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Ehmig: Gleichnisse

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Leben.

23.2.2013
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Leben. Seiten 218-225.

Leben.

Der Mensch muß in der Jugend für den Lebensunterhalt seiner alten Tage sorgen.

Obschon Gott nicht will, daß wir ängstlich und kümmerlich um Nahrung sorgen, so will Er dennoch, daß wir auf das Alter bedacht seien und zur Zeit des Ueberflusses Etwas zurücklegen für die Tage der Noth und wo wir nichts mehr verdienen können.

Joseph kaufte in Aegypten den Ueberfluß des Getreides für die Jahre der Theuerung auf und Jesus ließ die übrig gebliebenen Stücklein sammeln. Von heute auf morgen leben, nichts für das Alter sparen, ist nicht christlich klug.

Lernet vom Hamster weise Sparsamkeit und Vorsorge für die Zeit der Noth. In seinen Backentaschen trägt er bis hundert Pfund auserlesener Körner, Weizen, Korn, Erbsen, Linsen, Bohnen in seine Höhle; wenn das Getreide reif ist, ist er früh und spät beflissen, seinen Bedarf zu sammeln. Im Herbste verstopft er seine Höhle, frißt seinen Vorrath zur Hälfte, oder zu zwei Drittheilen und hält dann seinen Winterschlaf. Im Frühlinge, wo es draußen noch nichts für ihn gibt, zehrt er den Rest des Vorrathes auf. Wäre er nicht bedacht auf diese schlimmen Tage, so müßte er verhungern.

Darum geht es den Verschwendern in ihrem Alter gewöhnlich schlecht; sie müssen betteln, Noth leiden und zur Zeit der Krankheit und eines Unglückes sich in Schulden stecken.

Um in´s ewige Leben einzugehen, wird ein fester Vorsatz und Starkmuth erfordert.

Fester Vorsatz und Starkmuth gehören dazu, um in´s ewige Leben einzugehen; denn die Gebote Gottes werden oft schwer und wir werden nicht selten heftig versucht. Lernen wir Festigkeit in den guten Vorsätzen und Starkmuth in Versuchungen und Beschwerden vom Lemming.

Diese Thiere, eine größere Mäuserart, leben in Norwegen, Schweden und Sibirien. Etwa alle zehn Jahre,wenn sie wegen allzustarker Vermehrung an dem bisherigen Orte nicht mehr Nahrung genug finden, wandern sie aus und suchen eine neue Wohnstätte.

Sie marschiren in Reihen, die einige Fuß von einander abstehen, einer hinter dem andern, und halten völlig eine gerade Richtung. Weder Seen noch Flüsse, weder Häuser noch Berge hindern sie an der geraden Richtung. Gewässer durchschwimmen sie, Häuser übersteigen sie, nur glatte, senkrechte Felsen müssen sie umgehen und jenseits lenken sie wieder in die gerade Linie ein. Wer bewundert nicht diese Festigkeit in der Ausführung ihres Vorhabens und diese Starkmüthigkeit bei aufstoßenden Hindernissen an Thieren, die sich eine Wohnstätte suchen?

Und wir, die wir den Himmel suchen, den glückseligen Aufenthalt der Heiligen, wo wir Gott schauen und das beste Gut genießen, wo wir in Ewigkeit bleiben und selig sein sollen: wir wollten den Himmel nur so mit halbem Willen und nicht vielmehr mit aller Festigkeit und Starkmuth begehren und suchen? Wir wollten uns von kurzen Leiden, Versuchungen und Kämpfen abschrecken lassen?

Das Leben des Menschen soll Jedem heilig und unverletztlich sein.

Jedem Christen muß sowohl sein eigenes, als auch das Leben seiner Kinder und Mitmenschen heilig und unverletztlich sein. Er selbst darf nichts gegen sein Leben unternehmen, eben so wenig gegen das Leben Anderer.

Daher ist eine Kindesmörderin ein Gräuel in Gottes Augen. In dieser Beziehung werden viele ruchlose Menschen von einem Thiere beschämt.

