ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

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18b8komm

Kommunion

17.9.2011
ETIKA-Bibliothek.
Teil IV neu, unten

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Klugheit. Seiten 179-189.

Kommunion.

Wir sollen öfters die heilige Kommunion empfangen.

Der ehrwürdige Pater Margottet, aus der Gesellschaft Jesu, gestorben zu Nizza in Italien am 1. August 1833, kurz nach seiner Rückkehr aus Portugal, wo er sich für Gott einer harten Gefangenschaft heldenmütig unterzogen hatte, fand in den letzten Tagen seines Lebens Vergnügen daran, sich mit einem Jünglinge zu unterhalten, welcher täglich zu ihm kam, um sich zu unterrichten und zu erbauen. Als der Jüngling ihm eines Tages sagte, wie sehr er darüber erstaunt sei, daß sein Seelenführer ihm erlaubt habe, wöchentlich mehrmals die heilige Kommunion zu empfangen, besonders wenn er bedächte, daß der heilige Aloysius von Gonzaga in seinem Noviziate nur des Sonntags sich dem Tische des Herrn genähert habe, so antwortete ihm lächelnd der Ordensmann: Gehe nur, mein lieber Freund, gehe nur immer hin zur heiligen Kommunion, du bedarfst derselben mehr als der heilige Aloysius!

Strafe der unwürdigen Kommunion.

Der heilige Bischof Cyprian erzählt, eine Frau habe zuerst den Götzen geopfert, nachher aber sei sie zum heiligen Abendmahl gegangen. Es war für ihre Seele keine Nahrung, sondern ein Gift; denn das Blut Jesu Christi blieb zwischen ihrem Schlunde und ihrem Magen, also daß sie daran erstickte. Nach heftigem Zittern und schrecklichen Zuckungen fiel sie tot zur Erde, in Gegenwart aller Umstehenden, welchen dieses Ereignis ein gerechtes Entsetzen verursachte.

Die erste Kommunion der Kinder ist der schönste Tag ihres Lebens.

Als man eines Tages in Italien nach einem Siege im Zelte des Generals Napoleon Buonaparte zur Tafel saß, geriet einer der anwesenden jungen Offiziere auf den Einfall, die Frage aufzuwerfen, welcher wohl für jeden der Tischgenossen der schönste Tag seines Lebens gewesen. Jeder besann sich und gab eine Antwort; der eine nannte den Tag, an dem er einen Orden bekommen, den andere den Tag, wo er General geworden, u. s. w. als den glücklichsten und schönsten seines Lebens. Da die Reihe an den Obergeneral Buonaparte gekommen, schien derselbe in tiefe Gedanken vertieft. „Sie müssen,“ sprach einer der Offiziere, „wohl in Verlegenheit sein, den schönsten und glücklichsten Tag Ihres Lebens zu nennen, da Sie deren so viele glorreiche und glückliche zählen.“ –

Ganz und gar nicht, erwiderte Buonaparte, bin ich in Verlegenheit; ich kenne den glücklichsten und schönsten Tag meines Lebens gar wohl: es war der Tag meiner ersten Kommunion. Die jungen Offiziere lachten über diese Antwort, die sie in ihrem Leichtsinne nur für einen Scherz hielten; nur ein alter General lachte nicht mit, sondern wischte sich, tief gerührt, wie es schien, eine Träne aus dem Auge. Diesem reichte Napoleon die Hand und sprach: „Bruder! Du allein verstehst mich, diese da aber verstehen mich nicht!“

Unwürdige Kommunion und ihre Strafe.

Lothar, König von Lothringen, verstieß um das Jahr 862 unter einem nichtigen Vorwande seine Gemahlin Theutberga und heiratete ihr Kammerfräulein Waldrade. Er wurde deshalb von Papst Nikolaus I. in den Bann getan. Unter dem nächstfolgenden Papste Hadrian II. kam der König selbst nach Rom und verlangte mit der Kirche ausgesöhnt und zur heiligen Kommunion zugelassen zu werden. Der Papst willigte in sein Begehren ein, jedoch unter der Bedingung, daß er versichere, er habe seit der Zeit, als er in dem Banne gewesen, mit Waldrade, mit welcher die Ehe als ungültig erklärt worden, keinen Umgang gepflogen. Lothar versicherte dies hoch und teuer. Am verabredeten Tage hielt nun der Papst selbst den Gottesdienst; nach seiner Kommunion nahm er eine der heiligen Hostien, hielt sie dem Könige entgegen und sprach mit ernster Stimme: Prinz! wenn es wahr ist, daß du mit Waldraden jeden Umgang gemieden, so komme mit Vertrauen herbei und empfange das heilige Sakrament; wenn aber deine Aussage eine Lüge ist, so wage es ja nicht, den Leib des Herrn zu empfangen und dir selbst die Verdammnis hineinzuessen. Der König schiene einen Augenblick zaghaft geworden; allein der Entschluß, das Äußerste zu wagen, war einmal gefaßt und keck führte ihn der verstockte Sünder aus, indem er kommunizierte und sich so nebst dem Gottesraube auch eines Meineides schuldig machte.

