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Ehmig: Gleichnisse

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Maria, 2. Teil

4.2.2016
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Maria. Seiten 362- 413

Maria, 1. Teil – Maria, 2. Teil – Maria, 3. Teil

Die Marienbilder verunehren, Strafe.

Der gottselige Ignaz von Angebedo, aus der Gesellschaft Jesu, reiste als Missionär mit neununddreißig Mitgliedern am 15. Juli 1570 nach Brasilien ab, um dort an die Stelle der Götzen das Kreuz aufzupflanzen. (Anmerkung ETIKA: So handelt die wahre Kirche Christi. Sie stellt nicht Götzenbilder neben das Kreuz, so dass Christen und Heiden gemeinsam einen multireligiösen Gott anbeten.)

Auf der Fahrt dahin wurde das Schiff von dem Seeräuber Jakob Soria genommen. Nachdem die meisten Gefährten des Ignatius getödtet waren, stürzten sie sich auch auf diesen. Er hatte das Bild Mariä wie eine Kriegsfahne in der Hand. Dieses Bild suchten ihm die Mörder zu entreißen, aber vergeblich. Wuthentbrannt warfen sie ihn deßhalb sammt dem Bilde in´s Meer. Doch Wunder! Sein Leib sank nicht unter, sondern wurde, während seine Arme ein Kreuz bildeten, auf den Wellen getragen. Lange sahen ihn die Barbaren auf dem Wasser dahintreiben, bis sie ihn endlich aus den Augen verloren. Der grausame Seeräuber und Mörder und seine Gefährten waren Kalvinisten und Feinde der Heiligen. Eines Tages kam Jakob Soria nach Dole, einer Stadt in der Bretagne. Dort ging er in eine Kirche Unserer Lieben Frau, aber nicht Andachts halber, sondern um die katholischen Gebräuche zu verspotten. Doch die Strafe wegen solchen Frevels blieb nicht aus. Plötzlich befiel ihn ein Zittern an allen Gliedern. Diese Strafe öffnete ihm die Augen; er suchte bei einem Marienbilde, das in der Kirche verehrt wurde, Hilfe, die er auch fand und noch mehr; denn Maria rührte ihm auch das Herz, daß er seine Ketzterei abschwur und wieder zum alten katholischen Glauben zurückkehrte.

Maria bekehrt einen großen Sünder.

Der gottselige Peter Paul Dupré, aus dem adeligen Geschlecht Dupré in Frankreich stammend, trat schon mit zwölf Jahren zum Kriegsheere des Königs Ludwig XIV. von Frankreich und wurde später wegen seiner Tapferkeit zum Hauptmann ernannt. Er diente zwar mit Treue seinem irdischen Könige, aber des himmlischen Königs und Herrn vergaß er ganz und gar. Er führte ein wüstes Soldatenleben. Nur ein Zeichen von Gottesfurcht war ihm geblieben, nämlich eine gewisse Ehrfurcht gegen Gott geweihte Orte, die er vor Plünderung und Zerstörung, selbst mit Gefahr seines Lebens, zu bewahren suchte. Nach der Hand (?) verließ er den Kriegsdienst und kam einmal nach Rom, wo er die Kirche Maria die Größere besuchte, aber nicht, um zu beten; aber dennoch warf Maria einen Blick des Mitleids auf ihn. Er fühlte sich plötzlich, er wußte nicht wie, von einem innerlichen Lichte erleuchtet; er erkannte seine Sünden und ihre Abscheulichkeit, eine tiefe Rührung erfaßte ihn. In Reue und Schmerz aufgelöst, sank er vor dem Bilde Maria auf die Kniee und gelobte dem schwerbeleidigten Gott Besserung seines Lebens. Unverweilt machte er eine Wallfahrt nach Loretto und legte dort durch eine aufrichtige Beichte den Grund zu seiner Lebensänderung. Nach Rom zurückgekehrt, wählte er sich einen eigenen Seeelenführer und machte Fortschritte auf der Bahn der Tugend. Doch noch eine Schlinge hatte ihn umfangen, die er gerne zerreißen wollte, aber nicht zerreißen zu dürfen glaubte. Eine Weibsperson hielt sein Herz noch gefesselt. D geschah es, daß er in aufwallender Hitze päpstliche Beamte beleidigte. Um der Strafe zu entgehen, entfloh er und so machte ihn dieser Umstand los von seiner Verblendung, die ihn hinderte, Gott vollkommen zu dienen. Er floh nach Mantua, wo er unter die Diener Mariä aufgenommen wurde. Da er aber seinen eigenen Willen nicht brechen wollte, verließ er das Kloster und irrte sieben Jahre in der Fremde herum, fand aber nirgends Ruhe. Bei den Jesuiten hielt er geistliche Uebungen. Tief erschüttert und in Reuethränen aufgelöst, schrieb er mit seinem eigenen Blute seinen festen Entschluß nieder, von nun an Gott allein zu dienen, sollte es ihm auch das Leben kosten. Er wurde wieder in den Orden der Diener Mariä aufgenommen, verharrte darin und wurde heilig.

Verunehrung einer Marienkapelle. Strafe.

Der selige Joseph von Leonissa war sein ganzes Lenem lang ein demüthiger Diener Mariä. Als er einmal in seinem Geburtsorte vor einer Marienkapelle vorbeiging und darin sein Gebet verrichten wollte, bemerkte er in derselben Landleute, welche nach der Sitte des Landes mit Ochsen Hirse droschen. Der Gottesmann ward über diese Entweihung sehr betrübt und gab deßwegen den Leuten eine ernste Vermahnung. Diese aber entschuldigten sich, daß sie wegen des Regens diese Arbeit nicht unter freiem Himmel verrichten könnten. Pater Joseph ließ aber ihre Entschuldigung nicht gelten, sondern drohte ihnen mit der Strafe Gottes. Kaum hatte er sich entfernt, als plötzlich ein Ochs zusammenbrach und verendete. Das Weib des Landmanns lief voll Betrübniß dem Pater nach und bat ihn weinend, zurückzukehren und den todten Ochsen wieder lebendig zu machen. Von Mitleid bewegt (Anmerkung: das Wichtigste, was aber die heutige Welt, Menschheit, Gesellschaft zu ihrem Unglück und Untergang verschmäht!), kehrte er zur Kapelle zurück, wo sich bereits viele Leute gesammelt hatten. Er ließ Alle niederknieen und zur heiligen Jungfrau beten. Alsdann segnete er mit dem Kreuze, das er in der Hand hielt, den Ochsen und dieser ward sogleich lebendig.

Maria schützt ihre Bilder vor Entehrung.

Im Jahre 1631 verbreiteten die Schweden unter ihrem König Gustav Adolph Schrecken und Entsetzen in München und der Umgegend. Die Schweden kamen auch in den Wallfahrtsort Andechs; doch war der heilige Schatz bereits in Sicherheit gebracht. Das vielverehrte Frauenbild wurde im Klostergarten vergraben. Als die Schweden nach Andechs kamen, richteten sie eine gräuliche Verwüstung an, sogar die Grabstätten rißen sie auf, die Kirche machten sie zu einem Pferdestall. Mit den heiligen Bildern trieben sie ihren Spott, besonders war ihnen das Liebfrauenbild verhaßt. Sie versuchten es vom Altare herabzustürzen, es gelang ihnen aber nicht, obwohl dasselbe nicht festgemacht und leicht von einem Kinde hätte bewegt werden können. Verwundert hierüber und in der Meinung, es sei hinter dem Bilde ein Schatz verborgen, gaben sie ihrem Obersten davon Nachricht. Dieser ehrenhafte, obwohl ungläubige Mann, verbot aber, weiter Hand an das Bild zu legen, mit dem Zusatze, daß es nicht des Königs Wille sei, mit den Bildern der Heiligen Krieg zu führen.

Maria bekehrt einen Sünder wider seinen Willen.

Der gottselige Priester Claudius Bernard wurde 1588 in Dijon geboren. Er war der Sohn eines angesehenen Rechtsgelehrten, studirte in Paris die Rechte und lebte fröhlich und guter Dinge dahin, ohne sich viel um sein Seelenheil zu kümmern. Wegen seines heiteren Humors sah man ihn in allen fröhlichen Gesellschaften gerne. Doch der liebe Gott erbarmte sich seiner und ließ ihn nicht länger auf dem Wege wandeln, der zum Verderben führt. In einem Gesichte erschien ihm sein Vater und warnte ihn vor seinem bösen Lebenswandel. Diese Erscheinung wandelte plötzlich sein Herz um; aus einem lebenslustigen Weltmenschen ward er ein strenger Büßer. Seine übrige Zeit brachte er in Spitälern und Gefängnissen zu. Diebe, Räuber und Mörder waren seine Gesellschaft; ihre verstockten Herzen das Feld seines Seeleneifers. Um sie zu erweichen, zur Erkenntniß zu bringen und ihr Herz zur Liebe des Heilandes zu entflammen, bediente er sich der mächtigen Hilfe Mariä. Er selbst flehte zu ihr Tag und Nacht und suchte auch diese armen Sünder zu bewegen, ebenfalls Zutrauen zu Maria zu fassen.

Eines Tages trat der arme Priester Bernard in ein dunkles Gefängniß zu einem Verbrecher, der hingerichtet werden sollte, aber von Buße und Bekehrung oder von einem Beichtvater nicht reden hören wollte. Er grüßte den Gefangenen freundlich, umarmte ihn, suchte ihm Vertrauen einzuflößen, drohte ihm mit dem Zorne Gottes; allein seine Worte machten keinen Einfluß auf ihn. Der Verbrecher kehrte ihm den Rücken, würdigte ihn nicht einmal eines Blickes und stellte sich taub für Alles, was Bernard zu ihm sagte. Dieser bat ihn, er möge doch nur ein kurzes Gebet zu Maria mit ihm sprechen, das er selbst, so betheuerte er ihm, niemals gesprochen, ohne zu erhalten, um was er gebeten. Es war das Memorare. Der Gefangene weigerte sich durch ein Zeichen der Verachtung, es zu sprechen. Pater Bernard betete es ihm vor und sprach es geduldig bis zu Ende, dieses Memorare, welches schon so Vielen den Weg zur Bekehrung gebahnt. Doch der verstockte Mensch bewegte weder Mund noch Zunge. Da riß dem (den?) frommen Priester die Liebe fort, sein Eifer für die arme Seele entflammte ihn, er zog ein Papier hervor, auf dem das Memorare geschrieben stand. Er nahm dasselbe, hielt es dem Verbrecher vor die Augen, vor den Mund und bemühte sich endlich, ihm das geschriebene Gebet in den Mund zu schieben mit den Worten: Da du es nicht sprechen willst, so es. Der Verbrecher, der sich wegen seiner Ketten nicht wehren konnte, versprach nun, um nur frei zu werden, es zu sprechen. Bernard warf sich mit ihm auf die Kniee, beginnt wieder das Gebet und der Gefangene hat nun kaum die ersten Worte gesprochen, so fühlte er sich gänzlich verändert. Ein Strom von Thränen floß ihm aus den Augen, er bat den heiligen Priester, ihm Zeit zu lassen, denn er wolle sich auf seine Beichte vorbereiten, und da er sich in der Bitterkeit seines Herzens an die Verirrungen seines Lebens erinnerte, rührten ihn seine Verbrechen und die Größe der göttlichen Barmherzigkeit so sehr, daß er in derselben Stunde vor Schmerz starb. Das schöne Gebet, welches er verfaßt (Bernard oder der Verbrecher?), wird seit seinem Tode von Tausenden und Tausenden gebetet. Vielfach hat man schon erfahren, daß dieß Gebet der allerseligsten Jungfrau so angenehm sei, daß man es nie ohne Frucht verrichtet, wenn anders es mit Andacht und Vertrauen gebetet wird. O mögest es auch du, christliche Seele, alle Tage beten, absonderlich, wenn Versuchung und Anfechtung über dich kommt, wenn Gefahr deiner Seele droht!

Maria gesehen und der Gestalt nach beschrieben.

Die selige Maria von Agreda hatte eine Offenbarung, in welcher sie Maria sah, wie der Erzengel Gabriel sie grüßte. Ein bescheidenes Zimmer fand er; dasselbe war jedes Zierrathes ledig, dessen sich die Welt bedient, um ihre Armseligkeit und den Mangel geistlicher Güter zu verhüllen. Maria war vierzehn Jahre, sechs Monate und siebzehn Tage alt. Ihr Wuchs war höher, als der anderer Frauen ihres Alters. Ihre Persönlichkeit zeigte sich überaus lieblich. Die Gestalt drückte ein schönes Ebenmaß aus. Ihr Gesicht bildete ein Oval, die Züge desselben waren fein und zart. Sie litt weder an Fülle, noch Magerkeit. Ihre Hautfarbe war hell, ein wenig überspielend in´s Bräunliche. Die Stirne hatte eine angemessene Breite. Ihre Augenbrauen bildeten einen schönen Bogen. Die Augen waren groß und bescheiden, die Farbe der Augen zwischen schwarz und dunkelgrün, von unglaublicher Schönheit und unschuldig lächelnd. Die Nase war länglich und vollkommen gebildet, der Mund klein und purpurroth, aber vom rechten Ebenmaße. Kurz, sie war schön und besaß eine Fülle aller natürlicher Gaben, daß sich nimmermehr Eine finden wird, die ihr gleich zu achten. Sie nur anzusehen, verursachte schon Freude, Ehrerbietung, Hingabe und heilige Scheu. Sie zog die Herzen an sich und fesselte sie in liebender Verehrung, sie nöthigte die Menschen, sie zu preisen. Die Größe ihrer Anmuth und Vollkommenheit gebot Schweigen. In Allen, die das Glück hatten, sie anzusehen, brachte sie göttliche Wirkungen hervor, welche nicht leicht zu schildern sind. Sie erfüllte das Herz mit göttlichen Regungen, welche die Seelen Gott zuführten. Ihre Bekleidung war bescheiden, ärmlich, aber rein, von einem an Aschgrau streifenden Silbergrau und im höchsten Grade ehrbar. Auf ähnliche Weise beschreibt auch der alte Geschichtschreiber Nicephorus ihre Persönlichkeit.

Nutzen, ein Mitglied einer Marienbruderschaft, oder eines solchen Vereines zu sein.

Der berühmte gottselige gelehrte Justus Lipsius ward im Dorfe Isch, bei Brüssel in Belgien, 1547 geboren. „Von Jugend auf“, schreibt er selbst, „liebte und verehrte ich die göttliche Jungfrau Maria und wählte sie zu meiner Beschützerin und Führerin in allen Gefahren, Trübsalen und Vorkommnissen dieses Lebens. Auch in meinen Studien und bei allen wichtigen Geschäften und Verhandlungen rief ich durch Bitten und Gelöbnisse zu ihr, auf daß sie mir beistehe. Und immer that ich dieß mit glücklichem Erfolge. Daher ließ ich mich, sobald es sein konnte, in die Congregation Mariä Verkündigung aufnehmen, welche damals in der Stadt Löwen blühte und hoch in Ehren stand und welche die Väter der Gesellschaft Jesu leiteten.“ Nachdem er ein Mitglied der Bruderschaft geworden, unterließ er die Beobachtung ihrer Satzungen niemals. Den Versammlungen derselben wohnte er so fleißig bei, daß er zum Gastmahle geladen, mitten im Essen aufstand, um zu gehöriger Zeit bei denselben zu erscheinen. So oft die Satzungen der Bruderschaft den Empfang der heiligen Sakramente vorschrieben, fand man ihn bereit dazu. Zu Lüttich trug er in einer Versammlung ein Gedicht über das Lob der Mutter Gottes vor. Die Gnadenerweise und Wunde, welche an den berühmten Wallfahrtsorten zu Hall und Sichem geschahen, beschrieb er in einem Buche, ohne das Gespötte seiner Zeitgenossen zu fürchten. Denn gerade, als er dieses that, hatte er durch seine Gelehrsamkeit den höchsten Ruhm erreicht. Wohl hatte er sich auch auf einige Zeit von der Ketzerei Luthers und Kalvins anstecken lassen, aber die Liebe und Verehrung der allerseligsten Jungfrau führte ihn wieder seiner heiligen Mutter, der katholischen Kirche zu, deren treues und gehorsames Kind er bis zu seinem Tode geblieben ist.

Im Jahre 1606 am Tage vor dem Palmsonntage fiel er in eine schwere Krankheit. Nun verwendete er alle Zeit auf einen glückseligen Tod. Dem Pater Leonard Lessius legte er eine Generalbeichte ab, dann empfing er mit glühender Andacht die heilige Kommunion und gab sich nun ganz den geistlichen Uebungen hin, auf alles Andere vergessend. Er gedachte in seinen letzten Tagen weder seiner gelehrten Schriften, noch seiner Studien mit einem Worte. Seine einzige Sorge war, Gott sein Leben wohlgefällig zum Opfer darzubringen. Er blieb so standhaft und heiter im Anblicke des herannahenden Todes, daß ihn nicht einmal die Thränen seiner Gattin, oder seiner Freunde rührten. Kein Klagelaut kam aus seinem Munde. In seinem Leben hatte er sich mit der Weltweisheit beschäftigt, auf seinem Todbette aber sprach er: „All das ist aberwitziges Zeug der Thoren,“ und mit den Fingern auf das Crucifix zeigend, rief er aus: „Dieß ist wahre Weisheit; Herr Jesus, lehre mich Geduld!“ Sehr erfreut und getröstet war er, daß er gerade in der Charwoche sterben dürfe, wo die Kirche das Andenken an das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi feiert. Als ihm ein Priester der Gesellschaft Jesu sagte, daß man für ihn das heiligste Meßopfer dargebracht hatte, sagte er: Möge Gott es fügen, daß jenes kostbare Blut auf mich reichlich herabfließe, welches er in seinem Leiden vergossen hat. So oft man ihm das Crucifix zum Kusse reichte, so oft sagte er, glaube er Jesum, den Meister der Geduld, zu hören. Maria, seine Patronin, die er von Kindheit an liebte, vergaß er nicht. Als ein Priester der Gesellschaft Jesu gelegentlich zu ihm sagte: Siehe, jene Patronin, welche Ihr mit Euerer Feder so verherrlicht habt, erwartet Euch und kommt Euch entgegen, erhob er seine schon brechenden Augen gegen Himmel und sprach: „O daß doch die Mutter Aller mir jetzt beistehe! O Mutter Gottes, hilf deinem Diener, der jetzt mit der ganzen Ewigkeit ringt. Verlaß mich nicht in dieser Stunde, von welcher das ewige Heil meiner Seele abhängt.“ Dann bat er, man möge die Litanei beten, welche er, soviel er vermochte, mitbetete. Als man ein wenig aussetzte, bat er fortzufahren und rief auf: „Jetzt erfahre ich, welch große Hilfe im Sterben die Verehrung der Mutter Gottes gewährt.“ Endlich, nachdem er wiederholt die süßen Namen Jesu und Mariä ausgerufen, starb er sanft im Herrn am 15. April 1606.

Maria rettet große Sünder, die ihr empfohlen werden.

Zu Tours war ein Mann, der vom Satan betrogen, öfters sich selbst das Leben nehmen wollte, aber daran durch seine Freunde gehindert wurde. Darüber ergrimmt, nahm er keine Speise zu sich und gab sich der Gewalt des bösen Geistes ganz hin. Endlich halb verhungert, schrie er laut auf: Ich bin verdammt; ich werde verdammt; schon sehe ich das Feuer der Hölle. Kommt ihr Teufel und holt mich! Diesen Unglücklichen besuchte die ehrwürdige Maria von Malliako und verließ ihn nicht bis zum Tode. Auf ihre freundlichen Worte ließ der Besessene ab vom Schreien. Aber wenn Maria sich nur kurze Zeit entfernte, schrie er wieder: Kehret zurück, ihr Teufel, kehret zurück zu mir! Ihr dürft euren Verbündeten nicht verlassen. Da Maria merkte, daß diese Qual des Besessenen alle Anwesenden mit Schauder erfüllte, bat sie, ihn in die Kirche der allerheiligsten Jungfrau zu führen. Dort besprengten ihn Alle, die kamen, mit Weihwasser. Sein Geschrei hörte auf, aber eine rauhe Stimme ließ sich aus dem Besessenen hören: Ich werde gewaltig gepeinigt; ihr peinigt mich sehr! Alsbald aber schwieg diese Stimme und der Besessene verläugnete Gott und die Heiligen, aber die allerseligste Jungfrau vermochte er nicht zu verläugnen. Indessen hörte Maria von Mailliako (sic) nicht auf, für den Unglücklichen zu beten, und Gott erhörte ihr Flehen. Plötzlich schrie der Besessene mit lauter aber freudiger Stimme: Ich sehe das Bild der allerseligsten Jungfrau! Ich will beichten! Ich will beichten! den Herrn Claucher wähle ich zu meinem Beichtvater! In der That war seine Reue aufrichtig; er beichtete öffentlich alle, auch die schweren Sünden. Nach der heiligen Messe, gestärkt mit den heiligen Sakramenten, starb er selig. Und damit Niemand an der Barmherzigkeit Gottes gegen diesen Unglücklichen zweifle, ward sein Körper, der zuvor schwarz wie ein Rabe war, weiß wie Schnee und ein ungewöhnlicher Glanz ging von ihm aus.

Maria schlägt ihren Verehrern keine Bitte ab.

Als der Schaffner des Klosters Lebensmittel herbeiführen wollte, wurde er gefangen. Stephan, der Vorsteher, wußte es, betete zur gebenedeiten Gottesmutter, auf die er immer sein Vertrauen setzte, und siehe, der Schaffner steht vor der Thüre und die Räuber liegen gebunden daneben. Vorzüglich gern und eifrig betete er für die Sünder und sein Gebet ward jederzeit erhört. Ein in Laster versunkener Soldat, der sein abscheuliches Leben nicht aufgeben wollte, drohte ihm mit dem Tode, wenn er für ihn beten würde; doch Stephan ließ sich nicht schrecken. Er flehte inbrünstig zu Maria und siehe, der Sünder begann zu weinen, warf sich dem Heiligen zu Füßen und änderte sein Leben.

