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Ehmig: Gleichnisse

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Maria, 1. Teil

31.3.2015
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Mädchen. Seiten 312-361.

Maria, 1. Teil – Maria, 2. Teil

Die Macht Mariä, den Sündern zu helfen.

Den harten Diamant löset weder Weingeist, noch ein ätzendes Alkalium, noch die stärkste Säure auf; aber im Feuer der Sonnenstrahlen, aufgefangen im Brennspiegel, verflüchtigt und verbrennt er ganz. Wenn Nichts den Sünder bekehren kann und er gegen alle Mittel, gute und böse, versteckt bleibt, erweicht ihn die Mutter Gottes, indem sie ihm Liebe Gottes erbittet, ihn erkennen macht, wie sehr ihn Gott geliebt, und dadurch Reue in seinem Herzen erzeugt.

Jeder Sünder soll die Andacht zu Maria fortsetzen; sie wird ihn retten.

Im Jahre 594 vor Christi Geburt suchte sich Cylon zum Monarchen in Athen zu machen. Die Megarer liehen ihm Truppen, mit deren Hilfe er die Burg Akropolis, die auf einem Felsen lag, eroberte. Die meisten Athener waren zu den olympischen Spielen gezogen. Zum Glück waren die Archonten oder Volksältesten schnell bei der Hand und belagerten die Rebellen. Diese litten bald auf der Festung schrecklichen Hunger. Man suchte sie herabzulocken und versprach ihnen Verzeihung. Sie folgten endlich, brauchten aber die Vorsicht, daß sie einen Faden an der Bildsäule der Göttin Athene, die im Tempel auf der Burg stand, befestigten und denselben im Hinabgehen fest in Händen hielten, um durch die Verbindung mit der Göttin ihres Lebens versichert zu sein; denn ein Verbrecher, der ein Götterbild berührte, durfte nicht getödtet werden. Sie kamen bis auf den Marktplatz der Unterstadt, da zerriß der heilige Faden und sie wurden getödtet. –

Sünder, für euch gibt es auch so einen heiligen Faden, der euere Seele retten kann: die Verehrung Mariä. Zerreißet ja diesen Faden nicht, gebet ja die Andacht zur Mutter Gottes nicht auf; knüpfet diesen heiligen Faden an, setzt euch durch die Verehrung Mariä mit Gott in Verbindung; sie wird euere Seele retten und euch Reue, Buße, Besserung, Verzeihung der Sünden und den Himmel erbitten!

Maria rettet in der Todesgefahr.

Ein fürstlicher Amtspraktikant in Wittingau in Böhmen wurde Abends meuchlings mit einem Dolche angefallen; er erhielt zwei Messerstiche in die Brust. Da er aber Maria verehrte, trug er eine Medaille der unbefleckten Empfängniß auf der Brust. Diese rettete ihm das Leben; das Messer rutschte ab und drang nicht tief ein; deßhalb war die Verwundung nur eine oberflächliche.

Im Gefechte bei Oversee 1864 in Schleswig wurde der österreichische Rittmeister Graf Lamberg, Sohn des 1848 in Ofen ermordeten Grafen von Lamberg, leicht verletzt. Die Kugel ging in die Brustgegend durch die Pelzkleider, drang durch das Hemd, prallte jedoch an der Marien-Medaille ab, die er auf der Brust trug, und blieb dann im Hemde stecken. Wäre die Medaille nicht gewesen, so hätte die Kugel sein Herz durchbohrt; und hätte er Maria nicht verehrt, so hätte er keine Medaille getragen; also hat Maria beide gerettet.

Die Verehrung Marias erkennen selbst Protestanten als wohlthätig.

In Ungarn wallfahrten die Katholiken zu dem Gnadenbilde der Mutter Gottes in Radna. Die Prozession geht durch protestantische Dörfer. Die Protestanten wünschen, daß sie heuer – 1865 – wieder durch ihre Dörfer ziehen, weil sie vollkommen überzeugt sind, daß dadurch auf die Dürre ein wohlthätiger Regen folgen werde.

Maria eine Helferin in der Noth.

Die salzburgischen Gemeinden Neukirchen und Bramberg hatten am 26. Juli 1865 einen wahren Schreckenstag. Um sechs Uhr entlud sich daselbst ein heftiges Gewitter mit solchem Getöse, daß Manche fürchteten, es sei das Ende der Welt gekommen. Der Regen ergoß sich in Strömen und in der Zeit von zwei Stunden rollten elf Wildbäche daher. Der Dierbach durchbrach alle Dämme und ergoß sich mit furchtbarer Gewalt in die Au. ein Weib, welches gerade von einer Wallfahrt von Absam kam, wurde vom Bache ereilt und war bereits von den Wellen erfaßt, als es von einem jungen, braven und beherzten Italiener, der dort in Arbeit steht, bemerkt wurde. Im Nu war er am Orte der Gefahr und rettete glücklich die Bedrohte, als sie gerade ausrief: O liebe Mutter Gottes, hilf!

Maria wirkt noch heute Wunder.

Die „Tiroler Stimmen“ schreiben aus Rienz in Tirol: Im Jahre 1857 zog sich ein Weib durch Verkältung eine Gicht und Lähmung der Füße zu. Aerztliche Hilfe blieb ohne Erfolg- Seit zwei Jahren hatte sie ein großes Verlangen, eine Wallfahrt nach Weißenstein zu machen, um von der Mutter Gottes Hilfe in ihrem Elende zu erlangen. Man redete ihr diesen Plan aus; aber 1965 im Juli ließ sie sich nicht abhalten; man mußte sie in´s Wirthshaus tragen und auf einen Wagen setzen. In der Kirche zu Weißenstein betete sie drei Viertelstunden vor dem Gnadenbilde, dann stand sie plötzlich auf, ging frei und ungehindert in´s Schiff der Kirche, lobte Maria mit lauter Stimme und forderte mit einer Begeisterung und Beredsamkeit, wie der beste Prediger, zum Vertrauen zu ihr auf; sie war in Ekstase. Als sie wieder zu sich kam, ging sie vier Stunden Wegs auf ihren Füßen nach Hause. Sie war acht Jahre lahm (gewesen).

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Maria Weißenstein in Südtirol (März 2014, Foto: R. L.)

Maria nimmt allen fleischlichen Sinn.

Die Gnaden, welche der heilige Ignatius von Lojola vom Himmel empfing, trugen nicht wenig dazu bei, ihm die Eitelkeiten der Welt vergessen zu machen. Die allerseligste Jungfrau erschien ihm in einer Nacht, mit dem Kinde Jesus auf dem Arme und ganz umstrahlt von himmlischer Klarheit. Bei diesem Anblicke war seine Seele von einer unnennbaren, überirdischen Salbung erfüllt, welche in ihm allen Geschmack an den Vergnügungen der Sinne ertödtete. Es kam ihm vor, als ob ihm während der Erscheinung, die ziemlich lange dauerte, das Herz förmlich gereinigt, und die Bilder der sinnlichen Lüste aus seinem Geiste ausgelöscht würden. Die Wirkung der Erscheinung ging auch nicht mit ihr vorüber. Seit diesen glücklichen Augenblicken fühlte er nie wieder die Aufregungen des Fleisches und hatte nicht einmal jene Gedanken, von denen oft die keuschesten Personen gequält werden. Er vermochte es nicht, die Gegenwart Jesu und Mariä ohne Schmerz zu verlieren. Um sich zu trösten, sah er oftmals zum Himmel empor, und jedesmal, da er ihn anblickte, erregte ihm das Reitzendste, was die Welt besitzen kann, nur Abscheu.

Die Begeisterung der Liebe zu Maria ergänzt das Salve Regina.

Als der heilige Bernhard nach Speier kam, zogen ihm der Bischof, die Geistlichkeit und die Bürger feierlich mit fliegenden Fahnen und Kreuzen entgegen, jede Zunft die Abzeichen ihres Handwerks tragend. Man führte ihn unter dem Geläute der Glocken und unter heiligen Gesängen mitten durch die Stadt bis an das Portal der Kathedralkirche, wo ihn der Kaiser und die deutschen Fürsten mit allen einem Gesandten des Papstes schuldigen Ehrenbezeigungen empfingen. Man war aus den entferntesten Gegenden herbeigekommen, um den Heiligen zu hören und die Gesichtszüge des Wunderthäters zu betrachten. Das Geleite schritt von der großen Pforte der Kathedrale bis zum Chore vor, indem es mit Kraft und Jubel die Hymne der Himmelskönigin, das Salve Regina, sang. Bernhard, von dem Kaiser selbst geführt, ging in Mitte des Geleites, von den Wogen des Volkes umringt, und tief bewegt beim Anblick des majestätischen Domes. Aber als die letzten Töne der Hymne der Jungfrau unter den heiligen Wölbungen nach den Worten verhallt waren: Filium tuum nobis post hoc exilium ostende! (Nach diesem Elende zeige uns Jesum deinen Sohn!) fügte der Heilige in begeisterter Entzückung den dreimaligen Ausruf hinzu: O clemens! o pia! o dulcis virgo Maria! (O gütige! O milde! O süße Jungfrau Maria!) Diese zarten Seufzer, diese so süßen und zärtlichen unwillkürlich aus dem Herzen des heiligen Bernhard hervorgequollenen Worte blieben seitdem mit der Hmyne des Salve Regina verbunden und ergänzten die erhabene Dichtung desselben. Sie werden fortwährend in allen katholischen Kirchen zu bestimmten Zeiten gesungen.

Nutzen der Verehrung Mariä.

Ein Priester aus Slavonien wurde von den Türken gefangen genommen, und weil er immer den Namen Maria im Munde führte, sich nebenbei auch nach Loretto verlobte: so schnitten ihm die unmenschlichen  Türken das Herz sammt dem Ingeweide aus dem Leibe, und gaben ihm solches in die Hände, er solle diese Waare nach Loretto tragen, welches auch geschah; denn er langte nach etlichen Tagen in Loretto an, legte Herz und Ingeweide dort ab, erzählte die ganze Geschichte mit kurzen Worten und verschied, mit den heiligen Sakramenten versehen, selig in Gott. Atlas Marian. de Loret.

Maria belohnt die Liebe und Verehrung zu ihr.

Ein armes Hirtenmädchen trug eine so innige Liebe zu Maria, daß es ihr die größte Freude machte, wenn sie, indeß sie das Vieh weidete, in einer Muttergotteskapelle, die auf einem Berge lag, sich mit ihrer lieben Mutter unterhalten und ihr ihre Verehrung beweisen konnte. Da sie nun sah, daß die Statue der Mutter Gottes ohne allen Schmuck war, so beschloß sie, ungeachtet ihrer großen Armuth, ihr einen Mantel zu machen. Eines Tages pflückte sie auch einige Blumen auf dem Felde, machte einen Kranz daraus, stieg auf den Altar der kleinen Kapelle und setzte ihn dem Muttergottesbilde auf, wobei sie ausrief: Ach, meine liebe Mutter, ich wünschte, daß ich dir eine goldene, mit Edelsteinen geschmückte Krone auf´s Haupt setzen könnte; aber weil ich arm bin, so mußt du dich schon mit diesem ärmlichen Blumenkranze begnügen; nimm ihn denn an als ein Zeichen meiner Liebe zu dir! Auf diese und ähnliche Weise fuhr die arme Jungfrau fort, ihre geliebte Königin zu verehren und ihr zu dienen. Hören wir nun, auf welche Weise diese gute Mutter den Besuch und die Liebe dieses guten Kindes erwiederte. Das Hirtenmädchen wurde krank und war nahe zum Sterben. Da geschah es, daß zwei Ordensgeistliche durch jene Gegend reisten und sich ermüdet unter einen Baum setzten, um auszuruhen; der Eine schlief ein, der Andere wachte, aber Beide hatten dieselbe Erscheinung.

Sie erblickten nämlich eine Menge sehr schöner Jungfrauen, unter denen Eine weit herrlicher und schöner anzuschauen war, als die Andern. Da fragte der Eine von ihnen: Wer bist du, erhabene Jungfrau, wohin eilst du? Ich bin die Mutter Gottes, gab sie ihm zur Antwort, ich will im nächsten Dorfe mit diesen heiligen Jungfrauen ein krankes Hirtenmädchen besuchen, das mich, so lange es gesund war, gar häufig besucht hat. Nachdem sie das gesagt hatte, verschwanden Alle.

Darauf sagten die beiden Diener Gottes zu einander: Wollen wir auch dieses Hirtenmädchen besuchen. Sie begaben sich also auf den Weg und nachdem sie das Haus gefunden, in dem das arme Mädchen lag, traten sie in ein elendes Kämmerchen, wo sie die Kranke auf ein wenig Stroh ausgestreckt sahen. Nachdem sie sie begrüßt, sagte ihnen das Hirtenmädchen: Meine Brüder, bittet Gott, daß ihr sehen möget, in welcher Gesellschaft ich mich befinde. Darauf fielen Beide auf die Kniee und beteten, worauf sie Maria erblickten, die ganz nahe bei der Sterbenden stand, eine Krone in der Hand hielt und sie tröstete. Darauf fingen die heiligen Jungfrauen, die sie umgaben, an zu singen und während dieses Gesanges trennte sich die heilige Seele von ihrem Leibe, worauf Maria ihr die Krone auf´s Haupt setzte, die Seele mit sich nahm und mit ihr den Himmel fuhr. (St. Liguori Herrlichkeiten Mariä, S. 62)

Man muß Maria treu bleiben in Liebe und Verehrung.

Cäsarius (Dist. 2. c. 2.) und Vinzenz von Beauvais (Spec. hist. lib. 7. cap. 105 und St. Liguori Herrlichkeiten Mariä, S. 143) erzählen, daß ein junger Edelmann, der nach dem Tode seines Vaters viele Güter geerbt hatte, durch sein lasterhaftes Leben in so große Armuth gerieth, daß er, um leben zu können, betteln gehen mußte und deßhalb aus Scham sich in ein fernes Land begab, wo er ganz unbekannt war. Auf dem Wege dahin begegnete er einem alten Diener seines Vaters, der, als er ihn wegen seiner Armuth sehr betrübt sah, ihm Muth einsprach und ihm das Versprechen machte, er wolle ihn zu einem freigebigen Fürsten führen, der ihn mit allem Nothwendigen versehen würde. Dieser gottlose Diener war ein Schwarzkünstler; er führte nun den armen Jüngling durch einen Wald an einen Teich. Hier fing er an, mit unsichtbaren Wesen zu reden, worauf ihn alsbald der Jüngling fragte, mit wem er denn spreche. Jener antwortete: Mit dem Teufel; und da er bemerkte, daß der Jüngling erschrack, suchte er ihm Muth einzuflößen. – Alsdann wandte er sich wieder an den Teufel und sprach: Siehe, mein Gebieter, dieser Jüngling befindet sich in der größten Noth, er wünscht, seinen früheren Reichthum wieder zu erlangen. – Wenn er mir gehorchen will, antwortete der böse Feind, so soll er reicher werden, als zuvor; vor allen Dingen aber muß er Gott verläugnen. Der Jüngling schauderte bei diesem Vorschlag, aber es gelang dem Schwarzkünstler, ihn dazu zu bewegen – er verläugnete Gott. Das genügt indeß noch nicht, fuhr der Teufel fort, du mußt auch Maria absagen, denn durch sie verlieren wir am meisten; wie Viele entreißt sie nicht unsern Händen! Das thue ich nicht, antwortete der Jüngling; meine Mutter verläugne ich nicht; auf sie setze ich all meine Hoffnung; nein, lieber will ich mein ganzes Leben hindurch betteln gehen. Darauf verließ der Jüngling eiligst den Wald. Auf dem Wege kam er an eine der Mutter Gottes geweihte Kirche, der betrübte Jüngling trat in dieselbe ein, kniete vor dem Marienbilde nieder, fing an zu weinen und bat die allerseligste Jungfrau, sie möchte ihm Verzeihung seiner Sünden erlangen. Sogleich bat Maria bei ihrem Sohne für diesen Unglücklichen; aber Jesus antwortete ihr: Siehe, liebe Mutter, der Undankbare hat mich verläugnet! Da Jesus aber sah, daß seine Mutter nicht aufhörte ihn zu bitten, so sagte er zu ihr: O meine Mutter, ich habe dir niemals etwas verweigern können; weil du mich denn also darum bittest, so will ich auch diesem Jüngling verzeihen. Ein Bewohner des Ortes, der das Vermögen des jungen Verschwenders an sich gebracht hatte, beobachtete, was in der Kirche vorging. Nachdem er nun erkannt hatte, wie barmherzig Maria mit diesem Sünder verfahren, so gab er demselben seine einzige Tochter zur Frau und machte ihn zum Erben seines ganzen Vermögens. So erlangte er durch Maria die Gnade Gottes und seine Güter wieder.

Die Heiligen hatten eine große Liebe zu Maria.

Der heilige Joseph von Kopertino war der allerseligsten Jungfrau besonders in Liebe zugethan; er pflegte sie nicht anders, als seine liebe Mutter zu nennen; er zierte ihr Bild in Grotella immerfort mit Lilien, Rosen und andern Blumen, wie sie die Jahreszeit hervortrieb, brachte ihr Kirschen und andere Früchte und lobte sie in vielen einfältigen und freudigen Liedern. Wenn er nur ihren Namen nennen hörte, fiel er schon in Verzückung und als einst seine Brüder die Litanei absangen, flog er gleich beim ersten Worte: Heilige Maria! über drei Paare derselben hinweg, ihrem Altare zu. Als er daher, nach Assisi versetzt, oben am Gewölbe der Kirche ihr Bild gewahr wurde, ganz ähnlich dem, was in Grotella verehrt wurde, rief er aus: Ach, meine Mutter ist gefolgt, und wurde nun achtzehn Schritte ihr entgegen in die Luft erhoben. Dasselbe geschah ihm, wenn in seiner Gegenwart eines von den Liedern gesungen wurde, die er ihr zu Ehren gedichtet.

Maria erweckt eine Retterin in Kriegsnoth.

Die Engländer hatten das südliche Frankreich besetzt und belagerten Orleans. Karl, der König, saß zu Chinon in Trauer versenkt, ohne Geld, ohne freudige Krieger, er glaubte sich und sein Reich verloren. Aber wo die Noth am größten, da ist Gottes Hilfe am nächsten. Ein Mädchen, ja ein Bauernmädchen, war von der Vorsehung bestimmt, den wankenden Thron Frankreichs zu unterstützen und eines der mächtigsten christlichen Reiche zu retten. Jeanne d´Arc, eines Landmanns Tochter im Dorfe Dom Remi bei Vaucouleurs, war in der Hütte ihres Vaters aufgewachsen und hatte bisher ihren Brüdern in der Feldarbeit geholfen, die Heerde ihres Vaters auf die Weide getrieben und war später von der Mutter in der Haushaltung gebraucht; im Spinnen und Nähen besaß sie eine große Geschicklichkeit. Nach gerichtlichen Aussagen war sie stets sehr sanften und mitleidigen Herzens gewesen, arglos und einfach, von hellem Verstande, züchtig in Rede und Wandel, bescheiden, kühn, unerschrocken, aber immer in sich gekehrt. Wenn ihre Gespielinnen unter einer Eiche tanzten, so besuchte sie das Muttergottesbild zu Bellemont und flocht demselben Kränze. Nun kam das traurige Schicksal des Vaterlandes durch die Engländer, das allgemeine Elend wurde das tägliche Gespräch auch des gefühllosesten Landmannes. Aber Niemand wurde davon mehr ergriffen, als die achtzehnjährige Johanna. Jede neue Nachricht von dem Unglücke der Franzosen wandte ihr das innerste Herz um und was die andern Glieder der Familie nur zu leichten Klagen bewegte, das entflammte ihre feurige Einbildungskraft zu den brennendsten Wünschen, daß doch ein Wunder geschehen möchte, den liebenswürdigen, unschuldigen Prinzen zu retten, jene ungerechten Verfolger, jene Engländer, jene unnatürliche Mutter mit den Blitzen des Himmels zu vernichten. Wie oft mag sie in stiller Nacht, wenn ihre Geschwister sorglos schliefen, heiße Gebete an die gebenedeite Jungfrau und andere Heiligen dargebracht haben, daß sie selbst doch fähig werden möchte, etwas für den guten König zu thun. Lange nährte sie dieses Drängen der stärksten Gefühle, zuletzt wurde sie verzückt und hatte eine Offenbarung; ihr erschien Maria und trug ihr auf, das Schwert zu ergreifen und die Sache der Gerechtigkeit zu vertheidigen. Jetzt fühlte sie nicht mehr die Schwäche des Geschlechts, kein Hinderniß schien ihr unüberwindlich; sie wußte, sie sei die Gottgesandte. Sie meldete sich beim König, übernahm das Kommando der Armee, die Krieger wurden begeistert, sie entsetzte Orleans, jagte die Engländer aus dem Lande und führte den König zur Krönung nach Rheims.

Maria nimmt sich Derer kräftig an, die auf sie vertrauen.

Unter den Rebellen, welche Karl V. Peru entreißen wollten, befand sich Gundisalvo von Barcelona, der die Würde eines Generals bekleidete. Sie wurden geschlagen. Nachdem er verkleidet einige Tage im dichten Gebüsche zugebracht und mit genauer Noth sein Leben gefristet, vernahm er am nächsten Sonntage Glockentöne und fühlte sich so mächtig hingezogen, daß er sich´s nicht versagen konnte, dem heiligen Meßopfer beizuwohnen. Unerkannt und unbeachtet stand er hinter einer Säule. Nach dem Gottesdienste wurde eine Verordnung des Vicekönigs verlesen, worin allen Rebellen Vergebung angekündigt, er aber allein davon ausgeschlossen und vogelfrei erklärt wurde. Er zog sich in eine Halle zurück, wo ein der allerseligsten Jungfrau geweihter Altar stand. Dort flehte er aus der Tiefe seines Herzens zu Maria um Rettung aus dieser selbstverschuldeten Noth. Da erwachte in ihm plötzlich der Gedanke, zu den Wilden in das Cordillerengebirg zu gehen, was er auch that. Hier lebte er reumüthig und bußfertig, lernte ihre Sprache und bekehrte sie. Die Kunde davon kam nach Lima. Der Vicekönig begnadigte ihn nicht nur, sondern trug ihm einen wichtigen Staatsdienst an, der aber Gundisalvo ausschlug, der sein Leben in der Krankenpflege beschloß.

