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Ehmig: Gleichnisse

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Mädchen müssen fleißig beten

10.7.2014
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Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Mädchen. Seiten 303-309.

Mädchen.

Mädchen müssen fleißig beten.

Der Zobel, ein Marder in nördlichen Ländern, ist eins der kostbarsten Pelzthiere. Am kostbarsten sind die schwarzen Pelze mit einem Goldglanze und die braunen mit einem Silberglanze. Le länger nun das Haar ist, je dichter, je weicher und je größer der Pelz, desto höher der Preis. Ein schlechter Balg kostet schon zehn Rubel, der beste siebzig Rubel und ein ganzer Mantel von Zobelpelzen kann an fünf- bis zehntausend Rubel kommen und nur fürstliche Personen können ihn tragen. Die Jäger vereinigen sich zu kleinen Gesellschaften von zwölf bis zwanzig Mann. Ehe man aber die Zobeljagd eröffnet, wird in den russischen Kirchen öffentlich um eine glückliche Jagd gebetet. So sehr stellt man diesem armen Thiere nach und sein schönes Fell gereicht ihm zum Untergang. –

Körperliche Schönheit ist für die Mädchen ein eben so gefährlicher Vorzug und es haben weder Aeltern, noch die mit dieser Gabe geschmückten Mädchen Ursache, eitel und stolz darauf zu sein. Ja viele heilige Jungfrauen baten Gott um Entziehung der Schönheit, namentlich die heilige Coleta, auf deren Gebet der Herr die übergroße Schönheit des Angesichtes durch eine angenehme Blässe milderte. Sie fürchteten zweierlei, die Versuchung der Welt und die Eitelkeit, welche dem weiblichen Geschlechte ohnehin so nahe liegt. Und das mit Grund; schöne Mädchen gefallen den Männeraugen, man überhäuft sie mit Aufmerksamkeiten, Schmeicheleien, mit Lob, Ehre und Auszeichnungen. Wie nahe liegt der Stolz, die Eitelkeit, das Wohlgefallen an sich selbst und welche fest gegründete Demuth gehört dazu, um diese Schmeicheleien anzuhören, ohne daß das Herz mit Eitelkeit erfüllt werde. Sobald sich ein Mädchen selbst gefällt und Schmeicheleien mit eitlem Wohlgefallen anhört, ist es auch schon gefallen; es drängen sich die Unzüchtigen an sie, welche mit Ehrenbezeigungen und Lobeserhebungen nicht sparen. Diesen gibt sie Gehör, weil sie Wohlgefallen daran findet und so kann sie der Versuchung nicht widerstehen. Es ergibt sich von selbst, daß die Aeltern solche Töchter desto frömmer, unschuldiger, schamhafter und keuscher erziehen müssen, daß solche Mädchen die Welt fliehen und desto fleißiger beten müssen.

Mädchen sollen den Schmeichlern ausweichen als gefährlichen Verführern.

Der Leguan ist eine Eidechse, sechs Fuß lang, von dickem Körper, mit einem Panzer, scharfen Nägeln und Zähnen versehen und besitzt Kraft genug, um seinen Feinden Trotz zu bieten. Sein Fleisch wird von den Negern gerne gegessen. Er wird, trotz seiner Waffen und daß er Bäume erklettert, leicht getödtet; doch ist er nur selbst an seinem Unglücke schuld, weil er nicht vorsichtig ist. Der Neger pfeift ihm Etwas vor und nähert sich ihm mehr und mehr. Er horcht mit Behagen den Tönen, er flieht nicht, weil ihm die schönen Töne gefallen und vergißt dabei aller Lebensgefahr. Der Neger kitzelt ihm mit einem Stabe die Seiten und die Kehle, bis der Leguan vor Wonne einschläft. Nun hat der Neger Zeit, ihm die Füße zu binden  und den Hals mit Schlingen zu fesseln und zuzuschnüren; so erstickt er und wird vollends erschlagen.

