väterliche Haus. Diese sollte nur ein reicher Jüngling haben, der recht sparen kann. Es meldeten sich mehrere brave Burschen, wurden aber abgewiesen, weil sie ihm zu wenig Mitgift hatten. Da meldete sich ein roher, versoffener, liederlicher Kerl, der die schwache Seite des Alten schlau ausbeutete. Als man ihm beim ersten Besuche Bier aufsetzte, trank er keins und meinte, da würde er nicht weit kommen, wenn er Bier trinken wollte, Wasser löscht auch den Durst. Beim zweiten Besuche trank er nur ein Glas. Das war der rechte Mann; dieser bekam die Tochter. Als er verheiratet war, fing er an zu saufen, schlug im Hause Alles zusammen, sogar die Milchtöpfe;  das Weib mußte schweigen, ja es loben, wollte sie nicht mißhandelt werden. Der Alte darf sich nicht außer seinem Stübchen blicken lassen; er kann nur ausgehen, wenn er jenen nicht zu Hause weiß.

Schwarzer Undank eines Kindes.

In Czernowitz verheiratete ein Vater seine Tochter, gab ihr fünfhundert Gulden bar und hundert Gulden auf Wechsel mit. Tochter und Schwiegersohn wurden bald kühl gegen den Vater. Als die Verfallszeit da war und der alte Vater nicht zahlen konnte, gerirte der Mann den Wechsel auf seine Frau und beide ließen den alten Vater in den Schuldenarrest setzen. (Gemeindezeitung 1865.)

Kinder stehen unter Gottes besonderem Schutze.

In Wien stürzte ein dreijähriges Mädchen vom zweiten Stocke in den Hof hinab. Die Zuschauer erschraken, aber das Kind lief unbeschädigt davon; denn es war auf den unten liegenden Haushund gefallen, der dabei das Bein brach. Der Vater des Kindes ließ gerne dem Hunde das Bein heilen.

Ein unnatürlicher Sohn.

In Fünfkirchen lebte ein wohlhabender Bauer mit einem zweiundzwanzigjährigen ungeratenen Sohn längere Zeit in Spannung. Der Sohn faßte den Vorsatz, den Vater zu ermorden, und wartete nur eine passende Gelegenheit ab, seine entsetzliche Tat auszuführen. Mit seinem Plane beschäftigt, begab er sich in den Weingarten seines Vaters, wo dieser gewöhnlich seine Zeit verbrachte, und da er ihn dort schlafend fand, ergriff der entmenschte Sohn ein Gewehr, und schoß dem schlafenden Vater ins Herz. Der zum Tode Getroffene zuckte auf und als der jugendliche Verbrecher dieses bemerkte, lud er das Gewehr neuerdings und schoß es zum zweiten Male auf den Vater ab, welcher alsogleich verschied. Der Verdacht fiel sofort auf den wirklichen Täter und nach einigem Leugnen gestand er seine schreckliche Tat in allen Einzelheiten.

Ein Meister einer christlichen Kindererziehung.

Elisabeth, die Mutter des heiligen Bernhard, sah in ihren Kindern heilige, ihrer Obhut anvertraute Pfänder, für die sie vor Gott verantwortlich sei. Auch wollte sie, obgleich sie einen zarten Körperbau hatte, ihre Kinder keiner Amme übergeben; sie selbst, voll Liebe Gottes, übermachte ihnen mit der mütterlichen Milch die himmlische Tugend, die sie selbst belebte. Tötzelin, ihr Mann, führte ein zu ritterliches Leben, als daß er selbst der Erziehung seiner Söhne hätte vorstehen können. Er verließ sich bezüglich dieser Sorge vertrauensvoll auf die erleuchtete Sorgfalt seiner Gemahlin, der Absichten er billigte, obgleich er deren Umfang nicht kannte. Tötzelin wollte seine Söhne zu Rittern bilden.

Aber Elisabeth, hierin viel heller sehend, fürchtete die Gefahren, denen durch das Leben im Lager die Reinheit des Herzens ausgesetzt ist, zu sehr und kannte die Wonne des religiösen Lebens. Sie erzog alle ihre Kinder mehr für den Himmel, als für die Erde und lehrte sie frühzeitig das Gute und Böse unterscheiden, den besten Teil zu erwählen, und Jenen über Alles zu lieben, der die Liebe selbst ist. Deshalb führte sie in ihrem Hause eine Art klösterlicher Zucht ein. Sie tat sich Abbruch durch die Einfachheit ihrer Kleidung, durch ihre Zurückhaltung von allen Vergnügungen und aller Pracht der Welt;  sie verharrte im Fasten, in Nachtwachen, im Gebete, und übte Werke der Barmherzigkeit. Solche Beispiele in Verbindung mit liebevollen sanften Worten ließen in der Seele der Kinder einen unvertilgbaren Eindruck zurück. Sie liebte sie ohne Selbstsucht; sie bildete sie, ohne jenen oberflächlichen Glanz der heutigen Bildung. Sie übte sie unablässig in der Entsagung und gegenseitigen Liebe, gewöhnte sie mit weiser Mäßigkeit an die Abtötung der Sinne und des eigenen Willens; und so waren ihre Kinder einander gleich an Geschmack, Sitten und christlichen Gesinnungen. Die Strenge, gemildert durch alles das, was das Herz einer Mutter Zärtliches und
Süßes besitzt, gab den Söhnen die äußerste Sanftmut und zugleich einen männlichen und edelmütigen Charakter. Alle entfalteten, sowie sie an Alter vorrückten, die edelsten Eigenschaften.

Anmerkung ETIKA: Das genaue Gegenteil erfuhren die ZDF-Zuschauer am Freitag, den 13.8.2010 beim Betrachten des Fernsehkrimis „Blutiger Ernst“ der Serie SOKO Wien. Freche, entfesselte Schülerinnen und Schüler übertrafen einander an Brutalität, misshandelten Schwächere, hatten keine Hemmungen und Scheu vor nichts – eine Vorschau auf die Vergeltung im Jenseits. Vermutlich ist solchen gewalttätigen jungen Frauen in Fegfeuer und Hölle das Los der Furien zugedacht. (Vergleiche den Roman „Jedem nach seinen Taten“ von Vicente F. Delmonte.

Ein gottloser Sohn von der Vorsehung durch sich selbst gestraft.

Bei einem in Linz entstandenen Streite zwischen Vater und Sohn ergriff Letzterer, ein ungeratener Bursche, ein nahe liegendes scharfes Messer, um damit seinen Vater zu stechen. Sonderbarerweise traf er jedoch nicht den Vater, sondern seine eigene linke Hand und verletzte sich so gefährlich, daß sogleich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.

Ein gutes Kind, wie sie alle sein sollen.

Der heilige Cuthmann war der Sohn gemeiner, aber sehr frommer Bauersleute zu Stanning im Fürstentum Wales in England. Schon von Kindheit an zeichnete er sich durch den pünktlichsten Gehorsam und wahre Gottesfurcht aus. Als er herangewachsen und sein Vater gestorben war, sorgte er durch angestrengten Fleiß für die Lebensbedürfnisse seiner bejahrten Mutter. Doch bald brachen schwere Prüfungen über ihn und seine Mutter herein; sie wurden nämlich durch allerlei Unglück in die drückendste Armut versetzt. Mutter und Sohn trachteten mit unermüdlicher Arbeit sich durchzuhelfen. Seine alte Mutter erkrankte. Lahm und kontrakt an allen Gliedern lag sie auf dem Strohe und hing so ganz von der Pflege und Hilfe ihres Sohnes ab.

Doch Cuthmann verzagte nicht, sondern blieb der teuern Mutter liebevoller Pfleger. Da die Mutter seiner stets bedurfte, er also keinen Taglöhner mehr machen und aus Mangel an Handarbeit nichts mehr verdienen konnte, so machte er sich einen Karren, bereitete auf demselben ein Bett, legte die Mutter darauf und führte sie bettelnd im Lande herum. Durch diese unermüdliche Sorgfalt gab er allen Menschen ein rührendes Beispiel kindlicher Liebe. Als endlich der Tod seine Mutter von ihren Leiden befreite, so widmete er sein übriges Leben ausschließlich dem Dienste Gottes, baute zufolge eines Gelübdes eine kleine Kirche mit Hilfe frommer Landleute und starb endlich im Rufe der Heiligkeit. Seinen heiligen Leib verherrlichte Gott durch Wunder. Er ruht in seiner eigenen Kirche zu Stanning.

Kinder stehen unter dem Schutze der heiligen Engel.

Als die französischen Soldaten in Villafranca einrückten, fanden sie vor der Türe eines ganz verlassenen Hauses ein etwa sechs Monate altes Kind in der Wiege liegen. Sichtbar hatte der Schutzengel über dasselbe gewacht; denn es regnete von den Engländern her Granaten und Bomben in die Stadt, damit sich die Franzosen nicht festsetzen sollten. Schon lag der größere Teil der Häuser in Trümmern und mitten unter Trümmern blieb die Wiege unversehrt. Ein Grenadier nahm die Wiege zuerst wahr, trat näher hinzu, hob die dünne Decke auf und ein unschuldiges Knäblein lächelte ihm ruhig und heiter entgegen, gerade als läge es auf dem Schoße seiner Mutter. Der brave Grenadier trug nun sogleich die Wiege an einen sichern Ort, wo die übrige Mannschaft lagerte. Alle gerieten bei diesem unerwarteten Anblick in die lebhafteste Bewegung. Jeder wollte für das unschuldige Wesen sorgen helfen. Man holte eine Ziege herbei und gab dem Kinde von der Milch derselben. Alles ging gut und das Kind nahm sichtlich zu.

Auf einmal aber kam der Befehl, die Stellung bei Villafranca zu verlassen. Was sollte man  nun mit dem armen Kindlein machen? Mitnehmen konnten es die Grenadiere nicht, und schutzlos und hilflos zurücklassen wollten es die braven Männer auch nicht. Lange sannen sie auf einen guten Rat für ihren kleinen Liebling, bis es ihnen endlich gelang, in einem nahen Dorfe, woraus Alles entflohen war, eine alte Frau noch zu finden. Diese holten sie herbei, gaben ihr alles Geld, das sie hatten, und überlieferten ihr das Kind und die Ziege, nachdem sie ihnen noch mit einem Eide hatte versprechen müssen, für das Kind zu sorgen, bis die Eltern oder Verwandten des Kindes sich vorfinden würden. (Jugendbibl. 15. Bd. S. 247)

Ausgeartete Kinder müssen gezüchtiget werden.

Von einem Heiden, Namens Rhacones, wird Folgendes erzählt. Er hatte sieben Söhne; der jüngste aber von ihnen, der Carlomes hieß, war sehr übel gesittet. Der Vater versuchte Alles, ihn eines Besseren zu belehren und auf die rechte Bahn zu bringen. Als aber weder Ernst noch Güte, weder Lehre noch Strafe etwas fruchtete, so band er ihm die Hände auf den Rücken und führte ihn zu den Richtern. Dort erzählte der Vater Alles, was dieser sein Sohn in seiner Verwegenheit je Schändliches verübt hatte, und verlangte von den Richtern, daß sie den Jüngling zum Tode verurteilen sollten. Die Richter erschraken über solches Begehren eines Vaters und da sie sich in großer Verlegenheit befanden, so führten sie Vater und Sohn zum König Artaxerxes und trugen ihm die Klage und das Verlangen des Vaters vor.

Der König fragte diesen nun: Aber kannst du es ertragen, daß deinem Sohne vor deinen Augen das Leben genommen werde?

Der Vater antwortete:

Sehr wohl, König! denn wenn ich  im Garten von der Salatpflanze die faulen Blättchen abbreche, oder vom Baume die dürren Äste wegschneide, so leiden weder Pflanze noch Baum, sondern sie blühen nur um so mehr auf. Der gleiche Fall ist hier, o König! (Anmerkung ETIKA: Unser gleichlautender Rat ist von der katholischen Amtskirche ignoriert worden, und so haben die Kinderschänder unter den Priestern das Haus Gottes zum Einsturz gebracht, und ein Neubau ist vonnöten.) Wenn ich denjenigen, der mir und meiner Familie so große Schmach antut, und mein und der Brüder Leben abkürzet, das Leben verlieren und von mir als dem Stamme und den Brüdern als den Ästen auf immer getrennt sehe, so werde ich nur um so frischer aufleben und die Übrigen meines Hauses glücklich werden sehen.

Als der König dies hörte, staunte er über die Liebe dieses Mannes zur Tugend, die die natürliche Vaterliebe in ihm völlig erstickt hatte, und nahm ihn in die Versammlung seiner Richter auf, hoffend, daß ein solcher Mann sich gewiß nie würde bestechen und zur Parteilichkeit verleiten lassen. Den Jüngling aber ließ er diesesmal, mit der Todesangst gestraft, frei, drohte ihm aber den härtesten Tod, wenn er in Zukunft ähnlicher Verbrechen sich schuldig machen würde. Bändigt man ja doch wilde Tiere, warum sollte man nicht einen menschlichen Wildfang zu bändigen im Stande sein?

IV

Blinde Vorliebe für gewisse Kinder bringt den Eltern gewisse Strafe.

Die deutsche Kaiserin Mathilde verlor im Jahre 936 ihren Gemahl den Kaiser. Ihr ältester Sohn Otto wurde deutscher Kaiser, ihr jüngster Sohn Heinrich machte ihm die Kaiserkrone streitig. Die Mutter hielt es aus blinder Vorliebe mit Heinrich und so entstand zwischen beiden Brüdern ein heftiger Krieg. Die Brüder söhnten sich zwar wieder aus, verbanden sich aber wider ihre Mutter und beraubten sie sogar ihres Leibgedinges, unter dem Vorgeben, sie verschwende das Staatseinkommen zu Almosen. Mathilde erkannte in dieser bitteren Verfolgung eine Strafe Gottes und büßte so ihre blinde Vorliebe für Heinrich um so empfindlicher, als ihr diese Leiden durch die Hände ihrer eigenen Kinder bereitet wurden. Zuletzt sahen endlich beide Brüder ihr unwürdiges Verfahren gegen ihre Mutter ein und gaben ihr Alles zurück, was sie ihr unrechtmäßig entrissen hatten. Mathilde lebte fortan nur für Gott. Wie denn aber, was häufig geschieht, wenn die Kinder ihr Unrecht nicht einsehen?

Böse Beispiele soll man von Kindern fern halten.

Die Mutter des heiligen Theodorus Siceota, welche in einem öffentlichen Gasthause zu Siceon als Magd diente und ein unzüchtiges Leben führte, nahm sich vor, das Kind, das sie zur Welt brachte, gut zu erziehen und alle Mutterpflichten gegen dasselbe aufs genaueste zu erfüllen. Sie wußte, wie sehr das Beispiel der Eltern auf die Kinder wirke, und damit ihr innig geliebtes Kind durch ihr eigenes böses Beispiel nicht auch zur Sünde verleitet werde, so änderte sie plötzlich ihren ganzen Lebenswandel, verließ den gefährlichen Gasthof, lebte sehr eingezogen und verwendete ihre ganze Sorgfalt auf die Erziehung ihres Knaben. Gott segnete auch die Bemühungen der bußfertigen Mutter und sie hatte die Freude, zu sehen, wie ihr Kind in der Gottesfurcht täglich mehr und mehr zunahm. Sie erlebte es noch, daß Theodorus Priester wurde und sich sowohl durch Heiligkeit seines Wandels, als durch Wunder, die Gott durch ihn wirkte, auszeichnete. Wahrscheinlich wäre Theodorus ein ganz Anderer geworden, wenn seine Mutter im Wirtshause geblieben wäre, wo er die bösen Beispiele gesehen hätte.

Kinder sollen ihre alten Eltern unterstützen und ernähren.

August II., König von Sachsen, ging einst ohne alle Abzeichen seiner hohen Würde in der Nähe des Schlosses Uebigau bei Dresden spazieren. Es wurde eben die Straße ausgebessert und viele Leute waren dabei beschäftigt. Unter den Arbeitern fiel dem König ein junger Mann auf, der, ein heiteres Lied singend, fleißiger war, als alle seine Kameraden. Wie viel verdienst du täglich, fragte ihn freundlich der König. – Vier Groschen. – Das ist nicht viel; wie kannst du denn davon leben? Leben?! Hm! Wenn´s nur dies allein wäre; aber Herr! Ich bezahle auch noch Interessen (Anmerkung: Zinsen) von diesem Geld und lege darüberhin noch ein Kapital an; machen Sie mir einmal dieses nach! – Lieber Freund, du sagst mir da ein Rätsel, das ich nicht auflösen kann. – Nun so kommen Sie mit mir in mein Häuschen, es ist eben die Ablösungsstunde; dort will ich Ihnen das Rätsel handgreiflich auflösen. –

Damit nahm er den König, den er nicht kannte, treuherzig bei der Hand und führte ohne Umstände einem kleinen ärmlichen Häuschen zu, vor welchem auf einer Bank ein paar alte Leute saßen. – Nachdem der Arbeiter die zwei Alten freundlichst gegrüßt hatte, sprach er zu dem fremden Herrn: Sehen Sie, das sind meine alten guten Eltern, die nichts mehr verdienen können und daher von meinem wenigen Verdienst miterhalten werden. Sie erzogen mich einst in der Furcht Gottes, schickten mich in die Schule und arbeiteten für mich, bis ich selbst mein Brot verdienen konnte. Das war das Kapital, wovon ich jetzt nur die Interessen bezahle; denn ganz abzuzahlen, was sie mir getan, bin ich nicht im Stande. Die volle Vergeltung überlasse ich dem lieben Gott.

Nun führte er den König in die Stube hinein und zeigte ihm sechs kerngesunde Kinder, von vier bis zehn Jahren, die alle um die Mutter herum saßen, lesend, schreibend, strickend, spinnend, spielend, kurz vollauf beschäftigt. Sehen Sie, sprach er nun weiter, in diesen meinen lieben Kindern, denen ich tue, wie meine Eltern mir getan, sammle ich mir ein Kapital, das, so Gott will, mir in meinem Alter schon auch seine Zinsen tragen wird. –

Der König war sehr gerührt, sprach einige freundliche Worte und ging dann nachdenkend von dannen. Am andern Morgen erschien ein königlicher Bedienter bei dem Straßenarbeiter, mit dem Auftrage, dieser solle augenblicklich auf das Dresdner Schloß kommen, weil der König ihn zu sprechen wünsche; doch solle er im Dorfe Niemandem sagen, wohin er gehe. Nun erst fielen dem braven Manne die Schuppen von den Augen; erschrocken und erfreut zugleich sagte er, während er eilig seinen besten Rock anzog, zu seinem lieben Weibe: Mein Gott! Der Herr, den ich gestern hieher führte, war vielleicht gar der König selbst! Als er ins königliche Schloß kam, wurde er in ein prachtvolles Zimmer geführt und da zahlte ihm ein Kammerherr im Auftrage des Königs, wie er sagte, hundert blanke Taler aus.

Bald darauf trat der Monarch selbst aus einem Nebenzimmer, hob den ihm zu Füßen fallenden und seinen Dank stammelnden Arbeiter huldvoll auf, belobte ihn wegen der gestrigen Lösung des schönen Rätsels und versprach, noch ferner für ihn und seine Familie zu sorgen. Freudetrunken eilte der glückliche Mann nach Hause, schüttete die hundert Taler vor den Augen seiner erstaunten Familie auf den Tisch, erzählte ihnen, wie er auf dem Schlosse empfangen und beschenkt worden sei, und Alle, Groß und Klein, Alt und Jung, fielen auf ihre Kniee nieder und beteten für den guten König August. Der Baum, den ich als Stämmchen band, gibt Schirm mir in der Hitze; das Kind, das pflegte meine Hand, wird meines Alters Stütze! Wer seine Eltern liebt und ehrt, ist ihres reichen Segens wert.

Man soll die Kinder nicht vom Gottesdienst abhalten.

Es geschah einst, daß die heilige Genovefa den Gottesdienst besuchen wollte. Aber die Mutter, die ein Geschäft vorhatte, untersagte es der Tochter. Genovefa weinte und bat: Mutter, liebe Mutter, laß mich gehen! Du sollst jetzt nicht, entgegnete Gerontia mit mütterlicher Strenge. Aber Genovefa ließ nicht nach zu bitten. Darauf rief die Mutter ernst: Dem Kinde ziemt nicht solcher Trotz! Wehmütig stand die Tochter schon festlich gekleidet in einer Ecke und weinte bitterlich. Und wie die Kirchenglocken töten, bat sie zum siebten Male. Da erhob Gerontia zürnend ihre Hand und drohte. Aber das Mädchen sagt: Denkst du nicht mehr daran, was ich dem frommen Bischof versprochen! Mutter! Ich will unter Gottes Beistand die Kirche besuchen! Da zürnte Gerontia noch heftiger und schlug ihre Tochter ins Angesicht. Genovefa sagte kein Wort, blickte leise seufzend zum Himmel und legte das Festkleid wieder zur Seite. Das Augenlicht der Mutter fing an, schwach zu werden, und ehe ein Monat verfloß, war sie gänzlich erblindet. Die Tochter weinte die kindlichsten Tränen und es war bald keine Stunde in der Nacht, wo sie nicht auf ihren Knieen lag und im stillen Kämmerlein um das Augenlicht für ihre Mutter zum Himmel flehte. Am frühen Morgen nahm sie ihren irdenen Wasserkrug, eilte vor das Dorf zu dem Brunnen, wo sie oft ihre Schafe tränkte, schöpfte Wasser, segnete es mit ihrem kindlichen Gebete und brachte es der Mutter, daß sie sich damit die verdunkelten Augen wasche. Und siehe, nach Verlauf von einundzwanzig Monaten ward Gerontia sehend. Bis auf den heutigen Tag wallfahrten die Kranken und Traurigen aus Nanterre und der Umgegend zu dem Brunnen, den die heilige Genovefa gesgnet.

Das Gebet der Kinder für die Eltern ist Gott sehr lieb.

Die Glocken vom Turme begrüßten mit hellem Klange die Ankunft des neuen Jahres. Da erwachte Vater Joseph, der seit zwölf Wochen krank gewesen und das Bett hüten mußte. „Ei! Wie ist mir doch so wohl!“ sagte er zu sich selbst. „Welche Veränderung! Ich fühle keine Schmerzen mehr! Ich fühle mich stark und heiter, wie ein Gesunder!“ Und er streckte die Hände in der Finsternis aus zu Gott und dankte für die Genesung. Und er erinnerte sich an seine zwei Söhne und an seine Tochter Maria, die seither fleißig für ihn gearbeitet und ihn mit dem, was ihre Hände verdienten, ernährt hatten. Sonst kamen dieselben immer am Neujahrsmorgen zu seinem Bette und wünschten ihm ein fröhliches Neujahr. Jetzt brach der Tag an und sie waren nicht gekommen. Wie? Dachte der Vater, haben sie mich nicht mehr so lieb, wie sonst, da sie nun für mich arbeiten müssen und ich ihnen nichts mehr geben kann? Indem er so dachte, hörte er in der anstoßenden Kammer bitterlich weinen. Er stand auf, kleidete sich an und öffnete die Kammertüre. Ach, da lagen die drei frommen Kinder auf den Knieen, weinten und beteten: O Gott! Mach unsern lieben Vater gesund! Er ist ja so fromm und gut! Gib ihm seine Gesundheit wieder, daß er munter und heiter ins neue Jahr eingehe! Jetzt wußte der Vater, daß er seine plötzliche Gesundheit dem Gebete seiner Kinder verdanke. Da konnte sich Vater Joseph nicht halten. Er umarmte seine geliebten Kinder und sprach: Eueren Neujahrswunsch hat Gott im Himmel erhört! Ich bin gesund; das danke ich euerem Gebete; aber stehet nicht auf. Ich will mitten unter euch knieen und Gott danken, daß Er mir auf dieses euer Gebet soeben meine Gesundheit und an euch so fromme und gute Kinder gegeben hat! Ja das Gebet der unschuldigen guten Kinder dringt durch die Wolken und bringt den Eltern Gottes Segen!

