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Ehmig: Gleichnisse

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Kraft. Krankheit.

8.1.2012 Neu: Teil IV
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Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichworte: Kraft. Krankheit. Seiten 189-201.

Kraft.

Durch fortgesetzte Uebung erstarken die Kräfte des Leibes und der Seele.

Durch Übung erstarken alle Kräfte des Leibes und der Seele und damit scheint Gott den Fleiß zu belohnen, mit dem man etwas erlernt und seine Arbeiten verrichtet. Je fleißiger man seine Arbeiten verrichtet, desto stärker wird eines Teils die Kraft, desto leichter andernteils die Aufgabe. Der Steindreher ist ein nicht gar großer Vogel, aber er hebt für seine Größe sehr schwere Steine auf, dreht sie um und verzehrt die Würmer, die darunter verborgen liegen. Durch fortgesetzte Übung von Jugend auf ist er stark geworden. Übung kann aus mittelmäßigen Talenten etwas Tüchtiges machen, umgekehrt leisten ausgezeichnete Talente nur Mittelmäßigkeit, wenn sie ihre Arbeiten nur obenhin lernen und betreiben.

Krankheit. (I)

Sünden der Unzucht straft Gott durch Geschlechtskrankheiten.

Die Natur rächet die zügellose unordentliche Begierlichkeit selbst am unvernünftigen Tiere; der Hase ist in den Sommermonaten voll des Aussatzes; erst die Kälte und der frische grüne Same heilt ihn. Der Unzüchtige wird eine Beute des Eiters und der Würmer, er stirbt eines frühen, schmerzlichen und schimpflichen Todes. Er möge daher die Krankheit, womit der Herr ihn schlägt, in bitterer Reue, mit Geduld und Bußfertigkeit ertragen. Seinen Leib schänden, den Tempel des heiligen Geistes entweihen, den in der Taufe, in der Firmung und durch den Empfang des allerheiligsten Fleisches und Blutes Jesu geheiligten Leib zur Beleidigung Gottes mißbrauchen, ist eine so große Sünde, daß die körperlichen Schmerzen in gar keinem Vergleiche stehen, daß sie ewige Strafe verdient.

Krankheiten soll man mit Geduld ertragen.

Unter der Zahl der Klosterbrüder des heiligen Bernhard befand sich auch einer, der mehrere Jahre hindurch die brennendsten Schmerzen mit einer unüberwindlichen Geduld ertrug. Ein Geschwür verzehrte sein Fleisch und hatte bereits seine Knochen angegriffen. Aber niemals war ein Klagewort aus seinem Munde gekommen und als er auf dem Punkte war, zu sterben, belebte sich seine Kraft plötzlich noch einmal und der Kranke begann, wie von einem göttlichen Weine berauscht, Hymnen und Triumphgesänge anzustimmen, und er brachte mit starker und wohlklingender Stimme Gott seine Danksagungen dar. So hauchte dieser Mensch geläutert seine Seele aus, indem er seinen Gesang nur mit seinem Leben endete und in dem himmlischen Jerusalem die Freudengesänge fortsetzte, die er auf Erden begonnen hatte.

Des Kranken letzter Wunsch sei, die heiligen Sakramente zu empfangen.

Als der heilige Bischof Malachias im Jahre 1148 in wichtigen Angelegenheiten eine Reise nach Rom unternahm, kehrte er in dem Cistercienserkloster Clarwall in Burgund ein (Anmerkung: wohl identisch mit der Abbaye Saint-Joseph de Clairval, F-21150 Flavigny-sur-Ozerain, wo heute glaubenstreue Benediktiner wirken), wo sein innigster Freund, der heilige Bernhard, Abt war. Hier erkrankte er an einem Fieber. Man wandte Alles an, um seine Genesung zu befördern. Allein der heilige Malachias sagte:

Meine Kinder, ihr bemüht euch vergeblich, mir das Leben noch länger zu erhalten. Ich will zwar die Arzneien, die ihr mir in euerer liebevollen Sorgfalt darreicht, gebrauchen; aber sie werden nichts fruchten. Ich bat täglich den Herrn, mich in euerem Kloster und am Allerseelentage sterben zu lassen. Ich lege meine Seele in Gottes Vaterhand, der Jene, die auf Ihn hoffen, nicht zu Schanden werden läßt, und erwarte nach meinem Tode eine große Hilfe von dem Gebete, das die Lebenden am Allerseelentage für die Verstorbenen zu verrichten pflegen.

Doch nach einigen Tagen erholte er sich so sehr, daß er am Feste Allerheiligen in den Chor ging. Als ihn die Ordensbrüder in ihrer Mitte erblickten, weinten sie vor Freude und konnten nur unter Tränen die Psalmen singen; sein Auge aber blieb trocken und sein Herz harrte mit Sehnsucht auf den Übergang in die himmlischen Freuden. Nach dem Gottesdienst ergriff ihn das Fieber wieder mit erneuerter Heftigkeit. Auf sein Zimmer zurückgekehrt, ließ er alle Ordensmänner zu sich rufen und sprach zu ihnen:

Meine Geliebten! mir geht jetzt zu meiner letzten Reise nichts mehr ab, als die heilige Wegzehrung und die letzte Ölung. Diese sind mein letzter Wunsch auf Erden.