Maria kündet ihren Verehrern die Todesstunde an.

Der heilige Gregor der Große erzählt, ein junges, unschuldiges, munteres Mädchen, Namens Musa, an welchem man eine zwar harmlose, aber lärmende Fröhlichkeit beobachtete, wurde mit einem Male so ernsthaft und schweigsam, wobei sie aber ihre Pflichten genau erfüllte und gegen Jedermann sanft und bescheiden war, daß diese auffallende Veränderung die Sorge und Neugierde der Aeltern und Verwandten erregte. Erst nach vielen Bitten und Fragen erhielt man die Auskunft: die allerseligste Jungfrau sei ihr erschienen und habe sie gefragt, ob sie Lust habe, in die Reihe der himmlischen Jungfrauen aufgenommen zu werden; und nachdem sie eingewilligt, habe sie die Mahnung gehört: Wohlan, so entsage nunmehr dem kindischen Leichtsinn; lache und scherze nicht so viel; sei fromm und bedachtsam und nach dreißig Tagen werde ich dich aufnehmen. Der Erfolg entsprach den Aussagen des Kindes. Als die dreißig Tage verflossen waren, ward Musa bedenklich krank; plötzlich rief sie mit dem Ausdrucke des Entzückens: Ich komme, himmlische Frau, ich komme! Und gleich nachher starb sie.

Maria zu verehren, soll man sich nicht schämen.

In Mailand war ein adeliger Student, welcher an gewissen Tagen der Woche mit eigenen Händen eine Marienkapelle säuberte, die Tapeten abstäubte und den Altar schmückte. Einmal verspätete er sich mit diesem Geschäfte bis kurz vor Beginn der Kollegien, wo viele Studenten vorübergingen. Da sie sahen, wie er eben Staub und Kehricht in seinem seidenen Mantel hinaustrug, machten sie sich über ihn lustig. Sehet einmal, riefen sie, das fromme Muttersöhnchen und das gottselige Weltkind, das nach beiden Seiten hinkt und aus purer Hoffart seiner Demuth sich schämt! Der Jüngling aber erwiederte herzhaft: Wenn ihr es nicht anders haben wollt, so werde ich nun vor Aller Augen fortsetzen, was ich bisher in der Stille gethan, weil ich meinte, es wäre so besser. Ein erbärmlicher Thor, der sich schämt, der heiligen Jungfrau zu dienen.

Maria hilft ihren Verehrern die Standeswahl treffen.

Ein junger Student, der die Mutter Gottes kindlich verehrte, hatte schon lange über die Wahl des Standes nachgedacht und konnte zu keinem Entschlusse kommen. Da sah er im Träume Maria von zwei Männern begleitet, welche ihn fragte: Willst du meinem Sohne dienen bis zur Ermüdung? Kaum hatte er sein Jawort gegeben, so erwachte er. Vergeblich bemühte er sich, den Eindruck dieses Traumes zu vergessen und zu verwischen, was wohl auch geschehen wäre, wenn ihm nicht am nächsten Morgen zwei Männer, die denen im Traume ganz gleich waren, begegnet wären. Er betrachtete sie mit Staunen. Da sie dieß bemerkten, redete ihn einer mit den Worten an: Hast du wohl den Willen und den Muth, Christo dem Herrn zu dienen bis zur Ermüdung? Dieselbe Frage! Dieß bestimmte seinen Entschluß. Die beiden Männer waren Missionäre, Petrus Lefevre und Franziskus Strada. Der Jüngling, Johann Nunnez, schloß sich ihnen  an und wurde Missionär in Abyssinien, wo er sich durch apostolischen Muth und Eifer auszeichnete.

Maria, die Zuflucht reumüthiger Sünder.

Diese Wahrheit finden wir im Leben der heiligen Maria von Ägypten bestätigt, wie sie es dem heiligen Zosimus selbst erzählte; wie folgt: Mein Vaterland ist Aegypten. Meine Aeltern lebten noch und ich war erst zwölf Jahre alt; da verachtete ich ihre Liebe und entfloh nach Alexandria. Ach mein Vater! ich schäme mich, nur daran zu denken, wie bald ich meine Jungfrauschaft weggeworfen und mich unablässig und unersättlich dem Laster der Wollust hingegeben habe! Das zu erzählen, wäre lange; aber ich will dir in Kürze nur das sagen, damit du sehen kannst, wie ich von dem wilden Feuer der Unkeuschheit entflammt war. Ich gab meine Jungfrauschaft nicht um Geld preis; denn ich nahm kein Geld an, wenn man mir auch eins geben wollte. Die wilde Leidenschaft war so groß in mir, daß ich nur darum kein Geld nahm, damit ich mehr Zulauf bekam und meine abscheuliche Lust mehr befriedigen konnte. Glaube aber nicht, daß ich es nicht bedurft hätte; denn ich mußte betteln oder Werg spinnen, um leben zu können. Und dieses Leben gefiel mir, und nur dieses hielt ich für ein Leben, wenn ich mich unablässig im Schlamme des Lasters wälzen konnte.

In dieser unglücklichen Zeit sah ich im Sommer eine Menge Menschen aus Lybien und Aegypten an das Meer eilen. Da fragte ich Jemanden: Wohin eilen diese Menschen so schnell? Er sagte mir: Alle reisen nach Jerusalem auf das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes, das nach wenigen Tagen gefeiert wird. Ich fragte ihn: Glaubst du, daß sie auch mich mitnehmen, wenn ich mit ihnen gehen will? Er sprach: Wenn du das Fahrgeld hast, werden sie dich nicht zurückweisen. Ich sagte ihm: Ich habe weder Fahrgeld noch Zehrung; dennoch will ich mitgehen und in das Schiff steigen, das sie gemiethet haben; und wenn sie mich zurückweisen, will ich mich ihnen selbst geben. Ich wollte aber nur darum mitgehen, um desto mehr Gehilfen zur Wollust zu haben. Da der Jüngling meine zweideutige Rede hörte, ging er lachend fort; ich aber warf die Spindel aus der Hand und und lief an das Meer.

Ich sah Jünglinge, etwa zehn an der Zahl, am Ufer stehen, schön von Gesicht und Gestalt, erwünscht für meine bösen Absichten. Andere waren schon in das Schiff gestiegen. Schamlos, wie es meine Gewohnheit war, trat ich unter sie und sprach: Nehmt mich mit euch; ich werde nicht spröde gegen euch sein. Ich ließ mir noch andere ungeziemende Reden entfallen, wodurch ich sie zum Lachen brachte. Sie sahen mein unanständiges Betragen und doch nahmen sie mich auf das Schiff. Wir segelten ab. Wie kann ich dir, o Mann Gottes, erzählen, was nachhin geschehen ist? Welche Zunge könnte es aussprechen, welches Ohr es anhören, wie ich auch die, welche nicht wollten, zur Sünde brachte? Wie ich den Unglücklichen eine Lehrerin des Lasters geworden bin? Laß dir mit diesem genügen; denn ich staune selbst, wie das Meer meine Laster tragen konnte, wie die Erde nicht ihren Mund öffnete und mich in die Hölle versenkte, da ich so viele Seelen in das ewige Verderben brachte.

Aber Gott hat auf meine Buße gewartet; denn Er will nicht den Tod des Sünders. Wir kamen schnell nach Jerusalem, und die Tage, die ich dort vor dem Feste zubrachte, verwendete ich zu den schlechtesten Dingen, schlechter als je zuvor. Es war mir nicht genug, auf der Reise zur See und auf dem Lande mit den jungen Leuten zu sündigen, ich verführte und verderbte auch in der heiligen Stadt viele Pilger und Einwohner. Am Tage des Festes strömten Alle in die Kirche. Ich ging auch hin. Mit den Eindringenden drang auch ich Elende mit großer Anstrengung bis zum Eingange. Ich wollte hinein gehen, wie die Andern, aber ich konnte nicht hineinkommen, eine göttliche Gewalt hielt mich zurück. Ich fühlte mich hinausgedrängt und stand endlich allein außen im Vorhofe. Ich glaubte, meine Schwachheit habe mich gehindert und mengte mich unter eine eindringende Schaar und gab mir alle Mühe, um hineinzukommen; allein alle meine Anstrengung war vergeblich. Als ich die heilige Schwelle betrat, ward ich durch eine unsichtbare Gewalt zurückgedrängt und befand mich wieder im Vorhofe. Ich versuchte es drei bis vier Mal, empfand aber immer den nämlichen Gegendruck.

Ich ging zurück und stand in einem Winkel des Tempelvorhofes und dachte nach, was mich denn abhalte, das heilige Kreuz zu sehen. Da ward mein Herz betroffen und mein Gemüth gerührt; da kamen heilsame Gedanken. Ich erkannte, daß mir der Eintritt meiner Laster und bösen Thaten wegen verwehrt wäre. Ich ward zerknirscht, weinte, seufzte aus der Tiefe des Herzens, schlug an meine Brust und schluchzte. Da sah ich an dem Orte, wo ich stand, oben ein Bild der heiligen Mutter Gottes stehen. Ich sah sie lange an und sprach:

Heilige Jungfrau, die du Gott nach dem Fleische geboren hast! ich weiß, daß es sich nicht geziemt, daß ich Unfläthige dein Bild verehre und mit meinem so sehr verunreinigten Augen anblicke, die du rein und immer jungfräulich warst und und deine Seele und deinen Leib unbefleckt bewahrtest. Du Reinste und  Keuscheste könntest mit Recht mich verabscheuen und verwerfen. Aber weil Gott, wie ich gehört habe, darum Mensch geworden ist, um die Sünder zur Buße zu berufen, so hilf mir, die du würdig warst, seine Mutter zu sein. Ich bin verlassen und habe keine Hilfe. Nimm an mein Bekenntniß und erlange mir die Gnade, in die offene Kirchenthüre eingehen zu können, damit ich so glücklich sein möge, das kostbare Kreuz zu sehen, an dem der Gottmensch gestorben ist, den du als Jungfrau empfangen und geboren hast, der Sein Blut zu meiner Erlösung hingegeben hat. Erlange mir, o Frau, die Gnade, daß ich in die Kirche eingehen und das heilige Kreuz verehren kann, und ich verspreche dir und rufe dich an als meinen würdigsten Bürgen bei Christus, deinem Sohne, daß ich mein Fleisch niemals mehr mit Unreinigkeit beflecken werde. Ja, heilige Jungfrau! Wenn ich das Kreuz deines Sohnes sehen kann, so entsage ich der Welt und ihren Werken und Allem, was in der Welt ist, und ich gehe ohne Verzug hin, wo du als mein Bürge mich hinführen wirst.

Nach diesen Worten fühlte ich mich etwas beruhigt, fühlte meinen Glauben erwärmt, fühlte Vertrauen auf die Barmherzigkeit und Liebe der Mutter Gottes; ich versuchte es und konnte ungehindert in die Kirche eintreten. Ich erschrack heftig und zitterte an allen Gliedern, daß ich jetzt so leicht eingehen konnte. Ich ward gewürdigt, das heilige Kreuz zu verehren, ich warf mich auf die Erde nieder, küßte den heiligen Boden und ging hinaus. Ich eilte zum Bilde Mariä, die für mich Bürge geboren war. Ich warf mich hier auf die Kniee und betete:

Du mildeste Frau, hast mir so große Barmherzigkeit erwiesen, du hast mein unwürdiges Gebet nicht verworfen! Ich habe die Herrlichkeit Gottes gesehen, der die Buße der Sünder durch dich aufnimmt. Was kann ich elende Sünderin sonst denken und sagen? Es ist nun Zeit, zu erfüllen, was ich dir versprochen habe, auf eine Weise, die dir wohlgefällt. Leite mich nun, wohin es dir gefällt. Sei mir eine Führerin zum Heile, eine Lehrerin der Wahrheit, leite mich auf dem Wege zur Buße.

Da hörte ich eine Stimme, die von ferne rief: Wenn du über den Jordan gehest, wirst du gute Ruhe finden. Ich glaubte, daß diese Worte mich angingen, sah auf zum Bilde der Mutter Gottes und rief weinend:

Frau, Frau! Königin der ganzen Welt, durch die dem menschlichen Geschlechte das Heil gekommen ist, verlaß mich nicht!

Nach diesem Gebete eilte ich aus dem Vorhofe des Tempels. Im Hinausgehen sah mich Jemand, gab mir drei Münzen und sprach: Nimm dies, Frau! Ich nahm dieses, kaufte mir drei Brode als Mundvorrath für meine Reise. Ich fragte den Bäcker, wohin der Weg nach dem Jordan gehe? Da ich das Thor erfahren, das dahin führt, eilte ich weinend demselben zu. Ich kehrte ein in die Kirche des heiligen Johannes am Jordan, beichtete, kommunizirte und ging über den Jordan in diese Wüste, wo ich siebenundvierzig Jahre Buße thue.

Es ist sehr nützlich, sich und die Seinigen unter den Schutz Marias zu stellen.

Zu Alexandria war ein rechtgläubiger und gottesfürchtiger Mann voll Frömmigkeit und Barmherzigkeit, welcher die Mönche gastfreundlich aufnahm. Er hatte ein Weib, die gleichfalls sehr demüthig war und täglich fastete, und eine sechsjährige Tochter. Der Mann war ein Handelsmann und reiste eines Tages nach Konstantinopel; daher beurlaubte er sich von Weib und Kind und begab sich allein zu Schiffe. Sein Weib sagte ihm aber beim Scheiden: Unter wessen Schutz läßt du uns zurück? Der Ehemann antwortete ihr: Unter dem Schutze Unserer Lieben Frau, der heiligen Mutter Gottes. Als nun eines Tages das Weib mit der Tochter daheim saß und arbeitete, wollte der Diener auf Anstiftung des Teufels Mutter und Kind ermorden, und sammt ihrem Vermögen die Flucht ergreifen. Er nahm daher ein großes Küchenmesser, und begab sich in das Speisezimmer, wo Beide saßen. An der Thüre aber befiel ihn gänzliche Blindheit, so daß er weder in das Zimmer hineingehen, noch auch in die Küche zurückkehren konnte. Nachdem er über eine Stunde so stehen geblieben war, ohne von der Stelle zu kommen, rief er der Frau und sagte: Komm hieher! Sie verwunderte sich, daß er mitten unter der Thüre stehen blieb und nicht eintrat und sprach zu ihm: Komm vielmehr du zu mir! denn sie wußte nicht, daß er blind geworden war. Der Diener aber forderte die Frau immer nachdrücklicher auf, zu kommen und bat sie, als sie sich eben so bestimmt weigerte, wenigstens das Töchterlein zu schicken. Die Mutter willigte auch darin nicht ein, sondern sagte: Wenn du Etwas willst, so komm du nur selber. Wie nun der Knecht sah, daß sein Anschlag vereitelt war, erstach er sich selbst mit dem Messer; die Frau aber, über diesen Anblick entsetzt, rief die Nachbarn zu Hilfe. Als diese nebst einigen Gerichtsbeamten herbei eilten, vernahmen sie von dem noch lebenden Diener den ganzen Vorfall und priesen Gott, der auf so wunderbare Weise Mutter und Tochter errettet hatte.

Die Liebe zu Maria macht erfinderisch.

In Verdelais ist eine Marienwallfahrtsstätte stark besucht. Die Ordensleute, welche den Gottesdienst daselbst verrichten, hatten den glücklichen Gedanken, vor die wunderthätige Bildsäule große Foliobände von weißem Papier hinzulegen, auf welche ein Jeder seine Wünsche und Bitten niederschreiben kann. Seit dem Jahre 1844 sind von den Wallfahrern drei solche Bände mit Bitten, Unterschriften, Ergebenheitsbezeigungen, Versprechungen, Entschlüssen und Begehren gefüllt worden. Für die frommen Kinder Mariä ist dieß nicht genug: sie legen noch ihre Briefe an die gute Mutter auf das Karnieß, das vor der Bildsäule der heiligen Jungfrau angebracht ist. Die Briefe sind mit vollständiger Ueberschrift an die Mutter Gottes von Verdelais, an die Himmelskönigin, an die gute Mutter, an die Mutter des Heilandes versehen. Da erzählt ein Jeder seine persönlichen Anliegen mit einer bewunderungswürdigen Einfalt des Glaubens und der Sprache. Niemand darf diese Briefe öffnen. Allein der Prior nimmt von Zeit zu Zeit die alten Briefe hinweg, damit sich dieselben nicht zu sehr häufen. Einer lautet also: (Anmerkung ETIKA: Einige lauten also.)

Schon so lange fröhne ich dem Laster! Ich will mich bessern. Was sage ich? Ich will? Ich kann es nicht, nein, ich kann es nicht, o meine gute Mutter, wenn du mir nicht hilfst. Dieß ist´s, um was ich dich bitte. Sept. 1844.

Ich weiß, daß man nicht glücklich ist, daß man es nicht sein kann, außer wenn man Gott liebt, wenn man dich liebt, o meine Mutter! Seitdem ich jene zärtliche Liebe aufgegeben habe, die ich in meiner frühesten Jugend zu dir hatte, habe ich keine reine Freude mehr gekostet. Gedenke deines Kindes, obgleich es dessen nicht würdig ist. Laß es das Glück seiner früheren Frömmigkeit wieder finden.

Ich habe gelobt, zu dir zu kommen, wenn du mir die Gnade erweisen würdest, meinen Beruf mich erkennen zu lassen; nun bin ich hier, um mein Versprechen zu erfüllen. 22. Okt. 1846.

Benedicamos Domino! Heute am 20. November 1853, dem ewig glücklichen Tage, bin ich dein für Zeit und Ewigkeit. Ich habe nur noch Einen Wunsch: die Beharrlichkeit oder den Tod. Die´ist der Ruf, der täglich aus meinem Herzen zu dir hinaufsteigt; und wenn es nur einen Tag nicht bei dir ist, so strafe, mein Gott, schneide meinen Lebensfaden ab, bevor ich dich verrathen kann!

Meine gute Mutter, empfange den Scheidegruß eines armen Studenten von achtzehn Jahren, der gerne gut werden möchte. Das Doktorats-Examen ruft mich ab, ich zähle auf dich im Augenblick der Frage. Hilf mir antworten. … Aber was soll ich denn thun? Wohin soll ich gehen? Hierin verlaß ich mich auf deinen Willen und deine Liebe. Lebe wohl, ich will dir stets treu bleiben.

Um was die Aeltern Maria für ihre Kinder bitten sollen.

Eine Mutter schrieb in einem Briefe an Maria in Verdelais also:

Heilige Maria, bewahre die Unschuld meiner sieben Kinder; erwirke ihnen fleckenlose Reinigkeit und Gesundheit; segne auch ihre religiöse, geistige und physische Erziehung. Segne meinen Gemahl. Mache, daß wir uns heiligen. Heilige du selbst uns. Behalte, ich bitte dich, unsere Namen und unsere Herzen in deinem Herzen für Zeit und Ewigkeit.

PFLICHTLEKTÜRE
Das Vertrauen zu Maria belohnt.

Ein armes greises Ehepaar lebte kümmerlich in einem erbärmlichen Dachkämmerchen, wofür es jährlich zwanzig Franken zahlen mußte. Oft gingen diese Eheleute ohne Abendessen zu Bette und noch öfters bestand, besonders in den letzten Tagen her, ihr ganzes Frühstück in einigen in Wasser getauchten Brodrinden. Sie getrauten sich nicht, ihre Armuth bekannt werden zu lassen. Sonst waren sie wohlhabend gewesen, aber nach und nach hatten sie alles verkaufen müssen. Eines Tages, es war an einem Samstage, hatten sie keinen Kreuzer Geld, kein Brod, kein sonstiges Nahrungsmittel. Die Frau war krüppelhaft; der Mann krank und genöthigt, das Bett zu hüten.

Der Tag ging unter tausend Aengsten vorüber, und die Nacht kam heran, ohne daß sie Etwas gegessen hatten. Sie weinten und beteten. Der Sonntag war für sie noch schrecklicher. Des Abends trieb die Noth das arme, verkrüppelte Weib aus dem Hause. Aber die Scham hielt sie zurück, als sie verlangen sollte, und sie kam kraftloser und entmuthigter in ihr Dachstübchen zurück, als sie es verlassen hatte. Seit achtundvierzig Stunden hatten sie Nichts gegessen. Der Schweiß rann über ihre eingefallenen blassen Gesichter. Wir müssen sterben, armes Weib, sagte der Greis, Gott verläßt uns nicht! Die arme Alte antwortete nicht. Einige Zeit darauf hob sie jedoch ihren Kopf in die Höhe und rief, wie von einer plötzlichen Eingebung ergriffen, aus: Mein Freund! laß uns die heilige Jungfrau anrufen. Sie ist die Trösterin der Betrübten und die Zuflucht der Leidenden. Sie wird uns retten. Ich habe noch ein Kerzenstümpchen in jener Schublade; zünden wir es vor ihrem Bilde an; Maria wird uns zu Hilfe kommen!

Die beiden unglücklichen Eheleute erhoben sich, von dieser letzten Hoffnung belebt, mit Mühe von ihrem Lager, fanden in der tiefen Finsterniß der Nacht das Kerzenstümpchen, zündeten es an und stellten es vor einer kleinen Statue der heiligen Jungfrau auf, die keinen Käufer gefunden hatte, weil sie ohne materiellen Werth war; sie knieten davor nieder und sich wechselseitig stützend, riefen sie Diejenige zu Hilfe, die man niemals vergebens anruft; sie weinten bitterlich. …

Eine Arbeiterin, die im nämlichen Hause ihnen gegenüber wohnte, hatte ein krankes Kind. Sie stand mitten in der Nacht auf, um es trinken zu lassen, und als sie aus dem Fenster schaute, bemerkte sie Licht am Fenster des armen alten Pärchens. Sie kannte sie ein wenig und sie grüßten sich immer, wenn sie sich begegneten. Sollten die armen Leute krank sein? fragte sie sich. Und von einem unerklärlichen Gefühle getrieben, warf sie sich in ihre Kleider, ergriff die Laterne und ging zu ihnen hinüber. Sie machte die Thüre auf; welch ein schmerzlicher Anblick! Die beiden Unglücklichen, die sich, keuchend und abgezehrt, wie sie waren, kaum aufrecht halten konnten, waren vor dem Bilde der Mutter des Heilandes mehr niedergesunken, als niedergekniet. Sie gestanden ihre Lage. Die mitleidige Nachbarin holte ihnen alsbald Fleischbrühe, Brod und einige andere Nahrungsmittel. Sie umarmte und tröstete sie.

