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Ehmig: Gleichnisse

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Lob – Lohn- Lotto

2.5.2014
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichworte: Liebhaberei. List. Litanei. Seite 293-295.

Lob.

Verkehrtheit der Menschen, die tadeln, was sie loben, und loben, was sie tadeln sollten.

Die Raben lernen leicht Worte nachsprechen. Ein römischer Bürger hatte einen Raben abgerichtet, dem Kaiser Augustus bei einem Triumphzuge zugerufen: Sei gegrüßet, Cäsar, Sieger, Herrscher! Zum Unglücke rief er ihm aber zu: An dir ist Hopfen und Malz verloren! Diese Worte hatte nämlich der Vogel oft von seinem Lehrmeister gehört, wenn dieser über seine Ungelehrigkeit unwillig geworden war. Der Rabe wird seinem Lehrmeister keine Freude gemacht haben, weil er Den beschimpfte, den er loben sollte.

Gott kann an vielen Menschen eben so wenig Freude haben, weil sie in ihrem verkehrten gottlosen Sinne es gerade wie dieser Rabe machen. Was sie loben sollen, tadeln sie, was sie tadeln und strafen sollten, loben sie. Wie oft gibt man alternden Jungfrauen den Spottnamen: Betschwester; da doch in Gottes Augen der ledige Stand, wenn man sich Gott weihet, den Vorzug vor dem Ehestande hat! Wie oft werden eifrige Prediger, welche die herrschenden Laster angreifen, wie es Gott will, beschimpft und verspottet! Wie viele Beichtkinder verschreien einen gewissenhaften Beichtvater, weil er etwas tiefer in das Gebreste der Seele eindringt, was doch gut ist. Wie viele Dienstboten reden ihrem Herren Uebles nach, weil man ihnen keine Ausschweifung gestattet. Wie Viele nehmen die Zurechtweisung der Seelsorger übel auf! Sie tadeln also, was sie loben sollten.

Dagegen lobt man anderer Leute Sünden, nimmt also fremde Sünden auf´s eigene Gewissen, bestärkt sie im Bösen, hindert die Erkenntniß und Besserung. Hier sollte man freimüthig tadeln; das würde Gott gefallen und den Nächsten bessern. Listige Schurkenstreiche lobt man. Wenn der Beschimpfte noch besser zurück schimpft und wenn der Beleidigte Rache nimmt, das lobt man. Wer drollige Späße machen kann, sie mögen noch so schmutzig sein, das lobt man. Wie verkehrt handeln doch die Menschen!

Menschenlob soll man auf Gott wenden und soll uns nicht eitel machen.

Die Türken belagerten im Jahre 1683 Wien; sie kamen zwar nicht in die Stadt, desto schrecklicher mißhandelten sie aber das Land: fünfzigtausend Kinder, sechstausend Männer, elftausend Weiber und einundfünfzigtausend Jungfrauen schleppten sie aus Oesterreich in die Türkei.

(Anmerkung ETIKA: Sollen uns die hl. Caterina von Siena, Il Libro, Kap. 5 und 8, P. Juan Eusebio Nieremberg S. J., Der einfachste und kürzeste Weg zur Vollkommenheit, P. Wilhelm Auer, Goldene Legende, S. 323 beim hl. Jacobus dem Jüngeren, und so viele Andere erklären, warum sie so hartnäckig darauf bestehen, dass jeder Christ jedes Unrecht mit Geduld erträgt! Warum darf man sich nicht wehren gegen solches Unrecht, zumal wenn es Frauen und Kinder betrifft? Christen, begeht doch nicht Selbstmord aus falsch verstandener Nächsten- und Feindesliebe! Denn die Nächsten sind ja die einem anvertrauten Frauen und Kinder und sonstigen Angehörigen, nicht die Türken. Waren denn die Mönche und zugleich Ritter von Calatrava („monjes y soldados“) völlig auf dem Holzweg, als sie Spanien von den Mauren zurückeroberten, hätten sie das Land in der Hand der Kalifen lassen sollen? Es gibt da zwei verschiedene Richtungen im Christentum.)

In Wien waren zweimalhunderttausend Menschen – wie sollte es diesen gehen? Als aber die Noth am größten war, am Abend des 11. Septembers, erschien der tapfere Polenkönig Johann Sobiesky mit zwölftausend Reitern und dreitausend Fußgängern zum Entsatze. Am 12. September vor Tagesanbruch wohnten die katholischen Feldherren der heiligen Messe bei, wobei Sobiesky kommunzirte. Nachdem Alle ihre Andacht beendigt hatten, wurde angegriffen. Sobiesky fiel wie ein Sturmwind mit seiner leichten Reiterei über die Türken her und zwang sie, nach einem ungeheuren Verluste am Abende das Feld zu räumen.

