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Ehmig: Gleichnisse

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Kreuz.

4.4.2012
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichworte: Kreuz. Seiten 201-207.

Kreuz.

Das heilige Kreuzzeichen ist ein Zeichen, das wir Christo dem Heilande angehören.

In den alten Zeiten mußte der Belehnte alljährlich gewisse Dienstleistungen verrichten oder andere Dinge dem Herrn überbringen, und dadurch bekannte er, daß seine Besitzung, sein Rittergut, sein Bauernhof dem Herrn gehöre und er nur Nutznießer sei. Durch das heilige Kreuz bekennen wir, daß wir Christo angehören, der uns erlöset hat.

Gott legt Denen, welche der Welt sehr ergeben sind, mehr Kreuze auf.

Gegen jene Novizen, welche entweder durch Kenntnisse oder durch Geburt ausgezeichnet waren, nahm der heilige Ignatius ein eigenes Benehmen an. Anfangs behandelte er sie mit Rücksicht, später aber tödtete er gerade sie mehr als alle Andern ab. So macht es auch Gott. Jene, welche vor ihrer Bekehrung der Welt und dem Stolz und der Sünde sehr ergeben waren und der Sünde gedient haben, diese drückt und zerknirscht Er durch Kreuze mehr, um ihnen die Welt und die Sünde verhaßt zu machen und sie von ihrem Stolze zu heilen.

Der Teufel fliehet das heilige Kreuz.

Zum heiligen Regulus von Sylvanes brachten etliche fromme Männer einen Besessenen und baten ihn um Hilfe. Der Heilige befahl dem Teufel, zu weichen, welches auch geschah. Er wollte aber in den Esel fahren, dessen sich der heilige Mann seines Alters wegen bediente; aber auf Antrieb seines Schöpfers schaute das Thier gegen Himmel, wieherte und zeichnete mit seinem rechten Fuß ein Kreuz in den Sand. Durch dieses Zeichen wurde dem Teufel die Gewalt genommen, er mußte den Esel unberührt lassen. Vincentius in speculo Exempl. lib. 10. cap. 29.

Ein Bauer war oft betrunken. Einmal kam er voll aus dem Wirthshause und brachte einen Krug Wein mit, den er auf den Tisch stellte. Als ihm sein Weib das Nachtmahl aufsetzte, verlangte er, daß Mutter und Kinder mit ihm essen sollten. Diese aber entschuldigten sich, da sie schon gegessen hatten und lieber schlafen gehen wollten. Er gerieth darüber in Zorn und rief, es sollten sich so viele Teufel zu ihm an den Tisch setzen. Kaum gesagt, sieht er die Teufel um seinen Tisch sitzen. Die Angst machte ihn nüchtern. Er sagte: Es ist bei Christen Brauch, daß sie vor dem Essen beten und das Kreuz machen, und machte es zugleich, indem er dazu sagte: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen. Kaum hatte er zu dem heiligen Kreuzzeichen diese Worte gesprochen, so verschwanden die Teufel.

Das heilige Kreuzzeichen fürchten die Teufel.

Den Karmeliter Frankus weckten die bösen Geister oft. Betete er in der Stille der Nacht in seiner Zelle, dann nahm diese oder jene Bank die Gestalt eines Menschen oder eines Thieres an. Was an sich dunkel war, erschien plötzlich hell, wogegen das Beleuchtete sich mit Dunkel bedeckte. Die Farben wurden ebenso verwechselt und eine der andern lügenhaft unterschoben. Wollte er einen der Brüder anreden, dann wurde ihm gleich eines andern Gestalt vorgegaukelt. Mit dem Kreuzzeichen verschwand die Lüge sogleich. Dinge, die vor seinen Augen und Füßen lagen, wurden plötzlich wie entrückt. Wollte er den Brüdern eine Speise bereiten, dann wurden Töpfe und Geschirre versteckt. Hatte er die Gefäße zurecht gerichtet, und war er ausgegangen, um Wasser zu holen, dann war ihm, als würde er gerufen, dann waren bei der Rückkehr die Töpfe nicht mehr zu sehen und er konnte doch Niemanden erblicken, der sie hinweggenommen. Machte er dann das heilige Kreuz, oder sagte er: Gott helfe mir! so war er von der Plage befreit und es war Alles an seinem rechten Orte. Bediente er die Kranken und bedurfte er eines Dinges, dann wurde es ihm bedeckt; die Kranken sahen es und zeigten mit den Fingern darauf, er aber sah es nicht. Sein Gebetbuch, sein Rosenkranz, oder andere Sachen in der Zelle, die ihren bestimmten Platz hatten, wurden bedeckt, wenn er sie benöthigte. Wenn er dann das Kreuz machte oder sprach: Im Namen Jesu hebe dich weg von hier! dann erkannte er das Gesuchte.