Der Papst richtete  nun seine Rede an die den König begleitenden Vornehmen und Großen, die auch mit ihrem Gebieter kommunizieren wollten und sprach: Wenn ihr den Ehebruch mit Waldraden weder durch Rat noch Tat begünstigt und wenn ihr mit Niemanden in Gemeinschaft gelebt habt, der von dem heiligen Stuhle in Bann getan war, so soll euch der Leib unseres Herrn ein Unterpfand des ewigen Heiles sein. Aus Furcht vor Gottesraub bebten zwar Einige in ihrem Schuldbewußtsein zurück; aber die Meisten genossen keck mit ihrem Könige das heilige Abendmahl.

Lothar verließ nach dieser unseligen Kommunion die Stadt Rom und kam bis Lucca, wo er und der größte Teil seines Gefolges von einem bösartigen Fieber ergriffen wurden, das die schrecklichsten Folgen hatte. Sie verloren die Haare, Nägel und Haut von außen, während ein stilles Feuer sie inwendig verzehrte; die meisten der Vornehmen und Großen starben vor den Augen des Königs dahin. Er selbst setzte die Reise fort und wurde bis Piacenza getragen, wo er die Sprache verlor und endlich ohne Zeichen einer Reue verschied.

Man bemerkte, daß Diejenigen, die mit ihm das heilige Abendmahl unwürdig genossen hatten, auf die nämliche Weise, wie ihr gottesräuberischer König, gestorben sind; Diejenigen aber, die aus Furcht vor dem gottesraub nicht kommuniziert hatten, wurden von dem Tode verschont, so daß man die Rache des Himmels unmöglich verkennen konnte.

Wir sollen nicht unwürdig kommunizieren.

Nauclerus erzählt in Chron. vol. 2. Gen. 28: daß im Jahre 1120  Johannes, der Indische Patriarch, Andachts halber nach Rom gekommen und daselbst dem römischen Papste Callistus II., wie auch allen anwesenden Kardinälen und andern Prälaten der Kirche erzählt habe, daß nämlich alle Jahre der heilige Thomas erscheine und das gesamte Volk eigenhändig daselbst kommuniziere, jedoch mit diesem Unterschied, daß er den Leib Jesu nur Denen reichte, welche eines unbefleckten gewissens sind, Denjenigen aber verweigerte, welche unreinen Herzens sind.

Mißbrauch der heiligen Kommunion ist eine sehr große Sünde.

Im Jahre 1266 war ein Weib zu Skalabic, einem Marktflecken in Portugal, welches auf seinen Mann eifersüchtig war und eine Jüdin um Rat fragte, wie sie sich die Liebe ihres Mannes erhalten könne? Diese gab ihr zur Antwort, sie hätte dazu einer geweihten Hostie nötig. Das betörte weib versprach ihr, eine solche zu bringen. Bei der nächsten Kommunion nahm sie die Hostie behutsam aus dem Munde und legte sie in ein Tüchel, welches sie in einer Lade verbarg. Da sie aber sah, daß aus dem Tuche immer häufiges Blut ausschwitzte und daß über der Lade bei Nacht ein ungewöhnlicher Glanz sichtbar wurde, entdeckte sie Alles ihrem Manne, welcher es dem Pfarrer meldete, der das hochwürdigste Gut feierlich in ein Gläschen legte und in die Kirche trug. Nach hundert und mehr Jahren war die heilige Hostie noch unversehrt und das Volk strömte zahlreich herbei, um sie zu verehren. Christus der Herr zeigt sich in dieser Hostie in unterschiedlichen Gestalten; Einige sehen Ihn als ein kleines Kind auf dem Schoße seiner Mutter; Andere, wie Er in der blutigen Geißelung ganz zerfleischt wird; Andere sehen Ihn mit einem freundlichen Angesichte, wieder Andere hingegen als einen strengen Richter mit drohenden erschrecklichen Augen. (Philippus Allegambe de vir. illustr. Soc. Jesu.)

