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Ehmig: Gleichnisse

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18b8klug

Klugheit – Knabe - Knecht

28.7.2011
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Klugheit. Seiten 174-179.

Klugheit.

Christliche Klugheit besteht in der Vermeidung dessen, was zur Todsünde führen könnte.

Wir Christen kennen jene Sünden sehr wohl, welche die Seele töten; es sind jene, welche Paulus Gal. 5, 19-21 nennt: Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Geilheit, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Zank, Neid, Zorn, Hader, Uneinigkeit, Ketzerei, Mißgunst, Totschlag, Völlerei, Schwelgerei und dergleichen, weil die, welche solches tun, das Reich Gottes nicht erlangen werden.

Gleichwohl begehen viele Menschen dergleichen Sünden ohne Furcht und Scheu. Ist das Eichhörnchen nicht weiser und klüger in seiner Art, als solche Menschen? Es nährt sich von Nüssen, Obstkernen, Bucheckern, Eicheln, Tannen- und Fichtensamen, Baumknospen; aber Pfirsich- und Aprikosenkerne sind Gift für es; daher rührt es solche Nahrungsmittel niemals an, auch nicht im größten Hunger. Nur bei wütendem Hunger, wenn man ihm nichts Anderes gibt, frißt es diese und stirbt. O Mensch, lerne christklug sein von diesem Tierchen! Meide Alles, was zur Todsünde führen könnte!

Christliche Klugheit besteht darin, daß man sich strenge an die heilige Kirche halte.

Der Herr Jesus stellt sich und seine heilige Kirche unter dem Bilde einer Gluckhenne und die Gläubigen unter dem Bilde der Bruthühnchen dar. Eine Henne ist äußerst besorgt um ihre Küchlein; sie verliert keins aus den Augen, immer hält sie sie durch ihr Glucksen um sich; findet sie einen Wurm oder Sämereien, so lockt sie sie herzu, zerhackt ihnen den Wurm und fordert sie auf, zu fressen; sieht sie einen Hund oder eine Katze, so nimmt sie ihre Kleinen in Schutz; bemerkt sie in der Luft einen Raubvogel, so ruft sie mit ängstlicher Sorge und warnt sie dringend; ist den zarten Kleinen kalt oder regnet es, so setzt sie sich, nimmt sie unter ihre Flügel und wärmt sie.

Die Gluckhenne ist das Bild des für unser Heil besorgten Heilandes und unserer Mutter, der katholischen Kirche. Um die Seelen zu führen und zu beaufsichtigen, hat die Kirche Kirchspiele mit Seelsorgern errichtet; durch sie werden die Gläubigen mit dem Worte Gottes und mit den heiligen Sakramenten genährt; und wie populär und faßlich wird die himmlische Lehre vorgetragen, so daß sie selbst Kinder fassen können!

Wenn irregeleitete Regierungen die Kirche Gottes in ihren Ländern unterdrücken, die Religion, die Freiheiten und Rechte der Kirche beschränken, mit welchem Mute treten die Päpste und Bischöfe auf und verteidigen sie? (Anmerkung ETIKA: Das fragen wir uns auch anno 2011, vielleicht ist unser Hörrohr zu kurz) nicht selten mit Aufopferung ihrer Freiheit und ihres Lebens!

Wenn falsche Lehren auftauchen und der Glaube und mit ihm das Heil der Seelen gefährdet wird: wie besorgt warnen die Seelsorger vor solchen Grundsätzen, vor solchen Irrtümern, vor dem Umgang mit Ketzern und vor dem Lesen schlechter Bücher?

Welche Mühe wenden die Prediger an, solche Irrtümer und böse Sittengrundsätze zu widerlegen, zu schwächen und unschädlich zu machen? (Anmerkung ETIKA: sinnigerweise mit Fragezweichen, nicht mit Ausrufezeichen)

Wenn in Folge des verderbten Zeitgeistes der Glaube an die heiligen Religionswahrheiten ermattet, wenn die Frömmigkeit abnimmt und der Andachtseifer erlöscht, der Gottesdienstbesuch vernachlässigt wird; wenn zügelloser Freiheitssinn einreißt, der manches Gebot Gottes und der Kirche wegstreichet, der diese oder jene Sünde nicht mehr als solche ansehen will; wenn irdischer Sinn überhand nimmt, der himmlische Sinn aber beinahe abhanden kommt: ach wie eifern die Vorsteher der Kirchen für die Seelen?

