ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

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Kirche

29.1.2011
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Kirche. Seiten 147-163.

Anmerkung ETIKA: Bei diesem Kapitel erinnern wir an den Ausspruch Savonarolas (vor Luthers Reformation!): „… welches die katholische Kirche sei, darüber sind die Theologen verschiedener Meinung…“, zitiert in dem Büchlein von Rainer Lechner: Christen seid alle eins! 3. Reformation von A bis Z. www.bod.de, 2008, S. 14. www.libri.de

Kirche.

Ohne die katholische Kirche würde die Menschheit verwildern.

Die Hunde der Kamtschadalen sind zahm und folgsam, gutmütig und anhänglich, so lange sie im Winter unter der Zucht ihres Herrn stehen. Im Mai überläßt man sie ihrer Freiheit, und von nun an streifen sie herrenlos im Lande herum, werden reißende Ungeheuer, der Schrecken der übrigen Tiere. Können sie nicht Landtiere genug erlegen, so gehen sie an die Flüsse und fangen mit vieler Geschicklichkeit Fische. Ebenso würde die Menschheit verwildern und ein moralisches Ungeheuer werden, wenn sie nicht unter der Aufsicht und Erziehung der Kirche stünde. Ohne Kirche, Papst, Bischöfe, Pfarrer, christliche Eltern, christliche Obrigkeiten würden die Menschen nur nach sinnlichen Gelüsten streben und in Lieblosigkeit, Neid, Haß, Ungerechtigkeit und Zügellosigkeit dahin leben. Man sieht es bestätigt an Menschen, welche das Joch der Kirche abschüttelten, und an solchen, welche entweder keine Eltern hatten, oder schlecht erzogen wurden und in keine Kirche gehen. Sie sind ausnehmend schlecht vor Anderen.

Die katholische Kirche ist die sicherste Führerin in den Wissenschaften.

Die Kirche verbietet nicht das Forschen in den Wissenschaften; aber wer sich in den Fächern des menschlichen Wissens nach Unterricht, Kenntniß und Bildung umsieht, muß Sorge tragen, daß er nicht am Glauben Schiffbruch leide; was bei Medizinern, Rechtsgelehrten und Naturforschern leicht möglich ist. Um nicht von der Wahrheit abzuirren, muß man die Lehre der katholischen Kirche, welche unfehlbar ist, festhalten und die weltlichen Bücher, Lehren und Aussprüche daran prüfen. Was der Kirche widerspricht, ist auch nicht wahr; das glaube nicht, solche Menschen höre nicht, solche Bücher lese nicht.

Man muß hierin die Klugheit der Raupen nachahmen. Einige wohnen bei Tage in Nestern und gehen das Nachts ihrer Nahrung nach, wobei sie ihren Weg mit seidenen Fäden bespinnen, so daß die Nachfolgenden gleichsam auf Teppichen wandeln. Alle Wege zu ihrem Neste sind mit solchen Fäden belegt und diesem Pfade folgen sie auch, um den Rückweg zum Neste zu finden, wie viele Windungen sie auch gemacht haben mögen. Was diesen Tieren der seidene Faden, das ist dem denkenden und forschenden Menschen, welcher nicht irren und das ewige Leben verlieren will, die Lehre der katholischen Kirche. Nur der katholische Christ kann sich an der Hand seiner Mutter, der katholischen Kirche, sicher in den Wissenschaften umsehen, ohne Gefahr zu laufen, von der Wahrheit abzuirren.

Der Banianenbaum ein Bild der katholischen Kirche.

Der Banianenbaum oder bengalische Feigenbaum ist vom Schöpfer zum Bilde der katholischen Kirche eigens erschaffen. Er ist ein Riese im Pflanzenreiche, wird zwar nur dreißig Fuß hoch, aber desto riesenartiger ist seine Breite. Hat der Stamm etwa zehn Fuß Höhe erreicht, so treibt er nach allen Richtungen die horizontalen Äste etwa zwölf Fuß lang; diese Äste senken an ihren Spitzen fadenähnliche Zweige zum Boden, welche einwurzeln und als eigene Bäume wieder in die Höhe treiben. So entsteht um den ersten Stamm, um die Mutter, eine Menge von Kindern, die einen gewaltigen Wald mit Laubgewölben und Gängen bilden, den Boden weit und breit überziehen und alle miteinander in Verbindung stehen. Wie wunderbar sind Gottes Werke. Der wunderbare Baum ist seit Jahrtausenden den Indern heilig. Uns ist die Kirche heilig, von der dieser Baum ein Bild ist. Der Papst ist der Stamm, die Mutter, die Bischöfe mit ihren Bistümern, die Pfarrer mit ihren Kirchspielen sind die Kinder; alle hängen mit dem Papst durch denselben Glauben, durch Gehorsam und Unterwürfigkeit zusammen; durch die Pfarrer und Bischöfe bilden alle Christen mit dem Papste ein Ganzes, das Himmelreich. Wie wunderbar ist dieses Werk Jesu! (Anmerkung ETIKA: Wenn der Papst – wie oft - ein Schurke ist, stimmt das Bild nicht mehr, und der Vergleich Ehmigs mit dem Himmelreich ist nicht nur übertrieben, sondern falsch. Denn die Gleichstellung der Kirche mit dem Himmelreich bezieht sich auf die Zukunft, nicht auf die sündige Amtskirche mit ihren teils verbrecherischen Angehörigen, die entgegen der Mahnung des Apostels Paulus nicht ausgestoßen werden.)

Die katholische Christenheit bildet ein Ganzes.

Die katholische Kirche gleichet einem Buche, worin viele hundert Blätter fest beisammen liegen und eine Lage haben, wenn sie mit dem Faden durchzogen sind. Ist aber ein Blatt nicht vom Faden durchzogen, das ist wohl auch scheinbar eingebunden, es bleibt darin, so lange der Leim hält. Nach der Zeit fällt es doch heraus, es haftet nicht fest, es stand auch schon früher von den übrigen vor und kündigte dadurch seine Lockerheit an. So die katholischen Christen. Alle vereint sie die christliche Religion und der Glaube daran. So viele ihrer durch den Glauben und Gehorsam vereint sind, die machen ein Ganzes, wie ein Buch. Doch solche, die den Glauben nicht haben, scheinen wohl einstweilen noch mit dem Ganzen zusammen zu hängen; allmählich aber unterscheiden sie sich durch ihre verkehrten Ansichten, fallen entweder von selbst ab, oder werden von der Kirche ausgeschlossen.

Die Kirche Christi durch ihre vier Merkmale kenntlich.

Christus hat seiner Kirche vier Merkmale gegeben: Einheit, Allgemeinheit, Heiligkeit und Apostolizität. Wo irgend eine Kirche diese vier Merkmale nicht alle an sich hat, diese ist nicht die wahre Kirche Christi. Diese Merkmale sind wie das Signalement in einem Passe, worin die Person beschrieben ist. Passet die Personsbeschreibung auf den Vorzeiger des Passes, so ist er der rechte Inhaber; wo nicht, so ist er eine falsche Person und wird von den Behörden zurückgewiesen. (Anmerkung ETIKA: Unseres Erachtens weist anno 2010 keine einzige Kirche alle vier Merkmale auf.)

Die Hirten der Kirche müssen zusammenhalten.

