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Ehmig: Gleichnisse

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18b8lern

Lernen – Leuchten- Leute

14.10.2013
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichworte: Lernen – Leuchten - Leute. Seiten 256-258.

Lernen.

Man soll Alles lernen, wozu man Gelegenheit hat.

Im Kollegium der Jesuiten zu Paris hielt man den heiligen Franz (Anmerkung ETIKA: vermutlich Franz von Sales) fähig, in die Rhetorik einzutreten. In zwei Jahren machte er so große Fortschritte darin, daß er einer der beredsamsten Männer seines Jahrhunderts ward. Mit gleichem Erfolge ergab er sich auch dem Studium der Philosophie. Da vortrefflichen Verstand hatte und keine Zeit verlor, fand er derselben noch genug, auch die scholastische Theologie zu studiren.

Er wohnte mit seinem Hofmeister der Vertheidigung der Thesen bei; oft auch hielten sie Disputationen unter einander, so wie auch mit den Theologen, welche zum Besuche zu ihnen kamen; und er erlangte zuletzt eine solche Gewandtheit darin, als hätte er sich ausschließend auf diese Wissenschaft verlegt, deren feine Spitzfindigkeiten mehr als genügend sind, den Menschen zu beschäftigen. Als er das Studium der Philosophie beendet hatte, brachte ihn sein Hofmeister auf ausdrücklichen Befehl seines Vaters, des Grafen, in die Akademie, woselbst er reiten, fechten, tanzen und überhaupt Alles lernen mußte, was einem Kavalier seines Standes angemessen war. Der junge Graf, der längst beschlossen hatte, in den geistlichen Stand zu treten, ergab sich diesen Uebungen nur mit Widerwillen, da er erachtete, sie würden ihm in der Folge von keinem Nutzen sein; weil er es sich jedoch zu einem unverbrüchlichen Gesetze gemacht hatte, dem Willen seiner Aeltern nachzukommen, brachte er es auch darin weit und erlangte dadurch jene freie Bewegung und Ungezwungenheit, die er seit jener Zeit ungeachtet seiner Sittsamkeit und seines einfachen Wesens immer beibehielt.

Lernbegierde ist lobenswerth.

Zu Peters des Großen Zeiten waren die Russen noch halbe Wilde. Peter lernte als Knabe von einem Franzosen exercieren und als er schon Kaiser war, ging er unbekannt als gemeiner Mann auf Reisen, um die Welt kennen zu lernen. Als er nach Amsterdam kam, war er von früh bis spät geschäftig, die Handelsläden und Magazine, die Werkstätten der Künstler, die Seeschiffe, Mühlen, Dämme, Schleusen und Kanäle zu besehen; Abends zeichnete er das Wichtigste auf. Zuletzt setzte er über das Y nach dem Dorfe Zaardam über, wo großer Schiffbau getrieben ward. Hier bezog er eine hölzerne Fischerhütte, machte sich täglich sein Bett selbst und nachdem er unter dem Namen Peter Michaelow als gemeiner Zimmermann eingeschrieben war, ging er jeden Morgen und jeden Nachmittag mit der Axt auf die Werfte und lernte den Schiffbau, indem er selbst mitzimmerte. Auch in der Schmiede arbeitete er, und bald hatte er dicke Schwielen an den Händen. Nach sieben Wochen verließ er Zaardam, und nahm im Winter wieder Wohnung in Amsterdam, ließ sich in der Mathematik und Physik unterrichten und übte sich sogar in chirurgischen Operationen. In London streifte er in den Werkstätten der Uhrmacher umher; dann ging er nach Dresden und Wien, um das deutsche Kriegswesen kennen zu lernen.

Leuchten.

Das Leuchten der Heiligen.

Den heiligen Arsenius hat einst ein Bruder durch´s Fenster ganz in Feuer stehen sehen. Als der Abt Lot denn Abt Joseph um die Art befragte, wie er sein Leben einzurichten habe, da stand dieser auf, streckte seine Hände gegen Himmel und alsbald wurden seine Hände ganz feurig, wie zehn brennende Lampen; hernach sprach er zu Lot: So du nur willst, kannst du durch´s Gebet ganz feurig und entzündet werden.

Leute.

Man kann es nicht allen Leuten recht machen; man mache es nur Gott recht.

Ein Müller und sein Sohn trieben einen Esel in die Stadt, um ihn auf dem Markte zu verkaufen. Ein Reiter begegnete ihnen und sagte: Pferde und Esel sind, daß man auf ihnen reite; warum sitzt keiner von euch auf? Nun bestieg der Sohn den Grauen. Bald darauf begegnete ihnen ein Fuhrmann und rief: Du ungerathener Junge! schämst du dich nicht, zu reiten, während dein Vater zu Fuß geht? Der Sohn stieg eilends ab und ließ seinen Vater aufsitzen. Darauf kam eine Bäuerin, welche einen Korb voll Obst trug und sagte: Das ist ein unbarmherziger Vater, der es sich auf dem Esel bequem macht und seinen Sohn auf dem kothigen Wege nachgehen läßt.

Nun setzte sich der Sohn zum Vater auf den Esel. Ach, das arme Thier, schrie ein Schäfer, es muß zu Grund gehen; ihr seid rechte Thierquäler! Nun stiegen Beide ab und der Sohn sagte voll Verdruß zu dem Vater: Was sollen wir doch mit dem Esel anfangen, um es den Leuten recht zu machen? sollen wir ihn an einer Stange zu Markte tragen? Allein der Vater sprach: Wir sehen nun klar, daß man es nie allen Leuten recht machen kann; das klügste ist, wir machen, was vor Gott recht ist und kümmern uns nicht um die Leute.

In Originalschreibweise.

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