Maria erhört die Gelübde.

Im Jahre 1234 zog der Ritter Brömser mit dem Kaiser Konrad III. in das heilige Land, um den Ungläubigen Jerusalem zu entreißen und das heilige Grab Christi zu erobern. Im Kampfe mit den Ungläubigen wurde er gefangen, in Ketten und Banden gelegt und in einen tiefen Kerker geworfen. Da schmachtete er längere Zeit ohne alle Hoffnung der Erlösung; nur Gott konnte ihn befreien. Da machte er denn das Gelübde, wenn ihm die heilige Jungfrau durch ihre mächtige Fürbitte Erlösung aus den Banden erwirke, so wolle er nach seiner Heimkunft zu Gottes und der heiligen Jungfrau Ehren mehrere Kirchen bauen. Sein Gebet fand Erhörung, er fand seine Freiheit und baute drei Kirchen.

Zwei adelige Eheleute in Spanien waren schon lange verehelicht ohne ein Kind zu bekommen. Da machten sie der allerseligsten Jungfrau das Gelübde, sie wollten alle Jahre das Fest der unbefleckten Jungfrau feierlich begehen, sofern sie durch ihre Fürbitte ein Kind erhalten würden. Nicht lange, und sie erhielten Johanna Rodriguez als die Frucht ihres Gebetes. Unter der Obhut der lieben Frau wuchs Johanna zu einer reinen und gottgefälligen Jungfrau heran.

Maria bringt ihren Verehrern Hilfe in der Noth.

Als die gottselige Pfalzgräfin in den Wald verstoßen war, an einen Grausen erregenden Ort, sprach sie: Ach ich Arme! in großem Ueberfluße lebend, bin ich jetzt verlassen und habe ganz und gar nichts mehr! Der Knabe war noch nicht dreißig Tage alt. Da aber die Mutter keine Milch hatte, weinte sie, alles Trostes beraubt, bitterlich. Im Vertrauen auf die Hilfe Mariä sprach sie zu ihr: O Herrin, Jungfrau Maria, erhöre mich, verurtheilte Sünderin! Da ich unschuldig bin an diesem Verbrechen, so bitte ich dich, du wollest mich in meinen Nöthen nicht verlassen. Ich weiß, daß mich Niemand, außer du, o Jungfrau und dein eingeborner Sohn, befreien und ernähren kann. Errette mich, o Maria, du Trösterin Aller, die dich anrufen, von den wilden Thieren. Sogleich hörte sie eine süße Stimme, welche sprach: O meine geliebte Freundin! ich werde dich nicht verlassen! Durch die Fügung des allmächtigen Gottes auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau kam eine Hirschkuh und legte sich zu den Füßen des Knäbleins. Die Mutter aber, als sie dieß wunderbare Ereigniß sah, legte sogleich den Knaben an deren Euter, und er saugte deren Milch. Die Pfalzgräfin aber blieb an demselben Orte sechs Jahre und drei Monate. Sie ernährte sich von Kräutern, welche sie im Walde fand. Ihr Lager bestand aus Reißen, von Brombeersträuchen umgeben. Nach dieser Zeit wollte der Pfalzgraf seinen Rittern ein Gastmahl geben, und lud sie am Tage zuvor zur Jagd. Da verfolgten die Hunde eine Hirschkuh, eben die, welche den Knaben ernährte. Der Pfalzgraf und die Seinigen folgten, so gut sie konnten, nach. Der Feind der Pfalzgräfin, Ritter Golo, folgte von ferne. Da die Hirschkuh nicht ausweichen konnte, lief sie zu dem Orte, wo sie den Knaben zu nähren pflegte. Hier angekommen, legte sie sich, wie gewöhnlich, zu den Füßen des Knaben. Hier fand der Pfalzgraf seine unschuldige Gemahlin und nahm sie mit dem Knaben zu sich, durch das Wunder überzeugt, daß sie unschuldig sei. (Anmerkung ETIKA: Hoffentlich wurde dem Tier Asyl gewährt. Die Hirschkuh handelte vermutlich durch göttliche Eingebung, und die Seligen werden sie sicherlich im Himmel wiederfinden. Manchmal sind Tiere die besseren Geschöpfe Gottes als gewisse Menschen. Christen sollten sich fragen, ob sie wirklich Fleisch essen müssen, oder ob nicht pflanzliche Nahrung genügt. Wer Fleisch nur um der Gewohnheit und des Genusses willen isst und es nicht zum Überleben braucht, wird davon einst Rechenschaft geben müssen. Denn Gott will von uns Barmherzigkeit. Der wahre Gott will nicht, dass wir seine Geschöpfe töten.)

Maria will, daß man ihre Verehrung beharrlich fortsetze.

Obschon der selige Hermann Joseph einen himmlischen Wandel führte, so lebte ihm doch noch manche menschliche Schwachheit an. So geschah es denn auch, daß er in seiner Andacht zur allerseligsten Jungfrau mit der Zeit ein wenig nachließ, ohne selbst es zu bemerken. Um dieselbe Zeit gab es viele Räuber, welche in die Kirchen und Klöster einbrachen und sie ihrer Schätze beraubten. Hermann Joseph war sehr besorgt, es möchten die Räuber in das Kloster, welches seiner Bewachung anvertraut war, einbrechen, unterließ daher seine gewöhnlichen Andachtsübungen zu Maria und bewachte den Eingang des Klosters. Darüber aber wollte ihn Maria, die gütige Mutter, zurechtweisen. Sie erschien ihm in Gestalt eines alten runzligen Weibes. Als Hermann sie sah, erschrack er sehr und rief: Was soll das sein? Maria aber entgegnete: Ich bin der Wächter dieses Klosters, wie ich es schon seit sehr langer Zeit war. Jetzt erkannte Hermann Maria aus der Stimme und sprach: Bist du es, o Rosa? So pflegte er Maria in seiner kindlichen Vertraulichkeit zu nennen. Ich bin´s, entgegnete Maria. Erstaunt rief Hermann Joseph: Warum hast du denn das Angesicht eines alten Weibes angenommen? Maria erwiederte: Ich erscheine deinen Augen gerade in solcher Gestalt, wie du mich im Herzen trägst; denn ich bin für dich schon ein altes Weib geworden; wo ist denn die Erinnerung an meine Freuden? Wo ist der englische Gruß, mit dem du mich verehrtest? Wo ist jener Eifer in der Andacht, jene Jugendfrische deiner Seele im Gebete, wo sind die übrigen Uebungen, welche du gewohnt warst, mir zu widmen und wodurch du mir ein Jüngling und ich dir eine Jungfrau gewesen? Ich will nicht, daß du durch Bewachung des Klosters von meinem Dienste dich entschuldigest, denn ich werde das Kloster besser bewachen, als du. Hermann Joseph nahm die strenge Zurechtweisung demüthig hin und versprach, sich nicht mehr so sehr der Bewachung des Klosters zu überlassen.

Maria ist mütterlich besorgt für ihre Diener.

Hermann Joseph hatte durch die vielen Nachtwachen und Kasteiungen seine Körperkräfte sehr angegriffen, sein Magen wurde so schwach, daß er keine Speise mehr verdauen konnte und schmerzliches Kopfweh ihn quälte. Man mußte ihn seiner bisherigen Geschäfte entledigen, um ihn zu schonen. Darüber aber ergriff ihn große Trauer, um so mehr, als er sich vorwarf, diese Schwäche durch seine allzugroßen Anstrengungen sich selbst zugezogen zu haben. Als er nun eines Tages heftiger als je gequält war, flehte er inbrünstig zu den Heiligen um Hilfe. Als er sich nun schwach und matt zum Hochaltare hingeschleppt hatte, sah er die allerseligste Jungfrau auf dem Altare sitzen. Da er sie nicht gleich kannte, so ward er sehr unwillig, daß Jemand es wagen konnte, den Altar so sehr zu verunehren. Doch Maria rief ihn freundlich zu sich und sprach: Wenn du mich wie die andern Heiligen angerufen hättest, würdest du geheilt worden sein! Als Hermann seine geliebte Herrin, welche ihm einige Zeit ihre Gegenwart entzogen hatte, wieder erblickte, fiel er vor ihr nieder und bat um Heilung von seinem Uebel. Maria aber sagte: Sei jetzt von deinem Uebel geheilt. Die unmäßige Schwäche verließ ihn wirklich, aber eine andere Krankheit verließ ihn bis zu seinem Tode nicht, nämlich ein Fieber, das ihn vor jedem Festtage ergriff und quälte; doch blieb er dabei nicht ohne himmlische Tröstungen, die ihn wunderbar stärkten.

Maria vertritt Mutterstelle an ihrer Verehrern.

Die ehrwürdige Mutter Mechtildis vom heiligen Sakramente wurde am 31. Dezember 1614 in der Stadt St. Diè in Lothringen geboren. Ihre Aeltern waren sehr hochgeachtet, nicht bloß wegen ihres vornehmen Standes, sondern weit mehr wegen ihrer ausgezeichneten Frömmigkeit. Mit dem dritten Jahre weihte sie sich Gott; nie verließ sie der Gedanke, sie gehöre Gott und nur für ihn dürfe sie leben und sterben. Mit dieser Liebe zu Gott verband sie schon als Kind eine zärtliche Liebe zur allerseligsten Jungfrau. Als ihre Mutter starb, eilte sie zu dem Bilde der Mutter Gottes und zu ihren Füßen hingeworfen, flehte sie mit kindlicher Einfalt und mit aller Inbrunst des Herzens also zur Gnadenvollen: O Maria, du weißt es, daß mir Gott meine leibliche Muttter durch den Tod genommen hat. Ich bitte dich, vertritt du von nun an Mutterstelle an mir. Gewiß nahm Maria, die gütige Mutter, das Gebet des frommen Mädchens mit Wohlgefallen auf, denn sie vertrat wirklich Mutterstelle an ihr. Denn als Mechtildis mit siebzehn Jahren in ein Kloster treten wollte, um dort ungetheilt dem Herrn dienen zu können, und als sich ihrem frommen Vorhaben ihr Vater und ihre Verwandten heftig widersetzten, leitete es die seligste Jungfrau so, daß Mechtildis trotz aller Hindernisse in das Kloster aufgenommen wurde. Dort führte sie unter der Leitung der frommen Oberin ein strenges Bußleben. Es gab keine Abtödtung, in welcher sich die fromme Dienerin nicht übte. Im Kloster brach eine Krankheit aus, welche alle Schwestern ergriff, so daß Mechtildis alle Kanken pflegen mußte. Da gab ihr der böse Geist in den Sinn, sie solle dieses Haus verlassen, wo sie Gott nicht dienen könne. Allein da trat die allerseligste Jungfrau, ihre Mutter, in´s Mittel. Sie leistete ihr Beistand, alle Angriffe des Teufels zu besiegen; dafür ließ aber auch Mechtildis nicht ab, zu Maria ihre Zuflucht zu nehmen. Dieser ihrer guten Mutter klagte sie alle ihre Leiden und Anfechtungen und niemals blieb sie unerhört. Von der Stunde an, wo sie sich zu Maria vertrauensvoll gewendet, erlangte sie immer ganz besondere Hilfe. Diese Hilfe bedurfte sie besonders, als sie nach vielfachen Prüfungen und Leiden zu dem Werke schritt, einen Orden zu stiften, der sich die immerwährende Anbetung des allerheiligsten Altarssakramentes zur Regel machte, um die Verunehrungen abzubüßen, welche die Ketzer dem allerheiligsten Sakramente zufügten. Bereits wüthete der Krieg in Frankreich, auch die Stadt, wo ihr Kloster lag, wurde belagert und erobert. Mehrere Soldaten drangen vor das Hauptthor des Klosters und boten alle Kräfte auf, es zu erbrechen, vermochten es aber nicht. Da nahm die Mutter Mechtildis ein Bildniß der allerseligsten Jungfrau in die Hand und im Vertrauen auf den mächtigen Schutz der Himmelskönigin ging sie vor das Thor und fragte auf Deutsch die Soldaten, was ihr Begehren sei. Diese gaben zur Antwort, man solle einen aus ihnen in das Kloster hineinlassen, er würde den Nonnen kein Leid zufügen, sondern nur nachsuchen, ob sich ein Bürger darin versteckt habe. Voll Vertrauen auf Gott und die gebenedeite Mutter ließ sie das Thor öffnen. Nur drei Soldaten traten herein, wurden aber von einem so starken Zittern befallen, daß sie nicht wagten, die Klosterzellen zu betreten und daß sie die Nonnen baten, sie sogleich wieder aus dem Hause zu lassen. – Mechtildis wollte, daß die Schwestern ihres Ordens zugleich Töchter Jesu und Mariä seien und bei der ewigen Anbetung des Sohnes Gottes im heiligsten Sakramente auch seiner glorwürdigen Mutter nicht vergessen sollten. Nachdem sie beim Sterben alle ihre Töchter nochmals gebeten hatte, sie möchten sich ja Alle unter den Schutz der allerseligsten Jungfrau stellen, gab sie, das Cruzifix auf ihre Brust drückend, ihren Geist auf am 6. April 1698.

Ein Schwachsinniger liebte Maria in Einfalt und ward heilig.

Der selige Wilhelm war zuvor, ehe er in den strengen Orden der Cisterzienser trat, ein vornehmer Herr, Graf von Montpellier. Um sein Seelenheil zu sichern, verließ er die Welt und alle seine Güter und ward ein armer Mönch und Laienbruder im Kloster. Als solcher sollte er auch das Brevier mit den Brüdern im Chore beten lernen, allein sein schwaches Gedächtniß entsprach seinem Fleiße nicht. So sehr er sich auch anstrengte, so konnte er doch kein anderes Gebet erlernen, als die zwei Worte: Ave Maria. Man hatte im Kloster Mitleid mit ihm, weil er gar einfältigen, demüthigen Herzens war und die gebenedeite Mutter Gottes gar so lieb hatte. Ihr zu Ehren sprach er die Worte: Ave Maria, wohl tausendmal des Tages und der Nacht mit tiefster Ehrfurcht und inbrünstiger Liebe. Und es gefielen der Lieben Frau diese Worte aus dem Munde ihres frommen Dieners so sehr, daß sie durch ein großes Wunder ihr Wohlgefallen zu erkennen gab. Als nämlich Bruder Wilhelm begraben war, da ist aus seinem Grabe eine wunderbar schöne, liebliche Lilie und zwar aus seinem Munde hervorgewachsen, auf deren Blättern und Blüthen mit goldenen Buchstaben die Worte standen: Ave Maria! Zu seinem also vom Himmel verherrlichten Grabe strömten viele Menschen herbei und es geschahen viele Wunder.

Maria belohnt einen Ketzer für Aufbewahrung ihres Bildes mit dem katholischen Glauben.

Zu Aberdeen in Schottland war ein Muttergottesbild in der Domkirche. Bischof Gavinus hatte die Mutter Gottes ungemein lieb. Täglich besuchte er ihr Bild. Da vernahm er einmal vor dem Bilde knieend eine Stimme: Wohlan, Gavinus, du wirst der letzte Bischof dieser Stadt sein. Was sich auch bewährte, denn sein Nachfolger führte kein auferbauliches Leben und die Ketzerei vernichtete vollends alles Gute, was der heilige Glaube wirkte. Das heilige Bild in der Domkirche wurde lange den Ketzern verborgen gehalten; endlich bekamen sie es doch in ihre Gewalt und wollten es zerstückeln; allein aus Erbarmen oder von ihrem Gewissen dazu gedrängt, thaten sie es nicht, sondern übergaben es einem Manne, der es in einen Winkel seines Hauses warf und nicht weiter beachtete. Dieser Mann hatte an dem spanischen Geschäftsträger Wilhelm Lang in Schottland, der sich zu Aberdeen aufhielt, einen Freund. Derselbe war Katholik, sah das Bild und kaufte oder erbat es. Doch obschon obiger Mann das Bild so wenig achtete, ließ ihn Maria, weil er in ihrem Bilde ihr eine Herberge gegeben, nicht unbegnadigt. Er wurde sammt seiner Familie wieder katholisch und verharrte im Glauben bis zum Tode. Wilhelm Lang aber hat das heilige Bild insgeheim auf ein Schiff gebracht, und nach Brüssel der Infantin Isabella zugeschickt, die es einstweilen in der königlichen Kapelle aufbewahrte; von da wurde es feierlich in die Augustinerkirche übertragen und es floßen den Verehrern reiche Gnaden zu.

Maria schützt eine Stadt, die sie verehrt, gegen Feinde.

Maria wurde in der Stadt Chartres fort und fort vom Volke hoch verehrt; diese Verehrung stieg aber noch mehr, als Kaiser Karl der Kahle das Unterkleid der allerseligsten Jungfrau nebst anderen Reliquien, welche der große Kaiser Karl aus dem Morgenlande erhielt, der Kirche von Chartres schenkte. Maria aber ließ die Liebe und Verehrung der Bewohner der Stadt nicht unbelohnt. Um das Jahr 911 überschwemmte ein gewisser Rollo, der, obwohl aus einem vornehmen Hause Baierns stammend, ein wilder roher Mensch war, den man aus dem Lande vertrieben hatte, mit einer großen Menge von Dieben und Mördern und Räubern, die sich an ihn angeschlossen hatten, Frankreichs Ländereien. Um ihren Muth anzufeuern, versprach er ihnen reiche Beute, welche sie in der Marienkirche von Chartres machen würden, wenn sie diese Stadt eroberten. Sie belagerten demnach die Stadt, deren Bewohner darauf gar nicht gefaßt waren und keine Mittel zu ihrer Vertheidigung hatten. In ihrer großen Angst und Noth nahmen sie denn ihre Zuflucht zur gebenedeiten Gottesmutter, deren Kleid sie als den Schild der Stadt aufbewahrten. Sie nahmen dieses geheiligte Kleid aus ihrem Schatze hervor und trugen es auf die Mauern der Stadt. Dort entfalteten sie es wie eine Fahne. Sobald aber die Feinde es bemerkten, begannen sie zu lachen und zu spotten und schoßen mehrere Pfeile darnach. Aber der Spott kam ihnen theuer zu stehen. Sie wurden plötzlich mit einer solchen Blindheit geschlagen, daß es ihnen unmöglich war, weder vorwärts, noch rückwärts zu gehen. Das benützten die Belagerten, zogen aus der Stadt, stürzten sich auf die Feinde und hieben sie nieder. Der Ort, wo dies geschah, heißt noch heut zu Tage die Wiese der Erschlagenen. Rollo ober, ihr Anführer, rettete sich glücklicherweise. Später rührte Gott sein Herz, er wurde ein frommer Christ und erhielt in der Taufe den Namen Robert, weil Robert, Graf von Paris, sein Taufpathe gewesen.

Mit Maria sollen wir umgehen, wie ein Kind mit der Mutter.

Der gottselige Petrus Anaskus war von Kindheit an der Mutter Gottes ergeben, nahm als Jüngling in einer schweren Krankheit seine Zuflucht zu ihr und fand Genesung. Maria, die ihm erschienen war, befahl ihm, der Welt zu entsagen und sich in die Gesellschaft Jesu zu begeben. Er gehorchte dem Befehle, trat in den Orden und von nun an war fast sein beständiges Sprichwort: Maria hat mich in den Orden geführt, sie hat mich in demselben erhalten, Maria sei gebenedeit. Amen. Bevor er die Schule besuchte, begab er sich jedesmal vor ein Bild der allerseligsten Jungfrau und empfahl sich ihrer Obhut; unterließ er es, so traf ihn gewiß ein Unglück. Alle Samstage und Vorabende der Marienfeste fastete er Maria zu Ehren und immer empfing er an solchen Tagen besondere Gnaden. Wenn die Oberen ihm zürnten, klagte er es Maria und alsbald waren sie versöhnt. Maria zu lieb säuberte er in der Küche die Geschirre, zierte die Altäre, diente den Kranken und pflegte die an eckelhaften Wunden Darniederliegenden, wie eine Mutter ihre Kinder. Gar oft gedachte er der großen Schmerzen der Mutter Gottes und um an ihren Schmerzen wenigstens äußerlich Antheil zu nehmen, bat und beschenkte er rüstige Männer, daß sie ihn schlagen möchten. Denen, welche ihn stärker schlugen, gab er reichlicher. Wer gerne von Maria redete, den hatte er überaus lieb, und alle jene heiligen Seelen, die Maria besonders lieb hatten, zeichnete er in ein Büchlein, um ihr Beispiel nachzuahmen. Nach Indien gesendet, um dort das heilige Evangelium zu verkündigen, arbeitete er rastlos und bekehrte viele Tausende. Maria half ihm, daß er bald die fremde Sprache reden konnte, stärkte und tröstete ihn in seinen Leiden und stand ihm im Tode bei. Mit den heiligen Namen Jesus und Maria auf den Lippen starb er zu Peru am 12. April 1603.

Die Nachahmung ihrer Tugenden ist die beste Verehrung Mariä.

Der selige Benedikt Labre (Labré) zeigte nicht bloß seine innigste Liebe zur allerseligsten Jungfrau durch seine inbrünstige Andacht vor ihren Bildern und durch seine vielen Wallfahrten zu ihren Gnadenorten, sondern ganz besonders durch Nachahmung ihrer schönen Tugenden. Dieß war ihm die Hauptsache und sollte es für jeden Diener Unserer Lieben Frau sein. Sein untadeliges Leben, seine engelgleiche Reinheit, die Verachtung der Welt und seiner selbst, seine Geduld und Sanftmuth und die andern Tugenden, worin er sich auszeichnete, hatte er sich von Maria, seiner lieben Mutter, abgelernt. Er suchte, so viel es ihm möglich war, ein lebendiges Bild der Tugenden Mariä zu sein und die Worte des heiligen Hieronymus zu erfüllen: Mein Geliebter, ehre Maria aus Liebe, welche du gegen sie hast, aber dann zeigst du wahrhaft deine Liebe, wenn du die, welche du liebst, nachzuahmen suchst.

Maria heilt einen vergifteten Verehrer.