Am folgenden Tage setzte sie den Pfarrer und den Vorstand des Vinzentiusvereins von der Sache in Kenntniß. Beide begaben sich sogleich zu diesen Unglücklichen und indem sie ihnen liebreiche Vorwürfe darüber machten, daß sie sich nicht früher an sie gewendet hätten, ließen sie ihnen eine vorläufige Gabe zukommen, auf welche jedoch bald eine nachhaltige Unterstützung folgte. Zum Ueberfluß fiel ihnen nach einigen Tagen von einem entfernten Verwandten noch eine kleine Erbschaft zu; sie waren nunmehr vor Noth und Elend geschützt und erzählten Jedem, der es hören wollte, welch wahrhaft wunderbaren Beistand die heilige Jungfrau ihnen geleistet habe. Ohne das Kerzenstümpchen, oder vielmehr ohne das Vertrauen zu Maria, die ihnen den frommen Gedanken eingab, es vor ihrem Bilde anzuzünden, wäre ihnen die gute Nachbarin nicht zu Hilfe gekommen und sie wären vor der Ankunft der Erbschaft aus Mangel und Noth gestorben. O wie sehr sind jene Christen zu bedauern, die Maria nicht kennen, nicht lieben, nicht verehren!

Maria züchtiget ihre Verächter.

Roc-Amadour ist ein berühmter Marienwallfahrtsort in Frankreich. Daselbst lebte ein reicher Bürger, von welchem die Mönche der Kirche der heiligen Maria von Roc-Amadour Geld entlehnten, indem sie ihm die Vorhänge ihrer Kirche zum Pfande einhändigten. Nun baten die benannten Mönche beim Herannahen eines Muttergottesfestes den Bürger, er solle ihnen die Vorhänge zurückgeben, um am Feste die Kirche damit zu zieren; sie versprachen ihm dabei, sie sogleich nach der Feierlichkeit wieder zurückzustellen. Dieser aber verschloß sein Herz, wie jener Nabal von Karmel, der reiche, böse, unsinnige Mann, und ließ sich durch keine Bitte bewegen; er gab ganz zornig zur Antwort, die Vorhänge seien am Bette seines Weibes, er könne sie darum für jetzt nicht wegnehmen. Die Feierlichkeit ging vorüber und die Kirche blieb ihres Festschmuckes beraubt. Aber in der darauf folgenden Nacht erschien Maria, die Mutter Gottes, seinem Weibe im Träume und sprach zu ihr: Dein Mann hat eine große Sünde begangen und seine übergroße Gottlosigkeit darf nicht ungestraft bleiben. In drei Tagen soll dein Kind den Geist aufgeben; dein Mann wird seine Schuld mit dem Tode büßen und sein zeitliches Glück mit ewiger Pein vertauschen. Du aber sollst in meine Kirche dich begeben, welche zu Bethlehem ist. Da wirst du drei Gräber finden, wovon die beiden äußern besetzt sind; du sollst für dich das mittlere wählen. Bis dahin wirst du alle Mittwoche um die neunte Stunde jedes Anzeichen des Lebens verlieren; das Blut wird reichlich dir aus Mund und Nase fließen und du wirst bis zur neunten Stunde am Samstage wie todt liegen bleiben. Alsdann aber sollst du deine Besinnung wieder bekommen; du wirst dann beide Hände auf dein Angesicht legen und deine vorige Farbe und deine Kräfte werden wieder zurückkehren. Also sprach die Jungfrau Maria und verschwand.

Das vom Schrecken ergriffene Weib fuhr vom Schlafe auf und durchging ihren Traum nochmals mit großer Aufmerksamkeit, um ja Nichts zu vergessen. Am Morgen erzählte sie ihrem Manne Alles auf´s Genaueste; der Unglückselige aber schenkte ihrer Rede keinen Glauben, und selbst nachdem er sein Kind hatte sterben sehen, fiel es ihm nicht ein, Buße zu thun. Am achten Tage jedoch ereilte ihn der Tod und er ging ein in die Qualen der Hölle, wie es ihm vorher gesagt worden war. Die über diesen Todesfall erschrockene Frau. welche nun sah, daß Alles so gekommen war, wie sie es im Traume vernommen hatte, reiste eilends nach Rom und erzählte die Sache dem Papste, indem sie ihm auch die Ereignisse mittheilte, welche im folgenden Jahre sich begeben sollten. Um sich von der Wahrheit ihrer Angaben besser zu überzeugen, übergab sie der Papst der Obsorge von zwölf adeligen Damen, denen er den geheimen Befehl gab, ihr, sobald die Extase sie bewußtlos gemacht haben würde, glühende Riemen in die Fußsohlen zu bohren und ihre Kleider mit dem Blute zu bezeichnen, das aus ihrem Munde fließen würde. O Wunder! Am Mittwoch um die neunte Stunde erblaßte die Frau und wurde leblos, wie sie es vorher gesagt hatte, dermassen, daß in ihr kein Zeichen von Leben mehr blieb; eine Menge Blut floß ihr aus den Nasenlöchern. Die Frauen stießen ihr, dem Befehle des Papstes getreu, glühende Pfriemen in die Sohlen, aber sie empfand Nichts davon. Als sie wieder zu sich selbst kam, war von dem Blute, das während ihres Todtenschlummers ihre Kleider befleckt hatte, keine Spur mehr wahrzunehmen. Ist nun in dieser schrecklichen Züchtigung ein Gedanke von Liebe wahrzunehmen? Ja wohl; was für sie eine Strafe war, ist eine Wohlthat für Andere, welche dadurch lernen, die erhabene Gottesmutter und Alles, was in einiger Beziehung zu ihr steht, mit Ehrfurcht zu behandeln.

Maria, die Trösterin der Betrübten.

Gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts lebte ein heiliger Ordensmann, der Maria sehr ergeben war; er stotterte von Geburt an und unerachtet dieses Gebrechens, welches ihn hinderte, in den geistlichen und Ordensstand zu treten, konnte er sich dennoch der glühenden Sehnsucht nicht entschlagen, Priester zu werden und in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Tausendmal hatte er diesen Gedanken aus seinem Herzen verscheucht und tausendmal war er wiedergekommen, um ihn anzufallen, wie die vom Nordwind gepeitschten Wagen unaufhörlich auf den Uferfelsen andringen und zurückfließen. Nirgends fand er Ruhe, deren seine Seele so sehr bedurfte, und wenn inmitten der schweigsamen Nacht Alles in der Natur zur Ruhe fand, war Thomas Sanchez stets aufgeregt, und kein Schlummer senkte sich auf seine Augenlieder nieder. Oft zerfloß er in Thränen und flehte den Herrn an, eine Sehnsucht in ihm zu unterdrücken, welche zu stillen umöglich sei, oder ihm die Mittel an die Hand zu geben, um die Hindernisse zu bewältigen, welche seinem Vorhaben im Wege ständen. Schon mehrere Male hatte er sich bei der Gesellschaft Jesu gemeldet, aber immer war er wegen seines Gebrechens abgewiesen worden. Eines Tages, als er, trostloser als gewöhnlich, sich in sein Zimmer zurückgezogen hatte und sein Bett in Thränen badete, kam ihm plötzlich der Gedanke, sich um ein Wunder an Diejenige zu wenden, welche man die Trösterin der Betrübten und das Heil der Kranken nennt. Es war eine Eingebung des Himmels und die berühmte Wallfahrt unserer lieben Frau von der Quelle gab ihm Gelegenheit, seine fromme Absicht auszuführen. Er stand rasch auf, wanderte im Schatten der Nacht zur Kirche Mariä und klopfte an die Thüre. Alle Pilger waren schon abgezogen, tiefes Schweigen herrschte um den Marienaltar und unter den Gewölben des verschlossenen Tempels. Thomas klopfte und klopfte wieder an die Thüre, aber der Sakristan lag im tiefen Schlafe und öffnete nicht. Da betete er in der Vorhalle, bis am Morgen die Pilger wieder eingingen und er mit ihnen. Mächtige, geliebte Mutter! rief er aus, erbarme dich meiner! Nein, ich kann nicht mehr leben in dieser grausamen Aufregung. Hier auf dieser Stelle will ich sterben, wenn du mich nicht heilst von meinem Gebrechen!

Während dieses Gebetes vergoß er einen Strom von Thränen. Ein so lebendiger Glaube und eine so schöne Beharrlichkeit waren der Mutter Gottes so angenehm, daß sie das Wunder wirkte, um das er gebeten hatte. Er wurde plötzlich geheilt und trat bald darauf in die Gesellschaft Jesu. Der fromme Ordensmann war sein Leben lang dankbar; so oft er nach Kordova kam, ging er zu Maria, um sie zu grüßen, bevor er in das Kollegium sich begab und Tags darauf las er in der Marienkirche zur Danksagung die heilige Messe.

Maria belohnt das Vertrauen zu ihr

Ein Mädchen hatte seit dreizehn Jahren in Folge eines Flusses ein Auge verloren. Ihre Mutter rieth ihr eines Tages, sich dem heiligen Ordensmann Pater Valfri zu empfehlen. Glaubst du, sagte der Selige zu ihr, ich werde dir diese Gnade auswirken, da ich weiß, daß du dich derselben bedienen wirst, Gott zu beleidigen? Ach, mein Vater, erwiederte sie, wenn das Gesicht für mich eine Gelegenheit zur Sünde sein sollte, so beschwöre ich euch, mich ganz blind zu machen. Wenn dem so ist, meine liebe Tochter, und ich glaube dir, so gehe zum Altare des heiligen Philipp und empfiehl dich daselbst der Mutter Gottes; denn an sie muß man sich wenden, wenn man dergleichen Gnaden von Gott erlangen will. Sie that es und sagte zu Maria voll Vertrauen: Mutter, dein großer Diener Pater Valfri sendet mich zu dir, damit du mich heilest. Als sie nach Hause zurückkehrte, begegnete ihr einer ihrer Brüder, der ihr sagte, es hänge ein kleines Häutchen an ihrem rechten Auge; man nahm es mit einem Tuche heraus und sogleich erlangte sie das Gesicht wieder.

Die Aeltern sollen den Kindern Liebe zu Maria einflößen.

Von ihrer Kindheit an hatte ihre Mutter der heiligen Lidwina eine grenzenlose Liebe zu Maria eingeflößt, auch unterließ sie nie, ihre Bilder und Statuen zu begrüßen; sie besuchte solche oft und brachte ihnen kleine Geschenke, über welche sie verfügen durfte. Wenn die Mutter sie zu ihrem Vater und zu ihren Brüdern auf´s Feld schickte, versäumte sie nie, in die Stadtkirche zu treten und vor dem Altare der heiligen Jungfrau den englischen Gruß zu beten. Auf diesem Altare stand eine Marienbildsäule, welche die Einwohner von Schidam in Folge einer ungewöhnlichen Begebenheit erhalten hatten. Als Lidwina eines Tages später als gewöhnlich vom Felde heimkehrte, machte ihr die Mutter, welche sie gebraucht hätte, Vorwürfe hierüber und sagte: Wo bist du denn herumgelaufen? Verzeiht mir den Fehler, liebe Mutter, antwortete ihr das liebenswürdige Kind; ich ging in die Kirche, um meine schöne Frau zu grüßen und sie hat mir meinen Gruß mit einem Lächeln erwiedert, was mir so viele Freude gemacht hat, daß ich nicht loskommen konnte. Die Mutter, welche Lidwinens Aufrichtigkeit kannte, blieb vor Erstaunen stumm und dachte in ihrem Herzen darüber nach, was wohl dieser Beweis von Zärtlichkeit bedeuten sollte.

Maria wirkt noch heute Wunder.

In der Marienkirche zu Roc-Amadour in Frankreich hängt in einem Thürmchen eine Glocke ohne Seil und ohne Kette; sie heißt: die Wunderglocke. Und wie kommt sie zu dieser Bezeichnung? Von dem Wesen ihrer Aufgabe selbst. Die andern Glocken haben die Aufgabe, die Gläubigen in die Kirche zu rufen; die Aufgabe dieser Glocke ist es, die Wunder Mariä zu verkündigen. Wenn Jemand in Todesgefahr ist, so ruft er die Mutter Gottes von Roc-Amadour an; die Hilfe, um die er gefleht hat, wird ihm zu Theil und alsbald fängt die Glocke von selbst zu läuten an, um die frohe Botschaft zu verkünden. Diejenigen, welche diese wunderbaren Töne hören, verzeichnen die Thatsache in den Wallfahrtsregistern und bemerken ganz pünktlich Tag und Stunde, wann es geläutet hat. Sechs Monate, vielleicht ein Jahr nachher sieht man Pilger aus weiter Ferne, aus der Gascogne, aus der Normandie, aus der Bretagne in Roc-Amadour ankommen; sie erzählen mit bewegter Stimme, daß sie an dem und dem Tage, zu der und der Stunde sich in Todesgefahr befunden und ohne Hoffnung auf Rettung durch Menschen die Mutter Gottes von Roc-Amadour angerufen haben; alsbald sei ihnen geholfen worden und sie kommen nun, um ihrer Retterin in ihrer Kirche ihren Dank darzubringen; ihre Erzählung stimmt vollkommen mit der Aufzeichnung überein; wirklich hatte an dem und dem Tage, zu der und der Stunde die Wunderglocke geläutet.

Maria erfleht Gnade den Sündern, die sich bekehren.

Ein verheiratheter Mann lebte in der Ungnade Gottes. Da seine Frau es nicht von ihm erlangen konnte, daß er die Sünde unterließ, so bat sie ihn, er wolle wenigstens eine kleine Andachtsübung zur Mutter Gottes verrichten und jedesmal, wenn er vor einem Bilde derselben vorübergehe, es mit einem: Gegrüßet seist du, Maria! begrüßen. Der Mann fing wirklich an, diese Andachtsübung zu verrichten; als er nun einmal in der Nacht eine Sünde begehen wollte, erblickte er ein schwaches Licht, er sah es näher an, er ging darauf zu und erkannte, daß es eine Lampe sei, welche bei einem Marienbilde mit dem Jesuskinde brannte; sogleich betete er den englischen Gruß. Da sah er, wie das Jesuskindlein mit Wunden bedeckt war, aus denen das frische Blut herab rann. Bestürzt, aber zugleich voll Reue, indem er erkannte, daß er seinen Heiland durch seine Sünden so schwer verwundet habe, fing er an zu weinen; indeß bemerkte er, daß Jesus sich von ihm hinwegwandte. Nun wandte er sich voll Scham an Maria: Mutter der Barmherzigkeit, rief er, dein Sohn verstößt mich; hilf mir, bitte für mich. Da schien es, als ob Maria aus jenem Bilde ihm antwortete: Ihr Sünder nennt mich Mutter der Barmherzigkeit und doch unterlaßt ihr es nicht, mich zu einer Mutter der Leiden zu machen, indem ihr die Leiden meines Sohnes und meine Schmerzen erneuert. Maria wandte sich an ihren göttlichen Sohn und bat Ihn, Er wolle diesem Elenden verzeihen. Jesus schien Anfangs nicht dazu geneigt; da legte Maria das Kind auf die Erde, kniete davor nieder und sprach: O mein Sohn, ich werde nicht eher aufstehen, als bis Du diesem Sünder verziehen hast. Worauf Jesus ihr antwortete: O meine Mutter, ich kann dir Nichts abschlagen; wohlan, aus Liebe zu dir verzeihe ich ihm; lasse ihn kommen, damit er meine Wunden küsse. Der Sünder weinte heftig, küßte die Wunden, die darauf gleich geheilt waren. Endlich umarmte ihn Jesus zum Zeichen der Verzeihung. Der Sünder änderte sein Leben und führte aus Liebe und Dankbarkeit zu Maria einen heiligen Wandel.

Maria hilft unbußfertigen Sündern nicht.

Zwei junge Edelleute lebten in Madrid, welche einander gegenseitig halfen, ein recht lasterhaftes und gottloses Leben zu führen. Einer von ihnen sah einmal des Nachts im Träume, wie sein Freund von schwarzen Männern gepackt und in ein vom Sturm aufgeregtes Meer getragen wurde. Jene schwarzen Männer wollten es hierauf ebenso mit ihm machen, er nahm aber seine Zuflucht zu Maria, und that das Gelübde, in ein Kloster zu gehen, worauf jene ihn gehen ließen. Hernach erblickte der Jüngling Jesus Christus, der auf einem Throne sitzend sehr erzürnt war; aber die allerseligste Jungfrau erlangte ihm Verzeihung. Als sein Freund ihn hierauf besuchte, erzählte er ihm das Traumgesicht, worüber Jener sich lustig machte; allein bald darauf wurde er von Meuchelmördern erstochen.

Da nun der junge Edelmann sein Traumgesicht in Erfüllung gegangen sah, beichtete er, erneuerte seinen Entschluß, Ordensgeistlicher zu werden, und verkaufte deßhalb Alles, was er besaß; aber anstatt das erlöste Geld den Armen zu geben, wie er es sich vorgenommen hatte, verschwendete er es an Gastereien und andere Ausschweifungen. Hierauf wurde er krank, und hatte von Neuem eine Erscheinung, in welcher er die Hölle geöffnet und sich von dem göttlichen Richter schon verurtheilt sah. Er nahm wieder seine Zuflucht zu Maria und sie half ihm von Neuem. Er wurde wieder gesund, führte aber ein noch gottloseres Leben als vorher. Er begab sich nach Lima in Südamerika, fiel daselbst in eine schwere Krankheit und mußte in´s Krankenhaus getragen werden. Hier rührte Gott von Neeuem sein Herz, er beichtete bei dem Pater Franz Perlino aus der Gesellschaft Jesu und versprach ihm, sein Leben zu ändern, hielt indeß nicht Wort. Als derselbe Priester später einmal in ein viel entfernteres Krankenhaus kam, fand er diesen unglücklichen Sünder auf der Erde ausgestreckt und hörte ihn ausrufen: Ach, wie elend bin ich doch; zu meiner größeren Pein ist dieser Pater gekommen, um Zeuge meiner Strafe zu sein. Nachdem meine Laster mich in einen so elenden Zustand versetzt, bin ich von Lima hieher gekommen – jetzt fahre ich der Hölle zu. Mit diesen Worten gab der Unglückselige seinen Geist auf, ohne daß jener Priester ihm die geringste Hilfe hätte leisten können.

Maria schützt ihre Verehrer.

Ein Edelmann von Dole in Frankreich, mit Namen Ansaldus, ward in einer Schlacht von einem Pfeile verwundet, welcher ihm so tief in das Knie eindrang, daß es unmöglich war, denselben wieder herauszuziehen. Vier Jahre darauf beschloß der Verwundete, da er nicht länger den Schmerz aushalten konnte, und überdieß gefährlich krank war, die Wunde von Neuem öffnen zu lassen, um das Eisen herauszuziehen. Der Edelmann empfahl sich aber vorher der göttlichen Mutter und machte das Gelübde, ein Bild derselben, welches sich in jener Stadt befand, zu besuchen und jedes Jahr eine gewisse Summe entrichten zu wollen, wenn er die begehrte Gnade erlange. Kaum hatte er das Gelübde ausgesprochen, da fühlte er, wie das Eisen von selbst aus der Wunde herausfiel. Ungeachtet seiner schweren Krankheit besuchte er sogleich das Muttergottesbild und sowie er das versprochene Geld auf den Altar gelegt hatte, so fühlte er sich vollkommen von seiner Krankheit hergestellt.

Maria rettet ihre Verehrer.

Als ein Priester im Jahre 1228 die heilige Messe an einem Samstage zu Ehren Mariä las, kamen einige Albigenserketzer, fielen über ihn her und rißen ihm die Zunge aus dem Munde. In diesem traurigen Zustand begab sich der arme Priester in das Kloster Clugny, wo die guten Mönche ihn mit großer Liebe empfingen und Mitleid mit den Schmerzen hatten, welche ihm der Verlust der Zunge verursachte. Am meisten schmerzte es den frommen Priester, daß er nicht mehr Messe lesen und das Brevier und die Tagzeiten Mariä beten konnte. Am heiligen Dreikönigsfeste ließ er sich in die Kirche tragen und bat die göttliche Mutter vor einem ihrer Altäre, sie möchte ihm doch die Zunge, welche er aus Liebe zu ihr verloren habe, wieder zurückgeben, damit er wie früher ihr Lob verkündigen könne. Da erschien Maria dem frommen Priester mit einer Zunge in der Hand und sprach: Weil du für den Glauben und um mich zu ehren, deine Zunge verloren hast, so will ich dir dieselbe wieder zurückgeben. Nach diesen Worten setzte die allerseligste Jungfrau ihm eigenhändig die Zunge in den Mund, worauf der Priester sogleich die Stimme erhob und den englischen Gruß betete. Die Mönche kamen herbei und der Priester erklärte, daß er bei ihnen bleiben und Ordensbruder werden wolle, um sein ganzes Leben hindurch seine Wohlthäterin loben zu können. Alle konnten das Wundmal erkennen, welches an dem Orte blieb, wo die Zunge abgerissen war.

Maria, das Heil der Kranken, die Hilfe der Christen.

Im Jahre 589 herrschte in Rom jene furchtbare Pest, wo die Menschen unter heftigem Niesen todt niederfielen. Der heilige Papst Gregor der Große trug nun das Marienbild durch die Stadt an den Ort, welchen man jetzt die Engelsburg nennt. Während der Prozession sah man einen Engel in der Luft, welcher ein blutiges Schwert in die Scheide stieß. Hierauf hörte der Heilige, wie die Engel sangen: Freue dich, o Himmelskönigin, Alleluja, denn Der, den du zu tragen verdientest, Alleluja, ist auferstanden, wie Er vorhergesagt hat, Alleluja. Worauf der heilige Gregorius hinzufügte: Bitte Gott für uns, Alleluja. Sogleich hörte die Pest auf und es ward von jener Zeit an Sitte, alle Jahre am 25. April die Litaneien zu beten. O rufen wir doch Maria in allen unseren Nöthen dringend an!