Ein Haselstock hat zwar auch einige Festigkeit, auch dient er den Leuten zur Stütze im Gehen; er läßt sich aber doch biegen und noch leichter übers Knie brechen, auch von schwachen Händen; aber ein Bund von dreißig Stöcken, festgeschnürt, ist nicht zu biegen und von den stärksten Händen nicht zu brechen. Diesen gleichen die Bischöfe. So lange sie nach dem alten kanonischen Rechte unter dem Erzbischof standen und sich mit diesem in Gemeinschaft mit ihren Priestern in Synoden versammelten: da waren sie stark für Gott, für die Kirche und Religion. Als sie aber dem Ansinnen unchristlicher Regenten zu Folge diesen Verband löseten, jeder für sich selbst regierend, da wurden sie in der Hand der Regenten biegsam, die Kirche ward geknechtet, sie ließen sich widerrechtliche Anordnungen gefallen, wie das Placetum regium, und ließen die kirchlichen Rechte schmälern.

Die katholische Kirche ist eine Monarchie. (Anmerkung ETIKA: keine Demokratie!)

Christus hat seiner heiligen Kirche eine monarchische Regierungsform gegeben. Der Monarch ist nicht nur der Höchste im Staate, er regiert unabhängig und uneingeschränkt; zieht er auch seine Minister, Räte und Statthalter zu Rate, so entscheidet er dennoch willkürlich. So ist es in der Kirche. Der Papst ist Monarch, er ist die höchste Person; er besitzt die höchste Gewalt uneingeschränkt; er hängt im Gebrauche derselben von keinem Bischofe, selbst nicht von den Kirchenversammlungen ab; denn er ruft die Bischöfe zusammen; er bestätigt oder verwirft die Beschlüsse derselben, und erst nach seiner Bestätigung erlangen sie verbindende Kraft. (Anmerkung ETIKA: Die Päpste Wojtyla und Ratzinger haben ihre höchste Macht dazu missbraucht, die Kinderschänder nicht auszuschließen, sondern in der Kirche zu belassen.)

Die weltliche Obrigkeit soll Jene strafen, die sich der Kirche widersetzen.

Der Papst hatte im Jahre 1148 am 22. März die Bischöfe zu einem Concilium in Rheims versammelt, um über einige Irrlehren zu richten. Es wurde auch Eon de l´Etoile, der sich als Richter der Lebendigen und Toten ankündigte, und der Bischof Gilbert vorgeladen. Dieser fügte sich dem Ausspruche der Kirche, legte seine Irrtümer ab und regierte ruhig seine Kirche bis zu seinem Tode. Den Eon hielt der Papst für mehr unglücklich als strafbar; er vertraute ihn der Wachsamkeit Sugers, des Landesregenten, an, der ihn für den Rest seiner Tage einsperren ließ. Einige seiner Schüler, die zu predigen fortfuhren, wurden den Flammen überliefert. So sollen es alle Regenten mit Irrlehrern machen, dies ist ihre heilige Pflicht. (Anmerkung ETIKA: ohne Kommentar)

Für die katholische Kirche spricht ihr Alter.

Die katholische Kirche kann durch die Reihenfolge ihrer Hirten von Jahrhundert zu Jahrhundert hinauf steigen bis zu Christus. Dieses Vorrecht haben die Protestanten nicht. Vor Luther und Calvin gab es weder Lutheraner, noch Calviner. Man zählte Jahrhunderte auf Jahrhunderte, wo man von ihnen noch nichts wußte; ihr Geburtstag zeugt gegen sie. Ein refomierter Prinz, der für einen gewissen katholischen Priester sehr eingenommen war, besuchte einst dessen Kirche. Er staunte über die Pracht und ihren Glanz und konnte sich nicht enthalten, zu bekennen, daß die katholischen Kirchen die Tempel der Protestanten, worin man nur nackte Mauern finde, weit überträfen. Das ist wahr, sagte der katholische Priester, aber Euere Hoheit wollen gnädigst bedenken, daß die Katholiken mehr Zeit gehabt haben, ihre Gotteshäuser zu schmücken, als Ihre Glaubensgenossen; somit ist es nicht zu verwundern, daß sie auch weit besser mit Hausgeräten versehen sind.

Teil II

Die Göttlichkeit der katholischen Kirche hat Gott durch Wunder bewiesen.

Der heilige Gregorius Thaumaturgus versetzte einen Berg, der ihm im Baue einer Kirche im Wege stand, ins Meer. Franz de Paula machte bei einem Kirchenbaue einen ungeheuren Steinblock so leicht, daß ihn Ein Mauerer regieren konnte. Der heilige Augustin streckte einen Balken, der für die zu bauende Kirche zu kurz war, und gab ihm die gehörige Länge. Dunstan drehte eine fehlerhaft gebaute Kirche in ihrem Fundamente so herum, daß sie nach Aufgang zu stehen kam. Als Montfort sein Lager abbrach, zündeten die Soldaten ihre Reisighütten an; alle brannten, nur das Zelt nicht, worin der Feldkaplan Messe gelesen, obschon es nur einen Schuh von den übrigen entfernt war. Da diese Wunder alle von katholischen Männern gewirkt wurden, so zeigt Gott damit, daß die katholische Kirche und nur sie allein die göttliche sei, weil die Ketzer noch nicht Ein Wunder aufzuweisen haben, das einer der ihrigen gewirkt hätte.

Die Kirchen oder Gotteshäuser der Katholiken stehen bei Gott in großer Hochachtung.

Karl der Große baute sehr viele Kirchen, unter andern eine zu Aachen, welche er der Mutter Gottes widmete. Der römische Papst, Leo IV., weihte sie in höchst eigener Person, wobei ein Wunder geschah. Zu größerer Verherrlichung des heiligen Werkes wollte Leo, daß ihm gerade so viele infulirte Bischöfe und Prälaten beistehen sollten, als es Tage im Jahr gibt, nämlich dreihundertfünfundsechzig. Da aber zwei Prälaten fehlten, so gingen zwei Bischöfe, Monulphus und Gendulphus aus ihren Gräbern hervor, assistirten dem Papste bei der Kirchenweihe, und begaben sich nach beendeter Feierlichkeit und nach erhaltenem apostolischen Segen wieder in ihre Gräber. Daraus ist zur Genüge abzunehmen, daß die katholischen Kirchen bei Gott in hohem Werte stehen.

Die katholische Kirche ist die wahre Kirche Christi, durch ein Wunder bewiesen.

Zur Zeit des ketzerischen Königs Heinrichs VIII. von England gab ein gelehrter Mann, Johann Traversius, im Jahre 1535 eine Schrift in Druck, worin er beweiset, daß der römische Papst der Statthalter Christi und das Oberhaupt der Kirche sei und nicht der König. Heinrich, der seinen Untertanen geboten, ihn für das Oberhaupt zu halten und als solches zu ehren, zog den Traversius vor Gericht. Dieser läugnete nicht (Anm.: damals so geschrieben), sondern hob die Hand in die Höhe und sprach: Mit diesen Fingern habe ich es geschrieben. Man marterte den Mann vielfach, endlich mußte der Henker seine rechte Hand abhauen und ins Feuer werfen; aber siehe, es verbrannte die ganze Hand, bis auf die drei Finger; während sie zur Asche wurde, konnten die drei schreibenden Finger nicht zerstört werden. Surius de Joan. Travers. Theologia in Hybernis.

Außer der katholischen Kirche kann man nicht selig werden.