Böse Kinder beschämt der Storch.

Der heilige Ambrosius schreibt: Erwägen wir die kindliche Liebe der Störche. Wenn der alte Storch vor Schwäche hinsinkt und seine Glieder wegen des hohen alters von Federn entblößt sind und seine Flügel nicht mehr zum Durchrudern der Luft taugen, so stehen die Jungen um ihn her und erwärmen ihn mit ihren Federn. Sie bringen ihm auch Futter und heben und legen ihn. Diese Vögel schämen sich nicht, den alten Vater zu ernähren und zu pflegen, während sich schon manche Menschen dessen geschämt haben. Die Vögel bindet nicht ein auf steinerner Tafel geschriebenes, sondern ein angebornes Gesetz. Sie vereinigen sich zur Pflege der Eltern nicht durch ein Gebot, sondern durch den Trieb natürlicher Dankbarkeit.

Kinder sollen sich ihrer Eltern nicht schämen.

In dem Regimente des berühmten Generals von Ziethen befand sich auch ein Rittmeister, mit Namen Kurzhagen. Er war klug, tapfer und besaß vor Allem ein kindliches Gemüt. Seine Eltern waren arme Landleute im Mecklenburgischen. Mit dem Verdienstorden auf der Brust rückte er nach Beendigung des siebenjährigen Krieges in Parchim ein. Die Eltern waren von ihrem Dörfchen nach der Stadt gekommen, um ihren Sohn nach Jahren wiederzusehen, und erwarteten ihn auf dem Markte. Als er sie erkannte, sprang er rasch vom Pferde ab und umarmte sie unter Freudentränen. Bald darauf mußten sie zu ihm ziehen und aßen allezeit an seinem Tische, auch wenn er vornehme Gäste eingeladen hatte. Einst spottete ein Offizier darüber, daß Bauern bei einem Rittmeister zu Tische säßen. „Wie? Sollte ich nicht die ersten Wohltäter meines Lebens dankbar ehren?“ war seine Antwort. „Ehe ich des Königs Rittmeister wurde, war ich schon vor vielen Jahren ihr Kind.“

Der brave General von Ziethen hörte von diesem Vorfalle und bat sich selbst nach einiger Zeit mit mehreren Vornehmen bei dem Rittmeister zu Tische. Die Eltern wünschten diesmal selbst, nicht am Tische zu erscheinen, weil sie sich verlegen fühlen würden. Als man sich setzen wollte, fragte der General, wo des Rittmeisters Eltern wären. Ich glaubte, sagte er, sie säßen mit Ihnen am Tische? Der Rittmeister lächelte und wußte nicht gleich zu antworten. Da stand Ziethen auf und holte die Eltern selbst herbei; sie mußten sich rechts und links an seine Seite setzen und er unterhielt sich mit ihnen aufs freundlichste. Als man anfing, Gesundheiten auszubringen, nahm er kein Glas, stand auf und sprach: „Meine Herren, es gilt dem Wohlergehen dieser braven Eltern eines verdienstvollen Sohnes, der es beweist, daß ein dankbarer Sohn mehr wert ist, als ein hochmütiger Rittmeister.“

Später fand der General Gelegenheit, dem König von der kindlichen Achtung zu erzählen, welche der Rittmeister seinen Eltern erwies, und Friedrich II. freute sich sehr darüber. Als Kurzhagen einst nach Berlin kam, wurde er zur königlichen Tafel gezogen. „Hör er, Rittmeister“, fragte der König, um seine Gesinnung zu erforschen, „von welchem Hause stammt er eigentlich? Wer sind seine Eltern?“ Euere Majestät, antwortete Kurzhagen ohne Verlegenheit, ich stamme aus einer Bauernhütte und meine Eltern sind Bauersleute, mit denen ich das Glück teile, welches ich Euerer Majestät verdanke. So ist´s recht, sagte der König erfreut, wer seine Eltern achtet, der ist ein ehrenwerter Mann; wer sie gering achtet, verdient nicht, geboren zu sein- Das Kind soll sich seiner Eltern nicht schämen, wenn sie niedrigen Standes sind, dasselbe aber zu hohen Würden und Ehren emporsteigt.

Böse Kinder straft Gott.

Eines Tages hörte ein Einsiedler, als er im Walde nach Kräutern suchte, ein jämmerliches Stöhnen und Aechzen. Er ging näher und fand da im Gebüsche einen jungen Menschen liegen, der an seinem rechten Fuße eine tiefe Wunde empfangen hatte. Ringsherum war der Boden mit Blut gerötet und der Verwundete fiel aus einer Ohnmacht in die andere. Der Einsiedler hob den armen Jüngling auf und schleppte ihn mit großer Mühe in seine Zelle. Da er früher einige Kenntnis in der Behandlung der Wunden sich erworben hatte, so behandelte er den Kranken mit gutem Erfolge, und schon am nächsten Tage vermochte dieser zu erzählen, wie er die starke Wunde erhalten habe.

Ich bin, fing der Jüngling an, seit nicht langer Zeit der Diener eines jungen Edelmanns. Gestern ritten wir durch den Wald, wo Sie mich gefunden, und mein Herr hatte eine bedeutende Summe Geldes in einem Sacke bei sich auf dem Pferde. Auf einmal, ich weiß nicht wie und wo, war der Geldsack verloren. Mein Junker begann furchtbar zu fluchen und zu lamentieren; wir ritten nun eine bedeutende Strecke zurück, ich stieg vom Pferde und suchte mit dem aufmerksamsten Fleiße nach dem Gelde; allein all mein Suchen war vergebens. Als ich aber wieder meinem jungen Herrn mich näherte, und diesem berichtete, daß ich Nichts gefunden, so fing er an, mir bittere Vorwürfe zu machen, ja sogar den Verdacht auszusprechen, ich hätte das Geld sicherlich gefunden, aber es schnell etwa unter einem Gebüsche versteckt, um es zur gelegenen Zeit da abzuholen. Diese Rede kränkte mich tief; entrüstet erwiderte ich, daß ich einen solchen Verdacht mit Abscheu zurückweise und daß ich glaube, nie Ursache gegeben zu haben, meine Redlichkeit in Zweifel zu ziehen. Der ohnehin schon gereizte Junker kam durch diese meine Verteidigung völlig in Wut, zog blitzschnell sein Schwert und im nächsten Augenblicke fühlte ich meinen rechten Fuß wanken, er war nämlich schwer verwundet. Ich stieß einen Schrei des Schreckens aus, fiel um und sah meinen unbarmherzigen Herrn spornstreichs davon reiten. Wahrlich, ich wäre in meiner Verlassenheit gewiß schon gestorben, wenn nicht Sie wie ein barmherziger Samariter mich gefunden und gerettet hätten. Dank, tausendfachen Dank für Ihre Barmherzigkeit!

Der Einsiedler bemühte sich, den Kranken zu trösten und aufzuheitern und sprach unter Anderem: Der beste Trost für dich, meine Liebe, ist, daß du unschuldig bist und leidest. Doch bei dem Wörtchen: unschuldig, schien den Kranken ein heftiger Schmerz zu durchzucken; er seufzte tief, Tränen traten ihm in die Augen und der Ausdruck des tiefsten Kummers malte sich auf seinem Gesichte. Ach nein! Sprach er schluchzend, ich leide nicht unschuldig; zwar des Diebstahls wegen verdiente ich die Wunde nicht; da blieb ich unschuldig; aber! – aber! Seine Stimme stockte; er schwieg einige Minuten; endlich fuhr er wieder fort:

Doch es muß heraus; vielleicht wird mein Gewissen durch ein aufrichtiges Bekenntnis erleichtert. Ach, bester Vater! Ich bin ein großer Verbrecher gegen das vierte Gebot. Ich habe eine alte Mutter, die Witwe ist, und ich bin ihr einziges Kind. Als wir einst mitsammen auf einem Wagen auf den Acker hinausfuhren, gerieten wir über eine unbedeutende Sache in heftigen Wortwechsel. Vor Zorn meiner nicht mehr mächtig, stieß ich sie endlich mit dem Fuße von dem Wagen hinab. Die Mutter, der Schmerz und Ärger über diese Unbild fast außer sich, sprach über mich schreckliche Flüche aus und drohte mir mit Verklagung vor Gericht. Ich verließ nun aus Furcht vor der gerichtlichen Strafe meine Heimat, flüchtete mich über die Grenze und suchte und fand einen Dienst bei dem jungen Edelmanne, von dem ich vorhin erzählt habe. Und sehen Sie, an eben dem Fuße, mit dem ich meine Mutter gestossen, erhielt ich die schmerzhafte Wunde. Gewiß ist dies die wohlverdiente Strafe meines begangenen Frevels und ich leide nicht unschuldig. Tränen der bittersten Reue folgten diesem Bekenntnis. Der Einsiedler bemühte sich nun, auch die Wunde seiner Seele zu heilen und ihn zu einer ernstlichen Buße vorzubereiten, was ihm auch bestens gelang. Nach einiger Zeit kehrte der Jüngling, an Leib und Seele bestens genesen, in seine Heimat zurück und fand bei seinem Mütterchen, wie einst der verlorene Sohn bei seinem Vater, wieder die liebevollste Aufnahme.

Böse Kinder straft Gott.

In Friesland kam ein Sohn in heftigen Streit mit seinem Vater. Zuletzt fiel der unselige Sohn von Wut entbrannt über den Vater her, warf ihn zu Boden, ergriff ihn bei den Haaren und schleppte ihn die Stiege hinab, um ihn aus dem Hause zu stoßen. Der Vater jammerte nicht, rief auch nicht um Hilfe, sondern schien Alles geduldig zu leiden. Nur als sie zur Schwelle der Haustüre kamen, rief er: Halt! Unsinniger! Jetzt ist´s genug; denn bis hieher hab auch ich meinen Vater bei den Haaren geschleppt! Entsetzt ließ der Sohn den Vater los, der in diesem Augenblicke die gerechte Strafe des Himmels erkannt hatte.

Die Kinder ahmen die Beispiele der Eltern nach.

Mancher Sohn flucht, daß sich der Himmel möchte auftun, sakramentiert und ruft den Teufel, Donner und Hagel sollen drein schlagen. Der Vater darf ihn nicht tadeln, sonst muß er hören: Vater, das hab ich von dir gelernt! Einmal zu warmer Sommerszeit quakten und schrieen die jungen Frösche über die Gebühr, so daß ein alter Frosch selbst über diese abgeschmackte Musik überdrüssig wurde und die Jungen nicht wenig auszankte. Schämt euch, sagte er, ihr grünhosigen Fratzen, ihr wilden Pfützenbewohner, ihr hüpfenden Spitzbuben! Schämt euch, daß ihr ein so abscheuliches Geschrei erhebet! Wollt ihr lustig sein und frohlocken, so singet wenigstens wie die Nachtigall, welche auf dem nächsten Baume sitzt, ihr großmauligen Narren! Könnt ihr nichts Anderes, als euer: Qua! Qua! Qua? Vater, antworteten die Fröschlein, das haben wir von dir gelernt! Dieselbe Antwort erhalten Eltern, welche ihren Kindern böse Beispiele geben und sie nachher tadeln, wenn sie sie befolgen.

V

Gottlose Eltern straft Gott durch ihre Kinder.

Ein gewisser Macareus war ein geldgieriger Mann, bei dem einmal ein Fremder einkehrte, der ihm eine Summe Geldes aufzuheben gab. Als dieser schlief, durchschnitt er ihm die Gurgel und verscharrte seinen Leichnam in die Erde. Außer seinen zwei kleinen Kindern sah Niemand diese Tat; die Kinder aber hielt er für unfähig, die Sache und ihre Wichtigkeit einzusehen und zu Verrätern zu werden. Einst spielten die Knaben mitsammen; da sagte der Größere zu dem Kleineren: Lege dich schlafen und ich werde es machen mit dir, wie der Vater mit dem Fremden. Er nahm ein scharfes Messer und durchschnitt dem kleinen Brüderchen die Kehle. Darüber kam die Mutter dazu. Wutentbrannt über den Knaben, schlug sie ihn tot. Da das Macareus hörte, eilte er nach Hause und erschlug im Zorne sein Weib. Über diesen Lärm eilten die Nachbarn herbei. Macareus wurde eingezogen, gestand seinen Mord an dem Fremden und wurde hingerichtet. So strafte Gott durch sein eigenes Kind den schlechten Vater und Menschen.

Eltern sollen ihre Kinder weder zum geistlichen Stande zwingen, noch davon abhalten.

Christliche Eltern, die ihre Kinder gegen deren Willen zum geistlichen Stande zwingen, sind schlechter, als die Heiden. Wenn diese ihren erdichteten falschen Göttern ein Tier opfern wollen, so wurde jenes zurückgewisen, welches sich widerspenstig zeigte. Der Ochs, die Kuh, das Kalb, die Ziege, welche sich beim Hinführen zum Tempel oder zum Schlachtort widersetzte, wurde nicht geopfert. Wie soll nun Gott einen Diener mit Wohlgefallen aufnehmen, der nicht gerne sich seinem Dienste weihet?

Ferdinand I., deutscher Kaiser, freute sich sehr, daß drei seiner Töchter, Magdalena, Margaretha und Helena ins Kloster gingen, worin sie Gott so vollkommen dienten, daß Margaretha, welche zuerst starb, nach sechs Jahren unversehrt blieb; und als man ihren Leib in die Franziskanerkirche nach Innsbruck übertrug und ein Hofherr aus sträflichem Vorwitz der Toten an die Wangen griff, wurde das Gesicht derselben schamrot, zur Verwunderung aller Umstehenden. (Ex vita Magdal. Helen. P. I. cap. 9.)

Vor nicht gar vielen Jahren hatte ein adeliges, reichbegütertes Ehepaar einen einzigen Sohn, der die Welt verachtete und ins Kloster ging, obschon Vater und Mutter sehr dagegen waren. Er machte sein Noviziat eifrig durch und man schöpfte im Kloster gute Hoffnungen für ihn. Seine Eltern sendeten ihm heimlich Briefe über Briefe, worin sie ihm ihrem Schmerz klagten. Solche Briefe machten den jungen Novizen verwirrt; er wurde lau, wankelmütig, endlich des Klosterlebens überdrüssig. Die Novizen pflegten in der Woche an einem Tage spazieren zu gehen. Da schrieb er seinen Eltern, sie sollten ihm an dem bestimmten Tage am dem bestimmten Tage an den bestimmten Ort einen Bedienten mit einem Reitpferde schicken, er werde zu ihnen zurückkehren und das Kloster verlassen. So geschah es. Er zog seinen Habit aus, legte weltliche Kleider an, stieg zu Pferde und galoppierte zu seinen Eltern. Als er in die Nähe des väterlichen Schlosses gekommen war, kamen ihm seine Eltern voll Freude entgegen. Als er sie erblickte, stieg er eilig vom Pferde; aber unglücklicherweise fiel sein Degen aus der Scheide, mit der Spitze nach oben; im Herabspringen spießte er sich selbst und war auf der Stelle eine Leiche. So hat Gott es gefügt, daß die Eltern, die Ihm ihren Sohn nicht gönnten, diesen auch nicht haben sollten. Sie erkannten den Tod des Sohnes als Strafe Gottes, weil sie ihn vom geistlichen Stande abwendig gemacht hatten.

Neugeborne Kinder sollen ungesäumt getauft werden.

Nicht ohne Rührung kann man lesen, was zwei Jesuiten im Jahre 1634 in China in der Provinz Sciansi (Anmerkung: schon wieder eine andere Schreibweise; wo bleibt jene, nach der jeder Deutsche das chinesische Wort richtig aussprechen kann?) getan. Damals entstand eine solche Hungersnot und Teuerung, daß sogar Mütter ihre eigenen Kinder aufzehrten; aber andere, welche so grausam nicht waren, die Kinder auf die Felder hinaustrugen und allda Hungers sterben ließen, um deren Tod nicht ansehen zu müssen.

In dieser Provinz waren damals zwei fromme Männer, Missionäre aus der Gesellschaft Jesu, mit Namen P. Stephan Fabri und Emanuel Gomez, welche allen Fleiß anwendeten, den armen Kindern beizuspringen, nicht zwar mit leiblicher Nahrung, welche sie nicht hatten, sondern mit der heiligen Taufe; daher trug ein Jeder eine Flasche Wasser bei sich und wo sie das Weinen eines Kindes vernahmen, gingen sie hinzu, tauften es und machten es zu einem Kinde der Seligkeit. Nun traf einmal Gomez ein Kind an, schon ganz schwarz, von Würmern angegriffen, aber gleichwohl lebendig. Da fühlte er das größte Mitleid und bedauerte sehr, daß er auch nicht einen Tropfen Wassers mehr in der Flasche hatte. Die göttliche Vorsehung machte, daß ein Weib mit einem Wasserkruge vorüber ging. Gomez bat sie, ihn trinken zu lassen, denn zum Taufen würden ihm die ungläubigen Heiden kein Wasser gegeben haben. Das Weib war endlich so gut und gab ihm, nichts Arges wähnend, zu trinken. Der gute Mann trank ein wenig, nahm dann den Mund voll Wasser, eilte zum Kinde, goß es auf die hohle Hand und taufte das bereits halbtote Kind, worauf der kleine Engel seine Augen öffnete und lächelte, als wollte es ihm für diese große Gnade danken, schloß sie wieder und verschied. So oft der gottesfürchtige Mann diese Begebenheit erzählte, konnte er sich des Weinens nicht enthalten. (Orlandus in Hist. Soc. Jesu P. I. lib. 13. Num. 70.)

Gottlose Kinder straft Gott.

Der heilige Vinzenz Ferrerius schreibt, daß zu Valenzia in Spanien Einer wegen eines begangenen Totschlages zum Strang verurteilt wurde. Als er bereits an dem Orte angelangt war, wo der Galgen stand, an dem er das Leben lassen sollte, da wendete er seine Augen gegen Himmel und brach mit lauter Stimme in diese Worte aus: Allmächtiger Gott, ich sterbe billig und recht, nicht zwar wegen der mir Unschuldigen zugemessenen Mordtat, sondern durch geheimes göttliches Urteil; denn an eben diesem Orte habe ich meine leibliche Mutter mit harten Schlägen mißhandelt; daher sie daselbst auf ihre Kniee niederfiel und folgenden Fluch über mich getan: Ich wünsche, daß du an diesem Orte, wo du mich also geschlagen, am Galgen gehenkt werdest! was auch geschah.

Majolus in diebus Canic. Pag. 739 erzählt, daß ein Sohn, Namens Johannes Deuering, teils aus Ungeduld, weil ihm der Vater zu lange lebte, teils im Rausche, den er beinahe täglich hatte, seinen leiblichen Vater unter abscheulichen Schimpfreden von der Bank herabgezogen, geschlagen und endlich mit Füßen getreten habe. Der betrübte Vater konnte nicht umhin, den Fluch über ihn auszusprechen und mit weinenden Augen zu sagen, er wolle es erleben, daß diese Missetat von dem gerechten Gott werde bestraft werden. Kaum war ein Monat verflossen, da empfand er an dem Fuße, mit dem er den Vater getreten, unsägliche Schmerzen und ungeachtet des vielen Geldes, das er den Ärzten zuwendete, konnte ihm doch nicht von dem Übel geholfen werden. Er blieb auf diesem Fuße lahm und hinkend. Gott machte es übrigens zu seiner Strafe, daß, so oft er aus dem Hause ging, die Knaben vor, um und hinter ihm sich sammelten, wie die Vögel um die Nachteule, sein Hinken nachahmten und ihn verspotteten. Zuletzt starb er verzweifelnd als Bettler in größter Armut.

Eltern sollen sich nicht ganz entblößen und ganz von der Güte der Kinder abhängig machen.

Johann Coaxa, ein reicher Mann, hatte zwei Töchter, die er übermäßig liebte. Als er sie verheiratete, gab er ihnen sein sämtliches Vermögen, mit dem Beding, daß sie ihn nähren und pflegen sollten. Bald war er den Schwiegersöhnen ein Dorn im Auge, auch die Töchter wurden kalt gegen ihn und verpflegten ihn schlecht. Als er nun darüber nachdachte, wie er sich eine bessere Pflege verschaffen könnte, verfiel er auf folgende List. Er borgte von einem Freunde eine Summe von etlichen tausend Gulden und zählte dieses Geld mit vielem Geräusche auf seinem Tisch. Als die Töchter dieses Geld klimpern hörten, kamen sie herbei, wunderten sich und fragten, wozu der Vater diese große Summe bestimme. Dieses Geld, sagte er, habe ich derjenigen bestimmt, die mich am besten pflegen wird; ich hinterlege es im Franziskanerkloster mit einem Testamente in einem Kasten, wozu ich den Mönchen den Schlüssel übergeben werde; nach meinem Tode lasset euch den Schlüssel zum Kasten geben. Nun wetteiferten die Schwestern; eine jede wollte ihn aufs Beste pflegen. Als er nun gestorben war, eilten sie ins Kloster, verlangten den Schlüssel und öffneten den Kasten. Statt des Geldes fanden sie einen knotigen Prügel mit einem Zettel, worauf geschrieben war: Mit so einem Prügel verdient jeder Vater geschlagen zu werden, der sich in blinder Liebe zu seinen Kindern all des Seinigen beraubt und von ihren Gnaden abhängen will. Solches machte die undankbaren Töchter schamrot, viele Eltern aber vorsichtiger. (Angel. Gazaeus pia Hilaria.)

Auch die Heiden glaubten, daß gute Kinder von den Göttern belohnt werden.

König Krösus führte einmal dem weisen Solon in seiner Schatzkammer umher, zeigte ihm seine Reichtümer und fragte ihn, wen er für die Glücklichsten halte; er hoffte aber nichts anderes, als daß er ihn selbst nennen würde. Solon heuchelte nicht und sagte: den Tellus, einen Athener. So! so! entgegnete Krösus betroffen. Aber sage mir, weiser Mann, wer scheint dir wohl der glücklichste nach dem Tellus? – Nun wird er mich doch nennen, dachte er. Solon sprach: Nach dem Tellus? O laß dir von den glücklichen Brüdern Kleobis und Biton erzählen! Ihre Mutter war Priesterin der Göttin Here zu Argos und ließ sich an den Opferfesten von zwei Stieren zum Tempel fahren. Einmal am großen Feste der Here kamen die Stiere nicht zur rechten Zeit. Da nun die Sache keinen Aufschub litt, so spannten sich beide braven Söhne selbst vor den Wagen und zogen ihre Mutter im raschen Laufe, mehr als zwei Meilen weit, zum Tempel hin. Das Volk, welches diesen rührenden Auftritt sah, brach in lautes Beifallsgeschrei aus; die Männer drückten den edlen Jünglingen die Hände und die Weber wünschten der Mutter Glück, solche Söhne zu haben. Die gute Frau selbst stieg weinend aus dem Wagen, umfaßte das Bild der Göttin im Tempel und betete mit Inbrunst: Erhabene Here, o schenke meinen guten Söhnen für ihre heutige Edeltat das beste Los, das Sterbliche treffen kann! Und siehe! Die beiden Brüder waren im Tempel vor Mattigkeit eingeschlummert. Nach vollbrachtem Opfer wollte man sie wecken, aber sie erwachten nicht wieder. – Sage mir, Krösus, kann es etwas Glückliches geben, als so sanft sterben, und gleich nach einer so schönen Tat sterben?