Um den Glauben zu beleben, wird der Lehreifer verdoppelt, werden passende Andachten angeordnet, werden Missionen für Priester und Laien abgehalten, gute Bücher ausgegeben; kurz, es wird Alles aufgeboten, was die Seelen im Glauben stärken, was die Andacht nähren, was den himmlischen Sinn fördern kann. –

Nun, wie entsprechen die Gläubigen dieser liebevollen Sorgfalt Jesu und seiner heiligen katholischen Kirche? Sind sie als Christen wenigstens so klug, als die kleinen Küchlein in ihrer Art sind? Die Hühnchen verlassen ihre Mutter nicht, stets hören sie auf ihren Ruf, entfernen sich nicht und eilen gleich wieder zu ihr; so soll der katholische Christ seine heilige Kirche um keinen Preis verlassen und vertauschen gegen eine Sekte und wäre es auch um den Preis einer sehr vorteilhaften Versorgung oder des größten zeitlichen Glückes. Die Hühnchen eilen herbei, wenn die Henne lockt und ihnen einen Wurm zerhackt; Futter von anderen Tieren lassen sie stehen; Futter von Menschen gestreut fressen sie nur auf Gutheißung der Henne.

So sollen katholische Christen herbeieilen, das Wort Gottes zu hören; sollen es nur in katholischen Kirchen hören; sollen die Versammlungen der Sektierer meiden; sollen nur jene Bücher lesen, welche die Kirche gutgeheißen hat, jene aber nicht lesen, welche sie verwirft. Wdnn Raubvögel drohen, flüchten die Küchlein unter die Flügel der Mutter; so hält sich der katholische Christ, wenn Irrtümer auftauchen, fest an die Lehre der Kirche und er ist sicher. Die Küchlein kriechen unter die Flügel, wenn es kalt ist oder regnet; so soll der katholische Christ alle jene Andachten mitmachen und jene heilsamen Anordnungen befolgen, welche die Kirche zur Stärkung des guten Sinnes zu machen für gut findet. Ach wie schmerzlich bedauert es die katholische Kirche, daß die Hühnchen in ihrer Art klüger sind, als so manche katholische Christen in Bezug auf ihr Seelenheil!

Die christliche Klugheit muß den Glauben, die Liebe und die heiligmachende Gnade bewahren.

Christus der Herr ermahnt uns, von der Schlange Klugheit zu lernen. Diese Tiere scheinen zu wissen, daß bei ihnen Kopf und Magen Hauptlebensorgane sind, und daß der übrige Teil zur Not entbehrt werden kann, ohne das Leben zu gefährden. Es kann ihnen der Schwanz abgehauen, sie können gestochen, geschunden werden, das schadet ihnen nichts. Ist Kopf und Magen unverletzt, so schlüpft die Schlange in ein Loch und bleibt ruhig liegen, bis sie heil ist, da sie lange hungern kann. Wird ihr aber Kopf und Magen zerschmettert oder abgeschnitten, dann ist es um ihr Leben geschehen. Um nun diese wichtigen Organe, als die Lebensträger, zu schützen, liegt sie an der Sonne nicht der Länge nach ausgestreckt, sondern in Kreisen zusammengerollt, den Kopf in der Mitte; und wenn sie ein Tier verschluckt, verkriecht sie sich, weil ihr angespannter Magen beim geringsten Drucke zerreißen könnte und weil sie wegen der unbequemen Anfüllung nicht geschwind genug entwischen könnte.

So wie nun die Schlange vor Allem auf Erhaltung des Kopfes und Magens bedacht ist:so muß der Christ ebenfalls auf die Erhaltung desjenigen bedacht sein, wovon sein Seelenheil abhängt. Und das ist: der reine Glaube, die Liebe und die heiligmachende Gnade. Diese zu bewahren, muß dem Christen Alles daran liegen. Um sie zu bewahren, muß er den Verlust irdischer Güter und selbst des Lebens egring achten, wie die heiligen Martyrer.

·       Hat er den Glauben, die Liebe, die Gnade, so kann ihm nichts schaden.

Könnte man mit der Hingabe dieser Drei Königreiche gewinnen, so hätte man doch nichts gewonnen; denn im Tode verläßt man sie, verliert den Himmel und wird ewig gestraft. Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet? Oder was kann er geben, um sie aus der Hölle wieder auszulösen? Wer kann dagegen ihm, wenn er nach dem Tode den Himmel erworben, seine Seligkeit streitig machen? Darum betete der heilige Ignaz von Lojola beständig:

Herr, gib mir Deine Liebe und Deine Gnade und ich bin reich genug!