Der heilige Abt Theodor hatte Feinde, denen seine Tugenden ein Stein des Anstoßes gewesen. Diese verruchten Menschen reichten ihm Gift, ohne daß er etwas davon merkte. Drei Tage lag er besinnungslos, so daß man ihn für todt hielt. Als aber die drei Tage vorüber waren, erschien ihm die gebenedeite Jungfrau Maria, gab ihm diejenigen, welche ihm das Gift gereicht, zu erkennen und sagte ihm, daß sie dieselben zur Rechenschaft ziehen werde. Hierauf reichte sie ihm drei kleine Kügelchen und befahl ihm, sie zu sich zu nehmen, mit dem Bedeuten, daß er wieder gesund werde. Hierauf verschwand sie. Der Heilige erwachte aus seiner todtenähnlichen Betäubung, nahm die wunderbare Arznei zu sich und ward vom Gifte befreit. Seinen Brüdern erzählte er das himmlische Gesicht, aber Niemand erfuhr, wer diejenigen gewesen, die ihm das Gift gereicht. Er hörte nicht auf, für ihre Bekehrung zu beten.

Maria vor, in und nach der Geburt Jesu Jungfrau.

Der selige Bruder Aegidius liebte nicht bloß Gott über Alles, sondern auch seine gebenedeite Mutter. Sie zu loben und zu preisen, war eine Herzenssache für ihn. Einst kam ein Gottesgelehrter aus dem Predigerorden zu ihm, der viele Jahre mit dem Zweifel geplagt wurde, ob die Mutter Gottes auch immer Jungfrau gewesen? Es schien ihm nicht möglich zu sein, daß Maria zugleich Mutter und Jungfrau wäre. Diese Versuchung quälte ihn sehr, denn er war ein gläubiger Katholik. Er wünschte daher vom Bruder Aegidius eine Beruhigung in seinem Zweifel, denn er hatte gehört, wie dieser Selige von Gott erleuchtet und öfters in Verzückung zu Ihm erhoben werde. Schon während sich der Ordensmann auf dem Wege befand, wußte Aegidius seine Versuchung und seine Ankunft. Daher ging er ihm entgegen und ehe dieser ein Wort sprechen konnte, stieß Aegidius seinen Stab in die Erde und sprach: Bruder Prediger! Maria ist Jungfrau vor der Geburt; und sogleich sproßte eine Lilie aus dem Boden hervor. Zum zweiten Male stieß er mit seinem Stabe auf die Erde und sprach: Bruder Prediger! Maria ist Jungfrau in der Geburt; und wieder sproßte eine Lilie aus dem Boden hervor. Zum dritten Male stieß Aegidius den Stab auf die Erde und sprach: Bruder Prediger! Maria ist Jungfrau nach der Geburt; und alsbald erhob sich eine dritte Lilie aus dem Bodden. Hierauf entfernte sich Aegidius, der Gottesgelehrte aber war von seinem Zweifel geheilt. Nachdem er aber vernommen hatte, daß dieser wunderbare Mann Aegidius gewesen, fühlte er noch größere Liebe zum Orden des heiligen Franziskus.

Maria belohnt das Vertrauen eines Soldaten zu ihr in der Schlacht.

Joseph Anton Topschell, Lieutenant im Palvischen Kürassierregimente, besaß eine große Zuversicht auf die Fürbitte und Hilfe der göttlichen Mutter und auf ihr Bildniß auf dem Schönenberge. Als er in der berühmten Schlacht bei Höchstätt lange Zeit unter den Todten ohne eine Spur des Lebens herumgezogen wurde, aber unvermuthet wieder zum Leben kam und gerettet wurde, schrieb er dieses nur dem Beistande der göttlichen Mutter zu. Er sollte aber in seinem Vertrauen auf ganz besondere Weise gestärkt werden. Nach dem bei Belgrad gegen die Türken erfochtenen Siege wurde er mit fünfhundert Reitern von den Türken umzingelt und trotz tapferer Gegenwehr gefangen genommen. Der kommandirende Pascha der Türken gab nun den grausamen Befehl, allen gefangenen Christen im Lager vor seinem Zelte den Kopf abzuschlagen. (Anmerkung ETIKA: Zur Kenntnis jenen katholischen Geistlichen, die ungeachtet der Kirchenlehre und des ersten Gebotes Gottes den Islam als Religion des Friedens und der Toleranz verherrlichen.) Man begann sogleich den Befehl zu vollziehen. Topschell sah nacheinander die Köpfe seiner Gefährten in den Sand rollen; aber er wankte keinen Augenblick in seinem Vertrauen auf Maria, die ihm schon so oft ihren Beistand hatte angedeihen lassen. Dieses felsenfeste Vertrauen in der schrecklichsten Gefahr rührte die göttliche Mutter. Schon sollte die Reihe zu sterben an Topschell kommen, da wurde ein verwundeter vornehmer Türke auf seine schöne Gestalt aufmerksam und als man ihn vor seinem Zelte vorbeiführte, bestach er die Soldaten, daß sie den Christen retten möchten. Man befahl ihm nun, sich schnell auf den Boden zu werfen, und bedeckte ihn mit Mänteln und Teppichen, damit der grausame Pascha seiner nicht ansichtig wurde. Topschell aber wurde in eiserne Bande gelegt, von seinem Retter zwei Söhnen des ehemaligen Pascha von Bosnien als Sklave zum Verkaufe angeboten und von diesem wirklich gekauft. Er flehte aber unaufhörlich zur Gottesmutter und siehe, unvermuthet entlassen ihn seine Herren, ohne Bürgschaft zu fordern, aus der Sklaverei. Freudig eilte der zweimal Gerettete auf den Schönenberg und legte dort mit dankbarem Herzen seine Ketten nieder, welche der Wallfahrer jetzt noch mit Rührung betrachtet.

Maria erweiset Denen Gnaden, die sie in Wort und Schrift verherrlichen.

Es steht im Buche Sirach geschrieben: Die mich an´s Licht setzen, erhalten das ewige Leben. Ekkli. 24, 31. Die heilige Kirche wendet diese Worte auch auf Maria an. Der selige Emingus, Bischof von Abula, war der gebenedeiten Mutter Gottes so in Liebe zugethan, daß er alle seine Predigten mit dem Lobe Mariä begann. Da erschien einmal die allerseligste Jungfrau der heiligen Brigitta und sprach: Sage ihm, daß ich deßhalb seine Mutter sein und seine Seele nach seinem glückseligen Tode Gott dem Herrn vorstellen werde. Und in der That war der Tod des seligen Emingus nur ein sanfter Schlaf; betend starb er und seine fromme Seele nahm Maria in Empfang. –

Der gottselige Sebastian Campi pflegte alle Samstage mit inniger Liebe vom Lobe der Lieben Frau zu reden und wo er sonst Gelegenheit fand, unterließ er dieß nicht. Als nun sein letztes Ende herannahte, sagte er zu dem ihm beistehenden Priester: O mein Vater, wenn Sie wüßten, welch eine Freude ich jetzt empfinde, daß ich die Mutter des Herrn ganz besonders verherrlicht habe! Ruhig und sanft hauchte er seine Seele aus.

Maria hat sich gewisse Orte für ihre Gnaden erwählt.

Vor vielen vielen Jahren kamen drei Bauern auf dem Rehkogel, einem hohen Berge unweit der Pfarre St. Lorenz in Steiermark, zusammen, um Gott zu bitten, daß an diesem schönen Orte einmal eine Kirche gebaut würde, damit sie nicht so weit in die Pfarrrkirche St. Lorenz gehen dürften. Einst an einem Sonntage kam der Bauer Gruber an diesen Ort, seinem Gebrauche nach das Gebet zu verrichten. Da erblickte er plötzlich auf der Erde ein schmerzhaftes Muttergottesbild aus Holz gar sauber geschnitzt und daneben ein Rehböcklein ruhend, welches entfloh, sobald es den Bauern sah. Nach verrichtetem Gebete erzählte der Bauer den Andern, was er gesehen, welche auch gleich an den Ort gingen und das Bild sammt dem dabei grasenden Rehböcklein gefunden haben. Sie dachten, Gott wolle dadurch Etwas andeuten, machten es im Dorfe bekannt, zeigten es dem Pfarrer an, und begehrten einhellig die Erlaubniß, eine Kapelle zu bauen und das Bild darein setzen zu dürfen. Der Pfarrer willigte ein, hielt es aber nicht für rathsam, die Kapelle so hoch auf den Berg hinauf zu bauen, und trug daher das Bild in Prozession nach dem nächsten Dorfe Gradnitz. Das Bild aber blieb nicht da; neunmal nach einander verschwand es und ward immer wieder auf dem Berge neben dem dabei liegenden Rehböcklein gefunden. Nun erkannte der Pfarrer den göttlichen Willen und ließ an diesem Orte oben auf dem Berge nach uraltem katholischem Gebrauche Anfangs ein Kreuz aufrichten. Als dieß geschah, fand man einen von unbekannter Hand beschriebenen Zettel, auf welchem die Worte standen: Die Mutter Gottes will an diesem Orte eine Kapelle haben. Ohne Verzug machten sich die Bauern daran, eine solche zu bauen. Das geschah im Jahre 1497. Da sich nun die Liebe Frau allda gar gnädig zeigte, so wurde ihre Kapelle gar bald von dem umliegenden Volke häufig besucht. Das Kapelle ward nach und nach zu klein, die Andächtigen zu fassen, und so baute man im Jahre 1618 eine große herrliche Kirche. Von Ostern bis zum Herbst erschienen fast täglich Prozessionen. Maria ist noch immer ihren Kindern gnädig, die bei ihrem erbarmungsvollen Herzen Hilfe suchen.

Ein Gelübde zu Maria rettet aus Sturm und von Seeräubern.

Die Jesuiten schickten einen koptischen Jüngling, Namens Abulcher, sammt mehreren Andern nach Rom, damit sie dort erzogen und zu Priestern geweiht würden. Sie bestiegen ein Schiff. Die Fahrt war Anfangs glücklich; eine Krankheit ausgenommen, welche das Schaukeln des Schiffes verursachte. Abulcher hielt seine Gefährteen zu gewissen Stunden des Tages eine geistliche Lesung, betete mit ihnen die Tagzeiten Mariä und stellte andere fromme Uebungen mit ihnen an. Beim Sonnenuntergange, wenn die Krankheit nachließ, stiegen sie auf das Verdeck des Schiffes, hingen am Mastbaum das Bild Mariä auf und sangen in doppeltem Chore in ihrer koptischen Sprache die Litanei. Die Reisenden waren darüber sehr erfreut und Viele warfen sich mit den Jünglingen auf die Knie und beteten. Das Schiff eilte indeß frei und rasch seinem Ziele zu und hatte immer günstigen Wind. Eines Tages aber erhob sich ein ungemein heftiger Sturm, der das Schiff in den Abgrund zu schleudern schien. Der Sturm dauerte auch die Nacht hindurch und als es Tag geworden, sahen sie sich den Seeräuberstaaten der Berberei gegenüber. Schrecken und Angst ergriff Alle auf dem Schiffe und jeden Augenblick erwartete man, daß das Schiff in Trümmer gehe. Nur Abulcher blieb ruhig; er ermuthigte seine Reisegefährten zum Vertrauen und ermunterte sie, ein Gelübde zur allerseligsten Jungfrau nach Loretto zu machen. Würden sie dahin zu pilgern und dort im heiligen Hause die heilige Communion zu empfangen versprechen, so würden sie gewiß der Gefahr entrinnen. Abulcher und seine Gefährten thaten es und siehe da, der Sturm legte sich; Maria, die mächtige Jungfrau, hatte sie gerettet. Kaum aber waren sie der Gefahr des Schiffbruches entgangen, als sie in eine andere geriethen. Ein großes Seeräuberschiff steuerte auf sie los. Alles schrie: Wir sind verloren! Selbst der Schiffskapitän verlor allen Muth, denn er konnte sich gegen die Räuber nicht vertheidigen. Doch der fromme Abulcher verlor den Muth nicht. Er wandte seinen Blick nicht von dem Bilde Mariä ab und sprach weinend mit kindlicher Inbrunst zu ihr: Unmöglich kannst du wollen, meine Mutter, daß wir Sklaven der Türken werden; es ist nicht möglich, du weißt es ja wohl, meine Mutter, welch ein Elend die Sklaverei ist. Du selbst bist seit vielen Jahrhunderten Sklavin in Cairo und seufzest unter dem harten Joche der Türken, welche deine Jungfräulichkeit läugnen und deine Diener unterdrücken. Erhebe dich, meine Mutter! Wenn wir es dir verdanken, dem Schiffbruche entronnen zu sein, so werden wir es wohl auch dir verdanken, den Händen dieser unreinen Feinde, die auch gegen deinen Sohn Jesus Christus feindselig gesinnt sind, zu entgehen. Unterdessen war der Unterhauptmann auf den Mastbaum gestiegen, um zu sehen, ob nicht ein venezianisches oder französisches Schiff ihnen zu Hilfe käme. Und siehe da, er erblickte zwei Schiffe der Maltheserritter, vor denen das Seeräuberschiff alsbald die Flucht ergriff. Kaum sah sich der Hauptmann mit seinem Schiffe gerettet, so versammelte er seine Schiffsleute und Reisenden auf dem Verdecke, stimmte zur Danksagung die lauretanische Litanei an und versprach bei seiner Ankunft in Ankona zwölf große Kerzen auf dem Altare der Mutter Gottes zu opfern und mehrere heilige Messen lesen zu lassen. Im Jahre 1731, gegen Ende November, landete das Schiff glücklich in Ankona. Abulcher, endlich in Italien angelangt, begab sich alsbald in die Marienkirche jener Stadt. Lange verweilte er dort vor ihrem Altare, indem er mit zärtlicher Inbrunst betete und ihr für so viele auf seiner Reise erwiesenen Wohlthaten seinen Dank abstattete. Einige Tage später begab er sich mit seinen Gefährten auf die Riese nach Loretto und sie empfingen daselbst die heilige Communion, wie sie es gelobt hatten. Bei dem heiligen Hause, in welchem die heilige Familie wohnte, und welches mitten in der Kirche steht, fiel er auf die Erde nieder und küßte tausendmal jenes Zimmer, in welchem Jesus mit Maria und Joseph verborgen lebte.

Maria befreit ihre Verehrer von Glaubenszweifeln.

Der heilige Peter der Martyrer zog predigend hin und her, und suchte den Verblendeten die Augen zu öffnen und sie für die Wahrheit zu gewinnen. Und während der Gewalt seiner Worte und dem Geiste der Wahrheit, der aus ihm sprach, Niemand widerstehen konnte, geschah es, daß er selbst von Zweifeln im Glauben versucht wurde. Er hatte von diesen Versuchungen im Glauben viel zu leiden. Da wandte er sich zur gebenedeiten Gottesmutter, die er immer kindlich verehrte, und suchte bei ihr Trost und Hilfe und fand sie. Vor ihrem Altare im Gebete kniend, hörte er die Worte aus ihrem Munde: Ich habe für dich gebetet, o Petrus, damit dein Glaube nicht wanke. Sogleich waren alle Zweifel weg und im Glauben gefestigt fuhr er fort, den Irrthum mit allem Eifer und mit aller Vorsicht zu bekämpfen.

Maria bekehrt einen rohen Ehemann.

Zu Carvona hatte ein sehr reicher vornehmer Herr eine tugendhafte Frau, Namens Lucia, welche ungemein liebreich und barmherzig gegen die Armen gewesen. Ihr Gatte dagegen war sehr geizig und hartherzig und beschimpfte sie oft deßwegen, ja er vergriff sich oft sogar an ihr und schlug sie. Lucia hatte Niemanden, der ihr helfen und dem sie ihr Leid klagen konnte. Sie nahm daher zu Maria, der Trösterin der Betrübten, ihre Zuflucht, und ging alle Samstage in die nächst der Stadt gelegene Kapelle der Mutter Gottes von der unbefleckten Empfängniß, wo sie an Maria oft die innige Bitte stellte, sie möchte sich doch würdigen, das Herz ihres Mannes zu rühren und ihn zu einem besseren Leben zu führen. Als sie nun wieder einmal in dieser Kapelle ihr Gebet verrichtete, strömte ein so heftiger Regen vom Himmel, daß sie nicht mehr nach Hause gelangen konnte, sondern die Nacht theils schlafend, theils betend in der Kapelle zubringen mußte. Die heftigste Angst und Furcht erfaßte sie, wenn sie an ihren grausamen Mann dachte. Sie wußte, daß er keine Entschuldigung ihres Ausbleibens annehmen und sie mißhandeln, ja sie fürchtete, daß er sie gar tödten werde. Deßhalb bereitete sie sich auf den Tod vor, beichtete und kommunizierte bei Anbruch des Tages und that dann das Gelübde, sie wolle bei dieser Kapelle ein Kloster stiften, wenn Maria sie am Leben erhielte. Nun ging sie getrost nach Hause, trat unerschrocken vor ihren Mann und gestand ihm, daß sie wegen heftigen Regens nicht nach Hause kommen konnte und die Nacht in der Kapelle vor der Stadt zugebracht habe. Denke er Arges von ihr und wollte er sie auch tödten, so sei sie ganz bereit hiezu, denn sie habe sich darauf schon vorbereitet. Der Mann, verwundert über die Kühnheit seines Weibes, ließ alle bösen Gedanken fallen und sprach sanft: Du darfst dich, meine Lucia, nicht fürchten; ich bin nicht mehr der, der ich war. Heute Nacht ist mir Maria erschienen, obschon ich einer solchen Gnade nicht würdig war. Sie hat mir mein böses Leben vorgehalten und mir Furcht und Schrecken eingejagt, aber zu meinem Heile. Ohne Zweifel hat Maria dein Gebet erhört, und Gott sei es versprochen, ich will fortan ein tugendhaftes Leben führen. Was der Mann versprochen, das hat er auch gehalten; er begann ein wahrhaft christliches Leben und starb selig im Herrn. Lucia aber, ihres Gelübdes eingedenk, erbaute ein Kloster, trat selbst in dasselbe und endete ihr frommes Leben mit einem seligen Tode.

Maria bestimmt sich den Ort, wo sie verehrt sein will.

Nahe bei dem Ort Skepe, nicht weit von der Straße, die nach Lipno führt, fand man einen Stein von mäßiger Größe, der innerhalb und außerhalb mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes bezeichnet war. Alles bewunderte den seltsamen Stein, bald aber stieg die Verwunderung, als Alle, welche sich dem Steine unehrerbietig nahten oder irgend etwas Böses bei ihrem Vorübergehen thaten, nicht ohne merklichen Schaden davon kamen. Bald zerbrach ein Wagen und die darin saßen, stürzten zu Boden, bald verlor der Wagen die Räder oder es zerbrach die Achse, wenn nämlich die Fuhrleute eine ausgelassene, unehrbare Rede führten. Während man nun erstaunt nachdachte, was es doch wohl mit dem Steine für eine Bewandtniß habe, erschien Maria einem Greise und verlangte, daß man hier ein Kloster bauen und sie hier verehre; was später auch geschah.

Maria bekehrte ein Judenmädchen.

Zu Löwen in Belgien lebte vor mehreren hundert Jahren ein Jude, zu dem öfters der Kaplan des Herzogs von Brabant kam, um mit ihm über den christlichen Glauben zu sprechen und ihn wo möglich zu bekehren. Der Jude hatte ein Töchterlein, welches öfters neugierig zuhörte, und dann im Stillen darüber nachdachte. Oft sann die kleine Rachel nach, wie denn ein Unterschied zwischen Juden und Christen sei, da doch Beide das nämliche Angesicht haben. Doch neigte sich ihr Herz mehr zu den Christen als zu den Juden; sie hörte gerne den Namen Christus sprechen und ward jedesmal erfreut, wenn sie den Namen Maria hörte. Es geschah, daß die kleine Rachel anderthalb Jahre mit Christenkindern Unterricht in der christlichen Religion erhielt. Die Aeltern bemerkten bald eine Umänderung und beschloßen, sie weit weg zu senden. Rachel hörte es und zeigte es dem Priester an. Dieser beschloß, sie in ein Frauenkloster zu geben und befahl ihr, früh Morgens zeitlich bei ihm zu sein. Maria weckte sie zu rechter Zeit auf. Der Priester gab sie in ein Cisterzienserinnenkloster, wo sie getauft wurde und den Namen Katharina erhielt. Katharina blieb dem Herrn Jesu treu und stellte sich ganz unter den Schutz Mariä. Jesus war ihr Vater, Maria ihre Mutter. Manchmal, wenn die Aeltern der Nonnen zum Besuche ihrer Töchter kamen, sprach sie zu Maria: Meine Mitschwestern haben an dem Anblick und der Unterredung ihrer Aeltern und Verwandten Freude; ich aber, eine arme Waise, komme zu dir, mögst du mir Schwester und Mutter sein; sei du vor Allem meine Zuflucht und mein Trost! In der That war die göttliche Mutter ihr Beistand und Trost im Leben und im Sterben.

Maria verschafft den Aeltern ihre verlaufenen Kinder durch wilde Thiere.

Auf Trams, im östlichen Mittelgebirge ober Landek, hauste um´s Jahr 1265 ein gottesfürchtiges Ehepaar. Gott hatte ihre Ehe mit einem Paar allerliebster Kinder gesegnet. Eines Tages waren die zwei Kleinen, während die Aeltern auf dem Felde arbeiteten, weggegangen, ohne daß Jemand wußte, wohin. Nach fruchtlosem Suchen begaben sich die geängstigten Aeltern zur Jungfrau im finstern Wald, wie man das Marienbild in jenem Kirchlein nannte, und flehten um Hilfe. Und siehe, während sie vertrauensvoll beteten, kam ein Bär und ein Wolf mit den vermißten Kindern im Rachen und legten dieselben unversehrt und gesund den Aeltern zu Füßen. Zum Denkmal an diese Begebenheit entstand die erste Kirche zwischen den Jahren 1265 und 1270; das Volk wallfahrte so zahlreich dahin, daß den Pilgern ein Ablaß verliehen wurde. Die Gnadenkirche liegt am höchsten im Lande, fünf tausend neununddreißig Fuß über der Meereshöhe.