Anmerkung ETIKA: Jesus und Maria haben auch denjenigen, der diese Seiten abschreibt, vor genau zwei Jahren (19.11.2012) mit Hilfe der Ärzte von dem Tod errettet, der ihn am folgenden Tage ereilt hätte. Hoch gelobt sei der Herr!

Maria die Hilfe der Christen.

Der heilige Gregorius erzählt, daß ein frommer Bischof von frühester Kindheit an geneigt gewesen ist, Almosen zu geben. Es geschah nun, daß einer seiner Neffen, der Priester war, ein Pferd für zehn Goldgulden verkaufte und das Geld in eine Büchse legte. Bald darauf baten mehrere Arme den Bischof um ein Almosen und da er Nichts mehr hatte, so erbrach er die Kasse seines Neffen und vertheilte das Geld unter die Armen. Als der Neffe das erfuhr, da schlug er so großen Lärm, daß der arme Bischof in seiner Noth in eine Kirche der Mutter Gottes floh. Da fand er unter dem Kleide der Statue Mariä die zehn Goldgulden, welche er zu sich nahm und seinen Neffen damit befriedigte.

Maria belohnt jede gute That, die ihr zu Liebe geschieht.

In den päpstlichen Staaten begegnete eines Tages ein junges Mädchen, das eine große Andacht zu Maria hatte, einem Räuberhauptmann. Weil sie nun fürchtete, derselbe möchte ihr ein Leid zufügen, so bat sie ihn, er möchte sie doch aus Liebe zur allerseligsten Jungfrau ruhig gehen lassen. Fürchte dich nicht, antwortete Jener, weil du mich um der Mutter Gottes willen gebeten hast, so verlange ich nichts Anderes von dir, als daß du mich derselben anempfehlen wollest. Der Räuber begleitete sogar das Mädchen, bis dasselbe vollkommen in Sicherheit war.

In der folgenden Nacht erschien Maria dem Räuberhauptmann im Traume, dankte ihm für die gute Handlung, die er aus Liebe zu ihr verrichtet habe, und sagte ihm, daß sie dieselbe nicht vergessen und daß eine Zeit kommen werde, in der sie ihn dafür belohnen wolle.

Später wurde der Räuber von den Soldaten eingefangen und zum Tode verurtheilt. In der Nacht vor dem für die Hinrichtung bestimmten Tage erschien Maria wieder dem Räuber im Traume und fragte ihn zuerst, ob er sie noch kenne? Der Räuber antwortete, es komme ihm so vor, als ob er sie schon ein anderes Mal gesehen habe. Ich bin, erwiederte darauf die Erscheinung, die Jungfrau Maria, und bin gekommen, dir das Gute, das du eines Tages aus Liebe zu mir gethan hast, zu vergelten. Du wirst morgen sterben, aber mit so großer Reue, daß du sogleich darauf in den Himmel kommen sollst. Hierauf erwachte der Verurtheilte und empfand einen so heftigen Schmerz über seine Sünden, daß er lange weinen mußte, und mit lauter Stimme der göttlichen Mutter dankte. alsdann bat er, man möchte doch schnell einen Beichtvater rufen, welchem er unter heftigen Thränen beichtete und ihm die Erscheinung erzählte; hierauf bat er den Priester, er möchte allenthalben die Gnade, die Maria ihm erlangt habe, bekannt machen. Freudig ging der Räuber zur Gerichtsstätte und man erzählt, daß nach der Hinrichtung sein Gesicht ganz verklärt ausgesehen habe, wodurch alle Umstehenden von der Erfüllung des Versprechens der göttlichen Mutter überzeugt wurden.

Maria schützt die Missionäre gegen die Wilden.

Als die Missionäre Pater Angelo Somera und Pater Benedikt Cambon die Mission San Gabriel in Mexiko eröffneten, trafen sie mit einer Bedeckung von zehn Soldaten am Rio de los Templores ein und suchten einen Platz aus. Da überfielen sie die Indianer. In diesem Augenblicke der Gefahr entfalteten die Missionäre die Fahne der heiligen Jungfrau und wie sich ihre azurblauen Felder vor den Augen der erstaunten Wilden aufrollten und das Bild Unserer Lieben Frau im Strahlenkranze ihre Augen traf, warfen sie ihre Waffen weg und nahten in scheuer Ehrfurcht, um ihr alle ihre Habe zu opfern, um ihre Gunst zu gewinnen. Auf so wunderbare Weide wurde der Friede hergestellt, und die guten Väter pflanzten ihr Kreuz am Fuße einer Sierra, in einer herrlichen Ebene und in der Nachbarschaft dreier indianischer Dörfer auf.

Maria belohnt das Vertrauen zu ihr.

Die Mission Peoria bei den Wilden Nordamerika´s war seit dem Abgang des Pater Louis de Villes wieder ohne Missionär und beinahe völlig in´s Heidenthum versunken. Der oberste Häuptling trug noch auf seiner Brust ein Kreuz und ein Bildchen der Gebenedeiten. Er hatte dieses wo gefunden und trug es als Talisman, als er gehört, es stelle die Mutter des großen Geistes vor, das Kind in ihren Armen erlöse das Menschengeschlecht und sie helfe den Christen, wenn angerufen, in der Stunde der Gefahr. Er glaubte daran. Eines Tages legte ein lauernder Fuchs-Indianer auf ihn an; seine eigene Flinte war ungeladen; da rief er Maria an. Fünfmal versagte das Feuer dem Fuchs und da der Peoria-Indianer nunmehr Gewehr im Anschlag vor ihm stand, ergab sich Jener und der Schützling Mariä führte selben im Triumph nach seinem Dorfe. Der Häuptling wurde unter dem Missionär Pater Charlevoix ein Christ und brachte ihm auch sein sterbendes Töchterlein zur Taufe. Später schloßen sich diese christlich gewordenen Illinois ihren Landsleuten am Mississippi an; die verborgene Hand der Vorsehung wies sie dahin, denn sie waren in ihren Dörfern zu weit entfernt von den Missionären. Hier wurden sie bald alle Christen und jener Häuptling, der so großes Vertrauen auf Maria bewiesen, war ihr Führer zu den neuen Wohnsitzen. Die Jesuiten setzten sich an der Mündung des Mississippi fest und übernahmen die Illinois-Missionen.

Maria wird selbst von den Abtrünningen hoch verehrt.

So tief auch die abyssinischen Christen gefallen sind, bekennen sie doch einen aufrichtigen Glauben an die sieben Sakramente und zeigen so viel Ehrfurcht für die Mutter Gottes, daß sie ihr zu Ehren jährlich dreiunddreißig Feste feiern. Solche von ihrem göttlichen Sohne stets belohnte Andachten werden ohne Zweifel, trotz der ihnen anklebenden Mängel und Fehler, ihre Wiederaussöhnung mit der Kirche beschleunigen. – Im Jahre 1854 wurde zu Athen ein irrgläubiger amerikanischer Missionär vor das Civilgericht gezogen, zu fünfzehn Tagen Gefängniß und zur Verbannung aus dem Lande verurtheilt, weil er in einer Flugschrift einige Lehren der griechischen Kirche angriff, indem er gegen die Andacht zu unserer lieben Frau sprach, das selbst die abtrünnigen Griechen weder dulden, noch mit Gleichmuth zu ertragen fähig sind. – Wenn das russische Volk noch immer und zuweilen mit Inbrunst dem Christenthume anhängt, so ist seine Standhaftigkeit der Verehrung zuzuschreiben, welche es noch immer der heiligen Mutter Gottes widmet und jenem fortwährenden Gebrauche, ihren süßen Namen anzurufen, der immer der sicherste Hüter der Lehre von der Menschwerdung gewesen ist. Wenn Rußland jemals aufhören würde, Unserer Lieben Frau ergeben zu sein, so würde es eine Nation von Deisten werden.

Maria schützt die Missionäre gegen wilde Menschenfresser.

Der Jesuiten-Missionär Pater Anchieta wurde allein bei den menschenfressenden Tamuyns zurückgelassen. Er blieb so ruhig und ohne Aufregung, als ob er in Gesellschaft kleiner Kinder gewesen wäre. Von ihrer unerträglichen Schamlosigkeit beleidigt und fortwährend durch ihre launenhafte Wuth mit Todesgefahr bedroht, nahm er seine Zuflucht zum Gebet und zur Abtödtung; er geißelte sich auch. Seine Enthaltsamkeit erregte ihre Bewunderung und sie fragten ihn, wie es komme, daß er zu verabscheuen scheine, was andere Menschen so heftig begehren. Er nahm eine Geißel aus der Tasche und sagte, durch die Züchtigung des Fleisches halte er dasselbe in Unterwerfung. Einst kündigten sie ihm an, er müsse zu einer gewissen Stunde sterben und sie würden sich später an seinem Leibe gütlich thun. Mit vollkommener Fassung und Seelenruhe entgegnete er, sie würden ihn gewiß zur bestimmten Zeit nicht tödten und als sie erstaunt fragten, wie er eine solche Sicherheit zeigen könne, antwortete er, er habe von der Mutter jenes Gottes, von dem er ihnen gepredigt, erfahren, daß er noch nicht sterben solle. Seine Zuversicht wurde gerechtfertigt. Nach einer Gefangenschaft von drei Monaten wurde ein Friedensvertrag abgeschlossen und Anchieta kam nach St. Vinzent zu seinen Mitbrüdern.

Die Andacht zu Maria rettet einen schweren Sünder.

Napoleon begriff, man müßte, wenn es etwas Unmögliches zu vollbringen gebe, die Väter der Gesellschaft Jesu bitten, es zu versuchen. Im Jahre 1852 übernahmen die Jesuiten die Seelsorge über die Verbrecher in Cayenne. Zwischen 1853 und 1856 starben elf Jesuiten in den Sümpfen in Cayenne am gelben Fieber. O wie viele Seelen hat er von der Hölle erlöst, rief ein Verbannter bei der Leiche eines solchen. Aber sie haben freudig die kreuzigende Mission angenommen. Warum weint ihr? sagte Pater d´Abbadie zu seinen Brüdern, als sie im Jahre 1856 an seinem Sterbebette standen; ich gehe in den Himmel! Und immer mit Hilfe der Alles vermögenden glorreichen Mutter Gottes retteten er und seine Gefährten diese unglücklichen, ihrer Sorge anvertrauten Seelen. Was führt euch dazu, sagte einer der Väter zu einem greisen Verbrecher, der die Gnade von Gott erhalten, reumüthig zu sterben, endlich den Trost der Religion zu suchen und zu beichten? Er antwortete: Ich habe mein ganzes Leben hindurch nichts als Böses gethan; nur Eins habe ich niemals unterlassen und das verdanke ich dem Rathe meiner Mutter: jeden Tag habe ich das Salve Regina zu Ehren der heiligen Jungfrau gebetet. Und diese Heilige hatte ihn im Tode durch ihren Schutz gerettet.

Maria erweckt ein todtgeborenes Kind, damit es getauft werde.

Im Jahre 1717 hatte ein Weib ein todtes Kind geboren, worüber ihr Mann ganz trostlos wurde und nachdem es bereits zwölf Stunden begraben lag, auf den sonderbaren Einfall kam, es wieder auszugraben und es zur Mutter Gottes nach Altötting zu tragen. Gesagt, gethan; er gräbt das Kind aus und trägt es vierundzwanzig Stunden weit im strengsten Winter zum Gnadenorte. Kaum hatte er es auf den Gnadenaltar gelegt und eine Viertelstunde lange Maria mit inbrünstigem Vertrauen angerufen, als er auch zum Staunen aller Anwesenden seinen großen Glauben belohnt sah. Das Angesicht des Kindes wurde plötzlich mit einer lieblichen Röthe überzogen und aus der Nase träufelte etwas Blut heraus, zum Zeichen, daß die Seele so eben wieder in dasselbe zurückgekehrt sei. Als man sich vollends vom Leben des Kindes überzeugt hatte, wurde es sogleich getauft, worauf es alsbald in die glückselige Ewigkeit überging zur übergroßen Freude des Vaters, der sein Vertrauen auf Maria so herrlich belohnt sah.

Maria Kann Niemand, der sie anruft, in seinen Nöthen verlassen.

Katharina Kreuzer, Kellnerin aus Schärding in Oberösterreich, nun verheirathet, verschlang im Jahre 1841 eine spitzige Nähnadel. Sie wallfahrtete mit derselben nach Altötting und bat die Gnadenmutter inständigst um Hilfe. Ich gehe nicht eher nach Hause, als bis du mir hilfst! rief sie voll Vertrauen aus. Es stand nicht lange an, so sah sie ihr Vertrauen belohnt. Vor dem Gnadenbilde knieend, fing sie zu husten an und erbrach die bereits mit Schleim überzogene Nadel in Gegenwart vieler Zeugen in der heiligen Kapelle. Die Nadel befindet sich in der Schatzkammer.

Maria erhört die Gelübde, die man ihr macht, wenn man sich bessert.

Ein Mann von Adel verletzte sich auf´s Wegelagern und ward ein Raubritter. Endlich gefangen, wurde er bis zum Tage seiner Verurtheilung und Hinrichtung in einen tiefen finstern Thurm gelegt 1465. Einsam und verlassen, dachte er über seinen Lebenslauf nach. Seine Missethaten und Verbrechen traten ihm vor Augen, sein Gewissen machte ihm die bittersten Vorwürfe, er erkannte, daß ihn Gottes strafende Hand erreicht, daß er mit Recht in Ketten liege und den Tod verdient habe, und nicht bloß den Tod, sondern auch die Hölle. Furcht und Schrecken ergriffen ihn. Bald aber, von der Gnade berührt, erfaßte innige Reue über solchen Undank sein Herz; die Hoffnung, gerettet zu werden, erwachte in ihm. Er erinnerte sich der Mutter der Barmherzigkeit, die keinen Sünder von sich weiset; er erinnerte sich an die Macht ihrer Fürbitte und wandte sich daher in heißem Flehen zu ihr. Er gelobte, zu ihrem heiligen Hause nach Zell zu ziehen, und dort seiner Sünden durch eine reumüthige und aufrichtige Beichte sich zu entledigen, wenn sie ihn retten und aus dem Gefängnisse befreien würde. – Und, o Wunder! die liebe Frau erschien ihm, nahm ihm die Ketten von den Füßen und dem Halse und führte ihn aus dem Gefängnisse. Sobald sich der Unglückliche gerettet sah, eilte er nach Mariazell, brachte dort am heiligen Altare seinen Dank dar, beweinte sein verflossenes Leben, beichtete alle seine Sünden und bekehrte sich vollständig.

Im Jahre 1609 machte ein Jüngling, mit Namen Alexander, welcher der lutherischen Religion anhing, eine Reise, um die Sitten und Gebräuche der Völker kennen zu lernen. Er kam auch nach Rom. Nachdem er sich dort umgesehen, wollte er auch das Meer befahren. Allein, als er auf hoher See war, erhob sich ein heftiger Sturm, der das Schifflein in die Wogen zu versenken drohte. In dieser Gefahr wußte er vor Angst nicht, wohin er sich wenden solle, Seine Religion verschmähte die Fürbitte der Heiligen und verachtete die Anrufung der allerseligsten Jungfrau; doch die Furcht vor dem Tode überwand seinen Irrthum. Er hatte von der Macht Unserer Lieben Frau zu Mariazell gehört, deren Hilfe schon so Viele erfuhren und so rief er denn zu dieser mächtigen, hohen Frau und versprach, wenn sie ihn retten würde, dem Lutherthum zu entsagen und zur katholischen Kirche zurückzukehren. Sogleich legte sich der Sturm, das Meer ward ruhig und er kam wohlbehalten an´s Land. Nachdem er in sein Vaterland zurückgekehrt war, wurde er katholisch und eilte nach Mariazell, wo er seinen herzlichen Dank darbrachte und zum ewigen Andenken an seine Rettung eine Votivtafel aufhängen ließ.

Unter der Führung Mariä geschehen große Dinge.

Es gibt außer Loretto vielleicht nur eine Gnadenkirche in der Welt, welche so viele Pilger in ihren Räumen gesehen hat, zu welcher so viele und so hohe Herren, Kaiser, Könige, Fürsten, Kardinäle, Bischöfe, Helden und Ritter gewallt sind: dieß ist die Muttergotteskirche zu Montserrat in Spanien. Hier erschien gegen das Jahr 1218 ein edler Ritter, um nach der Genesung von einer schweren Krankheit sein Gelübde zu erfüllen. Auf seinen Knieen lag er neun Nächte hindurch vor der Bilde Unserer Lieben Frau. In einer derselben erschien ihm die gnadenreiche Himmelskönigin und forderte ihn auf, einen Orden zur Befreiung der von den Sarazenen gefangenen Christen zu stiften. Und der Ritter gehorchte; von dem frommen König von Arragonien unterstützt, dem gleichfalls die heilige Jungfrau erschienen, gründete er zu Barcelona den Orden Unserer Lieben Frau de Mercede. Es war der heilige Petrus Nolaskus. –

Fast drei Jahrhunderte später erschien hier wieder ein Ritter im Bußgewande, hing seinen Degen vor dem Bilde Unserer Lieben Frau unter den Votivgeschenken auf und hielt die Ehrenwache vor ihr im Heiligthume, legte eine Generalbeichte ab bei dem Einsiedler von St. Dismas und empfing himmlische Offenbarungen in der Höhle von Manresa, welche ihn bewogen, einen der größten und merkwürdigsten Orden, den die Welt gesehen, zu stiften. Es war der heilige Ignaz von Lojola, Stifter der Gesellschaft Jesu. – Hier kniete und flehte Ferdinand der Katholische um Hilfe und Schutz gegen die Sarazenen, hier dankte er mit seiner Gemahlin Isabella für den Sieg. Kaum hatten sie ihr Gebet vollendet, erschien ein Schiff des Columbus und meldete, daß er Amerika entdeckt habe. Hier erfuhr Karl V., daß er zum römischen Kaiser gewählt sei.

Maria wirkt Wunder zu Gunsten der Hilfsbedürftigen.

Im Jahre 1554 haben sieben Männer mit einem Eide bekräftigt, daß sie durch Hilfe Unserer Lieben Frau aus der türkischen Gefangenschaft befreit worden seien. Einer von ihnen war dreiunddreißig, der Andere sieben Jahre gefangen. Sie flohen zu Nachts mit noch fünf anderen Christen auf einem bereitstehenden Nachen und vertrauten sich den Wogen des Meeres an. Als sie die ganze Nacht gerudert hatten, trieb sie ein Unwetter wieder an das Ufer; doch gelang es ihnen mit großer Anstrengung, wieder das hohe Meer zu erreichen. Jetzt bemerkten sie, daß ein Schnellsegler ihnen nacheilte; er war schon so nahe herangekommen, daß sie sich ergeben wollten. Da empfahlen sie sich abermals dem Schutze Unserer Lieben Frau und gelobten eine Wallfahrt nach Montserrat; und siehe, plötzlich wendete sich das feindliche Schiff und sie waren gerettet. Nun sollten sie vor zwei Festungen vorüber fahren, nicht weit von Konstantinopel. Es war mondhell und sie fürchteten sehr, gesehen zu werden. In größter Angst riefen sie zu Maria und siehe, da verbarg sich der Mond hinter einer Wolke. Sie fuhren vorbei. Siebenmal feuerte die Wache auf sie, doch unverletzt kamen sie davon. Jetzt aber erhob sich ein gewaltiger Sturm, der ihr gebrechliches Fahrzeug an einen Felsen schleuderte. Aber auch in dieser Noth half Maria; das Schifflein blieb unverletzt und sie gelangten endlich an christliches Land und waren gerettet.

Maria, der Meeresstern genannt.

Mitten auf einer Sandebene des westlichen Frankreichs am Ufer des Meeres erhebt sich am Rücken eines steilen Berges die Festung St. Michel. Hier befand sich in der Nacht des Heidenthums eine Höhle, dem Götzen Bollenus geweiht, wohin die Pfeilschützen von Amerika und England kamen, um sich von den Götzenpfaffen verzauberte Pfeile zu kaufen. Als aber vor dem Kreuze Christi allmählich die Götzen stürzten, ward auch dieses letzte Bollwerk des Heidenthums zerstört und ein christliches Kloster an seiner Stelle erbaut, das dem heiligen Erzengel Michael geweiht wurde. Die Höhle ward in eine wunderschöne Kapelle verwandelt, der heiligen Jungfrau, dem Sterne des Meeres, der Beschützerin der Schiffer geweiht und ein schönes Bild Unserer Lieben Frau darin aufgestellt. Die Kapelle ward von Kieseln gebaut, welche die Wellen des Meeres an das Ufer warfen. Inwendig waren Wände und Gewölbe mit Korallen und glänzenden Muscheln ausgeschmückt, welche die frommen Matrosen an allen Gestaden des Meeres gesammelt und als Opfer hieher gebracht hatten. Der Altar war ein Felsenstück, das wie eine Meeresklippe aussah, und ringsum sah man an den Wänden Schiffstaue und Anker hängen, zum Zeichen der frommen Gelübde, welche die Matrosen in Sturmesnoth gemacht hatten. Zu dieser Kapelle zogen nach vollbrachter Schifffahrt (sic) Schaaren von Matrosen, um dort Unserer Lieben Frau, dem Meeresstern zu danken für Rettung aus den Stürmen und Wogen; dort sangen sie mit ihrer rauhen Stimme, aber mit dankbarem kindlich gläubigem Herzen, ihre heiligen Lieder bis zur Zeit der französischen Revolution. Dorthin wallfahrteten fast alle Könige von Frankreich bis auf Ludwig XV. und besuchten das Gnadenbild Unserer Lieben Frau, und eine Weissagung, die in den Archiven des Klosters hinterlegt war, spricht von großen Unglücksfällen, welche die Nachkommen eines Königs bis in´s dritte Glied treffen sollen, der die Wallfahrt zu Unerer Lieben Frau nach St. Michel versäumt. Diese Weissagung hat sich leider erfüllt.