Kinder sollen auch harte Eltern entschuldigen und verteidigen.

Der römische Diktator L. Manlius Imperiosus drückte während seiner Diktatur das Volk hart. Seinen Sohn T. Manlius behandelte er eben so tyrannisch. Er hatte daher kaum seine Würde niedergelegt, als einer der Volkstribune ihn auf Leben und Tod anklagte. Das hörte der Sohn und sogleich ging er zu dem Tribun, der denselben augenblicklich verließ, weil er von ihm noch andere Verbrechen des Vaters zu erfahren glaubte, um so mehr, da der junge Mann mit dem Volksvertreter in einem einsamen Zimmer zu reden begehrte. Kaum war aber der Sohn mit dem Tribun allein, so zog er einen scharf geschliffenen Dolch, setzte ihm denselben auf die Brust und rief: Wenn dir dein Leben lieb ist, so schwöre mir jetzt auf der Stelle, die Anklage gegen meinen Vater zurückzunehmen. Der Volkstribun verlor alle Fassung, schwur und der Prozeß unterblieb.

Ein ungeratener Sohn und seine Strafe.

Karl VII., König von Frankreich, hätte so gerne sein Volk glücklich gemacht. Aber ein Ungeheuer von Sohn trachtete ihm immer nach Leben und Krone. Erbittert, daß der Vater, der des Sohnes wilde Bosheit kannte, ihn nicht zu Geschäften ziehen wollte, sondern lieber fremde Männer zu seinen Räten nahm, stiftete der Vermessene eine Verschwörung gegen den Vater und als sie entdeckt wurde, floh er und hausete wie ein Räuber. Er hatte allen Freunden und Ratgebern seines Vaters den Tod geschworen und eine Hofdame vergiftet, die dem Vaterlande viel Gutes getan. Er besoldete seine Geschöpfe in Paris so gut, daß der arme König, aus Furcht, vergiftet zu werden, sich zu Tode gehungert haben soll. Er starb in Gram und Kummer, und der pflichtvergessene Sohn wohnte seinem Leichenbegängnisse nicht bei. Als dieser Sohn dem Tod nahte, fürchtete er, ermordet zu werden. Fast jeden Tag wechselte er seine Diener, sein Schloß ließ er befestigen und des Nachts alle Zugänge verrammeln. Fuhr er aus, so geschah dies in einem dicht verschlossenen Wagen. Jeder war ihm verdächtig, er zehrte ab. Diese Furcht vor Ermordung war eine Strafe Gottes für seine Sünden gegen das vierte Gebot.

Die Heiligung des Kindes fängt schon im Mutterleibe an.

Während die Gräfin Sales mit dem heiligen Franz in den ersten Monaten schwanger ging, kam die Herzogin von Nemours nach Annecy und dieser mußte sie ihre Aufwartung machen. Die Herzogin ließ das heilige Schweißtuch dorthin übertragen. Bei dem Anblick dieses noch immer blutigen Erinnerungszeichens unseres Heilandes fühlte sich die Gräfin von einem Gefühle der Andacht erfüllt, wie sie es bis dahin noch niemals empfunden. Nach dem Beispiele der frommen Anna, der Mutter Samuels, ergoß sich hier ihr Herz vor dem Herrn; opferte Ihm das Kind, das sie unter dem Herzen trug, und flehte zu Gott, Er wolle ihm Vater sein, es vor der Verderbnis der Welt bewahren und ihr lieber die Freude und den Vorzug entziehen, Mutter zu werden, als es zulassen, daß sie ein Kind zur Welt brächte, das die Gnade der Taufe verliere und so unglückselig würde, mit der Zeit Sein Feind zu werden.

Dieses eifrige Gebet fand Erhörung beim Herrn; Er ergoß über ihre Leibesfrucht jene Fülle von Gnaden und Segnungen, die ihren Sohn zu der erhabenen Heiligkeit führten, die er später zeigte. So müssen die Mütter ihre Kinder schon im Mutterleibe heiligen. Der Knabe war schön und sanft, man gewann ihn lieb; das Äußere war von der vortrefflichsten Gemütsart begleitet; er war freundlich, gehorsam und sehr schamhaft. Er hörte die heilige Messe und betete mit einer Sammlung und Andacht, die sein Alter weit überstiegen. Sein ganzes Vergnügen bestand darin, kleine Altäre zu bauen und die Ceremonien der Kirche darzustellen. Sittsamkeit und Aufrichtigkeit herrschte in allen seinen Reden und Handlungen, und beging er irgend einen bei Kindern gewöhnlichen Fehler, so wollte er lieber Strafe leiden, als der Strafe durch eine Lüge entkommen. Diese angebornen guten Eigenschaften waren die Frucht des Gebetes der Mutter während ihrer Schwangerschaft.

Wie man im Kind Gottesfurcht und Liebe Gottes erzeugt und Nächstenliebe.

Als der heilige Franz mit elf Jahren ins Kollegium der Jesuiten kommen sollte, verlor seine Mutter keinen Augenblick, ihren Sohn zu bilden. Oft wiederholte sie ihm jene Worte, welche die Mutter zum heiligen Ludwig zu sprechen pflegte:

Gott ist mein Zeuge, mein Sohn, wie sehr ich dich liebe; indessen möchte ich dich lieber tot vor meinen Augen sehen, als erfahren, du habest eine Todsünde begangen! Ganz besonders war sie beflissen, ihm eine zarte und kindliche Liebe zu Gott einzuflößen, und sie gewöhnte ihn daran, Gott als seinen wahren Vater zu betrachten. Was immer man sagen mag, sprach sie zu ihm, nicht ich habe das Leben dir gegeben. Ich bin deine Mutter nur, weil es Gott gefällig war, meiner sich zu bedienen, dich in diese Welt zu setzen. Freilich bist du in meinem Schoße gebildet worden; allein nicht ich habe diese Glieder, noch auch das Blut, das in deinen Adern fließt, noch die Lebensgeister dir gegeben, kraft welcher du dich bewegest; noch weit weniger aber diese geistige und unsterbliche Seele, wodurch du einer ewigen Glückseligkeit fähig bist. Gott hat dich zu dem gemacht, was du bist: Er ist´s, der dich erhält; und von Ihm mußt du Alles erwarten!

Auf diese Weise entzündete sie in seinem Herzen Furcht und Liebe Gottes. Alles, was ihr unter die Augen kam, gab ihr Veranlassung, seinem Gemüte heilige Wahrheiten einzuprägen. Begegnete sie irgend einem Armen, so sagte sie zu ihm, derselbe sei, so wie er ihn da sehe, sein Bruder; und eben so gut berechtigt, als er selbst, Gott seinen Vater zu nennen. Glück und Vermögen zwar hätten einen gewissen Unterschied zwischen sie gesetzt; die Natur jedoch und die Gnade wüßten nichts von diesem Unterschiede; in dieser Beziehung seien alle Menschen gleich; dessen müsse er beständig eingedenk sein und sich ja hüten, armen Menschen, die niedriger gestellt seien, als er, mit Verachtung und Härte zu begegnen. Erging sie sich zuweilen auf Fluren und Feldern, so richtete sie seine Aufmerksamkeit auf die Leute, die das Getreide aussäeten und das Ackerland bestellten. Man glaubt, sprach sie dann zu ihm, es seien diese Ackersleute es, die uns ernähren. Indessen mögen sie tun, was sie immer wollen, so reicht etwas zu viel Regen, etwas zu viel trockenes Wetter hin, Alles zu verderben. Mehr bedarf es nicht, allenthalben Hungersnot zu verbreiten, und uns dahin zu bringen, daß wir Hungers sterben. Aber dieser Regen, diese gemäßigte Hitze, diese Zeit, die geeignet ist, die Saat zur Reife zu bringen, hängen von Gott allein ab und die Menschen vermögen es nicht, das Geringste dabei zu tun. Auf diese Weise flößte sie dem Kinde Gottesfurcht, Vertrauen, Liebe zu Gott und zum Nächsten ein. So müsset ihr es anfangen, ihr Eltern, wenn ihr christlich erziehen wollt.

Kinder sollen ihre Eltern lieben und ihnen dienen.

Diese Pflicht erkannten schon die Heiden. Die römische Vorzeit hat die Namen zweier Brüder, Amphinomus und Anapus, mit großen Lobeserhebungen aufbewahrt, weil sie bei einem furchtbaren Ausbruche des Ätna alle ihre Habe zurückließen, um ihre greisen Eltern auf die Schultern zu nehmen und sie mitten zwischen glühenden Lavaströmen und den Flammen, welche aus den zusammenstürzenden Häusern aufloderten, ins Freie hinaus zu tragen. Die Städte Katanea und Messina stritten lange um den Ruhm, als der Geburtsort dieser wackern Jünglinge zu gelten und jede erbaute einen eigenen Tempel zur Ehre der kindlichen Liebe.

             Kinder sollen sich des Segens der Eltern würdig machen.

Ein polnischer Edelmann, Namens Stanislaus Rupniew-Ujeyskki, Geheimrat Sigismunds III., wurde mit einer Botschaft an den Kaiser gesendet. Als er von seiner Mutter Abschied nahm, steckte ihm diese einen Ring an den Finger und sprach: Bewahre diesen Ring sorgfältig zu meinem Andenken; denn ich habe meinen mütterlichen Segen darauf gelegt! Abends kehrte er bei einer befreundeten Familie ein, zog beim Schlafengehen seinen Ring ab und legte ihn auf das hölzerne Fenstergesimse, ohne zu bemerken, daß dieses tief zerspalten sei; der Ring fiel nun in diese Spalte, die er im Dunkeln nicht gesehen hatte. Als er des Morgens aufstand, fand er seinen Ring nicht und mußte ohne ihn weiter reisen. Nach mehreren Monaten kehrte er auf der Rückreise wieder dort ein, suchte beim Aufstehen wieder seinen Ring und fand ihn endlich in jener Spalte. Da dachte er nun darüber nach, worin wohl der Segen der Mutter bestehen möge? Als er so nachdachte, fiel ihm dieser Umstand auf, daß er den Ring gerade in diesem Hause verlor. Sollte sich ihr Segen etwa auf diese Familie beziehen? Während er dieses dachte, fiel ihm die Tochter des Hauses auf, die er früher gar nicht beachtet hatte. Er warb um sie und vermählte sich durch eben diesen Ring mit ihr. Und sie war es, die ihn durch ihre Sanftmut und Güte von seinen ketzerischen Irrtümern, von Unglauben und mancher Unsitte zu einem echt christlichen Lebenswandel führte; auch erzog sie ihm Söhne, die dem Vaterlande zur Zierde dienten. Oftmals, noch im Greisenalter, pflegte Stanislaus mit Tränen der Rührung von den großen Dingen zu erzählen, welche die Kraft des Muttersegens in seinem Leben zu Stande gebracht hat.

Ein Kind vor dem vierten Jahre in die höheren Gnadenwege eingeführt.

Dominika vom Paradiese war geboren im Jahre 1473 in einem kleinen Orte, Paradies genannt, nahe bei Florenz. Ihre Eltern waren arme Landleute. Weil die Mutter dem Manne bei der Arbeit helfen mußte, gab sie dem Kinde nur einmal im Tage zur Morgenzeit die Brust, aber die Kleine gedieh bei dieser sparsamen Nahrung, wurde stark und wohlbeleibt und war fröhlich und munter, wenn die Mutter am Abende heimkehrte. Sie erwuchs und wurde schön von Angesicht, ihr Haar war gelockt und goldfarben, das Auge fröhlich, die Wange weiß mit Röte gemischt, der Ausdruck des Gesichtes offen, und ihr ganzes Aussehen gesund, frisch, fröhlich und so zierlich, daß man sie nimmer für das Kind eines Landmannes hätte halten sollen.

Diese Schönheit ihrer Gestalt erhielt sich bei ihr trotz der Lebensart, der sie sich unterzogen, bis zum dreiundzwanzigsten Jahre, wo die vielen Krankheiten, die sie sich erbeten, sie zerstörten; so jedoch, daß auf ihrem blassen magern Gesichte immer eine unbeschreibliche Grazie und anständige Fröhlichkeit zurück blieb, mit Würde und Schönheit verbunden, die sie den Besseren liebeswürdig, den Schlechten zu einem Gegenstand der Scheu machten.

Sie erwuchs im Vaterhause, nahm sich rüstig der häuslichen Geschäfte an; so daß sie, als der Vater starb, da sie erst das sechste Jahr erreicht, den Haushalt zu führen wußte, als sei sie bei vollkommener Reife. Die Eltern, selbst unwissend, waren unfähig, ihr auch nur in den ersten Gründen des christlichen Lebens Unterricht zu geben. Sie hörte sich das Vaterunser und den Glauben vom Priester in der Kirche ab; das Ave Maria teils vom Vater, teils von einem andern Kinde in der Nachbarschaft; und da sie das Gelernte nun immer im Munde führte, wurde sie bald so innerlich, daß die Gesichte und Ansprachen sich zeigten und den äußerlich fehlenden Unterricht durch den inneren ersetzten.

Schon in ihrem vierten Jahre, als sie an ihrem armen Bettchen stand, betend und in sich versunken, erschien ihr, von Engeln umdrängt, in großem Lichtglanze Maria mit dem Kinde. Sie hörte und sah hin und konnte sich nicht ersättigen an dem Anblicke und wie die Erscheinung vorüber war, überlegte sie in ihrer Einfalt, wie sie es anfangen müsse, so schöne Dinge wieder zu sehen. Da sie nun weinend Gott zum öftern bat, Er möge ihr den Ort zeigen, wo die guten Dinge alle seien, wurde ihr gesagt: nicht auf Erden, sondern im Paradiese; und als sie erwiderte: So ziehe mich ins Paradies; erhielt sie die Antwort: Es sei noch nicht Zeit, und wurde darauf unterrichtet, wie sie es anzufangen habe, um dahin zu gelangen. Die Gesichte kehrten zum öfteren wieder und sie nahm in dieser Schule mehr und mehr an Einsicht zu, weil sich der Unterricht ihrer Einfalt anbequemte.

·       Da sie oft angewiesen worden, in Allem, was sie zu tun Willens sei, sich an Gott zu wenden, so begab sie sich ins Gebet, wenn sie über etwas Aufklärung haben wollte, und diese wurde ihr. Sie machte Alles, was sie sah, zum Mittel und Werkzeug, sich im geistlichen Leben weiter zu helfen. Wenn sie aß, dachte sie auch an die Seele und ihre Speise; flog ein Vogel gegen Himmel, dann gedachte sie, daß sie sich gleichfalls dahin erheben müsse. Die Bäume mit ihren Früchten, der Himmel mit seinen Sternen, weidende Lämmer, alles bezog sie auf Gott und suchte ihre Seele an Ihm zu reinigen. So wurde sie heilig.

VI

Um der Kinder Unschuld willen rettet Gott die Eltern.

Der Räuber Cyriacus trieb sein Unwesen in Palästina unweit Emaus und war so unmenschlich grausam, daß man ihn den Wolf nannte. Er hatte noch andere Gefährten, nicht bloß Christen, sondern auch Juden und Samaritaner bei sich. Einst reisten einige Leute von Nicopolis in der heiligen Charwoche nach Jerusalem, um ihre Kinder taufen zu lassen. Als dies geschehen war und sie sich auf der Heimreise befanden, wurden sie am Wegen von Räubern überfallen, deren Anführer eben abwesend war. Die Männer ergriffen die Flucht und entkamen, die Weiber aber fielen in die Hände der Räuber, welche die neugetauften Kinder wegwarfen. Nun begab es sich, daß der Räuberhauptmann den fliehenden Männern begegnete und sie fragte, warum sie entflohen seien? Jene erzählten, was ihnen widerfahren. Hierauf nahm er die Männer mit sich, begab sich zu seinen Spießgesellen und als er die Kindlein am Boden liegen sah, forschte er den Tätern nach und ließ sie enthaupten und gab jene den Männern zurück; sodann führte er die Geretteten bis an die Grenze seines Gebietes. Einige Zeit später wurde Cyriacus gefangen und schmachtete zehn Jahre lang im Kerker und zuletzt wurde er losgesprochen. Er behauptete aber immer, daß er nur wegen jener Kinder, die er gerettet, dem Tode entronnen sei; denn, so sagte er oft, ich sah sie oft im Träume, wie sie zu mir sagten: Fürchte dich nicht, wir wollen für dich Genugtuung leisten. So entging der Räuber und die Eltern um der Unschuld und Taufgnade dieser Kinder willen dem Tode. (Anmerkung: Der Verfasser drückt sich unklar aus, und so bleibt zu hoffen, daß auch die Frauen damals freigelassen wurden.)

Mit Kindern muß man freundlich umgehen.

Der heilige Wolfgang wurde der Erzieher der Kinder Heinrichs, Herzogs von Baiern. Im Umgange mit diesen Kindern wurde er ein Kind in fröhlicher Unschuld. Er scherzte gerne mit ihnen und pflegte gewöhnlich den älteren Sohn Heinrich einen Kaiser, den sanften Bruno einen Bischof, Gisela eine Königin und Brigitta, die jüngere, eine Abtissin zu nennen. Ein jedes dieser Kinder erhielt später die Würde, die er ihnen scherzweise beilegte. Nie vergaßen sie die rührenden Ermahnungen ihres heiligen Lehrers; ja Kaiser Heinrich, der selbst ein Heiliger wurde, weint oft Tränen der Dankbarkeit auf das Grab des seligen Lehrers und Erziehers.

Auch Kinder müssen ihren Glauben standhaft bekennen.

Als die heilige Felicitas mit ihren sieben Kindern wegen des christlichen Glaubens eingezogen wurde, kam das älteste Kind, Januarius, zuerst zum Verhör. Der Richter versprach ihm goldene Dinge, wenn er den Göttern opfere. Der Knabe hörte ihn ruhig an und sprach endlich: Mann, du willst mich zur Sünde verleiten; denn was du mir anratest, ist Unsinn. Wir Christen kennen nur Einen Gott, den wir anbeten. So sprachen alle Übrigen. Besonders die zwei jüngsten Kinder beschämten die Ungläubigen; zarte unmündige Kinder verherrlichten Gott durch ihr standhaftes Bekenntnis. Es ist noch nicht lange, sagte das jüngste, daß mir ein frommer Priester die heilige Taufe erteilte; er gab mir die Ermahnung: Kind, bleibe deinem Glauben getreu und bekennen deinen Jesum, wenn du auch mißhandelt werden solltest! Er hat für dich am Kreuze sein Blut vergossen und verlangt von dir nichts, als daß du ihn liebest. Gehe mir also mit deinen Göttern, die der wahre Gott nicht sind. Januarius wurde mit Stricken, an denen Bleikugeln befestigt waren, zu Tode gegeißelt; Felix und Philippus gaben unter Stockschlägen ihren Geist auf; Sylvan wurde von einem Felsen hinabgestürzt; Alexander, Vitalis und Martialis wurden enthauptet. Die Mutter sah der Marter ihrer Kinder zu und freute sich, sie alle bald im Himmel wieder zu sehen und auf ewig mit ihnen glücklich zu sein.

Die Wichtigkeit des Unterrichts der Kinder sieht selbst der Wilde ein.

In den Kriegen zwischen den Engländern und Franzosen wurde der katholische Missionär von den (Anmerkung: vermutlich: der) christlichen Irokesen vertrieben. Diese hatten zwanzig Franzosen zu Gefangenen gemacht. Da erdachte der Häuptling Garacontiè ein Mittel, die Franzosen zu bewegen, ihnen einen katholischen Geistlichen zu verschaffen. Er nahm vier Gefangene mit und ging zum Gouverneur nach Quebek. Dort sprach er also, indem er die vier Gefangenen frei gab: Dies gilt, den Missionär wieder in unsere Mitte zu ziehen, auf daß er auf seine Sitzmatte zurückkehre, welche wir bewahren in Ganentaa, wo das Haus nocht steht, in dem er gewohnt, da er unter uns lebte. Sein Feuer ist nicht ausgegangen seit seinem Scheiden, sein Feld haben wir gepflügt und es harret nur die Hand des Eigners, um die Ernte einzuheimsen. Er wird den Frieden wieder blühen machen, wenn er in unserer Mitte weilt, denn dann sind alle Übel des Krieges verbannt. Und um diesen Bund festzukitten und uns so eng zu vereinigen, daß der böse Geist, neidisch auf unser Glück, nicht länger unsere guten Pläne durchkreuzen könne, bitten wir, daß die heiligen Weiber – Nonnen – uns besuchen wollen, jene, so die Kranken pflegen und jene, so die Kinder unterrichten. Wir wollen ihnen die schönsten Hütten bauen und die zierlichsten Matten des Landes ihnen unterbreiten. Sie sollen die Strömungen und Wasserwirbel nicht fürchten, wir haben sie alle gebannt und den Strom so glatt gemacht, daß sie selber ohne Mühe und Furcht das leichte Handruder führen können.“ Indem er seinen Wampumgürtel in die Höhe hob, rief er aus: „Ein Schwarzrock komme mit mir, anders keinen Frieden! Von seinem Kommen hängt das Leben der sechzehn Franzosen in Onondaga ab, die wir gefangen halten!“ Und mit diesen Worten legte er in den Gouverneurs Hände ein Blatt der Bibel, auf desen Rand die Gefangenen ihrer Namen geschrieben hatten. Und der Irokesenhäuptling erhielt wirklich einen Missionär, mit dem er zu seinem Volke zurückkehrte und erklärte, es sei dies der glücklichste Tag seines Lebens. So schätzen selbst Wilde den Unterricht der Kinder!

Auch Kinder müssen ihren Glauben standhaft bekennen.

Der Missionär Pater Joseph Clanzetto schrieb im Jahre 1840 aus China: Wir wurden gleich dem Wilde gehetzt; sie verfolgten uns arme Missionäre wie Räuber, obgleich wir kein anderes Gefühl gegen sie hegten, als das der Liebe, keinen andern Wunsch, als ihnen die Tore des Himmels zu erschließen. (Anmerkung: Man vergleiche damit die multireligiösen Bestrebungen der heutigen christlichen Kirchenführer.)  Einige Kinder ihrer Schule wurden grausam gepeitscht, weil sie sich weigerten, die Schlupfwinkel ihrer geistlichen Lehrer aufzudecken und einer ließ sich hochherziger Weise eher den Arm abschlagen, als daß er sie verriet. Nach jeder Richtung flohen die Missionäre. Der Pater Perboyre wurde vor Erschöpfung und Hunger aufgerieben in einem Tale gefangen. Diese standhaften Kinder sind chinesische Kinder.

Auch Kinder sollen für den christlichen Glauben zu sterben bereit sein.