Als man nun Anstalt machte, diesen Wunsch zu erfüllen und die heiligen Sakramente feierlich auf sein Zimmer zu bringen, wollte er dieses nicht, sondern schleppte sich selbst in die Kirche hinab und empfing sie dort mit der erbaulichsten Andacht. Gegen Abend verschlimmerte sich sein Zustand, und da er fühlte, daß sein Sterbestündlein bald schlagen werde, sprach er zu den herumknieenden Brüdern noch folgende Abschiedsworte:

Freuet euch meiner Auflösung und betet für mich, wenn sie vorüber ist. Auch ich werde für euch bei Gott beten. Ich habe an Gott geglaubt, ich habe Gott geliebt, und auch euch habe ich geliebt; die Liebe aber stirbt ewig nicht.

Nach Mitternacht entschlief er sanft, am 2. November 1148. Jeder fromme Christ muß Gott bitten, daß er reumütig, mit den heiligen Sterbsakramenten versehen, aus dieser Welt scheide!

Angeborne Krankheit führt in die höheren Lebensbahnen.

Ambrosius Sansedonis kam nach harter Geburt, ganz krumm und gelähmt an Händen und Füßen und am ganzen übrigen Leibe, dabei von schwarzer, abscheulicher Gestalt, zur Welt, so daß die Mutter ihn nicht selbst säugen mochte, sondern ihn einer Säugamme zum aufziehen übergab. Als diese einst die Mißgeburt auf die Straße trug, begegnete ihr ein alter Pilger, betrachtete das Kind lange aufmerksam und sagte dann:

Verdeckt nicht das Angesicht des Kleinen, denn er wird einst dieser Stadt ein Licht und eine Zierde werden.

Öfters brachte die Amme das Kind in die Dominikanerkirche zu Siena und pflegte dann ihr Gebet vor einem Reliquienkasten zu verrichten; und man bemerkte, daß der Kleine in der Nähe des Heiligtums sich immer ruhig und heiter zeigte; wenn aber abwärts getragen, sogleich anfing, bitterlich zu weinen. Das brachte darauf, das Kind mit den Reliquien zu streichen; sogleich rief es: Jesus! streckte seine Glieder aus und hatte den freien Gebrauch derselben; auch erfuhr sein ungestaltetes Gesicht eine plötzliche Umänderung und wurde liebreich und holdselig. Das Kind zeigte von dem Tage an eine große Freude am Anschauen heiliger Bilder und es konnte nicht besser beruhigt werden, als wenn man es in einem Buche mit heiligen Bildern blättern ließ.

Siebenjährig kannte er schon die Tagzeiten auswendig; nichts war vor ihm sicher in Kisten und Kasten, das e rnicht den Armen zugewendet hätte. Mit Bewilligung der Eltern nahm er deren alle Samstage fünf zur Herberge auf, wusch ihnen die Füße, setzte sie zu Tische, trug ihnen Speisen zu, bereitete ihre Betten und gab ihnen des Morgens Geld auf den Weg.

Im siebzehnten Jahre trat er in den Dominikanerorden, wo er in Paris unter dem heiligen Thomas von Aquin und unter der Anleitung des Albertus Magnus zu einem Wunder der Einsicht und Wissenschaft und zu einem der ersten Prediger seiner Zeit erwuchs. Er tat viele Wunder und starb zuletzt 1286 in dem Berufe, in dem er gelebt, indem ihm beim Predigen im Eifer eine Ader gebrochen – und Viele sahen im Augenblick seines Todes in leuchtender Weise einen hellglänzenden Stern über ihm zum Himmel fahren.

II

Übernatürliche Krankheiten der Heiligen.

Die heilige Coleta von Gent war ein rechtes Bild der Krankheiten und Schmerzen. So oft sie sich zu Bette legte, begannen ihre Leiden, dauerten bis zum Morgen, und zwar ohne Ausnahme das ganze Jahr hindurch. An Sonntagen verdoppelten sich die Schmerzen; so litt sie auch an jedem Festtage, besonders an Weihnachten, Ostern, Pfingsten. An den Festen der Martyrer litt sie dieselben Schmerzen, welche diese Blutzeugen gelitten; so wurde sie am Feste des heiligen Laurentius im Feuer gepeinigt, am Feste des heiligen Bartholomäus geschunden, an dem des heiligen Petrus gekreuzigt. Bisweilen schien es ihr, als würden die Wurzeln ihrer Augen von brennenden Kohlen angefressen; dann  als würden alle ihre Glieder und ihr ganzer Leib mit eisernen Stangen durchfahren; ihre Zunge trat ihr einmal in den Schlund zurück, so daß sie nicht sprechen, ja kaum atmen konnte.