Mütter müssen den Kindern Liebe zu Maria einflößen.

Einer der glühendsten Verehrer der jungfräulichen Gottesmutter war Johannes von Avila. Davon geben Zeugniß die Worte, die er in einer Predigt vor zahlreichen Zuhörern gesprochen: Ich wollte lieber sterben, als die Verehrung Mariä nicht in meinem Herzen haben. Und in der That, sein Leben beweist, daß er diese Verehrung von Kindheit an bis zu seinem Tode im Herzen trug. Schon als kleiner Knabe trug er die innigste Zuneigung zu Maria. Diese Neigung hatte ihm seine fromme Mutter in´s Herz gesenkt. Mit ihr pilgerte er zu einer Wallfahrtskirche. Auf dem Wege dahin zeigte ihm die gute Mutter die lieblichen Blümlein, und nannte ihm die Namen und deren Bedeutung. Siehst du hier, sagte sie zu ihm, dieß Blümlein so mild und so freundlich? Das nennen sie: Marienlächeln; denn es blühte nach dem ersten Lächeln des holden Mägdleins Maria, der Mutter Gottes, zum erstenmale. Bei der Zelle des Einsiedlers am moosbedeckten Kirchlein duftete vor dem Fenster ein Blümlein, so andächtig geneigt und sinnend und eben läutete man beim dämmernden Abend das Ave Maria. Siehe, mein Kind, sprach die Mutter, das Blümlein heißt: Ave. Bei der Heimkehr fand Johannes eine Blume, an deren Stängel Blümchen um Blümchen emporblühten. O die schöne, schöne Blume! rief er jubelnd und brachte sie der betenden Mutter. Kind, sprach sie mild und gut, diese Blumen heißen sie: Himmelstrauen; die dringt gleich der gottvertrauenden Hoffnung immer und immer mit ihren Blüthen aufwärts. Jetzt betete die Mutter den Rosenkranz. Sie kam mit Johannes zu einem Marienbild in einer Korkeiche. Sie betete vor dem Bilde und Johannes mit ihr. Hierauf pilgerte sie weiter. Siehe, mein Kind, sprach jetzt die Mutter, dort das schöne Röschen; es lächelt gar so freundlich aus den Felsenspalten; das heißen sie: Muttergottesröschen. Aber willst du auch wissen, wie es diesen Namen erhalten hat? Ja, Mutter, entgegnete Johannes. Einmal, fuhr die Mutter fort, da wusch die Mutter Gottes das Kleidchen des Jesuskindes und hängte es zum Trocknen an einen dürren Strauch. Und als sie zurückkehrte, siehe, da stand der Strauch mit tausend duftigen Rosen geschmückt. Die Mutter Gottes pflückte eine von den Rosen und eilte zurück. Das Jesuskind schlummerte sanft und sie legte die Rose auf sein pochendes Herz; das Gotteskind schlummerte fort, während es sanft lächelte. Doch, warum that es denn dieses, Mutter? fragte Johannes. Es träumte vielleicht, es spiele mit Engelein, entgegnete die Mutter; doch jetzt erwachte es – freundlich wie ein Engelein – die rothe Rose auf seinem Herzen. Johannes lebte an der Hand seiner frommen Mutter im Hause seiner Aeltern in engelreiner Unschuld, Jesus und Maria im Herzen, bis in sein vierzehntes Jahr, wo er auf die Hochschule kam, Priester wurde und durch seine Predigten sehr viel Gutes stiftete.

Ein Lästerer Mariä und seine Strafe.

Ein sarazenischer Fürst belagerte Konstantinopel. Der heilige Patriarch German verordnete einen dreitägigen Bittgang um die Wälle der Stadt, wobei das vom heiligen Lukas gemalte Marienbild herumgetragen wurde. Während dieß geschah und das Volk mit Thränen und Seufzen den Beistand Mariä anrief, fing der sarazenische Fürst, welcher der Prozession von ferne zusah, an, den glücklichen Ausgang der Belagerung zu bezweifeln. Auch seine Soldaten wurden überdrüssig, murrten und begehrten mit solchem Ungestüm in ihr Land zurückzukehren, daß endlich der barbarische Fürst, nachdem er wider die heiligste Jungfrau, die diese Stadt so augenscheinlich schützte, gräuliche Lästerungen ausgestoßen hatte, in Friedensunterhandlungen mit dem Kaiser einzulassen sich genöthigt sah. Unter den Friedensbedingungen war auch diese, daß ihm und seinen Offizieren gestattet sei, in die Stadt zu kommen, weil er begierig war, sie zu sehen, da sie eine so lange Belagerung ausgehalten hatte. Doch wunderbar! ein Theil seiner Geleitschaft zog ungehindert durch das Stadtthor ein, als er aber folgen wollte, stand sein Pferd plötzlich still und war trotz aller Anstrengung nicht weiter zu bringen. Der Barbar fühlte eine geheime Gewalt, die ihn zurückhielt; staunend hob er seine Augen in die Höhe und erblickte oberhalb des Thores ein Marienbild. Bei diesem Anblick erinnerte er sich seiner Lästerungen gegen die heilige Jungfrau und von Schrecken befallen, zog er sich aus Furcht vor einer größeren Züchtigung zu seinem Kriegsheere zurück. Mit diesen ging er zu Schiff. Weil er aber in seiner Gottlosigkeit verharrte und die heilige Jungfrau zu lästern nicht aufhörte, erhob sich ein schreckliches Ungewitter; die ganze Luft schien nur Donner und Blitz zu sein und die rächende Hand Gottes schleuderte die feurigen Keile dermassen über die Schiffe der Barbaren, daß ein Theil zu Asche verbrannte und der Gottlose selbst in den Wellen des Meeres sein Grab fand.

Maria straft einen Geizhals.

Als die Normandie mit einer großen Hungersnoth heimgesucht wurde, konnte sich ein reicher Geizhals nicht entschließen, die öffentliche Noth zu lindern, obschon seine Speicher voll Getreide waren, weil er immer höhere Preise hoffte. So groß war sein Geiz, daß er an einem Sonntage, statt in die heilige Messe zu gehen, seine Kornbödden wohlgefällig besuchte. Kaum aber hatte er die Thüre geöffnet, so sah er Millionen Ratten, welche das Getreide wegfraßen, das er so sorgfältig aufbewahrte und so teuer verkaufen wollte. Dieses schreckliche Ungeziefer verließ dann den Kornhaufen, stürzte sich über den Geizhals selbst her und begann ihn von allen Seiten zu beißen. Sie hätten ihn bald umgebracht, wenn nicht die Strafe ihm die Augen des Geistes geöffnet hätte. Er bereute aufrichtig mit großem Schmerz seine Missethat, bat Gott um Verzeihung und that das Gelübde, alle Sonntage zu Unserer Lieben Frau von der Befreiung – eine Gnadenkirche Mariä – zu gehen und dort auch eine heilige Messe zu stiften, wenn sie Erbarmen mit seinem Unglück hätte. Und wirklich erbarmte sich seiner Maria. Augenblicklich verschwanden die Ratten; er aber hielt sein Versprechen, so lange er lebte, und verpflichtete auch seine Erben zur Fortsetzung seiner Andacht.

Eine Wallfahrt zu Maria stärkt zum Marterthum.

Da der heilige Nepomuk voraussah, daß der rasende König von seinem Vorwitz, die Beichte der Königin zu wissen, nicht abstehen und ihn dem Tode überliefern werde, bereitete er sich auf seinen Martertod vor. Er machte eine Wallfahrt nach Altbunzlau zum Gnadenbilde der allerseligsten Jungfrau. Von Kindheit an verehrte er Maria als seine Mutter. Ihrem mütterlichen Herzen vertraute er alle seine Anliegen, ihre Fürbitte rief er an zu allen seinen  Arbeiten und unter ihren Schutz stellte er sich gegen alle seine Anfechtungen. Da nun der letzte und größte Kampf seines Lebens nahte, wollte er sich ihrer mächtigen Hilfe versichern. Er warf sich vor dem uralten Gnadenbilde zu Bunzlau nieder und nur Gott und der heiligen Jungfrau ist bekannt, was er dort gebetet und gefleht. Von hohem Muthe, von heiliger Freude erfüllt, erhob er sich und kehrte gegen Abend wieder nach Prag zurück. Wenzel stand gerade am Fenster, als er den Heiligen vorüber gehen sah. Da erwachte in ihm der alte Groll und die gottesschänderische Neugier wieder, und er befahl sogleich, den Diener Gottes zu ihm zu führen. Ohne ihm Zeit zur Besinnung zu lassen, rief er ihm zu: Du mußt sterben, wenn du mir nicht alles erzählst, was die Königin dir gebeichtet hat. Es ist um dich geschehen – ich schwöre zu Gott, du mußt Wasser saufen. Johannes schwieg und gab zu verstehen, daß er auch nicht Eine Silbe verrathen werde. Darauf rief der König wuthentbrannt: Man entferne diesen Menschen aus meinen Augen und werfe ihn, sobald es dunkel ist, in den Moldaufluß. Johannes benützte die wenigen Stunden seines Lebens, um sich auf seinen Tod vorzubereiten. Gegen Abend wurde er mit gebundenen Händen und Füßen, dort, wo jetzt das Kreuz steht, in den Fluß geworfen. Aber leuchtende Sterne zeigten an, wo seine Leiche schwamm. Die Domherren trugen sie des andern Tages feierlich in die Domkirche.

Strafe für die Verunehrung eines Marienbildes.

Zur Zeit, da die Sachsen in Böhmen einfielen, überrumpelte Lorenz, Freiherr von Hofkirchen, Altbunzlau und gab die Stadt seinen Soldaten preis; er selbst machte sich über die Marienkirche, raubte das Marienbild, das aus einem unbekannten Metall gemacht war, welches er für Gold hielt, nahm es mit sich nach Prag, ließ es hier auf dem Altstädter Ring an einen Galgen hängen und schleppte es endlich nach seinem Abzuge nach Sachsen. Doch die Strafe für solchen Frevel blieb nicht lange aus. An der Stelle, wo er das heilige Bild aufgehangen, wurde seinem Bruder einer begangenen Missethat wegen der Kopf abgeschlagen; er selbst erlitt bei Altbunzlau eine große Niederlage und fiel in die Gefangenschaft der Schweden. Das Gnadenbild löste der fromme Kaiser Ferdinand II. mit einer großen Geldsumme im Jahre 1635 wieder aus und es wurde unter Ferdinand III. feierlich nach Altbunzlau übertragen.

Ein Spötter des Skapuliers bestraft.

Im Jahre 1645 verspottete Johann Castell, eine angesehene Magistratsperson, gar oft seine Gattin, weil sie ehrfurchtsvoll das Skapulier trug, und redete stets mit Verachtung davon. Eines Tages antwortete ihm seine Frau: Nimm dich in Acht, daß diese stolze Verachtung dir nicht den Fluch Gottes zuzieht. Kurze Zeit nachher wurde er von einem sehr gefährlichen Augenleiden befallen. Nachdem er vergeblich alle ärztliche Hilfe angewendet hatte, erkannte er, daß seine Krankheit eine Strafe Gottes für die Verachtung sei, mit welcher er das Skapulier behandelte. Er faßte also den Entschluß, bei eben dem Zeichen des Heils seine Hilfe zu suchen, das er bisher aus Unwissenheit verachtet hatte. Nachdem er die heiligen Sakramente empfangen, um sich des Schutzes der Lieben Frau würdig zu machen, nahm er mit eben so großer Ehrfurcht als Vertrauen das Skapulier und wurde durch die Barmherzigkeit Gottes und Mariä gesund. Er verfaßte in der Folge selbst ein glaubwürdiges Zeugniß seiner Genesung.

Maria bekehrt einen großen Sünder durch das Skapulier.

Der heilige (Alfons von) Liguori erzählt folgende wunderbare Bekehrung eines großen Sünders. Ein Priester, der Gefährte meiner Arbeiten und Reisen, befand sich in der Kirche im Beichtstuhle. Da sah er einen jungen Menschen vorübergehen, dem er es an seinem Gesichte ansah, daß er einen schweren geheimen Kampf mit sich selbst kämpfe. Der Missionär ahnte die Ursache hievon: er verließ den Beichtstuhl, nahte sich ihm und sprach: Mein Freund, willst du nicht beichten? Der junge Mann antwortete stammelnd mit Ja und fügte hinzu: Es dürfte wohl eine lange Beichte werden; wollt Ihr mich an einem andern Ort hören? Von Scham bedeckt, wollte er dem Priester eine geweihte Hostie geben, welche er entwendet hatte. Als sie nun allein waren, fuhr der Jüngling folgendermaßen fort:

Ich bin ein Edelmann aus einem fremden Lande. Ich habe Gott so oft in meinem Leben beleidigt, habe so viele Verbrechen auf mir, daß ich an der Barmherzigkeit Gottes fast verzweifeln muß. Abgesehen von den Mordthaten und Schändlichkeiten jeder Art, die ich begangen, will ich zuerst sagen, daß ich mich aus Verzweiflung an meinem Heile in alle Sünden stürzte, weniger um meinen Leidenschaften zu fröhnen, als vielmehr um Gott zu beleidigen und meinem Hasse gegen Ihn Luft zu machen. Ich trug ein Crucifix bei mir, ich habe es verächtlich von mir geworfen. Diesen Morgen noch – ich erschrecke, es zu sagen – bin ich zum Tisch des Herrn gegangen, um die schreckliche Schändung zu begehen; ich hatte nämlich den frevelhaften Vorsatz, die heilige Hostie mit Füßen zu treten. Ich hätte meinen Entschluß ausgeführt, nur die Gegenwart einiger Personen hat mich abgehalten. … O mein Vater, seht hier die Hostie. … nehmt sie, ich würde mich noch des Gottesmordes schuldig machen. Als ich an dieser Kirche vorüberging, drängte es mich unwiderstehlich, trotz meiner Unwürdigkeit, in diese einzutreten. Mein Herz, von Gewissensbissen zermartert, hat mich das gräßliche Geschrei der Reue vernehmen lassen, das den Schuldigen aufscheucht; und ein unbestimmter Gedanke, zu beichten, trat vor meine Seele. Während ich mich Euerem Beichtstuhle näherte, wankten meine Kniee und all mein Muth war dahin. Mein eigener Schrecken, der Schrecken eines Gottes, der die Sünde rächt, benahm mir alle Hoffnung; ich änderte meinen Entschluß; aber ich fühlte mich wie von einer unsichtbaren Hand gehalten, als Ihr mich anredetet. O mein Vater, hier liege ich zu eueren Füßen; … ich beichte … Mir scheint dieß wie ein Traum, so sehr bin ich darüber erstaunt.

Der Missionär erwiederte ihm: Mein Freund, woher mag wohl die Gnade kommen, die dich zu meinen Füßen führt? Hast du heute ein gutes Werk gethan? Vielleicht hast du Gott irgend ein Opfer gebracht, ein Gebet zur seligsten Jungfrau verrichtet? Eine solche Bekehrung, eine solche Gnade kommt sicher aus ihrem mütterlichen Herzen, du hast ihre Fürbitte bei Gott erfleht.

Ich Opfer! Ich Gebete! entgegnete der arme Sünder. Ihr irrt Euch, mein Vater; ein hoffnungsloser Sünder, der schon mit einem Fuße in der Hölle steht, dürfte es wagen, seine Augen zu Maria zu erheben? Aber, mein Freund, sagte der Priester, denke doch ein wenig nach. – Ach, mein Vater, erwiederte der arme Sünder, was soll ich sagen? Hier griff er mit seiner Hand an seine Brust; seht hierher, das ist Alles, was ich bewahrt habe. Der Priester sah das Skapulier auf seiner Brust und rief aus: Mein Sohn, siehst du nicht ein, daß Maria, die heiligste Jungfrau, dir diese Gnade gewährt hat? Siehe, die Kirche, in der du dich befindest, ist ihr geweiht. Bei diesen Worten zerfloß der junge Mensch in Thränen; er beichtete nun dem Priester alle Einzelheiten seines sündhaften Lebens und sein Schmerz war so groß, daß er dem Beichtvater wie vernichtet zu Füßen fiel. Endlich kam er wieder zu sich, vollendete seine Beichte, erhielt die Absolution und empfing mit glühender Andacht die heilige Kommunion. Sein Beichtvater erlaubte ihm, überall die große Barmherzigkeit Gottes, die Er ihm durch Vermittlung der Lieben Frau erwiesen, zu erzählen.

Maria hilft einem ihrer Verehrer im Studiren und zur Doktorwürde.

Bartholomäus Holzhauser wurde 1613 zu Laugna, einem schwäbischen Dorfe, geboren. Seine rechtschaffenen Aeltern, mit vielen Kindern gesegnete Schustersleute, erzogen ihn zur Frömmigkeit und Tugend. Frühe schon bemerkte man an ihm eine rührende Unschuld und eine große Neigung zum Lesen. Er besuchte fleißig die eine Stunde weit entfernte Schule. Den langen Weg kürzte er sich durch Beten ab. Besonders gerne betete er den Rosenkranz, weil er die Mutter Gottes überaus lieb hatte. Diese Liebe hatte ihm seine Mutter eingepflanzt, indem sie ihn schon als ganz kleines Kind der seligsten Jungfrau weihte. Unaufhörlich drang er in seine Altern, ihn studiren zu lassen, denn er wollte ein Geistlicher werden. Aber seine Aeltern waren arm, woher Geld zum Studiren nehmen? Doch der liebe Gott half. Bartholomäus fand in der Armenschule zu Augsburg ein Unterkommen. Sein Brod aber mußte er sich durch Singen vor den Thüren der Bürger mit Betteln erwerben. Nicht lange war er in Augsburg, als auch ihn die damals herrschende Pest ergriff. Verlassen von aller Hilfe, schleppte er sich mühsam zur heiligen Kreuzkirche, wo wunderthätige heilige Hostien hochverehrt wurden. Vor der Thüre warf er sich nieder und empfahl sich dem göttlichen Schutze. Mit einem Male stürzte er, als ob ihm Jemand hinterrücks einen Streich versetzt hätte, zu Boden. Als er wieder zu sich kam, schaute er um, sah aber Niemand. Er stand auf, die Pest war von ihm gewichen ; er fühlte sich gesund. Durch seine Krankheit ward aber Bartholomäus in seinen Studien gehindert; er mußte nach Hause kehren und seinen Vater im Schusterhandwerke unterstützen. Wiewohl er sich in seine traurige Lage ergab, hörte er doch nicht auf, seine Aeltern zu bitten, ihm seine Studien fortsetzen zu lassen. Endlich ließen ihn die Aeltern ziehen. Der arme Vater gab ihm ein Reisegeld von zwei Kreuzern und die Mutter einen Rosenkranz, mit der Ermahnung, die allerseligste Jungfrau und den heiligen Schutzengel recht andächtig zu verehren und anzurufen. Unter Beten und himmlischen Gedanken kam er nach Neuburg an der Donau, wo er gehört hatte, daß bei den Jesuiten eine Stiftung für arme Studirende sei, aber darin nur diejenigen Aufnahme finden, welche die Musik verstehen und im Chore singen können. Bartholomäus hatte nie singen gelernt. Was sollte er also thun? Er nahm seine Zuflucht zu Gott und flehte mit heißer Inbrunst zu Maria, der Mutter aller Verlassenen, um Beistand. Nachdem er gebetet, erhob er sich und ging geradenwegs in das Kosthaus der Jesuiten. In den demüthigsten Worten trug er dem Vorsteher sein Gesuch vor. Bei der Frage, ob er singen könne, wagte er nicht zu antworten. Da wurde der Chorregent herbeigerufen, um ihn zu prüfen. Derselbe legte ihm ein schweres Notenstück zum Singen vor. Bartholomäus war in größter Angst, doch vertrauend auf der lieben Mutter Gottes Hilfe, begann er zu singen und siehe da, er bestand die Prüfung auf´s Vortrefflichste. Er ward in das Kosthaus aufgenommen, gelobt und an den ersten Tisch zu den Geschicktesten gesetzt. Doch, als er nach einigen Tagen wieder singen sollte, verstummte er und schwieg. Es erwies sich, daß Bartholomäus nicht einmal die Anfangsgründer der Musik verstehe. Schon wollte man ihn deßhalb fortschicken, doch wegen seiner frommen Einfalt und Unschuld ließ man ihn da, setzte ihn aber auf den Platz der Unwissenden. Doch bald hatte er es durch seinen Fleiß so weit gebracht, daß er den ersten Platz wieder erhielt. Er vergaß aber seiner getreuen gütigen Helferin nicht. Er hörte nicht auf, Maria zu danken, und sein Vertrauen auf ihren Schutz ward von Tag zu Tag größer, aber auch seine Liebe und Verehrung gegen sie immer herzlicher. Nachdem er zu Neuburg den Schulkursus beendigt hatte, ging er nach Ingolstadt, um auf der Hochschule sich weiter auszubilden. Wiewohl auch hier während sieben Jahren mit der bittersten Armut kämpfend, erwarb er sich doch so ausgezeichnete Kenntnisse in allen geistlichen Wissenschaften, daß seine Lehrer auf den Gedanken kamen, es müsse ihm die Wissenschaft vom heiligen Geist eingegossen werden. Nachdem er Doktor der Gottesgelehrtheit geworden, berieth er sich mit Gott und Maria und wurde Priester. (Anmerkung des Abschreibers, der übrigens zwei Jahre beim Panzergrenadierbataillon 281 in Neuburg/Donau diente, ohne etwas von Holzhauser zu wissen: Dieser wird häufig von Rougeyron in seinem Werk über den Antichrist zitiert, das wir in spanischer Sprache veröffentlichen.)

Maria verschafft einem ihrer Verehrer Gaben und Tugenden.