Man soll die Ehre Mariä gegen die Ketzer vertheidigen.

Als die Irrlehre des Nestorius aufkam, welche die Gottheit Jesu und die Muttergotteswürde Mariä läugnete und welche der Kaiser Anastasius in Schutz nahm, vertheidigte der heilige Theodosius, der Vorsteher der Mönche, die katholische Lehre. Der Kaiser suchte ihn mit einer Geldsumme zu bestechen. Theodosius nahm zwar das Geld, schenkte es aber sogleich den Armen und schrieb dem Kaiser, er wolle lieber den Tod leiden, als der Wahrheit untreu werden; er reiste im Lande umher und bestärkte die Christen in der katholischen Lehre. Dafür belohnte ihn Maria mit der Gabe, Wunder zu wirken. Er wurde vom Kaiser verbannt, doch dauerte die Verbannung nicht lange, weil der Kaiser bald starb.

Man soll Maria in wichtigen Anliegen zu Rathe ziehen.

Zu Kora, einem kleinen Städtchen in den päpstlichen Staaten, ward Thomas von armen Aeltern geboren. In der Taufe erhielt er den Namen Franz Anton. Als kleinen Knaben verwendeten ihn seine Aeltern zum Schafhüten. Sein ernstes Wesen, fern von allem Kindischen und sein reifer Verstand bewogen seine Aeltern, ihn studiren zu lassen. Aber kaum hatte er einige Jahre von einem frommen Chorherrn in Kora Unterricht erhalten, als er wieder zu Hause bleiben und die Schafe hüten mußte. Er folgte willig dem Rufe seiner Aeltern bis zu ihrem Tode. Nun mußte er die Schafe verkaufen, um seine beiden Schwestern, die sich verehelichen wollten, auszusteuern, und er stand nun, zweiundzwanzig Jahre alt, allein und verlassen in der Welt. Da ging er mit Gott zu Rathe, welchen Stand er wählen sollte. Mit kindlichem Vertrauen wandte er sich zu Maria, seiner lieben Mutter, und es kam ihm der Gedanke, in den Orden des heiligen Franziskus zu treten. Nach kurzer Prüfung wurde er aufgenommen. Er durfte weiter studiren, legte Profeß ab und wurde Priester. Von da beginnt seine segensreiche Wirksamkeit im Kloster durch Erziehung der Novizen, im Beichtstuhle und im Predigtamte. Auf Maria setzte er sein ganzes Vertrauen. Im Beichtstuhle gab er gern Bußen zu Ehren Mariä auf.

Was fordert Maria von Denen, die ihr dienen wollen?

Wer sich Maria als Diener und Verehrer weiht, und wünscht, daß seine Verehrung ihr wohlgefällig und ihm heilsam sein soll, von dem fordert sie absonderlich, daß er von jeder Todsünde frei und rein bleibe. So lange Jemand in der Todsünde lebt, ist er ein Knecht des Teufels und ein Feind Gottes und Mariä. Die Werke, die er ihr zu Ehren übet, gleichen einem Blumenstrauß, dessen Blumen welk, verdorrt, ohne Schönheit und Wohlgeruch sind; sie wendet ihr Antlitz ab und verachtet sie.

Der heilige Petrus Cölestinus erzählt, daß ein lasterhafter Soldat täglich einige Andachtsübungen zu Ehren der göttlichen Mutter verrichtete. Eines Tages hatte er heftigen Hunger. Da erschien ihm die allerseligste Jungfrau und bot ihm ausgesuchte Speisen an, die sich aber in einem so schmutzigen Gefäß befanden, daß es ihn eckelte, sie nur anzurühren. Da sich der Soldat zu essen weigerte, sprach Maria zu ihm: Siehe, ich bin die Mutter Gottes und bin gekommen, deinen Hunger zu stillen. Aber, antwortete der Soldat, ich kann mich nicht überwinden, die Speisen aus einem solchen Gefäße zu nehmen. Wie ist es aber möglich, entgegnete Maria, daß du verlangst, ich solle deine Andachtsübungen günstig aufnehmen, da du sie mir mit einem so schmutzigen Herzen darbringst? Als der Soldat dieß vernahm, bekehrte er sich, wurde Einsiedler, und lebte dreißig Jahre in der Wüste, worauf ihm Maria in seiner Todesstunde erschien und ihn in den Himmel führte.

Maria hilft in Versuchungen zur Unkeuschheit.

Die heilige Jutta war schön von Angesicht, keusch am Leibe und geschmückt mit Tugenden. Mit dreizehn Jahren wurde sie verehelicht, lebte aber nur fünf Jahre in der Ehe. Die Augen vieler Männer waren auf die junge, reiche, schöne und rechtschaffene Witwe gerichtet; allein Jutta wollte Gott leben. Besonders lieb hatte sie Unsere Liebe Frau; sich selbst und ihre Kinder hatte sie unter ihren Schutz gestellt. Ihr kindliches Vertrauen wurde auch belohnt. Als sie noch nicht im Kloster war, sondern zu Hause mit ihren Kindern wohnte, besuchte sie öfters ein Jüngling, der von Seite ihres Mannes mit ihn nahe verwandt war und unterhielt sich mit Jutta über die Sorge für ihre Kinder, die er zärtlich zu lieben vorgab. Allein durch die vorwitzigen Blicke hatte sich in sein Herz nach und nach eine unreine Liebe eingeschlichen. Jutta, unbefangen, schlicht und einfach, und von seltener Keuschheit, merkte dieß nicht. Oefters wollte der Jüngling seine unreine Liebe ihr zu erkennen geben, allein Scheu und Furcht hielt ihn zurück. Endlich siegte seine böse Leidenschaft, die er nicht bekämpfte; er entdeckte der frommen Wittwe seine schändliche Zuneigung. Diese hörte mit Entsetzen die Worte des Verblendeten, wendete sogleich mit Abscheu ihr Antlitz ab und strafte mit strengem Tadel sein gottloses Ansinnen. Aber fürchtend, es möchte keinen guten Ausgang nehmen, wenn sie den Jüngling im Sturme seiner Leidenschaft ohne gute Ermahnung entließ, bat sie ihn mit milden Worten, doch diese Neigung mit der Wurzel aus dem Herzen zu reißen, die Gnade des Herrn werde ihm helfen. Mein Bruder, sprach sie, wenn wir auch Gott nicht fürchten müßten wegen der Sünde, die Ihn so sehr beleidigt, und nicht Angst haben dürften, unser Heil zu verlieren; so muß uns doch warnen und zurückhalten die Gefahr der Schande, in die wir gerathen, wenn nur ein Fünkchen unter die Leute käme von dem, was du verlangst.

So entließ sie den Jüngling in Frieden. sie bat Gott inständig, ihm mit Seiner Gnade beizustehen und die Versuchung von ihm wegzunehmen, sie aber zu beschützen und zu bewahren, daß sie Niemanden zum Aergernisse werden möge.

Doch der Jüngling verharrte in seiner bösen Leidenschaft. Zwar getraute er sich nicht mehr, seine Neigung zu Jutta so offen zur Schau zu stellen, aber in seinem Herzen glühte das höllische Feuer fort. Jutta mied aber allen Umgang mit ihm und zog sich möglichst zurück. Unterdessen kamen einmal Verwandte spät in der Nacht in ihr Haus. Nach dem Essen nöthigte sie dieselben, bei ihr zu übernachten. Da kam wie zufällig auch der genannte Jüngling und von den Freunden eingeladen, bei ihnen zu bleiben, blieb er da. Jutta ward deshalb sehr besorgt und ahnte nichts Gutes, ließ sich aber nichts merken. Als Alle zu Bette gegangen waren, ließ sie sich ihr Bett in der Kammer einer Magd im unteren Stocke bereiten. Die ganze Nacht schloß sie kein Auge aus Furcht, es möchte ihre Keuschheit verletzt werden. Da verließ der verblendete Jüngling um Mitternacht sein Lager in der bösen Absicht, Jutta mit Gewalt oder List sich willfährig zu machen. Von wilder Lust berauscht und wie von Sinnen, tappte er in der Dunkelheit herum. Jutta hörte ihn, zitterte, bebte und verging vor Angst. Sie konnte nicht fliehen, sie konnte als schwaches Weib nicht widerstehen; wollte sie schreien, so befürchtete sie den guten Ruf für sich und den Jüngling zu verlieren. Sie wußte keinen Ausweg. Da seufzte sie auf und flehte mit heißer Inbrunst zur heiligen Jungfrau, der Zuflucht aller Bedrängten, der sie sich schon vor dem Schlafengehen so innig empfohlen hatte. Zu ihr rief sie nun um Hilfe.

Siehe, da erschien Unsere Liebe Frau im Glanze himmlischer Schönheit und schritt vom Speisezimmer hinab über die Stiege in den untern Stock. Jutta sah sie von Angesicht zu Angesicht. Der Jüngling aber, nicht werth, die Himmelskönigin zu sehen, hörte ihre Stimme. Er blieb stehen, schrack zusammen und nicht wissend, wo er sich hinwenden sollte, schlich er wie ein Dieb zitternd wieder in sein Bett und wagte es von nun an nicht mehr, der keuschen Wittwe zu nahen.

Maria verkündet ihrer Verehrerin den Todestag.

Jutta wandte sich in aller Trübsal an Maria. Diese Liebe zur Mutter Gottes, diese kindliche Verehrung von Seite der heiligen Jutta fand herrlichen Lohn. Jutta sagte den Tag ihres Todes vorher und hatte auch bestimmt, an einem Donnerstage um neun Uhr die letzte Oelung zu empfangen. Doch da ihre Freunde nicht nachließen, daß sie die letzte Oelung eher empfange, weil sie ihren Tod nahe glaubten, gab sie nach und empfing das heilige Sakrament. Darnach aber sprach sie: Ich habe nun eueren Willen gethan, weil ich euch traurig sah, aber ich werde nicht eher sterben, als ich gesagt. Und als man sie fragte, warum sie erst am Donnerstage die letzte Oelung empfangen wollte, gab sie zur Antwort: Weil ich wußte, daß Maria an diesem Tage bei der letzten Oelung gegenwärtig sein wollte, daß sie das Amen gesprochen und mich mit sich genommen hätte.

Maria schützt die Keuschheit.

Maria Benedikta Rossi liebte Maria schon als Kind zärtlich. Als sie herangewachsen war, wollte sie in´s Kloster gehen. Allein ihre Aeltern und Freunde waren dagegen und legten ihr allerlei Hindernisse in den Weg; sie aber ließ sich nicht von ihrem Entschluße abbringen und seufzte ohne Unterlaß zu Jesus und Maria, sie in den Gefahren, die ihr drohten, zu beschirmen und erfuhr auch öfters auffallend den Schutz des Himmels. Als einmal ein Jüngling sich heimlich in ihr Zimmer begab, um sie mit Gewalt zu entführen, da fiel sie augenblicklich vor dem Bilde der göttlichen Mutter auf die Kniee und rief ihren Beistand an. Der böse Jüngling fühlte sich plötzlich von den heftigsten Schmerzen befallen und war genöthigt, zu entweichen. Ein anderes Mal, als ein anderer frecher Jüngling ihrer jungfräulichen Reinigkeit Gewalt anthun wollte, da erhob sie ihre Augen zur Mutter Gottes und sprach, auf das Bild Unserer Lieben Frau zeigend: Siehe hier Maria an und schäme dich! Eilig floh der Frevler, wie vom Blitze getroffen.

Maria verleiht den Bittenden die Gabe der Keuschheit.

Der gottselige Franziskaner Ripa Transon betrachtete gar innig das Leiden Christi und die Schmerzen seiner glorreichen Mutter. Als er einmal recht inbrünstig Maria bei ihren Schmerzen anflehte, ihm die Gabe der Reinigkeit zu verleihen, erschien sie ihm. Er erschrack, befürchtete einen Betrug des bösen Feindes und wollte fliehen. Da rief ihn Maria zurück und sprach: Wenn du mich fliehen willst, warum verlangst du nach mir? Jetzt erkannte er Maria, fiel ihr zu Füßen und sprach: O du gütigste Mutter, woher kommt mir das? Darauf legte ihm die heilige Jungfrau ihre reinsten Hände auf die Brust und sprach: Nimm hin die Reinigkeit des Herzens, die du so lange begehrtest, und verschwand. In unversehrter Reinheit strab er 1595.

Engel geben uns das Beispiel zu Marienwallfahrten.

Unweit des Marktfleckens Marbach an der Donau liegt auf einem hohen Berge der berühmte Wallfahrtsort Unserer Lieben Frau am Tafelberge, oder Mariataferl genannt. In einer Eiche war ein Muttergottesbild eingewachsen. Die umliegenden Ortschaften verehrten dieses Bild schon lange; doch trug die hohe geistliche Obrigkeit noch immer Bedenken, den Ort als einen öffentlichen Wallfahrtsort zu bestätigen, bis es endlich dem für die Ehre Seiner geliebten Mutter allzeit eifernden Heilande gefallen, dem Zutrauen zu Mariataferl höhere Beglaubigung zu geben. Zu dem Ende sendete er Seine heiligen Engel selbst als Wallfahrer zu dem Bilde ab und ließ es sehr oft durch himmlische Prozessionen besuchen. Die Engel waren weiß gekleidet, mit weißen und rothen Fahnen; darunter gingen fast immer drei von besonderer Größe und Herrlichkeit als Führer voran, oberhalb des Weinberges neben dem Walde hinauf, dem heiligen Bilde zugewendet; woher dieser noch heute den Namen Engelsweg führt. Und diese englischen Wallfahrten dauerten drei volle Jahre. Diese Prozessionen wurden von vielen Personen gesehen und gerichtlich bezeugt, unter Andern auch von der Tochter des Herrschaftsbesitzers, welche später vom lutherischen zum katholischen Glauben übertrat, welche Gnade sie ohne Zweifel der Mutter Gottes zu danken hatte. Später wurde eine Kirche erbaut. Im Jahre 1734 erschienen bereits vierhundertsiebenundzwanzig öffentliche Prozessionen und die Zahl derer, welche die heiligen Sakramente empfingen, betrug einhundertunddreitausendundvier und als 1760 das erste Jubeljahr gefeiert wurde, zählte man in der Zeit vom 19. März 1760 bis 19. März 1761 Kommunikanten dreihundertundsechsundzwanzigtausend und Prozessionen siebenhundertundeine. Ununterbrochen dauern die Prozessionen auch heute noch fort, Zeugniß gebend von der Liebe der österreichischen Völker zu Unserer Lieben Frau.

Maria täuschet das Vertrauen zu ihr nicht.

Eine Mutter begleitete mit ihrem halbjährigen todtkranken Kinde den Wallfahrtszug der Erzbruderschaft des heiligen Rosenkranzes von Wien nach Mariataferl. Aber ihr Gebet um Genesung ihres Kindes fand keine Erhörung. Das Kind verschied in ihren Armen. Grenzenlos war ihr Herzenleid. Vergeblich suchte sie der Wallfahrtspriester zu trösten. In Mariataferl setzte sie sich mit ihrem todten Kinde im Schooße auf einen Seitenstuhl im Angesichte des Gnadenbildes und schrie voll Vertrauen: Mein Kind muß ich wiederhaben, mein Kind muß ich wieder nach Hause bringen; die schmerzenhafte Mutter Gottes wird mein Bitten nicht unerhört lassen, meine Thränen ansehen und mich nicht ungetröstet scheiden lassen. Dieß wiederholte die arme Mutter, ehe der Zug abging, so oft und so jammervoll, daß Alle, welche sie sahen, in Thränen zerflossen vor Mitleid und ihr Gebet mit dem Gebete der trostlosen Mutter vereinigten. Da ward die Frau eines Zimmerpaliers innerlich angetrieben, der armen Mutter beizuspringen. Sie nahm das todte Kind aus der Mutter Schooß, trug dasselbe dreimal voll Vertrauen auf Maria Macht und Hilfe um die Gnadenkapelle und legte es dann auf den Altaar. Und siehe, als der Wallfahrtszug abgehen wollte, und der letzte Segen mit dem Allerheiligsten gegeben ward, schrie das Kind laut: Mama, Datta! Alles erstaunte, Alles jubelte und pries die Güte und Macht der Himmelskönigin Maria.

Maria mild und gütig auch gegen Sünder.

Ein großer Sünder hatte es gewagt, in der Beichte seine Missethaten zu verschweigen und hierauf unwürdig zu kommunizieren. Er wollte nun mit einem doppelten Gottesraube im Herzen die Kirche verlassen. aber bei der Kirchthüre wurde er von einer unsichtbaren Macht gehalten, so daß er nicht vorwärts schreiten konnte. Zugleich wurde er innerlich gerührt. Bestürzt eilte er zum Beichtstuhle zurück, entdeckte dem Priester nun aufrichtig seine Seelenwunden, und empfing von Gott Gnade und Erbarmen durch die Fürbitte der Mutter Gottes, die wahrhaft eine Brücke der Sünder ist.

Ein lutherischer Kavalier ließ sich zum Schein oder aus Vorwitz in die Bruderschaft zu Mariataferl eintragen und schrieb mit eigner Hand seinen Namen in das Register. Aber von dieser Stunde an hatte er keine Ruhe in seinem Gewissen mehr, bis er zum heiligen katholischen Glauben zurückgekehrt war. Sein leiblicher Bruder erschien zu Mariataferl, erzählte den ganzen Verlauf der Bekehrung seines Bruders und unterzeichnete die Urkunde, zum Zeugniß seiner Aussage mit dem Namen: Johannes von Binder, des heiligen römischen Reichs Ritter und Edler von Krieglstein.

Maria verläßt ihre Verehrer nicht.

Der heilige Petrus Thomasius war von armen Aeltern geboren. Da sie ihn nicht ernähren konnten, verließ er sie, von Gott ermahnt und bettelte sein Brod. In der Stadt Agen bei Toulouse besuchte er die öffentliche Schule, wo er Latein und die übrigen damals üblichen Wissenschaften lernte, wobei er theils sein Brod bettelte, theils durch Handarbeit dasselbe zu gewinnen suchte. So führte er ein gar armes, verachtetes, mühevolles Leben bis in sein zwanzigstes Jahr. Er trat in den Orden der Karmeliter, ward Priester und Prediger. Seine Verehrung gegen die allerseligste Jungfrau war unbeschreiblich. Er betrachtete sie als seine größte Wohlthäterin und unterließ nichts, was ihr zur Verherrlichung gereichen konnte. Er war einer der vorzüglichsten Vertheidiger ihrer unbefleckten Empfängniß und schrieb hierüber ein eigenes Büchlein. Auch die übrigen Vorzüge Unserer Lieben Frau pries er in seinen Predigten. So oft er betete, gedachte er auch des Lobes der gebenedeiten Jungfrau. Jedes Bild, das er auf dem Wege sah, grüßte er ehrfurchtsvoll. Wenn er sprach, begann er immer mit dem Namen Maria. Bevor er sich zu Tische setzte, entströmten seinem Munde immer einige Lobsprüche zu Ehren Mariä. Die Speisen behagten ihm nicht, waren sie nicht gewürzt mit der Erinnerung an Maria. In seinen Arbeiten und Nöthen floh er zum Altare Unserer Lieben Frau. Den Nachstellungen des bösen Feindes hielt er immer den Schild des Namens Mariä entgegen, und immer war ihm Hilfe nahe. So weit ging seine Liebe zur gebenedeiten Mutter des Herrn, daß er an Nichts Freude zu haben, nichts zu reden, nichts zu hören schien, als von Maria. Aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Nach dem Tode sah man seinem Herzen den Namen Maria eingedrückt, wie einst im Herzen des heiligen Ignatius den Namen Jesus. Für diese Liebe belohnte ihn auch Maria. Als er Priester geworden, gerieth er in solche Armuth, daß er kaum die nöthigen Kleider hatte; es mangelte ihm an Oel und Licht und an andern nothwendigen Dingen.

Eines Tages befand er sich in seiner Schlafkammer, gedachte seiner Armuth und bat Maria um Hilfe. Er befürchtete sehr, daß er Armuths halber seine Studien würde aufgeben müssen. Da erschien ihm Maria; er sah sie durch seine Kammer wandeln. Sie ging zu ihm, berührte sein Käpppchen und sprach: Mein Sohn, lege ab die Furcht wegen deiner Armuth; siehe, ich verlasse dich nicht; lerne fleißig fort, und diene mir und meinem Sohne. Nach diesen Worten verschwand sie. Petrus las darauf die heilige Messe zu Ehren Unserer Lieben Frau, ihr Dank sagend wegen des Versprechens. Nach der heiligen Messe kam ein Soldat und bat ihn, seine Beichte zu hören. Nach der Beichte reichte ihm derselbe fünfzehn Goldgulden. Von dieser Stunde an hatte Petrus keinen Mangel mehr.

Als die Leichte des Papstes Clemens VI. in der Kirche Unserer Lieben Frau zu Puy ausgesetzt war, sollte er die Leichenpredigt halten. Er bestieg die Kanzel und wollte beginnen, allein zu seinem Schrecken versagte ihm die Stimme, er konnte kein lautes Wort hervorbringen. Da wendete er sich in seiner Noth zum Gnadenbilde der allerseligsten Jungfrau und flehte um Hilfe. Kaum hatte er sein Gebet vollendet, als er mit lauter Stimme zu predigen anfing und so klar und hell war seine Stimme, wie nie zuvor. Reich an Verdiensten starb er zu Famagusta im Jahre 1366.

Maria erfleht ihren Verehrern Hilfe oder Geduld und andere Gaben in ihren Leiden.