Ein adeliger Jüngling aus Schottland, der Wilhelm Elfinston hieß, ein Verwandter des Königs Jakob, war im Protestantismus erzogen und hing eifrig seiner Sekte an, bis die göttliche Gnade ihn erleuchtete und er erkannte, daß er im Irrtum sei, worauf er sich nach Frankreich begab, wo er durch den Beistand eines frommen schottischen Jesuiten, aber noch weit mehr durch die Vermittlung der allerseligsten Jungfrau dahin gelangte, die Wahrheit zu erkennen, worauf er dann seine Irrtümer abschwor und katholisch wurde. Eines Tages sah ihn einer seiner Freunde sehr betrübt, er fragte ihm um die Ursache hievon, worauf Wilhelm ihm erzählte, daß die letzte Nacht seine verstorbene Mutter ihm erschienen sei und zu ihm gesagt habe: Es ist ein Glück für dich, mein lieber Sohn, daß du zur wahren Kirche zurückgekehrt bist; denn siehe, ich bin im Irrtum gestorben und verdammt worden. Von jener Zeit an wurde seine Andacht zu Maria noch weit größer, er wählte sie zu seiner Mutter, worauf dieselbe ihm den Gedanken eingab, in ein Kloster zu gehen. Er wurde Jesuit und starb bald darauf selig im Herrn.

Die Kirche hat einen wohltätigen Einfluß auf die Rechtspflege genommen.

In alten Zeiten war die Blutrache üblich; wurde ein Verbrecher vor den Richter gebracht, so war dieser eben nicht sehr gewandt, denselben zum Geständnis zu bringen. War die Wahrheit auf dem gewöhnlichen Wege nicht zu ermitteln, so ließ man Gott entscheiden. Daher der Zweikampf, die Feuerprobe, die Probe des wächsernen Hemdes, die Kesselfange, die Wasserprobe, die Kreuzprobe. Erst die allgemeine Einführung des Kirchenrechtes schwächte die Gottesgerichte und zeigte den Richtern, den Verbrecher so lange hin und her zu fragen, bis er selbst sich in seinen Antworten verwickelte, sich widersprach und gestand.

Die Ketzer selbst gestehen, daß die katholische Kirche selig mache.

Selten ist ein Ketzer zur heiligen Kirche zurückgekehrt. Beza ist ein Beispiel davon. Von Gewissensbissen ganz verwirrt wendete er sich an den heiligen Franz von Sales und sprach: Sie haben mich gefragt, ob man in der katholischen Kirche selig werden könne? Wir sind allein; Ihnen kann ich meine wahrhaften Gesinnungen sagen: Ja, ich glaube, daß man darin selig werden kann. – Als der Herzog von Braunschweig zur katholischen Kirche zurücktreten wollte, fragte er die Ketzer, nämlich die Helmstädter Theologen (Anmerkung ETIKA: in Helmstedt war früher eine Universität, die in den dreißiger Jahren aufgelöst wurde; eine Zeitgenossin (89) erinnert sich noch an die Feiern der meist aus begüterten Häusern stammenden Burschenschafter, etliche davon mit Schmiss), ob man solches nach protestantischen Grundsätzen auch mit gutem Gewissen tun könne? Die Antwort war: Die katholische Kirche habe die wahre Erblehre der Apostel, die wahre Einrichtung nach Christi Anordnung und die wahren Priester durch ununterbrochene Reihenfolge von den Aposteln her. (Anmerkung: Die Stefani-Kirche, in der die Zeitgenossin getauft und konfirmiert wurde, gehört zu den schönsten Kirchen, die der Betreiber dieser Web-Seiten kennt; mit ihrem dunklen Holz und den vielen Gemälden ist sie von der Würde und Pracht ihrer Ausstattung nicht von einer katholischen Kirche zu unterscheiden, war sie doch ursprünglich katholisch.)

Den Bau einer Kirche hindern straft Gott.

Der heilige Pachomius bekam vom Bischof einen Platz zu einem Kloster. Als der heilige Mann sich beeilte, das Kloster und die Kirche zu Stande zu bringen und Alles mit einer Mauer zu umgeben, kamen des Nachts einige boshafte Menschen, die der Neid des Teufels verblendet hatte, und rissen nieder, was er aufgebaut hatte. Allein die Strafe für ihre Bosheit blieb nicht lange aus; denn als der Greis seine Jünger zur Geduld ermahnte und jene Bösewichte wiederkamen, wurden sie vom Engel des Herrn verbrannt und wie Wachs im Feuer vernichtet. Die Brüder stellten die Gebäude wieder her, das Pachomius mit Mönchen besetzte.

In der Kirche soll man nicht schwätzen.

Der heilige Johannes der Almosengeber ließ das Schwätzen in der Kirche durchaus nicht zu, sondern er wies einen solchen vor den Augen Aller hinaus, mit den Worten: Wenn du hieher gekommen bist zum Gebete, so suche damit deinen Geist und Mund zu beschäftigen; wenn aber nur zum Schwätzen, so steht geschrieben: Das Haus Gottes soll ein Bethaus sein; du sollst also keine Räuberhöhle daraus machen. (Anmerkung ETIKA: Das sollten auch etliche Besucher der Gottesdienste in der ..kirche beachten. Noch mehr aber sollten die Pfarrer aufhören, die Anwesenden im Gottesdienst aufzufordern, für irgendwelche gesanglichen Leistungen oder Theaterspiele Beifall zu klatschen. Dadurch werden die Würde des Gotteshauses beeinträchtigt und die Gläubigen in ihrer Andacht gestört. Ein Gotteshaus ist nämlich zur Ehre Gottes erbaut worden und nicht zur Ehre sündiger Menschen.)

Verunehrung der Kirchen straft Gott.

Im Jahre 1292 starb der heilige Albert und wurde in der Kirche begraben. Als noch in demselben Jahre Sizilien mit Krieg überzogen wurde, lagerten Ritter samt ihren Pferden in der Kirche, wo der Leib des heiligen Albert ruhte. Nachdem sie Alles im Gotteshause niedergerissen hatten, machten sie sich auch daran, das Grab des Heiligen zu verwüsten. Wie groß war aber ihr Staunen, als sie im Grabmale den heiligen Albert auf seinen Knieen erblickten, gleichsam als wollte er zu Gott um Rache schreien für die an seinen Altären angerichtete Verheerung. In der Tat gingen augenblicklich alle Pferde zu Grunde; die meisten Soldaten starben an einer furchtbaren Pest und alle wurden von tödlichen Krankheiten befallen.

Kirchen beschenken ist ein gutes Werk.

Zu einem Goldschmied kam ein reicher Herr und ließ ein goldenes Kreuz mit kostbaren Edelsteinen als Opfer für eine Kirche verfertigen. Der Goldschmied dachte bei sich selbst: Wenn jener vornehme Mann Christo dem Herrn so viel Gold zum Opfer darbringt, soll nicht auch ich meinen Arbeitslohn auf das Kreuz verwenden, damit ihn mir der Heiland wie die zwei Heller der Witwe anrechnet? Daher berechnete er, wie viel er etwa verdienen könnte, und verbrauchte diese Summe zur Verschönerung des Kreuzes. Als nun der Mann das Kreuz nachwog, bevor die Edelsteine eingefügt wurden, fand er, daß es im Gewicht zugenommen habe; deswegen ließ er den Goldarbeiter mit harten Drohungen an, ob er das Gold betrügerisch verfälscht habe? Der Goldschmied antwortete: Gott, der allein die Geheimnisse des Herzens erforscht, weiß, daß ich mir nicht solches zu Schulden kommen ließ. Als ich aber sah, daß du dem Herrn eine so große Summe zum Opfer brachtest, da dachte ich mir, meinen Gewinn auch darauf zu verwenden, damit auch ich Anteil an deinem Werke habe, und Christus meine Gabe wie die zwei Heller der Witwe annehme. Hierüber erstaunt, sprach der Reiche zu ihm: Hast du wirklich so gedacht? Als jener bejahte, fuhr er fort: Wohlan, weil di solche Gesinnungen hast, und Gott freiwillig ein Opfer bringend, Teil an meinem Werke haben wolltest, so nehme ich dich von dieser Stunde an als meinen Sohn auf und setze dich zum Erben meiner Güter ein. Nach diesen Worten nahm er ihn in sein Haus und vermachte ihm sein ganzes Vermögen.