Der arianische Vandalenkönig Hunerich ließ zu Karthago sieben Brüder sammt ihrem Lehrer Liberatur gefangen nehmen und zur Abschwörung des katholischen Glaubens auffordern. Einen unter ihnen, der noch ein Kind war, Maximus mit Namen, suchten die Richter mit dem größten Eifer von den andern Brüdern abzusondern und sprachen zu ihm: Liebes Kind, was laufst du in den Tod? Laß diese, sie sind verrückt, und höre unsern Rat, damit du dein Leben rettest und Zutritt bekommst in den Palast des Königs. Da rief Maximus: Niemand trenne mich von meinem Lehrer und von meinen Brüdern. Mit ihnen habe ich den Unterricht genossen, mit ihnen will ich auch sterben. Glaubet nicht, daß ihr meine Kindheit verführen könnet. Wenn ich Christum verläugne, so wird Er auch mich verläugnen. Nach diesem vergeblichen Versuche wurden die sieben Brüder auf ein altes Schiff gebracht, mit gebundenen Händen und Füßen auf einen Holzstoß gelegt, um verbrannt zu werden. Da aber das Holz durchaus nicht zum Brennen gebracht werden konnte, wurde einem Jeden das Gehirn mit einem Ruder zerschmettert.

Mit welcher Begierde die Kinder den christlichen Religionsunterricht anhören sollen.

Ortitz, Bischof von Tlaskala im Mexikanischen, schrieb 1551 von den Kindern der Wilden und von dem Eifer, mit welchem sie den Religionsunterricht anhören: Sie nehmen die christlichen Lehren nicht nur in sich auf, sondern erschöpfen sie. Er spricht mit gleicher Bewunderung von der Pünktlichkeit beim Besuche des heiligen Meßopfers und bei der Ablegung der Beichte, als von der taubengleichen Einfalt, womit sie sich ihrer Fehler anklagen. Und der Bischof von Mexiko berichtet, daß die Kinder ihren Eltern die Götzenbilder wegnehmen, wofür einige von ihnen von ihren Vätern unmenschlich getötet worden sind; wofür sie gekrönt in Glorie mit Christo leben.

Strafe Gottes für die Mißhandlung unschuldiger Kinder.

Melian, der Herzog von Connbria in England, hatte einen Sohn, mit Namen Melar, und einen Bruder, mit Namen Rinold. Dieser herrschsüchtige Mensch tötete den Herzog und würde auch den siebenjährigen Knaben getötet haben, wenn nicht die Bischöfe für das Kind fürgebeten hätten. Er ließ also den kleinen Melar zwar am Leben, aber damit er ihm in dem Besitze des Herzogtums nicht einmal hinderlich werde, ließ er ihm die rechte Hand und den linken Fuß abhauen und übergab ihn dem Kloster zu Connbria, wo er sich mit Lesen der heiligen Schrift beschäftigte. Bis der Knabe vierzehn Jahre alt war, dünkte er sich im geraubten Besitze nicht eher sicher, als bis Melar ganz tot sei. Rinold versprach deshalb einem gewissen Cerialtan Geschenke und Besitzungen, wenn er ihm den Kopf des jungen Melar bringe. Dieser Bösewicht, von der Habsucht verblendet, schlug ihm wirklich den Kopf ab und schickte ihn durch seinen Sohn zu Rinold. Als er damit über die Klostermauer stieg, fiel er herab und brach das Genick. Nun mußte Cerialtan den Kopf selbst überbringen. Da führte ihn Rinold auf einen Berg, um ihm die Herrschaft zu zeigen, die er ihm zur Belohnung schenkte. Im Umhersehen wurde Cerialtan blind und blieb es bis zu seinem Tode. Drei Tage nach der Überbringung des Kopfes starb auch Rinold jähen unglückseligen Todes. Der kleine Melar starb als Martyrer, und ist bei Gott im Himmel. Dieses hat sich bei dem heiligen Melar erwiesen durch die Wunder, welche bei seinem Grabe geschehen sind.

Kinder sollen gottlose Erwachsene beschämen und zurechtweisen.

Die Hauptstadt Goa in Indien hatte einen Vicekönig und einen Bischof, es wohnten auch viele Christen darin; aber die Verdorbenheit war nicht nur bei den Heiden, sondern auch bei den Christen außerordentlich groß (Anm.: und was hört man heute aus Goa?) und die Religion allgemein verachtet, so daß fast Niemand mehr beichtete. Da durchging der heilige Franz Xaver täglich die Strassen (sic) der Stadt mit einem Glöckchen in der Hand und rief den Familienvätern zu, sie möchten doch um Gotteswillen ihre Kinder und ihre Sklaven der christlichen Lehre beiwohnen lassen. Die Kinder versammelten sich haufenweise um den Pater, teils durch natürliche Neugierde angelockt, teils auf Geheiß der Eltern, die eben doch bei aller ihrer Verdorbenheit große Ehrfurcht für den heiligen Priester hatten. Diese Kinder gediehen durch seinen Unterricht so sehr, daß ihre Sittsamkeit und Frömmigkeit allmählich ein stummer Vorwurf und Stachel des Gewissens bei den Erwachsenen wurde. Manchmal äußerten sich dann die Kinder mit bescheidener Freimütigkeit über manches Sündhafte, was sie bei den Erwachsenen bemerkten, und beschämten oft die ruchlosesten Menschen durch ihre Zurechtweisung. (Anmerkung: Wir denken auch an die Kinderarmee Savonarolas in Florenz.) Jetzt erst predigte der heilige Franz auch den Erwachsenen und zwar mit solchem Erfolge, daß die Stadt Goa eben so gottesfürchtig wurde, als sie vorher gottlos gewesen. Auch in einer andern Gegen waren es besonders die Kinder, welche so großen Eifer für das Christentum zeigten, daß sie den heiligen Franz zu jeder Stunde aufsuchten und ihm keine Ruhe ließen, weil sie immer noch mehr Unterricht von ihm wollten. Diese jungen Christen wurden dann wieder seine Gehilfen, um auf die Erwachsenen zu wirken.

Böse Kinder werden von Gott gestraft.

Otto III. war noch minderjährig, als sein Vater starb. Seine Mutter, die Kaiserin Theophania, bekam die Vormundschaft und wurde Regentin des Reiches. Da hatte nun die heilige Adelheid, die Schwiegermutter Theophanias, wieder viel zu leiden, indem ihre Schwiegermutter sie haßte. Einst deutete Theophania auf ihre Schwiegermutter und sagte zu den Schmeichlern, die bei ihr standen: Wenn ich noch ein Jahr lebe, so wird Adelheid über mehr nicht zu herrschen haben, als man mit einer Hand umfasset. Auf diese freche Äußerung folgte alsbald die Strafe; bevor vier Wochen herum waren, war die Kaiserin Theophania eine Leiche und die heilige Adelheid wurde nun Regentin. Zur größten Macht gelangt, ließ es Adelheid jedoch jene Personen nicht fühlen, welche früher sie beleidigten und ihre Gegner gewesen waren.

Kinder frommer Eltern werden wieder fromm.

Konrad Scheuber war der Tochtersohn und Enkel des seligen Klaus von der Flüe. Wie die Adler vor ihren Jungen in die Höhe steigen und sie fliegen lehren, auch selbe in die Sonne tragen, damit sie sich an ihren Glanz gewöhnen: so übten seine Eltern ihre Kinder frühe in der christlichen schönen Gewohnheit, zu Gott aufzuschauen und vor Ihm allzeit in kindlicher Ehrfurcht zu wandeln. Bei solcher Erziehung hatte Konrad seine Jugend in Frömmigkeit, Gehorsam, Arbeitsamkeit und reiner Sitte zugebracht; im zwanzigsten Jahre war er ein schöner, langer, an Leib und Gemüt aufrechter Jüngling, stark von Gliedern, eines scharfen Verstandes und eines männlichen Herzens. Der Vater war frühe gestorben, die Mutter führte den Knaben manchmal in die Einsiedelei, zum Großvater Klaus in der Flüe. In ähnlicher Weise, wie sein Großvater, machte Konrad auch mehrere Feldzüge mit, teils als gemeiner Soldat, teils als Rottenmeister von hundert Mann. Bei allen Kriegszügen aber zeigte er Tapferkeit, Klugheit und Frömmigkeit. Später verehelichte er sich und bekam zwei Töchter, die er auch wieder an rechtschaffene Männer verheiratete. Als er sechzig Jahre alt geworden war, fühlte er einen starken Zug, Ehre, Geschäfte und Sorgen der Welt aufzugeben und den Rest seines Lebens, wie sein seliger Großvater, ausschließlich dem lieben Gott in stiller Einsamkeit zu widmen. Er bezog die Einsiedelei seines Großvaters, gestattete sich wenig Schlaf, aß täglich nur einmal, und zwar bestand seine Nahrung aus Obst und Gemüse; Fleischspeisen oder Eier gestattete er sich niemals mehr. Sein Geschäft war bei Tag und Nacht: Beten und Betrachten. Alle Sonn- und Feiertage kam er herab in die Pfarrkirche zum Gottesdienste. Zwanzig Jahre lebte er in dieser Einsamkeit und starb als ein Greis von achtzig Jahren.

Kinder sollen die Armen lieben.

Von vornehmen Eltern geboren, zeigte Medard in der Kindheit schon ungewöhnliche Tugenden. So schenkte er einem halbnackten Blinden sein eigenes Kleid und dies tat der Knabe in rein christlichem Sinne; er sagte nämlich, der Anblick des Bettlers, der doch auch ein Glied Christi sei, habe ihn so sehr gerührt. Wenn er die Herden seiner Eltern hütete, was damals, fünfhundert Jahre nach Christus, auch Kinder vornehmer Familien taten, so fastete er öfters, um sein Mittagessen den Dürftigen mitzuteilen (heute: mit den Bedürftigen zu teilen). Zur Belohnung fügte es Gott, daß ihn sein Vater dem Bischof von Vermond übergab, damit er ihn unterrichte und zum geistlichen Stande vorbereite, wie er denn auch später Priester wurde.

Kinder sollen Maria lieben und verehren lernen.

Noch als Knabe hatte Gondisalvus Unsere Liebe Frau sehr lieb und betete gerne vor ihrem Altar. Einmal sah er ein Bild Unserer Lieben Frau Tränen vergießen. Von Mitleid bewegt, trocknete er die Tränen ab. Dafür lohnte ihm (heute: belohnte ihn) Unsere Liebe Frau. Sie erschien ihm und gab ihm den Rat, in jenen Orden zu treten, dessen Mitglieder ihr Ordensgebet immer mit einem Ave Maria beginnen. Dies war und ist aber der Orden des heiligen Dominikus. Er gehorchte, bat um Aufnahme, lebte darin fromm und gottesfürchtig und hatte die Gnade, Maria in seiner Todesstunde zu sehen und von ihr in den Himmel eingeladen zu werden.

Die Eltern sollen den Kindern frühzeitig Liebe zu Maria einflößen.

Die heilige Veronika von Mailand erblickte in einem nicht weit von Mailand entlegenen Dorfe das Licht der Welt. Ihre Eltern waren von armem niedrigem Stande und konnten ihre Familie nur durch Handarbeit erhalten, aber sie waren fromm und gottesfürchtig und vor Allem ehrlich und redlich. Da ihnen die Armut nicht gestattete, ihre Tochter in die Schule zu schicken, lernte Veronika nicht lesen, aber Gott lernte sie schon von der Wiege an durch ihre frommen Eltern kennen. Das Gebet war ihr das Liebste und besonders hatte sie die gebenedeite Mutter Gottes sehr lieb; dabei arbeitete sie nach Kräften, um ihre armen Eltern zu unterstützen. Groß war ihre Demut, stets war sie still und ihre Gedanken waren fast immer im Himmel bei Jesus und Maria und den lieben Engeln. Sie war gerne allein, aber doch war ihr Antlitz gegen Andere heiter; nur sah man oft Tränen in ihren Augen glänzen. Von Kindheit an nährte sie schon den Gedanken, in ein Kloster zu gehen, allein sie konnte weder lesen noch schreiben. Doch verlor sie den Mut nicht. Da sie den ganzen Tag arbeiten mußte, wandte sie einen Teil der Nacht darauf, lesen und schreiben zu lernen. Als sie einmal wegen des geringen Fortgangs, den sie darin machte, betrübt wurde und vor Traurigkeit eingeschlafen war, erschien ihr Maria, der sie stets eine kindliche Verehrung bewies, tröstete sie und sprach: Es ist genug, meine Tochter, wenn du drei Buchstaben kennst. Das erste ist die Herzensreinigkeit, Liebe zu Gott und zu allen Geschöpfen um Gotteswillen. Der zweite ist, niemals unzufrieden zu sein, nicht zu klagen, die Fehler Anderer mit Geduld zu ertragen und für sie zu beten. Der dritte ist, täglich eine bestimmte Zeit zu haben, um das bittere Leiden Jesu zu betrachten. Endlich wurde Veronika in das Kloster aufgenommen, wo sie heilig lebte. Dies Alles hatte sie der Liebe und Verehrung Mariä zu danken.

Liebe und Verehrung Mariä hat für Kinder den größten Nutzen.

Der selige Johannes Alemanus, der erste Deutsche im Orden der Diener Unserer Lieben Frau, wurde den vornehmen und tugendhaften Eltern zu Frankfurt am Main geboren. Von Kindheit auf in der Furcht Gottes erzogen, trug er auch eine besondere Liebe und Andacht zu Maria, die er täglich verehrte und deren mütterlichem Schutze und Schirme er sich mit vertrauungsvollem Gebete empfahl. Oft bat er Maria flehentlich, sie möchte ihm doch anzeigen, welchen Beruf er wählen solle, um Gott und ihr am wohlgefälligsten zu werden. Weil nun die Mutter der Gnaden den zu ihr Rufenden niemals ihren Schutz versagt, so erschien sie ihm im Träume, versprach ihm allen mütterlichen Schutz und sagte ihm, er solle sich des Morgens eilig zu jenem Ordensmanne begeben, der mit einem schwarzen Habit angetan, unlängst aus Italien gekommen wäre. Er solle seinen Predigten beiwohnen und von ihm werde er vernehmen, was er zu tun habe, um das ewige Leben zu erlangen. Den Tag darauf machte sich Johannes unverzüglich auf, um das im Träume Vernommene zu vollziehen. Er traf auch bald den heiligen Philippus Benitius, den Ordensgeneral der Diener Mariä, der auf seiner Reise nach Deutschland gerade in Frankfurt angekommen war; sogleich erkannte er ihn als den in der Erscheinung bezeichneten Ordensmann, eilte zu ihm und entdeckte ihm, daß er auf Eingebung Mariä zu vernehmen hoffe, was er zu tun habe, um das Heil seiner Seele zu sichern. Der heilige Benitius wurde bei dieser Nachricht hoch erfreut, gab ihm aber nicht gleich Bescheid, sondern erkundigte sich zuvor nach seinem Lebenswandel. Da er überall die besten Zeugnisse von seiner Frömmigkeit vernahm und zugleich von Maria, zu der er sich im Gebet wandte, hörte, daß Johannes wirklich zu einem vollkommenen Leben berufen sei, so sagte er ihm, als er am bestimmten Tage erschien: Maria will, daß du der Welt entsagest, sie verlassest und ihr Diener werdest. Hierauf kleidete er ihn ein und ließ ihm den Namen Johannes, damit er sich immer an die Gnaden erinnere, welche ihm Maria schon vor dem Eintritte in ihren Orden erwiesen hat. Im Orden war er aufs eifrigste bemüht, ein wahrer Diener Mariä zu werden.

Ein leichtfertiges Kind von Maria zurechtgewiesen.

Der ehilige Ansgarius, von frommen, edlen Eltern geboren, hatte das Unglück, bevor er noch das fünfte Jahr erreicht hatte, seine Mutter, die sorgsame Pflegerin seiner Kindheit, zu verlieren. Er wurde in die Klosterschule von Alt-Corbio gebracht, um dort mit mehreren andern Kindern erzogen zu werden. Allen Knaben dieses Alters gleich, liebte der kleine Ansgar mehr Spielen als das Lernen, lief gerne mit seinen Kameraden herum, schwatzte manches müssige Zeug, trieb allerlei kindischen Mutwillen und gab nicht viel gute Hoffnung. Allein Gott hatte ihn bestimmt, eine Leuchte der Heiligkeit für Viele zu werdenm und darum führte ihn auch Seine Hand wunderbar auf die Bahn, die er wandeln sollte. Maria hatte auf den Knaben Ansgar ihre mütterlichen Augen gewendet und sie war es, die ihm den rechten Weg zeigte.

In einer Nacht träumte Ansgar, er befinde sich in einer äußerst öden, sumpfigen und schlammigen Gegend, in welcher er kaum mit der größten Anstrengung herum zu waten vermochte. Aber längs den Sümpfen und Morästen, in welchen er sich befand, zog sich eine ungemein anmutige, mit Bäumen und Blumen bepflanzte Straße hin. Mit Wohlgefallen ruhte das Auge des Knaben auf dieser Pflanzung, als er auf eben dieser Straße eine zahlreiche Schar lieblicher Frauen in blenden weißen Gewändern einherwandeln sah. Ihnen voran ging eine, in Gang und Gebärden durch hohe Majestät sich auszeichnende wahrhaft himmlische, weibliche Gestalt. Als diese sich ihm näherte, erkannte er in ihr die über alle Chöre der Engel erhabene Königin des Himmels und der Erde, und geblendet vom glänzenden Lichte, schlug er seine Augen furchtsam nieder. Mit ernster, jedoch sanfter Stimme rief die Gebenedeite ihn bei seinem Namen: Mein Sohn Ansgar! Jetzt erhob der Knabe wieder sein Haupt und erblickte zu seiner unaussprechlichen Freude im Gefolge der Himmelskönigin auch seine eigene schon verstorbene Mutter. Alsogleich wollte er in ihre Arme eilen, aber er vermochte es nicht.

·       Schon zu tief watete er im Moraste und der sumpfige schlammige Boden trug seine Füße nicht, sondern ließ ihn sinken und hielt ihn fest.

Siehe, mein Sohn, sprach jetzt die gebenedeite Mutter des Herrn, wenn du zu deiner Mutter und in den Kreis ihrer und meiner Freundinnen kommen willst, mußt du ein ganz anderer Knabe werden. Fliehe unnützes Spiel und kindisches Geplauder, werde ein fleißiges gehorsames Kind und dann wirst du auch zu deiner Mutter und in unsere Gesellschaft kommen. Dies nächtliche Gesicht machte einen tiefen Eindruck auf das kindliche Herz Ansgars.

Von nun an floh er allen kindischen Zeitvertreib und war der fleißigste und sittsamste Schüler in der ganzen Schule. Im vierzehnten Jahre trat er ins Kloster, lebte fromm und gottesfürchtig und Gott begnadete ihn schon als Jüngling mit der Gabe der Wunder. Er zog später als Missionär zu den Heiden in Norddeutschland, bekehrte die Schweden, Norweger und Dänen zum christlichen Glauben und wurde von Papst und Kaiser zum Erzbischof des neuerrichteten Bistums von Hamburg ernannt, wo er im Jahre 865 heilig starb.

VII

Kinder, die Maria lieben, verläßt Gott nicht.

Der heilige Petrus Damianus wurde im Jahre 988 zu Ravenna, einer Stadt in Italien, geboren. Noch als kleines Kind verlor er seine Eltern. Einer seiner Brüder nahm ihn zu sich, behandelte ihn aber äußerst hart. Er mußte seine Schweine hüten und ohne alle Bildung aufwachsen. Doch Petrus blieb auch unter dieser harten Behandlung ein frommer Knabe; er vergaß Gott nicht und Gott vergaß auch seiner nicht. Ein anderer Bruder, welcher Erzpriester zu Ravenna war, nahm ihn zu sich, ließ ihn studieren und behandelte ihn sehr liebevoll. Aus Dankbarkeit gegen diesen seinen lieben Bruder nahm er später den Namen Damianus an. Da ihm Gott einen scharfen Verstand gegeben, womit er den größten Fleiß verband, so erwarb sich Petrus bald so vortreffliche Kenntnisse, daß er nicht bloß alle seine Mitschüler übertraf, sondern selbst andere unterrichten konnte. Eine große Schar von Schülern lief ihm zu, was ihm große Summen Geldes verschaffte, welches er den Armen gab. Später trat er in einen Orden und wurde Mönch. Papst Stephan weihte ihn zum Bischof von Ostia. Da zu seiner Zeit Volk und Geistlichkeit verdorben war, warf er sich ganz in die Arme Mariä, die er von Kindheit an innig verehrte; denn er wußte, daß er immer Sieger sein würde, wenn er unter ihrer Fahne stritte. Er bemühte sich also, die Verehrung Mariä unter der Geistlichkeit und unter dem Volke zu verbreiten; deshalb predigte er von ihrer Güte, Liebe und Macht, von ihrer Hoheit und Würde ohne Unterlaß, und ermahnte Jeden, seine Zuflucht zu ihr zu nehmen und ihren Schutz zu suchen. Er sprach immer aus vollem Herzen. Die immerwährenden Abtötungen und die beschwerlichen Arbeiten, welche er zum Ruhme der Kirche und zum Heile der Seelen auf sich nahm, warfen ihn endlich aufs Krankenbett. Die Mutter Gottes hatte es so gefügt, daß er, auf einer Reise begriffen, in Faenza in ihr Haus aufgenommen wurde, um die vielen Dienste zu belohnen, die er ihr durch seine Predigten und gelehrten Schriften geleistet hatte. Hier starb er am 22. Februar des Jahres 1072 in einem Alter von dreiundachtzig Jahren.

Maria verläßt fromme Kinder nicht.

Die beiden Geschichtsschreiber Evagrius und Nicephorus erzählen folgende Geschichte, welche auch der berühmte Kardinal Baronius in seine Jahrbücher aufgenommen hat:

Im Jahre 502 nach Christus, zur Zeit des Kaisers Justinianus, geschah es in Konstantinopel, daß ein kleiner Judenknabe mit anderen Christenkindern in einer Kirche Unserer Lieben Frau auch zum Altare trat, um nach der Kommunion der Erwachsenen die übrig gebliebenen Bröschen des heiligsten Sakramentes zu empfangen, wie es damals der Brauch war. Da der Judenknabe zu lange in der Kirche verweilte und nicht zur rechten Zeit nach Hause kam, wollte sein Vater wissen, wo er so lange gewesen? Der Knabe erzählte in kindlicher Einfalt, daß er mit den Christenknaben in der Kirche gewesen und mit ihnen auch eine Hostie genossen habe. Das war ein Donnerschlag für den Juden, der ein Glasmacher war. Von Wut außer sich, ergriff er den unschuldigen Knaben, schleuderte ihn in den vom Feuer glühenden Glasofen und schlug die Türe zu; dann entfernte er sich. Die Mutter des Knaben, welche nicht zugegen war, ging ihr Kind irre, (Anmerkung: so geschrieben, hier fehlt etwas) sie suchte, sie rief nach demselben im Hause und auf den Straßen und fand es nicht. Es ward Abend, das Kind war noch nicht da. Der Vater aber sagte kein Wort von seiner gräßlichen Tat.