Auf unwürdige Kommunion steht die Verdammnis.

In Spanien starb ein Rechtsgelehrter, der unter Begleitung seiner Verwandten mit Pracht zur Erde bestattet wurde und dem ein Franziskaner-Ordenspriester die Leichenrede halten sollte. Als dieser über Nacht im Bibliotheksaal seine Rede studierte, erschienen drei ernsthafte Richter mit Dienern, welche die Seele des Rechtsgelehrten mit feurigen Ketten gefesselt vorführten. Das Urteil lautete dahin, daß er in die Hölle geworfen werden solle, weil er die heilige Kommunion so oft unwürdig empfangen habe. Der Franziskaner hatte sich vor Furcht beim Anblicke dieser schrecklichen Männer in einen Winkel verkrochen. Die Abführung des Verdammten konnte noch nicht vollzogen werden, weil er das hochwürdigste Gut noch im Munde habe. Es wurde daher der Priester beauftragt, es herauszunehmen und in die Kirche zu übertragen. Der Priester begab sich zum Grabe, zwei Engel öffneten, und nachdem er das Allerheiligste der Leiche aus dem Munde genommen, versank die Leiche unter Blitz, Donner und Erdbeben in den Abgrund. Statt der Leichenrede erzählte der Priester das Geschehene, welches auf Alle tiefen Eindruck machte. (Simpl. Bizzeri supra verba Salom. Fol. 113.)

Teil II

Die heilige Kommunion war für manche Heilige die Nahrung der Seele und des Leibes

Maria von Oignis lag einmal fünfunddreißig Tage schweigend ohne alle Nahrung in Verzückung. Nur von Zeit zu Zeit kamen die Worte über ihre Lippen: Ich will den Leib unseres Herrn. Nach fünf Wochen erwachte sie aus der Verzückung, konnte aber hernach weder den Geruch des Fleisches noch des Weines, außer bei der Kommunion, vertragen. Sie lebte fortan nur allein von der heiligen Kommunion, die sie täglich empfing. –

Bruder Bernard von Corlion pflegte im Anfange seines Klosterlebens wöchentlich dreimal, später aber täglich zu kommuniziren. Am Charfreitage, wo er nach dem Gebrauche der Kirche dieser Stärkung entbehren mußte, war er nicht nur in der Seele tief betrübt, sondern auch am Leibe so krank und matt, daß er nicht Kraft genug hatte, auch nur einen einzigen Schritt zu thun. Zu Ostern aber, wenn er das Brod des Lebens wieder erhalten, war nicht bloß seine Seele in Gott gestärkt, sondern auch sein Leib hatte frische Kraft erhalten; was ihm nicht bloß an diesem Tage, sondern an allen, wo er zur Kommunion gegangen, zu geschehen pflegte. Diese Beiden zogen also aus der heiligen Kommunion Nahrung für die Seele und den Leib.

In der geistlichen Kommunion empfängt man auch sakramentalische Gnaden.

Die heilige Katharina wohnte täglich der heiligen Messe des Pater Raimund bei, während welcher ihr der Priester ein Teilchen von seiner eigenen Hostie zu reichen pflegte. Eines Tages konnte sie wegen der Schmerzen der heiligen Messe nicht körperlich beiwohnen, sie erweckte aber das Verlangen nach dem Leibe Christi in sich. Als nun der Priester nach der Wandlung die heilige Hostie, wie gewöhnlich, in zwei Teile und den einen derselben in zwei andere brach, löste sie sich das erste Mal nicht in zwei, sondern in drei Stücke, zwei größere und ein kleineres, etwa von der Länge einer Bohne; und das letztere sprang vor seinen Augen über den Kelch und es schien, als sei es auf das andere Korporal gefallen. Er hatte deutlich wahrgenommen, wie es vom Kelche sich abwärts bewegte, konnte es aber gleichwohl auf dem Tuche nicht wahrnehmen. Da er nach dem Agnus Dei die Rechte frei bekommen, durchsuchte er damit das Tuch zu wiederholten Malen. Aber wie ängstlich er sich auch bemühen mochte, die Partikel war nicht zu finden, so daß er sich zuletzt entschließen mußte, ohne sie gefunden zu haben, die Messe zu beendigen. Als die Anwesenden sich entfernt, hatte er noch einmal das Korporale und den ganzen Altar auf´s Sorgfältigste untersucht, auch den Fußboden rund umher durchforscht; aber Alles war vergeblich gewesen.