II

Das heilige Kreuz und seine Kraft.

Konstantin mußte mit seiner Armee dem Heer des Maxentius entgegen gehen. Er stand vor Rom. Maxentius hatte eine stärkere Macht und dieß erfüllte ihn mit nicht geringer Besorgniß. Da erschien am hellen Mittag am Himmel ein glänzendes Kreuz, über welchem in strahlenden Buchstaben die Worte standen:

Durch Ihn wirst du siegen.

Konstantin und sein ganzes Heer sahen die Erscheinung. Keiner aber wurde mehr davon betroffen, als Konstantin. In der nächsten Nacht erschien ihm Christus mit demselben Zeichen, und befahl ihm, nach diesem Muster eine Fahne zu verfertigen und sich dieselbe in den Schlachten vortragen zu lassen. Dieses Feldzeichen war ein mit Gold überzogenes Kreuz; über demselben prangte eine mit Edelsteinen besetzte Krone, welche in ihrer Mitte die Anfangsbuchstaben Chr. von dem Namen Christus führte. Fünfzig der tapfersten und frömmsten Soldaten trugen es und wurden in keiner Schlacht verwundet. Bald darauf war die Schlacht. Maxentius verlor und ertrank in der Tiber auf der Flucht. Konstantin zog im Triumph in Rom ein, und er gewährte dem Christentum kaiserlichen Schutz.

Ein Kreuz glänzt zwei Jahre in Amerika.

Als Cortez im Begriffe war, Mexiko zu erobern, schloßen sich sechstausend Tlaskalaner an seine Krieger an, mit ihnen gegen den mexikanischen Kaiser Montezuma zu fechten. Ehe er weiter zog, errichtete der fromme Mann auf einer Anhöhe zu Tlaskala ein großer Kreuz. Glaubwürdige Geschichtsschreiber dieser Zeit erzählen, zwei Jahre hindurch habe über diesem Kreuze Tag und Nacht eine glänzende Wolke geschwebt, und nach dem Beispiele der Spanier verehrten die Tlaskalaner das Kreuz mit gebogenen Knieen, noch ehe sie Christen waren. Cortez hatte zwei Priester bei sich und durch diese suchte er die Indianer eher für Christum, als für die spanische Herrschaft zu gewinnen. Da, wo er seine Schlacht gewann, errichtete er eine Kirche zu Ehren Mariä. Kreuze und Kapellen bezeichneten überall die Stellen, wo er merkwürdige Siege erfocht. (Anmerkung ETIKA: Ob P. Ehmig da nicht falsch unterrichtet ist? Wir werden es erfahren beim Jüngsten Gericht, wenn unter anderen auch Montezuma und Bruder Bartolomé de las Casas ihr Zeugnis abgeben werden.)

Das heilige Kreuz und die Wirkung seines Anblicks auf die Heiden.

Ein Protestant sagt: Zur Bekehrung der Heiden sind praktische Befruchtungen des Christenthums nothwendiger, als Reden und äußere Gebete. Es müssen sowohl die Sinne, als ihr Wille gefangen genommen werden; sonst gehen die erhaltenen Eindrücke rasch wieder verloren. Wenn ihnen das Kreuz als Mittel der Erlösung gepredigt werden soll, muß das Kreuz in sichtbarer Gestalt vor ihren Blick gestellt werden. Ohne dieses werden sie niemals begreifen, was man meint. Der katholische Missionär, der in Lha-Sa in Tibet wirkte, Namens Abbé Hue, erzählt, es habe ein chinesischer Arzt seine Kapelle besucht, wo er zum ersten Male ein Crucifix sah. Ohne ein einziges Wort zu äußern, blieb er bewegungslos stehen, seine Augen auf das Bild der Kreuzigung gerichtet. Er blieb beinahe eine halbe Stunde in dieser Stellung, bis sich endlich seine Augen mit Thränen füllten. Er streckte seine Arme nach der Darstellung Christi aus, fiel auf die Kniee nieder, schlug die Erde dreimal mit seiner Stirne und erhob sich mit dem Rufe: Das ist der einzige Buddha (Gott), den man anbeten sollte!