Der gottselige Hermann von Veringen, mit dem Zunamen Contractus, wurde im Jahre 1013 geboren und war schon von Geburt aus an allen Gliedern gelähmt, so daß er nie gehen konnte, sondern fast sein ganzes Leben sitzend zubringen mußte. Wollte er sich von einem Orte zum andern begeben, so mußte man ihn stützen oder tragen. Sein Rücken war gekrümmt. Wollte er lesen oder schreiben oder sonst was thun, so vermochte er es nur mit der größten Anstrengung. Was ihm aber der liebe Gott an Körpergestalt, an dem Gebrauche der Glieder versagt hatte, das ersetzte Er ihm an Geistesschärfe und Willenskraft. Seine Aeltern gaben ihn in einem Alter von sieben Jahren zur Unterweisung in den Kenntnissen und Wissenschaften, zu deren Erlernung er großes Geschick zeigte, in das Kloster Reichenau in der Schweiz, wo die Benediktiner eine berühmte Schule hatten. Daselbst zeichnete er sich durch Frömmigkeit und Gelehrigkeit aus, so daß er, ungeachtet seiner Gebrechlichkeit, die Profeß ablegen durfte. Von nun an beschäftigte er sich unausgesetzt in seiner Zelle mit Gebet und dem Abfassen schöner und nützlicher Bücher. Seine Schmerzen und Leiden, die ihn nicht verließen, ertrug er mit unerschütterlicher Geduld; doch hegte er noch immer den geheimen Wunsch, von seinem Uebel befreit zu werden und den vollen Gebrauch seiner Glieder wieder zu erhalten. Von Kindheit an war er gewohnt, die allerseligste Jungfrau mit kindlichem Vertrauen zu verehren. Er rief sie deßhalb mit heißer Inbrunst um ihre Fürbitte an, damit er die längst entbehrte Gesundheit erlangen möge. Allein ungeachtet seines großen Vertrauens und seines innigen Flehens fand er doch keine Erhörung. Er blieb lahm und kränklich sein Leben lang. Doch sein Gebet blieb nicht ohne Frucht. Maria flößte ihm süßen Trost in das Herz, verlieh ihm bei all seinen Leiden einen heitern und ungetrübten Geist und besonders eine wunderbare Klarheit und Einsicht in der Wissenschaft des Heils. Zum Danke dafür und zum Troste aller Betrübten und Leidenden verfaßte er das wunderbar liebliche, allbekannte Gebet: Salve Regina. Der gottselige Herrmann war also der Erste, aus dessen liebeglühender Brust dieses trostreiche Gebet zum Throne der Himmelskönigin emporstieg, und seitdem haben es mit Wonne im Herzen Millionen gebetet, die heilige Kirche hat es unter ihre öffentlichen Gebete aufgenommen und darauf Ablässe verliehen.

Die Verehrer Mariä tadeln, zieht Strafe nach sich.

Der heilige Johannes von Gott betete einmal vor dem Bilde Unserer Lieben Frau zu Guadelupe und grüßte sie ehrerbietig mit dem Salve Regina. Als er zu den Worten kam: „Wende deine barmherzigen Auugen zu uns,“ öffnete sich plötzlich der Vorhang, mit welchem das heilige Bild gewöhnlich bedeckt ist, und Maria sah ihn mit freundlichen Bllicken an. Auf das Geräusch, welches entstand, als der Vorhang sich erhob, lief eiligst der Sakristan herbei. Als dieser den Vorhang von dem Bilde weggezogen und Johannes vor demselben knieen sah, glaubte er, er sei ein Dieb, der sich herbeigeschlichen, um das Bild seiner Kostbarkeiten zu berauben. Er überhäufte daher den Heiligen mit Schmachreden, schlug und stieß ihn und wollte ihn zur Kirche hinausjagen. Aber in diesem Augenblicke verdorrte der Fuß, den er gegen den Heiligen erhoben, und halbtodt fiel er zu Boden. Wie dieß der Heilige sah,neigte er sich vor Mitleid zu dem Unglücklichen und sagte ihm, er möge mit möglichster Andacht das Sallve Regina beten. Der Sakristan that es und noch hatte er das Gebet nicht beendet, als er gesund an allen Gliedern wieder sich erhob.

Das Salve Regina ist Gott sehr angenehm.

Der heilige Bonaventura erzählt im Leben des heiligen Franz von Assisi, daß ein Weib sieben Tage heftige Geburtsschmerzen gelitten und dadurch dem Tode nahe kam. Verlassen von aller menschlichen Hilfe flehte sie zum heiligen Franziskus um Beistand. Da erschien ihr während des Schlafes der Heilige und fragte sie, ob sie das Salve Regina beten könne. Jawohl, antwortete das Weib. Der Heilige gebot ihr, dieß Gebet zu verrichten. Sie erwachte, betete mit großem Vertrauen dieses Gebet, und als sie zu den Worten kam: Wende deine barmherzigen Augen zu mir, ward sie glücklich entbunden.

Vor einigen Jahren wollte sich ein Missionär an einen Ort begeben, wohin der Weg durch einen Wald führte. Mehrere seiner Schüler begleiteten ihn. Da hörten sie das Brüllen eines Löwen, der ganz nahe im Gesträuche stand. Schrecken und Entsetzen ergriff Alle; sie glaubten sich rettungslos verloren. Der Missionär aber vertraute auf die Hilfe Unserer Lieben Frau. Er stimmte mit seinen Schülern das Salve Regina an und siehe da, der Löwe entfernte sich und sie setzten ungehindert ihren Weg fort.

Die beste Verehrung Mariä ist ihre Nachahmung.

Der gottselige Johann Baptist Olier wurde im Jahre 1608 in Paris geboren und ward Priester. Als solcher reiste er nach Rom und von da nach Loretto, um dort im heiligen Hause Unsere Liebe Frau zu verehren und von ihr Gnaden zu seinem Berufe zu erbitten. Er gründete das berühmte Seminar zum heiligen Sulpitius, aus welchem bis heute Hunderte von Priestern in alle Welt als Missionäre ausgegangen sind. Den besonderen Segen, der ihn bei seinen Unternehmungen immer begleitete, verdankte er nach Gott Unserer Lieben Frau, der er von ganzem Herzen zugethan war. Weil er sich ihr ohne Vorbehalt weihen wollte, so hatte er sich durch das Gelübde ewiger Dienstbarkeit verpflichtet. Er hatte es sich zum Gesetze gemacht, Niemanden Etwas abzuschlagen, der ihn im Namen Mariä bittet. Alles, was sich auf Maria bezog, war für ihn ein Gegenstand des Trostes und goß Freude in seine Seele. Er suchte, so weit es möglich war, stets ein Bildniß der heiligen Jungfrau vor sich zu haben und unterließ niemals, er mochte allein oder in Gesellschaft sein, alle Marienbilder, die er traf, ehrfurchtsvollst zu grüßen. Täglich betete er den Rosenkranz mit großer Andacht, so daß er in ihm die größte Linderung seiner Leiden und eine unerschöpfliche Quelle der Gnaden fand. Nie hielt er eine Predigt oder sonst einen geistlichen Vortrag, ohne etwas zum Lobe Mariä zu sagen. Er hatte die Ueberzeugung, daß keine Handlung für Gott glorreicher und Mariä angenehmer sei, als die heilige Messe; deßhalb brachte er das heilige Meßopfer oft zu Ehren und auf die Meinung Marä dar. Doch für die beste unter allen Uebungen und Andachten, womit er Maria zu ehren sich Mühe gab, hielt er die Nachahmung ihrer Tugenden. In seinem Verlangen, ihr ähnlich zu werden, verlegte er sich fortwährend auf die Betrachtung ihrer Handlungen und Geheimnisse. Sein heiliger Tod im Jahre 1657 war die Folge dieser Liebe zur hochgebenedeiten Gottesmutter.

Maria verleiht ihren Verehrern Wissenschaft.

Dem seligen Abte Rupert aus dem Orden des heiligen Benedikt hatte Gott von Kindheit an die Gabe des Verstandes zur Erlernung der nothwendigen Wissenschaften versagt. Alle Mühe, welche er deßhalb auf das Studiren verwendete, war vergebens. Groß war seine Trauer über seine schwache Fassungskraft und über seine vergebliche Anstrengung, wie die übrigen Schüler Fortschritte zu machen. In seiner Noth flehte er denn recht inbrünstig zu Maria, der Mutter der Weisheit. Er warf sich vor ihrem Altare nieder und bat sie mit vielen Thränen, daß sie ihm von ihrem Sohne die Gabe der Wissenschaft erflehen möchte. Seine Bitten blieben nicht unerhört. Kaum hatte er sein Gebet geendet, als ihm die gebenedeite Gottesmutter erschien, ihn freundlich anblickte und sprach: Mein Sohn, um was bittest du so dringend? Um Wissenschaft? Siehe, dein Wunsch ist gewährt. Du wirst unter deinen Zeitgenossen der Gelehrteste werden; Keiner wird dich an Kenntniß und Wissenschaft übertreffen. Nur darauf richte dein Augenmerk, daß du die Gnade, welche dir so freigebig gewährt worden, nicht mißbrauchest. In der That, es geschah, wie Maria gesagt. Denn von dieser Zeit an bis zu seinem Tode ward er, entflammt von göttlicher Liebe, mit solcher Kenntniß der heiligen Schrift begabt, und er las und studirte so fleißig darin, daß er sich davon gar nicht trennen konnte. Er bekümmerte sich gar nicht mehr um zeitliche Dinge, überließ die Sorge dafür Anderen, und verlegte sich bloß auf das geistliche Studium, worin er sich so sehr übte, daß er sogar schlafend sich damit beschäftigte und die Lippen bewegte, als lese er. (Anmerkung ETIKA: Schade, daß der heilige Franziskus diese Geschichte nicht gelesen hat, sonst wäre er nicht so grob mit jenen Brüdern umgegangen, die es nach geistiger Bildung dürstete.)

Maria erwirkt den Sündern wirksame Gnaden.

Der selige Thomas Alemanus war zu Frankfurt am Main geboren. Da seine Aeltern arm waren, mußte er frühzeitig das väterliche Haus verlassen und sein Glück anderswo suchen. Er wurde Soldat, als er aber da sein Glück nicht fand, kehrte er nach Hause zurück, durch das Soldatenleben ganz verwildert. Da kam ihm der Gedanke, die wenige Habe seiner Aeltern sich zuzueignen, um sorgenlos, wie er meinte, leben zu können. Um dieß auszuführen, faßte er den teuflischen Entschluß, Aeltern und Geschwister umzubringen. (Anmerkung: Wer meint, dies könne es nicht geben, sei an einen solchen Fall in Eislingen/Fils vor ein paar Jahren erinnert. Die homosexuellen Schüler glaubten, die Polizei hinters Licht führen zu können.) Er führte auch in einer Nacht die entsetzliche That aus und entfloh mit ihren Habseligkeiten. Allein statt Ruhe und Gemächlichkeit zu finden, fand er nur schreckliche Qual seines bösen Gewissens und wie ein zweiter Brudermörder Kain irrte er unstät umher. Er floh endlich in einen dichten Wald bei Frankfurt, wo er sich mit lasterhaften Genossen auf den Strassenraub verlegte. Er ward das Oberhaupt der Bande und wälzte sich in allen Arten von Lastern und Verbrechen. Viele Jahre wüthete Thomas im Walde, verborgen gleich einem wüthenden Tiger, ohne daß es gelang, ihn gefangen zu nehmen. Doch Gott erbarmte sich seiner; denn Maria hatte ihre milden Augen auf ihn gewendet; Er bediente sich des seligen Johannes, des Deutschen, um das Werk der Gnade auszuführen. Kaum hatte dieser den Aufenthaltsort seines unglücklichen Landsmannes erfahren, als er, getrieben vom heiligen Eifer, eine verlorene Seele Jesu Christi zu gewinnen, in den Wald eilte, wo der Unmensch hauste, und mit kräftiger Stimme rief: Willst du reich werden, so komme augenblicklich hervor und zaudere nicht, denn jetzt hast du denjenigen in deinen Händen, von dem du unermeßliche Schätze und Reichthümer erlangen kannst. Verwundert hörte Thomas die Stimme, und gelockt von den Worten: Schätze und Reichthümer, an denen er nie genug hatte, stürzte er mit seinen Raubgenossen aus seiner Höhle hervor. Allein wie sehr erstaunte er, als er einen armen Mönch vor sich sah, der ihm freundlich zurief: Komme Thomas, lege aber zuvor deine Waffen ab, wenn du anders meinen Schatz erheben willst. Wie ein Blitzstrahl trafen diese Worte den Räuberhauptmann. Er warf seine Waffen weg und bat unter Thränen und Schluchzen um Barmherzigkeit. Seine Raubgenossen standen verwundert da, und konnten nicht begreifen, wie ihr sonst so kühner Hauptmann vor einem Mönche die Waffen streckte. Da wandte sich Thomas zu ihnen und sprach: Kameraden, warum bittet ihr nicht auch, um was ich gebeten? Warum schleudert ihr nicht auch die Waffen weg? Sehet ihr denn nicht jene furchtbaren Männer, die, mit den schärfsten Schwertern bewaffnet, diesen Mann umgeben und uns zu tödten drohen, wenn wir seinen Worten nicht folgen? Begreifet ihr nun, daß Leben und Tod in seiner Hand liegt? Sehet, das ist der Schatz, den wir rauben sollen: Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! So lasset uns Alle rufen. Johannes, Freudenthränen über die Bekehrung dieses Sünders weinend, rief mit bewegtem Herzen ihm zu: Du hast um Barmherzigkeit gefleht, du wirst auch Barmherzigkeit finden; doch komme zuvor mit mir, damit ich dich lehre, was du zu thun hast, um Barmherzigkeit zu erlangen. Thomas folgte wie ein sanftes Lamm bereitwillig seinem geistlichen Führer. Mit tiefster Reue über die Menge seine Missethaten beichtete er alle seine Vergehungen und hörte dann nicht auf, inständig zu bitten, ihn doch in den Orden der Diener Mariä aufzunehmen, um durch strenge Buße seine Verirrungen zu sühnen. Johannes willfahrte seiner Bitte und zog ihm das Ordenskleid an, damit er als Diener Mariä, der Zuflucht der Sünder, stets eine schützende Mutter habe, ließ ihm aber den vorigen Namen Thomas, was so viel als Abgrund bedeutet, damit er stets beherzige, daß er als ein Abgrund der Sünde nicht aufhöre, den Abgrund der Barmherzigkeit anzurufen. So sehr seine wilde Natur früher gegen seine Mitmenschen wüthete, so strenge war er jetzt gegen sich selbst. Sein Blut floß unter häufigen Geißelstreichen; Fasten, Wachen und Kasteiungen aller Art waren die Werke der Buße, die er übte, um die verlorne Kindschaft Gottes zu erlangen. Tag und Nacht betrachtete er den Herrn am Kreuze und Seine heilige Mutter unter dem Kreuze, deren mütterliches Herz, obschon auch er es durchbohrt hatte, nun auch seine Zuflucht und sein Trost geworden. Einige Jahre nach der Aufnahme in den Orden machte er eine Wallfahrt zu den Gnadenorten Italiens und kam dann nach Köln am Rhein, wo er im siebten Jahre nach seiner Bekehrung am 23. Jänner 1288 selig im Herrn entschlief.

Maria bewahrt ihren jungen Verehrern die Keuschheit.

Der heilige Johannes Kantius erblickte zu Kent in Polen das Licht des Lebens, daher sein Name Kantius. Seine Aeltern, von Adel und sehr fromm, brachten ihm schon als Kind einen großen Abscheu gegen die Sünde und Liebe zur Tugend bei. Man konnte ihn nicht beten sehen, ohne zur Andacht erweckt zu werden. Seine Aeltern schickten ihn in die nahegelegene Stadt Krakau auf die Hochschule, wo er große Fortschritte in den Wissenschaften machte und was noch mehr ist, mitten in Gefahren, die in einer solchen Stadt der Jugend drohen, seine Unschuld unversehrt bewahrte. Seine Stütze, sein Schutz, sein Trost war Maria, die er innig verehrte. Obwohl sehr gelehrt, hielt er sich doch für den Geringsten und man mußte ihn mit Gewalt zwingen, die Stelle eines Lehrers der Weltweisheit anzunehmen. Zahlreich strömten ihm die Jünglinge zu. Was er ihnen sagte, das bestätigte sein Leben; er war für sie ein heller Spiegel, in welchem sie sehen konnten, was sie thun sollten.

Maria segnet die Priester, die sie verherrlichen.

Der heilige Ildephons wurde im Jahre 607 zu Toledo in Spanien geboren. Er wurde Mönch, Abt und dann Bischof. Der Heilige hatte Maria über die Massen lieb. Er dichtete zu ihrer Ehre geistliche Gesänge und schrieb zur Vertheidigung und Verherrlichung ihrer Jungfrauschaft ein gar schönes Buch mit vielen Zeugnissen aus dem alten und neuen Testamente. Auch eine heilige Messe schrieb er, welche zu ihrer Ehre gesungen werden sollte. Seine kindliche Andacht, seine zärtliche Liebe gegen die hochbegnadigte Jungfrau, die Vertheidigung ihrer allzeit unbefleckten Jungfräulichkeit sollte nicht unbelohnt bleiben. In der Nacht vor dem Feste Mariä Himmelfahrt ging er mit seinen Diakonen in die Kirche, um sich auf das hohe Fest durch Gebet und Wachen vorzubereiten. Als sie die Kirche öffneten, sahen sie dieselbe voll himmlischen Glanzes, der die Augen blendete. Die Diakonen warfen im Schrecken die Fackeln weg und liefen zurück, Ildephons aber ging hinein und sah Maria, mit vielen Jungfrauen umgeben, auf seinem Stuhle sitzen, wo sie ihm ein Kleid schenkte, das er an ihren Festen tragen sollte, und den Himmel verspricht (sic), weil er sie in seinen Predigten und Schriften verherrlicht hat.

Ein Diener Mariä ehrt alle Frauen ihretwegen.

Heinrich Suso war der treueste Diener Unserer Lieben Frau; wie ein gutes Kind seine Mutter, so liebte er sie und hinwiederum erfreute er sich auch der vollen Gegenliebe der Mutter Gottes, welche ihn reich begnadigte. Er ging einst über Feld und kam auf einen schmalen Weg. Da begegnete ihm eine arme Frau. Da diese nahe zu ihm kam, wich er ihr aus und trat in den Koth. Die Frau kehrte sich um und sagte: Lieber Herr! Warum habt Ihr das gethan, daß Ihr, ehrwürdiger Priester und Herr, mir der armen Frau so demüthig ausgewichen seid, da doch ich hätte ausweichen sollen? Da sprach er: Ei, liebe Frau, meine Gewohnheit ist, alle Frauen zu ehren, um der Mutter Gottes willen. Das Weib hob Augen und Hände gegen Himmel und sprach also: Nun so bitte ich diese himmlische Frau, daß sie Euch eine Gnade gebe, ehe Ihr aus dieser Welt scheidet, weil Ihr uns Frauen ihretwegen ehret. Er sprach: Das gebe mir du Jungfrau Maria. - Wenn im Frühlinge die ersten Blumen blühten, brach er sie ab, flocht einen Kranz und setzte ihn dem Muttergottesbilde auf´s Haupt und dachte dabei: Maria, die allerschönste Blume und die Wonne seines Herzens, möge diese ersten Blumen von ihrem Diener nicht verschmähen. Maria unterhielt mit ihm einen traulichen und zärtlichen Verkehr durch sein ganzes Leben.

Maria schützt die Priester, die sie in Predigten verherrlichen, vor Sünden.

Der heilige Cyrillus wurde im Jahre 412 Patriarch von Alexandria und von dieser Stunde an vertheidigte er tapfer und furchtlos die katholische Wahrheit von der Gottheit Jesu und der Muttergotteswürde Mariä gegen die Ketzerei des Nestorius. Er war ein inniger Verehrer der allerseligsten Jungfrau und vom Himmel ausersehen, ihre Ehre als Gottesmutter in Schutz zu nehmen. Deßhalb ließ es Maria auch nicht zu, daß er, wenn auch ohne Vorsatz, einen Fehler beginge, der seinen Namen in den Augen des Volkes hätte beflecken können. Sein Oheim nämlich, der vor ihm Patriarch von Alexandria gewesen, Theophilus mit Namen, ein herrschsüchtiger Mann, hatte den heiligen Johannes Chrysostomus aus Neid und Haß aus seiner Kirchengemeinschaft ausgeschlossen. Cyrillus, sein Nachfolger, hatte sich auch gegen den Heiligen einnehmen lassen, und weigerte sich, den Namen desselben in das Verzeichniß der Bischöfe aufzunehmen, deren beim heiligen Meßopfer gedacht wurde. Das aber machte bei dem gläubigen Volke einen schlimmen Eindruck. Da geschah es, deß er einmal in einem Gesichte sich selbst von dem heiligen Johannes Chrysostomus, der wie von einer himmlischen Leibwache umgeben war, aus den Kirchen vertrieben sah. Doch wie er hierüber in große Angst gerieth, da sah er die heilige Mutter Gottes, wie sie bei dem heiligen Johannes gleichsam Fürbitte für ihn einlegte und sagte, daß Cyrillus für ihre Ehre eifrig kämpfe, er möge ihn also wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufnehmen. Als Cyrillus aus seiner Verzückung erwachte, reute ihn sein bisheriges Benehmen gegen den heiligen Johannes Chrysostomus sehr; er verdammte selbst sein Verfahren, berief eine Synode und trug dann feierlich den Namen des Heiligen in das Verzeichniß der Bischöfe ein. Dieß geschah im Jahre 419.

Strafe eines Feindes der Mutter Gottes.

Als Kaiser Theodosius aus seiner Täuschung erwachte und die Wahrheit erkannte, befahl er zum Beweise seines Abscheus gegen Nestorius und seine Ketzerei, dessen Namen aus allen Kirchenbüchern zu löschen und verbot, seine Anhänger Nestorianer zu nennen. Unter der Strafe des Verlustes aller Güter verbot er die Lesung und Aufbewahrung der Bücher des Nestorius; endlich verbannte er ihn in die afrikanischen Wüsteneien, wo er, verhärtet in seinen Irrthümern, nicht aufhörte, Jesus den Sohn Gottes und Seine heiligste Mutter zu lästern, bis er endlich an seiner gotteslästerlichen Zunge mit einem Krebsgeschwür befallen wurde und Würmer dieselbe verzehrten. Unbußfertig starb er dahin, beladen mit dem Fluche der Kirche.

Ein Marienbild wirkt Wunder zur Vernichtung der Nestorianischen Ketzerei.