Drei Tage lang suchte die Mutter überall, doch der Knabe kam nicht wieder. Da setzte sie sich von Leid und Schmerz ergriffen neben dem Glasofen in einen Winkel und nahm eine Arbeit vor, um ihren Kummer ein wenig zu vergessen. Während der Arbeit beklagte sie still ihr Elend und rief dabei unbewußt den Namen des Knaben. Da vernahm sie verwundert die süße Stimme desselben im Ofen. Sie erschrak und lauschte und hörte die Stimme abermal. Vor Freude bebend riß sie die Ofentüre auf und sah nun den Knaben unversehrt im noch glühenden Ofen liegen. Sie zog ihn sogleich heraus und freudetrunken an ihre Brust. Nachdem sie dem ersten Drange der Mutterliebe Genüge getan, fragte sie den Knaben, wie er in den Ofen gekommen und unversehrt geblieben? Und der Knabe sprach: Der Vater hat mich da hineingeworfen; aber kaum war ich darin, als eine schöne Frau, dieselbe, welche in der Kirche, wo ich mit den Kindern das Brot genossen, auf dem Sessel sitzt und ein Kindlein auf dem Schoße hält, mich mit ihrem Mantel bedeckte. Sogleich ich das Feuer zurück; und wenn mich hungerte, kam die Frau und brachte mir Speise.

Da die Mutter des Knaben weinend und klagend die Straßen der Stadt durchsucht hatte, so konnte die wundersame Wiederfindung und Erhaltung desselben nicht verborgen bleiben. Die ganze Stadt ward voll davon und auch dem Kaiser kam es zu Ohren. Er ließ Mutter und Kind vor sich kommen und sich das Wunder von ihnen erzählen; darauf übergab er sie dem Patriarchen von Konstantinopel, damit er sie im christlichen Glauben, wornach sie verlangte, unterrichte und zur taufe vorbereite. Er ließ auch den Vater des Kindes suchen und sich vorstellen und versprach ihm Vergebung seiner gottlosen Tat, wenn er sich Christo dem Gekreuzigten ergebe, allein der Jude blieb verstockt; er ging hin, wie ein anderer Judas, und erhenkte sich.

Kinder, welche schwer lernen, sollen Maria verehren.

Der ehrwürdige Karl Hyacinth hatte viele Mühe, als kleiner Knabe das A=B=C zu erlernen. Er suchte daher bei einem Muttergottesbilde Hilfe, indem er sagte: Ich gehe zu meiner Mutter Maria; dann merkte er sich leicht die Buchstaben. – Der gottselige Pater Suarez studierte immer vor einem Bilde Mariä, dasselbe tat auch der berühmte Kardinal Baronius. – Der heilige Edmund wendete sich bei den Schwierigkeiten, die er bei seinen Studien fand, an ein Bildnis Mariä, die er als den Sitz der wahren Weisheit anerkannte und verehrte.

Kinder sollen gewöhnt werden, Maria zu verehren.

In Italien und namentlich in Rom, schreibt ein ehrwürdiger Priester, sieht man fast an allen Häusern ein Bildnis Mariä, vor dem die andächtigen Verehrer immerwährend ein brennendes Lämpchen unterhalten. Diese Bildnisse sind angebracht bald in einer Ecke der Wohnstube, bald an der Außenseite des Hauses in einer Nische des oberen Stockwerkes. Einmal nahm ich in einer Weinschenke eine kleine Erfrischung. Da kamen zwei Sänger, zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, neigten ehrerbietig ihr Haupt, sangen drei schöne Marienlieder, spielten dazu die Harfe und gingen wieder fort, ohne etwas zu sagen. Ich fragte den Wirt, was das gewesen sei? Dieser zeigte mit dem Finger auf ein Bildnis Mariä in der Ecke der Stube, vor dem ein Lämpchen brannte, und sagte mir, daß viele solche Sänger und Sängerinnen in den Häusern der Stadt herumgehen und vor den Bildern fromme Lieder zu Ehren Mariä singen.

Kinder, welche gewöhnt werden, Maria zu verehren, können nicht verloren gehen.

Der heilige Johann von Gott war eines rechtschaffenen Handwerkers Sohn aus Portugal. Begierig, die Welt zu sehen, hatte er, erst acht Jahre alt, seine frommen Eltern ohne ihr Vorwissen verlassen. Das kostete seiner Mutter das Leben, die darüber vor Gram starb. Auf seiner unsteten Wanderung kein Mittel findend, sich zu ernähren, ward er ein Schafhirt in der Stadt Oropesa in Spanien. Sein Herr, der in den Diensten eines reichen Edelmannes stand und zahlreiche Triften und Herden unter seiner Aufsicht hatte, gewann ihn wegen seiner Gelehrigkeit und Treue sehr lieb und als Johannes älter geworden, wollte er ihm sogar eine seiner Töchter zum Weibe geben. Allein die allerseligste Jungfrau, die höhere Dinge mit ihm vorhatte, hinderte es. Johannes war der gebenedeiten Gottesmutter von Kindheit an ganz ergeben. Täglich betete er ihr zu Ehren den Rosenkranz und noch andere Gebete. So betete er vierundzwanzigmal das Vaterunser und den Englischen Gruß zu Ehren der vierundzwanzig Jahre, welche Maria nach der Himmelfahrt ihres Sohnes noch auf Erden verleben mußte. Wenn er die Schafe weidete, dann durchströmten manchmal die süßesten Gefühle sein Herz bei der Betrachtung, wie die gebenedeite Mutter so viele Jahre, fern von ihrem geliebtesten Sohne auf Erden zubringen mußte.

So verflossen unter Arbeit und Gebet seine Jugendjahre. Er war bereits zweiundzwanzig Jahre alt, ein schöner, kräftiger junger Mann. Da sein Herr, der Graf von Oropesa, Soldaten warb, ließ sich auch Johannes dazu anwerben. War er bisher unschuldig und fromm, so wurde er nun durch das schlechte Beispiel, das ihn umgab, von Gott entfernt. Er vernachlässigte seine Gebete und vergaß sie zuletzt ganz. Die Folge davon war, daß er das ausgelassenste Leben führte. Doch hatte auch Johannes seinen Gott und seine liebe Mutter Maria vergessen, sie hatten ihn nicht vergessen. Der liebe Gott wollte ihn züchtigen, damit Er ihn zu Sich zurückführe. Im Kriege stürzte er vom Pferde in einen Abgrund; da lag er zerquetscht, regungslos. Endlich kam er wieder zu sich. Da erquickte ihn Maria in der Gestalt einer Hirtin, und rettete ihn. Später hörte er eine Predigt vom Pater Avila, bekehrte sich und stiftete den Orden der Barmherzigen Brüder.

Nutzen für Kinder, welche Maria verehren.

Der gottselige Jüngling Alexander Bertius aus Florenz wurde nach des Vaters Tod von einer frommen Mutter geboren, welche alle Sorge darauf verwendete, ihn recht fromm zu erziehen. Maria nahm sich dieses Kindes von der Geburt an, und öfters sah seine Mutter Maria bei dem schlafenden Kinde stehen. Als Alexander zu reden anfing, waren dies seine ersten Worte: Jesus und Maria. Kaum fünf Jahre alt, war es seine Freude, das bittere Leiden Jesu zu betrachten und davon zu reden. Im siebenten Jahre dachte er schon darauf, seinen Leib abzutöten. So wuchs er wie eine Lilie unschuldig auf, alle eitlen Spiele meidend, gegen alle Menschen freundlich, gegen Alle dienstfertig. Schon mit neun Jahren wollte er in ein Kloster gehen, was ihm nicht gestattet wurde. In seinem zehnten Jahre ward er von Gott himmlischer Gaben gewürdigt. Oft sah man ihn von Engeln umgeben, denen Maria seine Unschuld zu beschützen befohlen hatte. Als er zum ersten Male die heilige Kommunion empfing, sah er Jesum, wie Er sich in seinem Herzen niederließ. In Abwesenheit seiner Mutter versammelte er die Dienstboten, las ihnen aus einem geistlichen Buche vor und sprach mit ihnen über die Pflichten eines Christen so rührend, daß sie weinten. Er wußte Tag und Stunde seines Todes und ließ sich deshalb mit den heiligen Sterbesakramenten versehen. Vor seinem Hinscheiden erschien ihm Maria. Da erhob er mit aller Anstrengung seinen geschwächten Leib, setzte sich auf und nachdem er lange geschwiegen, rief er: In den Himmel! In den Himmel! Während man zum englischen Gruße läutete, gab er seinen Geist auf in die Hände Jesu und Mariä im Alter von fünfzehn Jahren.

Nutzen der Verehrung Mariä von Kindern.

Die ehrwürdige Maria von Mailliaco wurde im Jahre 1331 zu Roche St. Quitie in Frankreich geboren. Ihre Eltern gaben ihr in der Taufe den Namen Johanna, bei der Firmung erhielt sie den Namen Maria, den sie fortan beibehielt. Schon als Mädchen von sechs Jahren gab sie Zeichen von ihrer Liebe und Verehrung zu Maria. Als sie eines Tages mit mehreren Gespielinnen Blumen sammelte, machte sie Kränze und schmückte damit das Bild Mariä. Nachdem sie lesen gelernt, las sie am liebsten heilige Bücher. Das wollten ihr aber die Eltern, welche sie für die Welt erzogen, nicht gestatten; sie ließen sie deshalb mit rauhen Worten an, ja sie drohten ihr Strafe. Doch Maria suchte ihren Trost im Gebete. So oft sie eine freie Stunde hatte, flehte sie zur Lieben Frau, ihr Liebe zu ihrem göttlichen Sohne und seine Gnade zu erbitten. Eines Tages erschien ihr Maria mit dem Kinde im Traume und von dieser Zeit an war ihr das Andenken an das Leiden des Herrn tief ins Herz gedrückt. Um sich stets daran zu erinnern, trug sie das Bild des Gekreuzigten auf der Brust.

Nach zwölf Jahren dachten die Eltern, sie zu verehelichen, sie aber hatte den Vorsatz gemacht, Jungfrau zu bleiben. Deshalb bat sie Maria um Hilfe. Sie mußte zwar in die Ehe mit einem Jüngling einwilligen, aber es fehlte ihr die Hilfe Mariä nicht. Ihr Bräutigam stammelte. Maria betete für ihn zur Lieben Frau und ward geheilt; einmal war er dem Ertrinken nahe: Maria betete für ihn und er ward gerettet. Diese zweifache Wohltat und ihr Zureden bestimmten ihn dahin, daß er mit ihr in jungfräulicher Reinheit lebte.

Kinder sollen Maria lieben und verehren.

Der selige Hermann Joseph war ein auserwählter, zärtlich geliebter Diener Mariä. Mit seiner Geburt wurden seine Eltern arm und erzogen ihn gottesfürchtig. Mit sieben Jahren besuchte er die Schule. Während seine Kameraden spielten, ging er in die Marienkirche; hier stand er vor ihrem Bilde mit dem süßen Kinde am Arme, und führte mit ihnen Gespräche, als wären sie lebend, bald mit der Mutter, bald mit dem Kinde. Hatte er Brot oder Früchte bei sich, so reichte er dieselben der Mutter und dem Kinde. Einmal reichte er ihnen einen Apfel und Maria streckte die Hand aus und nahm ihn an. Dafür erflehte sie dem unschuldigen Knaben, dessen kindliche Einfalt ihr sehr wohlgefiel, viele Gnaden. Einmal ließ sie ihn sogar mit dem Jesuskinde spielen; was sich später noch öfters wiederholte.

Eines Tages trat Hermann wieder in die Kirche. Obschon es Winter war, hatte er doch keine Schuhe. Als die barmherzige Mutter den Eifer des Knaben sah, der sich auch durch die so große Kälte von seiner Andacht nicht abhalten ließ, erbarmte sie sich seiner. Sie rief ihn zu sich und sagte zu ihm: Warum gehst du bei einer solchen Kälte barfuß? Darauf antwortete der Knabe: Ich habe keine Schuhe! Da aber die Mutter Gottes wußte, daß seine Eltern Not und Mangel litten, sagte sie zu ihm: Gehe zu jenem Steine, - hier zeigte sie auf denselben – und unter demselben wirst du vier Zehner finden, diese nimm und kaufe dir Schuhe. Der Knabe glaubte, gehorchte, hob den Stein empor, fand das Geld und kehrte freudig dankend zur gebenedeiten Mutter zurück. Aber diese sprach zu ihm: So oft du Schuhe, Tafeln, Federn oder andere notwendige Dinge bedarfst, so wirst du hier so viel Geld finden, um sie dir anzuschaffen. Dieses wunderbare Ereignis entdeckte Hermann kurz vor seinem Tode seinem Beichtvater. Als er zwölf Jahre alt geworden, ekelte ihn die Welt an und Maria verschaffte ihm die Aufnahme in den Prämonstratenserorden, wo er heilig lebte.

Kindern soll man zeitlich Liebe zu Gott, zu Jesus und Maria einflößen.

Der heilige Bischof Anselm rechnete es sich zur höchsten Ehre, ein Diener der glorreichen Himmelskönigin zu sein; durch sie, durch eine zarte Andacht zu ihr, nahte er sich ihrem göttlichen Sohne. Diese zarte Andacht ward ihm von Kindheit auf durch Wort und Beispiel von seiner frommen Mutter Ermenberga eingeflößt. Auf ihrem Schoße sitzend lauschte er ihren frommen Reden vom Vater im Himmel, und von der lieben Mutter Gottes und ihrem Sohne Jesus und so fand er sich schon frühe zu Gott und zu göttlichen Dingen hingezogen. Noch hatte er nicht das fünfzehnte Jahr erreicht, so bat er schon um Aufnahme ins Kloster, wurde aber zurückgewiesen. Einstweilen studierte er in Paris und wurde mit siebenundzwanzig Jahren ins Kloster aufgenommen. Der Welt abgestorben verfloß seine Zeit zwischen Studieren und Gebet. Bei allen Betrachtungen und Gebeten vergaß er nie der lieben Gottesmutter. Um sie nach dem Verlangen seines Herzens nach Kräften loben und preisen zu können, verfaßte er Lobgesänge zu ihrer Ehre zu allen Stunden des Tages und der Nacht; denn er wollte, daß zu jeder Zeit Lieder des Preises und Dankes zum Throne der Himmelskönigin emporstiegen. Diese Liebe zur Gottesmutter entflammte auch sein Herz zur zartesten Liebe gegen die Mitmenschen. Vor allem nahm er sich der zarten Jugend an. So gelehrt er war, hielt er es doch nicht unter seiner Würde, die Knaben zu unterrichten und sie zu kenntnisreichen, frommen Männern heranzubilden. Er wurde Erzbischof von Canterbury.

Bei Kindern kommt es auf Erziehung und gute Gemütsart an.

Im Oberinnthale des Landes Tyrol liegt das Dorf Kappel, der Geburtsort des im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Priesters Adam Schmid. Er war der Sohn gemeiner, aber ehrlicher Bauersleute, die ihn sehr fromm erzogen. Seine gute Gemütsart und sein überaus lenksames Herz war ein fruchtbares Erdreich für die Gnadenwirkungen Gottes, der seine Seele frühe schon zu sich zog. Der kleine Adam hatte an Kinderspielen keine Freude. Wenn er das Vieh auf der Weide hütete und die übrigen Hirtenbuben spielen wollten, sagte er zu ihnen: Kommet, wir wollen anstatt des Spielens den Rosenkranz beten; was dann auch oft geschah. Er liebte dieses Gebet, das ihm seine Mutter gelehrt, ungemein; denn er liebte auch Maria, die Königin des Rosenkranzes, von ganzem Herzen. Oft zog er sich von den Hirtenknaben beiseits, um zu beten und seine liebe Mutter Maria zu preisen. Seine Herzensfreude war es, Altärchen aufzurichten, dem Priester am Altare zu dienen und dem christlichen Unterrichte beizuwohnen. Wegen seiner Sittsamkeit und seltenen Geistesgaben machte man seinen Eltern den Antrag, ihn studieren zu lassen. Der Seelsorger des Ortes nahm sich seiner an und lehrte ihn die ersten Anfangsgründe. Allein seine Eltern verloren durch Brand all ihr Vermögen, der Vater starb und die arme Mutter konnte nun Adam, so sehr er es wünschte, nicht auf die Studienanstalt nach Innsbruck schicken. Doch Adam vertraute auf Gott und die Fürbitte der Mutter Gottes und siehe da, es fand sich Rat. Die Mutter entschloß sich, ihre Wiesen und Äcker in Pacht zu geben und mit ihrem Sohne Adam selbst nach Innsbruck zu ziehen. Dort stiftete sie eine Herberge und Adam lernte so fleißig und eifrig, daß er bald all seine Mitschüler übertraf und die glänzendsten Fortschritte machte. Noch mehr aber, als in den Wissenschaften, zeichnete er sich durch seine Sittsamkeit und kindliche Frömmigkeit aus. Er liebte die Reinigkeit, die schönste Zierde der Jugend so sehr, daß er niemals auch nur ein Wort, welches diese Tugend verletzt, hören könnte. Wenn er nur das geringste Ungebührliche vernahm, zeigte er sogleich sein Mißfallen und eben dadurch brachte er es dahin, daß sich keiner seiner Mitschüler getraute, in seiner Gegenwart etwas Unanständiges zu sagen. Seid still, hieß es oft, der Schmid ist da! Nie schaute er mit Vorsatz eine Weibsperson an; jede Gelegenheit, die ihm gefährlich schien, floh er. Dagegen war das Gebet und der öftere Empfang der Sakramente seine größte Freude. In die Schule ging er gewöhnlich allein; vor und nach derselben unterließ er es niemals, die Mutter Gottes in der Pfarrkirche anzurufen; denn Maria hatte er sich zu seiner besonderen Patronin auserwählt; ihr hatte er sein Herz geweiht. Er rechnete es sich zur größten Ehre, Mitglied der Bruderschaft Mariä Verkündigung zu sein. Der Mutter Gottes zu lieb machte er an Erholungstagen Wallfahrten in Marienkirchen. Ihr zu lieb tötete er sich ab. Einmal kam der König von Dänemark nach Innsbruck und man veranstaltete ein prächtiges Feuerwerk. Adam war da, stand auf einem passenden Orte, aber er verschloß die Augen und brachte dieses Opfer Maria. Er wurde Priester und starb im Rufe der Heiligkeit.

Anzeichen von der künftigen Heiligkeit der Kinder.

Der heilige Dunstan, Erzbischof von Canterbury in England, wurde im Jahre 924 aus einer edlen Familie zu Gladstonbury geboren. Seine Mutter Kinedrid war der heiligen Mutter Gottes von Herzen ergeben. Als sie ihn noch unter ihrem Herzen trug, wohnte sie am Feste Mariä Lichtmesse in der Kirche Unserer Lieben Frau dem heiligen Gottesdienste mit ihrem Gemahle bei. Eine Menge Volkes war in der Kirche. Bereits waren die Kerzen zur Prozession angezündet; schon hatten die Geistlichen einen Teil des Chorgebetes vollendet und bereits waren sie zur Stelle gekommen, wo es heißt, daß die Eltern, Maria und Joseph, den Knaben Jesus zum Tempel führten, als plötzlich die Majestät des Herrn in der Kirche erschien, alle Lichter auslöschte und das ganze Gotteshaus mit Finsternis erfüllte. Gewaltiger Schrecken erfaßte Alle, wie versteinert standen sie da. Plötzlich aber erglänzte ein himmlisches Licht und ein Strahl zündete die Kerze an, welche die Mutter des heiligen Dunstan in der Hand trug. War zuerst der Schrecken groß, so war jetzt groß die Freude; ein Zeichen war es vom Himmel, daß das Kind, welches Kinedrid unter dem Herzen trug, ein Licht sein werde für Viele zum ewigen Heile.

Ein Instinkt der Gnade zieht fromme Kinder zu Maria hin.

Die ehrwürdige Marianna von Jesu, geboren 1618 in der Stadt Quito in Südamerika von tugendhaften, edlen Eltern, sog schon mit der Muttermilch die Liebe zu Jesus und Maria ein. Sie war schon als Kind so schamhaft, daß sie weinte, wenn man sie unverschleiert aus dem Hause trug. Als sie ihre Mutter des Nachts zum Gebete aufstehen sah, verließ auch sie ihr Bett, kniete nieder und streckte ihre Händchen zum Gebete aus; und dies Gebet war das Ave Maria. Frühzeitig verlor sie ihre Mutter, sie hatte sich aber schon eine andere, weit bessere Mutter gewählt, nämlich Maria.

Als Mädchen von sechs Jahren war sie schon so ernst und gesittet, wie eine erwachsene Jungfrau. Sie fand sich mit wunderbaren Banden zu Jesus hingezogen; in ihrem Herzen liebte sie Ihn unaussprechlich, mit ihrem Munde lobte und pries sie Ihn. Mit klangreicher Stimme sang sie gerne geistliche Lieder und wenn sie so beim Fenster sitzend und arbeitend sang, kamen die Vögelein herbeigeflogen und ließen auch ihre Stimme zum Lob und Preis des Schöpfers hören. Wenn sie ihre aufgetragenen Arbeiten vollendet hatte, dann versammelte sie im Hause ihrer verheirateten Schwester Hieronyma, die sie erzog, ihre Basen und andere Mädchen aus der Nachbarschaft um sich, betete mit ihnen, in zwei Chöre geteilt, die lauretanische Litanei. Besonders war sie beflissen, ihr kleines Altärchen und die Bilder Jesus und Maria zu schmücken. Sie richtete im Hause einen Kreuzweg auf, trug ein schweres Kreuz, tat Erbsen in die Schuhe, geißelte sich und trug ein Bußkleid. Oft, wenn sie im Garten das bittere Leiden betrachtete, sahen die kleinen Mädchen, wie sie ihre Brust öffnete, beängstigt von dem Übermaß der Liebe, feurige Seufzer ausstieß und Tränen vergoß. In allem dem war der heilige Geist ihr Lehrer, denn sie hatte noch keinen Seelenführer, der sie angeleitet hätte. Maria liebte sie wieder und heilte ihr einmal einen bösen Finger, in dem bereits der kalte Brand war, ein anderesmal ein gefährliches Augenübel.

Marianna hatte das achte Jahr erreicht und hatte bereits die Vollkommenheit erreicht, ohne es zu ahnen. Ihre Schwester führte sie zur ersten heiligen Kommunion; nach derselben brach sie in ein heiliges Frohlocken aus, worüber Alle erstaunten. Mit zehn Jahren legte sie das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit und die einfachen Gelübde der Armut und des Gehorsams ab. Mit dem zwölften Jahre bezog sie eine Einsiedelei, wo sie vierzehn Jahre bis zu ihrem Tode verweilte.  Die erstaunlichen Bußwerke, welche sie nun übte und wozu sie der Geist des Herrn antrieb, sind nicht zu beschreiben und wären unglaublich, wenn nicht die gerichtlichen Akten sie bestätigten.

Kinder, von der Gnade zu Jesus und Maria hingezogen.

Der heilige Magdalena von Pazzis, diese glückliche Tochter der allerseligsten Jungfrau, ward in Florenz von edlen Eltern geboren, die sich selbst durch große Frömmigkeit auszeichneten. Schon als kleines Kind hörte sie am liebsten von Gott reden, betete oft stundenlang einsam in kindlicher Einfalt, indem sie sich einfach in die Gegenwart Gottes stellte, und fand sich wunderbar zu Jesus im allerheiligsten Sakramente hingezogen. Gott ließ ihr klar erkennen, welche Ehrfurcht diesem hochheiligen Sakramente gebühre.