Fürchten wir also nichts so sehr, als den Irrglauben, Lieblosigkeit und die Todsünde!

Ein Beispiel von weltlicher und christlicher Klugheit.

Als der heilige Franz zu Annecy zurück war, erfuhr er, der Bischof von Bagnerry würde zu Clermont im Genferland die heiligen Weihen erteilen. Da ersuchte er seinen Vater, den Grafen, um die Erlaubnis, sich dahin zu begeben, um die Tonsur zu erhalten.

Dieser Vorschlag wollte dem Grafen nicht gefallen. Die Neigung, die er in seinem Sohne für die Andacht sah, erweckte in ihm die Furcht, er möchte am Ende den Entschluß fassen, in irgend ein Kloster zu treten, oder dem geistlichen Stande sich zu weihen. Da er der älteste Sohn, dazu auch sehr wohlgestaltet war, viel Verstand hatte und große Anlagen zeigte, einer der gelehrtesten Männer seines Jahrhunderts zu werden, stimmte eine solche Absicht nicht zu den Plänen, die er mit ihm vorhatte, und zerstörte seine Entwürfe, ihn in der Welt auf eine Weise zu versorgenm die seiner Geburt und seinen persönlichen Eigenschaften entspräche.

Da er jedoch so große Gotesfurcht als Klugheit besaß, befürchtete er einerseits, eine abschlägige Antwort dürfte seinen Sohn auf Gedanken bringen, die er vielleicht nicht hegte; und weil der Geist des Menschen überhaupt ein Feind des Zwanges ist, möchte er sich um so leidenschaftlicher zu dem geistlichen Stande neigen, als man dieser Neigung gewaltsamer sich widersetzte. Auch glaubte er andererseits, man würde, wofern es der Wille Gottes wäre, daß sein Sohn die Welt verließe, der Ausführung seiner Absichten sich vergeblich widersetzen.

Aus diesen Gründen also bewilligte er ihm die Erlaubnis, um die er ihn gebeten hatte, und Franz erhielt die Tonsur in der Quatemperzeit des Monats September im Jahre 1578. Des Vaters Klugheit war Anfangs rein irdisch und ging in die christliche über.

Die christliche Klugheit gehört zur Vollkommenheit.

Auf eine Zeit kamen sehr viele Altväter beim heiligen Antonius zusammen, um sich wegen ihrer Vervollkommnung zu befragen und mit ihm zu unterreden. Das Gespräch drehte sich den größten Teil der Nacht hindurch um die Bedachtsamkeit oder christliche Klugheit.

Es erhob sich nämlich unter ihnen die Frage, welche Tugend oder Übung den Mönch unversehrt vor den Fallstricken des Teufels bewahren könne, oder zuverlässig auf dem rechten Wege und mit sicherem Schritte zu Gott führe?

Nachdem Jeder nach seiner Fassungskraft seine Meinung vorgebracht hatte, und Einige das Fasten und Wachen, Andere die Entblößung und Verachtung aller Dinge, wieder Andere ein abgesondertes Leben und die Verborgenheit in der Wüste nannten; wieder Einige vor Allem die Beobachtung der Liebe, das heißt, die Werke der Barmherzigkeit nannten, welche in der freundlichen Aufnahme der Brüder und Fremden bestehe; kurz, als sie auf solche Weise in frommem Wetteifer stritten und die meiste Zeit der Nacht vergangen war, antwortete endlich der heilige Antonius Allen und sprach:

Alles das, was ihr gesagt habt, ist zwar Denen, die nach dem Herrn dürsten, notwendig und nützlich; allein diesen Dingen die hauptsächlichste Wirkung zuzuschreiben, gestatten uns unzählige Fälle und Erfahrungen an vielen Brüdern nicht. Denn oft haben wir Brüder gesehen, welche diese Tugenden beobachteten, allein durch ein plötzliches Ereignis gefallen sind, weil ihnen die christliche Klugheit fehlte.

Denn man findet keine andere Ursache ihres Falles auf, als daß sie, von den Altvätern nicht genug unterrichtet, durchaus die Klugheit nicht erlangen konnten, welche die Menschen lehrt, immer den königlichen Weg zu wandeln, und weder durch zu große Enthaltsamkeit das rechte Maß zu überschreiten, noch auf Abwege der Laster zu geraten. In Allem also, was wir unternehmen, ist die christliche Klugheit voranzusetzen; denn ohne sie kann keine Tugend bestehen und vollkommen werden.