Der Elephant in Ostindien ladet die Waren aus dem Schiffe und trägt sie mit dem Rüssel ohne Führer durch die Straßen der Stadt in das Haus seines Herrn. Die Straßen in den ostindischen Städten sind sehr enge; daher geht er mit Vorsicht und Schonung. Liegen oder sitzen Kinder auf der Gasse und kann er nicht an ihnen vorbei, ohne sie zu treten, so legt er seine Last nieder, hebt die Kinder mit dem Rüssel auf, setzt sie schonend bei Seite, ergreift dann seine Last und geht weiter.

Das Leben zu opfern ist für Manche eine Standespflicht.

In pestartigen Krankheiten müssen die Hausangehörigen die erkrankten Familienmitglieder mit Gefahr ihres eigenen Lebens aus christlicher Liebe pflegen. Eben so gibt es Stände, denen es die Pflicht auferlegt, wenn es Noth thut, das Leben für das allegemeine Beste zum Opfer zu bringen; dahin gehören Priester, Aerzte, Soldaten. Dasselbe thun auch gewisse Thiere.

Die Biene und Wespe opfert sich willig für die Gesellschaft, wenn derselben Gefahr drohet; sie sticht, vertreibt den Feind und endet ihr Leben, weil der Stachel mit dem Darme abreißt. Der Mensch muß sein Leben um so williger opfern, da ihm Christus mit Seinem Beispiel vorangegangen und da er den Himmel dafür zu hoffen hat.

Das Leben gleichet dem Bergsteigen.

Das menschliche Leben gleichet einem Wege über hohe Bergrücken hinweg; hinauf kostet es Anstrengung, es macht müde, verursacht Schweiß; man fällt, zerschellet die Füße, zerreißet die Hände und das Gesicht; ist man aber oben, an einem heiteren Tage, bei reiner Luft, mit einem Fernrohr versehen, o welch ein Genuß dann für das Auge! Zuletzt geht´s wieder bergab, es stauchen die Knie zusammen, man ist beim Hinunterkommen erschöpft.

So das menschliche Leben. Wer als Mann in seinem Höhepunkte sich freuen will, muß sich in der Jugend Mühe gegeben haben, er muß seinen Beruf tüchtig gelernt, ein gutes Gewissen bewahrt, sich etwas erworben haben; aber dann freut er sich auch seines Lebens. Zuletzt rückt das Alter heran, man verläßt die schöne Aussicht, man verliert die Körper- und Geisteskraft, Gedanken des Todes stellen sich ein, zuletzt bricht der entkräftete Körper zusammen und man legt sich in´s Grab.

II

Das Leben ist kürzer oder länger, je nach Tugend oder Laster.

Je mehr der Mensch den Lastern die Herrschaft über sich einräumt, desto kürzer ist das Leben; je tugendhafter er aber lebt und je sorgfältiger er seine Leidenschaften bezähmt, desto älter wird er. Wir haben die Beweise an den heiligen Einsiedlern der Wüste, welche bei aller Strenge und Enthaltsamkeit alle ein hohes Alter erreichten. Das Leben gleichet dem Strohdache auf den Gebäuden. Auf der Mitternachtsseite geht es eher zu Grunde, weil die Nässe länger darin bleibt und es beinahe nicht austrocknet, daher früher fault; wogegen aus auf der Mittagsseite länger dauert, weil es an der Sonne früher austrocknen kann, und sich deßhalb länger hält.

Der Mensch darf nicht leben, wie er will.

Der Mensch gleichet vermöge seines angebornen Hanges zum Bösen einem beladenen Wagen auf einer abschüssigen Straße; von selbst kann er auf der abschüssigen Flächer nicht stehen bleiben, die Last treibt ihn immer abwärts.

Es muß daher der Fuhrmann ein oder zwei Räder sperren, er muß Hemmschuhe unterwerfen und eine so große Reibung hervorbringen, daß der Wagen nicht treiben kann; er vermehrt die Hemmung so weit, daß die Pferde selbst bergab aus allen Kräften ziehen müssen; denn es ist rathsamer, sie müssen ziehen, als daß sie getrieben werden, unter die Räder kämen, oder an einer Mauer zerschelleten und der Wagen umfiele.