Das Übernatürliche in diesen Zuständen verriet sich besonders dadurch, daß ihre Schmerzen augenblicklich aufhörten, wenn sie Jemand besuchte, und augenblicklich wiederkehrten, wenn sie wieder allein war. Sie war oft, noch einen Augenblick zuvor, ganz gebrochen und gekrümmt unter den Lasten der Leiden; ihre Zunge wie durchbohrt, ihr Haupt schien einem auf Feuer siedenden Topfe ähnlich; mit einemmale war der Schmerz weg, die Zunge frei, die Temperatur des Kopfes und aller Glieder gleichmäßig, so daß sie sich kaum an das eben Erduldete erinnerte. Sowie aber die Besuchenden sich entfernten, kehrte der Schmerz verstärkt zurück. Bei ihr dauerte dieser Krankheitzustand nicht etwa zehn, zwanzig oder dreißig, sondern fünfzig volle Jahre.

Pestartige Krankheiten deuten in das Gebiet geheimer Kräfte hinüber.

Es lebt noch im Gedächtnisse der Zeitgenossen, wie viel Unheimliches und Unbegreifliches im Gefolge der Cholera gegangen und wie die gewöhnliche Heilwissenschaftan ihr gänzlich zu Schanden geworden. Zu manchen Zeiten hat dies Unheimliche sichtbare Gestalt angenommen, wie Prokopius de bello Persico L. II. uns aus der Zeit der großen Seuche unter der Regierung des Kaisers Justinianus berichtet. Man sah damals Geister in Menschengestalt an offenen Orten und insgeheim umherwandeln, die die Leute schlugen; die Geschlagenen wurden sofort von der Seuche befallen. Einigen begegnete dies zur Nachtzeit im Träume, Andere n aber bei wachenden Augen, am hellen Tage. Ähnliches geschah bei der großen Pest, die unter der Regierung des Kaisers Constantinus Copronymus eingetreten; man erblickte an den Kleidern der Angesteckten gewisse Flecken und Makeln, als hätte eine unsichtbare Hand sie eingedrückt, zum Vorzeichen des nahen Todes der Betroffenen, die dabei jämmerlich über die Not klagten, die sie von Gespenstern zu leiden hätten.

Wie man Kranke liebevoll pflegen solle.

Zur Zeit des römischen Kaisers Valerian war das Reich von Rebellen verwüstet; es standen zu gleicher Zeit neunzehn Heerführer auf, die sich alle Kaiser nannten. Erdbeben und Überschwemmungen zerstörten ganze Städte und endlich kam zu allem Jammer noch die Pest, die in Rom täglich Tausende wegraffte. Die Heiden nahmen die Flucht, ließen ihre kranken Verwandten ohne Pflege liegen, oder warfen sie, ehe sie noch verschieden waren, auf die Straße, ohne sich um ihre Bestattung zu kümmern. Die Christen traten aber hier als schützende Engel auf; sie verpflegte n nicht nur ihre eigenen Kranken, sondern nahmen sich auch der verlassenen Heiden an; Priester, Diakonen und Laien  widmeten sich der Krankenpflege, viele von ihnen wurden dabei angesteckt und starben und Andere traten in ihre Stelle. Die in der Decianischen Verfolgung schwach gewesen waren, glänzten jetzt als barmherzige Samariter und errangen die Marterkrone im Dienste der Nächstenliebe. Die Heiden selbst gestanden, daß nur die Christen noch wahre Tugend besäßen. So sehr hatte die letzte schreckliche Verfolgung und die Bußdisziplin den Geist des Christentums wieder geweckt. Nehmen wir diese Christen zum Vorbilde in der Liebe zu den Kranken!

Krankheit ist in der Hand Gottes ein Besserungsmittel für Sünder.

Der heilige Joseph von Kalasanz, 1556 zu Peralta in Arragonien aus einer edlen Familie geboren, wurde in der Furcht Gottes sehr sorgfältig erzogen, machte große Fortschritte in den Wissenschaften und hatte früh eine Vorliebe für den geistlichen Stand. Aber daß er Priester würde, war seinem Vater höchst zuwider, bis er in eine schwere Krankheit fiel. Da sagte er zu seinem Vater, er glaube genesen zu können, wenn seinem Vorhaben kein ferneres Hindernis in den Weg gelegt würde. Diesem Winke Gottes gab der Vater nach, der Sohn genas und wurde bald Priester. Er ging nach Rom und schloß sich während der Pestzeit dem heiligen Camillus von Lellis an, diente den Sterbenden und begrub die Toten. Als die Pest nachließ, nahm er sich der verwaisten Kinder an. Ohne diese Krankheit und die Furcht, ihn zu verlieren, würde sein Vater nicht zugegeben haben, daß er Priester werde.

Kranke müssen schmerzliche Operationen im Geiste der Buße ertragen.