Unter den heiligen Kindern und treuen Dienern der glorwürdigen Gottesmutter nimmt der heilige Bernardin von Siena einen der ersten Plätze ein. Geboren zu Massa in dem ehemaligen Freistaate Siena verlor er schon im siebenten Jahre seine Aeltern. Eine fromme Anverwandte, Namens Diana, übernahm seine Erziehung und flößte seinem Herzen eine zärtliche Liebe zu Gott und zur allerseligsten Jungfrau ein. Noch nicht dreizehn Jahre alt, kam er nach Siena, um auf den dortigen Schulen sich höhere Kenntnisse zu sammeln. Seine Lehrer bewunderten nicht bloß seinen großen Fleiß, sondern noch mehr seine Bescheidenheit, sein tugendhaftes Leben und seine engelreine Unschuld. Seine Liebe zur Keuschheit war so groß, daß ein einziges zweideutiges Wort ihm die Schamröthe in´s Gesicht goß und in ihm einen heftigen Eckel (heute Ekel) erregte.  Als einmal ein Bürger in seiner Gegenwart ein unfläthiges Wort sprach, gab er ihm einen Schlag unter das Kinn, so daß derselbe beschämt weiter ging. Einem andern Bürger, der ihn mit unsaubern Reden verfolgte, trieb er dadurch von sich, daß er mit seinen Mitschülern Steine nach ihm warf. Seine Mitschüler getrauten sich nicht, in seiner Gegenwart ein unreines Wort zu reden. Bernardin ist da, sprachen sie zu einander, wenn sie gerade unanständige Plaudereien führten, und schwiegen.

Mit siebzehn Jahren hatte er seine Studien vollendet. Damals schloß er mit seiner Base Tobia, die viel älter als er, Wittwe und Schwester des dritten Ordens des heiligen Franziskus war, eine innige heilige Freundschaft. Tobia war eine Gott innig liebende Seele; sie führte den Jüngling Bernardin zur Heiligkeit. Sie redeten oft lange über  das geistliche Leben. Eines Tages wollte Bernardin schnell fort, Tobia aber ganz traurig hierüber, suchte ihn zurückzuhalten. Er aber sprach: Laß mich, ich muß zu meiner Liebe, und damit eilte er fort. Tobia nahm dieß Wort für Scherz; als er aber des andern Tages dasselbe Wort wiederholte, fragte sie, wer denn diese Liebe wäre, und wo sie wohne? Darauf entgegnete der Jüngling: Meine Liebe ist fürwahr schön, sie hat mich ganz gefangen; sie wohnt außer dem Thore Camollia; täglich pflege ich sie zu besuchen und mich dünkt, ich könne nicht schlafen, bevor ich sie nicht gesehen. Tobia hegte nun Argwohn. Doch, da sie wußte, daß Bernardin so gerne bete, ungemein schamhaft sei und strenge Buße übe, so suchte sie den Argwohn zu unterdrücken; wenn sie aber die schöne Gestalt des blühenden Jünglings betrachtete, und die Arglist des Teufels, der Welt und des Fleisches erwog, dann befürchtete sie, daß er sich etwa von der Neigung zu einem Weibe habe fesseln lassen. Herzlich bekümmert hierüber und um der Sache auf den Grund zu kommen, ging sie des andern Tages zu dem Thor Camollia, und stellte sich an einen Ort, wo sie Bernardin, er aber sie nicht sehen konnte. Siehe, da kam Bernardin allein daher, beugte seine Knie vor dem Bildnisse der seligsten Jungfrau, das ober dem Thore ganz schön gemalt sich befindet, und betete eine Zeit lang. Nachdem er seine Andacht verrichtet, erhob er sich und ging wieder nach Hause. Tobia ging erfreut und innig verwundert nach Hause, hatte aber einmal an dem Anblick des schönen andächtigen Jünglings nicht genug, sondern kam wieder, um sich dessen zu erfreuen. Endlich sprach sie eines Tages zu Bernardin: Mein Sohn, du hast mir gesagt, daß du eine Liebe habest. So sage mir doch die Wahrheit und lasse mich nicht länger in Zweifel. Darauf antwortete Bernardin: Weil du denn mein Geheimniß zu wissen begehrest, so will ich dir entdecken, was ich noch Niemandem offenbarte. So wisse denn, ich liebe mit inbrünstiger Liebe die allerseligste Jungfrau und Mutter des Herrn, die ich allzeit geliebt und auf die ich nach Gott alle meine Hoffnung gebaut. Diese liebe ich inniglich, dieser strebe ich nach, diese verlange ich zu sehen. Und weil ich solches im Leben nicht kann, so habe ich mir vorgenommen, ihr Bildniß, welches sich ober dem Thore Camollia befindet, zu besuchen, da mir dieses Bildniß am meisten in der Stadt gefällt und schöner ist als die übrigen. Darum gehe ich täglich dahin und empfehle mich mit gebogenen Knieen der Gottesmutter, weil ich Hoffnung habe, durch sie Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen, nach der ich begehre. Diese ist meine Geliebte, meine Hoffnung, die allerseligste Jungfrau! Als Tobia dieß hörte, fiel sie dem frommen Jüngling um den Hals und sprach weinend: Fürwahr, mein Sohn, du hast dir die vortrefflichste Liebe erkoren, eine gute Zuflucht deines Heils, eine unbezweifelte Hoffnung zur Vergebung der Sünden. Diese Liebe besuche, derselben folge, derselben vertraue. Denn du kannst nach Gott keine stärkere Hilfe finden, als die Mutter der Gnaden und Barmherzigkeit, von der Niemand verlassen worden, der ihr vertraute. Er wurde Priester und ein gewaltiger Bußprediger, überhaupt ein Heiliger.

Verheißungen Mariä für die Mitglieder der Skapulierbruderschaft

Simon Stock verbreitete den Karmeliterorden nach Europa. Ihm erschien Maria, das Skapulier des Karmeliterordens in der Hand haltend und es ihm mit den Worten übergebend: Empfange mein Sohn dieses Skapulier deines Ordens als das Abzeichen meiner Bruderschaft und als das Zeichen des Vorrechtes, das ich für dich und alle Kinder des Karmeliterordens erhalten habe. Wer mit dem Skapulier bekleidet, fromm stirbt, ist vor dem ewigen Feuer sicher. Es ist ein Zeichen des Heils, ein Bewahrungsmittel in Gefahren und ein Unterpfand eines besonderen Friedens und Schutzes, bis an´s Ende der Zeiten“. – Allein Maria beschränkte sich nicht auf diese einzelnen Wohlthaten; sie wollte nicht bloß die Mitglieder der Bruderschaft von der Hölle bewahren, sondern auch ihren Austritt aus dem Fegefeuer beschleunigen. Deshalb erschien sie auch dem Papste Johannes XXII. und sprach zu ihm: Johann, Stellvertreter meines Sohnes, mir verdankst du die hohe Würde, welche ich dir durch meine Bitten bei meinem Sohn ausgewirkt habe, und da ich dich vor den Nachstellungen deiner Feinde bewahrte, so erwarte ich von dir eine feierliche Bestätigung des Karmeliterordens, welcher mir immer ganz ergeben war ….. und wenn unter den Religiosen oder Brüdern, welche das Zeitliche verlassen, sich solche befinden sollten, die ihrer Sünden wegen in´s Fegefeuer hinabsteigen, so will ich, als ihre zärtliche Mutter, im Reinigungsorte mitten unter sie hinabkommen am Samstage nach ihrem Tode und Diejenigen hinausführen, welche ich da treffen werde; ich will sie bringen in die selige Wohnstätte des ewigen Lebens. – Hier werfen sich folgende Fragen auf: I. Welches ist der Sinn der doppelten Verheißung, welche Maria dem heiligen Simon Stock und dem heiligen Vater Johann XXII. gemacht hat? II. Konnte Maria eine solche Verheißung geben? und II. hat sie eine solche gegeben?

Ad I. Die göttliche Mutter versprach, alle Jene aus dem ewigen Feuer zu retten, welche mit dem Skapulier bekleidet, fromm sterben. In den Worten: fromm sterben liegt der ganze Sinn der Verheißung. Maria kann und will Jene, welche, obschon mit dem Skapulier bekleidet, in der Todsünde sterben, nicht retten, aber sie kann und will Diejenigen, welche mit dem Skapulier bekleidet zu sterben im Begriffe sind, die Gnade erbitten, daß sie in keiner Todsünde dahinsterben; sie werde ihnen also noch vor dem Tode die Bekehrung erflehen und durch einen wunderbaren Schutz jene verderblichen Zufälle fern halten, die oft den ewigen Tod einer Seele zur Folge haben. Jedes Mitglied der Skapulierbruderschaft muß also die Sünde meiden und darf sich nicht der Gefahr aussetzen, im Zustande der Todsünde überrascht zu werden; an diesem Zeichen erkennt man den wahren Diener Mariä. Die heilige Jungfrau verspricht ferner, ihre Diener am nächsten Samstage nach dem Tode aus dem Fegefeuer zu befreien. Hierin liegt nichts Widersprechendes.

II. Konnte Maria diese Verheißung geben? Jeder Katholik wird mit Ja antworten. Maria konnte es, weil sie die fürbittende Allmacht ist.

III. Hat sie diese Verheißungen gegeben? Zwei große Stimmen antworten: Ja sie hat sie gegeben. Die erste Stimme ist Simon Stock, Johannes XXII. und zweiundzwanzig Päpste; dann die Wunder, welche diese Verheißung bestätigen.

Maria hilft lieber den Katholiken als den Protestanten.

Im Jahre 1639 brachte man zwei Knaben, welche die Füße erfroren hatten und an Krücken gingen, in die Mariawallfahrtskirche auf dem Schönenberge im Württembergischen. Der Eine war  katholisch, der Andere Protestant. Der Katholik wurde gleich von Maria geheilt. Dem lutherischen Knaben wurde damals nicht geholfen. Als er aber das zweitemal hinüber geführt wurde, und sich um katholischen alleinseligmachenden Glauben bekehrt hatte, ist er auf gleiche Weise, durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau gerad und gesund geworden und hat nachher das Färberhandwerk erlernt.

Maria ist auch gütig gegen die Thiere.

Ein Förster zu Scheeldorf ritt von Eichstätt nach Hause. Auf dem Wege hatte er das Unglück, daß er mit seinem Pferde in einen tiefen Hohlweg hinabstürzte. Er fiel mit dem Kopfe voran und das Pferd auf ihn hinauf. In der Todesgefahr rief er zur Mutter Gottes, und siehe da, er konnte frisch und gesund unter dem Pferd hervorkriechen; am Pferde aber fand er kein Lebenszeichen mehr. Er nahm daher den Zaum und Sattel und ging damit seinen Weg weiter. Doch siehe, er ging keine hundert Schritte, als das Pferd sich erhob und ihm nachlief.

Maria stärkt einen Verehrer in der neuntägigen Marter.

Der selige Andreas ward auf der Insel und in der Stadt Chios geboren. Von Kindheit an hatte er sich der Mutter Gottes geweiht, die ihn auch wie eine Mutter liebte und schätzte. In einem Fieber flehte er zu seiner Patronin und wurde geheilt. Zum Danke gelobte er ihr immerwährend Jungfräulichkeit. Da er ein eifriger Christ war, wurde er aus Haß beim Sultan verklagt, daß er vom muhamedanischen Glauben abgefallen sei. Andreas war aber niemals Muhamedaner, und als man ihn untersuchte, fand sich, daß er nicht beschnitten sei. Dessen ungeachtet wurde er zum Tode verurtheilt, weil er sich standhaft weigerte, den christlichen Glauben abzuschwören. Er wurde nach Konstantinopel abgeführt, um dort den Feinden Jesu zu zeigen, was ein durch Gottes Gnade gestärkter Held des Glaubens vermöge. Neun Tage hinter einander wurde er auf verschiedene Weise mit ausgesuchter Grausamkeit gemartert. Am ersten Tage wurde er mit Ruthen und Geißeln gepeitscht, so daß er im Anfang der Marter erzitterte. Kaum aber hatte er, die Arme ruhig über seine Brust zusammenlegend, die Worte gesprochen: Heilige Maria, stehe mir bei! fühlte er sich plötzlich so gestärkt, daß er bis zum Untergang der Sonne mit geschlossenen Füßen und an demselben Orte verblieb. Am folgenden Tag wurde er mit eisernen Nägeln zerrissen; am dritten Tage wurden alle seine Glieder ausgerenkt; am vierten wurden seine Schultern zerfleischt; am fünften wurden die Hintertheile seines Körpers weggeschnitten; am sechsten wurden seine Schenkel entfleischt. Kurz bis zum neunten Tage machte man alle seine Gebeine an allen Theilen seines Leibes fleischlos. Bei jeder dieser Martern rief er laut: Heilige Maria, steh mir bei! und jedesmal fand er sich wunderbar gestärkt und getröstet. Am 29. Mai des Jahres 1465, dem folgenden Tage nach seiner Marter, heilte ihn Maria von allen seinen schrecklichen Wunden und da er standhaft im Bekenntnisse seines heiligen Glaubens blieb, wurde er enthauptet. Sein Leib, den man wilden Thieren vorwarf, blieb von diesen unberührt. Zwölf Besessene fanden ihn auf, begruben ihn und wurden geheilt. Als man nach einigen Monaten sein Grab öffnete, fand man seinen Leib so frisch und wohlbehalten, als wenn er noch voll Leben und Gesundheit wäre.

Maria verlängert den Tag für die Spanier gegen die Türken

Der heilige König Ferdinand III. von Spanien empfing schon mit der Muttermilch eine zärtliche Liebe zur Mutter Gottes. Seine fromme Mutter Berenguela lehrte ihm nämlich in seiner Kindheit schon Maria ehren und zu ihr seine kindlichen Gebete richten. Als er König geworden, griff er zu den Waffen, um die Mauren, die Lästerer des Heilandes, die Feinde des Kreuzes Christi aus Spanien zu vertreiben. Bei (in der) Estremadura stieß er mit der Hauptmacht des Feindes zusammen und mußte hier eine blutige Schlacht liefern. Lange schwankte der Sieg, endlich mußten die Ungläubigen weichen und entfliehen. Pelleyo der Feldherr (Anm.: vermutlich Pelayo) wollte jedoch seinen Sieg vollenden, die Feinde verfolgen und vernichten; aber schon war es Abend geworden und die Sonne neigte sich zum Untergange. Da richtete Pelleyo sein Auge zum Himmel und flehte mit dem größten Vertrauen zur allerseligsten Jungfrau, indem er laut ausrief: Heilige Maria, halte auf deinen Tag! Und siehe, Maria hörte ihn, wie einst der Herr den Josue. Die Sonne blieb stehen so lange, bis Pelleyo mit seinen Soldaten den vollkommensten Sieg errungen hatte. Zum Andenken an dieses Wunder und den Sieg weihte Pelleyo Maria eine Kirche unter dem Titel:  Zur heiligen Maria di (de) Tudia.

Maria straft die Frevler und bekehrt einen Ketzer.

In Braunau in Mähren ist ein Mariengnadenbild. Bei der Gnadenkapelle war eine Stiftung, daß die Tagzeiten Unsrer Lieben Frau sollten täglich gesungen werden. Die Ketzer wollten diesen löblichen Gebrauch nicht abkommen lassen, nicht aber, um die Mutter Gottes zu ehren, sondern um die reiche Stiftung zu beziehen. Es war ihnen nur um das Geld zu thun. Sie haben also auf katholische Weise die Tagzeiten gesungen. Eines Tages kam ein blinder Croat hinein, hörte den Gesang und bat Gott und die heilige Jungfrau um sein Gesicht. Die vermeinten Chorherren fingen an zu lachen, Andere schafften ihn aus der Kirche; Einer wies ihm mit dem Stock die Thüre. Dieser aber wurde alsbald mit Blindheit gestraft, der Croat aber erhielt sein Gesicht wieder. Den erblindeten Ketzer aber führte sein Sohn  mit Trauer und Schrecken nach Hause. Die Heimsuchung seines Vaters erleuchtete ihn, er kehrte zum katholischen Glauben zurück und stiftete viel Gutes. Unter Ferdinand II. wurde eine Kirche erbaut mit einem Kloster dabei für die Paulaner; nun nahm die Wallfahrt so zu, daß oft in einem Jahre sieben tausend heilige Messen daselbst gelesen wurden.

Maria bekehrt einen Juden auf das Gebet der Erzbruderschaft

Alphons Maria Ratisbone stammte aus einer reichen jüdischen Familie aus Straßburg. Sein Bruder Theodor war bereits Christ und Priester. Dieser empfahl seinen Bruder dem Gebete der Erzbruderschaft Mariä. Alphons haßte seinen Bruder wegen seines Abfalls vom jüdischen Glauben, ebenso haßte er die katholische Kirche. Auf einer Vergnügungsreise kam er nach Rom, wo er mit einem Freunde, einem frommen Katholiken zusammen traf, der ihn beredete, die Medaille der Unbefleckten Empfängniß umzuhängen und das Memorare zu beten. Er that es dem Freunde zu gefallen, ohne Andacht mit größter Gleichgiltigkeit. Am 16. Jänner 1842 hatte der Freund wegen eines Leichenbegängnisses etwas in der Kirche della Fratte zu thun, er ließ den Juden einstweilen in der Kirche und ging in die Sakristei. Alphons wartete in der Kirche und beschaute sich dieselbe ganz gleichgiltig. „Ich war“, so erzählte er selbst, „seit einem Augenblicke in der Kirche, als ich mich plötzlich von einer unaussprechlichen Unruhe ergriffen fühlte. Das ganze Gebäude war vor meinen Augen verschwunden. Eine einzige Seitenkapelle hatte so zu sagen alles Licht in sich vereinigt, und in Mitte dieses strahlenden Lichtes erschien auf dem Altare, groß, glänzend, voll Majestät und Lieblichkeit die Jungfrau Maria, so wie sie auf der Medaille der Unbefleckten Empfängniß vorkömmt. Eine unwiderstehliche Gewalt zog mich zu ihr hin. Die heilige Jungfrau winkte mir mit der Hand, ich sollte niederknieen. Hernach machte sie ein andres Zeichen, als wollte sie sagen: So ist´s recht. Ich warf mich mit dem Angesichte auf die Erde nieder. Sie hat nichts zu mir gesprochen, aber ich habe Alles verstanden. In diesem Augenblick erhielt der Jude eine klare und vollständige Kenntniß der christkatholischen Religion. Hingestreckt auf den Boden fand man ihn. Er verlangte die heilige Taufe, und diese sammt der Firmung und Communion wurde ihm eilf Tage nach dieser Erscheinung ertheilt. Er trat in die Gesellschaft Jesu, welchen Orden er früher besonders gehaßt und gelästert hat.

Maria hilft einem armen Studenten fort.

Als der gottselige Sylvester von Marade noch ein junger Schüler war, sah er sich plötzlich durch den Tod seiner Aeltern von jeder menschlichen Hilfe entblößt und fast auf dem Punkte, seine Studien aufzugeben. Er ging nach Florenz, um dort durch Arbeit Brod zu suchen und dann weiter zu studiren. Unterwegs betete er den Rosenkranz und rief mit heißer Inbrunst zur Mutter Gottes, sie möge ihm doch beistehen, seine Mutter sein und ihm zum Ziele verhelfen. Während er seine Schritte beschleunigte und traurig ein Ave nach dem andern betete, nahte sich ihm eine liebliche Jungfrau, bot ihm ihre Begleitung an und ging mit ihm bis Florenz. Während des Weges gab sie ihm mehrere gute und weise Rathschläge zur künftigen Einrichtung seines Lebens. Sodann führte sie den Jüngling, der nicht wußte, wie schnell er das Ziel seiner Reise erreicht, in die Stadt zur Pforte des Dominikanerklosters (Anmerkung ETIKA: wo der auf Geheiß von Papst Alexander VI. ermordete Märtyrer Girolamo Savonarola Prior war) und verschwand. Nun dachte er über das nach, was ihm begegnet war, und erkannte alsbald, daß etwas Außerordentliches dahinter sei. Er bat um Aufnahme in´s Kloster, erhielt sie, vollendete seine Studien und wurde ein berühmter Prediger.

Maria lästern, Strafe und Güte gegen ihren Feind.

Im Jahre 1612 lästerte ein gottloser Bürger zu Bamberg, Gott und Maria. Als sich aber seine Zechbrüder von ihm wegmachten, schrie er aus grimmigem Zorn: Komm Teufel und sauf du mit mir. Von Stund an fing er an zu wüthen, zu heulen und zu schäumen. Auch ward er von einem bösen Geiste in die Höhe und wieder auf die Erde geworfen und mit Schlägen jämmerlich verwundet. Endlich suchte ihn der böse Geist sogar zu tödten. Alle geistlichen Mittel wurden angewendet, jedoch vergeblich. Nun stellte man ein allgemeines Gebet an und dadurch erlangte er doch die Gnade, alle seine Laster von Jugend an reumüthig zu beichten und sich nach Marienweiher verloben zu können. Indeß schlug ihn der Satan ohne Unterlaß, bis ihn endlich Maria erledigte. Von jetzt an brachte er die Zeit, welche er mit Trinken und Spielen vergeudete, mit Weinen und dem Rosenkranzgebete zu.

Maria hat Mitleid mit ihren schwachen Dienern.