So könnte auch die christliche Jungfrau der Entführung entgehen, wenn sie die Eitelkeit bezähmen und den Schmeichlern kein Gehör geben möchte. Da sie aber eitel ist und den Schmeicheleien mit Behagen lauschet, so schläfert der Verführer das Gewissen ein, redet ihr die Aengstlichkeit aus, zerstört das Schamgefühl, läugnet die Sünde und stellt sie als erlaubten Genuß dar. Wie viele Unglückliche, welche als Opfer der Schmeichelei und Eitelkeit gefallen und nie mehr durch wahre Buße vom Falle aufgestanden sind, mag die Hölle aufzuweisen haben!

Verführerische Mädchen sind den Teufeln ähnlich.

Ein indischer König war kinderlos und freute sich ungemein, zuletzt noch einen Sohn zu erhalten. Die Aerzte sagten ihm aber, daß der Knabe sterben werde, wenn er vor dem zwölften Jahre das Licht der Sonne erblicke. Nach dem zwölften Jahr versetzte er den Knaben in einen königlichen Palast mit angemessener Dienerschaft. Da das Kind außer den männlichen Dienern gar Nichts zu sehen bekommen hatte, so ließ ihm sein Vater Alles nach seiner Art darstellen und zeigen, Gold, Silber, Perlen und kostbare Edelsteine, köstliche Kleider, schöne Wägen, Teppiche, bewaffnete Reiter, Heerden von Rindern und Kleinvieh. So oft der Knabe fragte, wie die Dinge hießen, gaben die königlichen Diener jedesmal den Namen an. Es waren auch Mädchen da. Als er den Namen derselben zu erfahren wünschte, gab ein witziger Diener ihnen den Namen: Teufel, weil von ihnen die Menschheit verführt würde. Nachdem man ihm Alles gezeigt hatte, fragte iihn sein Vater, was ihm denn von allen den Dingen, die er gesehen, am meisten gefallen hätte; er gab zur Anntwort: Nichts hat mir so gefallen, als jene Teufel, welche die Menschheit verführen; denn von allen Dingen, die ich heute gesehen, hat mich Nichts so sehr mit Liebe angezogen, als diese. Der König verwunderte sich über die Rede des Knaben, und schloß daraus, welche Macht das weibliche Geschlecht besitze, wenn es seine Reize zur Verführung aufbietet, und daß unkeusche Mädchen den Teufeln in der That ähnlich sind.

Wie ein Mädchen die Versucher zurückschrecken sollte.

Einst wurde ein Mönch in Geschäften nach Eleutheropolis geschickt, wo er bei einem rechtgläubigen Bauer, der nur eine einzige Tochter hatte, einkehrte. Da er sich dort einige Tage aufhielt, gab ihm der Teufel schändliche Gedanken ein, so daß er Gelegenheit suchte, mit dem Mädchen zu sündigen. Als einst der Vater verreiste, suchte er sein Vorhaben auszuführen. Das Mädchen aber, welches sah, daß der Mensch von der Leidenschaft ganz verblendet sei, sprach zu ihm: Hüte dich, etwas Schändliches gegen mich zu unternehmen! Wie lange bist du schon im Kloster? Er antwortete: Siebzehn Jahre. Sie fragte weiter: Hast du schon Umgang mit Weibspersonen gehabt? Auf seine Verneinung fuhr sie fort: Also willst du wegen einer einzigen Stunde alle Bemühungen so vieler Jahre verlieren? Wie oft hast du wohl schon zu Christus dem Herrn gefleht, deinen Leib rein und unbefleckt zu bewahren; und nun willst du alle diese Arbeit um einer augenblicklichen Wollust willen zu nichte machen? Gesetzt aber, ich hörte dich an und du sündigetest mit mir, hast du aber auch die Mittel, mich zu erhalten und zu ernähren? Er sagte: Nein. Das Mädchen fuhr fort: Ich lüge nicht; wenn du mich zum Falle brächtest, so würdest du die Ursache vieler Uebel sein.

Erstens würdest du deine Seele in die Verdammniß stürzen; zweitens würde auch meine Seele von dir gefordert werden; denn ich schwöre bei Gott, daß ich mich sogleich nach meiner Entehrung tödten würde; du aber hättest die Schuld an diesem Morde und würdest von Gott als Mörder verurtheilt werden. Statt also der Urheber so vieler und großer Uebel zu werden, kehre im Frieden in dein Kloster zurück und bete für mich.