So darf auch der Mensch sich nicht selber überlassen, er muß sein Leben nach den Geboten Gottes regeln; denn von Natur neigt er zum Bösen, und ließe ihn Gott leben, wie er will, so würde er in kurzer Zeit unfehlbar die gröbsten Laster und Greuel verüben; er würde einem Teufel ähnlicher werden, als einem Menschen, er würde ganz verbosen, ganz Sinnlichkeit werden. Gott hemmt ein durch Seine Gebote, durch Leiden und Trübsale; er muß schmachten, leiden; je größer sein Hang zum Bösen, desto mehr steigert Gott den Druck seiner Leiden. Gebote Gottes, Gnade und Leiden sind für den Menschen das, was für den bergabfahrenden Wagen die Reibung und Hemmung der Räder ist.

Auf ein schändliches Leben folgt gewöhnlich ein schändlicher Tod.

Die alte Geschichte erzählt, König Ninus zog zu Felde und eine Heldenfrau zu Pferd half ihm zum Siege. Darüber freute sich der König und wünschte sie zur Frau zu haben. Darum ließ er ihrem Mann Menones die Wahl, entweder sie oder seine beiden Augen zu verlieren. Dem armen Manne war Beides lieb und so erlag er der Verzweiflung und erstach sich selbst.

Nun wurde diese Semiramis Königin. Sie soll schlecht gelebt, strenge regiert, tapfer gekriegt und prächtig gebaut haben. Sie bat den König, ihr zu erlauben, daß sie nur einmal fünf Tage allein regieren dürfte. Der König bewilligte es und ihre erste That war die Ermordung ihres königlichen Gemahls. Einmal kehrte sie geschlagen aus einem Kriege zurück und wurde von ihrem eigenen Sohne Nynias umgebracht. Auf ein schändliches Leben folgt gewöhnlich ein schändlicher Tod.

III

Für das ewige Leben muß sich der Mensch Alles gefallen lassen und Alles opfern.

Wenn die Menschen für das ewige Leben nur halb so viel thäten und wagten und litten, als für das Bischen zeitliches Leben, dann würden Alle selig werden.

Um das königliche Ansehen durch den Sturz des Adels und der Geistlichkeit zu heben, ließ Christian II. Unzählige umbringen. Fünf Reichsräthe und einen jungen Mann, Gustav Erichson, den Sohn eines schwedischen Reichsrathes, hatte Christian schon vorher nach Kopenhagen bringen lassen. Der junge Gustav, gewöhnlich Gustav Wasa genannt, entsprang aus seiner Haft und kam nach Lübeck. Der Magistrat gab ihm heimlich ein Schiff, welches ihn nach Schweden zurückbrachte. Er landete in Colmar. Dort war er nicht sicher. Gustav zog Bauernkleider an, versteckte sich bei Tage im Korn und und Gebüsch, und kam endlich auf das Gut seines Vaters Räfnas, und hier lebte er eine Zeit lang verborgen. Hier vernahm er, daß sein Vater gefallen und auf seinen eigenen Kopf ein hoher Preis gesetzt sei.

Er floh deßhalb in den Norden des Reiches und hatte allerlei sonderbare Schicksale. Erst arbeitete er als Handlanger in den Kupferbergwerken zu Falun, dann als Drescher bei einem reichen Pächter, wo die Mitknechte aus seinem feinen Hemde Verdacht schöpften. Einmal versteckte ihn ein Pfarrer acht Tage in seiner Kirche und als der Verfolgte darauf wieder einem Bauern als Knecht diente, traten dänische Wachen in´s Hausund Gustav stand am Feuer, sich zu wärmen. Da gab ihm die Bäuerin einen Schlag auf den Rücken und rief: Fort, fauler Bursch, an die Arbeit! Da schob sie ihn zur Thüre hinaus und entzog ihn den Augen der Häscher. Am andern Morgen wurde er in einem Fuder Stroh weiter gefahren. Dänische Reiter kamen herbei, stachen in das Stroh und verwundeten den in demselben versteckten Gustav, daß das Blut aus dem Wagen tröpfelte. Damit dieß den Dänen nicht auffalle, verwundete der Bauer eins seiner Pferde.

Endlich kam Gustav nach Dalekarlien und diese Leute schützten ihn gegen die dänischen Soldaten. Christian drohte, Gustav´s Mutter und seine zwei Schwestern hinrichten zu lassen. Gustav ließ sich nicht erschüttern und vernahm bald, daß Mutter und Schwester wirklich hingerichtet seien. Er sammelte einen Anhang, belagerte Stockholm und wurde zuletzt König der Schweden. O wenn der Mensch nur halb so viel für´s ewige Leben thäte und litte, was dieser Mann für sein leibliches Leben gethan, geduldet und gelitten hat!

