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Ehmig: Gleichnisse

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18b8lehr

Lehrer.

9.3.2013
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Lehrer. Seiten 225-226.

Lehrer.

Die Aeltern müssen den Kindern Achtung gegen die Lehrer einflößen.

Dem Kaiser Theodosius dem Großen und seiner frommen Gemahlin lag die Bildung seiner Söhne so sehr am Herzen, daß er, als er in seinem griechischen Reiche keinen ganz vollkommen dazu geeigneten Mann zu finden wußte, an den Kaiser des Abendlandes schrieb, und durch diesen von dem römischen Papste einen Erzieher für seine Kinder sich erbat, der ihm auch den heiligen Arsenius, einen Mann von edler Geburt und großen Kenntnissen, zuschickte. Der Vater sorgte auch, daß seine Kinder ihrem Lehrer den gebührenden Respekt erwiesen und als er eines Tages, da er in´s Lehrerzimmer gekommen war, bemerkte, daß Arsenius vor den Prinzen stand, während diese saßen, so rügte er dieses ernstlich und von nun an mußten die Prinzen immer stehend den Unterricht anhören, während der Lehrer saß.

Die Lehrer der Religion haben Fürbitter im Himmel an ihren Schülern.

Die heilige Euphraxia hatte im Kloster die Schwester Julia zur Lehrmeisterin; diese lehrte sie lesen und den Psalter beten und liebte sie als ihre Schülerin sehr. Als nun Euphraxia sterben sollte, bat sie Julia: Meine Schwester, vergiß nicht meiner! gedenke, daß ich auf Erden immer um dich war; bitte Gott, daß Er mich auch jetzt nicht von dir absondere. Erinnere dich, daß ich deine Lehrerin war und dir gut streiten half; bitte, daß ich mit dir hinscheide. Nachdem Euphraxia gestorben war, sprach Julia freudig zur Äbtissin: Meine Frau, bete für mich; denn Christus rufet mich auf die Fürbitte der seligen Euphraxia. Dann küßte sie alle Schwestern und am fünften Tage starb ihre Lehrerin und ward neben Euphraxia begraben. Nach dreißig Tagen rief die Äbtissin die Schwestern zusammen und befahl ihnen, eine andere Oberin zu wählen und sprach: Der Herr ruft mich; Euphraxia hat für mich gebetet, und hat viel gebetet, damit ich würdig ward, als Braut Christi in den Himmel einzugehen; auch Julia ward dieses Glückes gewürdigt und ging ein in den Palast, der nicht von Menschenhänden gemacht ist; ich eile, meinen Platz bei ihnen einzunehmen. Sie ging in´s Bethaus, durchwachte die Nacht im Gebete und am Morgen fand man sie im Herrn entschlafen; auch sie wurde zu Euphraxia in´s Grab gelegt.

Ein Lehrer muß viele Geduld haben.

Ein Altvater in Scithi hatte woll große Geduld, aber er war sehr vergeßlich. Kaum hatte ihm sein Abt Johannes der Kleine Ermahnung und gute Lehren gegeben, so vergaß er sie im Weggehen und er kehrte um, damit er ihn wieder frage; doch er vergaß sie wieder, kehrte um und fragte auf´s Neue. Endlich getraute er sich nicht mehr zu fragen. Da sagte ihm aber Johannes: Komm ohne Bedenken, so oft du willst. Durch die wechselseitige Geduld befreite sich der Altvater von seiner Vergeßlichkeit; denn das war das Hauptgeschäft dieser Einsiedler, die, welche von einer Leidenschaft befangen waren, zum Kampfe aufzumuntern, und sich alle Mühe zu geben, einander zum Guten anzueifern.

Originalschreibweise.

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