Da ging der Bruder in sich und reiste sogleich heim. So wie er aber im Kloster angekommen war, warf er sich dem Abte zu Füßen, bat um Verzeihung und stellte zugleich die Bitte, daß er künftig nicht mehr ausgehen müsse. Nachdem er aber drei Monate lang in Zerknirschung des Herzens zugebracht hatte, ging er zur ewigen Ruhe ein.

Gefallene Mädchen bekehren ist ein gutes Werk.

Der heilige Einsiedler Abraham hatte eine Nichte, die er als Kind in seiner Zelle heilig erzog. Leider stellte ein Einsiedler ihrer Unschuld nach und verführte sie. Vor Scham floh sie heimlich von ihrem Oheim und trieb das Gewerbe einer Lohnhure. Als er nach zwei Jahren erfuhr, wo sie wäre, bat er einen guten Bekannten, dahin zu reisen und Alles gut auszukundschaften. Der Mann that es. Vom heiligen Manne gebeten, verschaffte ihm derselbe ein Soldatenkleid und ein Reitpferd. Er zog das Kleid an, setzte eine Kappe auf den Kopf, um das Angesicht zu verhüllen, nimmt Geld zu sich und eilte dahin.

In dem Orte angekommen, kehrte er in dem Wirthshause ein, wo sie sich aufhielt. Da sah er mit sorgenvollen Augen umher, um die zu sehen, die er suchte. Da einige Stunden verflossen waren, ohne sie sehen zu können, sagte er lächelnd zu dem Wirthe: Ich habe gehört, daß du ein wackeres Mädchen habest; wenn du es erlaubst, möchte ich sie sehr gerne sehen. Der Wirth sah die grauen Haare des Fremden und sein kraftloses Alter und konnte nicht hoffen, daß derselbe sie der Wollust wegen zu sehen verlange. Er antwortete also: Sie ist auch, wie du wissen wirst, sehr schön. Der Greis fragte nach dem Namen und erhielt zur Antwort, sie heiße Maria. Da sprach er freudig: Ich bitte, daß du mir ihre Gegenwart gewährest, damit ich mit ihr essen könne; denn ich habe dieses Mädchen sehr loben hören. Sie ward gerufen und kam. Da ihr heiliger Oheim sie im Kleider einer Buhlerin sah, wäre er fast ohnmächtig geworden. Doch verbarg er seinen Schmerz unter einem freudigen Gesichte und hielt die hervorbrechenden Thränen zurück, damit sie ihn nicht erkenne und entfliehe. Sie setzten sich nun und tranken und Abraham fing nun auch an, mit ihr zu spielen, da wollte sie ihn umarmen und küssen und sein Körper duftete von dem lieblichsten Geruche der Enthaltsamkeit. Dadurch ward ihr Herz verwundet, denn sie gedachte an die Tage ihrer Einsamkeit beim Oheim.

Sie seufzte, brach in Thränen und unwillkürlich in die Worte aus: Wehe mir Elenden! Der Wirth sprach erstaunt: Warum seufzest du? Heute bist du zwei Jahre hier und niemals habe ich einen Seufzer, niemals ein trauriges Wort gehört! Was dir aber jetzt geschehen ist, das weiß ich nicht. Sie antwortete ihm: Wie glückselig wäre ich, wenn ich vor drei Jahren gestorben wäre! Darauf versetzte der selige Greis, damit er nicht erkannt würde, mit heiterem Gesichte: „Wir sind beisammen, um uns zu freuen und du bekennst deine Sünden!“ Gott fügte es, daß das Mädchen seinen Oheim nicht erkannte. Der heilige Greis gab dem Wirthe ein Goldstück und bestellte ein Nachtessen. O gottgefällige Weisheit! Fünfzig Jahre hatte er nicht einmal Brod gekostet und nun nimmt er keinen Anstand, Fleisch zu essen, um eine verlorene Seele zu retten.