Als der heilige Franz krank war, schickte sich Alles an zu einem Schlagflusse; man wendete mehrere sehr heftige Mittel an, den Verlauf desselben zu hemmen. Man hatte ihm ein Zugpflaster auf das Haupt gelegt, und als man dasselbe ihm abnahm, riß man ihm die erste Haut herunter. Zweimal wendete man glühendes Eisen ihm auf das Genicke und einmal den Eisenkolben auf den Oberteil des Hauptes an, der bis auf den Knochen einbrannte. Während dieser so schmerzlichen Operation brach der heilige Franz, der weder Empfindung noch Sprache verloren hatte, nicht in die mindeste Klage aus; nur seufzte er einigemale tief auf und vergoß viele Tränen, welche die Heftigkeit des Schmerzes ihm erpreßte. Da er aber diese Leiden als Strafen, die seinen Sünden gebührten, und als eben so viele Genugtuungen betrachtete, welche er der göttlichen Gerechtigkeit bezahlte, die nichts ungestraft läßt, wiederholte er oftmals jene Worte des Psalmes:

Wasche mich, Herr, von meinen Ungerechtigkeiten; nimm meine Sünden von mir; reinige mich immer mehr und mehr!

Der Schmerz, der heftiger geworden war, wirkte nur dahin, daß er seine Sehnsucht nach Gott vermehrte.

Was soll ich hienieden, mein Gott? rief er aus, entfernt, getrennt von Dir? Komm zu mir oder befiehl, daß ich zu Dir gehe! Nimm mich hinweg aus diesem Tale der Tränen!

III
Kranke sollen bei Vernunft und also zeitlich die heiligen Sakramente verlangen.

Als der heilige Franz von Sales krank wurde und sein Übel überhand nahm, wiewohl sich der eigentliche Schlagfluß noch nicht ausgebildet hatte, und da er fürchtete, die notwendige Geistesgegenwart zu verlieren, um die letzten Sakramente mit gebührender Andacht zu empfangen, begehrte er die letzte Ölung, weil sein oftmaliges Erbrechen ihm nicht gestattete, die heilige Wegzehrung zu empfangen. Die Ärzte, die keine Zeit zu verlieren hatten, Heilmittel anzuwenden, widersetzten sich und sagten ihm, sie würden ihn ermahnen, wenn es notwendig werden sollte. Da nun die Ärzte sahen, sein Übel sei stärker, als ihre Arzneien, erinnerten sie, es sei Zeit, ihm die letzte Ölung zu geben. Gott verlieh ihm zu dieser Zeit eine Freiheit des Geistes, die in solchen Fällen nicht gewöhnlich ist und die ans Wunderbare grenzte; er empfing dieselbe mit größter Andacht und antwortete selbst auf die Gebete mit rührender Frömmigkeit. Da der Schlagfluß sich langsam bildete und seine Geistesgegenwart eher zunahm, als sich verminderte, beratschlagte man sich, ob man ihm sollte die heilige Wegzehrung geben; da er aber an demselben Tage Messe gelesen hatte und sein Erbrechen anhielt, erachtete man, es könne unterbleiben.

Krankheiten sind dem Menschen zum Heile

Einst besuchten Fremde den heiligen Einsiedler Johannes. Unter diesen war einer, der von dem dreitägigen Fieber zu leiden hatte. Er bat den Mann Gottes, daß er ihn heilen möchte. Der Heilige antwortete ihm: Du wünschest etwas von dir wegzubringen, was dir notwendig ist; denn wie die Leiber mit Nitrum und andern solchen Laugen abgewaschen werden, so werden die Seelen durch Krankheiten und andere dergleichen Plagen gereinigt. Er gab ihnen hierüber heilsame Lehren; dann aber segnete er dennoch ein Öl und gab es ihm. Der Kranke salbte sich damit, spie sogleich eine große Menge Galle aus, ward gesund und kehrte zu Fuß in seinen Wohnort zurück.

In öffentlichen Krankenanstalten soll man nicht mit Arzneien sparen.

Die fromme Kaiserin Maria Theresia (Anmerkung ETIKA: Wir haben da Zweifel) ließ es an milden Stiftungen und wahrhaft gemeinnützigen und wohltätigen Anstalten nicht fehlen. Wie sie selbst Alles nachsah, so prüfte sie auch die Rechnungen des großen Hospitals in Wien, dem der berühmte van Swieten vorstand. Lieber van Swieten, sagte sie, die Medikamente kosten entsetzlich viel Geld; kann er hin und wieder nicht wohlfeilere anbringen? Van Swieten antwortete bescheiden: Euer Majestät haben zu befehlen; wie es dann aber mit den armen Kranken stehen wird, weiß ich nicht. Die Kaiserin erwiderte schnell: Nein, nein, lieber van Swieten, so meine ich es nicht, ich dachte nur so. Wende er nur die teuern Medikamente an und wenn der Fond nicht zureichen sollte, so gebe ich Zuschuß von meinem Nadelgelde.

Krankheiten sind der Seele zum Heile und verhindern die Sünde.