Er hatte dem Prior sein Leid geklagt. Während sie Beide in der Kirche darüber sprachen, kam auch die heilige Katharina dahin, um zu beten. Raimund erzählte der Heiligen, was sich bei seiner Messe begeben. Sie aber erwiderte lächelnd: Habt Ihr denn auch recht gesucht? Und als Raimund das bejahte, sprach sie abermals lächelnd: Warum grämst Du Dich so sehr deswegen? Da er nun schon die Wahrheit vermutete, sagte er: Wahrhaft, Mutter! ich glaube, Ihr seid es gewesen, die mir die Partikel meiner Hostie weggenommen. Sie sprach nun lächelnd: Pater, gebt nicht mir die Schuld, sondern wißt, nicht ich, sondern ein Anderer, als ich, ist es gewesen. Das allein will ich euch sagen, Ihr werdet die Partikel nimmer finden. Als er nun weiter in sie drang, sprach sie endlich:

Pater, habt nicht ferner mehr Trauer um die Sache; denn um euch die Wahrheit zu sagen, wie es sich gegen einen Beichtvater ziemt, die Partikel wurde mir zugetragen und ich habe sie von Seiner Hand empfangen. Darum seid ruhig deswegen; Ihr habt davon kein Übel erfahren, mir aber ist eine solche Gnade widerfahren, daß ich den ganzen Tag in Preis und Dank zubringen will.

Raimund war nun beruhigt, weil er den inneren Zusammenhang erkannte. Die heilige Katharina kommunizierte geistlich und empfing in der Tat den Leib Jesu; wenn dies nicht bei allen geistlich Kommunizierenden der Fall ist, so empfangen sie doch mehr oder weniger Gnaden mittelst der geistlichen Kommunion.

Besessenheit Strafe der unwürdigen Kommunion.

Zwei Mönche, seines Klosters Brüder, hatten sich gegen den heiligen Stephan verschworen und der Eine suchte ihn in gereichtem Kräuterwein zu vergiften. Als der Andere, noch verhärteter als dieser, am nächsten Sonntage die heilige Kommunion aus der Hand des Heiligen unwürdig genommen, war in denselbem Augenblick der Teufel in ihn gefahren; so daß er erbleichendm zitternd und hin und her gerissen, zur Erde stürzte, die Kleider sich vom Leibe riß, und mit den Zähnen die Lippen zerfleischte.

Der Heilige trauerte über sein Unglück, betete zu Gott um seine Befreiung, weihte Öl, mischte es mit Wasser und sandte es ihm hin, um es zu kosten. Sogleich fiel er aus den Händen der ihn Haltenden auf den Rücken und lag drei Stunden lang gleich einem Sterbenden. Dann kam er wieder zu sich und tat Buße.

Vor wichtigen Unternehmungen soll man die heilige Kommunion empfangen.

Als die Ungarn 955 in Deutschland eingefallen waren, ließ sich Kaiser Otto I. vor der Schlacht im Angesicht des ganzen Heeres das allerheiligste Altarsakrament reichen und erfocht einen herrlichen Sieg. Seit dieser Niederlage, wo die Ungarn sechzigtausend Soldaten verloren, besuchten sie Deutschland nicht wieder. Als Kaiser Heinrich II., der Heilige, 1002 gegen die Slaven zog, veranlaßte er sein ganzes Heer, vor der Schlacht die heilige Kommunion zu empfangen und gewann einen herrlichen Sieg ohne Blutvergießen, indem die Feinde plötzlich entflohen.

Nutzen der öftern Kommunion und Nachteil der Unterlassung.

Der heilige Vinzenz von Paul erzählte, um gegen die Irrlehre der Jansenisten zu warnen, welche unter allerhand täuschenden Vorwänden den Empfang der heiligen Sakramente möglichst zu erschweren und das arme Volk von der Quelle des Lebens zurück zu schrecken suchten, folgendes Beispiel:

Eine vornehme und sehr tugendhafte Frau war gewohnt, jeden Sonntag und Donnerstag die heilige Kommunion zu empfangen. Nach einiger Zeit wählte sie einen Beichtvater, der insgeheim ein Jansenist war. Er ließ sie zuerst wöchentlich nur Einmal, dann bloß zu vierzehn Tagen, endlich bloß einmal in jedem Monate kommunizieren. Nachdem sie acht Monate so fortgelebt hatte, wollte sie ihr Inneres etwas genauer erforschen und fand sich so voll von ungeordneten Neigungen, von Sünden und Unvollkommenheiten, daß sie vor sich selber erschrak und weinend ausrief:

O ich Unglückliche, in was für einem Stande bin ich! Wie tief bin ich herabgekommen, und wohin werden mich meine Neigungen und Leidenschaften noch führen! Aber woher diese Verschlimmerung? Gewiß daher, weil ich meine alte Lebensweise verlassen und die Räte dieser neuen Lehre befolgt habe. Mein Gott! Du hast mir die Gnade gegeben, meine Verirrung zu erkennen, gib, daß ich mich auch gänzlich davon losreiße!