Nach dem Essen lud ihn das Mädchen in das Schlafzimmer zum Schlafen ein. So wollen wir gehen, sprach er, und ging hinein. Da sah er ein hochaufgerichtetes Bett und setzte sich darauf, er, der fünfzig Jahre nur auf einer Binsendecke gelegen war. Sie sprach: Laß mich nun, Herr, deine Schuhe abziehen. Er aber sagte zu ihr: Verschließe vorher die Thüre wohl, dann magst du sie abziehen. Sie that´s und kam zu ihm. Der Greis sprach: Maria, komm her zu mir! Da sie näher gekommen war, hielt er ihre Hand, nahm die Kappe von seinem Haupte, brach in Thränen aus und sprach:

Maria, meine Tochter! Kennst du mich nicht? Du mein Herz! Bin nicht ich es, der dich erzogen hat? O mein Kind, was ist mit dir geschehen? Wer hat dich gemordet? Wo ist das Engelskleid, womit du angethan warst? Wo ist dein Fasten, dein Weinen, dein Wachen, dein Schlafen auf dem Boden? Wie bist du, meine Tochter, aus der Höhe des Himmels in diese Grube gefallen? Warum hast du es mir nicht angezeigt, da du sündigtest? Warum hast du es mir nicht gleich gesagt? Gewiß, ich hätte mit meinem lieben Ephräm für dich Buße gethan. Warum hast du das gethan – mich so verlassen und mich in diesen tiefen Gram gestürzt? Wer ist ohne Sünde, als Gott allein?

Während er so sprach, war sie bewegungslos in seinen Händen, vor Furcht und Scham versteinert. Er fügte noch mit Thränen hinzu:

Sprichst du nichts zu mir, meine Tochter Maria? Du gibst mir keine Antwort, mein Herz? Bin ich nicht um deinetwillen hieher gekommen? Ich nehme deine Sünde auf mich, meine Tochter! Ich will am Tage des Gerichtes dem Herrn für dich Rechenschaft geben; ich will für deine Sünden Gott genug thun!

Bis Mitternacht tröstete er sie mit solchen Worten und ermunterte sie unter häufigen Thränen. Endlich faßte sie ein wenig Vertrauen und sprach weinend: Ich kann vor Scham dich nicht ansehen und wie kann ich zu Gott beten, da ich mit dem Kothe der Unkeuschheit befleckt bin? Er sprach:

Ich will deine Sünden auf mich nehmen, meine Tochter; aus meinen Händen mag Gott deine Seele fordern; nur höre mich und komm, laß uns in unsere Einsamkeit zurückkehren. Setze kein Mißtrauen auf die Güte des Herrn! Wären auch deine Sünden so groß, wie die Berge, Seine Barmherzigkeit ragt über Alles hinaus. Gedenke an die Magdalena! Es ist nichts Neues, im Streite zu fallen; aber übel ist es, nicht mehr aufstehen zu wollen. Kehre muthvoll dahin zurück, wo du standest! Erbarme dich meines Alters, habe Mitleid mit meinen grauen Haaren; mache dich auf, ich bitte dich und komm mit mir in meine Zelle. Fürchte dich nicht; der Mensch ist zum Falle geneigt; aber wie er leicht fällt, soll er auch schnell wieder aufstehen; weil Gott nicht will, daß der Sünder sterbe, sondern Buße thue und lebe.

Sie sprach: Wenn du weißt, daß ich Buße thun kann und daß Gott meine Genugthuung annehme, so will ich mit dir gehen; gehe voran, ich will dir folgen. Ich küße deine Fußstapfen, weil du um mich getrauert hast, um mich aus dem Abgrunde der Unkeuschheit herauszuziehen! Sie legte ihr Haupt zu seinen Füßen und weinte die ganze Nacht. Was soll ich dir, Herr, mein Gott, für Alles dieses vergelten? so sprach sie. Am Morgen sprach sie: Ich habe hier etwas Gold und einige Kleider; was befiehlst du, daß ich damit thue? Er sprach: Laß dieses Alles hier, denn es ist auf eine böse Art erworben!

Er setzte sie auf´s Pferd und führte dieses am Zaume. Er verschloß sie in seine Einsiedelei. Der unendlich gütige Gott nahm ihre Buße an und würdigte sich, ihr dieses dadurch zu zeigen, daß nach Verlauf von drei Jahren auf ihr Gebet viele Kranke ihre Gesundheit wieder erhielten. Der heilige Abraham lebte noch zehn Jahre, Maria nach seinem Tode noch fünf Jahre. In der Stunde ihres Todes sahen Alle, die zugegen waren, ihr Angesicht glänzen.