Zwei Tage nach dem Entsatze kam der Kaiser aus Linz zurück und es wurde ein feierlicher Einzug in Wien gehalten. Auf den Kaiser sah Niemand, aber für Sobiesky und den Herzog von Lothringen waren die Winer bis zur Begeisterung hingerissen. Ein Prediger wählte zum Texte der Siegespredigt die Worte Joh. 1, 6: Es war ein Mensch von Gott gesandt und dieser hieß Johannes. Sobiesky schrieb seiner Gemahlin die Nachricht des Sieges; der Schluß des Briefes lautete also: Ich mußte lange mit dem Vezier fechten, bis der linke Flügel mir zu Hilfe kam. Da waren um mich der Kurfürst von Baiern, der Fürst von Waldeck und viele andere Reichsfürsten, die mich umhalseten und küßten. Die Generale faßten mich bei den Händen und Füßen, die übrigen Obersten und Offiziere sammt ihren Regimentern zu Roß und Fuß riefen mir zu: Unser braver König! Heute morgen erschien der Kurfürst von Sachsen nebst dem Herzog von Lothringen vor mir. Endlich kam auch der wienerische Statthalter, Graf von Starhemberg, mit vielem Volke hohen und niedern Standes mir entgegen; Jedermann hat mich geherzt, geküßt und seinen Erlöser genannt. Auf der Straße erhob sich ein Jubelgeschrei: Es lebe der König! Als ich nach der Tafel wieder hinaus in´s Lager ritt, begleitete mich das gemeine Volk mit aufgehobenen Händen zum Thore hinaus. Für diesen uns zugesandten höchst vortrefflichen Sieg sei dem Höchsten Lob, Preis und Dank gesagt in Ewigkeit! (Anmerkung: im Buch steht der Gedankenstrich wohl fälschlich zwischen hinaus und Für.) So muß man´s machen, wenn man gelobt und geehrt wird; man muß Lob und Ehre Gott zu wenden.

Lohn.

Den verdienten Lohn versagen, ist schwere Sünde.

Die Wiener Fiaker sind mitunter rohe, aber meistens doch ehrliche Leute; beide Eigenschaften wurden von Einzelnen schon oft bewiesen. Von ihrer Ehrlichkeit gibt nachstehender Fall abermals Zeugniß. Als es vor einigen Tagen stark regnete, kam ein alter Herr zu einem Fiaker auf der Mariahilfer Hauptstraße und fragte ihn, was er für die Fahrt in die Stadt am Hof verlange? Der Fiaker begehrte achtzig Kreuzer. Der Alte sagte ihm hierauf, daß er nicht mehr als dreißig Kreuzer bei sich habe und es ihm ein anderes Mal einbringen werde, wenn er ihn jetzt führe. Der Fiaker willigte ein und fuhr wieder zurück nach Mariahilf. Dort angekommen, sah er in seinem Wagen nach und fand einen seidenen Beutel, in welchem fünfzehn Gulden Banknoten, drei Dukaten und zwei Guldenstücke sich befanden. Bald darauf kam auch schon der alte Herr mit einem andern Fiaker angefahren und fragte ihn, ob er keinen Beutel im Wagen gefunden habe? Der Fiaker antwortete lakonisch, wie er Geld im Wagen habe verlieren können, da er ihm doch betheuerte, nicht mehr als dreißig Kreuzer zu haben? zog aber zugleich den Beutel hervor und gab ihn dem Eigenthümer zurück, der sich ohne Nachzahlung des Fiakerlohnes und ohne Zurücklassung des Finderlohnes rasch entfernte. Hier war Schmutzerei und Ehrlichkeit beisammen. (Gemeindezeitung.)

Lottospiel.

Leidenschaftliches Lottospiel ist schwere Sünde.

Die christliche Religion verbietet alle Hazardspiele; was ist aber ein leidenschaftliches Lottospiel anders, als ein Hazardspiel? Denn ein Spiel spielen, wo fünfundachtzig Nummern der Anstalt und nur fünf dem Spieler gewinnen, ist eine unvernünftige Verschwendung. Wer dieses Spiel leidenschaftlich betreibt , ‒ und davon ist hier die Rede ‒ der gleichet einem Fischer, welcher in einem Bache kleine Fische angelt und goldene Körner als Köder an die Angel steckt. Die Fischlein beißen die goldenen Körner an, verschlucken sie und gehen damit in die Tiefe. Nur selten bleibt eines oder das andere an der Angel hängen. In diesem Falle hat er zwar das Fischlein und das goldene Köder auch; aber wie viele Goldkörner gehen ganz verloren? Hat nun das gefangene Fischlein solchen Werth, daß es den Verlust so vieler Goldkörner aufwiegt? Eben so sind auch die Gewinnste beim Lottospiel so selten, daß es leidenschaftlicher Spieler immer mehr verliert, als gewinnt.

In Originalschreibweise.

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