Nachdem sie diesen schädlichen Grundsätzen entsagt und wieder angefangen hatte, öfter und mit gehöriger Vorbereitung zu den heiligen Sakramenten hinzu zu treten, so fand sie sich in ihrem Innern bald wieder beruhigt und von ihren Fehlern geheilt. In diesem Beispiele zeigt sich der Nutzen der öfteren und würdigen Kommunion recht deutlich, ebenso der Nachteil ihrer Vernachlässigung.

Teil III

Die unwürdige Kommunion wurde von Gott an Einigen zum abschreckenden Beispiele mit Besessenheit bestraft.

Ein Priester, hoher Körpergestalt, wurde aus Romandiola besessen ins Kloster des heiligen Qualbertus nach Valumbrosa gebracht und dort beschworen. Vom Priester befragt, wie er so verwegen gewesen, in Christi Priester zu fahren, erwiderte der Teufel: Auf Gottes Geheiß habe ich diesen ergriffen, halte ihn und werde ihn halten, bis er sein verdientes Ende genommen.

Als der Beschwörer darauf bestand, daß er ausfahre und dem heiligen Geiste Raum lasse, rief er:

Ich will nicht und kann nicht; denn dieser ist durch Gottes Zulassung mein!

Der Priester sprach:

Wie wagst du Vermaledeiter dies zu sagen? Ist er nicht Gottes Geschöpf und ein Priester des Herrn?

Es wird sich zeigen,

erwiderte der Teufel. Da der Geistliche unterdessen mit den Anderen fortfuhr, ihn zu bedrängen, brach der Teufel endlich donnernd in die Worte aus:

Warum betet ihr und plagt mich so unnütz? Dieser muß untergehen, denn er hat einen Menschen umgebracht und die göttlichen Sakramente gotteslästerlich mit unzerknirschtem Herzen, ohne Beichte und Lossprechung, Andern zu reichen und sie selbst zu nehmen sich nicht gescheut.

Alles war erschrocken und entsetzt; man wandte indessen durch mehrere Tage alle Mühe an ihn. Am dritten Tage mußte ihn der Abt der Klosterregel gemäß entlassen. Sowie er das Klostergebiet verlassen, warf ihn der Teufel an die Erde und erwürgte ihn mit unnennbarer Pein.

Anmerkung ETIKA: So ähnlich werden alle Kinderschänder unter den Priestern enden, denn der Missbrauch von Kindern steht der Ermordung eines Menschen nicht nach. (Guami)

Die Kommunion soll man nur würdig empfangen.

Der heilige Bonaventura getraute sich oft aus Demut nicht, dem Tische des Herrn zu nahen. Da wirkte Gott ein Wunder, um seine brennende Liebe zu belohnen. Mehrere Tage waren schon verflossen, ohne daß er es wagte, am Tische des Herrn zu erscheinen, während er doch immer der heiligen Messe beiwohnte. Einmal, als eben das Letztere der Fall war und er in die Betrachtung des Leidens Christi vertieft war, legte ihm der Heiland, um seine Demut und Liebe zu krönen, mittelst eines Engels einen Teil der konsekrierten Hostie, die der Priester in den Händen hatte, in den Mund. Diese Gnade überströmte ihn mit Wonne und von  nun an kommunizierte er öfters.

Die Indianerchristen empfingen alle vierzehn Tage die heilige Kommunion.

Bis zum Jahre 1721 war das Volk der Illinois noch lange nicht ganz bekehrt; aber die Christen bildeten doch die Blüte des Volkes. Vor ihrer Bekehrung grausam und ausschweifend bis zu einem erschreckenden Grade, hatten die Illinois unter dem Einflusse des milden Jesusglaubens ihre wilden Gebräuche gesänftigt und wurden so sittenrein, daß die französischen Ansiedler sich häufig ihre Weiber aus den indianischen Dörfern holten. Diese Zwischenheiraten waren so häufig, daß wir die Franzosenfamilien der Gegenwart als die Nachkommen der alten Illinois-Indianer ansehen dürfen, da deren Blut so reichlich in ihren Adern fließt. Täglich verrichteten die Indianer ihr Morgengebet in der Kapelle und hörten die Messe, worauf sie zu ihren Geschäften gingen; täglich bei Sonnenuntergang kamen sie wieder in die Kapelle zum Abendgebete; die meisten katholischen Illinois empfingen alle vierzehn Tage den Leib des Herrn.