Von der Zeit an, wo die Ketzerei des Nestorius siegreich überwunden war, nahm die Andacht und Liebe zu Unserer Lieben Frau in Aller Herzen wunderbar zu. Der heilige Cyrillus hatte zu Smyrna in Kleinasien eine Marienkirche erbauen lassen. Die Ursache war diese: Außerhalb dieser Stadt stand ein großer Cypressenbaum, um welchen man hauptsächlich zur Nachtszeit einen hellen Lichtglanz bemerkte, der von einem unter seinen Zweigen verborgenen Gegenstande herzukommen schien. Auf dieses hin besuchte das Volk diesen Ort, verrichtete dort sein Gebet, und das Staunen wurde durch große Wunder, die dort geschahen, vermehrt. Dieß bewog einen Christen, den Cypressenbaum zu besteigen, wo er ein Bild der heiligen Jungfrau fand, das sich wahrscheinlicher Weise schon lange an diesem Orte befunden hatte, denn es war von den Aesten des Baumes ganz eingehüllt und verdeckt. Daher kam der wunderbare Glanz, den man gesehen hatte. Als der Bischof Nachricht davon erhielt, begab er sich mit dem Volke dahin, sagte Gott Dank für die Gnaden, die er auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau gewährt habe und errichtete zu ihrer Ehre eine prachtvolle Kirche, in welche das Bildniß übersetzt wurde.

Maria hilft Kranken und belohnt ihr Vertrauen.

Friedrich Schwab, Bürger und Schneidermeister zu Tryberg, hatte in seinem achtundsechzigsten Jahre das Unglück, vom Aussatze behaftet zu werden. Da die gegen diese schreckliche Krankheit angewandten Arzneimittel nichts halfen, so wurde auf Anordnung des Arztes der als unheilbar erklärte aussätzige Mann genöthigt, sein Haus und seine Familie zu verlassen und in das allgemeine Siechenhaus zu ziehen.

Schmerzlich getrennt von seiner geliebten Familie, abgesondert von seinen Mitbürgern und verwiesen zu der bemitleidenswürdigsten Menschenklasse, nahm der Unglückliche seine Zuflucht zu derjenigen, welche die Kirche als das Heil der Kranken und die Trösterin der Betrübten anruft und preiset. Unweit Tryberg stand auf einem rauhen Felsen eine Tanne und aus dem Felsen sprudelte eine Quelle. An diese Tanne hatte Jemand ein Muttergottesbildchen angebracht, das jeder Vorübergehende ehrte. Vor diesem Bildchen hatte unlängst ein krankes Weib seine Gesundheit erlangt. Durch gleiche Hoffnung ermuntert, wandert auch er zur Tanne hinaus, steigt den Berg hinan, wirft sich vor dem Bilde nieder, hebt Herz und Hand zum Himmel empor und fleht zu Maria, sie möge auch für ihn ihre mächtige Fürbitte einlegen, und gelobt mit aufrichtigem Ernst, im Falle er vom Aussatze würde gereinigt werden, wolle er ein Bild unserer Lieben Frau mit dem Jesuskinde am Arme aus Holz schnitzen, zierlich fassen und als ein Dankopfer und Denkmal für seine Genesung hier an der Tanne neben dem kleinen Bilde aufstellen lassen.

Während er so mit kindlichem Vertrauen betete, wandelte ihn die Lust an, in der neben der Tanne sprudelnden Quelle sich zu waschen. Wirklich wusch er auch sein Angesicht, die Hände und die leidenden Theile seines Körpers, und siehe! der Aussatz löset sich gleich Schuppen ab und fällt plötzlich weg, der betagte Mann ist gereinigt und ganz gesund. Vor Freude und Verwunderung außer sich, wirft er sich auf sein Angesicht nieder und lobet und preiset Gott und hierauf wendete er sich zum Bilde Unserer Lieben Frau und ruft vor Freude aus: O Heil der Kranken! O Trösterin der Betrübten! Nun erfahre ich, wie mächtig deine Fürbitte bei Gott ist für Jene, welche mit kindlichem Vertrauen dich anrufen. Nimmermehr werde ich einer so großen Wohlthat vergessen und so lange ich lebe, werde ich dir nach Gott meine so wunderbare Genesung verdanken; ja damit alle Vorübergehenden sich dessen erinnern, was hier geschah, werde ich dein Bild an dieser Tanne aufstellen. Seine Heilung wurde von den Aerzten untersucht und als vollkommen wahr befunden. Er stellte wirklich ein Bild auf und so wurde dieser Ort ein berühmter Wallfahrtsort.

Maria befreit von falschen Ansichten.

Als das Muttergottesbild in Tryberg stark besucht wurde, baute man eine bretterne Kapelle. Die Sache wurde dem Bischof von Konstanz gemeldet. Dieser sandte den Stadtpfarrer von Villingen Johann Frank als Kommissär ab. Frank war ganz gegen die Verehrung Mariä auf diesem Berge und befahl, die Kapelle abzutragen und das Bild in die Kirche zu übersetzen. Man bat, man machte ihm Vorstellungen; aber taub gegen dieselben stieg er mit dem Ortspfarrer und den Stadtvorstehern den Berg hinan und nahte sich der Kapelle. Er nannte die Wallfahrt zu Tryberg eine abergläubische Andächtelei einfältiger Leute. Wie er aber in die Kapelle oder eigentlich den Bretterverschlag eintritt und zum Gnadenbilde an der Tanne hinaufschaute, - da erblaßte er, zitterte an allen Gliedern, warf sich wie ohnmächtig auf die Kniee nieder und fing an zu weinen, seufzte laut und nach einiger Zeit fing er an, mit lauter Stimme das Salve Regina zu singen. Die Anwesenden, welche darüber staunten, stimmten mit in den Lobgesang ein. Nachdem der geistliche Kommissär noch eine Zeit lang still gebetet und vor dem Bilde seine ehrfurchtsvolle Verbeugung gemacht hatte, trat er zur Thüre hinaus und legte vor seinen Begleitern das Bekenntniß ab: Es sei ihm beim ersten Anblicke des Gnadenbildes vorgekommen, als stehe ein Bewaffneter vor ihm und drohe ihm den Tod, falls er wider diesen Ort etwas vornehmen würde; dieses sei wahrhaft ein heiliger Ort, welchen Gott erwählt habe, um sich auf eine ganz besondere Art hier allen Jenen gnädig zu erweisen, welche sich der Fürbitte der gnadenvollen Mutter Jesu daselbst empfehlen. So wurde denn Tryberg als Wallfahrtsort  vom Bischof bestätigt.

Maria belohnt das Vertrauen zu ihr durch wunderbare Hilfe.

Petrus Armengol war einer von den Dienern Mariä, welche die gefangenen Christen aus den Händen der Türken erlösten. Dieser hatte sich selbst für mehrere Jünglinge und Knaben zum Lösegeld hergegeben, in der Hoffnung, bald wieder ausgelöst zu werden. Allein das Geld zur Auslösung kam nicht. Deßhalb ergriffen ihn die wüthenden Sarazenen und hängten ihn an einem Galgen auf. Einige Tage darnach kamen seine Ordensbrüer mit dem Lösegelde. Wie sehr aber erschracken sie, als sie von dem grausamen Tode ihres Mitbruders hörten. Sie wehklagten laut über sein Schicksal, wollten ihn aber doch noch sehen und ließen sich den Ort zeigen, wo er hing. Als sie ihn am Galgen sahen, da war ihr Jammer groß. Während sie aber weinten, siehe, da bewegte sich der Leib des Martyrers. Als sie aufmerksam hinblickten, da hörten sie den halbtodten Bruder vom Galgen herab sprechen: Theuerste Brüder! seid nicht traurig und trocknet eure Thränen, denn ich bin nicht todt. Drei Tage sind es nun, da kam eine Frau, umgeben von einer Schaar Jungfrauen, es war ohne Zweifel die Himmelskönigin selbst, zu mir. Sie war immer bei mir und bewahrte mich vor dem Tode, damit die Sarazenen mit Schrecken erfüllt werden und nicht über den christlichen Namen triumphiren. Sie mögen erkennen, daß ihre List nichts vermöge gegen die Diener Christi. Erstaunt hierüber, lösten ihn die Brüder sogleich vom Galgen, worüber die Sarazenen Furcht und Entsetzen ergriff. Peter Armengol lebte noch lange Zeit; er ging immer mit geneigtem Haupte umher, aß nur Kräuter, betete und fastete, bis ihn Gott zu sich rief.

Maria gesehen und beschrieben vom heiligen Ignatius dem Martyrer.

Der heilige Ignatius der Martyrer, ein Schüler des heiligen Johannes, des Evangelisten, hatte das hohe Glück, die gebenedeite Gottesmutter zu sehen und er schrieb von Maria also: Sie war immer heiter unter den Leiden, munter in Trübsalen, zufrieden im Unglück, dienstfertig gegen Jedermann, bereit, sich für Diejenigen zu verwenden, welche unfreundlich gegen sie gesinnt waren, ohne daß sie ihnen auch nur einen kalten Blick zuwarf. Sie war mäßig und bescheiden im Glücke und immer und überall sich selbst gleich. Ihr Herz war voll Mitleid gegen die Betrübten, voll Muth im Widerstande gegen die Laster, voll Beständigkeit in den heiligen Unternehmungen, unermüdlich in den Arbeiten, unüberwindlich in der Vertheidigung der Religion.

Maria belohnt die Andacht großer Sünder durch Bekehrung.

Der selige Heinrich von Calstris wurde einst von Gott gemahnt, zu einem adeligen Kranken zu gehen, um seine Beichte zu hören. Doch dieser weigerte sich zu beichten und sprach: Ich bin noch jung und werde nicht sterben. Ihm entgegnete Heinrich: Ja, du wirst innerhalb drei Tagen sterben. Erschreckt von diesen Worten rief der Jüngling aus: Was soll ich thun, ich habe mich dem Satan übergeben und bin sein. Der selige Heinrich aber sprach: Weißt du denn nicht, daß Christus barmherzig und für dich gestorben ist und nicht will, daß du zu Grunde gehest? Auf diese Worte fing der Jüngling bitter zu weinen an, bereute tief seine Sünden, legte eine aufrichtige Beichte ab, nachdem er zehn Jahre nicht mehr gebeichtet hatte, und bat den heiligen Priester, ihn doch in seinem Tode nicht mehr zu verlassen. Ich nicht, antwortete Heinrich, sondern die Mutter Gottes wird bei dir sein. Und so geschah es auch. Maria kam an sein Sterbebett, und führte seine Seele in den Himmel ein; denn er fastete gewöhnlich zu Ehren der allerseligsten Jungfrau bei Wasser und Brod an den Vorabenden ihrer Feste.

Maria schützt ihre Verehrer gegen die Verfolgung der Ketzer.

An den Pfingstfeiertagen kommen aus ganz Siebenbürgen, ja selbst fernher aus Ungarn und der Moldau, jährlich mehr als zwanzigtausend Wallfahrer, um in der Ortschaft Csik-Semlyo, in der Klosterkirche der Franziskaner, vor dem weltberühmten Gnadenbilde Unserer Lieben Frau ihre Andacht zu verrichten. Schon in den ältesten Zeiten war ein großer Zulauf zu demselben. Ein besonderer Gegenstand der Verehrung ward es im Jahre 1567 durch folgendes Ereigniß:

Die Sczler von Csik, d. i. Grenzwächter, ein Stamm der Ungarn in Siebenbürgen, sind unter allen Verhältnissen und Stürmen dem alten katholischen Glauben treu geblieben. Der König Johann Sigismund Zapolya wurde unglückseliger Weise durch den Arzt Blandrata vom alten Glauben abwendig gemacht. Dieser Blandrata hatte sich der kalvinischen Lehre ergeben, ward später ein Läugner der allerheiligsten Dreifaltigkeit und flüchtete sich deßhalb von Piemont, wo er lebte und sich nicht mehr sicher hielt, nach Siebenbürgen. Dort wußte er sich in die Gunst des Fürsten Sigismund einzuschleichen und denselben für seine Ketzerei zu gewinnen.

Johann wollte seinen Irrthum auch seinen Unterthanen aufzwingen und Niemand hatte vor ihm Ehre, der nicht die heiligste Dreifaltigkeit läugnete. Er erließ sogar 1566 eine Verordnung, daß alle Bewohner Siebenbürgens von Blandrata abhängen, seiner Lehre anhängen, jene aber, welche dieß nicht thun, gleich Ungläubigen bestraft werden sollten.

Diese Verordnung wollten aber die Sczler von Csik nicht befolgen und der König versuchte zuerst Verheißungen, dann Drohungen; aber Alles war vergebens. Darüber ergrimmt, schickte er im folgenden Jahre 1567 eine Abtheilung seiner Bewaffneten aus, mit dem Befehle, die widerspenstigen Sczler von ihrem alten Glauben mit Gewalt abzuwenden.

Damals lebte ein eifriger und gottesfürchtiger Seelsorger zu Abfalu, Namens Stephan. Dieser munterte das ohnehin beherzte Volk noch mehr zur Standhaftigkeit auf und die Hauptleute der verschiedenen Stände waren eines Sinnes mit ihm; entschlossen, Hab und Gut, ja selbst das Leben für die Vertheidigung des alten Glaubens zu opfern und lieber den Tod zu leiden, als davon zu weichen. Sie besprachen sich darüber und beschloßen, daß in dieser äußersten Noth das ganze Volk aufstehen, Jung und Alt ihre Häuser und Besitzungen verlassen und im Kloster der Franziskaner vor dem Bilde Unserer Lieben Frau sich versammeln sollten. Hier wollten sie mit vereinten Herzen zu Gott flehen, daß er sie, wegen der Verdienste der Mutter Jesu, dessen Gottheit der König und sein Anhang läugnete, in dieser großen Noth nicht verlassen wolle. Wirklich versammelten sich Alle vor dem heiligen Bilde und flehten inständig um Hilfe.

Indessen kam die Nachricht, die Soldaten des Königs seien im Anrücken begriffen. Nun sonderten sich diejenigen Sczler, welche die Waffen führen konnten, ab und stellten sich auf dem dortigen ausgedehnten Felde auf. Den Weibern aber, den Greisen und Kindern befahlen sie, sich so lange nicht aus der Kirche zu entfernen, so lange sie abwesend wären. Inzwischen sollen sie ohne Unterlaß Gott durch die allerseligste Jungfrau um Beistand anflehen. Hierauf begannen die Weiber, Mädchen, Greise und Kinder aus allen Kräften zu beten; die bewaffneten Männer aber rückten ebenfalls betend den Soldaten des Königs entgegen. Zwischen Csik und Udvarhely liegt ein großer Wald, dort kam es zum Treffen. Gott und Maria verließen die gerechte Sache nicht. Die Sczler von Csik siegten, der rechte Flügel des königlichen Heeres wurde geschlagen, die Uebrigen liefen über Hals und Kopf davon. Hierauf kehrten die Csiker zurück und als sie sich dem Kloster näherten, eilte ihnen die zurückgebliebene Menge entgegen und eine unbeschreibliche Freude bemächtigte sich Aller. Sie strömten zur Kirche und dankten dort Gott vor dem Bilde Mariä, daß Er sie vor den Verfolgern ihres Glaubens bewahrt hatte; dieß geschah am Samstage vor Pfingsten 1567. Unvergeßlich blieb den Sczlern von Csik die Hilfe Mariä, daher sie auch heute noch zahlreich an den Pfingstfeiertagen vor ihrem Bilde erscheinen, und ihr ihre Huldigung im kindlichen Gebete darbringen.

Maria schützt ihre Verehrer vor der Glaubensverläugnung.

Im Jahre 1134 geriethen einige Maltheserritter bei der Stadt Askalon in einen Hinterhalt der Türken und wurden gefangen nach Cairo in Aegypten geschafft, wo man sie auf alle Weise zum Abfall vom Glauben zu bereden suchte. Da die Türken nichts vermochten, schickte der Sultan auch seine schöne Tochter Ismeria, die in der türkischen Religion gut unterrichtet war, zu ihnen, damit sie das Gleiche versuche. Doch es geschah das Gegentheil. Nach mehreren Gesprächen wurde sie von den Rittern überwunden. Besonders war sie sehr gerührt, als sie so viel Schönes von Maria, der Mutter Jesu Christi, erzählen hörte. Sie wünschte ihr Bild zu sehen. Der Aelteste von ihnen versprach es ihr, ohne zu bedenken, daß er kein solches Bild besitze, noch erhalten könne. Da er einsah, er könne sein Versprechen ohne höhere Hilfe unmöglich erfüllen, so nahmen sie ihre Zuflucht zu Gott und zur glorreichen Jungfrau. In der folgenden Nacht fand er eine Statue der Mutter Gottes bei sich, ohne zu wissen, woher sie gekommen. Die Statue verbreitete den süßesten Wohlgeruch und ergoß durch das ganze Gefängniß, worin die Ritter waren, ein helles Licht. Sie meinten auch, eine herrliche Musik zu hören, die nur von Engeln kommen konnte, und sie so sehr erfreute, daß sie die ganze Nacht mit großer Zufriedenheit zubrachten.

Am folgenden Tage kam die Prinzessin Ismeria wieder in´s Gefängniß und war Zeuge von allen diesen Wundern, wodurch ihr Herz so sehr umgewandelt wurde, daß sie, statt die Ritter für ihren falschen Glauben zu gewinnen, selber unserm Herrn gewonnen ward. Sie trug das Bild auf ihr Zimmer, erwies ihm die größte Ehre und wurde bald mit so viel Freude erfüllt, daß sie es nicht mehr verlassen konnte. In der folgenden Nacht erschien ihr Maria und erklärte ihr, daß sie die Ritter aus dem Gefängniß befreien und ihr dadurch Ehre machen solle. Mit Tagesanbruch ging sie fest entschlossen und sehr freudig, nachdem sie ihre Schmucksachen und einiges Geld zu sich genommen, geraden Weges in´s Gefängniß, das sie wie durch ein Wunder geöffnet fand, rief den Rittern und gab ihnen ihren Entschluß zu verstehen. Sie gingen Alle miteinander hinweg und zogen nach Cairo, ohne bemerkt zu werden. Hierauf gelangten sie zum Nilfluße, wo sich ein schöner junger Mann zeigte, der sie auf ein kleines Schifflein brachte und gleich darauf verschwand. Sie übersetzten den Fluß und nachdem sie etwa drei Stunden gegangen waren, lud Ismeria, die sich müde fühlte, die Ritter zum Ausruhen ein. Während sie schliefen, wurden alle vier plötzlich auf wunderbare Weise nach Frankreich zu ihrem älterlichen Hause gebracht, das sie sogleich beim Erwachen erkannten und mit Freude betraten. Ismeria, die ihnen hastig folgte, vergaß das Bild, das sie mitgenommen hatte, und das sie wegen seiner Schwere nicht gut tragen konnte, bei einer Quelle, deren Wasser über das Bild floß. Seitdem heilt das Wasser dieser Quelle von Fiebern und andern Krankheiten. Als die Ritter im Schlosse angekommen waren, hatten ihre Aeltern eine unbeschreibliche Freude über ihre Rückkehr, namentlich nachdem sie erfahren, was ihnen im Palaste der Prinzessin Ismeria begegnet und welche Wohlthaten sie von ihr empfangen. Alsdann wurde Ismeria dem Bischof von Laon vorgestellt, der sie unterrichtete, taufte und Maria nannte. Sie blieb im Hause bei der Mutter der Ritter, die eine sehr tugendhafte Frau war und brachte da ihre Tage keusch und rein in größter Frömmigkeit zu. Die Ritter ließen eine Kirche an dem Orte erbauen, wo das Bild wegen seiner Schwere den Händen der Ismeria entfallen war. Hier wurde es auf dem Altare zur Verehrung ausgesetzt und seitdem von unzähligen Wallfahrern besucht und die Freude, die noch jedem Besucher der Kirche zu Theil wird, verlieh ihr den schönen Namen: Unsere Liebe Frau von der Freude. Die alten Könige Frankreichs pilgerten dahin, Tausende aus allen Ländern Europa´s besuchten sie und noch immer wandern viele fromme Pilger dahin.

Wie man Maria lobpreisen könne.

Der gottselige Hermann, der im Jahre 1220 starb, der erste deutsche Dominikaner, war der Mutter Gottes von ganzem Herzen ergeben und verherrlichte sie bei jeder Gelegenheit. Wie ein Kind sich über die Ehre und alles Gute, das die Mutter besitzt, freuet und dagegen jeden Schmerz und jedes Leid der Mutter mitfühlt, so war dieß der Fall bei Hermann und seiner allerliebsten Mutter Maria. Ihre Freuden waren seine Freuden, ihre Leiden seine Leiden. Es war ihm die süßeste Wonne, die reichen Schätze der Gnade, womit sie Gott bereichert, und die schönen Tugenden, welche sie geübt hat, zu bewundern und zu preisen. Mit kindlicher Zärtlichkeit lobte er alle ihre Vorzüge. Er lobpries ihren Schooß, worin Jesus, der Herr des Weltalls, neun Monate verschlossen war. Er lobpries ihr liebenswürdiges Herz, welches das Heiligthum aller Hauptgeheimnisse unseres Glaubens gewesen. Er lobpries ihre keuschen Brüste, welche dem Ernährer aller Geschöpfe Nahrung gegeben. Er lobpries ihre heiligen Hände, welche den großen Werkmeister der Welt so oft in Windeln gewickelt. Er lobpries ihre heiligen Arme, welche so oft Denjenigen getragen, der mit drei Fingern die ganze Welt hält. Er lobpries ihre heilige Brust, an welcher so oft Derjenige geruht hatte, welcher die Ruhe der Seligen ist. Er lobpries ihren seligen Mund, der das Glück hatte, sich auf die heiligen Lippen zu drücken, worauf die Gottheit ruhte. Unter diesen Lobpreisungen zerfloß er in Thränen, indem er der Freude gedachte, welche seine gute Mutter bei jeder dieser Handlungen fühlte, und er freute sich mit ihr.

