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Ehmig: Gleichnisse

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Leiche. Leichtgläubigkeit. Leichtsinn.

29.3.2013
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichworte: Leiche. Leichtgläubigkeit. Leichtsinn. Seiten 229-230.

Leiche.

Menschliche Leichen sollen zur Erde bestattet werden.

Als der heilige Zosimus das nächste Jahr wieder in die Wüste kam, suchte er die heilige Maria von Ägypten und fand ihren Leichnam, die Hände gefaltet und gegen Aufgang gewandt.  Er lief hin und benetzte ihre Füße mit Thränen; denn er wagte nicht, ein anderes Glied anzurühren. Da er einige Zeit geweint und die bei einer Leiche gewöhnlichen Psalmen und Gebete gesprochen, wollte er zum Begräbnisse schreiten; aber er dachte: Vielleicht will die Heilige nicht, daß ich es thue. Unter diesen Gedanken sah er eine Schrift im Sande und las die Worte: Vater Zosimus, begrabe die Leiche der armen Maria! gib der Erde zurück, was ihr gebührt und lege den Staub in den Staub. Bitte nur den Herrn für mich, die ich am Tage der heiligen Kommunion dahingeschieden bin. Mit Hilfe eines Löwen, der freiwillig herbei kam, machte er ein Grab und legte ihren Leib hinein.

Leichtgläubigkeit.

Die Leichtgläubigkeit der Menschen zu Schlechtem benützen, ist große Sünde.

Ein schlauer Bürger der Stadt Comarino in Italien, dessen Hauswesen ganz zerrüttet war, begab sich aus der Stadt hinweg, um aus der Leichtgläubigkeit des Volkes einen neuen Erwerbszweig zu eröffnen. Nach einigen Wochen kam ein Fremder in die Stadt, der, nach Landesgebrauch, einen elenden kranken Menschen, mit wohl umwickeltem und eingehülltem Kopfe, auf einem Karren daherzog. Er schob den Karren mit seiner Last in eine düstere Halle neben der Kirchenpforte, sich selbst aber postirte er an die Pforte, um allen Ein- und Ausgehenden ein Almosen abzubetteln.

Ihr guten Christen, sprach er, wollet doch um der Barmherzigkeit Gottes willen dem Kranken dort ein Almosen reichen. Er ist ein gar heiliger, frommer und erleuchteter Mann, der schon vielen Menschen in allerlei Nöthen geholfen, auch zukünftige Dinge ihnen vorhergesagt hat; selber aber muß er elend und hilflos bleiben, weil das der Wille Gottes so haben will.

Da trat manche mitleidige Bürgersfrau zu dem Kranken hin, deren jeder er etwas Schönes, Tröstliches, Rührendes, Herzbrechendes oder Erfreuliches zu sagen wußte, Manche auch bei ihrem Namen nannte und von Jeglicher eine kleine Gabe empfing.

Es kam aber noch eine andere Frau hinzu, die vielmehr von ihm ein namhaftes Geschenk empfing. O ehrbare Frau Giulietta, sagte er zu dieser, wollet nicht so trostlos und traurig sein; denn euer Mann, um den ihr euch härmet, wird in kurzer Zeit wieder zurückkommen; auch hat er euch einiges Geld hinterlassen, aber in der Eile es euch zu sagen vergessen; suchet nur zu Hause in dem grünen Schranke neben dem Kamin, in der kleinen Schublade, linker Hand, die zweite Reihe von oben, dort werdet ihr fünfzehn Lire finden. Die Frau eilte nach Hause, fand Alles genau so, wie der erleuchtete Mann in der finstern Halle ihr geweissagt hatte, und breitete mit üblicher Frauenberedsamkeit seinen Ruhm in der Stadt aus. Von  nun an drängte sich Jung und Alt zu ihm und überhäufte ihn dermassen mit Geschenken, daß er nach wenigen Tagen, von seiner Dürftigkeit gründlich geheilt, sich wieder aus dem Staube machte.

Leichtsinn.

Strafbarer Leichtsinn.

In einem Kaffeehause in Wien ereignete sich der vielleicht unerhörte Fall, daß drei Herren, welche einem erst vor einigen Tagen angekommenen Manne seine ganze Barschaft im Spiele abgenommen, demselben das ganze verlorne Geld mit einer tüchtigen Lektion zurückerstatteten, da sie erfuhren, daß er verheirathet, und durch Leichtsinn sein ganzes Vermögen verloren habe. (Gemeindezeitung.)

Leichtsinn macht zum Verbrecher.

Theodor Kerzendorfer, ein junger Mann von vierundzwanzig Jahren, mit sehr einnehmenden Gesichtszügen und nach der Mode gekleidet, der im Faschingsschwindel des Jahres 1867 nur zu oft mit leichtsinnigen Mädchen durch die Ballsäle schwebte, erschien am 7. März 1867 zur Sühnung seiner Faschingssünden vor dem k. k. Wiener Landesgerichte, des Betruges angeklagt. Ein aufrichtigeres, reuigeres Geständniß, als er ablegte, kann man sich kaum denken. Jugendlicher Leichtsinn, erzählte er, habe ihn auf die Bahn des Verbrechers geführt.

Aus übertriebener Vergnügungssucht habe er, ein leidenschaftlicher Spieler und Weiberfreund, alle Unterhaltungen mitgemacht, wozu freilich sein monatlicher Gehalt von vierzig Gulden und das Taschengeld, das er von seinem Vater erhielt, nicht ausreichte. Hiezu kam noch, daß er auch eine Geliebte gehabt, für die er so manche Auslagen zu bestreiten hatte. Um nun seinen noblen Leidenschaften leben zu können, mißbrauchte er das Vertrauen seines Herrn, des Oelhändlers Adolph Ruhmann, indem er mehrere Nachnahmsscheine im Komptoir heimlich sich aneignete und von mehreren Handelsleuten die angewiesenen Beträge, in summa sechshundertachtunddreißig Gulden vierunddreißig Kreuzer einkassirte, ohne hiezu ermächtigt zu sein. Diesen Betrag hat er in drei Monaten verjuxt. Der junge Mann wurde zu zwei Jahre Kerker verurtheilt. Mit seltener Fassung nahm er diese Strafe an.

In Originalschreibweise.

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