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Ehmig: Gleichnisse

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18b8krie

Krieg. Langmut.

11.5.2012
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Krieg. Seiten 207-208.

Krieg.

Zu welchem Zwecke läßt Gott die Kriegsdrangsale zu?

Das Land Lothringen, eines der fruchtbarsten und glücklichsten von Europa, hatte sich während eines langen Friedens zu blühendem Wohlstande erhoben, und es gab wenig Länder, wo man so friedlich lebte, wie hier.

Leider zog auch hier die ungestörte Ruhe von Außen und die Fülle des angehäuften Reichthums Ueppigkeit und ungezügelte Genußsucht nach sich, wie es immer zu geschehen pflegt, daß irdischer Ueberfluß den Menschen von Gott abzieht und ihn seiner wahren Bestimmung vergessen läßt.

·       Um also dieses Volk aus seiner sinnlichen Betäubung zu wecken, ward es schrecklich getroffen durch Kriegsdrangsale von der Hand Dessen, welcher Jeden züchtiget, den Er liebt.

Die schreckliche Flamme des mit fanatischer Wuth geführten dreißigjährigen Krieges wälzte sich auch nach Lothringen und dieses schöne Land war lange der Schauplatz der schauerlichsten Auftritte, indem Schweden und Deutsche, Franzosen und Spanier, Freunde und Feinde in Verheerung desselben gleichsam wetteiferten. Im Gefolge des Krieges waren Pest und Hunger.

Gott war aber auch so gut, diese Landschaft mit dem Geiste der Andacht und Geduld besonders zu begnadigen. Bei dem Mangel der irdischen Güter sehnten sie sich desto mehr nach den himmlischen, so daß in dem Städtchen St. Michael gegen zweitausend Menschen bei der Christenlehre zu erscheinen pflegten, besonders da ein großer Theil der Einwohner weggeflohen war. Die Armen waren auch sehr fleißig sowohl im Gottesdienste, als im Empfange der heiligen Sakramente.

·       Gott läßt also die Kriegsdrangsale zu, um die Menschen aus der Betäubung ihrer Leidenschaften aufzurütteln und wieder fromm zu machen.

Der Sieg im Kriege hängt von Gott ab.

Die Nordarmee der Oesterreicher hat im Jahre 1866 für Recht und Gerechtigkeit gekämpft und dennoch verließ sie Gott und ließ sie geschlagen werden, weil sie den Herrn der Heerschaaren nicht verehrten und anbeteten. Darin beschämte sie die Südarmee und selbst der Feind.

Alle Korps des preußischen Heeres empfingen vor Beginn der Schlacht das Abendmahl, die Katholiken empfingen die Sakramente der Buße und des Altares, um vom Allmächtigen Schutz und Segen zu erflehen. Die Südarmee empfing mehrmals allgemein die heiligen Sakramente, und den priesterlichen Segen vor der Schlacht nahm das Heer auf den Knieen entgegen; darum siegte sie.

Die Nordarmee that dieses nicht, darum ließ Gott zu, daß sie geschlagen wurde; es fanden bei ihr wenige allgemeine religiöse Uebungen vor der Schlacht statt. Dieß ist die Schuld der hoffärtigen Kommandanten, die dafür genug beschämt wurden.

Langmuth.

Gott kann langmüthig sein, weil Er den Sünder immer in Seiner Gewalt hat.

Als Darius der Perserkönig über die Meerenge von Konstantinopel mit seinem ganzen Heere nach Thracien gezogen war und eine Schiffbrücke über die Donau geschlagen hatte, zogen sich die Scythen mit ihren Weibern, Kindern, Pferde, Kühen und Schafen immer weiter zurück, und überließen den Persern die wüsten Steppen; denn sie wohnten in Zelten und hatten weder Städte noch Dörfer zu vertheidigen.

Darius fand weder Menschen noch Lebensmittel. Endlich sandte er Reiter voraus an die immer zurückziehenden Scythen und verlangte von ihnen, sie sollten ihm Stand halten und eine Schlacht liefern.

Sie aber zogen sich immer nördlicher hinauf und sandten dem Darius einen Vogel, eine Maus, einen Frosch und fünf Pfeile. Ein Kriegsgefangener erklärte den Sinn des Geschenkes so: Könnet ihr Perser nicht in der Luft fliegen gleich dem Vogel, oder euch in der Erde verkriechen gleich der Maus, oder durch´s Wasser schwimmen gleich dem Frosche, so werdet ihr unsern Pfeilen nicht entgehen.

Dasselbe gilt von Gott und dem Sünder in noch höherem Maaße; darum droht Er und wartet langmüthig zu, denn Er hat ihn immer in Seiner Gewalt, der Sünder kann Ihm nicht entgehen.

·       So wie aber der Pfeil desto tiefer eindringt, je mehr die Sehne des Bogens angespannt wurde, eben so ist auch Gottes Strafe strenger, je mehr der Sünder Seine Langmuth mißachtete.

Anmerkung: In Originalschreibweise.

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