Wenn ihre Mutter kommunizierte, dann erwachte auch in ihr das heftigste Verlangen nach der Kommunion. Hatte die Mutter kommuniziert und ging nach Hause, dann lief die kleine Magdalena neben ihr her, setzte sich an ihre Seite und ging den ganzen Tag nicht von ihr weg. Wenn ihre Mutter sie dann ganz verwundert fragte, warum sie das tue, so antwortete sie: Mutter, du atmest, du riechst nach Jesus; so atmete sie den Wohlgeruch des göttlichen Sakramentes ein, welches ihre Mutter am Morgen empfangen hatte. Da sie die heilige Kommunion noch nicht empfangen durfte, so war es ihre größte Freude, wenn sie in der Kirche zusehen durfte, wie Andere kommunizierten.

Endlich im Alter von zehn Jahren hatte sie das unbeschreibliche Glück, sich mit Jesus, den sie mit glühender Liebe liebte, in der heiligen Kommunion zum erstenmale vereinigen zu dürfen. Mit einer außerordentlichen Herzensandacht ging sie zum heiligen Tische. Sobald sie den Leib des Herrn empfangen hatte, ward sie mit solch ungemeinem Troste erfüllt, daß sie zu sagen pflegte, sie habe nimmer eine ähnliche Freude erlebt. Da ihr Beichtvater ihr heftiges Verlangen nach der heiligen Kommunion bemerkte, erlaubte er ihr, dieselbe alle acht Tage zu empfangen, und als sie am Gründonnerstage, während der Herr in ihrem Herzen ruhte, die große Liebe betrachtete, die Er Seiner Kirche durch das heiligste Sakrament fortwährend beweist, legte sie, vom Verlangen entflammt, dafür dem Herrn ein Opfer zu bringen, das Gelübde ewiger Jungfrauschaft ab, und trat mit sechzehn Jahren ins Kloster.

Ein Kind, durch die Gnade zu Maria hingezogen.

Die gottselige Margaretha vom heiligen Sakramente ward von ausgezeichnet frommen, tugendhaften Eltern in der Stadt Beaume des Landes Burgund 1619 geboren. Schon in ihrer frühesten Kindheit wurde ihr eine besondere Erleuchtung des heiligen Geistes erteilt; sie besaß eine tiefe Kenntnis Gottes und als man sie mit fünf Jahren zur Kirche brachte, fand sie sich mächtig zum allerheiligsten Sakramente des Altars hingezogen.  Von dieser Zeit an weihte sie sich Gott und dem Dienste Mariä mit einer ganz feurigen Liebe. Da Gott wollte, daß Margarethe in die innigste Vereinigung mit Jesus trete, so brachte Er sie zuvor in die innigste Verbindung mit der Mutter des göttlichen Kindes. Mit elf Jahren verlor Margarethe ihre Mutter durch den Tod. Alsbald dachte sie daran, sich von Gott eine andere Mutter zu erbitten. Sogleich am folgenden Tage begab sie sich  in die Kirche vor einen Altar der Lieben Frau, warf sich vor dem Bilde derselben nieder und sprach ganz außer sich und vom Geiste der Gnade in Entzückung hingerissen: Heiligste Jungfrau, erweise mir die Barmherzigkeit, von nun an meine Mutter zu sein, und verschaffe mir den Eintritt in das heilige Haus deines Sohnes. Sogleich fand sie sich ganz in Gott versenkt und die heilige Jungfrau versprach an ihr Mutterstelle zu vertreten. Da ward ihr Geist mit Freude erfüllt, ihre Tränen versiegten und seit dieser Zeit erfreute sie sich eines vollkommenen Friedens, indem sie sich vertrauungsvoll dem Schutze der allerseligsten Jungfrau überließ, mit welcher sie von jetzt an durch eine beständige, gegenseitige Beziehung und durch eine mächtige Wirkung Gottes vereint war, daß dieser Eindruck ihr durch das ganze Leben blieb. Ihr Oheim gab sie ins Kloster der Karmeliterinnen, wo sie erzogen wurde und später als Nonne blieb. Maria vereinigte sie ganz mit ihrem Sohne.

VIII

Kinder sollen für ihre Eltern um Bekehrung bitten.

Ein Pfarrer aus dem Bistum Albi schreibt am 20. September 1841: Meine Pfarrei war durch Gleichgültigkeit und Irreligösität seit langer Zeit verwüstet. Ich führte die Erzbruderschaft zum unbefleckten Herzen Mariä ein und von nun an nahten sich viele Sünder dem Beichtstuhle. Eines Tages wurde ich auf offener Straße von einem zwölfjährigen Mädchen angeredet:

Ich habe mit Ihnen zu sprechen, sagte sie. Was willst du, mein liebes Kind? Ich nahm sie auf die Seite. Hierauf erzählte sie mir mit der rührendsten Einfalt, sie habe ihren Vater beredet, zu beichten, und in wenigen Augenblicken wird er sich in der Kirche einfinden. Recht lange mußte ich mich plagen; immer sagte er zu mir: Eines Tages werde ich schon beichten gehen; endlich heute sagte ich ihm: Nun wohl, wann wird endlich dieser Tag kommen? Er antwortete mir: Heute Abends werde ich gehen. Ich kam, um es Ihnen zu sagen. Sehen Sie, Herr Pfarrer! Es sind jetzt dreizehn Jahre her, daß er nicht mehr gebeichtet hat; ohne Zweifel hat er vergessen, was man dabei zu beachten hat. Sie müssen ihn also recht ausfragen; denn ich möchte nicht, daß er eine schlechte Beichte ablegte.

Ich nahm eine solche Anempfehlung mit Freude und Dank an, wünschte dem kleinen Mädchen Glück und fragte sie, wie sie die Bekehrung ihres Vaters zu Stande gebracht habe? Sehen Sie, erwiderte sie, eines Tages sagte ich zu mir selbst: Nur du allein beichtest im ganzen Hause; du mußt dich in die Bruderschaft einschreiben lassen, wo man um die Bekehrung der armen Sünder betet; vielleicht erlangst du von der Mutter Gottes, daß Vater und Mutter beichten. Ich ließ mich also aufnehmen. Hierauf fügte sie hinzu: Kam meine Mutter heute nicht zur Beichte? Nein, sagte ich, ich sah Niemand. – O ich dachte wohl, daß sie mich betrogen hatte; aber ich werde sie schon kommen machen. Ich ging zur Kirche, wohin mich das Mädchen begleitete und mir wiederholt zuredete, ich sollte ja den Vater recht ausfragen.

Ich setzte mich zum Beichthören. Beinahe eine halbe Stunde saß ich, als das Mädchen wiederkam und mir durch das Gitter des Beichtstuhles zuflüsterte: Herr Pfarrer, kommen Sie geschwind, der Vater ist gekommen! Sogleich trat ich in den Beichtstuhl der Männer, und fand den durch das Gebet seines Kindes bekehrten Sünder; er beichtete, indem er Ströme von Tränen vergoß; er erzählte mir alle Bemühungen seines Kindes, das er seinen Engel nannte, um ihn zur Übung der Religion zurückzubringen. Einige Tage später kam auch die Mutter zur Beicht und versöhnte sich mit Gott, wie ihr Gatte.

Ein durch die Verehrung Mariä heiliges Kind.

Die gottselige Germana Cousin war 1575 zu Pibrau, einem Dorfe bei Toulouse in Frankreich, geboren. Ihr Vater war ein armer Landmann. Sie kam schwächlich zur Welt, denn sie war am rechten Arme gelähmt und mit einem Kropfe behaftet. Noch hatte sie die Wiege nicht verlassen, so starb ihre Mutter. Die Stiefmutter, die sie bekam, hatte kein Mitleid mit dem schwachen, kränklichen Kinde, vielmehr faßte sie Abneigung und Ha´gegen dasselbe. Aber Gottes Auge und seine gebenedeite Mutter wachten über das Kind. Sobald Germana alt genug war, wurde sie von der Stiefmutter, die sie zu Hause nicht sehen konnte, hinaus aufs Feld geschickt, die Schafe zu weiden. Dieses war ihre Beschäftigung ihr ganzes Leben lang. Aber in derselben fand sie Ruhe und Heil für ihre Seele; für sie war die Einsamkeit des Waldes und der Flur eine Quelle des Lichtes und des Segens. Gott redete mit ihr im Gebete und sie mit Ihm. Nie sah man sie in der Gesellschaft mit anderen jungen Hirten, und redete sie bisweilen mit den Mädchen ihres Alters, so geschah es nur, um sie sanft und liebevoll zu frommen Gedanken zu erheben und zur Liebe Gottes zu mahnen.

Auf dem Felde litt sie viel von der bösen Witterung und zur Nachtszeit verwies sie ihre Mutter in den Stall oder hinter die Stiege und verbot ihr sogar, mit ihren Geschwistern umzugehen. Sie aber, von Gott innerlich belehrt, daß man Leiden, Demütigung und Unrecht lieben müsse (Anmerkung ETIKA: eine antiquierte Regelung, denn das Unrecht soll man nicht lieben, sondern abschaffen), schwieg und verbarg sich; ja sie fügte zu den Leiden noch andere Abtötungen zu und versagte sich während ihres ganzen Lebens jede überflüssige Nahrung, aß nichts, als ein wenig Brot und Wasser, und selbst dieses teilte sie mit den Armen. Die Liebe zu Jesus dem Gekreuzigten weilte in ihrem Herzen und versüßte ihr alles Leid. Trotz aller Hindernisse von Seite ihrer körperlichen Schwäche wohnte sie täglich der heiligen Messe bei, während ihrer Abwesenheit die Schafe Gott empfehlend; bei ihrer Rückkunft fand sie die Schäflein immer wieder an derselben Stelle, an welcher sie sie zurückgelassen hatte, so ruhig und so sicher, wie im Stalle. Alle Sonntage empfing sie die heilige Kommunion mit Inbrunst. Erst einundzwanzig Jahre alt, starb sie. Als eines Tages ihr Vater sie nicht wie gewöhnlich ausgehen sah, ging er, sie unter der Stiege zu rufen, wo sie gewöhnlich schlief. Sie antwortete nicht. Er trat nun näher und fand sie tot auf ihrem harten Lager von Weinreisig. Germana wirkte nach ihrem Tode Wunder.

Mütter sollen ihre Kinder Jesus und Maria lieben lehren.

Die gottselige Schwester Margaretha vom Kreuze war die Tochter des römischen Kaisers Maximilian II., 1567 zu Wien geboren. Ihre fromme Mutter erzog sie in der Furcht des Herrn und da sie eine besondere Liebhaberin der Mutter Gottes war, so ließ sie sich sorgsam angelegen sein, diese Liebe in die Herzen ihrer Kinder, besonders ihrer geliebten Tochter Margaretha zu pflanzen. Sie lehrte sie frühzeitig den Rosenkranz und da sie lesen gelernt, die Tagzeiten der lieben Frau beten, was alle Tage Morgens geschehen mußte. Die kleine Margaretha sah es gerne, wenn auch Andere den Rosenkranz beteten, daher sie die von ihrer Mutter erhaltenen Rosenrkänze herschenkte, bis endlich die Mutter ihr befahl, den Rosenkranz, den sie gegeben, zu behalten und Margaretha, allzeitlich pünktlich gehorsam, behielt den Rosenkranz bis zu ihrem Tode. Margaretha war überhaupt ein ganz eigenes Kind; sie hatte nur an göttlichen Dingen Freude, und ihre Erholung war, in der Betkammer Altärchen zu bauen und Heiligenbilder, besonders das Bild der Mutter Gottes zu bekleiden. Das Kindlein jesus war es vorzugsweise, mit dem sie sich viel abgab; sie machte ihm ein weiches Bettlein in der Krippe, gab ihm warme Kleider und sprach mit ihm, wie Kinder mit einander sprechen. Später ging sie ins Kloster und starb im Rufe der Heiligkeit.

Ein heiliges Kind.

Zu Lechhausen, einem Dorfe nahe bei Augsburg, lebte ein frommer Bauernknabe, mit Namen Andreas. Gott erhielt ihn in seiner Kindheit zweimal auf wunderbare Weise. Einmal fiel er vom obersten Stockwerke auf das Pflaster. Die Mutter glaubte, er müsse sich die Hirnschale eingeschlagen oder das Genick gebrochen haben; wie sie ihn aber aufhob und untersuchte, fand sie ihn gesund und wohlbehalten. Ein anderesmal ging er über die Lechbrücke, sie brach und er fiel ins Wasser. Eine Magd zog ihn halbtot heraus. Man rief die Mutter. Wie diese kam, fand sie ihn gesund und wohl. Wie er einmal so groß war, daß er in die Christenlehre gehen konnte, besuchte er sie sehr fleißig und lernte so brav, daß er immer gut und schön zu antworten wußte; selbst dann, wenn er krank war, mußte man ihn in die Christenlehre tragen. Was nur im Geringsten den Schein eines Fehlers an sich hatte, vermied er sorgfältig; nie beleidigte er seine Eltern.

Einst an der Kirchweih spielten die Musikanten. Der kleine Andreas besaß Freude an der Musik und kaufte sich eine Pfeife, worauf er sie so gut als möglich blies. Da sagte sein Vater zu ihm: Kind! du mußt wissen, daß selten ein Musikant in den Himmel kommt. Erschrocken warf nun Andreas seine Pfeife weg, und nie mehr sah man in seinen Händen ein solches Instrument. (Anmerkung ETIKA: Wir können uns nicht vorstellen, daß jemand, der sich geistlicher Musik oder echter Volksmusik widmet, deshalb nicht in den Himmel kommt.)

Wenn er betete, faltete er seine Händchen wie ein Engel, nie schaute er um oder schwätzte er, wie es Buben zu machen pflegen; er war die lauterste Schamhaftigkeit und nie redete er etwas Ungeziemendes. Einst war er krank und man rief den Pfarrer, der ihn fragte, wohin er jetzt denke: In den Himmel, lautete die antwort. Ob er gerne sterbe? O ja, sagte er, ich kann ja dort auch beten und noch mehr als hier. Bevor er starb, sagte er: Lebe wohl, liebe Mutter! Der liebe Gott segne dich immer! Lebet wohl, meine lieben Brüderchen! Und du Johannes, folge ja der Mutter mehr, als bisher! Und du Mathias, antwortete ja der Mutter nicht mehr so barsch, sondern freundlich. Und nun vermache ich dir, liebes Mütterchen, meinen Rosenkranz, den mir der Herr Pfarrer geschenkt hat. Hörte er den Namen Jesus aussprechen, neigte er sein Köpfchen, und so starb er.

Kindern sollen von ihren Müttern lernen, Maria lieben und verehren.

Als die selige Lucia von Narni vier Jahre zählte, kam der Bruder der Mutter von Rom nach Narni, und brachte den Kindern Spielzeug; während die übrigen nach Spielzeug griffen, nahm sich Lucia den Rosenkranz mit dem Bilde des Jesuskindes. Als der Oheim ihr den Rosenkranz gab, nahm sie ihn freudig, bedeckte das Jesuskind mit Küssen, nannte es ihr süßes Christkindlein und hängte den Rosenkranz auf. Manche Stunde brachte sie hier mit ihrem lieben Christkindlein zu. Sie brachte ihm Blumen, herzte und küßte es und hatte sie einen kleinen Kummer, so kam sie zu ihm und tröstete sich bei ihm und seiner lieben Mutter. Diese kindliche Frömmigkeit gefiel dem lieben Gott. Als sie einmal, fünf Jahre alt, mit ihrer Mutter in die Augustiner kirche ging, blieb Lucia vor einem marmornen Bilde stehen, welches Maria mit dem göttlichen Kinde darstellte. Siehe Lucia, sprach die Mutter, diese schöne Frau hier ist die Mutter von deinem Christkindlein und das liebe Kind, das sie auf dem Arme trägt, ist auch ein Christkindlein. Willst du, so darfst du zuweilen deinen Rosenkranz vor diesem Bilde beten. Wie froh war Lucia. Da die Augustinerkirche neben ihrem Hause lag, so verging kein Tag, wo sie nicht diesen neuen Gegenstand ihrer Andacht zärtlich besuchte und vor demselben den Rosenkranz mit inniger Andacht betete.

Einmal erwachte der innige Wunsch in ihr, das süße Jesuskind in ihren Armen halten zu dürfen, wie sie zuweilen ihr ganz kleines Brüderchen hielt; und sie bat dringend die heilige Jungfrau Maria um diese Gnade. Maria verschmähte nicht die Bitte einer so herzlichen Liebe. Sie legte das Kind von Marmor in Lucias Arme, die sogleich mit der schweren aber süßen Last davon lief und sich von Niemandem zurückhalten ließ; sie trug das Kind in ihr Zimmer und hütete es dort drei Tage und Nächte, ohne zu essen, zu trinken und zu schlafen. Endlich schlief sie vor Ermüdung ein. Als sie erwachte, war das Jesuskind verschwunden. In der Augustinerkirche, wo das marmorne Bild Mariä drei Tage ohne ihr göttliches Kind gewesen war, fand es sich jetzt wieder an seinem Orte. Lucia setzt nun ihre Andacht in der Kirche fort und blieb dabei ein gutes, folgsames Kind ihrer Eltern. Sie trat später ins Kloster.

Ein Beispiel kindlicher Liebe gegen die Mutter.

Während des Krieges der Engländer mit den Franzosen unter Napoleon I. war den Sizilianern bei Todesstrafe jede Gemeinschaft mit Calabrien verboten. Da machte man die Entdeckung, daß eine sonst sehr geachtete und würdige Dame mittels verabredeter Zeichen Nachrichten von Calabrien erhielt und hinüber sandte, indem sie bald blaue, bald rote oder andere buntfärbige Sachen an dem Altane ihres Hauses, das vor der Stadt am Ufer lag, und an dem jenseitigen deutlich zu sehen war, wie zum Lüften aufhing. Sie kam sofort in Verhaft und obschon sich bei der Untersuchung ergab, daß ihr Verkehr mit dem feindlichen Lande nur auf die dortigen Verwandten beschränkt geblieben und die gegenseitigen Mitteilungen nur ihre eigenen Angelegenheiten, besonders ihre Güter in Calabrien betrafen, so wurde sie doch zufolge der strengen Verordnung, die den Bewohnern Siziliens jede Gemeinschaft mit Calabrien verbot, zum Tode verurteilt.

Ihr Sohn, ein geschickter, allgemein geschätzter Ingenieur, suchte zur Rettung seiner Mutter die Sache so zu lenken, daß alle Schuld auf ihn fiel. Es entstand nun zwischen beiden ein edler Wettstreit, wer sterben sollte, bis endlich der Sohn den Sieg errang; er erlitt, obschon Jedermann von seiner Unschuld überzeugt war, den Tod durch die Hand des Henkers. Dies hatte die Folge, daß die Mutter, welcher das unschuldige Opfer stets vor Augen schwebte, von ihrem Schmerze langsam verzehrt wurde. Die Unglückliche war fortwährend, ohne auf die Anwesenden zu achten, in Gedanken vertieft und streckte dann und wann die Arme aus, als wollte sie Jemand umfassen.

Kinder können nur unter dem Schutze Mariä ihre Unschuld bewahren.

Zu Reims wurde der ehrwürdige Johann Baptist de la Salle geboren. Er war ein treuer Diener Gottes und Seiner glorwürdigen Mutter. Seine Eltern waren sehr fromm; ihrem schönen Beispiele folgte Johann eifrig nach. Seine Eingezogenheit, seine englische Unschuld leuchtete aus seinem schönen Angesichte. Diese Unschuld bewahrte er auch unter dem Schutze der jungfräulichen Mutter Gottes während seiner Studienjahre und brachte sie mit an den Altar, als er, zum Priester geweiht, sein erstes heiliges Meßopfer feierte. Er stiftete den Orden der Schulbrüder, schrieb ihnen aber in der Regel vor, daß sowohl Lehrer als auch Schüler Maria täglich verehren sollten; denn er war überzeugt, daß die Anstalt nur unter ihrem Schutze gedeihen würde.

Von Gott erbetene Kinder heiliger Eltern werden auch heilig.

Zu Alexandria lebte ein Mann, mit Namen Paphnutius; er hielt Gottes Gebote und ward von Jedermann geehrt. Er vermählte sich mit einer Gattin, die seiner wert war, sowohl ihres Geschlechtes, als ihrer Frömmigkeit wegen; aber sie bekam keine Kinder. Darüber betrübte sich ihr Gatte, weil er keinen Erben hatte, dem er sein Vermögen hinterlassen konnte. Er ließ nicht ab, den Armen bei Tag und Nacht mitzuteilen, besuchte fleißig die Kirchen und betete und flehte zu Gott, daß Er ihm einen Sohn geben möchte. So litt auch seine Gattin viel, ihren Mann so oft betrübt zu sehen. Auch sie teilte viel Geld den Armen und Gotteshäusern aus und betete, daß ihr inniger Wunsch erfüllt werde. Ihr Mann ging umher, einen würdigen Diener Gottes aufzufinden, der ihm durch sein Gebet erhalten könnte, was er so sehr wünschte.

So kam er zu einem Kloster, dessen Abt, wie man sagte, bei Gott groß war. Er brachte dem Kloster viel Geld und erhielt von dem Abte und allen Brüdern viel Trost und Hoffnung. Nach einiger Zeit entdeckte er dem Abte, was er wünsche. Dieser hatte Mitleid mit ihm und betete, daß Gott ihm ein Kind geben möchte, und Gott erhörte das Gebet des einen und des andern und gab dem Paphnutius eine Tochter. Er führte auch seine Gattin dahinm daß sie von dem Abte gesegnet werde. Das Kind ward entwöhnt, getauft und erhielt den Namen Euphrosyna. Die Eltern hatten viele Freude an ihr, weil sie Gott wohlgefällig und wohlgestaltet war. Diese Tochter schlug alle Anträge zur Ehe aus und vermählte sich mit dem göttlichen Bräutigam Jesus Christus in einem Kloster.

Kinder ahmen Alles nach, Gutes und Böses.

Kaiser Ferdinand III. hatte einen Sohn, Namens Philipp Ferdinand; dieses Kind, im Alter von anderthalb Jahren, bemerkte, daß die Oberhofmeisterin auf das Zeichen eines Glöckchens, wenn das hochwürdigste Gut vorüber getragen wurde, niederkniete. Nach einigen Tagen saß das Kind beim Essen, schob aber Alles bei Seite, stieg vom Stuhle und kniete nieder; denn es hörte den Ton jenes Glöckchens. Als die Oberhofmeisterin dies sah, hob sie das Kind empor, trug es ans Fenster, damit es der Priester segne, Diese kindliche Andacht gefiel Gott so wohl, daß Er das Kind am nächsten Frohnleichnamsfest zu sich in den Himmel nahm. –

Im Bistum Lüttich verirrte sich ein Kind aus seines Vaters Hause und konnte dasselbe nicht mehr finden. Als es nun weinte, fragten es die Vorübergehenden, wem es angehöre und wie sein Vater heiße? Teufel, gab es zur Antwort. – Wie heißt denn deine Mutter? – Teufel. – Wie heißt denn euer Haus? – Teufelshaus. –Man wußte dem Kinde nicht zu helfen, bis die Eltern selbst es suchten und fanden. Da erkundigte man sich nach diesen Leuten und erfuhr, daß sie stets in Zank und Fluchen lebten, daß eines das andere einen Teufel und beide ihr Haus ein Teufelshaus nannten. Das Kind, welches nichts so oft hörte, als das Wort Teufel, glaubte nun, Vater und Mutter hießen so; und sagte nach, was es zu Hause hörte.