Das heilige Kreuz wird selbst von den Türken geehrt.

Bischof Brunoni berichtet, daß bei katholischen Leichenbegängnissen in Aleppo die Soldaten, die selbst Muhamedaner sind, dem Kreuze voran gehen und Alle, die ihnen auf dem Wege begegnen, selbst die Türken nicht ausgenommen, zwingen, sich mit Achtung und Ehrerbietung vor diesem Zeichen unserer Erlösung zu benehmen.

Die Wirkung eines Kreuzes auf einen Stamm der Wilden.

Unter den apostolischen katholischen Missionären, durch deren Bemühungen ganz Südamerika für das Christenthum gewonnen wurde, war auch ein Priester, Namens Soto Mayor. Er war einer der kühnsten aus dieser Heldenschaar. Als er von einem Stamme Wilder, der nicht bekehrt werden wollte, zurückgewiesen wurde, ließ er ihnen sein Crucifix zurück, indem er in seiner beharrlichen Liebe versicherte, der Gott, den es darstelle, werde ihre Herzen noch zur Wahrheit führen. Und als er geschieden war, wurden ihre Seelen in der Erinnerung an seine apostolischen Worte gerührt. Eines Tages kamen sie in feierlicher Prozession, baten zur Taufe zugelassen zu werden, und brachten mit aller Ehrfurcht das Kreuz zurück, welches in der Kirche des Jesuitenkollegiums verwahrt und lange mit besonderer Ehrfurcht verehrt wurde.

Im ganzen mexikanischen Lande sieht man bei jedem Schritt ein weißes Kreuz unter den Bäumen schimmern.

Das heilige Kreuzzeichen fürchten die Teufel.

Niderus schreibt, daß Ketellus, ein frommer Mann, einmal beim Schlafengehen vergaß, sich mit dem heiligen Kreuze zu bezeichnen. In dieser Nacht erregten ihm die bösen Geister viele böse Gedanken, bis sein Schutzengel ihm zurief: Ketellus, deine Nachläßigkeit brachte dich in diese Gefahr; mache das heilige Kreuzzeichen!

III

Der Schöpfer hat die Kreuzesform in vielen Dingen der Natur ausgeprägt.

Die Liebe Jesu zu uns, die Er in Seinem bitteren Leiden an den Tag gelegt, ist so groß, daß wir nicht oft genug daran denken können. Gott will ernstlich, daß wir oft das bittere Leiden Jesu betrachten. Darum hat er schon bei der Schöpfung die Kreuzesform so vielen Dingen, als ein Erinnerungszeichen für uns, aufgeprägt. Die Kreuzesform trägt der menschliche Körper bei ausgespannten Armen; diese Form trägt sein Gesicht, sowie die Einschnitte der Hirnschale und des Gehirns; die Nervenstränge, welche aus dem Gehirn der Wirbelsäule hinunter und rechts und links in die Arme auslaufen.

Diese Form stellt der fliegende Vogel und der schwimmende Fisch dar. Jeder Baum mit seinen Aesten, jeder Ast mit seinen Zweigen, jede Pflanze mit ihrem Stengel und Trieben bildet eben so viele Kreuze. Es bilden die Ströme mit den von beiden Seiten einmündenden Flüssen, diese mit den Bächen, diese mit den Quellen die Kreuzesform. Die Gebirgszüge mit ihren Seitenausläufern bilden Kreuze. Es war also nicht zu verwundern, wenn der heilige Franz Assisi in jedem Baume das Kreuz Christi sah und ehrte.