III

Protestantische Kirchen soll man nicht besuchen.

Orono, der Penobscot-Häuptling, blieb immer seinem katholischen Glauben treu, er mochte im Wigwam und Urwald, oder im Kriegslager, unter seinen katholischen Landeskindern im Walde, oder in Gesellschaft der protestantischen Engländer sein. Wenn er, was häufig geschah, eingeladen wurde, protestantische Bethäuser zu besuchen, pflegte er zu sagen: Wir kennen unsere Religion und lieben sie; von euch und der eurigen kennen wir nichts. Und er war nicht zu bewegen, eine Kirche der Irrgläubigen auch nur zu betreten.

Die Einigkeit der katholischen Kirche ist ein Beweis ihrer Göttlichkeit.

In Ostindien predigen die verschiedenen protestantischen Sekten den Heiden und Muhamedanern, aber ohne Erfolg. Die Mannigfaltigkeit der Religion der Protestanten bringt die Heiden auf den Verdacht, die Protestanten seien im Allgemeinen ohne Religion. Dies ist das große Hindernis ihrer Bekehrung zum Protestantismus. Sie pflegten einstimig zu sagen, sie würden vom Christentum besser denken, wenn es nicht gar so viele Arten desselben gäbe. Die katholische Kirche ist einig; ein Missionär lehrt, wie der andere, das macht ihr die Gemüter geneigt.

Daß die katholische Kirche die göttliche sei, beweisen ihre Missionäre.

Die Protestanten selbst bezeugen, daß in Ceylon nicht nur ungeheure Anzahlen der Eingebornen zum katholischen Glauben bekehrt worden sind und noch täglich bekehrt werden, sondern auch, daß weder Bestechung noch Zwang sie verführen konnte, ihn abzuschwören. Ihre Anzahl wuchs täglich unter der Verfolgung, sie blieben standhaft in ihrer Anhänglichkeit an den katholischen Glauben, obgleich es bis zum Jahre 1848 nur dreißig katholische Missionäre für den Dienst von vierhundert Kirchen und nahezu zweimalhunderttausend Katholiken gab; sie sind ihrem Glauben standhaft ergeben. Die grausamsten Verfolgungen der Könige von Jaffnapatam konnten den Glauben der katholischen Bekehrten nicht erschüttern, obgleich viele der Neubekehrten in ihrem eigenen Blute getauft, gemartert wurden, nachdem sie die Wassertaufe empfangen hatten. Ihre Reihen mehren sich täglich durch den Beitritt neuer Bekehrter aus den Heiden. Protestantische Schriftsteller bezeugen, daß es den katholischen Missionären gelinge, Treue und Gehorsam ihrer Herzen und Seelen zu gewinnen; während die erfolglosen protestantischen Missionäre nur solche Bekehrte erzielen, welche ihre Religion verspotten, selbst während sie sie dem Namen nach bekennen und welche aus einer protestantischen Predigt hin zum Teufels- oder Götzendienste gehen und sich rühmen, daß sie zugleich Buddhisten und Christen seien. In Ceylon besteht die katholische Religion bereits dreihundert Jahre.

Gott straft einen Feind der katholischen Kirche.

Die russische Regierung verbietet den katholischen Priestern, ihr Reich zu betreten. Den katholischen Priestern ist es strenge verboten, einen russischen Untertan katholisch zu machen; denn jeder Priester, der versucht, auch nur einen Götzendiener zu einem Katholiken zu bekehren, ist mit der Verbannung nach Sibirien bedroht, ein Beispiel von Zwang, wie er zuvor von keinem Regenten ersonnen worden ist. Als Papst Gregor XVI. dem Czar Nikolaus, der zwischen Gott und seinen Untertanen stand, vor die Seele führte, wie er sowohl mit den polnischen, als auch russischen Katholiken verfahren ist, und als er ihn aufforderte, vor dem Richterstuhle Christi mit ihm zusammen zu treffen, starb er nicht lange darauf in einem Paroxismus von Wut und Zorn. Dennoch geht sein Nachfolger, von Allem, was vorausgegangen ist, nicht belehrt, in den Fußstapfen seines Vaters weiter. Aber auch ihn hat schon eine empfindliche Strafe erreicht; es starb zu Nizza sein Kronprinz.

Heldenmäßige Liebe der katholischen Missionäre.

Cyprian Baraza, ein katholischer Missionär, wirkte siebundzwanzig Jahre lang unter den Moxos, in dem südlich von dem portugiesischem Gebiete Mato Grosso gelegenen Lande. Eine Zeit in Vera Cruz krank, lernte er die Weberkunst, um sie unter seinen künftigen Schülern einführen zu können. Er lebte diese siebenundzwanzig Jahre unter einem so unwissenden und barbarischen Volke, daß es nicht einmal Häuptlinge hatte, daß es nur von Raub und Mord lebte, und zum Unterhalt Menschen, statt Tieren jagte. Unter diesen entwürdigten Wilden beschloß dieser Mann von tiefer Gelehrsamkeit und fein gebildetem Geschmack sein Leben zuzubringen, indem er ihre schmutzige Wohnung teilte, alle ihre Launen studierte, ihre Gewohnheiten annahm und sich beinahe zum Zustande eines Wilden herabließ, um sie zur Würde des Christen zu erheben. Und dies Leben führte er aus Liebe zu Gott mehr als ein Vierteljahrhundert lang, bis er am 16. September 1702, im einundsechzigsten Lebensjahre stehend, durch die Baures, die er, in der Hoffnung, sie zu bekehren, aufgesucht hatte, und die durch seinen Tod Christo gewonnen wurden, gemartert ward. Das ist heldenmütige Gottes- und Nächstenliebe.

Wahre heldenmütige Liebe ist nur in der katholischen Kirche zu finden.

Als der katholische Missionär Ortega einst mit einer Schar von Neubekehrten auf einer Ebene zwischen dem Parana und Paraquay reiste, wurden sie von einer jener plötzlichen Fluten überrascht, durch welche die Niederungen Südamerikas bisweilen verwüstet werden. Sie kletterten auf Bäume; aber die Flut stieg höher und höher. Sie waren ohne Nahrung; wilde Tiere und riesenhafte Schlangen, von den Fluten überrascht, stritten mit ihnen um ihre Zufluchtsstätte. Zwei Tage lang schwebten sie zwischen Leben und Tod. In der Mitte der zweiten Nacht bemerkte Ortega einen auf ihn zuschwimmenden Indianer. Aus freiem Antrieb brachte derselbe dem Pater die Kunde, daß drei seiner Katechumenen und drei Christen, welche in den Zweigen eines nahen Baumes hingen, in den letzten Zügen liegen; die ersteren flehten um die Taufe, die letzteren um die Lossprechung. Nachdem er seinen Katechisten, der seinen eigenen Zufluchtsort teilte, fester an den Baum gebunden, an dem er sich nicht länger zu halten vermochte, und dessen Beichte gehört, sprang Ortega in die Flut. Ein Ast verletzte seinen Schenkel und versetzte ihm eine Wunde, die nie wieder heilte, und zweiundzwanzig Jahre offen blieb; aber er schwamm weiter, taufte die drei Indianer und sah sie nacheinander in die Tiefe fallen. Ihr Kampf war vorüber, aber die drei Christen waren noch am Leben. Indem er sie in der Dunkelheit der Nacht und mitten unter dem Rauschen des Wassers zu glühenden Akten der Reue ermahnte, welche er ihnen wiederholte, sah er, wie zwei von ihnen nacheinander von der Flut verschlungen wurden. Er hatte Alles getan, was die christliche Liebe eingeben oder der Heldenmut ausführen konnte, und kehrte dann zu seinem eigenen Baume zurück, gerade zu rechter Zeit, um seinen Katechisten bis an den Hals im Wasser zu finden. Indem er ihn mit einer letzten Kraftanstrengung auf einen höhern Ast hob, wachte er mit ihm die übrigen Stunden der Nacht hindurch. Am Morgen sank die Flut und die Überlebenden setzten ihre Wanderung fort. Er war aber nur Einer aus einer großen Schar eben so tapferer Kämpfer, welche einander an grenzenlosem Eifer und unerschöpflicher Liebe so ähnlich waren, daß man sie alle schildert, wenn man Einen beschreibt.

