ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

www.etika.com

18b8kitz

Kitzel. Klagen. Kleider. Klima. Klingelbeutel.

5.4.2011
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Klima. Klingelbeutel. Seiten 164-167.

Kitzel.

Wirkung der Steine auf Sonnambule.

Wenn man der Seherin von Prevorst einen Schwerspath in die Hand legte, so erweckte er in ihr einen Kitzel zum Lachen, der durch Reiz der Zwerchfellsnerven zu einem konvulsivischen Lachen und einer beständigen unwillkürlichen Bewegung der Zunge sich steigerte. Dasselbe geschah, wenn man das Wasser, worin dieser Stein kurze Zeit gelegen, an ihren Mund brachte.

Klagen.

Klagen der Ungeduld

Der heilige Petrus von Mailand, der in den Tagen Innocenz´ IV. ein gewaltiger Verkündiger des göttlichen Wortes gewesen, lebte im Kloster in großer Heiligkeit, von öfteren Erscheinungen heimgesucht. Einst waren ihm in einem solchen freundlichen Gesichte die heilige Agnes, Katharina und Cäcilia erschienen und er sprach mit ihnen und hörte ihre Antworten.

Da geschah es, daß von Ungefähr ein Geistlicher des Klosters an seiner Zelle vorüberging; er hörte in derselben Frauenstimmen, trat näher hinzu und sah nun durch eine Ritze drei auf´s schönste geschmückte Frauen mit Peter im freundlichsten Gespräche. Voll Erstaunen und Entrüstung läuft der Augenzeuge solchen Greuels sofort zum Vorgesetzten und mit den Worten: Da haben wir den Gleisner, der sich immer so sauber und rein gemacht; jetzt ist seine lange verborgene Scheinheiligkeit entdeckt; sogar in seine Zelle hat er sich unterstanden, Frauen aufzunehmen und belustigt sich ohne Scheu mit ihnen, – eröffnete er dieses dem Prior.

Dieser erzürnt, berief den Convent, um zu berathen, was mit dem Ordensschänder anzufangen sei; einstimmig wurde beschlossen, den Verbrecher einige Tage einzusperren, dann aber wo anders hin in die Pönitenz zu schicken. Ohne ihn weiter zu hören, wurde das Urtheil vollzogen; er wurde mit Schmach und Spott eingesperrt, mit Hunger und Durst gepeinigt; endlich in jenen Ort abgeführt, um dort elendiglich zu leben. Petrus schwieg und nahm Alles mit Demuth und Gehorsam hin; nur vor dem Cruzifixe klagte er dem Herrn seine Noth und fragte Ihn, was er doch verschuldet habe, daß es ihm so gehe? Ihm antwortete Christus: Was habe denn ich verschuldet, daß sie mich also geschlagen, zerfetzt und getödtet haben? Er, getröstet, duldet nun fort, bis seine Unschuld durch andere Erscheinungen sich entdeckt und er wieder in Ehren zurückgerufen wird. Man hat dieses Ereigniß in Como in dem Zimmer, wo die Erscheinung eingetreten, gemalt, und jenes Crucifix zum Andenken daran aufgestellt. So antwortet Jesus Jedem, der in seinen Leiden ungeduldig wird, murret und klaget.

Kleider.

Wir sollen nicht auf Kleider stolz sein.

Es ist eine große Thorheit, auf Kleider, und überhaupt auf körperliche und zeitliche Güter sich etwas einzubilden. Schönheit – wie kurz ist die Jugend, wie bald sind rothe Wangen verblüht, gerade Glieder entstellt! Reichthum, wissenschaftlicher Ruhm, Titel, Ehren, Würden, wie lange muß man sammeln, wie kurze Zeit freut man sich ihrer, so kommt der Tod! wenn sie ja bis zum Tode uns bleiben. Körperliche, zeitliche Vorzüge sind so hinfällig, wie die Pracht des Schmetterlings. Er lebt nur wenige Tage, legt Eier und stirbt; manche sterben bei kalter Witterung schon eher. Nebel und Thau machen ihre Flügel weich, so daß sie nicht fliegen können; Regen und Wind reißen ihnen die Federschüppchen von den Flügeln ab, was ihnen das Fliegen erschwert und wenn das Alles auch nicht geschieht, so bleichen Sonne und Luft ihre Farben, so daß der Schmetterlinge Pracht gar nicht von Dauer ist. Ein Bild aller irdischen Vorzüge des Menschen. Suche daher Seelengüter, Kenntniß der Religion, Glauben, Liebe, die heiligmachende Gnade, gute Werke; solches schmückt, ziert und ehrt vor Gott und Menschen und bleibt in Ewigkeit.