Die heilige Kommunion soll man nur würdig empfangen.

Der heilige Eulogius, Mönch und Priester, besaß die Gabe, bei Ausspendung der heiligen Sakramente die Verdienste und Sündenschuld eines Jeden zu erkennen, der zum Tische des Herrn hinzutrat.

Daher hielt er einige von den Mönchen, die zur heiligen Kommunion gehen wollten, hievon ab, mit den Worten:

Wie, ihr waget es, zu den heiligen Sakramenten hinzugehen, da doch euer Geist und euer Vorhaben böse ist?

Dann sagte er:

Du hast heute Nacht unkeusche Gedanken gehabt!

Zu einem Andern sprach er:

Du hast in deinem Herzen gedacht: es ist kein Unterschied, ob Jemand als Gerechter oder als Sünder zum Tische des Herrn geht!

Zu einem Andern sagte er:

Du hattest einen Zweifel in deinem Herzen, ob denn die Kommunion dich heiligen könne?

Diese Alle hielt er von der heiligen Kommunion zurück und sagte zu ihnen:

Bleibt einige Zeit zurück und tut Buße, damit ihr gereinigt durch Buße und Tränen der Kommunion würdig nahen könnet.

Würdig kommunizieren ist besser, als nach Jerusalem wallfahrten.

Es gibt eine viel heiligere Stätte, als Jerusalem, und dahin kann man gelangen ohne Geld und Zeit; Gefahr ist gar keine und die Mühe nur gering. Dort trifft man nicht nur das leere Grab, worin Er einst lag, sondern noch sein Blut und Seinen lebendigen Leib; es ist der Tisch des Herrn.

In jeder würdigen Kommunion findet und hat man noch mehr, als an allen Stätten im heiligen Lande. Scheue doch die Mühe einer guten Vorbereitung nicht und mache recht oft im lebendigen Glauben den Besuch bei Jesus Christus im Altarssakramente und empfange Ihn oft würdig; desto gewisser kommst du einmal in´s  himmlische Jerusalem.

Nikolaus von der Flüe lebte bloß von der heiligen Kommunion.

Nikolaus von der Flüe war ein Landmann aus dem Schweizer Kanton Schwyz, fromm und geachtet von Jedermann. Als er alt geworden und sein Hauswesen den Kindern übergeben hatte, lebte er mit Zustimmung seines Weibes als Einsiedler auf einer Alp. Als solcher aß er nichts, sondern lebte bloß von der heiligen Kommunion. Wenn man ihn fragte: wovon er lebe, sagte er: Von der heiligen Kommunion und von der Betrachtung des Leidens Christi.

Man wollte dieses nicht glauben; die Sache kam zum Bischof, welcher seine Zelle einen Monat bewachen ließ. Aber nach einem Monate war er noch eben so frisch und kräftig, wie früher. Wenn nun die heilige Kommunion auf außerordentliche Weise sogar den Leib nährt, um wie viel mehr wird sie die Seele nähren, da sie ja eigens als Seelenspeise eingesetzt worden ist? Empfangen wir sie nur recht oft würdig!

Die öftere Kommunion ist Gott sehr wohlgefällig.

Die heilige Lutgardis war eine Klosterfrau. In ihrem frommen Sinne wünschte sie alle Sonntage zu kommunizieren; doch die Oberin gab das nicht zu. Da sprach Lutgardis zu ihr:

„Gerne will ich dir gehorchen, liebste Mutter, aber Christus wird die Schmach an deinem Leibe rächen.“

Nicht lange darauf befiel die Oberin eine schmerzhafte Krankheit und die Schmerzen dauerten so lange fort, bis ihr die Oberin die heilige Kommunion alle Sonntage gewährte.

Auch mehrere Schwestern, die ihr im Empfange der heiligen Kommunion hinderlich waren, wurden mit dem Tode bestraft. Doch der Herr wollte noch durch ein größeres Wunder zeigen, wie angenehm Ihm das Verlangen sei, Ihn öfters in der heiligen Kommunion zu empfangen. Da sie krank und schwach war, wollte sie keine Schwester in die Kirche zum Altare führen. Da führte sie Maria und der heilige Johannes in die Kirche; oft führten sie zwei Engel zum Altare, um den Leib Jesu Christi zu empfangen. Daraus kann man schließen, wie lieb Gott die öftere würdige Kommunion sei.