Anmerkung ETIKA: Genug Stoff zur Meditation, Schluss für heute. Am besten sich nachts im Traum in die Lage der vom Wasser Eingeschlossenen versetzen.

IV

Die Verfolger der Kirche von Gott mit dem Tode bestraft.

Kaiser Konstans war der arianischen Ketzerei zugetan. Da er wußte, daß Papst Martin dem Umsichgreifen der Ketzerei Widerstand leistete, sandte er einen hohen Beamten, Namens Olympius, nach Rom, mit dem Auftrage, den Papst entweder gefangen zu nehmen oder zu töten. Olympius hielt es wahrscheinlich des Volkes wegen nicht für ratsam, offene Gewalt zu brauchen; darum gab er einem Diener den Auftrag, ihn heimlich aus der Welt zu schaffen; dieser behauptete aber, er habe den Papst plötzlich nicht mehr gesehen, als er sein Vorhaben ausführen wollte. Olympius mußte schnell nach Sizilien ziehen, wo die kriegerischen Araber eingefallen waren. In einem Treffen mit denselben wurde er geschlagen und schwer verwundet; einige Tage darauf starb er eines traurigen Todes.

Die katholische Kirche durch Wunder bestätigt als die göttliche.

Die Pelagianerketzer, welche die Erbsünde und Gnade läugneten, hatten durch die Bischöfe Lupus und Germanikus in England den größten Teil ihres Anhangs verloren. Um ihr Ansehen zu retten, wollten sie sich prächtig gekleidet und von ihren Anhängern umgeben mit den zwei heiligen Bischöfen in eine öffentliche Disputation einlassen. Eine große Volksmenge hatte sich versammelt, um den Streit mit anzuhören. Der heilige Lupus und Germanikus ließen zuerst den Gegnern das Wort, welche ein breites leeres Gerede führten. Nun widerlegten die zwei heiligen Männer mit solcher Kraft und Klarheit die falsche Lehre, daß jene Pelagianer kein Wort zu erwidern wußten und das Volk mit lautem Zuruf der Wahrheit das Zeugnis gab und beinahe Hand anlegte an die Irrlehrer. Nun trat ein angesehener Beamter und dessen Frau hervor und brachten ihr zehnjähriges Mädchen, welches blind war, zu den heiligen Männern mit der Hoffnung und Bitte, daß es durch sie das Augenlicht wieder bekäme. Sie lehnten zuerst die Bitte ab und sprachen, man solle das Kind zu den Irrlehrern führen; diese sollen zeigen, ob Gott mit ihnen sei.

Allein die Irrlehrer hatten schon alles Vertrauen auf sich und ihre eigene Lehre verloren und vereinigten sogar ihre Bitte mit der der Eltern, daß Lupus und Germanikus dem Kinde zu seinem Gesichte helfen möchten. Während nun Alles voll Erwartung war, verrichteten diese ein kurzes Gebet, sodann berührte der heilige Germanikus mit einer Kapsel, worin Reliquien waren, die er am Halse trug, die Augen des Mädchens, und augenblicklich hatte es die Sehkraft erlangt. Die Eltern jubelten vor Freude; das Volk aber wurde durch dieses Wunder so überzeugt von der Wahrheit, welche die beiden Heiligen predigten, daß es mit großem Eifer ihre Lehre annahm.

Die katholische Kirche als die göttliche durch ein Wunder bewiesen

Zu Ostrog in Polen wurde die Tochter eines Edelmannes vom Teufel besessen. Die Eltern waren der calvinischen Ketzerei zugetan. Man bat die dortigen Jesuiten, den Teufel auszutreiben. Es gingen zwei Jesuiten ins Haus und fragten die Prediger, warum sie den Teufel nicht selbst austrieben, da sie die Kirche verspotteten. Sie antworteten: Wenn ihr ihn austreibt, wollen wir eine andere Meinung von euerem Glauben hegen. Der Rektor forderte einen Prediger auf, ein lutherisches Buch der Besessenen aufs Herz zu legen. Da lachte sie und küßte es; da legte der Rektor eine Reliquie auf, da schrie sie vor Schmerz. Ein anderesmal legte er in das ketzerische Buch ein Bild des heiligen Ignatius, da zitterte und heulte sie. Da die Prediger dieses als Zauberei ansahen, so machte ihnen der Rektor den Vorschlag, Gott zu bitten, daß Er den Teufel in jene fahren lassen, deren Glaube falsch sei. Aber sie gingen nicht darauf ein. Am Feste Mariä Lichtmesse wurde die Besessene in die Kirche getragen, wo der Teufel ausfuhr. Groß war das Frohlocken und die Dankbarkeit der Eltern und Tochter, welche Alle zum katholischen Glauben zurückkehrten.

In den Kirchen sind wegen des allerheiligsten Altarssakramentes stets Engel gegenwärtig.

Nachdem die Mönche wegen eines neuen Klosters, genannt Laura, von den Heiden verfolgt und vertrieben worden waren, begab sich der Abt Leontius dahin und blieb daselbst. An einem Sonntage ging er in die Kirche, um das allerheiligste Altarssakrament zu empfangen. Bei seinem Eintritte sah er einen Engel zur rechten Seite des Altares stehen und kehrte, von großer Furcht ergriffen, in seine Zelle zurück. Da hörte er eine Stimme vom Himmel, die zu ihm sprach: Seitdem jener Altar Gott geheiligt ist zur Aufbewahrung des allerheiligsten Sakramentes, bin ich beauftragt, stets bei demselben zu stehen.

Ein Verfolger der Kirche und seine Strafe.

Kaiser Anastasius, welcher die Patriarchen von Konstantinopel, Euphemius und Macedonius, wegen der heiligen Kirchenversammlung von Chalcedon nach Gaita in Pontus verbannt hatte, sah im Schlafe einen vornehmen Mann mit weißen Kleidern angetan, welcher ein geschriebenes Buch in den Händen trug und darin las. Nachdem er fünfmal umgeblättert hatte, las er den Namen des Kaisers und sagte zu ihm: Siehe, wegen deiner Gottlosigkeit lösche ich die Zahl vierzehn aus, und zugleich tilgte er mit dem Finger diese Zahl. Diese bedeutete die Lebensjahre, die ihm Gott geschenkt haben würde, wenn er fromm und rechtgläubig gewesen wäre. Nach zwei Tagen entstand ein fürchterliches Gewitter, und der Kaiser gab unter größter Angst seinen Geist auf, weil er gegen die Kirche unseres Herrn Jesu Christi so treulos gehandelt und die Hirten derselben hilflos ins Elend gejagt hatte.

Kirchenfrevel und seine Strafe.