Auf diese Worte des Antonius wurde allgemein anerkannt, die christliche Klugheit sei es, welche den Mönch sicher und mit festem Schritte zu Gott führe und die vorgenannten Tugenden unverletzt erhalte. Die Klugheit ist die Mutter, Wächterin und Lenkerin aller Tugenden.

Die christliche Klugheit ist die Mutter, Wächterin und Leiterin jeder Tugend.

Ein gewisser Altvater, Namens Hero, verlor aus Mangel an christlicher Klugheit alle Verdienste seiner Tugenden und beschloß sein Leben auf eine elende Weise; denn der Teufel stürzte ihn durch Betrug von dem höchsten Gipfel in den tiefsten Abgrund.

Er lebte nämlich fünfzig Jahre in der Einöde, führte ein ausgezeichnet strenges Leben und suchte mit wunderbarem Eifer die geheimsten einsamsten Plätze auf. Dieser Mann nun wurde nach so vielen Arbeiten vom bösen Feinde hintergangen und erfüllte durch seinen schweren Fall alle in der Einöde Lebenden mit Trauer und Schmerz. Hätte er die Tugend der Klugheit bewahrt, so wäre er wohl niemals gefallen.

Denn er übte im Fasten eine so unabänderliche Strenge und Enthaltsamkeit und hielt sich in seiner Zelle so verborgen, daß er selbst am heiligen Ostertage von seiner Strenge nichts nachließ. Als nämlich alle Einsiedler wegen dieses großen Festes gleichmäßig in der Kirche zusammen kamen, fehlte er allein, und wollte auch nicht durch den Genuß irgend des mindesten Gemüses von seinem Vorsatze abweichen.

Durch diese Vermessenheit wurde er aber so betrogen, daß er den Teufel in der Gestalt eines Engels des Lichts bei sich mit größter Verehrung aufnahm und seinen Befehlen gehorchend sich in einen sehr tiefen Brunnen hinabstürzte, um nämlich das große Verdienst seiner Tugend zu erproben, wenn er unversehrt herauskäme.

Allein er wurde von den Brüdern mit größter Mühe halbtot herausgezogen und starb am dritten Tage darauf. Das Schlimmste aber ist, daß er hartnäckig auf seinem Irrtum bestand, so daß ihn Niemand überzeugen konnte, er sei durch die Arglist des Teufels betrogen worden.

Knabe.

Ein Heiliger, schon als Knabe in den höheren Gnadenzuständen.

Es war einmal ein heiliger Mann, mit Namen Helenus. Er diente von Kindheit an dem Herrn und wurde in aller Enthaltsamkeit, Zucht, Keuschheit, und im Fasten auferzogen und erwarb sich die höchsten Verdienste. Denn als er noch als Knabe im Kloster war, trug er, wenn es die Not erforderte, Feuer aus der Nachbarschaft zu holen, glühende Kohlen in seinem Kleide, ohne daß es beschädigt wurde. Alle anwesenden Brüder verwunderten sich darüber und wünschten dem Feuereifer seines Geistes, seines Lebens und Verdienstes nachzuahmen. Dieser Helenus tat später noch größere Dinge; so ritt er auf einem Krokodil über den Nil hinüber und herüber, um einen Priester zur Abhaltung des Gottesdienstes zu holen.

Knecht.

Treue und Aufopferung eines Knechtes für seinen Herrn.

Der polnische Graf Alois Podstatzky Lichtenstein fuhr mit seiner Frau und seinen Kindern auf seine Güter und ein Reitknecht begleitete sie zu Pferde. Da überfielen sie die Wölfe. Der Knecht gab ihnen sein Pferd preis. Es dauerte aber nicht lange, so kamen die Wölfe wieder nach. Da bot sich der Diener an, für seinen Herrn zu sterben, er solle nur für seine Familie sorgen. Der Graf wollte dieses Opfer nicht annehmen; aber da keine andere Hilfe war, sprang der Knecht vom Wagen, ging den Wölfen entgegen und wurde gefressen. Der Graf erreichte die Stadt glücklich und versorgte die Familie des Knechtes.

Anmerkung ETIKA: Den Wolfsansiedlern in Mitteleuropa zur Warnung! Wenn sie bisher nicht gewusst haben, was sie tun, so wissen sie jetzt, was auf die Bevölkerung zukommt. Dasselbe gilt für die Bären, die in den Alpen angesiedelt werden.

Anmerkung: Nicht alles in Originalschreibweise, damit die Übersetzung für ausländische Leser erleichtert wird.

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