Teil IV

Unterschied zwischen einer würdigen und unwürdigen Kommunion.

Es wurde einst einem heiligen Bischofe berichtet, daß zwei rechtgläubige weltliche Matronen ein schamloses Leben führten. Er bat Gott um Gewißheit, die ihm auch zu Teil wurde. Als nämlich die Gläubigen zum Tische des Herrn gingen, sah er Einige schwarz, mit sonnverbrannten Gesichtern und rot und blutig unterlaufenen Augen; Andere sah er mit glänzendem Angesichte und mit weißen Kleidern angetan. Bei Einigen durchleuchtete der empfangene Leib des Herrn ihren ganzen Körper. Diese Erscheinung trat bei den kommunizierenden Weibern eben so hervor, wie bei den Männern. Als nun die zwei verrufenen Matronen kommunizierten, sah er sie mit glänzendem Gesichte und mit weißen Kleidern. Er betete nun wieder. Da sagte ihm ein Engel: Jene zwei Weiber haben sich durch eine reumütige Beichte mit Gott versöhnt, darum waren sie weiß und glänzend; die du schwarz gesehen, diese fröhnen der Unzucht, leben in Feindschaft, in Ungerechtigkeit, lieben Ehrabschneidung, fluchen gotteslästerlich und sind falsche Lügner. Darum hast du aber durch dieses Gesicht den Seelenzustand der Kommunikanten kennen gelernt, damit du die Einen zur Buße und Besserung ermahnest, die Andern aber im Guten stärkest und befestigest. Wenn du dieses tust, wird dich der Herr reichlich belohnen. Daraus kann Jeder entnehmen, wie deine Seele ausschaut, wenn du würdig und wenn du unwürdig kommunizierest!

Die Kommunion soll man nur mit reinem Herzen empfangen.

Als einst Kaiser Friedrich auf der Jagd war, lud ihn ein Adeliger in sein Schloß ein. Da er aber das Zimmer voll Spinnengewebe sah, ging er zornig hinaus mit den Worten: Dieses Zimmer ist gut für Jagdhunde, aber nicht für einen Kaiser. – König Ludwig III. wurde von einem reichen Gutsbesitzer auf einen Besuch gebeten. Als er in dem Saale sehr viele ärgerliche Bilder wahrnahm, äußerte er seinen Unwillen darüber und ging auf der Stelle fort. Wie soll nun der heilige Gott, der König des Himmels und der Erde, in einem Herzen wohnen, das mit Sünden befleckt ist?

Die heilige Kommunion ist das Notwendigste für den Christen.

Im Jahr 1248 unternahm Ludwig IX., König von Frankreich, den siebenten Kreuzzug, um Palästina aus den Händen der Sarazenen zu befreien. Alle Schiffe waren wohl ausgerüstet und der Befehl gegeben, unter Segel zu gehen. Auch das königliche Schiff war mit allem Notwendigen wohl versehen; doch Eins fehlte noch und gerade das, was in den Augen des Königs für ein so gefahrvolles, wichtiges und heiliges Unternehmen das Unentbehrlichste war. Und was hielt der heilige König für das Unentbehrlichste? Auf dem königlichen Schiffe war eine Kapelle errichtet, in derselben ein kostbarer Altar erbaut und auf demselben stand ein Tabernakel, gefertigt aus dem feinsten Golde. In diesem Tabernakel sollte der König Himmels und der Erde wohnen und mit Ihm, unter Seiner Leitung, unter Seinem Schutz und Schirm, wollte der heilige König den Kreuzzug unternehmen und jenes Land erobern, in welchem derselbe König Himmels und der Erde geboren ward, wandelte, lehrte, Wunder wirkte, litt und starb. In feierlicher Prozession wurde das hochwürdige Gut in der Kirche abgeholt, auf das königliche Schiff getragen und im goldenen Tabernakel bewahrt. Jetzt erst bestieg auch der König das Schiff, ließ die Anker lichten und in die See stechen.

