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Ehmig: Gleichnisse

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18b8laus

Laster. Laue. Läusesucht.

11.7.2012
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Laster. Seiten 213-217.

Lästerung.

Lästerung des Papstes von Gott bestraft.

In Piacenza hat ein ehemaliger Anhänger Garibaldis senem Hunde zum allgemeinen Aergernisse den Namen Pio nono gegeben. Der Hund wurde krank, sein Herr wollte ihm Oel einschütten, wurde aber gebissen; der Hund war wüthend. Er bekam die Wasserscheu, doch hatte er das Glück, sich vor seinem Ende noch mit Gott zu versöhnen. Man hat diese Thatsache, worin Jedermann eine Strafe des Himmels sah, verläugnen wollen; allein sie ist durchaus verbürgt. (Gemeindezeitung 4. Jahrg. Nro. 20.)

Anmerkung ETIKA: Wer einen vom Glauben der heiligen Kirche abgefallenen Papst, einen Häretiker, Irrlehrer, Schismatiker in schärfster Form kritisiert (wie es zum Beispiel der Florentiner Dominikanerprior Savonarola mit Alexander VI. tat), für den gilt die in der Überschrift angedeutete Drohung natürlich nicht, im Gegenteil.

Lästerung Mariä, Strafe und Bekehrung.

Folgendes Ereigniß ist von fünfzehn gerichtlichen Untersuchungen, von einer kirchlichen Kommission auf Befehl des Erzbischofs von Udine und auf Befehl des Magistrats beglaubigt.

In Cividall bei Udine betrat am 9. Jänner 1854 Morgens ein ausgelassener, an Grundsätzen und Sitten verdorbener Jüngling und Student einen Bücherladen auf dem Domplatze. Dort erblickte er viele erst angekommene neue Bücher. Aus Neugierde besah er selbe, um einige zu kaufen, wenn sie seinem Geschmacke entsprechen würden. Aber er fand nur Religions- und Gebetsbücher. Da rief er zornig dem Buchhändler zu: „Immer und immer solche Dummheit!“

Unter anderem bekam er das Büchlein von der wunderbaren Erscheinung Mariä zu Salette den 19. September 1846 in die Hände; er sah auch da das Bild, welches dem Büchlein beigebunden war, und begann zu schimpfen und zu lästern: Das seien unerträgliche Erfindungen der Pfaffen und Mönche, um dumme Leute bei der Nase herum zu führen. Was Erscheinungen? Was Mutter Gottes? Das sind Alles Erdichtungen. Dazu fügte er noch tausend und tausend wilde Ausdrücke und Fluchworte auf die Mutter Gottes bei, die wir hier nicht wiedergeben dürfen; endlich warf er voll Abscheu das Buch mit einem haarsträubenden Fluchworte auf den Boden. Aber – er selbst, wie vom Blitze getroffen, hinstürzen, erblassen und ohne Regung liegen bleiben, das war das Werk eines Augenblicks, ja man hielt ihn für todt.

Der Buchhändler, sein Ladendiener und andere Personen, die gerade zugegen waren, getrauten sich vor Ueberraschung und Schrecken, sich ihm weder zu nähern, noch wußten sie Rath. Es kamen noch mehrere Andere herbei, doch Keiner wagte es, ihn zu berühren. Nur hörte man einstimmig von Allen: Das ist gerechte Strafe Gottes!

Doch – nach einigen Minuten sah man den Jüngling einige Bewegung machen, als wollte er sich von starken Fesseln befreien. Aber Alles umsonst! –

Endlich, auf einmal holte er tief Athem. Jetzt scheint er sich befreit zu haben, er öffnet die Augen, schaut, wo er sich befinde, steht auf, aber wie steht er auf? –

Er erhebt sich, um sogleich in demüthigster Stellung nieder zu knieen und die Hände zu falten; er bittet unter beständigem Schluchzen und unter einem Strom von Thränen um Verzeihung des grossen Aergernisses, welches er ihnen, besonders durch sein Fluchen, gegeben. –