Welche Vorstellungen die Mädchen den Versuchern machen sollen

Der Mönch eines Klosters mußte öfters Botengänge machen und kehrte jedesmal in einem benachbartten Dorfe bei einem christlichen Manne ein, dessen Tochter nach zweijähriger Ehe Wittwe geworden war. Durch die oftmaligen Besuche bekam er böse Begierden; sie aber, als ein kluges Weib, erkannte dieß bald und wuch ihm so viel als möglich aus. Eines Tages war sie allein zu Hause. Da nun der Mönch gewohnter Weise kam und sie allein antraf, wurde er von der bösen Lust ganz verwirrt und wollte sie stillen. Sie aber redete ihn mit aller Klugheit an und sprach: Uebereile dich nicht! Ihr Mönche fängt nichts ohne Gebet an; stehe daher auf und bete zu Gott. Als er sich nicht beruhigen wollte, stellte sie ihm seine bisherige Unverdorbenheit und die Schändlichkeit der Unzucht vor Augen und wußte ihn durch ihre eindringenden Reden von seinem bösen Vorsatze abzubringen und bis zu Thränen der Reue zu rühren. Hierauf fuhr sie fort: Wenn ich dir nun Gehör gegeben und mit dir gesündiget hätte, hättest du noch meinem Vater vor die Augen treten oder in deinem Kloster deinen heiligen Brüdern beim Chorgebete und Psalmengesange zuhören können? Ich beschwöre dich daher, sei nüchtern und wachsam und wolle nicht wegen einer kurzen Lust so viele Mühen und Arbeit verlieren und dich der ewigen Güter berauben! Da dankte der Bruder Gott, daß Er ihn durch die Klugheit und Ehrbarkeit dieses Weibes vom ewigen Verderben errettet hatte; hierauf kehrte er in sein Kloster zurück und that Buße für seine Sünde. Wenn alle Mädchen und Weiber dasselbe thäten, würde wenig in dder Art gesündiget werden!

Ein braves Mädchen wird durch Gottes Fügung Kaiserin.

Flavia Julia Helena wurde im Jahre 248 in Bithynien geboren. Als die kaiserliche Armee durch ihren Geburtsort Drepume zog, beherbergte ihr Vater als Gastwirth den Kommandirenden Konstantius Chlorus. Als dieser die blühende, in allen, nach den Begriffen jener Zeit hervorragenden Eigenschaften ganz ausgebildete Jungfrau Helena sah, verlangte er sie zur Ehe und erhielt sie auch. Ihr Mann und ihr Sohn Konstantin wurden Kaiser. Helena war im Heidenthume erzogen worden. Aber sie las und dachte sehr viel. Anfangs lernte sie die jüdischen Gebräuche kennen, später wurde sie Christin und getauft. Als Christin wirkte sie für die Kirche Gottes sehr viel Gutes. Durch ihren Eifer ersetzte sie vielfach, was sie im Heidenthume versäumt hatte. Ihr Sohn Konstantin machte die christliche Religion zur alleinherrschenden im ganzen Reiche. Es war ihre größte Freude, täglich in der Kirche zu erscheinen und mitten unter allem Volke dem Gottesdienste beizuwohnen. Da sah die Welt zum ersten Male einen Kaiser und eine Kaiserin vor dem Gekreuzigten auf den Knieen liegen und Ihn anbeten. Die großen Schätze, die ihr zu Gebote standen, verwendete sie nur zu frommen Zwecken und zu guten Werken. Sie war die allgemeine Mutter der Armen und Bedrängten und mit besonderer Sorgfalt nahm sie sich der Wittwen und Waisen an. Sie ließ viele Kirchen bauen und beschenkte sie mit zierlichen Geräthschaften und den kostbarsten Gefäßen. Im neunundsiebzigsten Lebensjahr reiste sie nach Jerusalem, erbaute auf dem Calvarienberge eine Kirche und fand das heilige Kreuz, auf dem Jesus gekreuzigt worden war. Zu gleicher Zeit besuchte Helena alle durch das Leben und Leiden Jesu berühmten Orte mit flammender Andacht, schmückte sie mit kostbaren Gebäuden, unter denen jene bei der Krippe zu Bethlehem und auf dem Oelberge weltbekannt sind. Sie starb im achtzigsten Jahre ihres Alters.