Die heilige Hyazintha Mariscottis war von hoher Abkunft. In ihren Kinderjahren zeigte sie große Neigung zu einem frommen Leben;  allein, so wie sie an Alter zunahm, zeigte sie allmählich ein großes Wohlgefallen an den Eitelkeiten der Welt, an Putz und Tand und wurde mehrere Jahre ganz davon beherrscht. Im siebenten Jahre spielte sie mit dem Brunnenseile und fiel in den Brunnen. Sich am Seile haltend, rief sie Maria zu Hilfe und siehe, sie erhielt sich so lange schwebend, bis ein Diener sie heraus zog. Innig dankte sie Gott und Maria, aber dennoch riß sie ihr Herz nicht los von den Eitelkeiten der Welt und blieb auch fernerhin von ihren Lockungen eingenommen. Sie trug sich mit dem Gedanken zu heirathen und tief schmerzte es sie, als ihre jüngere Schwester vor ihr heirathete. Sie wurde schwermüthig und die Aeltern beredeten sie, in´s Kloster zu gehen. Sie wurde eingekleidet, aber auch im Kloster gab sie ihre Eitelkeit nicht auf; sie verlangte ein eigenes Zimmer, das sie mit prächtigem Hausgeräthe schmückte. Doch mitten in ihrem weltlichen Leben vergaß sie nicht auf Gott und Maria; besonders betete sie alle Tage zu Unserer Lieben Frau und diese richtete ihre barmherzigen Augen auf sie. Sie erkannte ihre Eitelkeit und verlangte nach einem Beichtvater. Dieser kam, sah die Pracht in ihrem Zimmer und versagte ihr seinen Beistand mit den Worten: Der Himmel ist für stolze und eitle Menschen nicht bestimmt! Diese Worte ergriffen sie mit Schrecken und sie rief aus: Ist denn für mich Alles verloren? Der Beichtvater entgegnete: Es gibt nur ein Rettungsmittel: Reue über das vergangene Leben, Beginn eines neuen Lebens und Gutmachung des Aergernisses. Sie versprach sich zu bessern. Aber nicht lange, und sie wankte wieder in ihrem Entschlussse, sie hielt ihr Versprechen nicht. Doch Maria verließ ihr schwaches Kind nicht. Sie ward krank. Nun entsagte sie dem jährlichen Einkommen, das der Vater ihr bestimmt hatte, und fing ein ganz bußfertiges Leben an. Sie liebte Maria ihre Retterin glühend und starb eines seligen Todes.

Die Macht der Fürbitte Mariä.

Als der gottlose Kaiser Julian die Regierung antrat, sah der heilige Basilius voraus, daß der heiligen Kirche großes Verderben drohe. Als ein inniger Verehrer Mariä wendete er sich an sie, versammelte das Volk in einer ihr geweihten Kirche und flehte mit ihm um Beistand in solchen Nöthen. Als er in der Kirche, wo der Leib des heiligen Martyrers Merkurius aufbewahrt wurde, betete, erschien ihm dieser Heilige und sagte: Deine Bitte ist erhört und Maria gab mir den Auftrag, den abtrünnigen Julian zu tödten, den ich eben jetzt vollzogen habe; zum Zeichen betrachte mein Bild auf dem Altare. Basilius sah hin und erblickte die Lanze, welche der heilige Martyrer in der Hand hielt, vom Blute triefend. Nach wenigen Tagen kam ein Soldat vom Kriegsheere des Kaisers und brachte die Nachricht, der elende Gottesläugner Julian sei von einem Soldaten erstochen worden, der augenblicklich verschwand, und Julian habe sein Blut unter gräulichen Lästerungen zum Himmel geschleudert und seinen unseligen Geist aufgegeben. Das ganze Volk erkannte daraus die Macht der Fürbitte der Mutter Gottes und dankte ihm jubelnd für die Befreiung von diesem Unterdrücker der Kirche.

Anmerkung ETIKA: Dies sei unser Kommentar zu dem Geschwätz verwirrter, glaubensloser Theologen über den gewalttätigen Gott, den es gar nicht gebe, denn er sei ein Gott der Liebe.

Maria verschafft einem ihrer Verehrer Geld, um die Schulden zu bezahlen.

Der selige Meinruh baute ein Kloster. Nachdem es fertig war, mahnten ihn die Gläubiger, seine verfallene Schuld, ihre Forderungen zu bezahlen. Meinruh flehte zu Maria um Hilfe. Als er durch die Kirche ging, begegnete ihm eine Frau und fragte, wie das Kloster heiße. Als sie den Namen gehört hatte, streckte sie die Hand aus und reichte Meinruh so viel Geld dar, als er benöthigte, um seine Schulden zu bezahlen, und sprach: Wann ich wiederkomme und das Geld zurückverlange, wirst du mich bezahlen. Es war die allerseligste Jungfrau selbst, die ihm erschien.

Verunehrer und Lästerer der Marienbilder – Strafe.

Vor einem Marienbilde stand eine alte Linde. Da fanden sich Knaben ein, welche mit Kugeln über diese Linde zu werfen versuchten; wessen Kugel darüber fliege, solle Sieger sein. Alle warfen hinüber, aber von einem fiel die Kugel zu seinen Füßen herunter. Beschämt und voll Zorn warf er unter Schimpfen und Lästern dem Muttergottesbilde die Kugel in´s Gesicht, woraus Blut floß. Der Arm des Knaben erstarrte und er konnte ihn nicht mehr zurückziehen. Nach damaligen Gesetzen wurde er an der Linde gehenkt.

Ein Weib ging mit ihrem Manne von einer Marienwallfahrt nach Hause und kaufte am Wege ein junges Schwein, das sie an einem Stricke führte. Das Schwein riß sich los und lief davon, das Weib setzte ihm nach und fiel. Von Natur jähzornig stieß sie diese Lästerung aus: Verflucht sei die Kapelle und wer sie erbaut. Ihr Mann erschrack, gab ihr einen Verweis und fügte achtungsvoll hinzu: Daß doch die Mutter Gottes zur Strafe für deine Lästerung nicht ein schweres Leiden über dich kommen lasse. Einige Zeit nachher wurde sie krank, sie litt unsägliche Schmerzen an beiden Füßen; gerade an dem Tage, an welchem sie ein Jahr zuvor Maria gelästert, fiel der eine Fuß ab, ohne daß ein Tropfen Blut floß. Tags darauf trennte sich auch der andere Fuß vom Beine und fiel weg. Man wollte die Sache verheimlichen und verscharrte die Füße nachts auf dem Kirchhofe; aber man war nicht im Stande, die Füße von dem Korbe loszumachen, als wären sie nicht würdig, in geweihter Erde begraben zu werden. Da ging das Weib in sich, bereute ihre Sünde, ließ sich zu dem Marienbilde tragen, um Maria Abbitte zu leisten, empfing die heiligen Sakramente und starb bald darauf, und es ist gegründete Hoffnung, daß sie bei Gott werde Gnade gefunden haben.

Maria hasset Zank und Streit.

In Salceda in Spanien ist ein wunderthätiges Marienbild. Im Laufe der Zeit entstand zwischen den Nachbarstädten Pennaluer und Tendilla ein heftiger Streit um dieses Bild. Anfangs suchten sie sich in der Verehrung Mariä zu überbieten und jede Stadt wollte für sich allein die Segnungen des Himmels haben. Darum wünschte jede, sich in den alleinigen Besitz des Gnadenbildes zu setzen. Als nun König Philipp III. im Jahre 1604 in Alkarria war, da beeilten sich beide Städte, sich das Vorrecht über Salceda zuzueignen, jede beanspruchte es als Eigenthum, jede war entschlossen, es auf´s Aeußerste ankommen zu lassen, und so kam es denn bald sogar zu blutigen Auftritten. Allein zur Strafe dieser Mißhelligkeiten zwischen Pennaluer und Tendilla hörten plötzlich die Wunderthaten auf; dem zu Folge nahmen auch die Wallfahrten bald nach und nach ab. Das Andenken aber an die wunderbaren Ereignisse an jener Gnadenstätte der heiligen Jungfrau bewahrte sich im Volke.

Maria rettet die Ehre eines verläumdeten Verehrers.

Als der heilige Vitalianus, Bischof von Capua, siebzig Jahre alt geworden, hielten mehrere gottlose junge Männer, die ihn seiner Würde wegen beneideten und seiner Tugenden wegen haßten, einen Rath, wie sie ihn aus seinem Amte vertreiben und einen Anderen aus ihrer Mitte an seine Stelle setzen könnten. Sie kamen auf den teuflischen Gedanken, ihn des Umgangs mit schlechten Weibspersonen zu beschuldigen. Zu dem Ende bestachen sie einige schlechte Leute mit Geld, die des Nachts in sein Schlafgemach stiegen, seine Kleider stahlen und statt deren andere nach Form und Zuschnitt von weiblichen Kleidern hinlegten. Als nun der heilige Bischof seiner Gewohnheit gemäß um Mitternacht schnell sich zum Gebete der Metten erhob, zog er in der Eile und ohne sich lange zu besinnen, auch nichts Arges vermuthend, die Kleider an und eilte in den Chor. Zur Morgenstunde, als das Gebet vollendet war, versammelte sich das Volk zum Gottesdienste. Nach Vollendung desselben ward es heller Tag. Diese Zeit benützten die gottlosen Verläumder, sie fingen zu lachen an, zeigten auf den Bischof und schrieen: Höret, was dieser schändliche Bischof täglich für ein Laster begeht. Uns predigt er die Keuschheit, er selbst aber wälzt sich im Laster der Unkeuschheit mit schlechten Weibspersonen; er will, daß wir die Weiber fliehen, und er selbst weilt bei ihnen Tag und Nacht. Wollet ihr uns nicht glauben, so schauet ihn an, wie er sogar die Kleider jener Weiber trägt. Als der Heilige dieß hörte, seufzte er tief auf; alsdann gebot er Stillschweigen und sprach: Ich bin zwar ein Sünder; aber Herr, der du Herz und Nieren durchforschest, weißt, daß ich rein bin; vernichte dieses Werk der Verläumdung! Er flehte dann zur allerseligsten Jungfrau um Beistand. Dann entfernte er sich. Die Gottlosen aber folgten ihm, ergriffen ihn, nähten ihn in eine Haut und warfen ihn in´s Meer. Das Meer aber warf ihn an´s Ufer, er entkam unverletzt der Gefahr und gelangte gesund zum römischen Hafen, wo er sich verbarg. Von dem Tage an, wo dieses geschah, regnete es sechs Monate und vierzehn Tage nicht mehr. Es trat eine solche Dürre ein, daß jede Hoffnung auf eine Aernte verschwand. Voll Reue suchten sie den Heiligen auf und führten ihn nach Capua zurück. Kaum war er angelangt, fiel auch Regen vom Himmel.

Maria lästern – Strafe.

Der selige Simeon hörte in der Stadt Lucca einen der vornehmsten Juden die unversehrte Jungfrauschaft der Mutter Gottes lästern. Alsbald widersetzte sich ihm Simeon, und auf sein Gebet wurde der Läster mit plötzlichem Tode bestraft. Die Anhänger des Juden, von dieser plötzlichen Strafe erschreckt, ergaben sich den Worten des Heiligen und lernten die Himmelskönigin ehren. Diesen Eifer für die Ehre seiner Mutter belohnte Jesus mit der Gabe der Wunder.

Maria schützt eine Stadt gegen Attila.

Attila, König der wilden Hunnen, nannte sich die Geißel Gottes und glaubte sich berufen, die Sünden der Völker zu bestrafen. Schon haatte er mehrere Städte verwüstet, nun wollte er auch Troyes einnehmen. Der heilige Lupus ermahnte zum Gebete und um leichte Erhörung zu finden, wandte er sich mit kindlichem Vertrauen zum Maria, die er immer verehrte. Fest vertrauend auf ihren Beistand, ging er im bischöflichen Gewande dem Barbaren entgegen. Als der Heilige vor dem Könige stand, nahm er das Wort und fragte ihn, wer er sei? Ich bin, sagte Attila, die Geißel Gottes. Wir nehmen, erwiederte der Heilige, Alles an, was Gott über uns verhängt; wenn du aber die Geißel bist, mit welcher der Himmel uns züchtiget, so sei wohl darauf bedacht, daß du nichts Anderes thuest, als was dir von der Hand Gottes erlaubt ist, die dich bewegt und leitet. Von diesen Worten betroffen, gab Attila den Befehl, die Stadt zu schonen. So schützte die Mutter Gottes die Stadt auf das Gebet ihres Dieners gegen eine Armee von vier hundert tausend Mann, die bereits die schönsten Länder verheert hatte.

Marienbilder lästern – Strafe.

Im Jahre 1511 ritt ein Landmann bei dem Marienkirchlein auf dem heiligen Berge zu Gostin in Polen vorbei und spottete darüber, daß Aberglaube diesen Ort auszeichne, da ja Maria in der Pfarrkirche einen passenderen Aufenthaltsort hätte. Auf einmal fühlte er die Erde unter dem Pferde wanken, er stieg ab, fiel auf die Kniee, da kniete auch sein Pferd vor der Kapelle. Das Ereigniß wurde eidlich bekräftigt.

Maria befreit einen Unschuldigen vom Verdachte eines Diebstahls.

Im Jahre 1726 erklärt ein gewisser Innowski: Heute bin ich zur Beichte und Communion gewesen. zur Beglaubigung meiner Aussage; ich bin schon sechsundsiebzig Jahre alt und würde mich scheuen, eine Lüge zu sagen. Vor einigen Jahren sind meinem Herrn aus meinem Gewahrsam über vierzig tausend Thaler entwendet worden und der Zufall wollte es, daß alle Verdachtsgründe auf mir lasteten, so daß ich gerichtlich belangt und bereits zweimal gefoltert wurde; ich gestand nichts und betete inbrünstig zur heiligen Jungfrau von Gostin, so daß die Richter und Reitknechte meiner spotteten. Die Nacht vor der dritten Folter und vor dem Urtheile betete ich gar inständig; da erschien mir die heilige Jungfrau und tröstete mich mit folgenden Worten: Mein Sohn, morgen sollst du frei werden. Kaum war der Morgen angebrochen, da erschien ein Bote vor meinem Herrn und erzählte, daß in der nahen Stadt Kobylei ein Jude zum Bürgermeister gekommen und gemeldet habe: Herr, ich will Christ werden und gestehen, daß mein Wirth mit anderen Juden dem Edlen von Konazewski große Schätze gestohlen habe. Der unschuldige Diener Mariä wurde frei, die Juden erlitten ihre Strafe und der jüdische Knecht erhielt die Taufe, schrieb auch seine Bekehrung sein ganzes Leben lang Mariä zu. Diese Aussage beschwor der Erzähler eidlich nebst vielen Zeugen.

Ein Marienbild schänden – Strafe.

Am 29. April 1690 ritt ein Kürassier, kalvinischer Religion, mit seiner Maitresse bei einem Marienbilde vorbei. Aus frevelhaftem Uebermuthe zog er seine Pistole und schoß im Vorbeireiten auf das Bild. Die Kugel schlug durch die auf der Brust ruhende Hand der Mutter Gottes ein, wie noch gegenwärtig zu sehen ist. Als er dann der Donau entlang ritt, ward er vom Pferde abgeworfen, welches in der Nähe arbeitende Bauersleute  auffingen und ihm wieder auf selbes halfen. Er aber kehrte dann fluchend und lästernd wieder zum Bilde zurück, auf das er mit dem Schwerte einhieb und stach; doch einen neuen Schuß zu machen, ließ er sich von seiner Maitresse abreden, die ihm zurief: Dieses Bild hat dir ja nichts Leides gethan, laß es in Ruhe! Abends wollte er angetrunken in sein Standquartier zurückkehren. Allein außerhalb der Stadt warf ihn das Pferd wieder ab, und schlug ihm das Stirnbein ein, so daß das Gehirn herausfloß und er in der Folge dessen am nämlichen Tage starb, und als augenscheinliche Strafe Gottes für die seiner Mutter zugefügte Beleidigung und Schmach angesehen wurde.

Ein Bild der schmerzhaften Gottesmutter weint.

In der Stadt Foggia befindet sich ein Bild der schmerzhaften Mutter Gottes, welches in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1837 schwitzte, Thränen vergoß, Augen und Mund bewegte. Man sah den Schweiß tropfenweise über die Wangen auf den Busen herabfließen, und Thränen aus den Augenwinkeln hervorquillen und mit den Schweißtropfen sich vermischen; bisweilen wurde das Angesicht wieder ganz trocken, hierauf begann der Schweiß von neuem zu fließen. Häufig erhob das Bild die Augen zum Himmel, dann drehte es dieselben sanft von der rechten zur linken Seite und umgekehrt. Das Angesicht wurde weiß wie weißes Papier, dann kehrte die frühere Farbe zurück. Der Ausdruck des Gesichtes war der einer schmerzerfüllten, im inbrünstigsten Gebete zu Gott begriffenen Frau, die vor Schmerz in Ohnmacht sinkt und sich allmählich von ihrer Ohnmacht wieder erholt, Auch die Lippen bewegte sie, als wollte sie ihren Schmerz durch Worte ausdrücken, schloß dann den Mund und als sie sich von ihrer Ohnmacht erholte, öffnete sie wieder die Lippen, so daß man die Zähne sehen konnte. Auch die Haare, welche zuvor nicht sichtbar waren, kamen, als hätten sie sich von selbst aufgelöst, unter dem Mantel zum Vorschein und hingen über die Stirne und Schläfe herab. Der ganze Anblick war von der Art, daß er jedes Herz zum zärtlichsten Mitleid bewegen mußte. Diese Erscheinung wurde von Tausenden, von der ganzen Stadt gesehen und bezeugt.

Maria gibt ihrem Diener das nöthige Geld.

Der heilige Dominikus hatte auf seinen Wanderungen in der Umgegend von Toulouse, wo die Ketzerei sich am meisten eingenistet hatte, weder Geld noch Lebensmittel.  Eines Tages wollte er über den Fluß setzen; der Fährmann aber verlangte Geld für die Ueberfahrt. Der Heilige antwortete ihm, er habe kein Geld, verspreche ihm aber des Himmels Lohn für diesen Dienst. Darüber entbrannte der rohe Mann vor Zorn, packte den Heiligen, entriß ihm gewaltsam seinen Mantel und schrie, er werde ihn nicht eher herausgeben, als bis er seinen Lohn erhalten habe. Der Heilige wurde nicht im mindesten betroffen; er sammelte sich einen Augenblick, richtete seine Augen zu Maria und indem er zu ihr flehte, sah er zu Boden und bemerkte dort ein Geldstück, das ihm vom Himmel gesendet worden. Er stellte es demjenigen zu, der ihn so gröblich behandelt hatte, und sagte: Nimm, mein Bruder, was du zu fordern hast, und laß mich in Frieden.

Die Teufel bekennen die Macht Mariä.

In der Stadt Carcassonne in Frankreich wurde dem heiligen Dominikus ein Albigenserketzer zugeführt, der von mehreren Teufeln besessen war. Der Heilige beschwor sie; aber auf die Frage, welchen von allen Heiligen sie am meisten fürchteten, wollten sie schlechterdings nicht antworten. Endlich sah der Heilige mitten in einer Schaar von Engeln die Mutter Gottes, welche den stummen Geistern befahl, dem heiligen Dominikus zu antworten. Nun riefen die bösen Geister unter Verwünschungen: O unsere Feindin, unser Verderben und unsere Beschämung, warum bist du vom Himmel herabgekommen, um uns zu martern? Müssen wir denn durch dich gezwungen werden, eine uns so nachtheilige Wahrheit zu entdecken? Höret, Christen! höret, was wir bekennen müssen! Die Mutter Gottes, die hier gegenwärtig ist, hat alle Macht, um ihre Diener aus unseren Händen zu entreißen. Sie ist es, die unsere listigen Anschläge vereitelt. Wir bekennen aus Zwang, daß Niemand, der in ihrem Dienste verharrte, je mit uns verdammt worden ist. Ein einziger Seufzer, den sie der allerheiligsten Dreifaltigkeit darbringt, hat mehr Wirkung, als alle Gebete der Heiligen. Sie verursacht uns ganz allein mehr Furcht, als der ganze Himmel und es ist uns unmöglich, ihren gläubigen Dienern Etwas anzuhaben. Wisset, daß durch die Wirksamkeit ihrer Fürbitte mehrere Christen in der Stunde ihres Todes gerettet worden sind und daß, wenn diese Maria nicht unsere Anschläge vereitelt hätte, wir schon die Kirche vertilgt und allen Ständen, woraus sie besteht, den Glauben entrissen hätten. – Die bösen Geister schwiegen. Da befahl der Heilige dem gegenwärtigen Volke, den Rosenkranz zu beten, und kaum war das Gebet beendigt, so mußten die bösen Geister aus dem Besessenen weichen.

Maria bekehrt eine unkeusche Sünderin trotz der bösen Geister.

Der heilige Dominikus hat unzählige Seelen dem ewigen Tode entrissen, aber mit Hilfe Mariä. Eine junge Florentinerin hatte durch ihren ausschweifenden Lebenswandel viele Seelen in´s Verderben gestürzt. Einmal hörte sie Dominikus predigen und seine Worte rührten sie so sehr, daß sie sich zu seinen Füßen warf und ihn bat, ihre Beichte zu hören. Seine Ermahnungen drangen ihr so sehr in´s Herz, daß sie in Thränen zerfloß und den Entschluß faßte, dem Laster zu entsagen. Der Heilige übergab sie besonders dem Schutze der Mutter Gottes und ermahnte sie, oft zu ihr ihre Zuflucht zu nehmen. Da aber Gottes Gerichte unerforschlich sind, ließ er zu, daß der Feind, welcher so lange ihre Seele besessen, sich bald nach ihrer Bekehrung ihres Leibes bemächtigte. Der Heilige aber befreite sie wieder. Nach einiger Zeit machte aber der Teufel die heftigsten Angriffe auf ihre Seele. Sie ergab sich seinen Versuchungen und ward gottloser als zuvor. Doch der Heilige, der diese arme Seele nicht verloren gehen lassen wollte, suchte sie auf. Sobald sie ihn sah, warf sie sich voll Scham und Verwirrung zu seinen Füßen. Er nahm sie voll Erbarmen auf, erfüllte sie mit Vertrauen und gab ihr zum Schild die heiligen Namen Jesus und Maria. So oft sie diese heiligen Namen aussprach, wurde der Feind bedeutend geschwächt. Endlich heilte Gott ihr unbeständiges, an die Sünde gewohntes Herz auf folgende Weise.