Zum heiligen Makarius brachte man ein kleines Mädchen, das an einem geheimen Teile des Leibes so sehr angefault war, daß das Fleisch in Fäulnis überging und das Innere und Verborgene der Geschlechtsteile sichtbar wurde. Zugleich krochen von hier aus Würmer in unzähliger Menge hervor, so daß wegen des fürchterlichen Gestankes Niemand mehr zu dem Mädchen hinzugehen vermochte. Als nun dieses Mädchen von seinen Eltern zu Makarius gebracht und vor seiner Tür niedergelegt worden war, trug der Mann Gottes Mitleid mit dieser Jungfrau. Sei guten Mutes, sprach er, du meine Tochter! dieses Übel hat der Herr dir zum Heile, nicht aber zum Untergange bereitet; es ist daher mehr dafür zu sorgen, daß deine Gesundheit dir keine Gefahren bereite! Und nachdem er sieben Tage hintereinander gebetet hatte, segnete er Öl und salbte im Namen des Herrn die Glieder des Mädchens. Und hierbei heilte er dasselbe in der Art, daß die Form und Gestalt der weiblichen Natur an demselben nie mehr zum Vorschein kam, sondern daß es unter den Männern lebte, ohne daß nur ein Verdacht von Weiblichkeit ihr ein Hindernis setzte.

Welche Liebe man zu den Kranken tragen soll.

Der heilige Einsiedler Agathon kam einst in die Stadt, um seine Körbe zu verkaufen. (Anmerkung ETIKA: Das ginge heute in vielen Staaten nicht mehr, da man dazu ins Handelsregister eingetragen sein muss, eine Vielzahl von Steuern zu zahlen hat und mit allen erdenklichen Schrecken der Bürokratie geplagt wird.) Da fand er in einer Nebengasse einen Fremdling krank liegen, dem Niemand beistand. Da ließ sich der Altvater an diesem Orte nieder, baute sich daselbst eine Zelle, und mit der Arbeit seiner Hände erwarb er dem Kranken die nötige Hilfe. Er blieb daselbst vier Monate lang, bis nämlich der Kranken genesen war, und dann kehrte er wieder zurück in seine Einöde.

Kranken, namentlich mürrischen Kranken dienen, gibt großes Verdienst bei Gott.

Ein Bruder fragte die Altväter: Wenn zwei Brüder in einer und derselben Zelle wohnen und der eine sechs volle Tage fastet, der andere aber den Kranken dient, wessen Werk ist vor Gott größer? Ein Altvater antwortete ihm: Jener, der sechs Tage fastet, dürfte sich auch noch an der Nase aufhängen, so wird er doch nicht Jenem in den Augen Gottes gleich sein. – Einem Altvater, der viele Krankheiten und Schwächen zu erdulden hatte, begegnete es einst, daß er ein ganzes Jahr lang nicht erkrankte; daher weinte er und betrübte sich gar sehr; denn, sprach er, Du hast mich verlassen, mein Gott! und wolltest mich in diesem Jahr nicht heimsuchen!

IV

Kranke pflegen und Spitäler unterstützen ist ein kostbares gutes Werk.

In Alexandria lebte eine Jungfrau, reich, aber karg, hoffärtig, dem Geiz ergeben und das Gold mehr als Christus liebend. Sie hatte ein verwandtes Mädchen angenommen, dem sie alle ihre Güter versprach, denn sie selbst blieb ledig. Sie gab keine Almosen. Der heilige Makarius war Priester und Vorsteher des Spitals der Kranken und Krüppelhaften. Um dieser Jungfrau eine Ader zur Heilung ihres Geizes zu eröffnen, ersann er folgende List:

Er war früher Juwelier. Er kam zu ihr und sprach: Ich bekam schöne Edelsteine, Smaragden und Hyacinthen und weiß nicht, sind sie gestohlen oder gehören sie dem Handelsmanne, der sie mir anbietet. Sie sind weit mehr wert, als er verlangt; er bietet sie um fünfhundert Gulden an. Willst du sie daher kaufen, so gib den Preis und du kannst aus einem einzigen Steine die fünfhundert Gulden lösen, und die übrigen zum Schmucke deiner Nichte verwenden. Da sie nun mit ganzer Seele an dem Mädchen hing, wurde sie von der Begierde, ihr den Schmuck zu verschaffen, geködert und bat Jenen dringend: Ich bitte dich, lasse die Steine Niemand Anderem. Daher sprach der Heilige: Komm in mein Haus, und besieh die Edelsteine. Sie aber weigerte sich, zu kommen, sondern gab ihm die fünfhundert Gulden mit den Worten: Nimm dieses Geld, denn ich will den Verkäufer nicht sehen.