Wisset, sprach er, in jenem Augenblicke traf mich die Gerechtigkeit Gottes; es war mir, als sei ich in der Gewalt der Teufel, die mich in die Hölle hinabzogen; ich sah die Hölle schon offen, aber sie selbst, die Mutter Gottes, die barmherzige Jungfrau Maria erschien in der Gestalt, wie sie dort in jenem Buche aufgezeichnet ist, in gleichem Kleide, mit jenem Kreuze auf der Brust; ich sah sie – und sie entriß mich mit unendlicher Güte den Händen der bösen Geister, befreite mich und so kam ich zu mir selbst. O die Mutter Gottes hat mich von der Hölle befreit! Ich bitte euch Alle, danket ihr dafür und bittet sie, daß ich mich aufrichtig bekehre und ihr treu bleibe! Sogleich gehe ich in den Dom, um meine Generalbeichte abzulegen und dann will ich ein neues Leben beginnen. -

Er ging auch hin, kniete dort eine Zeit lang am Fuße des Altares der Gottesmutter, suchte den Beichtvater auf und erzählte ihm Alles, was geschehen, bat ihn, er möchte ihm bei Verrichtung seiner Beichte beistehen, die er mit größer Zerknirschung und Reue begann. Er vollendete selbe am folgenden Morgen, wurde auch, weil er öffentliche Abbitte geleistet hatte und festen guten Willen zeigte, losgesprochen und zum Empfang der heiligen Kommunion zugelassen, die er mit größter Andacht empfing. Bis Mittag blieb er noch vor dem Altare der allerseligsten Jungfrau knieen. – Von dieser Zeit an ist er die Erbauung der ganzen Stadt, welche in ihm eine so wunderbare Aenderung der Grundsätze und des Betragens anstaunt. Er selbst sagt zu Jedem: Die seligste Jungfrau hat mich von der Hölle befreit!

Lästerung Gottes ist die Sprache der Hölle.

Als ein frommer französischer Missionär durch ein Dorf ging, hörte er Kinder den heiligen Namen Gottes lästern. Um ihnen begreiflich zu machen, welche Strafe ihnen bevorstehe, sprach er also zu ihnen:

In diesem Kirchspiele spricht man französisch; wenn ihr zufällig Jemanden begegnet, der deutsch spricht, so saget ihr, Deutschland sei sein Vaterland; spricht er spanisch, so saget ihr, er komme aus Spanien; spricht er englisch, so saget ihr, er stamme aus England und ihr sehet ihn als einen Fremdling an, der über kurz oder lang in sein Vaterland zurückkehren muß. Nun, ihr gotteslästerischen Kinder! verstehet mich wohl! ihr seid in einem christkatholischen Lande und sprechet dessen Sprache nicht; ich erkenne im Gegentheile aus eueren Gotteslästerungen, daß ihr die Sprache der Hölle redet. Ich muß also auch sagen, daß ihr Fremdlinge seid, daß die Hölle euer Vaterland ist und daß ihr einst zu Denjenigen kommen werdet, die so reden wie ihr!

Lästern und Schimpfen ist des Teufels Art.

In Florenz wurde ein Mädchen vom Teufel besessen. Man führte es  in die tausend Schritte von Florenz abliegende St. Salviuskirche, um den Teufel zu beschwören. Große Volkshaufen sammelten sich und das freute den Teufel ungemein, denn er hoffte, leicht Unheil anrichten zu können. Die Mönche läßt er nicht ungeschoren. Dem Einen wirft er einen Trunkenbold, dem Andern einen Wüstling, dem Dritten einen Gleißner zu; alle Heiligen werden zugleich geschmäht; aller Schimpf und alle Schande, die sich erdenken und in Worte fassen lassen, werden ausgespieen. Auch vom Volke ließ der Teufel Niemand ungeschändet; besonders Solche, die aus Neugierde herzudrängten, kamen übel weg.

Der Eine hatte einen Dieb, der Andere einen Ehebrecher, der Dritte einen Hurenbuben hinzunehmen; Jedem wurden Sünd und Laster vor allem Volke aufgedeckt.

Darum verloren sich Viele, von ihrem Gewissen bestraft, mit Scham bedeckt und mit dem Vorsatze, nicht wieder zu kehren, in der Stille.

Auch die Vornehmeren aus Florenz fanden sich bewogen, die Beschwörung des Teufels mit anzusehen; aber Manchen von ihnen gereute es; denn Viele rief der Teufel mit Namen, die einen Wucherer, die Anderen Abtrünnige, die Dritten Ungläubige scheltend, und als sie ihm näher kamen, beschimpfte er sie auf´s Härteste und trieb sie mit Lästern und Schelten zur Kirche hinaus und verfolgte sie weit hin.