Es war ihr einmal im Traume, als stehe sie vor dem Gerichte Gottes. Der Richter saß auf seinem Throne, Maria war neben Ihm, der heilige Dominikus zu ihren Füßen und ihr gegenüber standen die Ankläger, welche sie auf´s Aeußerste beschuldigten. Alle Sünden ihres Lebens standen in einem großen Buche geschrieben, worin sie auch die Namen vieler Personen sah, welche durch sie verführt wurden. Fast hätte sie die Verzweiflung bewältigt (überwältigt), denn man hörte sie furchtbar schreien. Als sie sich so dem Schmerze und der Angst preisgegeben sah, glaubte sie den heiligen Dominikus zu sehen, der sie immer mahnte, Muth zu fassen und sich an die Mutter der Erbarmung zu wenden, um durch sie einige Frist zur Buße zu erhalten. Da warf sie sich auf den Boden und betheuerte der heiligen Jungfrau, sie sei nicht würdig, sie nur anzusehen, viel weniger von ihr Beistand zu erhalten; gleichwohl bitte sie die gütigste Mutter, ihr in Anbetracht ihres Dieners Dominikus Hilfe zu gewähren. Ihre Bitte fand Erhörung; noch ehe sie sich erhob, sah sie Alles, was im Buche stand, ausgelöscht. Und nun sprach der Richter zu ihr, sie solle erkennen, welchen Dank sie Seiner heiligen Mutter schuldig sei; sie solle nun die Seiten dieses Buches mit Handlungen, des ewigen Lebens würdig, ausfüllen und sich von allen Gelegenheiten fern halten, die sie wieder in die alten Sünden stürzen könnten. Sie erwachte und Dominikus hatte bald die Freude, diese arme Sünderin den Weg der Tugend wandeln zu sehen.

Maria liebt die Reinigkeit sehr.

Als der heilige Dominikus eines Nachts im Gebete wachte, erschien ihm Maria im blendenden Glanze. Sie war von der heiligen Katharina und der heiligen Cäcilia begleitet und durchwandelte den Schlafsaal, wo sie auf alle Betten, eines ausgenommen, Weihwasser sprengte; dann segnete sie alle Brüder, mit Ausnahme desjenigen, dem sie kein Weihwasser gab. Dominikus erstaunt, wagte Maria zu fragen, wer sie wäre, worauf sie erwiederte: Ich bin diejenige, die du Mutter Gottes und Mutter der Güte nennst und jedesmal, wenn du betest: O Maria, unsere Fürsprecherin, wende deine mitleidigen Augen auf deine Schützlinge, empfehle ich dich und deine Stiftung meinem göttlichen Sohne und bitte Ihn, dir Wachsthum und Schutz zu verleihen. Auf die Frage, warum sie alle Betten besprengt und gesegnet habe, nur eins nicht, gab sie zur Antwort: Weil Derjenige, der dort ruht, mit geringerem Anstande als die Uebrigen darin liegt.

Die Bilder Mariä mit Blumen zieren, ist der allerseligsten Jungfrau lieb.

Die gottselige Dominika vom Paradiese verrichtete von frühester Jugend an fromme Andachtsübungen zur göttlichen Mutter; sie fastete oft zu Ehren Mariä und theilte am Samstage die Speisen den Armen aus, die sie sich selbst entzogen hatte. Als sie einmal hörte, daß die Blumen, welche Jemand Jesus und Maria opfere, nach seinem Tode alle um das Grab herumgestreut würden, um den damit zu krönen, der in seinem Leben sie geopfert, glaubte sie in kindlicher Einfalt dieses recht fest. An den Samstagen machte sie daher Kränze von Blumen, welche sie auf dem Felde sammelte, und bekränzte damit die Bildnisse Jesu und Mariä. Wenn sie aber keine natürlichen Blumen fand,  bediente sie sich von der Hand gemachter Blumen. Wegen ihrer innigen Liebe zu Maria und ihrer zarten Andacht trat sie, ohne es zu kennen, bald in den traulichsten Verkehr mit der Himmelskönigin, die sich so gerne zu unschuldigen Seelen herabläßt. O Aeltern, lehret doch eure Kinder, gleich dieser, Maria zu lieben und zu verehren!

Es ist sehr nützlich, in Unglücksfällen Maria anzurufen.

Der selige Amadeus stammte aus königlichem Geblüte in Portugal, wurde in einer Schlacht verwundet und trat in Guadelupe in´s Kloster, wo er seine Abstammung verschwieg.  Da er Maria überaus liebte und ehrte, diente er als Sakristan, um seiner geliebten Mutter immer nahe zu sein. Oft kniete er acht bis zehn Stunden im Gebete vor ihrem Bilde. Eines Tages wollte er eine Lampe an einem hohen Orte anbringen, er stürzte, rief im Sturz zu Maria um Hilfe und stand unverletzt auf den Füßen. Ein anderes Mal stellte er in der Sakristei eine brennende Wachskerze auf einen Schrank; vielbeschäftigt, bemerkte er nicht, daß die Kerze sich verzehrte und daß der Schrank brannte; er erschrack heftig, Wasser war nicht vorhanden, die Kirche war geschlossen, er wußte nicht, wie er das Feuer löschen sollte; da flehte er zu Maria und siehe, zwei Jünglinge erschienen plötzlich mit Wasser, löschten den Brand und verschwanden. Auf einer Reise war er ermüdet und hungrig und fand nicht Speise; doch setzte er betend und auf Maria bauend seinen Weg fort; da sah er einen Jüngling mit einem Hunde vor sich hergehen und fand am Wege ein schönes weißes Brod; meinend, der Jüngling habe es verloren, eilte er ihm nach; doch dieser war verschwunden; er genoß das Brod und setzte seine Reise fort. Auf seiner Wanderung erkrankte er und lag zu Genua im Spitale. Maria erschien ihm und heilte ihn. Eines Tages erschien ihm ein überaus großer Mann, der ihm mit rauher Stimme zurief: Gib dein Gebet und deine Buße auf, denn du bist ohnehin verdammt.  Amadeus empfahl sich dem Schutze Mariä und der Mann entfloh mit großem Geräusche. Wegen seines strengen Lebens wurde er von einigen Brüdern, die er wegen ihrer Nachlässigkeit brüderlich tadelte, gehaßt und verfolgt, und es kam so weit, daß ihn ein gottloser Mensch mit einer vergifteten Speise tödten wollte. Wirklich aß der Heilige davon und verspürte alsbald die Folgen des Giftes. Schon fühlte er den Tod in seinen Eingeweiden; die Aerzte fanden kein Mittel. Da rief er zu Maria. Da erschien eine wunderschöne Frau in seiner Zelle und sagte ihm, er solle ein Leintuch mit Nußblättern belegen und sich darein wickeln; er that es und ward gesund. Diese Frau war Maria, denn im Kloster hatte sie Niemand aus- und eingehen sehen. Die Verfolgungen dauerten fort, er wurde mit allerlei Anklagen und Verläumdungen überhäuft. Niemand wollte ihn vertheidigen, da er ein Ausländer war; doch immer fand er bei Maria Hilfe. Einmal wollte ihn der ungerechte Richter, bei dem er angeklagt war, gar nicht hören und jagte ihn fort. Plötzlich ward der Richter von einem heftigen Fieber ergriffen; denn Amadeus hatte seine Noth Maria geklagt und sie gebeten, seine Sache in ihre Hand zu nehmen. Da gedachte der Richter seiner Ungerechtigkeit, rief den Diener Gottes zu sich und versprach ihm Gerechtigkeit und bat ihn, für ihn zu beten. Amadeus betete und der Richter wurde gesund. Nach langen Leiden starb Amadeus selig im Herrn.

Maria verläßt Polen, seit wann?

Von dem Tage an, da das Gnadenbild der Mutter Gottes nach dem Hussitenkriege wieder in Czenstochau in Polen aufgestellt wurde, begann ein beständiges Wallfahren und Pilgern nach dem heiligen Orte. Aber nicht das Volk allein huldigte hier der Himmelskönigin, auch Könige und Prinzen kamen mit Geschenken beladen, mit Gold, Silber und Juwelen, um den Gnadenaltar und das heilige Bild zu schmücken. Kein König von Polen ließ den heiligen Ort unbesucht. Und so lange die Wallfahrt der Könige von Polen dahin dauerte, stand es gut im Lande. Seit den Sachsenkönigen, die der Aufklärung huldigten, hörte diese Sitte auf und von dieser Zeit an datirt sich auch der Verfall und der Fall des Polenreiches.

Maria erweckt drei Todte.

Im Jahre 1540 brachte ein Fleischer aus Lublinitz in Schlesien drei Leichen nach Czenstochau. Ein Kind hatte das andere mit dem Fleischermesser erstpchen; aus Furcht versteckte es sich unter Holzspäne in der Feueresse. Die Mutter zündete, des Vorfalls unkundig, die Späne an und erstickte das Kind. Der herbeikommende Vater erschlug die Ehegattin mit einem Faustschlage. In tiefster Reue eilte er mit den drei Leichen zu Maria nach Czenstochau. Unter der Vesper, da man sang: Großes hat er an mir gethan, der da mächtig ist; standen die drei Todten auf und lobten Gott und Maria mit der herbeiströmenden Menschenschaar.

Kinder, welche Maria verehren, lassen sich gut leiten.

Dem heiligen Bernhard war so zu sagen die Liebe und Andacht zu Maria schon in der Taufe eingegossen. Mit Erstaunen nahm man wahr, daß er schon in seiner zartesten Kindheit vor Freude zitterte, wenn er ein Marienbild sah oder wenn man den Namen Maria vor ihm aussprach. Wenn man ihn über die seinem Alter anklebenden Unarten zurechtweisen wollte, genügte es, ihm zu sagen, daß dieß oder jenes Maria nicht gefalle und auf der Stelle unterließ er es. Wenn man ihn zu irgend einer Andachtsübung bringen wollte, so war es schon genug, ihn zu erinnern, daß es Maria angenehm sei; alsbald gab er sich ihr mit Eifer hin. Man erkannte frühzeitig die ganz besondere Sorgfalt, welche Maria ihm widmete und Niemand zweifelte,  daß seine außerordentliche Liebe zur Reinigkeit eine Gabe Mariä sei. In seinem Knabenalter wartete er einst am Vorabende des Weihnachtsfestes mit seinen Aeltern auf die Stunde, da das Christkindlein uns von Maria geboren wurde. Es überfiel ihn eine Art Schlaf, in welchem er dieses Geheimniß vor sich gehen sah. Er durfte das neugeborne göttliche Kind betrachten. Dieses Gesicht entzückte sein Herz mit glühender Dankbarkeit gegen Jesus und Maria, daß er in diesem Augenblick gelobte, sich ganz ihrem Dienste und ihrer Verherrlichung zu weihen. – Im späteren Alter ging er einst in Belgien in einem Kloster vor einer schönen Bildsäule Mariä vorüber. Er blieb stehen, um sie zu betrachten. Aber bald von der Gewalt der Liebe ergriffen und im Zustand der Verzückung fiel er auf die Kniee und rief mit einem unaussprechlichen Ausdruck von Zärtlichkeit aus: Gegrüßet seist du, Maria! Kaum hatte er sie so gegrüßet, als zur Verwunderung aller Anwesenden von der Bildsäule die Stimme ertönte: Ich grüße dich, Bernhard!

Mütter müssen ihren Kindern frühzeitig Liebe zu Maria einflößen.

Der selige Krispin war 1668 von armen, aber tugendhaften Aeltern geboren. Seine fromme Mutter wollte ihn für den Himmel erziehen und sie wußte keine bessere Helferin hiezu, als Maria. Krispin war noch nicht fünf Jahre alt, als ihn seine Mutter in die Kirche führte, sich mit ihm vor dem Bilde Mariä auf die Kniee niederwarf und, ihm das heilige Bild zeigend, sprach: Siehe, mein Kind, dieß ist auch deine Mutter; ich übergab dich ihr, liebe sie von Herzen, ehre sie als deine Königin! Diese Worte machten auf Krispin einen solchen Eindruck, daß er von da an Maria nur seine Mutter und Königin nannte. Sobald er zu den Unterscheidungsjahren kam, nahm er an Samstagen nur Wasser und Brod zu sich. Seine fromme Mutter hatte ihn auch gelehrt, in allen seinen Gefahren zu seiner mächtigen Beschützerin seine Zuflucht zu nehmen. Mein Kind, sagte sie zu ihm, in der Gefahr muß man ausrufen: Jungfrau Maria, komm mir zu Hilfe! und sie wird zu Hilfe kommen. Der Knabe merkte sich diese Rede. Als er eines Tages mit seinen kleinen Kameraden auf einen Baum gestiegen war, brach ein Ast und sie fielen auf Steine, wodurch sie schwer verletzt wurden, mit alleiniger Ausnahme Krispin´s, der im Hinabfallen – Maria! – gerufen hatte. Ein anderes Mal warf ihn ein Füllen, das aus dem Stalle entkommen; es fehlte ihm aber Nichts und er schrieb diese außerordentliche Erhaltung dem Schutze Mariä zu.

Mit welcher kindlichen Vertraulichkeit die Verehrer Mariä mit ihr umgehen dürfen.

Der selige Krispin trat in ein Kapuzinerkloster. Später wurde er nach Albano geschickt. Das Erste, was er dort that, war, daß er in der Kirche ein schönes Bild der Mutter Gottes aufstellte, das er mit Blumen bekränzte und vor dem er gerne betete. Wenn man ihn besuchte, so führte er die Besucher vor dieses Bild, und sagte ihnen jene schönen Gesänge vor, welche der berühmte Dichter, Torquato Tasso, ein vorzüglicher Verehrer der Mutter Gottes, Mariä geweiht hatte. Ein Ordensmann machte ihm den Vorwurf, daß er auf diese Weise der weltlichen Dichter sich bediene. Mein Vater, entgegnete Krispin, der Fisch geht nicht von selbst an die Angel, er muß durch eine Lockspeise geködert werden. Unsere Bußgürtel und unsere Fasten behagen den Weltleuten nicht; diese Lieder aber locken sie an und machen, daß sie die Paar Worte anhören, die ich daran knüpfe. Durch diese fromme Unterhaltung entflammte er den Eifer und die Andacht aller Derjenigen, welche ihn hörten. Demüthig und einfältig, wie ein Kind, ging er auch ganz vertraulich mit Maria um. Ein vornehmer Herr aus Brescia hatte dem Seligen für seinen Altar zwei prächtige in Seide gestickte Blumen zum Geschenke gemacht. Einige junge Leute, welche in der Küche ab- und zugingen, stahlen die Blumen, was dem Bruder Krispin großes Leid verursachte, wegen des Mangels an Ehrfurcht, den sich diese jungen Leute gegen die Mutter Gottes hatten zu Schulden kommen lassen, für welche diese Blumen doch bestimmt gewesen waren. Pater Damaszenus, der bei dem damaligen Papste Clemens, der das Kloster öfters besuchte, sehr beliebt war, gab ihm bald darauf zwei Kerzen. Der Selige zündete sie auf seinem Altare an und ging in den Garten, um Gemüse zu holen. Pater Damaszenus ließ indeß die Kerzen wegnehmen, so daß der Bruder bei seiner Zurückkunft glaubte, man habe sie wieder gestohlen. Er beklagte sich darüber gegen die allerseligste Jungfrau auf die rührendste, treuherzige Weise: Ei was! sagte er zu ihr ganz kindlich, gestern die Blumen, und heute die Kerzen! Mutter, du bist wahrlich zu gut. Eines Tages werden sie dir dein Kind vom Arme herabnehmen und du wirst dich nicht getrauen, etwas dawider zu sagen. Ja ja, ich sage dies, ich wiederhole dies und werde es dir tausendmal sagen, du bist so gut, daß sie dir am Ende noch dein Kind nehmen werden. Pater Damaszenus, der sich versteckt hatte, hörte seine liebevollen Vorwürfe, ohne daß er von ihm gesehen wurde; er trat wieder in die Küche und gab ihm die Kerzen zurück, und verließ voll Verwunderung über diese lebhafte, so vertrauliche Zärtlichkeit das Kloster. Er erzählte den Vorfall dem Papste, welcher ihm gleichfalls Kerzen opferte und ihn bat, bei der heiligen Jungfrau für ihn zu beten.

Maria steht den Christen gegen die Uebermacht der Wilden bei.

Im Jahre 1535 erhoben sich die Indianer gegen die Spanier. Bei zweihundert Tausend Wilde sammelten sich bei Kapaguana und der Umgegend. Die Spanier konnten ihnen nur fünfhundert Mann entgegen stellen. Das kleine Heer der Christen war unrettbar verloren; doch der Muth verließ sie nicht. Angefeuert von mehreren Priestern des Predigerordens, welche unter ihnen sich befanden, flehten sie zu Maria, der Königin des Rosenkranzes, stellten sich feierlich unter ihren Schutz und erwarteten so den Angriff der Wilden. Da erschien plötzlich in der Luft, sowohl den Indianern als den Spaniern sichtbar, die allerseligste Jungfrau, ganz so gestaltet, wie ihr Bild zu Lima. Sie hielt eine Ruthe in der Hand, welche sie drohend gegen die Wilden wendete. Entsetzen ergriff die Indianer; sie warfen ihre Waffen weg, baten um Frieden und wurden Christen. Dieses wunderbare Ereigniß verbreitete sich schnell und weit im Lande und von dieser Zeit an nahm die Verehrung des Bildes in der Rosenkranzkapelle im ganzen Königreiche (Peru) immer mehr zu.

Maria ist der beste Arzt.

Als der Papst eines Tages im Kloster des seligen Krispin die Messe hörte, bekam einer seiner Kämmerer heftige Schmerzen im Unterleibe, daß er genöthigt war, die Kirche zu verlassen. Er litt oft an diesem Uebel, ohne daß ihn die Aerzte heilen konnten. Er begegnete dem Bruder Krispin, der, gerührt von seinem Leiden, ihn zu seinem Altar führte, eine von den der heiligen Jungfrau geopferten Blumen nehmen ließ und von seiner Krankheit ihn für immer befreite. Als der Leibarzt des Papstes von dieser Heilung hörte, sagte er zu Krispin: Deine Heilmittel haben mehr Kraft, als die meinigen. Herr, entgegnete Krispin, ihr seid ein geschickter Arzt und ganz Rom kennt euch als solchen, aber die heilige Jungfrau ist noch geschickter als Ihr und alle Aerzte der Welt.

Maria rettet vom gewissen Tode in Folge eines Gelübdes.

Der Pfalzgraf Otto, Herzog von Baiern, wurde von Papst Innocenz IV. in den Bann gethan. Er übergab seine feste Burg dem Ritter Zorno. Dieser verbreitete Mord und Raub in der ganzen Gegend. Da Otto alle Geistlichen haßte, schadete Zorno besonders dem Gebiete der Bischöfe von Trier und Köln, so daß diese endlich die feste Burg belagerten. Zorno hatte schon seit Jahr und Tag einen jungen Ritter mit Zwang zurückgehalten. Als nun die Belagerung begann, suchte er zu entfliehen, wurde aber dem Zorno verrathen. Dieser ließ eine Maschine auf der Spitze des Thurmes erbauen, um ihn mittelst derselben in´s feindliche Lager hinüber zu schleudern. Bitten und Versprechungen halfen nicht. Der Ritter beichtete und kommunizirte und machte das Gelübde, der allerseligsten Jungfrau eine Kapelle zu bauen, wenn sie ihm das Leben rette. Als der Erzbischof und die Geistlichen im Lager sahen, wie er auf die Wurfmaschine gelegt ward, fielen sie auf die Kniee und flehten zu Maria um Schutz und Rettung für den Unglücklichen. Der entscheidende Augenblick nahte heran. Der Ritter wäre unfehlbar verloren gewesen, hätte die Maschine nur ein wenig stärker oder schwächer gewirkt; so aber wurde er in´s Gebüsch geworfen und konnte sich am Gesträuche erhalten. Zorno sah zähneknirschend, daß seine Absicht vereitelt sei. Man kam dem Ritter zu Hilfe. Er wurde zum Erzbischofe geführt und gab ihm Auskunft über den Zustand der Burg, die bald darauf erstürmt wurde. Der Jüngling erfüllte sein Gelübde und baute an der Stelle, wo er niedergefallen war, zu Ehren Mariä eine Kapelle.

Maria schützt selbst Thiere, die bei ihr Zuflucht suchen.

Churfürst Maximilian III. von Baiern hielt einst bei Planegg im Eichenwalde, wo eine Wallfahrtskirche stand, eine Treibjagd. Lange ward ein Hirsch verfolgt, aber vergebens. Derselbe kam athemlos in die Gegend der Kirche, Hunde und Jäger hinter ihm. Dem armen Thiere blieb in der Todesangst Nichts übrig, als sich in einem eingezäunten Winkel der Muttergotteskapelle zu verstecken und sein Schicksal abzuwarten. Die zahlreichen Hunde witterten den Flüchtling bald, die Jäger folgten eiligst, an ihrer Spitze der Churfürst selbst. Betroffen von dem Anblicke des bei Maria Schutz suchenden Hirschen, befahl er augenblicklich abzulassen, dem geängsteten Thiere kein Leid zu thun und ihm die Freiheit zu schenken. Der Gutsherr von Planegg ließ zum ewigen Gedächtniß am Verstecke des Hirsches eine Gedächtnißtafel aufhängen, auf welcher das ganze Ereigniß erzählt wurde.

Strafe eines Frevlers an einer Marienkapelle.

Als die Türken 1695 die Marienkapelle in Radna mit brennenden Pfeilen anzündeten, die brennenden Schindeln aber in´s türkische Lager zurückflogen und dort großen Schaden anrichteten, ritt ein Türke zu der Kapelle, in der Absicht, sie noch einmal anzuzünden und ganz zu verbrennen. Aber die Füße seines Pferdes versanken in einen harten Stein, wie in weichem Kothe, so tief, daß der Reiter nicht mehr von der Stelle konnte. Noch ist der Stein mit den Fußstapfen des Pferdes an der südlichen Seite der Kirche zu sehen.

Maria ist gütig gegen die Ungläubigen, um so mehr gegen die Christen.

Der ehrwürdige Arnold, Abt zu Lübek, erzählte, daß er nahe bei Damaskus eine Muttergotteskirche getroffen habe. Hinter dem Hochaltare ist ein hölzernes Marienbild, von dem in ein krystallenes Gefäß ein Saft abtropft, der dem Oele gleicht und wohlriechender ist, als Balsam. Dieser Saft heilt Krankheiten bei Christen und Türken. Der Sultan von Damaskus, welcher ein Auge verloren, ließ sich in diese Kirche tragen, rief mit Ehrfurcht Maria an, öffnete das Auge und sah so klar, als jemals. Alle Umstehenden staunten hierüber und sagten Jesu Christo und seiner heiligen Mutter Dank. Zum Danke stiftete der Sultan jährlich ein gewissen Quantum Oel, um die Lampen zu unterhalten.