Dicht über der Stadt Fulda erhebt sich der von den Bewohnern der Stadt stark besuchte Frauenberg, wohl einer der ältesten Orte Deutschlands, den sich die Himmelskönigin zur Wohnung gewählt hat. Hier auf der Spitze dieses Berges schlug der Apostel Deutschlands, der heilige Bonifazius, sein Zelt auf und leitete den Bau des Klosters und der Kirche von Fulda unter seinem Schüler, dem heiligen Sturmius. Ein kleines Kirchlein, nebst Altar, von ihm errichtet, erhob sich bald an der Stelle seines Zeltes und lange Zeit hatte der Berg den Namen Bischofsberg. Als aber im Jahre 809 der dritte Abt des Klosters Fulda, Ratgar, die Kapelle in eine stattliche Kirche verwandelte und zu Ehren Mariä einweihen ließ, erhielt der Berg den Namen Frauenberg, der ihm bis zur Stunde geblieben.

Beinahe fünf Jahrhunderte waren die Benediktiner im ruhigen Besitze geblieben, als der in Schwaben (Anmerkung: Land der Rebellen, Schubart, Schiller usw.) ausgebrochene und durch Martin Luther und seine Gehilfen angeschürte Bauernaufstand seine Alles verwüstenden Haufen auch in die Gegend von Fulda wälzte. Es war am ersten Ostertage 1525, als unter Mord, Raub und Brand der schwarze Haufe, so nannten sich die Aufständischen, zu Fulda anlangte. Die Bürger der Stadt machten leider gemeinschaftliche Sache mit ihnen. Am dritten Ostertage stürmten, plünderten und verbrannten sie die Klöster, wobei das härteste Los den Frauenberg traf, indem sie hier sogar die Gräber aufwühlten, die Gebeine der Toten, darunter die des seit siebenhundert Jahren hier ruhenden Stifters Ratgar, zerstreuten und zuletzt das Kloster und die Kirche in Brand steckten. Doch die Rache des Himmels blieb nicht aus; von den kriegsgeübten Scharen des Landgrafen Philipp von Hessen wurden die verwilderten Bauern, die sich auf dem Frauenberge verschanzt hatten, angegriffen, geschlagen, zerstreut und die Rädelsführer in der Stadt hingerichtet.

Die kirchlichen Hymnen und Gesänge sind von Gott eingegossen.

Der selige Hermann Joseph von Steinfeld dichtete schöne Kirchengesänge mit Melodie. Wie es damit zugegangen, erzählt sein Lebensbeschreiber und Klosterbruder. Als ich einst, erzählt er, mit ihm allein und vertraulich beisammen saß, da hob ich scherzweise an, ihm eine Art Anmaßlichkeit vorzuwerfen, daß er es gewagt, Melodien zu den Liedern zu komponieren; was doch solchen, die der Musik kundig, eine sehr schwierige Aufgabe scheine.  Gezwungen, das kleine Ärgernis wieder gut zu machen, eröffnete er, der von sich schlechterdings keine Unwahrheit zu reden vermochte, die bisher verschwiegene Wahrheit. Nicht ich allein habe die Melodien komponiert, sondern die heiligen Jungfrauen haben mir dabei geholfen, sprach er. Da ich, nachdem sie mir auf die liebreichste und vertraulichste Weise mitgeteilt, was geschrieben werden sollte, um die Melodie verlegen war, da hörte ich, wie ein Chor der Jungfrauen, über mir in der Luft schwebend (Anmerkung: vergleiche die schwebenden Jungfrauen, unter anderen Maria von Mörl in Kaltern/Südtirol), mir die Melodie vorsang, die ich dann den Worten unterzusetzen mich bemühte. Darauf versetzte ich: Das aber scheint doch unglaublich und einem Märchen ähnlich, daß irgend Jemand, wie geschickt er auch sei, einen einmal gehörten Gesang also dem Gedächtnisse einpräge, und ihn auch niederschreibe. Aufgeregt durch diese Worte und bemüht, dem Zweifelnden genug zu tun, löste er nun meine Verwunderung durch noch Wunderbareres, indem er hinzusetzte: So oft es mir begegnete, daß ich ihren Gesang vergaß, und andere Noten niederschrieb, als ich Töne gehört, fingen sie an, die Töne, die ich vergessen, über mir nochmal zu singen. Sie wiederholten das abermal und nochmal und so oft, bis die Klänge sich aufs beste meinem Gedächtnisse eingeprägt und ich nun das Geschriebene verbesserte und was sie mich gelehrt, aufs genaueste niedergeschrieben hatte. Er sang dann seine Lieder dem Bruder vor. Von vielen der älteren Kirchenlieder, die, während so viel Anderes gewechselt und gewandelt, in ihrer Größe, durchdringenden und erschütternden Gewalt, Würde, Schönheit und reizenden Anmut und Lieblichkeit Jahrhunderte hindurch bis zu uns geblieben sind, darf man glauben, daß sie ähnlichen Ursprung in einer vom höheren Geiste hingenommenen Seele gefunden. Selbst Palästrina hat ja bekanntlich von einer seiner besten Kompositionen ausgesagt, daß er sie vorsingenden Engeln nachgeschrieben.

(Anmerkung: Wo sind die meisten dieser herrlichen Kirchenlieder geblieben? Verantwortungslose Kirchenobere haben sie auf teuflische Einflüsterung hin aus den Gesangbüchern herausgenommen und durch oft hässliche, unharmonische moderne Gesänge ersetzt. Ein paar der himmlischen Gesänge haben wir einmal in einer Kirche in Donostia gehört.)

V

Es gibt Zeiten, wo das Sittenverderbniß in der Kirche allgemein wird.

Zur Zeit des heiligen Vinzentius war das Sittenverderbniß allgemein. Zwar hatte König Heinrich die Ruhe einigermassen durch Gottes Beistand in dem Reiche hergestellt; auch die Bischöfe und Vorsteher der Kirche suchten der tief gesunkenen Religion wieder aufzuhelfen; allein das Uebel war zu groß, daß nichts zu genügen schien, alle die Verderbnisse auszureuten, welche durch Ketzerei und Aufruhr eingewurzelt waren; nicht einmal diejenigen, welche bei der Geistlichkeit eingeschlichen waren.

Der Priesterstand kam in solche Verachtung, daß es sich sogar Menschen von geringer Herkunft zur Unehre rechneten, diesem Stande anzugehören. Man kann sich daher leicht denken, wie traurig es bei dem Volke müsse ausgesehen haben, besonders auf dem Lande, wo es dem armen Volke häufig an allem Unterrichte gebrach. Die meisten Landpfarrer waren feile Miethlinge; daher war die Unwissenheit der verlassenen Heerde so groß, daß man von Gott, von göttlichen Dingen, von den Geheimnissen und nothwendigsten Glaubenssachen entweder gar keine, oder nur sehr mangelhafte und verworrene Begriffe hatte.

Die meisten Landleute hatten weder eine Kenntniß von den heiligen Sakramenten, die sie empfangen sollten, noch weniger von der nothwendigen Vorbereitung zum Empfange derselben. Gott weiß, wie es in ihrem Gewissen bei einer solchen Unwissenheit, in der Gott weder gefürchtet, noch geliebt wird, ausgesehen habe.

In den Städten wurde zwar das Wort Gottes vorgetragen; aber weil dieses nur zu oft im breiten, schwülstigen Rednertone geschah, so wurden diese Vorträge dem größeren Theile unverständlich und unnütz, und selbst bei gebildeten Zuhörern war die ganze Frucht derselben ein leerer Begriff ohne innere Salbung, ein gleißendes Licht ohne Wärme. Dieses war also der Zustand Frankreichs, als der heilige Vinzenz geboren wurde.  Wahrhaftig, die Noth und das Elend der Kirche war so hoch gestiegen, daß Gottes Erbarmung für sie besonders ins Mittel treten mußte, damit Sein Werk wahr bleibe: Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.