Der heilige Makarius verwendete das Geld für das Spital. Es verging eine geraume Zeit; Makarius brachte die Steine nicht und die Jungfrau wagte es nicht, ihn daran zu erinnern. Endlich traf sie ihn in der Kirche und sprach zu ihm: Ich bitte, verfüge über die Edelsteine, für welche ich die fünfhundert Gulden übergeben habe. Er antwortete: Ich verwendete das Geld an demselben Tage, wo ich es erhielt, auf die Edelsteine; willst du sie sehen, so komme mit mir in mein Spital; und wenn sie dir nicht gefallen, so nimm dein Geld wieder zurück. Es befanden sich aber im Spitale im oberen Teile die Männer, im untern die Weiber. Als sie eingetreten war, fragte er sie: Was willst du zuerst sehen, die Hyacinthen oder die Smaragden? Auf ihre Antwort, das gelte ihr gleich, führte er sie zuerst in den oberen Teil und zeigte ihr die Unglücklichen mit verstümmelten Gliedern und von Krankheiten ganz entstellten Gesichtern und sprach: Siehe hier die Hyacinthen; dann führte er sie in den unteren Teil und sprach: Hier kannst du die Smaragden sehen; ich glaube, man kann unmöglich kostbarere finden; wenn sie dir aber nicht gefallen, so nimm dein Geld wieder. Hierauf entfernte sich die Jungfrau ganz beschämt und kränkte sich sehr, daß sie dies nicht wegen Gott, sondern nur notgedrungen getan hat. In der Folge aber dankte sie dem Priester, und als das Mädchen, das ihr so sehr am Herzen lag, gestorben war, verwendete sie ihr ganzes Vermögen zu frommen Zwecken.

Maria das Heil der Kranken

Im Laufe des Jahres 1838 sollte einem jungen Menschen, der die Absicht hatte, in den geistlichen Stand einzutreten, ein Bein abgenommen werden, das von fünf gräulichen Geschwüren angefressen war. M. Perny, so hieß er, ließ sich im Drange eines frommen Zutrauens ungeachtet seiner Schwäche und gegen den Rat seiner Ärzte nach Lyon transportieren. In der Kapelle zu Fouvieres angelangt, machte er das Gelübde, sich den Missionen in fernen Ländern zu widmen, wenn die heilige Jungfrau ihm die Gnade der Heilung erwirken würde. Von diesem Augenblicke an schlossen sich drei seiner Geschwüre und die beiden anderen verbesserten sich dermaßen, daß er bald in das Seminär zu Besançon eintreten und zum Priester geweiht werden konnte. Im Jahre 1847 reiste Herr Perny zur Erfüllung seines Gelübdes als Missionär nach China ab, wo der nämliche Schutz, der ihm die Gesundheit wiedergegeben hatte, ihn deckte während einer Verfolgung, die im folgenden Jahre in der Provinz wütete, in welcher er arbeitete. Seitdem verfolgt der Missionär, voll Kraft und Feuereifer, seine Laufbahn als Glaubensbote und zeigt den Chinesen durch seine Worte und durch sein eignes Beispiel, daß Maria das Heil der Kranken und die Hilfe aller Christen ist.

Wie die Heiden und Christen ihre Kranken behandeln.

Die Laufbahn des katholischen Missionärs Le Caron endete beinahe mit ihrem Anfange. Als er sogleich nach seiner Ankunft in Indien erfuhr, daß eine Menge von einer ansteckenden Krankheit ergriffener Heiden, aus ihren Dörfern vertrieben, sterbend in einem nahen Walde elend lagen, beeilte er sich, ihnen Hilfe zu leisten; und nachdem er mit geduldiger Liebe den leiblichen Bedürfnissen dieser ausgestoßenen Kranken beigestanden und sie beinahe alle zu Christen bekehrt hatte, starb er mit einem Katechisten an eben dieser Krankheit, welche zugleich den Bekehrer und seine Schüler dahinraffte. Wahrlich, ein beneidenswerter seliger Tod!

Kranke liebevoll pflegen ist ein verdienstliches Werk.

Abt Johannes leistete zwölf Jahre einem Altvater, der auf einer Matte lag, in seiner Krankheit Wartung und Pflege. Der Altvater war seinethalben sehr bekümmert, er könnte ungeduldig werden; allein so viel auch Johannes mit ihm Mühe und Arbeit hatte, so sprach er doch nie zu ihm: Wenn du nur nicht krank wärest! Als der Altvater sterben wollte und die Einsiedler der Gegen ihm beistanden, nahm er seinen Wärter bei der Hand und sagte: Vergelt´s Gott! Vergelt´s Gott! Vergelt´s Gott! Und er empfahl ihn den Altvätern mit den Worten: Dieser ist ein Engel und kein Mensch!

Kranke pflegen ein gutes Werk.

Die heilige Radegund diente als Magd bei der Herrschaft auf dem Schlosse Welenburg. Nicht weit davon stand ein Krankenspital, worin besonders Aussätzige untergebracht waren. Zu diesen ansteckenden Kranken ging Radegund, so oft sie von ihrem Dienste Zeit erübrigen konnte, um sie zu pflegen; sie reinigte und verband ihre Geschwüre, sorgte aber eben so sehr für das Seelenheil dieser Unglücklichen. Die fromme Magd lehrte sie ihre Sünden erkennen, bereuen, Gott lieben und auf Jesus Christus vertrauen. Ihre Worte machten bei den Kranken um so mehr Eindruck, da sie an ihr das schönste Vorbild einer wahren Christin sahen, die ungeachtet ihrer eigenen Dürftigkeit jeden ersparten Kreuzer wieder an diese armen Aussätzigen wandte.

Ekelhafte Kranke pflegen ein großes gutes Werk.