Die Eltern sollen in ihren Kindern jede böse Neigung frühzeitig unterdrücken.

Ungeachtet der strengen Aufsicht ihrer Erzieherin hatte die heilige Monika in ihrer Jugend dennoch unmerklich einen Hang zum Weintrinken bekommen. Sie ging gewöhnlich in den Keller. So oft sie Wein holte, kostete sie einige Tropfen. Es geschah dies nicht in Folge einer Anlage zur Trunkenheit, sondern aus Unüberlegtheit und Genäschigkeit, wie man sie gewöhnlich bei Kindern bemerkt. Inzwischen genoß sie von Tag zu Tag mehr Wein, und ihre natürliche Abneigung vor dieser Flüssigkeit wurde von Tag zu Tag schwächer; zuletzt liebte sie den Wein und trank mit Vergnügen bei jeder Gelegenheit davon. Diese Unmäßigkeit war sehr gefährlich, obwohl sich noch keine bedeutende nachteilige Folge zeigte.

Gott aber wachte über seine Magd und bediente sich zu ihrer Besserung eines Streites, den sie mit einer alten Dienerin des Hauses hatte. Diese begleitete gewöhnliche ihre junge Herrin in den Keller und wußte deshalb Alles, was vorging; sie machte ihr harte Vorwürfe und nannte sie eine Säuferin. Monika fand sich getroffen und ging in sich; sie fühlte die ganze Schande des Lasters, dessen sie beschuldigt ward. Sie bemühte sich angelegenst, sich von der schlimmen Gewohnheit, die sie sich zugezogen hatte, zu befreien, daß man, so lange sie lebte, keine Spur mehr davon an ihr wahrnahm. Die Gefahr, in welche diese Heilige geriet, soll die Eltern äußerst wachsam machen und sie antreiben, Alles zu entfernen, was ihren Kindern eine böse Gewohnheit beibringen könnte. Was wäre wohl aus der Mutter des heiligen Augustinus geworden, hätte sie sich nicht bei Zeiten von dieser bösen Neigung losgemacht?

Kinder, die in der Unschuld sterben, sind glücklich zu preisen.

Die heilige Theresia hielt sich eine Zeit lang bei ihrer Schwester auf. Als der Schwager nach Hause kam, fand er sein fünfjähriges Töchterchen tot. Es war großes Jammern im Hause. Die heilige Theresia erweckte das Kind zum Leben. Der Knabe liebkoste sie und streichelte sie mit den Händen, als wollte er gleichsam damit danken. Als er älter war, pflegte er zu ihr scherzweise zu sagen, sie sei schuldig, ihn in den Himmel zu bringen, weil sie ihn davon abgehalten, da er denselben schon sicher in Besitz gehabt habe. Er starb auch im achtundzwanzigsten Jahre seines Alters auf eine gottselige Weise.

Bald gebar ihre Tochter ein anderes Söhnchen. Dieses Kind nahm Theresia zuweilen auf den Arm und sagte zu ihm öfters:

·       Mein Kind! Wenn du in der Zukunft kein tugendhaftes Leben führen solltest, so wolle Gott, du stürbest lieber in dieser englischen Unschuld, als daß du jemals Gott beleidigest!

Kaum waren drei Wochen vorbei, da erkrankte das Kind tödlich und starb. Hierauf sprach Theresia:

Lasset uns Gott loben, denn viele tausend Engel sind hernieder gekommen, um diese Engelsseele aufzunehmen.

IX

Auch Kinder müssen im Glauben standhaft sein.

Gegen das Jahr 1648 waren zwei gefangene Knaben in Tunis, der eine ein Franzose, der andere ein Engländer. Sie wohnten nahe beisammen, und beide hatten sehr harte Herren, welche Alles anwendeten, um sie vom Christentume abtrünnig zu machen. Da sie von gleichem Alter und von gleicher Gesinnung waren. So wurden sie die innigsten Freunde (das ist Europa! vereint in Christus) und der Franzose hatte das Glück, seinen Freund, der von Geburt ein Calviner war, zu einem eifrigen Katholiken zu machen. Bald hernach kamen einige Engländer nach Tunis, welche ihn loskaufen wollten. So erwünscht ihm dieses gewesen wäre, sagte er ihnen doch, er sei Katholik und werde es bleiben, worauf sie ihn in der Sklaverei schmachten ließen. Die Herren dieser zwei Knaben wetteiferten miteinander, wer seinen Sklaven zuerst zur Verleugnung des Glaubens zwingen würde, und ließen sie öfter halb tot schlagen. Einst fand der Engländer seinen Freund in diesem Zustande, rief ihn beim Namen und fragte ihn, ob er noch lebe. Der Franzose antwortete mit schwacher Stimme: Ich bin ein Christ und will es bleiben! Tief gerührt warf sich der Engländer zur Erde und küßte die Füße seines Freundes, um jene Glieder zu ehren, welche für Jesus Christus so vieles gelitten haben. Später, als die Wunden des Franzosen geheilt waren, wollte auch er seinen Freund besuchen und fand ihn gleichfalls schrecklich mißhandelt und halb tot daliegen. Da fragte er ihn, wer ihm lieber sei, Christus oder Mahomed? Der Engländer sagte: Ich liebe Christum über Alles und will für Ihn leben und sterben! Die ergrimmten Mohamedaner drohten dem Franzosen, ihm beide Ohren abzuschneiden; er aber riß einem das Messer aus der Hand, schnitt sich selbst ein Ohr ab und fragte sie, ob sie auch das andere haben wollten? Nach solchen Mißhandlungen nahm Gott das folgende Jahr beide zu sich durch die Pest, welche in Tunis wütete. Diese heldenmütige Standhaftigkeit berichteten die Missionäre dem heiligen Vincentius.

Kinder sind an Genügsamkeit zu gewöhnen und an Arbeit.

Ein Herr wurde auf einem Spaziergange von einem Platzregen überfallen und flüchtete sich in die nächste Bauernhütte. Die Kinder saßen eben bei Tische und vor ihnen stand eine große Schüssel voll Habermus. Alle ließen sich´s recht gut schmecken und sahen dabei so frisch und rot aus, wie die Rosen. Aber wie ist es doch möglich, sagte der Herr zur Mutter, daß man eine so rauhe Speise mit so sichtbarer Lust verzehren und dabei so frisch, gesund und blühend aussehen kann? Die Mutter antwortete: Das kommt von dreierlei Gewürzen her, die ich an die Speise tue. Erstens lasse ich die Kinder ihr Mittagsessen durch Arbeit verdienen; zweitens gebe ich ihnen außer der Tischzeit nichts zu essen, damit sie Hunger mit zu Tische bringen; drittens gewöhne ich sie zur Genügsamkeit, indem ich sie mit Leckerbissen und Näschereien gar nicht bekannt mache. Die köstlichsten Gewürze weit und breit, sind Arbeit, Hunger und Genügsamkeit.

Wie den Kindern der Zorn abzugewöhnen sei.

Ein Knabe weidete ein Rind auf einem Grasplatze neben einem Garten. Als er nun nach einem Kirschbaume in die Höhe sah, bemerkte er, daß einige rote Kirschen daran wären. Die glänzten ihm so rötlich entgegen, daß es ihn gelüstete, sie zu pflücken. Er ließ das Tier allein und kletterte auf den Baum. Die junge Kuh aber, da sie den Hirten nicht sah, brach in den Garten und fraß Blumen und Kräuter nach ihrem Gelüste; anderes zertrat sie mit den Füßen. Als der Knabe solches sah, sprang er in aller Eile vom Baume, lief hin und schlug die Kuh, so daß sie im Laufen noch mehr zertrat. Der Vater hatte das von Weitem gesehen. Er eilte herbei, sah ihn ernstlich an und sprach: Wem gebührt solche Züchtigung, dir oder dem Tier? Ein Rind weiß nicht, was rechts oder links ist. Bist du minder deinem Gelüste gefolgt, als das Tier, welches du leiten solltest? Und nun übest du ein so unbarmherziges Gericht und vergißest deiner Vernunft und deines eigenen Vergehens! Da schämte sich der Knabe und errötete vor dem Vater.

Kinder sollen ihre Eltern unterstützen.

Die Kaiserin Maria Theresia besuchte eines Tages die Kadettenschule und ließ sich den besten Zögling zeigen. Er hieß Vukassowich und war der Sohn eines alten Offiziers aus Dalmatien. Die gute Kaiserin schenkte ihm zwölf Dukaten. Nach einigen Tagen kam die erhabene Frau wieder ins Kadettenhaus und fragte nach dem jungen Vukassovich. Er wurde egrufen und erschien mit zur Erde gesenktem Blicke und verlegen. Lächelnd fragte ihn die herzensgute Kaiserin: Warum so bestürzt? Befürchtet er vielleicht, daß ich Rechnung über die Dukaten fordere? Ich weiß schon, die Offiziere können das Geld nicht gut halten, sind die Kadetten auch so? Wie hat er die Dukaten verwendet? Vukassovich wurde verlegener und schwieg. Spreche er die Wahrheit, sagte die Kaiserin etwas ernsthaft, wo hat er das Geld? Euere Majestät, antwortete der Knabe mit bebender Stimme, ich habe es meinem Vater geschickt. Eine Träne trat ihm ins Auge. Wer ist denn sein Vater? Mein Vater war Lieutenant in Euerer Majestät Diensten; er ist verabschiedet und lebt nun sehr kümmerlich in Dalmatien. Ich glaubte, von Euerer Majestät Gnade keinen besseren Gebrauch machen zu können, als wenn ich meinen armen alten Vater unterstützte. Braver Junge! versetzte die Kaiserin, indem sie ihn auf die Achsel klopfte. Die Kaiserin diktierte dem Kadetten einen brief an seinen Vater, worin er ihm meldete, daß ihr seine Aufführung und kindliche Liebe so wohlgefallen, daß der Vater eine jährliche Pension von zweihundert Gulden bekommen werde, er aber ein neues Geschenk von vierundzwanzig Dukaten erhalten habe. Der Kadett fiel der guten Fürstin zu Füßen, Tränen des Dankes glänzten in seinen Augen, er versprach, durch Fleiß sich dieser Gnade würdig zu machen; er hat Wort gehalten. Vukassovich trat als Offizier ins Regiment und zeichnete sich durch Kenntnisse, Diensteifer und Tapferkeit so sehr aus, daß er von Stufe zu Stufe bis zum Feldmarschall-Lieutenant emporstieg.

Kinder müssen ihre Eltern lieben.

Als die Franzosen im Jahre 1809 den braven Tiroler Andreas Hofer gefangen und erschossen hatten, sollte dieses Los auch den Peter Sigmair, Wirt zu Mitterolang, einem Dörfchen im Pustertale, treffen. Rechtzeitig gewarnt, hatte er ein sicheres Versteck aufgesucht und war nirgends zu finden. Da ließ der französische General seinen alten Vater verhaften und kündete diesem den Tod an, wenn der Sohn nicht binnen drei Tagen sich stellen würde. Der Sohn hätte sich wohl damit trösten können, daß ja der General unmöglich so tyrannisch sein werde, solch ein unmenschliches Urteil zu fällen und zu vollziehen; aber der Gedanke, seinen Vater in solcher Gefahr zu wissen, siegte über alle Bedenken. Augenblicklich stellte er sich; der geliebte Vater war gerettet und er dafür in Ketten geschlagen. Bald ward ihm das schauerliche Urteil angekündigt, daß er vor seinem eigenen Wirtshause erschossen und sein Leichnam dort aufgehängt werden sollte. Laut schluchzend warf sich seine Gattin dem General zu Füßen und mit aufgehobenen Händen baten seine jammernden Kinder um das Leben des geliebten Vaters. Den Unmenschen rührte es nicht. Die einzige Gnade, die er gewährte, war diese, daß das Todesurteil an einem anderen Orte vollzogen wurde. Und so starb Peter Sigmaier in einem Alter von sechsunddreißig Jahren den schönen Tod der Kindesliebe.

X

Verwaiste Kinder annehmen ist ein gutes Werk.

Nach der Schlacht bei Königgrätz und Blumenau langten in Wien sieben Wagen mit Kindern aus Mähren und den angrenzenden Ortschaften Niederösterreichs an, deren Eltern dieselben auf der Flucht vor dem Feinde verloren oder verlassen hatten und die nun weinend und hungernd auf der Strasse (sic) verlassen gefunden wurden. Die Kinder, einhundertunddreiundzwanzig an der Zahl, wurden von den Bewohnern der Leopoldstadt auf das menschenfreundlichste empfangen und in Pflege genommen.

Kinder haben ihren Schutzengel.

In wahrhaft wunderbarer Weise ist unlängst auf der baierischen Bahn unweit Hof das Kind eines Bahnwächters, welches nach menschlicher Berechnung einem unvermeidlichen Tod geweiht schien, dem Leben erhalten worden. Dasselbe befand ssich nämlich beim Herannahen des Eisenbahnzuges gerade auf dem Bahndamme innerhalb des Schienenstranges, auf welchem der Zug zu gehen hatte. Es wurde niedergeworfen, die Lokomotive und sämmtliche vierzig Wagen brausten über das Kind hinweg und kaum war der Zug vorüber, so stand das Kind vollständig unversehrt und anscheinend ohne Ahnung der Gefahr, in welcher es geschwebt, auf und ging ruhig weiter. Augenscheinlich hat hier ein höherer Schutz das Kind bewahrt.

Kein leeres Wort ist es, wenn es heißt: Jedem Kinde steht ein schützender Engel zur Seite. Dies hat sich in wunderbarer Weise in einem Hause der Oranienstraße in Berlin wieder bewährt. Auf einer Treppenflur des dritten Stockwerkes spielten mehrere Kinder, von denen das Eine, ein dreizehnjähriges Mädchen, ein anderthalbjähriges Kind auf dem Arme trug. Ein von der Parterre-Etage heraufkommender Knabe rief den oben spielenden Kindern zu; diese, und unter ihnen das Mädchen mit dem Kinde, beugten sich und blickten über das Geländer hinab; das auf dem Arme befindliche Kind machte eine heftige Bewegung und stürzte vom Arme des Mädchens hinab aus der dritten Etage. Ein durchdringender Schrei lockte die Bewohner des Hauses zusammen; an dem an der Treppe zum ersten Stockwerke angebrachten Gasarme hing mit seinem Röckchen unversehrt das hinabgestürzte Kind und zappelte, lachend und fröhlich, mit Händchen und Füßchen, bis es aus dieser gefahrvollen Lage wohlbehalten befreit wurde.

Gute Kinder sind von Gott gesegnet.

Eine alte kranke, verwittwete Postmeisterin hatte zwei brave liebenswürdige Töchter, welche sich und ihre Mutter mit der Näherei ernährten. Die Mutter war schon lange. Zum Fasching wurden diese Mädchen zu einem Balle geladen; eine alte Muhme sollte einstweilen die Mutter bewachen; beide waren schon ballmäßig angekleidet. Da gab´s der Mutter einen Stich ins Herz. Elisabeth zog alsbald ihr Ballkleid aus und war nicht zu bewegen, auf den Ball zu gehen; Wilhelmine aber konnte ihre Tanzlust nicht so weit beherrschen, sie ging. Gegen Mitternacht wurde die Mutter schlechter, man holte den Doktor, einen ganz jungen Mann, aus Wien gebürtig. Dieser gab der Kranken einige Tropfen, sie erholte sich wieder. Aber als die Mitternacht herannahte, richtete sie sich auf, segnete die Elisabeth und verschied. Die Muhme holte die Wilhelmine vom Balle. Als diese den Tod der Mutter erfuhr, riß sie die Ballkleider von sich und jammerte: Ach, ich habe meiner Mutter den Totentanz getanzt! Nach der Beerdigung entfernte sich Wilhelmine, man wußte nicht, wohin.

Der junge Doktor empfahl die Lisette in den Dienst zu seiner Mutter in Wien und übersiedelte selbst dahin. Alle im Hause liebten Lisette, der Doktor besonders und erwählte sie zu seiner Frau, und sie lebten glücklich miteinander. Am Hochzeitstage wurde der Doktor zu einer vornehmen Patientin gerufen, und zwar von einer grauen Schwester; es war Wilhelmine; beide Schwestern fielen einander in die Arme. Wie ich sehe, sprach Wilhelmine zu Elisabeth, bist du glücklich; Gott sei Dank, du warst ein gutes Kind, du hast dein Glück verdient; ich habe dem Tanze mit Leidenschaft gefröhnt (sic), meine Füße sollen nicht wieder tanzen; ich habe versäumt, meine Mutter in der Sterbenacht zu pflegen, ich will zur Buße dafür Kranke pflegen, bis ich sterbe. Gott segne dich, teuere Schwester! Bete für mich, daß Er mir vergebe! Sie blieb nicht beim Hochzeitsmahle. Der Doktor und Elisabeth sind ein glückliches Ehepaar; die reuige Wilhelmine lebte als graue barmherzige Schwester still und büßend in ihrem selbstgewählten edlen Berufe.

Kinder müssen fleißig beten, sonst wird nichts Rechtes aus ihnen.

Eine Mutter entließ ihren Sohn nach Constanz auf die Studien, ermahnte ihn zum täglichen fleißigen Beten und schenkte ihm dazu ein neues, schön gebundenes Gebetbuch. Der Sohn übernahm es und versprach nicht nur, fleißig darin zu beten, sondern es auch als mütterliches Andenken in Ehren zu halten. Aber er machte auch nicht einen Blick hinein. Nach einem halben Jahre besuchte ihn die Mutter und ihr erster Blick war auf das Gebetbuch. Hast du auch fleißig darin gebetet? Fragte die Mutter. Bei meiner Ehre, sagte der Sohn, betete ich täglich darin. Aber, sagte die Mutter, es ist ja noch so rein, wie vom Buchbinder? Das macht´s, entgegnete er, weil ich es nur mit reinen Fingern und mit äußerster Sorgfalt öffnete. Abscheulicher Lügner und Heuchler! Du hast es nicht ein einzigesmal geöffnet; da siehe den Beweis! Bei diesem Worte nahm sie eine Banknote aus dem Buche, die sie hineinlegte, als sie es ihm schenkte; diese Banknote hättest du finden müssen; aus dir wird nichts Rechtes werden! Und so war es auch; es war schade ums Geld, das seine Eltern auf seine Studien verwendeten. Das Kind, das nicht betet, aus dem wird nichts Rechtes!

Kinder müssen zum Guten gewöhnt werden.

Ein Jude ging mit seinem Sohne auf den Markt und führte an einem Strick eine junge Ziege. Unaufhörlich hatte der Sohn seinen Vater über Handel und Wandel, Termin und Prozent, Kontrakt und Kautel, Kniff und Griff, Pfiff und Schlich zu fragen, was dem Vater wohlgefiel, weil er aus diesen Fragen die Hoffnung schöpfte, der Sohn werde sich zu einem Handelsgenie entwickeln. Diese Hoffnung war kein Luftschloß; denn plötzlich ergreift den jungen Samuel ein glühendes Verlangen, selbsthandelnd aufzutreten. Vater, sagte das zwölfjährige Söhnlein, vom Handelsgeist ergriffen, laß mich die Ziege führen, daß ich auch handeln lerne! Hochentzückt übergibt ihm der Vater die Ziege. Und gravitätisch schreitet der junge Samuel neben dem meckernden Handelsartikel her, in süße rothschildische Träume sich wiegend, schachernd und handelnd, und halblaut mit den Gojim plaudernd; kurz, der Handelsgeist war in ihn gefahren. Und in wenig Jahren war aus Samuel ein tüchtiger Handelsmann geworden, der in Rindern und Pferden Geschäfte machte, seine Schäflein im Trockenen hatte und die christlichen Bauern … (Anmerkung: die folgenden Worte lassen wir weg, um nicht wie viele andere Unschuldige Opfer fanatischer liberaler Nazijäger zu werden). Jung gewohnt, alt getan; das Gute, wie das Böse!

Böse Kinder werden schon auf Erden von Gott gestraft.

Ein Schriftsteller schreibt: Als ich noch ein Knabe war, lernte ich einen alten, krüppelhaften Mann kennen, der von seinem Sohne, von seiner Schwiegertochter und seinen Enkeln aufs empörendste behandelt wurde. Überall war er im Wege, ja man wäre ihm gerne vor die Sonne gestanden, wenn man die Zeit und die Geduld dazu gehabt und nicht den alten, verachteten Mann dabei hätte ansehen müssen. Man gab ihm wenig und schlechte Kost; Lumpen bedeckten seinen Leib und Ungeziefer quälte ihn Tag und Nacht; in einem Winkel eines finstern, feuchten Gewölbes lag er auf vermodertem Stroh; nie durfte er, selbst nicht im härtesten Winter, in der warmen Stube seine erstarrten Glieder wärmen; und nie trat ein Arzt herein, wenn der alte Großvater an Engbrüstigkeit litt und ihm die offenen Füße brennenden Schmerz verursachten.

Mitleid und Teilnahme führten mich zu diesem armen Lazarus und gerne hätte ich ihm geholfen, wenn´s in meiner Macht gestanden wäre. Oft wunderte es mich, daß er nie über sein Schicksal klagte, daß er zu den kränkendsten Beschimpfungen der Seinen schwieg und stets den Rosenkranz in den abgezehrten, gelben, zitternden Händen hielt. Ich fragte ihn einmal, warum er nie böse und ungeduldig werde und nie seinem Sohne zürne, der ja die Ursache seines schrecklichen Elendes sei?

Mein Kind, sagte er mit einem tiefen Seufzer und einem Blick zum Himmel, das ist Gottes Strafgericht! Siehe, in diesen Winkel habe ich vor zwanzig Jahren meinen alten Vater verstossen, hier ist er gestorben, ohne die heiligen Sakramente und ohne Trost von Menschen. Wundert´s dich noch, warum ich geduldig leide? O ich leide nur, was ich verdient, und täglich bitte ich Gott um Verzeihung und bitte zu Ihm für meinen armen Vater, der durch meine Schuld so elend und ohne Sakramente sterben mußte. Wohl tausendmal schon habe ich diesen Rosenkranz für ihn gebetet und hoffe, meine schwere Schuld gesühnt zu haben. Das aber schmerzt mich in der Seele, daß ich bestimmt voraussehe, daß mein Sohn in wenig Jahren, verachtet, verstossen und verlassen, wie ich, auch in diesem Winkel verschmachten wird. Gott läßt seiner nicht spotten! Denk an meine Worte, sagte er dann weich, und eine Träne rann ihm dabei durch die tiefen Furchen seiner eingefallenen Wangen: du bist noch jung, du wirst´s erleben; und versündige dich selbst nie an deinen Eltern! –

Nach etwa zwanzig Jahren führte mich der Weg an demselben Hause vorüber, vor dem der alte Mann mit dem Rosenkranze in den zitternden Händen im Sonnenschein gesessen, und wie staunte ich! Ich sah wieder dieselbe Gestalt, blaß, abgehärmt, abgezehrt. Ich glaubte einen Geist zu sehen. Ich trat zu dem alten Mann und rief ihn an mit seinem Taufnamen, den ich bis dahin nicht vergessen hatte. Er sah empor, er schaute mich fragend an. Wie, fragte ich staunend, lebt Ihr denn noch? Ihr müßt ja über hundert Jahre alt sein? –

Ihr meint wohl meinen Vater, sagte er, meinen Vater, der vor neunzehn Jahren gestorben ist? Der hat N. geheißen, wie Ihr mich vorhin genannt. Ja, ja, vor neunzehn Jahren ist er noch hier gesessen, wie ich jetzt im Elend, und hat für seinen seligen Vater gebetet, wie ich jetzt auch tue. Gott geb´ ihm die ewige Ruhe!