Der Onkel des Mädchens, ein Geistlicher, zog den Habit und die Kapuze des Abtes von Valumbrosa an und näherte sich ebenfalls. Da schrie der Teufel: Macht Platz! Macht Platz! Da kommt ein guter Mann! im Gesichte, in der Haltung und in seinen Mienen thut er wie ein heiliger Mann; aber seine Sitten zeigen ganz ein Anderes. Du Heuchler, warum hast du lieber die äußere Gestalt, als den innern Sinn geändert? Du dachtest wohl mit dem Mädchen und nicht mit mir zu thun zu haben! Betroffen brach er in Thränen aus und nachdem er seine Nichte dem Abte und den Seinigen auf(s) Angelegenste empfohlen hatte, ging er traurig zu seinem Kloster zurück.

Verspottung heiliger Reliquien von Gott bestraft.

In Rom werden die zwei Ketten aufbewahrt, womit der heilige Petrus im Gefängnisse gefesselt war.  Von den Zeiten der Apostel an war die Verehrung dieser Reliquien so groß und ausgebreitet, daß die Päpste gezwungen waren, davon Feilspäne herabzunehmen, die dann in kleine Kreuze oder goldene Schlüssel gefaßt und an Fürsten und Gläubige verschenkt wurden, die sie wider Krankheiten und andere Uebel am Halse trugen. Der heilige Papst Gregor der Große erzählt neben mehreren wunderbaren Heilungen auch dieses:

Ein Edelmann aus der Lombardie spottete in einer Gesellschaft, in welcher eine solche Reliquie vorgezeigt wurde, öffentlich und war im Begriffe, aus Verachtung und Muthwillen dieselbe zu zerbrechen. Aber den Spötter traf plötzlich die Strafe Gottes; er wurde rasend und nahm sich in seiner Wuth das Leben.

Lästerung der Heiligen von Gott gestraft.

In Rom wohnten drei Geschwister, Simplicius, Faustinus und Beatrix. Der Statthalter Lucretius ließ alle Drei um des christlichen Glaubens willen tödten, zog ihr Vermögen an sich und gab noch an demselben Tage allen seinen Freunden ein großes Gastmahl, bei welchem er große Freude an den Tag legte und der heyligen Martyrer spottete. Während er die Heiligen beschimpfte und die christliche Religion lästerte, schrie ein kleines Kind auf den Mutterarmen, mitten in der Gesellschaft, mit klarer und verständlicher Stimme:

„Lucretius, du hast getödtet und in Besitz genommen, aber du bist auch in die Hände deines Feindes gefallen!“

Während dieser Bösewicht noch ganz betroffen von dieser Drohung war, bemächtigte sich der Satan noch zur selbigen Stunde seines Leibes und nachdem er ihn drei Stunden lang mit den furchtbarsten Martern gequält hatte, erwürgte er ihn und führte seine Seele in die Hölle hinab.

Lästerung der Heiligen von Gott bestraft.

Jemand hatte dem heiligen Philippus Neri übel nachgeredet. Am andern Tage, als er aus dem Hause ging, stürzte er in einen Abgrund, brach sich das Bein und kam mit genauer Noth mit dem Leben davon. Und er gestand dann selbst, er schreibe diesen Unfall nicht Anderem zu, als weil er von Philippus ungebührlich geredet; ja er sei überzeugt, wenn er dieß mit bösem Willen gethan hätte, so würde er nicht bloß den Fuß, sondern auch den Hals gebrochen haben. Von dieser Zeit an konnte er es durchaus nicht dulden, wenn Jemand auch nur das geringste Wort gegen den Heiligen vorbrachte.

Eine sehr fromme adelige Dame, ein Beichtkind des heiligen Philippus Neri, lag krank nieder und man zweifelte an ihrem Aufkommen. Philippus besuchte sie öfters, um sie in ihren Leiden zu trösten und zum Tode vorzubereiten. Dieß veranlaßte den Neffen der Dame zu dem ganz unbegründeten Verdacht, als wolle Philippus erben. Der Neffe ließ dem Heiligen sagen, er möge sich in seinem Hause nicht mehr sehen lassen.