Was bei der Tafel Köstliches aufgetragen ward, davon schickte die heilige Franziska von Chantal den Armen. An Sonntagen besuchte sie mit zwei Mägden die Kranken im Kirchspiel und brachte ihnen Arznei, Pflege und Trost. Sie nannte diesen Gang eine Wallfahrt zu Christus am Ölberge.

Eines Tages fand ein Bauer einen Knaben, der neben der Straße lag, voll Geschwüre und Gestank; er nahm ihn auf den Karren und brachte ihn der Frau von Chantal. Diese nahm den Armen ganz freundlich auf, gab ihm frisches Weißzeug und verband seine offenen Schäden. Sie brachte ihm selbst das Essen, saß zu ihm an das Bett, bekehrte und tröstete ihn mit religiösen Zusprüchen. Wenn Franziska beim Schwiegervater bleiben mußte und eine Magd dem Kranken das Essen brachte, hielt diese die Nase zu vor dem Gestanke und ging eilend wieder fort. Franziska hatte den Armen mehrere Monate im Hause und verpflegte ihn, wie eine Mutter ihr liebstes Kind; sie wachte auch ganze Nächte bei ihm. Als er endlich starb, bat er die heilige Frau voll Dank und Ehrfurcht um ihren Segen. Den Toten wusch Franziska selber und legte ihn an, und als ein Verwandter zornig darüber schalt, sagte sie: Vetter, seit ich aus der heiligen Schrift weiß, daß unser Heiland bei Seinem Leiden wie ein Aussätziger ausgesehen hat, habe ich keinen Abscheu mehr vor dem Aussatze, außer vor dem Aussatze der Sünde.

Nach einiger Zeit kam ein Weib, welches von ihrem Manne wegen eines abscheulichen Krebsgeschwüres an der Nase verstoßen worden war. Franziska nahm die Unglückliche auf und verpflegte sie. Das Übel fraß um sich, so daß auch die Stirne und das übrige Gesicht zerfressen wurde. Die Ohren, die Lippen, das Kinn, der Hals, ein Teil der Brust verfaulten gänzlich, so daß die Frau einem halb verwesten Leichnam glich; nur die zwei Augäpfel im Gesicht hielten an den Nerven fest; dabei war der Gestank fürchterlich. Kein Mensch brachte es über sich, zu diesem wandelnden Geschwüre zu gehen; nur Franziska pflegte die Kranke unverdrossen und ging täglich dreimal zu ihr. Diener und Verwandte machten ihr Vorstellungen; allein sie erwiderte: Kein Mensch will zu ihr gehen; was soll denn aus ihr werden, wenn ich sie auch verlasse? Wenn ihr in diesem Zustande wäret, möchtet ihr ohne Beistand sein? Was würde am Tage des Gerichts der Herr zu mir sagen, wenn ich Ihn in der Person der Unglücklichen nicht verpflegen wollte? Das schreckliche Krebsgeschwür fraß immer weiter um sich, der Eiter brach sich eine Öffnung an der Gurgel, so daß beim Reden die Luft da herausging. Franziska mußte nun durch diese Halsöffnung etwas Suppe in das lebendige Grab hinab gießen und erhielt die Kranke auf diese Weise einundzwanzig Tage am Leben. Nachdem sie die Kranke drei Jahre so verpflegt hatte, ging es dem Ende zu; und da zeigte es sich, daß der Heiland noch mehr Liebe besaß als die Schülerin; er ließ sich nämlich in einem Teilchen der heiligen Hostie mittelst eines silbernen Zängelchens durch diese Öffnung am Halse in die Sterbende einbringen, und so gab der unendlich Barmherzige Seinen Leib Derjenigen, welche außer Franziska der armseligste Mensch vor Ekel kaum ansehen konnte.

Krankheiten bessern die Gefallenen.

In einem Kloster zu Alexandria lebte ein Jüngling von guten Anlagen und reinem Wandel. Er aß oft drei Monate nichts und lebte bloß von der heiligen Kommunion; aber er war auch anmaßend und hoffärtig gegen die Väter und Vorsteher. Dieser junge Mann wurde zuletzt durch den Einfluß des Teufels so weit gebracht, daß er, wie vom heftigsten Fieber getrieben, es in seiner Zelle nicht mehr aushalten könnte und nach Alexandria reiste. Hier verfiel er in ein unordentliches und sündhaftes Leben und wurde eben dadurch wider Willen gebessert. Denn nachdem er alle Schauspielhäuser und Reitbahnen besucht, sich in Schänken der Unmäßigkeit und Trunkenheit ergeben und endlich sogar ein Haus der Unzucht betreten hatte, brachen ihm Geschwüre am Leibe auf, welche binnen einem halben Jahre in Fäulnis übergingen. Nach seiner Genesung bekehrte er sich wieder zu Gott und kam ins Kloster zurück, wo er den Vätern seine Sünden bekannte, jedoch seine guten Vorsätze nicht mehr ausführen konnte, da er schon nach wenigen Tagen starb.

Wie Kranke denken und um was sie beten sollen.

