ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

www.etika.com

18b8lich

Licht

30.10.2013
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Licht. Seite 259.

Licht.

Das vorzüglichste Licht ist das ewige oder himmlische Licht.

Es gibt verschiedenes Licht: Sonnenlicht, Mondlicht, elektrisches Licht, phosphorisches Licht, Gaslicht, Nordlicht, Käferlicht, Feuerlicht. Der Schöpfer hat aber noch ein anderes Licht erschaffen, das himmlische Licht, ein wunderbares Licht, welches Leib und Seele glänzen und leuchten macht und erleuchtet. Die Leiber der auferstandenen Frommen werden einst nach Maßgabe ihrer Tugend leuchten, mehr oder weniger. Die Heiligen bedürfen des Sonnenlichtes nicht, weil Jesus wie die Sonne glänzt und jeder auch. Wir sehen dieses Leuchten an den Heiligen schon bei ihren Lebzeiten.

Als einst der heilige Franz von Assisi im Kloster der heiligen Clara übernachtete und sein ärmliches Nachtmahl auf bloßer Erde einnahm, während er mit den Nonnen himmlische Gespräche führte: da leuchtete sein Leib so sehr, daß das Kloster im Feuer zu stehen schien, und daß die Nachbarn zu Hilfe eilten, in der Meinung, es sei eine Feuersbrunst im Kloster ausgebrochen.

Kann man im Lichte mehrerer Johanniswürmchen lesen, warum sollte man im himmlischen Lichte nicht sehen oder besser sehen können, als im Sonnenlichte? Wir werden im himmlischen Lichte die Dinge nicht nur sehen, sondern durchschauen und dieses Licht wird den Heiligen genügen, um alles zu sehen, was sie zu sehen verlangen. Mithin wird im himmlischen Lichte auch ein höheres, gründlicheres Wissen statt finden, als auf Erden und die Heiligen werden in diesem Lichte wissen, um was man sie anrufet.

Lichterscheinungen der Heiligen

Als die heilige Hildegard gestorben war, erschienen über ihrer Wohnung zwei leuchtende, verschieden gefärbte Bogen, die in ihrer Mitte sich durchkreuzend, gleich zwei weit hinziehenden Lichtstraßen von Norden nach Süden und von Osten nach Westen gingen. Oben im Kreuzungspunkte war ein klarer Stern, groß wie des Mondes Scheibe, der die Finsternisse der Nacht zerstreute. Im Lichte fand ein Kreuz sich eingeschrieben, im Beginne klein, dann in´s Unbegrenzte wachsend; umher unzählige Kreise mancherlei Farbe, jeder in seiner Mitte sein eigenes nur kleineres Kreuz beschließend. Indem sich diese Erscheinung immer weiter ausbreitete, schien sie auch abwärts in die Tiefe sich mehr und mehr gegen das Haus zu senken und verklärte den ganzen Berg allumher.

Als sie zweiundvierzig Jahre alt war, fuhr ein feuriges Licht vom Himmel ihr durch Gehirn, Brust und Herz; einer Flamme gleich, nicht brennend, sondern erwärmend, wie die Sonne zu thun pflegt, wenn sie einen Gegenstand erleuchtet. Von dem Augenblick an erlangte sie das Verständniß und die Auslegung der heiligen Schrift, ohne doch darum die Bedeutung der einzelnen Worte oder die Regeln der Sprachlehre zu kennen. Auch der Gesang und die Melodie zum Lobe Gottes und der Heiligen war ihr nun ohne eines Menschen Unterricht gegeben; denn Jutta, die Vorsteherin des Klosters hatte sie nur nothdürftig die Psalmen singen gelehrt und sie kannte kaum die Buchstaben.

In Originalschreibweise.

Übersicht über Neue Gleichnisse - Index 18 B ETIKA-Bibliothek