Indeß ließ sich Philippus nicht abhalten, die Kranke wieder zu besuchen, da ihm Alles an dem Seelenheile der Dame, aber Nichts an dem Erbe und Grolle des Neffen gelegen war. Dieser befahl den Dienern, den Philippus nicht mehr hereinzulassen. Die Diener drohten ihm auf´s Heftigste. Als dieß seine Congregationspriester hörten, baten sie ihn flehentlich, wegzubleiben. Philippus sagte: Seid ruhig, von diesem Menschen droht mir keine Gefahr; die Kranke wird bald gesund sein, jener Mann aber, der jetzt ganz frisch und gesund ist, wird binnen fünfzehn Tagen eine Leiche sein. Wie er gesagt, so geschah es. Die Dame wurde gesund, ihr Neffe aber ward nach jenem bezeichneten Tage zu Grabe getragen.

 

Laue.

Den Lauen steht eine große Strafe bevor.

Ein Sohn wollte in die Wüste gehen, wurde aber von der eigenen Mutter daran verhindert. Er sagte beständig zu seiner Mutter: Mutter, laß mich gehen, denn ich will meine Seele retten. Endlich ließ sie ihn gehen. Er kam demnach in die Wüste, brachte aber sein Leben in Lauigkeit zu. Da starb seine Mutter; nach einiger Zeit wurde er krank, kam in einer Verzückung vor das Gericht Gottes und fand da seine Mutter unter Denen, die gerichtet wurden. Als sie ihn erblickte, staunte und verwunderte sie sich und sagte: Was ist das, mein Sohn? Kamst du auch an diesen Ort, um verdammt zu werden? Wo sind jene Worte geblieben, die du immer zu sprechen pflegtest: Ich will meine Seele retten?

Er schämte sich, diese Worte zu hören und stand schweigend da, ohne etwas antworten zu können. Und siehe, es erscholl eine Stimme, daß er zurückkehren solle und daß ein Anderer aus dem Kloster den Befehl erhalten hätte, in die Ewigkeit zu wandern. Er kam wieder zu sich, und erzählte den Brüdern Alles, was er gesehen und gehört hatte. Zur Bekräftigung seiner Worte bat er, es möchte einer aus den Umstehenden in das Kloster gehen, um zu sehen, ob ein Bruder gestorben wäre. Man fand wirklich einen Bruder gestorben.

Er selbst wurde bald darauf gesund, verschloß sich ins eine Zelle, bedachte sein ewiges Heil, ergab sich einem Leben voll Reue und Buße und weinte über das, was er sich bei seiner früheren Lauigkeit und Nachläßigkeit hatte zu Schulden kommen lassen. Er war aber so zerknirscht, daß er nicht auf die Bitte Derer hörte, die ihn ermahnten, sich durch sein beständiges Weinen keinen Schaden zu thun; denn er sprach: Wenn ich den Vorwurf meiner Mutter nicht ertragen konnte, wie werde ich in Gegenwart Christi und Seiner Engel am Tage des Gerichtes die Vorwürfe Gottes oder die ewigen Peinen ertragen können?

Lauigkeit ist geistiger Tod.

Der Laue, der seine Bekehrung verschiebt, Gutes unterläßt, seine Pflichten versäumt, gleicht dem Scheintodten, der zwar hört, fühlt und sieht, sich aber nicht bewegen kann und lebendig begraben wird. So kommt der Laue in die Hölle.

Läusesucht.

Die Läusesucht eine Heimsuchung Gottes.

Philipp II., König von Spanien, hatte zweiundvierzig Jahre regiert. Alle seine Pläne fand er vereitelt. Zwei Jahre vor seinem Ende marterten ihn Gicht und Wassersucht ab, doch entsagte er seiner Thätigkeit bis zum letzten Augenblicke nicht. Er bekam Geschwüre an der Brust und an den Knieen und in dem Eiter entstanden Schaaren von Ungeziefer, das durch nichts zu verbannen war. Philipp duldete mit unerschütterlichem Muthe, über fünfzig Tage lang lag er auf dem Rücken, und betete fast immer. Er ließ sich die heiligen Sterbesakramente reichen, rief noch seine Kinder vor sein Bett und ermahnte sie, fest zu verharren im katholischen Glauben. So starb er. Man kann Philipp nicht lieben, aber ihm nicht alle Bewunderung versagen.

Anmerkungen: Wir würden besser schreiben: Läuseplage.

In Originalschreibweise.

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