Lebensüberdruß stammt oft vom bösen Geiste.

Christina von Stumbelen lebte zwei Jahre in süßen Verzückungen, dann fingen die finstern Gesichte an. Eines Nachts, als sie im Gebete lag, erschien ihr Einer in der Gestalt des Apostels Bartholomäus und vor ihr stehend sagte er: Tochter, du betest viel und möchtest gerne in den Himmel kommen; fazu wirst du sicher gelangen, wenn du dich umbringst, was ganz leicht vorübergeht. Von da an wich die Versuchung ein halbes Jahr lang nicht aus ihrem Herzen; so oft sie allein war, gedachte sie an nichts lieber, als wie sich umbringen möge; und es schien ihr, als ob ihr Herz nicht länger ausdauern könne, so sie es nicht thue. War sie an einem Brunnen, wollte sie sich in denselben stürzen; als sie einst zur Ader gelassen, öffnete sie die Binde; da aber ihr Arm schwarz wurde, graute ihr und ihr däuchte, sie habe übel gethan. Oft in der Nacht hörte sie eine Stimme, die sprach: Stehe geschwind auf, Gottes Wille ist, daß du dich umbringest; thust du es nicht, dann wirst du erwürgt und verdammt. Sie strebte in allerlei Weise gegen die Versuchung an, meinte aber immer, sie sei von Gott. Als diese Versuchung vorüber war, kam eine andere, die des Unglaubens.

Das Leben soll man mit keiner Sünde erhalten.

Thomas Morus, Großkanzler des Königs Heinrich VIII., sollte diesen als das Haupt der Kirche anerkennen. Dieß verweigerte er als guter Katholik und darum ließ ihn der König in den Kerker werfen und hinrichten. Anfangs wendete man Schmeichelei, dann Gewalt an. Selbst im Kerker suchte man ihn umzustimmen. Seine innig geliebte und wahrhaft liebenswürdige Tochter bestürmte das zarte Vaterherz. Er blieb standhaft. Die Vorwürfe seiner Frau erwiederte er mit Scherz. Wie lange könnte ich denn wohl noch leben, wenn ich des Königs Willen erfülle? fragte Morus unter andern seine Gattin. Etwa zwanzig Jahre, antwortete diese. Morus erwiederte: Soll ich zwanzig Jahre der Ewigkeit vorziehen? Die ungerechten Richter verurtheilten ihn zum Tode; er wurde enthauptet. So endete als katholischer Martyrer einer der edelsten und besten Männer, der sein Leben hätte erhalten können, aber durch eine Sünde. Eben so wenig darf der Kranke, dem die Aerzte den Gebrauch des weiblichen Geschlechtes anrathen, dadurch sein Leben erhalten wollen.

IV

In der Not muß der Christ sein Leben für die Brüder opfern.

Der vertriebene Tarquinius, und Porsenna, diese zwei Könige, besetzten den Berg Janiculus jenseits der Tiber, von welchem eine schmale hölzerne Brücke in die Stadt Rom führte. Als das Heer dieser zwei Könige anrückte, ergriff Furcht die Bürger; sie wollten diese Brücke, diesen so wichtigen Paß nicht mehr vertheidigen. Horatius Cokles hielt die Fliehenden mit Gewalt zurück und beschwor sie zu bleiben. Was wird euch das Fliehen helfen, wenn ihr dem Feinde diese Brücke lasset, euch nachzueilen? Finden sie diesen Zugang offen, so werden sie unmittelbar hinter euch in der Stadt sein. Brecht doch, ich bitte euch, mit Eisen oder Feuer, oder wie ihr nur könnt, die Brücke ab. Ich will indessen da vorn dem Uebergang wehren. Sie folgten ihm; Alle zogen sich von der Brücke zurück und unter so vielen Rücken erblickten die Feinde allein seine Brust ihnen zugekehrt, bereit, sie Alle zu empfangen. Nur noch zwei Andere hielt die Scham bei ihm zurück, und diese drei Männer wollten einem ganzen Heer den Weg über die Brücke versperren. Während hinter und unter ihnen die Brückenpfähle eilig zerhauen wurden, stemmten die Drei dem Angriffe der Feinde ihre Schilde entgegen und ihre Schwerter wütheten. Nach stundenlangem Arbeiten waren endlich die Pfähle zerhauen und die Römer riefen den Horatius mit den zwei Streitern zurück. Doch nur die beiden Andern gingen, Horatius blieb auf den schwankenden Bolen allein stehen und vor seinem schrecklichen Blicke standen die Feinde wie erstarrt. Endlich schießen sie von allen Seiten ihre Pfeile auf den Feind. Er fing die Pfeile mit dem Schilde auf und behauptete mit ausgespreizten Beinen die Brücke. Schon stand er in Gefahr, hinuntergedrängt zu werden; aber plötzlich hemmte das Geprassel der zerbrechenden Brücke und das Jubelgeschrei der jenseits stehenden Römer das Gefecht; Horatius sprang mit der ganzen Rüstung in die Tiber hinab. Unverletzt schwamm er durch den Hagel der ihm nachgesandten Pfeile und Wurfspieße zu den Seinen hinüber, die ihm mit rührenden Worten dankten und mit reichen Geschenken lohnten. Er hatte ihren Dank verdient, denn er hatte in dieser Noth sein Leben für sie aufgeopfert. So soll der Christ um so mehr thun, da er Christum zum Vorbilde hat.