So war´s denn in Erfüllung gegangen, was jener alte, zitternde Mann vorhergesagt. Hier saß sein Sohn und wenn er nicht hier saß, so mußte er dort liegen in demselben kalten, feuchten, finstern Winkel, in welchem sein Vater und Großvater verschmachtet, und dort sollte auch er sterben, wo sein Vater und Großvater gestorben! Ja gerecht, o Gott, sind Deine Gerichte! Gott läßt Seiner nicht spotten; böse Kinder straft Er schon im Leben!

Kinder sollen sich der Eltern nicht schämen.

Papst Benedikt XI., der im Jahre 1303 den Stuhl Petri bestieg, hatte eine arme Mutter, die Wittwe war und durch ihrer Hände Arbeit sich ernährte. Als nun diese arme Wittwe ihrem Sohne zu seiner Papstwahl Glück wünschen wollte, gab man ihr den Rat, nicht in ihren ärmlichen Kleidern, sondern in dem kostbaren Gewande einer Dame vor ihm zu erscheinen- Sie befolgte diesen Rat, borgte ein kostbares Gewand, und stellte sich in demselben dem Papste vor. Der Papst aber gab sich den Anschein, als kenne er diese vornehme Dame nicht. Das ist nicht meine Mutter, sagte er, denn meine Mutter ist keine vornehme Dame, sondern eine arme Wittwe. Da legte die Mutter ihren Schmuck und ihr vornehmes Gewand an und trat in ihrem ärmlichen Kleide vor den Papst, und dieser umarmte sie jetzt, nahm sie herzlich und kindlich auf und sorgte für sie, so lange sie noch lebte.

Undankbare Kinder werden von Tieren beschämt.

Ein französischer Trompeter wurde in einem Gefechte von einer Kugel getroffen und stürzte tot vom Pferde. Er hatte sein Pferd als echter Reitersmann geliebt und gepflegt, er teilte sein Brot mit ihm und hungerte lieber selbst; dagegen gewann auch das gute Tier eine ungewöhnliche Zuneigung zu seinem Herrn. Es floh nicht aus dem Schlachtfelde und Kugelregen, sondern legte sich neben seinen Herrn nieder. Von Zeit zu Zeit sprang es auf, drehte sanft den Trompeter auf die andere Seite, schnaubte ihm ins Angesicht, als ob es ihm Atem einhauchen wollte, kniete auf die Vorderfüße, legte seinen Kopf leise auf seine Brust und versuchte auf alle mögliche Weise, denselben aus dem Todesschlafe aufzurütteln. Als das Schlachtfeld von den französischen Soldaten geräumt ward, wollten sie das Pferd mit sich nehmen; allein es setzte sich aus allen Kräften zur Wehre und ließ sich um keinen Preis von seinem Herrn trennen. Man meldete diesen merkwürdigen Vorfall dem Kaiser Napoleon und dieser gab den Befehl, das treue Tier sich selbst zu überlassen und es bloß zu beobachten. Das Pferd blieb noch so lange bei seinem toten Herrn, ohne irgend Nahrung oder Trank zu sich zu nehmen, bis es sich durch den Verwesungsgeruch von dem wirklichen Tode desselben überzeugt hatte; dann sprang es auf, stieß einige, durch Mark und Bein dringende Töne aus, stürzte sich in den vorbeifließenden Strom und nahm sich so das Leben. Es wollte ohne seinen Herrn, der es geliebt und gepflegt, nicht mehr leben. O ihr undankbaren Kinder, beschämt euch nicht dieses Pferd? Wer liebt euch mehr und tut euch mehr Gutes, als eure Eltern?

Undankbare Kinder werden von Tieren beschämt.

Der Dichter Lessing schrieb einst bis nach Mitternacht und wurde plötzlich durch ein Geräusch von seiner Arbeit aufgeschreckt. Nach der Ursache desselben sich umsehend, wurde er einer großen Ratte ansichtig, die auf einem Teller saß und ein von ihm übrig gelassenes Stück Kuchen da und dort benagte und untersuchte. Nachdem sie den Kuchen untersucht hatte, wahrscheinlich, ob er nicht vergiftet sei, kehrte sie unter den Fußboden des Zimmers zurück. Nach etlichen Minuten kamen nun drei Ratten, von welchen zwei die dritte behutsam führten. Sobald sie den Kuchen verzehrt, stand Lessing auf, um sie zu verjagen. Zwei flohen, die dritte aber fing er und gewahrte bei ihrer nähern Untersuchung, daß sie die blinde Mutter der anderen, und deswegen von ihren Jungen so sorgfältig zu dem Leckerbissen geführt worden war. Das tun unvernünftige Tiere an ihren Eltern und vernünftige, christliche Kinder lassen ihre Eltern verschmachten!

Kinder sollen ihren Eltern Dankbarkeit in Worten und Taten erweisen.

In der Schlacht bei Eilau hatte sich ein Soldat vor den Augen des Kaisers Napoleon ausgezeichnet. Der Kaiser schmückte deswegen seine Brust mit dem Ehrenkreuz und verwilligte ihm die Pension, welche mit dieser Auszeichnung verknüpft zu sein pflegte. Sogleich nach der Schlacht schrieb dieser Soldat seinem alten Vater, der ein armer Schullehrer in Grenade war: „Mein Vater! Ich bin Mitglied der Ehrenlegion. Beziehen Sie meine Pension, die zweihundertundfünfzig Franken beträgt. Wahrlich, wenn mich der Kaiser bezahlt, weil ich meine Schuldigkeit tat, so bin ich auch denen einen Teil meines Lohnes schuldig, welchen ich das Leben verdanke. Mein größtes Verlangen war, Ihnen entgelten zu können; mein Verlangen fängt an, in Erfüllung zu gehen, und ich wünsche mir Glück dazu.“ Unter diesem Ehrenkreuz schlug ein kindlich dankbares Herz!

XI und Schluss

Gott bestraft den Ungehorsam der Kinder.

Ein Kaufmann, der oft verreisen mußte, nahm stets zwei geladene Pistolen zu seinem Schutze mit auf den Weg. Wenn er zurückkam, schoß er sie entweder in die Luft, oder er zog die Ladung heraus, damit ja Niemand im Hause sich beschädige oder unglücklicher Weise ums Leben bringe. Oft verbot er seinen zwei Knaben aufs strengste, die Pistolen anzurühren. Einst kam nun der Kaufmann wieder von einer Reise heim, ließ aber die Pistolen geladen, weil er nächster Tage wieder verreisen mußte. Als nun der Vater ausgegangen war, nahmen die zwei Knaben trotz des strengen Verbotes die Pistolen von der Wand, spannten den Hahn, zielten, drückten los und – beide lagen tot in ihrem Blute da. Das war die gerechte Strafe Gottes für ihren Ungehorsam.

Kinder müssen Gott mehr als den Eltern gehorchen.

Leowigild, König der Westgoten in Spanien, welcher der arianischen Irrlehre ergeben war, hatte einen Sohn, Namens Hermenegild, der durch die Gnade Gottes von der arianischen Irrlehre sich losgesagt hatte und in den Schoß der katholischen Kirche zurückgekehrt war. Darüber wurde sein Vater so erzürnt, daß er ihn ergreifen und in den Kerker werfen ließ, in der Hoffnung, er werde, um die Freiheit zu erlangen, zur arianischen Irrlehre zurückkehren.

Doch Hermenegild trug geduldig Ketten und Banden um der Wahrheit willen und aus Liebe zu Jesu Christo. Nach einiger Zeit ließ der König seinem Sohn sagen: Freiheit und Leben sind dir geschenkt, in Ehren und Würden wirst du wieder eingesetzt und die Herrschaft will ich mit dir teilen, wenn du den katholischen Glauben abschwörst. Der Sohn aber ließ seinem königlichen Vater antworten: Ich verzichte auf Krone und Leben und selbst auf deine Gnade und Liebe, wenn die Verleugnung meiner heiligen Religion der Preis für diese vergänglichen Güter ist. Auf diese Antwort ließ der grausame Vater seinem heldenmütigen Sohne das Haupt im Gefängnisse abschlagen. Er (Hermenegild) war seinem irdischen Vater ungehorsam aus Gehorsam gegen seinen himmlischen, weil er Gott seinen himmlischen Vater durch den Gehorsam gegen seinen irdischen beleidigt haben würde; er wollte lieber sterben, als seine Religion, die er für wahr hielt, verleugnen.

Kinder sollen Nachsicht haben mit den Fehlern der Eltern.

In der Kaiserstadt Wien arbeiteten einst, es war im Jahre 1787, Züchtlinge auf dem sogenannten Graben. Ein wohlgekleideter junger Mann ging auf dem Graben spazieren, sah die Abteilung arbeitender Züchtlinge, ging zu einem derselben hin und küßte ihm ehrerbietig die Hand. Das bemerkte der Staatsrat Baron von Kressel von seinem Fenster aus und ließ den jungen Mann zu sich rufen und verwies ihm sein Benehmen mit der Bemerkung: Es schickt sich nicht, einem Missetäter die Hand zu küssen.

Der junge Mann erwiderte dem Staatsrat hierauf: Jener Missetäter, dem ich ehrerbietig die Hand geküßt, ist aber mein Vater! Diese kindliche Ehrerbietung gegen die Eltern rührte den vornehmen Staatsrat so sehr, daß er dem Kaiser Joseph diesen Vorfall erzählte, und dieser versprach, dem edlen Jüngling, welcher sich den Wissenschaften gewidmet hatte, ein bedeutendes Stipendium zur Unterstützung in seinen Studien zukommen zu lassen.

Kinder sollen für ihre verstorbenen Eltern täglich beten.

Ein Priester und Schriftsteller erzählt: Einst lernte ich einen jungen Mann kennen, von dem ich überzeugt war, daß er, nach seinen Äußerungen und nach seinem Lebenswandel zu schließen, keinen Funken Religion haben könne. An einem Sonntage, als in der nahen Pfarrkirche gerade der Gottesdienst beendet war und die Gläubigen mit ihren Gebetbüchern aus der Kirche gingen, fragte ich diesen ungläubigen Mann: Wann haben denn Sie das letzte Vaterunser gebetet? Er antwortete: Gestern Abends! Das ist unmöglich, antwortete ich, Sie beten? Sie mit Ihren Ansichten und Grundsätzen? Sie bei Ihrem Lebenswandel? Wer an keinen persönlichen Gott glaubt, kann unmöglich beten!

Sie haben Recht, entgegnete er, und doch, ich bete jeden Abend ein Vaterunser, und wenn ich es nicht beten würde, könnte ich unmöglich schlafen. Wenn ich einmal dieses Vaterunser zu beten vergesse, so kann ich um keinen Preis schlafen, mag ich auch noch so müde und schläfrig sein. Sie wundern sich, Sie staunen und doch spreche ich die Wahrheit; auch mir erscheint oft diese Tatsache auf der einen Seite unerklärlich und wunderbar, und doch finde ich sie auf der andern Seite erklärbar, ja sogar natürlich. Hören Sie mich einen Augenblick geduldig an! Meine selige Mutter war eine recht christliche, fromme Frau, die mit ungeteiltem Herzen an ihren Kindern hing. Der Vater war schon früher gestorben. Sie erzog uns aufs sorgfältigste. Noch fast als Knabe war ich auf eine höhere Lehranstalt getan und kam, ich gestehe es offen, durch ungläubige Lehrer und Professoren um den kindlichen Glauben, um die von unsrer seligen Mutter uns eingepflanzten Grundsätze und um alle Religiosität. Als ich nach langen Jahren nach Hause zurückkam, erschrak meine Mutter nicht wenig, mich so verändert zu sehen und kein christliches Zeichen mehr an mir zu bemerken. Sie drang in mich mit Bitten und Tränen und beschwor mich, die verderblichen Grundsätze der Welt zu verwerfen, wieder gläubig zu werden und meine Seele nicht der Gefahr der ewigen Verdammnis preiszugeben. Wer weiß, ob meine Mutter nicht über mich gesiegt hätte, wenn ich nicht abermals das elterliche Haus hätte verlassen müssen? Der gute Eindruck, die Rührung und die guten Vorsätze schwanden aber bald, als ich nach meiner Trennung von dem treuen Mutterherzen mitten in das Treiben der vornehmen Welt hinein geworfen wurde und von Religion und Glauben keine Spur mehr sah und hörte. In vollen Zügen trank ich aus dem berauschenden Becher der Lust und überließ mich ungestört einem nur selten unterbrochenen Sinnentaumel. Da kam plötzlich ein dringender Brief aus der Heimat an, der mir die Kunde brachte, daß meine Mutter im Sterben liege, daß sie große Sehnsucht habe, mich nochmals zu sehen, und daß ich eilen solle, wenn ich sie noch am Leben antreffen wolle. Augenblicklich machte ich mich auf den Weg, eilte heim und trat ans Sterbebett. Todesmüde reichte mir die Mutter ihre kalte Hand, sah mich wehmütig an, schöpfte tief Atem und sprach abgebrochen: Mein Kind! –  vergiß Gott – nicht ganz! Es gibt – einen Gott – eine Ewigkeit – ein Gericht – ich fühle es – glaube mir – im Tode lügt man nicht! – Bet wenigstens – täglich – ein Vater unser – für dich und mich! – Versprich´s mir – in die Hand! Ich beugte mich nieder und küßte ihre Hand; und als ich mich wieder erhob und ihr ins Antlitz sah, war sie nicht mehr. Das waren ihre letzten Worte. Und was ich ihr auf dem Totenbette versprochen, das habe ich bis heute gehalten und darum bet ich täglich Abends ein Vaterunser und muß es beten, wenn ich Ruhe haben, wenn ich schlafen will! Ich bin fest überzeugt, daß meine selige Mutter mich täglich daran erinnert. -

Und dieses Vaterunser ist Ihr Rettungsanker, an diesem Vaterunser hängt Ihr Himmel, sagte ich, tief ergriffen, zu dem jungen Manne, der ein recht leichtsinniges Weltkind war, das unbesonnen in den Tag hinein lebte, ohne höhere Bedürfnisse, ohne Lebensernst und ohne anderes Lebensziel: als zu genießen. Und siehe da! Nach etwa zehn Jahren erfuhr ich, daß dieses Weltkind sich vollkommen bekehrt, streng gläubig geworden und einen untadelhaften, wahrhaft musterhaften und bußfertigen Lebenswandel führt. Das tägliche Vaterunser hat dieses Wunder der göttlichen Barmherzigkeit gewirkt.

Kinder sollen für ihre verstorbenen Eltern Almosen geben.

Die heilige Ida von Toggenburg hatte einst eine Erscheinung, in welcher sie sah, wie sehr einer ihrer verstorbenen Verwandten im Fegefeuer gepeinigt werde. Ach, sagte sie zu den Kindern des im Fegefeuer Gequälten, auf welche entsetzliche Weise wird euer Vater gequält! Ich weiß es aus einer göttlichen Offenbarung. Ich bitte euch also, gebet in seinem Namen ein ganzes Jahr lang Almosen. Sie taten es und darauf sah die Dienerin Gottes die Seele zur Hälfte erlöst aus ihren Peinen. Sie setzten daher das Almosen noch ein Jahr lang fort, worauf die Heilige die Seele erlöst sah. Aber die erlöste Seele bat noch um ein Kleid, das Kleid der guten Werke, worauf sie abermals ein Jahr lang Almosen gaben, und nun sah die heilige Ida die Seele in der ewigen Seligkeit.

Der Geiz der Kinder gegen ihre verstorbenen Eltern ist gottlos.

Ein Pfarrer erzählt: Einst kam, ganz außer Atem, der Sohn eines kurz (vorher) verstorbenen, reichen Mannes, unmittelbar vor dem Seelenamte, das für seinen Vater gehalten werden sollte, zu mir ins Pfarrhaus und ersuchte mich, ich möchte ihm einen Kreuzer wechseln, d. h. zwei halbe für einen ganzen geben, weil er im Seelenamte opfern müsse. Empört über diesen schmutzigen Geiz eines Sohnes beim Seelenopfer für seinen verstorbenen Vater, entgegnete ich: Ist Euch der verstorbene Vater nicht einmal einen ganzen Kreuzer wert? Geht mir aus den Augen, geiziger Filz, ich bin kein Geldwechsler.

Wisset ihr, was der geizige Mensch tat, um keinen ganzen Kreuzer für seinen verstorbenen Vater opfern zu müssen? Er riß sich einen Knopf von den Kleidern und legte denselben auf den Altar in den Opferteller. Solche Kinder gibt es! Seid aber versichert, daß an ihnen wahr wird, was der Herr sagt: Mit welchem Maße ihr ausmesset, wird euch wieder eingemessen werden! Ihr, die ihr für euere verstorbenen Eltern nichts tut, nicht für sie betet, kein Almosen für sie gebet, keine heilige Messe für sie aufopfert, ihr möget dereinst im Fegefeuer, wenn ihr überhaupt dahin gelangt, wenn euch, wie ich fürchte, nicht die Hölle gewiß ist, euch vergeblich nach Hilfe sehnen und umsonst nach Trost und Linderung schmachten!

Kinder sollen um die Bekehrung lasterhafter Eltern beten.

Ein frommes Mädchen, das sich mit aller Sorgfalt und größter Gewissenhaftigkeit zur ersten heiligen Kommunion vorbereitete, kniete in der Nacht vor diesem schönsten Tage des Lebens etliche Stunden lang auf dem Boden und betete unter vielen Tränen um Bekehrung ihres Vaters, der dem Trunke sehr ergeben war. Sie versprach, die heilige Kommunion für denselben aufzuopfern, und bat Gott inständig, die Bitten ihres kindlichen und liebenden Herzens anhören zu wollen. Der Vater hörte im anstoßenden Zimmer sein Kind beten und weinen, er stand auf, belauschte es und hörte nun, wie es in herzzerreißenden Worten, die einen Stein hätten erweichen können, Gott um die Bekehrung ihres unglücklichen Vaters bittet. Das brach sein Herz. Er öffnete die Türe, hob sein Kind vom Boden auf, küßte es auf die Stirne und sprach: Mein liebes Kind, dein Gebet ist erhört, dein Vater trinkt nicht wieder! Geh nun zur Ruhe und schlafe sanft! Und er hat Wort gehalten. Gott hat durch die eigene Tochter den Vater bekehrt.

Kinder sollen ihre Eltern lieben ohne Eigennutz.

Ein sterbender Vater ließ in sein Testament setzen, daß von seinen drei Söhnen jener der einzige Erbe seiner Güter sein solle, der es durch die Tat beweisen würde, daß er sein wahrer Sohn sei. Da unter den Söhnen deshalb ein Streit entstand, begaben sie sich zum Richter. Ich bin des Vaters leibhaftiger Sohn, sprach der erste, wer kann mir die Erbschaft streitig machen? Ich bin das eigene Kind, sprach der zweite, wer kann mich abweisen? Der eigene Sohn bin ich, sprach der dritte, mir gebührt die Erbschaft. Was sollte nun der Richter tun?

Er nahm sich den König Salomo zum Muster, und wollte wie dieser aus den zwei Müttern, so aus den drei Söhnen den wahren herausbringen, er wollte ihn, wie Salomo, an der Liebe zu seinem Vater erkennen.

Er ließ deshalb die Leiche des Vaters bringen und sie in einiger Entfernung aufstellen. Dann gab er jedem der drei Brüder Bogen und Pfeil in die Hand und sprach: Schießet auf den Vater, wer dem Herzen des Vaters am nächsten kommt, der ist der wahre Sohn. Der erste schoß und traf nahe beim Herzen; der zweite noch näher; als aber der dritte den Pfeil in die Hand nahm, fing er an zu erblassen und zu erzittern, Schauder fuhr durch seine Gebeine. Wie, rief er aus, das Herz meines geliebten Vaters soll ich verwunden; ist er auch tot, so ist er doch mein Vater! Nein, dieses Herz, das mich so sehr geliebt, kann ich nicht verwunden, lieber will ich von der Erbschaft nichts haben. – Du bist der wahre Sohn, sagte der Richter, ich erkenne dich an deiner uneigennützigen Liebe zum Vater, dir gehört die Erbschaft.

Kinder haben ihren Schutzengel.

Ein Mädchen von zehn Jahren war in Berlin mit etlichen andern Kindern allein zu Hause geblieben. Sie mußte hinausgehen und etwas holen. Als sie wieder zurückkam, war das kleinste zweijährige Schwesterchen verschwunden. Wohin? Die Tür war versperrt, es konnte nur durchs Fenster in den Hof hinabgefallen sein. Sie eilte hinunter; richtig, das Schwesterchen saß unten, den Kopf auf den Arm gestützt, ohne die geringste Beschädigung; nur einige Stellen der Haut waren ein wenig rot. Der heilige Schutzengel hatte das Kind beschützt.

Kinder, die ihre Eltern lieben, macht Gott glücklich.

Im Jahre 1604 lebten in Japan drei Brüder, die sich alle Mühe gaben, ihrer Mutter den nötigen Lebensunterhalt zu verschaffen. Der Kaiser hatte Befehl gegeben, Jeder, der dem Gerichte einen Dieb einliefert, solle eine Summe Geldes als Belohnung erhalten. Die Brüder kamen nun überein, daß Einer von ihnen den Dieb mache, um für die Mutter Geld zu erhalten. Sie warfen das Los und es traf den jüngsten. Auf Diebstahl war die Todesstrafe gesetzt. Die Brüder führten also den jüngsten vor Gericht und klagten ihn des Diebstahls an; er ward nun zum Tode hinausgeführt. Jetzt erfuhr es die Mutter, was die Brüder aus Liebe zu ihr getan hatten. Nein, schrie sie in mütterlichem Schmerze, das will ich nicht, daß meinetwegen eines meiner Kinder sterben soll. Sie ging zum Kaiser und erzählte ihm den Vorfall. Dieser freute sich sehr über die kindliche Liebe der Brüder, gab den Sohn frei und schenkte nicht nur dem Sohne die ausgesetzte Summe, sondern bestimmte auch der Mutter eine jährliche Unterstützung.

Ende des Kapitels „Kinder“

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Anmerkung: Statt Aergerniß schreiben wir Ärgernis, statt Aeltern Eltern, statt mißrathen mißraten, statt Schooße Schoße, statt Thaler Taler, statt quacken quaken, statt Theuerung Teuerung, statt Heerden Herden, statt Geberden Gebärden, statt unstät unstet, statt Gleichgiltigkeit Gleichgültigkeit, statt erwiederte erwiderte, statt todt tot, statt Rheims Reims, statt Bisthum Bistum, statt Verläugnung Verleugnung, statt Loos Los, statt Wirth Wirt, statt ächt echt, statt Verdammniß Verdammnis und dergleichen, um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern. Die Zeichen setzen wir ab Abschnitt X meist so, wie es sich gehört.

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