Vor Jesu Christo im allerheiligsten Altarssakramente warf sich Ludwig sodann nieder und bat Ihn, den Gott der Heerschaaren, unter Thränen um Seine Gnade, seine Hilfe und Seinen Beistand zu dem heiligen Werk, das er nicht aus Herrschsucht und Eroberungslust, sondern einzig zu Seiner Ehre unternommen. Täglich ließ der König in seiner Schiffskapelle die heilige Messe lesen, täglich betete er öfters und voll Inbrunst vor dem hochwürdigsten Gute und öfters kommunizierte er. Nach etlichen Tagen der Schifffahrt (Anmerkung: damals, 1868, mit drei f geschrieben) erhob sich ein schrecklicher Sturm, der Wind heulte, die Wogen tobten, die Fluthen thürmten sich auf, und gähnend riß des Meeres Schlund sich auf, die ganze Flotte in seinem Abgrund zu begraben. Des Königs Schiff ward an ein Felsenriff geschleudert und drohte zu scheitern. Der heilige König aber kniete vor dem Tabernakel und betete zu Demjenigen, der einst durch Sein Allmachtswort den Winden und den Wellen Ruhe geboten; er seufzte: Herr, hilf uns oder wir gehen unter! Und Der im Tabernakel hat sein Gebet erhört, Wind und Wellen legten sich, das Meer ward ruhig, und Alle waren gerettet. Gleicht unser Leben nicht einer stürmischen Seefahrt?

Die erste heilige Kommunion ist der schönste und glücklichste Tag eines Christen.

Ein Seelsorger erzählt: Ich schenke den Erstkommunikanten ein Kommunionandenken in Fabendruck mit reicher Goldverzierung und lege es ihnen an´s Herz, dieses Andenken an den schönsten und glücklichsten Tag ihres Lebens in Ehren zu halten, vor demselben oft ihr Gelübde zu erneuern, es in Versuchung und Gefahr zu betrachten, nach dem Fall in die Sünde reumütig vor demselben die Treulosigkeit gegen Jesum Christum zu beweinen und sich durch dasselbe anspornen zu lassen, sich abermals mit Jesu Christo durch eine reumütige Beicht und würdige Kommunion zu vereinigen. Und unstreitig wirkt solch ein Kommunionandenken lang und tief und ist in den Jahren der Jugend ein wahrer Talisman.

Vor vielen Jahren nun holte ein Mädchen sein Kommunionandenken nicht im Pfarrhause ab, was mir in meiner Seelsorge erst dieses Einemal vorgekommen und gewiß ein unerhörter Fall ist; denn die Kinder in jenem Alter haben an Bildern ohnehin eine große Freude und wo noch ein Funken von Religion, noch eine Spur von Gemüth vorhanden ist, übt doch der Kommuniontag eine magische, zauberhafte Kraft auf das Kindesherz aus, besonders wenn der Religionslehrer dasselbe durch den Kommunionunterricht sorgfältig und gewissenhaft auf jenen wichtigen und entscheidenden Tag vorbereitete.

Das erwähnte Mädchen gehörte allerdings einer ganz verwahrlosten Familie an; allein es schien mir doch unbegreiflich, daß ein Mädchen von vierzehn Jahren schon so tief gesunken sein könnte, daß es trotz eines vierteljährigen Beicht- und Kommunionunterrichtes, trotz aller ernsten und liebevollen Ermahnungen und Warnungen, trotz der ergreifenden Feier des Kommuniontages, unwürdig kommunizieren würde; das aber mußte ich annehmen, da es sein Kommunionandenken nicht abholte. Ich ließ es durch ein anderes Kind noch extra auffordern, dieses Andenken bei mir in Empfang zu nehmen; wer aber nicht erschien, war jenes Mädchen. Bald darauf kam dasselbe in einen auswärtigen Dienst, weßwegen ich es in der Christenlehre nicht mehr zu Gesichte bekam. Diesen mir unerklärlichen Fall erzählte ich nun sämmtlichen Kindern in der Christenlehre und sagte bestimmt voraus: Dieses Mädchen, das schon jetzt in der Liederlichkeit so reißenden Fortschritte gemacht, daß es nicht einmal sein Kommunionandenken in Empfang nahm, wird bald tief und schwer fallen. Glaubt mir, wir werden es noch erleben, daß es in´s Zuchthaus kommt!

Ich hatte wahr geredet. Jenes Mädchen war kaum neunzehn Jahre alt, als es vor den Schranken des Schwurgerichts stand, angeklagt des Kindesmordes, wegen welchen Verbrechens es dann für etliche Jahre zur Zuchthausstrafe verurtheilt wurde.

Anmerkung: Nicht alles in Originalschreibweise, damit die Übersetzung für ausländische Leser erleichtert wird.

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