Alsdann ging er auf das Innere der Jungfrau über und auf die Heiligkeit, die sie in eben diesen Geheimnissen gezeigt hatte. Er lobpries ihren seltenen Glauben, ihr außerordentliches Vertrauen, ihre heiße Liebe, ihre tiefe Demuth, ihre unbefleckte Reinigkeit, ihre unglaubliche Bescheidenheit, ihre mehr als menschliche Stärke und alle ihre übrigen Tugenden, die er als ein Paradies der Wonnen betrachtete, welche die allerheiligste Dreifaltigkeit zu ihrem Lustort gewählt hatte. Zu jeder dieser Mitfreuden fügte er ein Ave und schloß dann alle mit den lieblichen Worten: Süßester Jesus, verleihe mir die Gnade, wenn es Dir wohlgefällig ist, daß ich Deine und meine heilige Mutter, welche die Zierde aller Frauen ist, mit meinem Munde loben, mit meinem Herzen preisen und sie durch meine Handlungen nachahmen kann. Für diese zärtliche und kindliche Liebe belohnte ihn Maria mit einer solchen Fülle von süßen Tröstungen, daß er sie kaum ertragen konnte. Und als er sie eines Tages bat, sie möchte mit ihren Tröstungen zurückhalten und sie lieber in die Kenntniß der Geheimnisse verwandeln, welche in der heiligen Schrift enthalten sind und seine schwer stotternde Zunge lösen, damit er mehr im Stande sei, ihre und ihres geliebten Sohnes Herrlichkeit zu verkündigen, verlieh sie ihm eine so klare Kenntniß der heiligen Schrift und eine so geläufige Zunge, daß es schwer ist, die Früchte aufzuzählen, die seine Predigten in Polen und Deutschland hervorbrachten. Wie sehr dieses zärtliche Mitgefühl mit ihren Freuden der lieben Frau gefällt, hat sie selbst der heiligen Mechtildis geoffenbart.

Maria die Zuflucht der Sünder.

Der heilige Hieronymus Aemilianus war 1481 zu Venedig von adeligen Aeltern geboren. Seine fromme Mutter erzog ihn für Gott und den Himmel; allein Aemilian folgte den Lockungen seiner bösen Leidenschaften und schlechten Beispiele. Erst fünfzehn Jahre alt, gab er sich schon sittenlosen Lustbarkeiten hin. Er fürchtete Gott nicht mehr, nur vor den Augen der Welt wollte er untadelhaft dastehen. Er trat in den Kriegsdienst und als sein Vater mit Tod abging, gab er sich allerlei Lastern hin und obwohl er sich in Gefechten durch seine Tapferkeit auszeichnete, war er doch in Gottes Augen ein armer, nichtswerther Sünder. So lebte er in allen Lastern einer sittenlosen Jugend sich wälzend bis in sein dreißigstes Jahr. Da rief ihn Gottes Gnade zur Bekehrung. Er befand sich im Jahre 1511 in der Festung Kastelnovo, als dieselbe mit Sturm eingenommen wurde. Da er an der Spitze der Soldaten tapfer gekämpft hatte, legten ihn die Feinde in schwere Banden und warfen ihn in einen finstern Thurm. An Händen und Füßen mit eisernen Ketten gefesselt, und um den Hals einen Ring, lag er im Gefängnisse. Vom Halsringe liefen zwei Ketten herab, mit denen er an einen Marmorblock gefesselt war, damit er keine Ruhe habe und nicht fliehen könne. Wasser und Brod war seine Nahrung, oft ward er mit Prügeln geschlagen und gepeitscht. Dazu kam, daß er jeden Augenblick den Tod zu erwarten hatte. In diesem Elende gingen ihm die Augen auf. Nur mehr auf Gottes Hilfe bauend, wandte er sich mit innigem Flehen zur heiligen Jungfrau, ihres Gnadenbildes zu Treviso gedenkend und verlobte sich, wenn er gerettet würde, ihre Kirche mit bloßen Füßen zu besuchen, dort nach seinem Vermögen ein Opfer zu bringen und durch ein Votivbild seine Rettung kund zu geben. Kaum hatte er das Gelübde gemacht, als ihm die allerseligste Jungfrau, umflossen von himmlischem Lichte und von hoher Majestät erschien, den Kerker mit ungewöhnlichem Lichte erleuchtend und alle Finsterniß verscheuchend. Hieronymus konnte des Lichtes wegen sie nicht anschauen, ja nicht einmal die Augen zu ihr erheben. Maria aber sah ihn freundlich an und sprach ihm Muth ein. Als ihm Maria erschien, glaubte er zu träumen, als sie ihm aber gebot, er solle seinen Entschluß, sein Leben zu bessern, erneuern, reichte sie ihm die Hand und gab ihm die Schlüssel, womit er die Schlösser seiner Ketten und seines Gefängnisses öffnen konnte, um hinzugehen, wohin er wolle; zuletzt konnte er nicht mehr an ihrer wahrhaften Erscheinung zweifeln. Voll Verwunderung eilte er in´s Freie. Die Ketten und die Ringe nahm er mit. Kaum war er eine Strecke Weges gegangen, als er kaiserliche Wachen erblickte. Entkommen konnte er nicht. Da warf er sich auf die Kniee und flehte zu Maria um Hilfe. Und Maria erschien ihm, nahm ihn bei der Hand und führte ihn unverletzt durch´s kaiserliche Lager, bis zu den Mauern von Treviso, wo er sein Gelübde löste, indem er in der Marienkirche die Ketten aufhing und fernerhin ein heiliges Leben führte, und die Güte Mariä verkündete.

Maria verlangt Gehorsam gegen die Aeltern und Vorgesetzten.

Als die heilige Franziska von Rom noch im Ehestande lebte und eines Tages die Marianischen Tagzeiten betete, hörte sie ihren Mann rufen. Sogleich unterbrach sie ihr Gebet und ging. Sie kehrt zurück und fährt fort zu beten; da ruft sie der Mann wieder; sie gehorcht sogleich dem Rufe und dieses auch zum drittenmale. Wie sie das drittemal zu ihrem Orte zurückkehrt, um ihr Gebet zu vollenden, findet sie die Stelle, wo sie aus Gehorsam aufgehört hat, zu beten, mit goldenen Buchstaben geschrieben, woraus sie erkannte, wie wohlgefällig Gott ihr Gebet und ihr Gehorsam gewesen. –

Der heilige Petrus Cölestinus betete schon als Knabe die Tagzeiten zu Ehren Mariä. Um sie noch andächtiger beten zu können, begab er sich eines Tages in die Kirche vor ein Cruzifix, zu dessen beiden Seiten Maria und Johannes standen. Wie er sein Gebet beginnt, sieht er sichtbar gegenwärtig die seligste Jungfrau und den heiligen Johannes, welche mit ihm abwechselnd beteten. Da ward ihm so wunderbar tröstlich um´s Herz, als befände er sich im Paradiese. Als das Gebet beendet war, verschwanden Maria und Johannes. Petrus läuft eilends vor Freude nach Hause zur Mutter und erzählt ihr, was ihm begegnet. Die Mutter freut sich dessen, befiehlt ihm aber, ja Niemandem etwas zu sagen. Doch Petrus gehorcht nicht und erzählt es auch andern Knaben. Die folgende Nacht sieht er Engel, welche Ruthen in den Händen haben und ihn damit seines Ungehorsams wegen schlagen wollen; doch Einer aus ihnen sagte: Wir wollen ihn diesmal nicht strafen, weil er es nicht aus Bosheit gethan.

Ein wunderthätiges Marienbild.

In München befand sich im Jahre 1651 in der Spitalkirche ein geschnitztes Crucifix sammt einem Bildnisse der schmerzhaften Mutter Gottes aufgestellt. Im Jahre 1690 am 21. Jänner hat ein zehnjähriges Mädchen unter der alle Samstag gewöhnlich abgehaltenen lauretanischen Litanei augenscheinlich bemerkt, daß das schmerzhafte, unter dem Kreuze stehende Muttergottesbildniß die Augen bald in die Höhe zu ihrem gekreuzigten Sohne, bald auf die Erde und auf beide Seiten, wie auch auf die nächst daran stehenden Krippe mit sanften und wehmüthigen Blicken wende. Als das Mädchen nach Hause kam, erzählte es seinen Aeltern das Gesehene und diese wieder andern Personen; ja das Gerücht verbreitete sich so schnell, daß gleich den andern Tag viele Leute theils aus Neugierde, theils aus Andacht, und so von Tag zu Tag zahlreicher und von verschiedenem Stande und Alter in gedachte Kirche sich begaben und das Augenwenden selbst mit eigenen Augen gesehen zu haben versicherten. Die Wahrheit dieses Ereignisses wurde vor dem Bischof durch die Aussage vieler Augenzeugen bewiesen.

Maria erweiset ihren Verehrern Gunstbezeigungen.

Der selige Jordan, Ordensgeneral der Dominikaner, war einer der treuesten und eifrigsten Diener Mariä; sein Herz brannte vor Liebe zu ihr; er liebte sie als seine Mutter und ehrte sie als Königin des Himmels. Das Salve Regina befahl er immer feierlich zu singen. Vor dem Altare Mariä sah man ihn häufig beten; auf seinen Reisen fing er ihr zu Ehren die schönsten Lieder. Dieß gefiel Maria so sehr, daß sie seinem Orden ihren Schutz versprach, und daß sie zwei Mädchen, welche sich den häßlichsten Lastern ergeben hatten  und von ihrem Gewissen gepeinigt, zu Maria ihre Zuflucht nahmen, um ihre Seelen zu retten, zum Jordan zu gehen und sich seiner Leitung zu überlassen befahl. Er erhielt von ihr auch die Gabe, Kranke zu heilen.

Man muß die der allerseligsten Jungfrau gemachten Gelübde treulich erfüllen.

Im Jahre 828 am 25. September zog eine seltsame Prozession in die Schloßkirche der am adraitischen Meere gelegenen Stadt Ragusa. Es waren Schiffsleute in weißen Hemden, ohne Kreuz und Fahne und ohne Priester; in ihrer Mitte trugen sie ein Bild Unserer Lieben Frau. Einige beteten, Andere weinten vor Freude. Nachdem sie in der Kirche angelangt waren, stellten sie das Bild auf den Altar und opferten hundert Kronen mit der Bitte, davon eine Kirche zu bauen und das mitgebrachte Bild darin zur Verehrung aufzustellen. Im Hafen der Stadt lag ihr Schiff ohne Masten und Segel; man sah es dem Schiffe sogleich an, daß die Eigenthümer desselben mußten Schiffbruch erlitten haben. Und so war es auch. Die Schiffer waren Venetianer. Sie waren eben auf dem Heimwege begriffen und hatten aus Griechenland ein schönes Frauenbild mit sich genommen. Auf der Heimfahrt erhob sich ein wilder Sturm auf dem Meere, das Schiff war nahe daran, unterzugehen, der Tod war ihnen nahe. Da erinnerten sie sich des Bildes Unserer Lieben Frau, das sie bei sich hatten. Sie flehten zur hilfreichen Mutter Maria und thaten auch das Gelübde, im Falle sie vom Tode gerettet und das Land glücklich erreichen würden, dortselbst, sei es ein Ort, wo immer, das heilige Bild zu lassen und hundert Kronen zu opfern, um davon Unserer Lieben Frau eine Kirche zu bauen. Alsbald legte sich der Sturm, die Wolken stoben auseinander, das Meer ward ruhig, nur wußten sie nicht, weil es finstere Nacht gewesen, wohin das Schiff seinen Lauf richte. Aber als es Tag geworden, sahen sie zu ihrer größten Freude, daß sie im Hafen von Ragusa unter dem Schlosse sich befanden.

Doch wie es gewöhnlich geschieht, daß die Menschen empfangene Wohlthaten gerne vergessen und in Gefahren viel versprechen und wenig halten, so war dieß auch bei den venetiantischen Schiffern der Fal. Da der Wind günstig und das Meer ruhig war, dachten sie nicht mehr an ihr Gelübde, sondern segelten weiter, Venedig zu. Aber auf den glücklichen Tag folgte eine noch traurigere Nacht. Wieder wüthete der heftigste Sturm, die empörten Wellen drohten das Schiff in den Abgrund zu schleudern, die Segel zerrissen, der Mastbaum brach in Trümmer und stürzte in das Meer. Sie mußten das Schiff gehen lassen, wohin der Sturm es trieb. Alle Hoffnung auf Rettung hatten sie verloren, der Tod schien ihnen gewiß. Da erinnerten sie sich mit tiefster Reue ihres Gelübdes, das sie so treulos gebrochen hatten. Ihre Noth hielten sie für eine gerechte Strafe, doch verzweifelten sie nicht. Auf´s Neue wandten sie sich wieder zu Maria, dem Meeresstern, und erneuerten ihr Gelübde. Und siehe, kaum hatten sie das Gelübde wieder gemacht, als das grausige Wetter sich legte und früh Morgens das Schiff glücklich in den Hafen von Ragusa unter dem Schlosse einlief und landte. Ohne jetzt mehr zu zögern, im Hemde, wie sie sich gerade befanden, stiegen sie aus und zogen paarweise, betend und weinend, mit dem Bild und hundert Kronen, hinauf zu der Kirche, zum Staunen der Bewohner von Ragusa. Mit den hundert Kronen wurde alsbald ein Kirchlein zu bauen angefangen und da die Summe nicht ausreichte, legten die Raguser das Fehlende darauf. Die Kirche steht noch unter den Namen: Unsere liebe (sic) Frau von der Zuflucht der Schiffenden, und nimmt noch immer die verlobten Geschenke und Gebete auf, so die Schiffer für glückliche Fahrten und überstandene Gefahren Maria darbringen.

Maria zeigt ihren Dienern den Beruf, den sie wählen sollen.

Um das Jahr 1230 lebte am Hofe des deutschen Kaisers Friedrich II. ein edler Jüngling, mit Namen Tancred. Er war gottesfürchtig und sehr um seine einstige Seligkeit besorgt. Da er aber am kaiserlichen Hofe vielen Versuchungen ausgesetzt war, und einsah, daß er bei fast täglichen Gefahren seine Unschuld nicht bewahren könne, nahm er seine Zuflucht zur Königin des Himmels und bat sie demüthigst, sie möchte ihm die Gnade erweisen und eine Lebensweise vorzeichnen, wo er sein Heil wirken könne. Nachdem er eine Zeit lang dieselbe Bitte an Maria gerichtet hatte, erschien sie ihm in der Nacht, während er schlief, und sprach zu ihm: Tancred, du bittest, daß ich dir den Weg zeige, wo du sicher dein Heil findest, nun mache dich auf und tritt in meinen Orden. Tancred erwachte bei diesen Worten, war aber in großer Verlegenheit, weil er nicht wußte, was das für ein Orden sei, von dem die allerseligste Jungfrau gesprochen. Er verdoppelte daher seine Bitten. Immer hatte er im Gedächtnisse, was er aus dem Munde Mariä gehört. Damit schlief er eine Nacht wieder ein. Da sah er im Träume zwei Mönche vom Orden des heiligen Dominikus auf sich zukommen, von denen der Aeltere sprach: Tancred, du hast Gott durch die Vermittlung Seiner Mutter um einen sicheren Weg des Heiles gebeten; nun stehe schnell auf, du sollst zu uns kommen. Als er erwachte, ging er in die Kirche, um die heilige Messe zu hören. Da begegnete er dem Prior von Boulogne und nachdem er ihn eine Zeit lang betrachtet hatte, erkannte er ihn als denselben, den er im Träume gesehen. Ganz entzückt hierüber erzählte er ihm, was ihm im Schlafe begegnete, und bald darauf trat er in den Orden, den der heilige Dominikus einige Jahre zuvor gestiftet hatte und der damals in schönster Blüthe stand. Im Orden lebte er als ein heiliger und treuer Diener Mariä.

Mit der Verehrung Mariä verbreitet sich auch der katholische Glaube.

Die kleine Insel Lampedusa an der Nordküste Afrika´s, der Insel Sizilien gegenüber, welche als ein Felsen aus dem Meer ragt und ihres geringen Umfanges wegen unbewohnt ist, hat ein Muttergottesbild, von welchem das Licht bisher nur selten erloschen ist. Kommen nämlich europäische Schiffe in die Nähe, so machen sie Halt, betreten die Insel, empfehlen sich dem Schutze der Himmelskönigin und gießen neues Oel in die vor ihrem Bilde brennende Lampe. Dieß thun aber nicht bloß die Christen, sondern auch die Muhamedaner. Und wahrlich, an dieser Handlung der armen ungläubigen Afrikaner scheint die gebenedeite Gotttesmutter ein mehr als gewöhnliches Wohlgefallen in unsern Tagen zu haben; denn schon beginnt das Licht des heiligen Christusglaubens auf der Nordküste Afrika´s in immer weiteren Kreisen zu leuchten. Bereits haben zwei Städte der Berberei, Algier und Tunis, katholische Bischöfe und zahlreiche Christengemeinden mit mehr als hundert Gotteshäusern. In Algier, das die Franzosen im Jahre 1830 eroberten, fand der ehemalige Bischof Dupuch durch eine merkwürdige Schickung Gottes in der Tiefe des Meeres, im Schiffshafen, ein Bild der Lieben Frau, welches mit größter Feierlichkeit zur Verehrung aufgestellt wurde, und Tausende strömen wieder hin, um die Mutter des Heilandes zu verehren, nachdem nach mehr als anderthalb Tausend Jahren der Glaube an Jesus, der erloschen war, wieder in den Herzen Eingang gefunden hat.

Maria verehren und in Sünden leben, macht ihr Eckel; was Mütter einflößen sollen.

Hugo, Markgraf von Toskana, wurde von seiner Mutter in aller Gottesfurcht erzogen, und ihm von ihr eine besondere Andacht zur allerseligsten Jungfrau eingeflößt. Als er zum Jüngling herangewachsen, starb sein Vater und hinterließ ihm großen Reichthum an Land und Leuten. Da ward des Jünglings Herz Gott entfremdet, Schmeichler führten ihn auf Abwege, und Sinnenlust berauschte ihn so, daß er sich abscheulichen Lastern ergab. Doch vergaß er dabei nicht, was die Mutter ihm eingepflanzt, die Andacht zur allerseligsten Jungfrau. Er betete täglich etwas zu ihrer Ehre. Auf einer Jagd setzte er einem Hirsche nach und kam von seinem Gefolge ab. Hunger und Durst quälten ihn; er suchte Waldbeeren; aber alle fand er unschmackhaft und bitter. Seine Diener hörten seinen Ruf nicht. Da trat ihm eine schöne Jungfrau entgegen und bot ihm in einem Körbchen Obst. Er griff darnach, aber die Früchte waren voll Schmutz und Koth. Sich eckelnd wirft er sie weg. Auf dieses hin sprach die Jungfrau sanft und ernst: Dich eckeln diese Früchte an, wegen des Unflaths, mit dem sie bedeckt sind; wie sollen aber meinem göttlichen Sohne und mir deine Andachten gefallen, da sie vom Unflathe der Sünde verunreinigt sind? Mit diesen Worten verschwand sie. Die Worte Mariä hatten ihn tief ergriffen; er erkannte sein wüstes Leben, ging in sich, bereute seine Fehltritte und machte den festen Vorsatz, sich zu bessern. Ganz in sich gekehrt fanden ihn endlich seine Begleiter. Das erste nach seiner Rückkehr war, daß er durch eine aufrichtige Beichte sein Gewissen reinigte. Doch nicht lange; Hugo vergaß wieder seine guten Vorsätze. Die alten Versuchungen traten wieder an ihn heran; er gab den Schmeichlern Gehör und sank wieder in das frühere garstige Leben zurück. Doch Maria wandte sich nicht von ihm ab; sie wollte seine Seele retten. Hugo ging wieder auf die Jagd, ein Wild führte ihn an eine jähe Felsenwand; ein Ungewitter brach los, die Donner rollen, Blitze leuchten, der Regen stürzt in Strömen herab; er sah sich um, wo er Schutz finden könnte; da bemerkte er eine Höhle im Felsen, er ging darauf zu, aber was sah er? Er sah gräßliche Gestalten bei einem lodernden Feuer und einen glühenden Ambos, auf dem die schrecklichen Bestien Menschenleiber schmieden. Von Schrecken ergriffen, empfahl sich Hugo dem Schutze Mariä und rief: O Frau, merke auf meine Hilfe! Doch die schauerlichen Gestalten spotteten seiner; er erkannte, daß es böse Geister seien, die ihn ergreifen wollten. In größter Angst rief er wieder zu Maria und gelobte vom ganzen Herzen wahre und beharrliche Besserung seines Lebens. In diesem Augenblick war der schreckliche Spuck verschwunden. Ganz durchnäßt vom Regen, noch zitternd und bebend vor Schreck machte sich Hugo auf den Weg mit dem festen Entschluß, seiner Sünden sich zu entledigen und ein neuer Mensch zu werden. Oefters rief er aus: Ugone non sara piu Ugone; Hugo soll nicht mehr Hugo sein. Und er hielt Wort! Als er in seine Residenz nach Florenz zurückgekehrt war, begab er sich zum Cardinal und zum Bischof und erzählte ihnen, was ihm auf der Jagd begegnete, und verlangte, eine öffentliche Beichte abzulegen, indem er öfters die Worte wiederholte: Ugone non sara piu Ugone. Von nun an besserte er sein Leben, erbaute zu Ehren Mariä Kirchen, stiftete Klöster und suchte durch einen wahrhaft frommen christlichen Lebenswandel das Aergerniß wieder gut zu machen, welches er früher gegeben hatte.

Man muß in der Verehrung Mariä beharrlich sein.

Eines Tages kam Nikolaus von Antonellis nach Neapel, um sich wegen heftigen Kopfschmerzen mit den Aerzten zu berathen.  Zuvor aber ging er zum heiligen Joseph vom Kreuze, um sich seinem Gebete zu empfehlen. Noch vor der Zelle desselben hörte er seinen Namen rufen und ehe er noch zu reden angefangen, fragte ihn der Heilige: Wie befindest du dich? Dieser antwortete, er leide schon sechs Monate entsetzliche Kopfschmerzen, worauf der Heilige erwiederte: Weißt du, wovon du dieses Uebel hast? Es ist schon ein halbes Jahr, daß du deine gewöhnliche Andacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau unterlassen hast. Wie der Heilige sagte, so war es auch.

wird fortgesetzt

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