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Ehmig: Gleichnisse

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18b8lust

Lust – Luther –Luxus

13.6.2014
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichworte: Lust – Luther – Luxus. Seiten 301-303.

Lust.

Ungezähmte Lüste des Fleisches machen unfähig, ein gottgefälliger Christ zu werden.

Ein König in Ostindien, Namens Kazil, nahm den heiligen Franz Xaver freundlich auf, und fühlte sich so zu ihm hingezogen, daß seine Nähe ihm unentbehrlich ward; er hörte ihn stundenlang von seinem Gotte sprechen. Doch vorherrschende Sinnen- und Fleischeslust war das große Hinderniß, das sich seinem besseren Streben entgegenstellte und ihn für die Taufgnade unempfänglich machte. Außer unzähligen Beischläferinnen unterhielt der König hundert Frauen in seinem Palaste. Das christliche Gesetz, sich auf Eine zu beschränken, war eine zu schwere Aufgabe für ihn, und wenn Xaver ihm von der Nothwendigkeit, sich diesem göttlichen Gebote zu unterwerfen, sprach, suchte er diese durch spitzfindige Klügeleien und durch die verderblichen Grundsätze der muhamedanischen Sekte zu bestreiten, indem er zum Beispiel sagte: Der Gott der Christen und der Gott der Sarazenen ist ja ein und derselbe Gott; warum denn verbietet Er den Christen so strenge, mehr als Ein Weib zu haben, während Er den Sarazenen die Vielweiberei erlaubt? Zuweilen äußerte er wohl bessere Gesinnungen; aber die Unmöglichkeit erkennend, das göttliche Gesetz mit dem Muhameds zu vereinigen, hielten ihn immer in seinen sinnlichen Lüsten und Irrthümern gefangen. Das Einzige, was man von ihm erlangen konnte, war, daß er sein königliches Wort gab, einen seiner Söhne taufen zu lassen. Aber er hielt sein Wort nicht; ja er verfolgte später auch die Christen grausam.

Luther.

Luthers Gemüthsart war zur Uebertreibung geneigt.

Schon als Knabe ward er von allerlei trüben Vorstellungen bestürmt, nie konnte er mit sich selbst zufrieden werden. Luther wurde Augustiner, aber er fand seine Seelenruhe nicht. Jeder böse Gedanke, in welchen er auch nicht einwilligte, schien ihm eine schwere Sünde zu sein. Gründe beruhigten ihn nicht; da ihm aber einmal ein älterer Klosterbruder die Worte Jesu zurief: Vertraue, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! So fühlte er sich gestärkt und faßte neuen Muth. Diese Gemüthsstimmung führte ihn nachher zur Meinung, daß nur der Glaube selig mache. Luther hielt sich fortwährend für den größten Sünder auf Erden und verrichtete gern die niedrigsten Arbeiten eines Novizen. Er öffnete und schloß die Kirche, stellte die Klosteruhr, sammelte bei den Bürgern Brod, Fleisch, Fische, Eier und Geld für das Kloster ein, und die niedrigsten Arbeiten waren ihm die liebsten, weil sie seinen Stolz demüthigten, da er als öffentlicher Lehrer schon eine gewisse Achtung genossen hatte. Wäre er doch immer so bescheiden geblieben! Aber Uebertreibung ist in keiner Sache gut und der eine Gegensatz führt leicht zum andern. Luther glaubte sich nicht tief genug erniedrigen zu können und beharrte bei seiner Uebertreibung so sehr, daß er sich nicht selten ganz vergaß. Als einst beim Hochamte das Evangelium gesungen wurde, wie Jesus einen Teufel austreibt, rief er im Chore laut aus: Ich bin´s nicht, Herr, ich bin´s nicht! Einmal schloß er sich in seine Zelle ein und würde sich in derselben zu Tode gehungert haben, wenn man die Thüre nicht eingeschlagen und ihn aus seiner Gefühllosigkeit gerissen hätte. Er war also schon damals ein überspannter Mensch, wenn (er) nicht gar schon damals

mit dem Teufel besessen, oder umsessen war.

Auf der Wartburg arbeitete er an einer neuen deutschen Bibelübersetzung und er meinte, der Teufel verfolge ihn überall und wolle ihn holen. Einmal sah er während des Schreibens den Teufel in einer Ecke seines Zimmers stehen und warf mit dem Tintenfasse nach ihm. Dadurch entstand ein Tintenfleck an der Wand, den man noch heutigen Tages zeigt. Einmal bekam er einen Sack Haselnüsse, die er in einem Kasten verschloß. Da er zu Bette lag, kam´s ihm über die Haselnüsse und zerknickte eine der andern am Balken, rumpelte am Bette und erhob an der Treppe ein solches Gepolter, als würden ein Schock Fässer hinunter geworfen. Er stand auf und sprach: Bist du es, so sei es. Luther las noch lange in seinem Abfall Messe; da erschien ihm der Teufel und sprach: Luther, die gefällst mir; aber schaffe die Messe ab.

Luxus.

Luxus in Kleidern ist Sünde.

Der berühmte Prediger Delaure trat im sechzehnten Jahrhundert in Paris gegen den damals herrschenden Luxus und die Modenarrheit auf und riß seine Zuhörer dergestalt mit sich fort, und überzeugte sie so sehr von der Sündhaftigkeit und Verderblichkeit der Kleiderhoffart, daß die Pariser, sage die Pariser, bei welchen das Modejournal erscheint und die in der Kleidertracht den Ton für die ganze Welt angeben, viele Kostbarkeiten und Luxusgegenstände auf öffentlicher Straße verbrannten. Ein Augenzeuge erzählt, daß mehr als zweihundert Feuer in Paris aufloderten, daß die Männer in denselben die Spieltische, die Karten, die Billarde und Kegelkugeln, die Weiber aber ihre Hauben, Korsetten, Krägchen, Ballanzüge und dergleichen verbrannten. Das waren Gott wohlgefällige Scheiterhaufen.

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