Ein braves Mädchen verspricht auch ein braves Weib zu werden; und umgekehrt: die als Mädchen nichtsnutzig ist, wird es wahrscheinlich auch als Weib sein.

Ein Mädchen, das niemals in den Spiegel sah und nicht schön sein wollte.

Gott verlieh der heiligen Coleta auf ihr Gebet eine angemessene weibliche Größe, um ihren Aeltern dienen zu können. Ihre Gesichtszüge hatten auch einen eigenthümlichen Glanz, so daß man glauben konnte, sie sei die Tochter irgend eines vornehmen Herrn. Sie war sehr schön, aber sie selbst wußte nichts davon, da sie nie in den Spiegel sah. Als sie nun einmal auf dem Wege in die Kirche ihre Schönheit loben hörte, erschrack sie sehr. Sobald sie in die Kirche eingetreten war, flehte sie sogleich zu Gott, Er möchte ihr Angesicht zu einem Gegenstande des Abscheues machen, wenn es Jemanden gefährlich werden sollte. Gott erhörte ihr Gebet, aber nicht ganz; er nahm das Roth daraus hinweg und überzog es mit einer Lilienblässe. Wie viele Mädchen sind gerade das Gegenteil; sie stehen stundenlang vor dem Spiegel, wollen schön sein und mißbrauchen ihre Schönheit, um die Herzen junger Männer zu verwirren.

Mädchen sollen sich in keine Liebschaft einlassen.

Ein Schriftsteller erzählt: Ich habe einmal folgenden Diskurs eines liebenden Pärchens mit angehört. Bei einer großen Stadt am Rhein, die zugleich eine Festung ist und viel Militär beherbergt, befinden sich auf einer Anhöhe Anlagen mit prachtvollen Alleen und Spaziergängen. Oefters spielt dort eine vortreffliche Militärmusik und ist Alles vorhanden, woran sich Leib und Seele, Aug und Ohr, Geist und Herz erlaben können. In einer Hütte jener Anlagen hatte sich denn ein liebendes Pärchen niedergelassen, er ein österreichischer Unteroffizier, sie ein Dienstmädchen. Meine Wenigkeit saß außerhalb der Hütte auf einer Ruhebank. Der Soldat bestellte: Bier, Käs und Brod, und forderte seine Geliebte auf, tapfer zuzulangen. Doch das Mädchen schien keinen Appetit zu haben, es lag ihr offenbar etwas Schweres auf dem Herzen; denn sie fing an zu weinen. Verwundert über diese unzeitige Gemüthsbewegung, sagte der zärtliche Krieger: Mädel, warum weinst du? hab´ ich dir nicht bezahlt Käs und Brod? Und nun kam´s zu näheren Aufschlüssen, Erörterungen und Erklärungen, und wahrhaft rührend waren die Klagen des armen, bethörten und verführten Mädchens, die aber den Soldaten nicht im Mindesten rührten und in Affekt versetzten. Nachdem die Geliebte ihre Klagen mit den Worten beschlossen: O was fang ich an, ich armes Ding! Den Aeltern darf ich nicht mehr unter die Augen, meine Herrschaft behält mich auch nicht länger, die Paar sauer verdienten Groschen werden bald aufgezehrt sein und was dann beginnen, beginnen mit dem Kinde, dem armen Wurme? O ich sehe meines Kreuzes kein Ende! Da antwortete der hartgesottene Sünder: Du bist die Erste und die Letzte nicht! Das war sein ganzer Trost. Also mit Käs und Brod und mit diesem Trost glaubte dieses liederliche zweierlei Tuch seine Schuldigkeit gethan zu haben. Und ist nicht mit allen von dieser Sorte der Fall (sic), die mit Mädchen Liebschaften anknüpfen? Und doch gibt´s dumme Mädchen genug, die mit solchen Gesellen und Landstreichern anbinden!

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