Da nun Gott die Kreuzesform schon bei der Schöpfung so vielen Dingen aufgeprägt hat, so ist es ja offenbar Sein Wille, daß wir uns oft an den Gekreuzigten erinnern. Es ist sehr zu bedauern, daß man heut zu Tage des Gekreuzigten nur selten, nur oberflächlich, zufällig gedenkt. Wenn diese Vergessenheit des Gekreuzigten ein Merkmal des Zeitgeistes ist, so ist dieser Geist ein sehr böser.

Die leblose Natur bildet Kreuze.

Zu Valladolid in Spanien ging ein Ungläubiger in den Wald, um Holz zu hauen. Da sah er einen dürren Baum, dessen Aeste mit dem Stamme ein Kreuz bildeten. Der Mann betrachtete ihn lange; endlich sagte er: Du hast zwar jenes Zeichen, womit die Christen prahlen, allein ich will dir doch den Rest geben. Als er nun die Axt schwang, wich der Baum etwas zurück und es wuchs ein Crucifix heraus, welches vollkommen einen gekreuzigten Menschen vorstellte. Anfangs erschrack er, dann aber fiel er auf die Kniee und verehrte das Kreuz. Man errichtete daselbst eine Kirche, worin dieses Kreuz bis auf den heutigen Taga aufbewahrt wird. Dominicus Cassii de Gallitia Fol. 304.

Bei dem Port Mongia spielen die Wellen wunderlich, denn so oft sie an das Gestade anschlagen, formen sie im Sande allerlei Kreuze, und wenn eine neue Welle folgt, so löscht sie die vorigen Kreuze aus und bildet neue. Molina in Gallia descripta.

Im Jahre 782 wurde in Lucca ein wunderthätiges Crucifixbild in die Kirche gebracht. Der heilige Nikodemus soll es geschnitzt und ein Engel den Kopf dazu gemacht haben. Als der Bischof Gualfridus in Jerusalem war, träumte ihm von dem Orte, wo dasselbe liege. Er ließ es auf ein Schiff ohne Ruder legen, welches bis nach Italien ging. Caesar Franz. in vita Sanctorum.

In Peru und in den umliegenden Landschaften wächst eine Frucht, in deren Innerem jedes Samenbehältniß ein Crucifix enthält. Jacobus Rosia in triumph. de Cruce Fol. 168.

Als einst der heilige Bernhard andächtig vor einem Crucifix betete, öffnete der Gekreuzigte seine Arme und umarmte ihn. Jepet in vita Cant. c. 7.

Das heilige Kreuz warnt vor einem bösen Schritte.

In England ging die Tochter eines Edelmanns in´s Kloster und lebte die ersten Jahre fromm. Später sah sie ein Jüngling und verliebte sich in sie bis zum Rasen. Unter dem Vorwand der Verwandtschaft suchte er mit ihr zu sprechen und beredete sie, mit ihm zu fliehen. Sie willigte ein und man bestimmte die Zeit zur Flucht. Sie mußte durch die Kirche fliehen. Da hörte sie eine Stimme der Mutter Gottes, welche sie warnte. Doch die Verblendete achtete nicht darauf. Da stieg der Gekreuzigte von einem an der Kirchenwand hängenden Kreuze und bohrte ihr die Nägel Seiner Hände unter furchtbarem Schmerze in die Wangen. So lag sie in ihrem Blute, bis des Morgens eine Nonne die Kirche öffnete; der Gekreuzigte heftete sich wider an die Wand. Michael Sanchez de Ortega in libro de veste nupt.

Die Macht des heiligen Kreuzes gegen böse Geister.