Kleiderluxus und Hoffart von Gott gestraft.

Am 8. Dezember 1863 verbrannten in San Jago, der Hauptstadt Chilis, mehr als zweitausend Menschen in der Kirche. Es waren über dreitausend Frauen und einige Hundert Männer, alle aus angesehenen Ständen, versammelt. Der Gottesdienst hatte begonnen. Da fingen die Vorhänge und Verzierungen von den Kerzen, die unter dem Bilde der heiligen Jungfrau brannten, Feuer. Im Nu stand das ganze Gotteshaus in einem Feuermeer. Nun folgte eine schreckliche Szene. Viele Männer, die sich rasch und rücksichtslos durch die Masse der Frauen Bahn brachen, konnten ihr Leben retten, den Frauen aber ging es entsetzlich. Durch ihre bauschigen Kleider hinderten sie sich gegenseitig am Entfliehen, darum gelangten nur einige Hunderte in´s Freie! Von der Decke des Gebäudes fiel eine wahre Feuergarbe auf ihre leicht brennbaren Kleider herab; eine zündete die andere an. Innerhalb einer Viertelstunde verloren ihrer mehr als zwei Tausend das Leben. Die unter den Trümmern hervorgezogenen halb verbrannten Leichen wurden auf zweihundert Wagen fortgeschafft. Es waren größtentheils Mitglieder der Bruderschaft der unbefleckten Empfängniß Mariä und feierten eben dieses Fest mit Beicht und Kommunion? Warum ließ dies Maria zu? Ohnstreitig strafte sie Gott für ihre Kleiderhoffart. Wie verhaßt muß diese bei Gott sein, da selbst Maria, die Gute, so Entsetzliches an ihrem Feste, in ihrer Kirche, an ihren Verehrerinnen geschehen läßt? Zum Glück hatten sie gebeichtet und waren mit Gott versöhnt.

Kleiderpracht den Heiligen verhaßt.

Karl der Große war ein abgesagter Feind der Kleiderpracht. Alltags trug er ein Wamms und Beinkleider von Leiwand, die ihm Frau und Töchter selbst gewebt hatten, einen Rock mit seidenem Aufschlage und über Strümpfe und Beinkleider kreuzweise gebundene bunte Binden, dazu noch zuweilen einen weißen oder grünen Mantel, im Winter aber ein Wamms aus Otterfellen über Schultern und Brust. Nur wenn fremden Gesandten Zutritt gegeben ward, zeigte er sich im Kaiserschmucke; dann trug er ein mit Gold durchwirktes Kleid, Schuhe und Schwert mit Edelsteinen besetzt und auf dem Haupte eine goldene Krone. Sein gewöhnliches Schwert mit goldenem Wehrgehenk und Griff ist noch vorhanden und kann ein Mann in unsern Tagen kaum aufheben, doch kam es ihm nie von der Seite.

Kleiderluxus von Gott gestraft.

Als der heilige Gualterus einst predigte, trat auch eine Frau hinein, frech und über ihren Stand gekleidet. Da sie mit ihrem langen Schleppkleide viel Staub erregte, worüber die Zuhörer verdrießlich waren, so nahm der heilige Mann davon Veranlassung, zu erwähnen, daß man in der Vorzeit sparsam, einfach und tugendsam gekleidet ging, daß auch der hohe Adel nicht viel von Seide, noch weniger von Silber und Gold getragen; daß aber dermal der Uebermuth so gewachsen, daß man sich sogar erfrecht, mit dieser Kleiderpracht sogar vor Gott in der Kirche zu erscheinen, wohin mehr ein Bußkleid, als teuflischer Kleideraufwand gehört.