Vorstellungen der wilden Indianer vom andern Leben.

Sie begraben ihre Todten nicht in die Erde, sondern legen sie auf Gerüste zum Schutz gegen die wilden Thiere. Die Leichen werden in ihren besten Anzug gekleidet, glänzend mit Zinnober bemalt und mit Oel bestrichen, mit Bogen, Köcher, Pfeife, Tabak, Messer, Feuerstein und Stahl versehen; denn diese Wilden glauben, daß die vom Körper getrennte Seele die Neigungen und Leidenschaften ihres früheren Standes beibehalte; daneben werden so viele Lebensmittel gelegt, als die Reise, welche bei verschiedenen Stämmen bald länger, bald kürzer dauert, erfordert. Das Ganze wird sodann in eine frisch abgezogene Büffelhaut gehüllt, mit Riemen umwickelt, und noch in mehrere in Wasser eingeweichte Häute mit Riemen zusammengeschnürt, so daß nirgends Luft Zutritt hat. Die Füße gegen Sonnenaufgang gekehrt, werden sie so mit dem Rücken auf die Gerüste gelegt.

Der schönste Charakterzug der nordamerikanischen Ureingebornen bleibt immer ihr starker Glaube an die Unsterblichkeit der Seele. Dabei haben sie viel voraus vor den aufgeblasenen Philosophen und Gottesläugnern unserer Zeit. (Anmerkung: Wie wahr! Der Abschreiber hat gerade das Foto des selbstherrlich dreinschauenden, gerade mit dem Börner-Preis geehrten Philosophen P. S. in den „Dolomiten“ vom 20.2.2013, S. 8, angeschaut. Welche Unwissenheit spricht aus diesen Zügen!) Die Wilden sind weiser, als diese; sie halten die Seelen der Abgeschiedenen für eben so viele Schatten und lebende Bilder der Körper und füllen dem zu Folge das ganze Weltgebäude mit beseelten Wesen. Viele Stämme glauben auch, die Seele irre noch so lange um die Grabstätte herum und gehe dann erst in das Land der Seelen, bis das jährliche Todtenfest vorüber ist. Dort drüben glauben sie schöne und reich mit Wild versehene Jagdgefilde für sie bereitet.

Im Dienst Gottes soll man das Leben nicht ängstlich schonen.

Pabst Pius V. war, obwohl schon alt und gebrechlich, doch unermüdlich im Dienste Gottes und in Erfüllung seiner schweren Pflichten. Da ihm nun die Aerzte und Verwandten riethen, sich mehr zu schonen und seine Gesundheit sorgfältiger zu pflegen und da sie versicherten, ihre Liebe zu ihm nöthige sie, ihn von seiner schonungslosen Thätigkeit zurückzuhalten, antwortete er ernst: Der Stuhl des heiligen Petrus ist kein Schlafstuhl, sondern ein Sorgenstuhl. Gesundheit und Verlängerung des Lebens ist das Letzte, um was sich ein Papst (Anm.: diesmal mit p, vorher mit b) zu bekümmern hat. Lohn. Bibl. II. 510.