Es landeten portugiesische Kaufleute in Japan und der König ließ ihnen ein verödetes Haus, das man für die Wohnung von bösen Geistern hielt, zum Aufenthalte anweisen. Diese Volkssagen waren nicht ohne Grund und die Portugiesen fanden bald Gelegenheit, sich davon zu überzeugen. Sie hörten in der Nacht ein schreckliches Getöse, wurden von unsichtbaren Händen aus den Betten geworfen und heftig geschlagen. Einst erwachten sie des Nachts durch das Geschrei eines ihrer Diener und als sie mit bewaffneter Hand an den Ort eilten, woher der Lärm kam, fanden sie den Diener auf den Boden ausgestreckt und an allen Gliedern zitternd. Er erzählte, es sei ihm ein furchtbares Gespenst erschienen, das einem Teufel ähnlich war. Da dieser Mensch weder geistesschwach, noch ein Lügner war, so glaubten ihm die Portugiesen und zweifelten nicht, daß diese Erscheinung mit dem Lärm in Verbindung stehe, den sie regelmäßig jede Nacht hörten. Sie zeichneten das Kreuzzeichen auf alle Wände des Hauses und von dieser Zeit an hörte der Lärm auf und ließ sich kein Gespenst mehr sehen. Die Japanesen waren erstaunt, als sie hörten, wie es plötzlich in dem verrufenen Hause ruhig geworden war. Sie bewunderten die Kraft des Kreuzes Christi. Dieß kam dem König zu Ohren. Begierig, über das heilige Kreuz Näheres zu erfahren, fragte er die Portugiesen; da ihm diese aber nicht die genügende Auskunft geben konnten, ließ er katholische Missionäre in sein Reich kommen und erlaubte ihnen, zu predigen.

IV

Das heilige Kreuz besitzt eine wunderbare Kraft in den Uebeln des Leibes und der Seele.

Der heilige Sabinianus war einer der frömmsten und ausgezeichnetsten Schüler des heiligen Romanus. Eines Tages ging er mit einigen andern Mönchen aus dem Kloster, um eine sehr dringende Arbeit bei den Dämmen der Mühle zu verrichten. Sehr bald verging ihnen alle Lust zur Arbeit. Wo sie nur den Fuß hinsetzen wollten, zischten kleine vipernartige Schlangen. Sie fürchteten sich vor ihrem Gifte und wollten fliehen. Um aber dem Gelübde des Gehorsams treu zu bleiben, kehrten sie um, bezeichneten ihre Hände und Füße mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sangen Folgendes:

Sehet, ich habe euch die Gewalt gegeben, auf Schlangen und Skorpionen zu treten und jeder Macht des Widersachers zu trotzen und es wird euch nicht schaden.

Weder Schlangen noch Vipern ließen sich mehr sehen und die gehorsamen und gottesfürchtigen Mönche konnten nun ungestört ihre Arbeit verrichten.

Wenn auch hie und da die Arbeit nicht recht zusammengehen will, so macht das Zeichen des heiligen Kreuzes!

Nach einer uralten Sage sollte der heilige Johannes der Evangelist einem Götzendiener beweisen, daß der Glaube an Jesus Christus der allein wahre sei. Man reichte dem Heiligen einen Kelch mit vergiftetem Weine und wollte prüfen, ob denn dieser Trank dem, der an Christus glaubt, nichts schade. Johannes nahm den Kelch, machte darüber das heilige Kreuzzeichen und sogleich stieg das Gift in Gestalt einer Schlange empor und ohne Gefahr trank er den Becher bis auf den Grund aus.

Aehnliches wird auch in der Lebensgeschichte des heiligen Benedikt erzählt.

·       So bezeichnet euch denn recht oft und recht andächtig mit demselben bei jeglicher Gefahr des Leibes und der Seele; im Zeichen des heiligen Kreuzes werdet ihr Schutz und Rettung finden; man muß sich aber damit andächtig und glaubensvoll bezeichnen.

Die heilige Editha, Tochter des Königs Edgar von England, versäumte bei keiner Arbeit, die sie vernahm, bei keinem Gange, den sie machen mußte, sich mit dem heiligen Kreuze zu bezeichnen. Sie gelangte durch diese heilige Uebung zu großer Vollkommenheit, so daß sie fortan nur in Christus, dem Gekreuzigten, lebte und schwebte und im Rufe großer Heiligkeit starb. Dreizehn Jahre nach ihrem Tode wurde ihr Leichnam auf Befehl des heiligen Dunstan an einer ehrenvolleren Stätte beerdigt und als man bei dieser Gelegenheit den Sarg öffnete, fand man alle Glieder der Dienerin Gottes bereits in Verwesung übergegangen, nur der Daumen der rechten Hand war noch ganz und gar unversehrt; denn mit ihm hatte sie oft im Leben das heilige Kreuzzeichen gemacht.

·       Selig ein Jeder, der das heilige Kreuzzeichen im Leben ehrt und andächtig gebraucht!

Anmerkung: In Originalschreibweise.

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