Als die Frau merkte, daß das Gesagte auf sie Bezug habe, war sie so keck und unverschämt, laut zu rufen, sie wolle, ihm zum Trotz, am nächsten Sonntage noch prächtiger geputzt erscheinen. Hierauf sagte der heilige Gualterus: Du wirst wohl erscheinen, aber in einem ganz anderen Anzuge. Die hoffärtige Frau wurde sofort besessen und weil der heilige Gualterus kurz nach der Predigt starb, so erschien sie in einem Bußkleide bei seinem Grabe mit ihren Verwandten, wo sie so lange verharrte, bis sie durch seine Fürbitte befreit wurde. So ist also seine Prophezeihung eingetroffen.

Kleiderpracht passet nicht zum Gekreuzigten und zu Seiner Verehrung.

Einmal ging Elisabeth mit den beiden Fürstinnen nach Eisenach in die Kirche; es war Mariä Himmelfahrt; deßhalb hatten alle drei die schönsten Kleider an und goldene Kronen auf. Sie knieten auf dem Betstuhl vor einem großen Cruzifixe.  Da nahm Elisabeth die Krone von ihrem Haupte und warf sie anbetend auf die Erde nieder. Die Landgräfin fing an zu schelten, ob sie eine Närrin sei, daß sie wie eine alte Nonne oder wie ein müder Gaul auf die Erde falle, ob ihr die Krone zu schwer sei? Elisabeth richtete sich auf und sprach: Liebe Frau, nehmt es nicht übel. Hier sehe ich den barmherzigen, süßen, milden Heiland mit Dornen gekrönt. Es wäre gegen Ihn ein Spott, wenn ich vor Ihm stehen bliebe mit einer Krone von Perlen, Gold und Edelsteinen. Darauf beugte sie sich wieder betend und weinend zur Erde nieder. So durftete die unschuldige Elisabeth den Wohlgeruch der Demuth und Geduld. So sollte jedes geputzte Mädchen denken, ehe sie in die Kirche tritt.

Klima

Klima verändert Wuchs und Gestalt der Menschen.

Viele Gelehrte können sich nicht überzeugen, daß alle Menschen von Einem Menschenpaare, von Adam und Eva abstammen; sie meinen, es müsse Gott in verschiedenen Welttheilen verschiedene Arten von Menschen erschaffen haben, weil sie einander so ungleich sind in der Bildung, Lebensart, Gestalt, Farbe, Sprache, Sitten und Gewohnheiten. Sie berücksichtigen nicht, daß die Luft, die Nahrungsmittel, Wärme und Kälte eines Landes erstaunlichen Einfluß auf den menschlichen Körper haben. Die Macht und den Einfluß des Klimas sehen wir an den Thieren; so ist der asiatische Elephant größer, als der afrikanische; jener hat einen hohen, dieser einen runden Kopf; jener große, dieser kleine Ohren; jener hinten vier Hufe, dieser nur drei. In Ungarn und Schweden gibt es Schweine mit ungespaltenem Hufe. In Island haben die Schafe vier, sechs bis acht Hörner, in Ostfriesland haben sie keine Hörner. Kanarienvögel sind in ihrer Heimath, auf den kanarischen Inseln, grau, bei uns aber sind sie durch Klima, Zähmung und Futter gelb geworden. So ist es auch dem Menschen ergangen. Alle stammen von Adam und Eva, alle haben die Haupttheile eines Menschen, die Seele, menschliche Glieder, menschliche Gestalt. Worin sie verschieden sind, rührt von Klima, Nahrung und Lebensart her. Daher der sonnverbrannte Mohr gleich uns von demselben Stammvater abstammt.

Klingelbeutel.

Was man in den Klingelbeutel einlegt, opfert man Gott und den Armen.

Eine elegante Wiener Dame weigerte sich zu Anfang des Jahres 1867 beim Besuche einer Kirche,  etwas in den Klingelbeutel zu werfen. Als sie nach Hause kam, sah sie mit Schrecken, daß ihre Börse, in der sich ein namhafter Geldbetrag befand, gestohlen war. Ach! Gott, sprach sie reuevoll zu sich, konnte nicht den Weg zu meinem Herzen finden, dafür fand der Dieb den Weg zu meiner Geldbörse! Die reue, daß sie Gott, die Kirche und die Armen vergessen, kam leider zu spät und Gott würde diesen Verlust wohl verhütet haben, wenn sie wohlthätig gewesen wäre, so aber ließ Er ihn zu ihrer Beschämung zu.

In Originalschreibweise.

Übersicht über Neue Gleichnisse - Index 18 B ETIKA-Bibliothek