In einem alten äygptischen Kloster war ein Altvater, Namens Myrogenes, welches sich durch sein allzustrenges Leben die Wassersucht zugezogen hatte. Er sprach zu den Vätern, welche ihn zu besuchen kamen: Bittet nur für mich, daß mein innerlicher Mensch nicht auch erkranke. Ich aber flehe zu Gott, er wolle mich in diesem Zustande noch länger leiden lassen. Da der Erzbischof Eustachius von Jerusalem von ihm erzählen hörte, wollte er ihm Alles schicken, was er nötig hätte;  allein er nahm nichts an, sondern sagte nur: Bete für mich, mein Vater, daß ich von der ewigen Pein befreit werde.

·       Der Kranke soll also seine Krankheit zur Abbüßung seiner zeitlichen Strafen tragen, und soll Gott bitten, daß die Seele nicht auch an einer Sünde erkranke und etwa des ewigen Todes sterbe.

O wie wenige Kranke denken so und beten so, wie dieser Mönch!

Kranke pflegen bringt Gnade.

Der demütige heilige Franz von Assisi begab sich zu den Aussätzigen, um Allen um Gotteswillen aufs Sorgfältigste zu dienen. Er wusch ihre Füße, verband ihnen ihre Geschwüre, reinigte die Wunden vom Eiter, wehrte der Fäulnis und küßte sogar aus besonderer Andacht ihre Eiterwunden. Deshalb erlangte er von dem Herrn eine so große Kraft, daß er geistliche und leibliche Krankheiten wunderbar heilte, wie es an einem gewissen Armen von Spoleto gesehen worden ist, dessen faule Geschwüre er zu Rom geküßt und alsbald geheilt hat. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: ob die tiefe Demut im liebevollen Kusse, oder die herrliche Kraft im außerordentlichen Wunder der Heilung.

Krankheit und Art derselben hängt von Gott ab.

Der heilige Franz Xaver hatte eine Schwester, Namens Jasso, welche Nonne war. Unter Anderem gab ihr der Herr zu erkennen, daß sie eines sehr sanften Todes sterben würde, während einer ihrer Mitschwestern eine schreckliche Todesart bevorstehe. Gott wollte ihr dadurch nicht sowohl die Zukunft enthüllen, als vielmehr sie veranlassen, ein heldenmütiges Liebeswerk auszuüben. Sie verstand die Absicht Gottes und flehte um den Tausch. Der Herr gewährte ihr die Bitte, welche zu tun Er selbst ihr in den Sinn gegeben hatte und versicherte sie dessen durch eine neue Offenbarung. Der Erfolg bestätigte ihre Bitte. Die erwähnte Schwester starb, ohne daß sie krank gewesen, eines sanften Todes, wie im Vorgefühle ewiger Seligkeit; sie hingegen ward von einer schrecklichen Krankheit befallen; denn ihr ganzer Leib löste sich stückweise unter unsäglichen Qualen auf; zu gleicher Zeit suchte sie Gott mit innerlichen Leiden heim, die jene körperlichen Qualen noch übertrafen. Sie ertrug diese Pein mit Geduld, überzeugt, daß sie von Gott komme, der sie aus Seinem Leidenskelche trinken lassen wollte.

Krankheit schickt Gott den Sündern zur Besserung.

Ein Säufer erster Klasse wurde einst mit zerschmettertem Beine, auf welches ein Faß gefallen war, ins Spital getragen. Unter unsäglichen Schmerzen wurde ihm das Bein abgenommen; da aber die ganze Blutmasse durch jahrelanges, übermäßiges Trinken gänzlich verdorben und brandig geworden war, heilte der Stumpf nicht zu, sondern es bildete sich eine gänzliche Vereiterung, Würmer wuchsen in der Wunde, der Fuß fing an zu fließen und wie bei der Dachtraufe schlug ein Tropfen Eiter den andern. In kurzer Zeit war stets die untergestellte Blechschüssel voll Eiter, Blut und Würmern und wurde von der barmherzigen Schwester mit einer anderen ersetzt. Als dieser Mensch versehen wurde, sagte er:

So weit mußte es mit mir kommen, damit ich mich bekehre! Tausendmal hat mir Gott gerufen, mich gemahnt, mich gewarnt, und fast ebenso oft habe ich die Besserung versprochen, aber mein Versprechen nie gehalten. Jetzt fressen mich die Würmer – ja die Würmer müssen diesen elenden Sündenleib zu meinen Lebzeiten fressen und ich muß ihnen zusehen, wie sie mein Fleisch verzehren, damit meine Seele nicht verloren gehe!

Bei diesem Menschen war aber so eine Heimsuchung als Erweckung notwendig. Aber Niemand hat ihn je klagen hören, es ist in seinen rasenden Schmerzen nie ein Wort der Unzufriedenheit über seine Lippen gekommen. Er hat stets geseufzt:

O Jesu, sei mir gnädig, o Jesu, sei mir barmherzig, o Jesu, verleihe mir eine glückselige Sterbestunde!

Wer so leidet und stirbt, wird schwerlich verloren sein!

Anmerkung: Nur teilweise in Originalschreibweise.

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