V

Das längste Leben ist im Vergleich mit der Ewigkeit kaum eine Stunde.

Kardinal Hugo erzählt, man habe den Teufel in einem Besessenen gefragt, wie lange es sei, daß er aus dem Himmel verstoßen wurde? Er antwortete: Erst gestern. O wie lügst du! sagte man zu ihm; wir wissen ja, daß es mehr als fünftausend Jahre sind, seitdem du gefallen bist; wie kannst du denn sagen, daß es erst gestern geschehen sei? Auf dieses antwortete der Teufel: O wenn du wüßtest und begriffest die Ewigkeit, so würdest du die ganze Zeit von Anbeginn der Welt bis jetzt nur für eine Stunde halten! Was ist also das längste menschliche Leben im Vergleich mit der Ewigkeit anders, als eine Stunde, ja ein Augenblick?

Der Uebergang von einer Lebensart in die andere ist gefährlich.

Der Uebergang aus einem Stande in den andern, aus diesen in entgegengesetzte Lebensverhältnisse ist immer gefährlich und erfordert Wachsamkeit; namentlich der Uebergang aus dem ledigen in den Ehestand, aus diesem in den Wittwenstand, wegen der Unenthaltsamkeit und Unmäßigkeit im Geschlechtsgenusse; aus der Armuth in Reichthum, aus dem Dienstverhältnisse in den Stand des Herrn und der Frau, wegen des Stolzes, Geizes oder Genußsucht; aus Gesundheit in Krankheit wegen Ungeduld, aus dem freien Stand in den Soldatenstand wegen der Rohheit und bösen Beispiele; aus der Heimath in die Fremde wegen der ungewohnten Freiheit. Solche Uebergänge fordern Wachsamkeit und Selbstbeherrschung. Fehlt es an diesem, so geht es ihm, wie dem Glase, wenn es zu schnell in die entgegengesetzte zu heiße oder kalte Temperatur übergeht; es zerspringt; der Mensch fällt in Sünden.

Das Leben der Menschen ist in der Hand Gottes.

In der Schlacht bei Chlum 1866 erhielt ein Hauptmann der Artillerie während des Rückzugs nach Pardubitz vom Feldmarschall-Lieutenant Gablenz den Befehl, mit seiner Batterie in ein Kornfeld zu fahren und die nachsetzende Reiterei aus der Flanke zu beschießen, welchen Befehl er auch ausführte. Kaum waren jedoch die Geschütze abgeprotzt und schickten sich zum Feuern an, als er sich plötzlich von seinem Pferde weg in die Luft gehoben und mehrere Schritte fortgeschleudert fühlte. Als er die Ursache seines Sturzes näher untersuchte, wollte er seinen Augen kaum trauen, so außerordentlich war sie. Eine Granate war nämlich in den Bauch seines Pferdes gedrungen und im Innern des Thieres zerplatzt, so daß dasselbe explodirte, wie ein unterminirtes Mauerwerk und der Luftdruck den Reiter, sowie den neben dem Pferde stehenden Burschen des Hauptmanns fortschleuderte. Der Hauptmann hatte außer einer Quetschung auf der Brust, welche davon herrührte, daß ihn ein Stück des Pferdes traf, keine weitere Verletzung.

Ein lasterhaftes Leben endet mit einem unseligen Tode.

Ein sehr witziger Diener, dessen Herr lasterhaft lebte und die Buße bis auf´s Sterbebette verschieben wollte, hatte einen eigenen Gedanken, ihn zu kuriren. Einst befahl sein Herr, er solle auf den Markt gehen und einen Esel kaufen. Er ging, lief den Markt durch, kam aber nach Hause und sagte: Ich finde keinen. Der Herr ging selbst, sah eine Menge Esel und sagte: Es sind ja gute Esel genug da, warum hast du keinen gekauft? Er antwortete: Ich habe immer einen Esel mit einem Pfauenschweife gesucht. Ei du Narr, sagte der Herr, wo wird denn ein Esel einen Pfauenschweif haben? Ebenso, versetzte der Diener, ist es auch nicht möglich, daß ein Lasterleben mit einem Pfauenschweife, das heißt, gut ende. Der heilige Hieronymus sagte: Unter hunderttausend Menschen, die da ein lasterhaftes Leben geführt haben, wird kaum Einer glücklich sterben!

Originalschreibweise.

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