Gott überläßt manchmal die Kirche auf eine Zeit der Wuth ihrer Feinde, damit Er Seine Vorsehung und Erbarmung durch mächtige Hilfe desto auffallender an den Tag lege. Hiezu bediente Er sich des heiligen Vinzentius (Anmerkung: Vinzenz von Paul) und seiner Sendungspriester.

Von der Lehre der Kirche darf man nicht abweichen.

Kaiser Valens, welcher der Irrlehre des Arius huldigte, wünschte auch den heiligen Bischof Basilius auf seine Seite zu bringen. Die Durchführung dieses seines Planes übertrug er seinem Statthalter Modestus. Dieser begab sich nun auf den Wink seines Kaisers nach Cäsarea und ließ den heiligen Erzbischof zu sich kommen. Mit aller möglichen Zuvorkommenheit empfing der Statthalter den Diener Gottes, behandelte ihn aufs freundlichste und besprach sich mit ihm auf das liebevollste. Indem er sein Gespräch allmählich aufs religiöse Gebiet hinüber lenkte, ermahnte und bat er endlich den mit aller Treue seinem heiligen Glauben ergebenen Bischof, er möchte doch den Forderungen der Zeit nachgeben und nicht mit einer furchtbaren Strenge an dem Buchstaben der katholischen Lehre hängen, da er ja durch diese seine Widersetzlichkeit der guten Sache nur schaden würde. Im Falle er den Wünschen des Kaisers entgegen kommen und auf seine Seite treten würde. Im Falle er den Wünschen des Kaisers entgegen kommen und auf seine Seite treten würde, dürfte er sich der höchsten Huld und Freundschaft seiner kaiserlichen Majestät versichert halten.

Basilius aber trat mit männlichem Muthe und mit der Entschlossenheit eines Kämpfers Christi dem Abgeordneten des Kaisers entgegen und sprach:

Was die Kirche lehrt, das hat sie von Gott empfangen; mit Gut und Blut stehe ich für diese Lehre. Auch nicht Ein Wort, ja nicht Eine Silbe lasse ich aus dieser Lehre hinwegnehmen; als treuer Wächter Gottes will ich dastehen und selbst unter dem Verluste meines Lebens das hinterlegte Gut des Glaubens gegen jeglichen Angriff der Irrlehrer vertheidigen. Gehe hin und sage dieß dem Kaiser. Ich ehre und schätze seine Freundschaft, aber nur dann, wenn sie mit Frömmigkeit gepaart ist; ohne diese letztere hat auch erstere für mich keinen Nutzen und Werth.

Der Statthalter war durch diese Rede tief beleidigt. Er drohte ihm deßhalb mit Verbannung und gab ihm noch Bedenkzeit bis auf den folgenden Tag. Auf dieses erwiederte Basilius:

Dieser Aufschub ist unnöthig; ich werde morgen derselbe sein, wie heute.

Der Statthalter konnte sich nicht erwehren, die Standhaftigkeit des heiligen Bischofs zu bewundern. Unverrichteter Dinge kehrte er nach Hause zurück und berichtete dem Kaiser den Hergang der Sache mit den Worten: Wir sind besiegt. Dieser Mann steht erhaben über alle Drohungen und Versprechungen. Theodoret lib. 4 hist. eccl.

Das überschüssige Kircheneinkommen gehört den Armen.

Der Vater des heiligen Vinzentius dachte: Der Knabe hat Witz und Verstand, es wäre nicht recht, wenn ich ihn zu Hause behielte; ich will es wagen; er muß studiren und ein Herr werden, und zwar ein Geistlicher; vielleicht kann er mir und den Meinigen mit der Zeit unter die Arme greifen und dem armen Hauswesen aufhelfen, wenn er einmal eine gute Pfründe bekommt. Dieß dachte der gute Mann, weil er ein dergleichen Beispiel in seiner Gegend vor Augen sah. Es lebt in der Nachbarschaft ein Geistlicher, der von armen Aeltern war, nachmals aber, als er ein geistlicher Vorsteher geworden, ließ er sich von Fleisch und Blut dergestalt blenden,  daß er die Seinigen mit den Gütern der Kirche bereicherte und ihr armes Hauswesen trefflich emportrieb. Das gefiel Vinzenzens Vater ungemein und er glaubte, so wäre es billig; weil er als ein einfältiger Bauer nicht wußte, daß der Ueberfluß der geistlichen Einkünfte ein Eigentum der Kirche und ein Erbtheil der Armen wäre.

Vinzentius wurde Priester und es würde ihm ein Leichtes gewesen sein, die äußere Lage seiner Verwandten zu verbessern. Er hatte ein überaus theilnehmendes Herz und wußte, daß seine nächsten Anverwandten sich durch harte Arbeit ihren nothwendigen Lebensunterhalt verschaffen mußten. Allein er war weit entfernt, seine Angehörigen von dem zu bereichern, was er als das Erbtheil der Armen und als ein zu geistlichen Zwecken bestimmtes Kirchengut ansah. Auch erinnerte er öfter, daß der Fluch Gottes auf den geistlichen Gütern hafte, wenn sie entweder den Verwandten zugeworfen, oder von diesen an sich gerissen werden. Zum Beweise dessen berief er sich auf jenen Priester.  Die ungeordnete Freigebigkeit desselben gegen seine arme Familie ward von Gott so wenig gesegnet, daß dieselbe, anstatt wohlhabender, vielmehr noch viel elender geworden ist. Wie könnte der Herr Seinen Segen dazu geben, wenn das, was man den Seinigen zutheilt, der Kirche und den Armen entzogen wird! (Anmerkung ETIKA: Später einmal mehr darüber von Savonarola.)

Fortsetzung folgt

VI und Schluß

Macht der Kirche über die bösen Geister bis heute.

Auffallend ist, was mehrere Missionäre aus China berichten. Schon in mehreren Briefen, so schreibt Pater Gonnet unterm 22. Oktober 1849 aus Pune, Provinz Kiangnan, hat man von einer gewissen Art von Besessenen geredet. Man muß gestehen, daß eine gewisse Krankheit, welche alle Chinesen dem Teufel zuschreiben, und die mir natürlich zu erklären schwer scheint, etwas wirklich Sonderbares hat. Sie wird in diesen Bezirken immer häufiger, fast immer begleiten sie dieselben Umstände, furchtbare Erscheinungen, so daß sehr oft in kurzer Zeit ein jämmerlicher Tod erfolgt. Ich habe Personen gesehen, die sehr bald dem Tode nahe kamen, welche kurz zuvor noch in der blühendsten Gesundheit standen. Glücklicher Weise nahmen sie ihre Zuflucht zur christlichen Religion; seitdem hat der Teufel keine Gewalt mehr über sie und die Genesung ließ nicht lange auf sich warten. Das Mittel ist unfehlbar und die Wirkung schleunig, so daß ich bisher noch keine Ausnahme von dieser Regel gesehen habe. Wenn einige Male der Kranke nicht hergestellt wurde, so kam es daher, weil das Übel zu weit vorangerückt und ohne ein wahres Wunder die Heilung unmöglich war; die Erscheinungen aber haben immer aufgehört, sobald der arme Ungläubige seinem Götzendienst entsagte. Welcher Triumph für unsere heilige Religion mitten unter diesem ungläubigen Volke! In diesem Teile der Provinz Kiangnan sagt man laut und überall, daß der Teufel keine Gewalt über die Christen hat und daß man nur die Religion der Europäer annehmen muß, um auf immer von dieser sonderbaren Krankheit befreit zu werden.

Kirchengebote sind so wichtig wie die zehn Gebote Gottes.

In Einsiedel in Nordböhmen ereignete sich Folgendes: Es kam ein Mann, dem das Fastengebot nicht sonderlich gefallen mochte, in das dortige Wirtshaus, und verlangte eine Fleischspeise. Das Fleisch wurde gebracht, zugleich mit einer heilsamen Lehre über das Fastengebot von Seite der Wirtsleute. Doch jener sprach in aufgeklärten Weise: „Ich werde wohl nicht gleich ersticken?“ Sprachʾs, nahm einen Bissen; doch siehe da! Nachdem er den Bissen genommen, sprang er auf, eilte, nach Atem ringend, hinaus ins Freie, und war im nächsten Augenblick – tot; er war erstickt. Diese offenbare Strafe Gottes zeigt, daß Gott die Kirchengebote für ebenso wichtig ansieht, wie Seine eigenen Gebote, nach dem Ausspruche Jesu: Was ihr auf Erden bindet, ist gebunden im Himmel. (Oesterr. Volksfreund. 25. April 1868.)

Ein Beispiel gewissenhafter Beobachtung des vierten Kirchengebotes.

Das Erhabenste, was man in Paris gesehen, war die allgemeine Männer-Kommunion am Ostersonntagmorgen 1868 in der Notredamekirche. In aller Frühe kamen von allen Seiten die Teilnehmer zu Fuß und zu Wagen an. Schon um sieben Uhr war das ungeheuere Mittelschiff von Männern angefüllt und fortwährend kamen sie in solcher Menge an, daß auch das Querschiff und die Seitenschiffe dicht besetzt wurden. Um ein halb acht Uhr begann der Erzbischof eine stille heilige Messe. Alle Männer stimmten das Credo an und sangen es mit freudiger Aufregung bis zum Ende. Jetzt begann die Kommunion. Mehrere Domherren und andere Geistliche standen in dem großen Gang des Mittelschiffes und riefen die langen Reihen Männer an, welche sich, am Eingange des Schiffes beginnend, durch denselben nach der Kommunionbank bewegten, wo sich dieselben nach beiden Seiten abteilten, niederknieten, die heilige Kommunion empfingen und darauf durch die Seitengänge nach ihren Plätzen zurückkehrten. Zwei Stunden lang hatten zwei Priester auf diese Weise vollauf zu tun, um die Kommunion auszuteilen; denn es waren fünf- bis sechstausend Männer, die sich an dieser erhabenen Kundgebung ihres christlichen Glaubens beteiligten; gegen voriges Jahr wenigstens tausend mehr. Alle Stände, jedes Alter waren vertreten; Vornehme und Gebildete, Schriftsteller und Künstler, Adel und reiche Geschäftsleute, Beamte jeden Grades waren da zwischen bescheidenen Arbeitern und sonstigen kleinen Leuten; auch das Militär war vertreten durch ein Dutzend Uniformen. Während der Kommunion wurden Hymnen gesungen und zum Schluß sprach Pater Felix, der berühmte Kanzelredner, ein paar Worte der Aufmunterung und der Hoffnung. Es war gerade ein Viertel nach zehn Uhr, als die letzten Männer sich in der Kommunionbank niederknieten und die feierliche Handlung ein Ende nahm, worauf um halb elf Uhr das Hochamt beginnen konnte. – So eifrig erfüllt man in Paris das vierte Kirchengebot, wo man im Jahre 1793 in derselben Kirche eine nackte Dirne als Göttin der Vernunft verehrte und das Christentum mit Unmenschlichkeit abzuschaffen strebte und wo es noch bis heute viele Freidenker gibt. Schämet euch eueres göttlichen Glaubens nicht. (Pilger 1868, Nro. 14.)

Kirchenraub straft Gott zuweilen schon auf Erden.

In Bilbao in Spanien ist ein wundertätiges Bild der Mutter Gottes. Im Jahre 1523 hat es ein Dieb bestohlen. Er ging mit dem Raube vor einer Schafherde vorbei; da brach der Widder heraus und ließ ihn nicht vorüber. Er schlug einen andern Weg ein und traf auf eine Rinderherde; da kam der Stier heraus und stieß ihn nieder, daß er nicht weiter konnte. Er nahm jetzt seinen Weg durch ein ihm gut bekanntes Wäldchen, fand es aber so verwachsen, daß er nicht hindurch kam, sondern sich ermüdet niederlegte. Unterdessen läuteten in der beraubten Kirche die Glocken von selbst; die Leute liefen zusammen, fanden sie ausgeraubt, suchten den Räuber, fanden ihn im Walde im Gebüsche versteckt, zogen ihn ein und führten ihn zur verdienten Strafe.

Kirchenraub straft Gott mit ewiger Verdammniß.

Wilhelm, König von England, mit dem Zunamen: der Rothschädel, hat ums Jahr 1100 einen elenden Tod genommen. Er war ein Kirchenräuber. Als er sich auf der Jagd befand, befahl er dem Kavalier Walther Tyrell, auf einen Hirsch zu schießen; der Pfeil prallte aber ab und traf den König, der augenblicklich tot niederstürzte. Es war in der Nähe ein armer Kohlenbrenner, mit einem Pferde und Karren; dieser mußte die königliche Leiche führen, die bald so schwarz war, wie die Kohlen.. Als sie mitten durch Koth fuhren, brach der Karren zusammen und die Leiche lag bis über die Ohren im Morast und Koth. Zu derselben Stunde sah der Graf von Northumbrien ebenfalls auf der Jagd einen schwarzen Gaisbock, worauf der König saß. Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit beschworen, zu sagen, was das bedeute, sagte der Bock: Ich bin der Teufel aus der Hölle und führe den rothköpfigen König Wilhelm vors Gericht. Die Ursache seines zeitlichen und ewigen Unterganges war nach Matthäus Parisiensis keine andere, als der Raub an den Kirchengütern.

Kirchenraub wird von Gott verrathen.

Drei boshafte Diebe stiegen des Nachts in die Kirche des heiligen Vinzentius von Paula beraubten sie. Als sie herauswollten, konnten sie den Ausgang nicht finden. Als sie die halbe Nacht herumgeirrt waren, hob sich einer mit vieler Mühe am Gitter des Chores in die Höhe, fiel aber so unglücklich herab, daß er mit dem Fuße im Gitter stecken blieb und mit dem Kopfe herumhing. Der andere gerieth bei dem Herumtappen auf das Grab des heiligen Vinzentius, wo es viele Ketten und Fußeisen der Gefangenen  gab, die der Heilige freigemacht; darin verwickelte er sich und blieb wie gefesselt hängen. Der dritte berührte und zog bei seinem Herumtappen den Strang des Sakristeiglöckchens, welches läutete und die Mönche weckte, welche in die Kirche eilten und die Räuber erwischten.

Kirchenraub von Gott bestraft.

Eduard III., König von England, bekriegte Schottland, mordete, plünderte und raubte auch die Gnadenkapelle Unserer Lieben Frau gänzlich aus, wurde aber dergestalt von der göttlichen Gerechtigkeit gezüchtiget, daß alle Schiffe, die etwas von dem geraubten Kirchengute in sich hatten, zu Grunde gingen. Ein Soldat, welcher dem Gnadenbilde der Mutter Gottes eine Kette vom Halse gerissen und  damit geprahlt, wurde von einem großen hölzernen Kreuzbilde, das in der Mitte der Kirche hing und herabfiel, totgeschlagen. Dieß geschah im Jahre 1355.

Ende des Kapitels

Anmerkung: Um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern, schreiben wir statt gutmüthig gutmütig, statt Thiere Tiere, statt Bisthümer Bistümer, statt sammt samt, statt Loos Los, statt komponiren komponieren und dergleichen. Manchmal belassen wir die Originalschreibeweise.

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