Wer sich der Verehrung Mariä widersetzt, wird krank.

Der gottselige Eberhard baute mit Bewilligung des Erzbischofs von Sirk eine Marienkirche. Um diese Zeit sandte Papst Nikolaus V. den Kardinal Nikolaus von Kusa nach Deutschland. Dieser hatte von der Marienkirche keine gute Meinung; er tadelte den Erzbischof öffentlich wegen der gegebenen Bewilligung und verbot den Bau der Kirche fortzusetzen. In Aachen wurde der Kardinal gefährlich krank. Da die Krankheit zunahm, wagte es seine Schwester, die sich bei ihm befand, die Sache des frommen Eberhard zu vertheidigen, und sagte zu ihm, Eberhard sei Unrecht geschehen; er gehöre nicht unter die Zahl jener Betrüger, welche unter dem Deckmantel marianischer Wunder das Volk täuschen und böse Künste treiben; vielmehr bezeuge die Stimme des Volkes, daß Eberhard ein einfältiger und treuer Diener Mariä sei; es scheine, daß er, der Kardinal, die Mutter Gottes selbst beleidigt habe. Der Kardinal entgegnete betroffen: Meine Schwester, du sprichst meine Gedanken aus, die mich sehr beängstigen. Eile schnell und überbring´ Eberhard meinen Befehl, er soll den Bau nach Belieben fortsetzen, meine Begünstigung und Hilfe soll ihm nicht fehlen. Kaum hatte der Kardinal ausgeredet, als die Krankheit ihn verließ und er zur Bewunderung aller Anwesenden gesund sich erhob. Eberhard setzte den Bau fort und die neue Kirche wurde am Feste Mariä Verkündigung vom Erzbischof eingeweiht.

Maria will, daß der Rosenkranz fleißig gebetet werde.

Der selige Alanus de Rupe, ein Dominikaner, schien nur ein Herz zu haben, um Maria zu lieben, und eine Zunge, sie zu preisen und ihre Ehre zu vertheidigen. Er war ein gewaltiger Prediger seiner Zeit und von Gott und der heiligen Jungfrau berufen, die Andacht des Rosenkranzes, welche unter dem Volke abzunehmen anfing, wieder zu erneuern und den Eifer dafür wieder anzufachen. Deßhalb erschien ihm auch Maria und befahl ihm, daß er die Gleichgültigkeit gegen dieses heilige Gebet bekämpfen und die Bruderschaften des heiligen Rosenkranzes überall errichten solle. In Gegenwart ihres göttlichen Sohnes legte sie ihm einen Rosenkranz um den Hals. Alanus gehorchte und that Alles, um das schöne heilsame Gebet des Rosenkranzes überallhin zu verbreiten, in Ehren zu bringen und Bruderschaften zu errichten.

Maria will, daß man die ihr gemachten Gelübde löse.

Im Jahre 1626 wurde ein tapferer Offizier so gefährlich am Arme verwundet, daß die Kunst der Aerzte fruchtlos blieb und der Arm erstarb. Nun wußten sie keinen Rath, als den Arm abzunehmen. Dem widersetzte sich der Kranke, der erklärte, lieber sterben zu wollen, als sich verstümmeln zu lassen. Nun aber wandte er sich an die allerseligste Jungfrau, die er von Jugend an verehrte, und gelobte ihr, eine silberne Hand vor ihrem Gnadenbilde aufzuhängen und in ihre Kirche nach Eberhardsklausen zu wallfahrten, wenn sie ihn erhöre. Da regte sich wieder Leben im erstorbenen Arme, die Geschwulst verschwand, das Blut nahm seinen natürlichen Lauf. Aber nun vergaß der Geheilte, sein Versprechen zu erfüllen, und machte eine Reise nach Spanien, ohne Eberhardsklausen gesehen zu haben. Aber ein schrecklicher Sturmwind schien den unfehlbaren Untergang des Schiffes herbeiführen zu wollen und nun erkannte er seine sträfliche Nachlässigkeit und hielt sie für die alleinige Ursache des drohenden Unglücks. Sofort erneuerte er sein Gelübde und versprach zugleich Buße und Besserung des Lebens, wenn ihm Rettung gewährt würde. Zum Zweitenmale wurde er erhört, der Sturm schwieg und die ganze Schiffsmannschaft wünschte nun aus Dankbarkeit die Wallfahrt nach Eberhardsklausen mit dem Offizier zu machen. Dieser eilte nach vollendeten Geschäften geraden Weges nach der Gnadenkapelle und erfüllte nach bestem Willen sein doppeltes Gelübde.

Im Jahre 1766 wurde ein Fleischhauer in Schlaggenwald von einer solchen Melancholie befallen, daß er öfters mit dem Gedanken umging, sich zu ermorden. Man mußte ihn unter Aufsicht halten. Endlich gelang es ihm doch einmal, zu entkommen, und er irrte drei Tage und Nächte in den Wäldern herum, mit dem Vorhaben, sich in´s Wasser zu stürzen. Auf seiner Irrfahrt kam er in ein Dorf, wo er hörte, daß der Wallfahrtsort Maria Stock nicht sehr weit entfernt sei. Für diesen Ort hatte er schon lange ein unbegrenztes Vertrauen in seiner Brust getragen und es durchzuckte der lichte Gedanke sein nachtumhülltes Gemüth, dorthin zu gehen und seine Zuflucht zu Maria zu nehmen. Wirklich verfügte er sich an den genannten Gnadenort und wohnte einer heiligen Messe bei. Nach der Wandlung verspürte er plötzlich eine Umänderung seines Innern, die düsteren Nebel des Trübsinns und der Verzweiflung zerstoben, Klarheit und Ruhe des Gemüthes war mit Einemmale zurückgekehrt.

Ein Marienbild wendet die Augen umher; Zweck dieses Wunders.

Die Stadt Ankona besitzt seit zwei Jahrhunderten ein berühmtes Muttergottesbild. Alle Samstage versammelt sich das Volk in dieser Kirche, um vor diesem Bilde die lauretanische Litanei zu beten. An einem Samstage, es war der 25. Juni 1796, war wieder eine große Anzahl Andächtiger vor dem Muttergottesbilde versammelt, um die Himmelskönigin in jener bedrängten Zeit um Hilfe anzurufen. Als sie so auf ihren Knieen lagen, Herz und Auge auf das Bild gerichtet, bemerkten Einige, nachher auch die Uebrigen, daß die Augen des Bildes, welche halb geschlossen und bescheiden abwärts gerichtet waren, zu widerholten Malen sich öffneten, die Augäpfel aufwärts blickten, dann abwärts, nach rechts und links lebhaft den Blick richteten.

Bald verbreitete sich die Kunde von diesem Wunder und schaarenweise strömten die Bewohner von Ankona herbei, um dasselbe zu betrachten. Jene ganze Nacht und die folgenden vierzehn Tage blieb die Kirche offen, um das fromme Verlangen der Gläubigen zu befriedigen. Aber nicht bloß jene vierzehn Tage, sondern mehrere Monate hindurch wiederholte sich dieses Wunder. Es wurde von der geistlichen Obrigkeit eine förmliche und genaue Untersuchung eingeleitet, aus welcher sich ergab, daß mehr als achtzigtausend Personen von nahe und ferne und aus den verschiedensten Ständen Zeugen des Wunders waren. Der Eindruck, den ein so deutliches, so lange Zeit hindurch und von so vielen Personen beobachtetes Wunder auf die Gemüther machte, läßt sich nicht mit Worten beschreiben.

Am 23. Jänner 1797, bis zu welcher Zeit das Wunder gedauert hat, beschloß der Magistrat von Ankona in öffentlicher Sitzung einstimmig: daß jedes Jahr am 25. Juni, zu der Stunde, in welcher das wunderbare Ereigniß zum Erstenmale stattgefunden hat, mit allen Glocken geläutet werde; daß die Nacht vom 25. auf den 26. Juni die Häuser der Stadt beleuchtet werden; daß man eine silberne Lampe opfere und auf Kosten der Stadt das ewige Licht vor dem Gnadenbilde unterhalten werde; endlich daß am Samstage in der Fastnachtszeit, weil das Wunder an einem Samstage angefangen hatte, keine Bälle, Tänze, Theatervorstellungen und andere ähnliche Lustbarkeiten stattfinden sollen.

Auch Napoleon Bonaparte, welcher einige Monate später, als das Wunder aufgehört hatte, nach Ankona kam, wollte das wunderbare Bild sehen und ließ es sich in seinen Palast bringen. Man weiß nicht, mit welchem Blicke das Bild in jenem Augenblick den berühmten General angesehen habe; aber man bemerkte, daß er, als er das Bild betrachtete, plötzlich die Gesichtsfarbe veränderte und von Schauder ergriffen schien.

Es ist leicht begreiflich, daß von dieser Zeit an die Andacht zu Unserer Lieben Frau in Ankona bedeutend zunahm. Alle Abende wurde nun vor dem Gnadenbilde der Rosenkranz gebetet und es entstand zu ihrer Ehre eine Bruderschaft, welche den süßen Namen: Kinder Mariä, annahm. Als Papst Pius VII. aus seiner Gefangenschaft aus Frankreich zurückkehrte, verweilte er einige Zeit in Ankona, um das Gnadenbild zu verehren, und krönte dasselbe am 13. Mai 1814, indem er ihm eine sehr schöne Krone von Gold, mit Brillanten, Perlen und andern kostbaren Steinen besetzt, mit eigener Hand aufsetzte.

Dasselbe Wunder, welches zu Ankona am Muttergottesbilde in der Kirche zum heiligen Cyriakus stattgefunden, ereignete sich um dieselbe Zeit auch in Rom an mehreren Bildnissen Unserer Lieben Frau. Hunderte von Augen waren stets auf die Bilder gerichtet, um in lautloser Stille die Bewegung der Augen zu sehen. Erfolgte dieselbe, so schrieen Alle: Siehe! siehe! Es lebe Maria! Barmherzigkeit, heiligste Jungfrau! Gewöhnlich bei den Worten der Litanei: Heilige Maria! begann die wunderbare Bewegung der Augen.

Die Absicht Gottes bei diesen so offenbaren und so zahlreichen Wundern war ohne Zweifel, die Andacht des Volkes und besonders das Vertrauen zur Mutter Gottes von Neuem zu wecken und zu beleben, und dadurch auch Besserung seiner Sitten zu bewirken. Und dieser Zweck wurde auch erreicht. Rom war seit dieser Zeit wie umgewandelt. Ueberall begegnete man Schaaren von Andächtigen, welche den Rosenkranz beteten, Litaneien und andere geistliche Lieder zu Ehren der Mutter Gottes mit einer Innigkeit sangen, die zu Thränen rührte. Nicht bloß bei Tage, sondern auch bei Nacht lag man vor den Marienbildern, welche in Rom häufig außen an den Häusern angebracht sind, auf den Knieen, so zwar, daß die geistlichen Oberen, um etwaige Mißbräuche zu verhüten, dem Eifer der Gläubigen Einhalt thun und sie ermahnen mußten, diese nächtlichen Andachtsübungen auf den Straßen zu beschränken. Mit der äußeren Andacht hielt auch die innere Umwandlung der Sitten gleichen Schritt; fremdes Gut wurde zurückgegeben; Waffen und Mordwerkzeuge wurden massenweise abgeliefert; vieljährige Feindschaften aufgegeben; öffentliche Aergernisse gutgemacht – kein weltliches Lied, kein ungeziemendes Wort, keine Gotteslästerungen wurden in jenen Tagen mehr gehört. Jeder wünschte, daß dieser Zustand ein dauernder sein möchte. O wie wunderbar ist Gott in seinen Führungen!

Maria täuscht das Vertrauen auch in zeitlichen Dingen nicht.

Die gute Mutter Maria Theresia stiftete ein Kloster zur Aufnahme gefallener Mädchen und stellte es  unter den Schutz Gottes, Mariä und des heiligen Joseph. Als sich die Zahl der Büßerinnen mehrte, sah sie sich gezwungen, neue Wohnungen zu bauen und die alten zu verbessern; allein die Mittel hiezu fehlten. Sie ließ die Arbeitsleute kommen und akkordirte mit ihnen, gestand ihnen aber, daß sie jetzt kein Geld habe, jedoch suchen würde, zur rechten Zeit zu bezahlen. Die Werkleute nahmen den Vorschlag an und arbeiteten unter ihrer Aufsicht. Sie war nicht im Geringsten beunruhigt über die künftige Bezahlung der Baurechnungen. Mit kindlichem Vertrauen legte sie die geschriebenen Bauanschläge zu den Füßen des Marienbildes nieder, das in der Hauskapelle stand, in der Hoffnung, daß die Mutter der Barmherzigkeit sich ihrer Sache annehmen werde. Ihre Hoffnung ward auch niemals getäuscht, und die Arbeiter empfingen ihren Lohn stets zur rechten Zeit. Hiebei war es allzeit ihre erste Sorge, das nothwendige Getreide und die Arbeiter zuerst zu bezahlen. Um ihre Dankbarkeit gegen die Mutter Gottes zu bezeugen, legte sie allzeit die bezahlten Rechungsscheine wieder zu den Füßen des Liebfrauenbildes nieder. Sie wollte dadurch zu erkennen geben, daß sie durch die Güte der Gottesmutter jene Hilfsmittel erhalten habe, die sie in den Stand setzten, ihre Schulden bezahlen zu können.

Maria wird selbst von unvernünftigen Thieren erkannt, geliebt und geehrt.

Der heilige Joseph von Kopertino war ein zärtlicher Liebhaber und Verehrer der allerseligsten Jungfrau. Zum Lobe dieser seiner Mutter rief er in Ermanglung der Menschen sogar die unvernünftigen Thiere zusammen. am Samstage pflegte Joseph bei der Marienkapelle zu Grotella die Hirten der Umgegend zusammen zu rufen und mit ihnen die Litanei zur Mutter Gottes zu beten. Eines Samstages, als die Hirten wegen der Ernte im Felde zu sehr beschäftigt waren, und also nicht an jener Kapelle zur bestimmten Stunde sich einfanden, rief Joseph den in der Gegend umher weidenden Schafen zu: So kommt denn ihr hieher, die Mutter meines und eures Gottes zu loben! Und siehe Wunder! Auf diesen Ruf kamen sie eiligst von nahe und fernen Hürden und Weiden zahlreich und munter dahergehüpft, ohne auf die Stimme der ihnen nacheilenden und sie zurückrufenden Hirtenknaben zu hören und versammelten sich sofort wundersam um den Heiligen an der Muttergotteskapelle. Nun begann Joseph die Litanei und betete vor: Heilige Maria! Heilige Gottesgebärerin! u. s. w. Und die Schäflein antworteten jedesmal durch ein sittsames und ehrerbietiges Blöcken und setzten dieses fort bis zum Ende der Litanei. Am Schlusse ertheilte ihnen der Heilige den Segen und entließ sie; und die Thierchen eilten mit munteren Sprüngen zu ihren Weideplätzen zurück.

Ein Verehrer Mariä wegen seiner Liebe zu ihr gemartert.

Der heilige Martyrer Gerulf ward in einem Dorfe bei Gent in Flandern von edlen Aeltern geboren und machte sich von seiner Kindheit an durch seine Andacht zur Mutter Gottes des Martyrthums würdig. Als er das heilige Sakrament der Firmung empfangen hatte, kehrte er in Begleitung seines Firmpathen in seine Heimath zurück. Der Weg führte durch Drongen, wo eine berühmte der allerseligsten Jungfrau geweihte Kapelle war. Während der Firmpathe sich mit Speis und Trank erquickte, bat Gerulf denselben, ihn in die Kapelle gehen zu lassen. Nur ungern und unwillig gab dieser die Erlaubniß, denn er war ein Mann, dem die Frömmigkeit des Jünglings verhaßt war. Gerulf blieb längere Zeit in der Kapelle und betete dort mit kindlicher Andacht zur allerseligsten Jungfrau. Nachdem er die Kapelle verlassen hatte, bestiegen Beide ihre Pferde und setzten ihre Reise fort. Auf dem Wege kam dem Firmpathen, dessen Herz vor Wuth über die Andacht des frommen Jünglings kochte, der teuflische Gedanke, denselben zu ermorden. Vergeblich flehte der erschreckte Jüngling um sein Leben, vergeblich drohte er ihm mit der Rache des Himmels; der Firmpathe, wie vom Teufel besessen, stieß ihm sein Schwert in den Leib, stürzte ihn vom Pferde und ließ ihn halbtodt liegen. Mittlerweile lief das ledige Pferd zu dem Hause seiner Aeltern. Als die Mutter das blutige Pferd sah, ward sie sogleich von der schrecklichen Ahnung ergriffen, ihr Sohn müsse ermordet worden sein. Sogleich machte sich der Vater mit den Hausgenossen auf den Weg, um ihn zu suchen. Und siehe, das Pferd lief vor ihnen her und zeigte ihnen den Weg. So fanden sie den Jüngling auf der Straße in seinem Blute liegen, und doch  war er noch im Stande, seinen Wunsch auszudrücken, seine Aeltern möchten ihn in der Muttergotteskapelle zu Drongen begraben. Auch bat er sie, sein Erbgut für den Dienst des Altares der allerseligsten Jungfrau zu bestimmen und sein Pferd dem Priester zu schenken, der den Gottesdienst in der Kapelle besorge. In diesen frommen Gesinnungen gegen die Gottesmutter starb der heilige Jüngling. Doch die Aeltern, deren Herz zu sehr an dem Irdischen hing, erfüllten aus Geiz den letzten Willen ihres heiligen Sohnes nicht. Sie gaben sein Erbgut nicht heraus und seinen Leib ließen sie in der Kirche der heiligen Radegundis begraben. Blinde, Taube und Stumme fanden Heilung und oft fingen die Lichter von selbst zu brennen an, obschon man sie nicht anzündete. Nach einiger Zeit erschien der heilige Jüngling dem Priester Lambert und begehrte von ihm, daß sein Leib in die Kapelle der heiligen Jungfrau zu Drongen übersetzt werden sollte; was auch nach wiederholten Erscheinungen und Mahnungen auf die feierlichste Weise geschah. So ruht nun sein heiliger Leib zu den Füßen Derjenigen, welcher er sein unschuldiges Leben geopfert hat.

Bekehrung eines Offiziers durch das Trinken des wunderthätigen Wassers zu Salette.

An einem schönen Frühlingstage im Jahre 1854 bestieg ein junger Offizier vom Generalstab den Berg la Salette, worauf eine Marienkirche steht. Ein frommer Gedank war es nicht, der ihn herführte; denn seit langer Zeit war er nur noch dem Namen nach Christ. Aber als er durch Korps passirte, hörte er von der Wallfahrt reden, sah die vielen Pilger vorüberziehen und entschloß sich, gleichfalls hinzugehen. Als der junge Kriegsmann auf der Hochebene angekommen war, ließ er erstaunt seine Blicke umherschweifen und konnte durchaus nicht begreifen, wodurch diese Einöde, wo Nichts zu seinem Herzen oder zu seiner Einbildungskraft spreche, ihre Berühmtheit erlangt habe, er fragte sich, was ihn wohl für die Mühe einer so beschwerlichen Bergreise entschädigen könne. Bald schickte er sich in der Langeweile an, wieder hinabzusteigen; doch glaubte er, als wahrer französischer Ritter, zuvor noch eine Pflicht der Höflichkeit erfüllen zu müssen, und wollte dem Superior der Missionäre seinen Besuch machen. Er kam wirklich zu ihm und sagte: Hochwürdiger Herr! die Neugierde hat mich auf den Berg geführt. Ich bin erst eine Stunde hier; da ich aber Nichts sehe, was mich länger zurückhalten könnte, so will ich sogleich wieder nach Korps hinabsteigen. Gleichwohl habe ich nicht fortgehen wollen, ohne dem Vorsteher dieses Hauses meine Ehrfurcht zu bezeigen, und dieß ist auch der Zweck meines Besuches. Nach einer etwa zehn Minuten dauernden Unterhaltung über gleichgültige Dinge stand der Offizier auf, um sich zu verabschieden. Da sagte der Superior zu ihm: Mein Herr, haben Sie auch Alles gesehen, was die Pilger auf disem Berg interessiren kann? – Ich denke schon, hochwürdiger Herr. - Haben Sie also die Wunderquelle schon gesehen? – Die Wunderquelle, nein, ich wußte sie nicht; wo ist denn diese Quelle? – Hier unten, sehen Sie, mein Herr! Und dabei zeigte er ihm vom Fenster aus die Schlucht, wo die Marienquelle fließt. – Glauben Sie mir, setzte er bei, verlassen Sie ja unsern Berg nicht, ohne diesen kleinen Brunnen besucht zu haben. Thun Sie noch mehr, ich bitte Sie darum, trinken Sie mir zu Gefallen ein Glas von diesem wunderbaren Wasser; es hat noch Niemandem etwas geschadet, Vielen dagegen, das kann ich Sie versichern, hat es sehr wohl bekommen. – Wenn ich Ihnen dieß Vergnügen machen kann, mein Herr, so will ich ein Glas von diesem Wasser trinken. Der junge Mann verließ den Superior, indem er ihn mit der größten Artigkeit grüßte.

Er (der Superior) unterließ absichtlich, auf seine weiteren Schritte zu achten, und glaubte, er (der Offizier) sei schon lange abgereist, als ihm gegen Abend Jemand meldete: Ein Stabsoffizier, der schon seit dem Morgen wider seinen Willen auf dem Berg zurückgehalten werde, wo er nur eine Stunde habe bleiben wollen, liege in Thränen gebadet in der Kapelle vor dem Bild der Mutter Gottes auf den Knieen und von der Gnade besiegt, verlange er, daß ihn der Superior Beicht höre. Man kann sich denken, welche Antwort dieser gab und welche Freude sein Herz durchströmte, als er diesen armen verlornen Sohn bei ihm eintreten sah. Mein Vater, sagte er zu ihm, indem er demüthig die Augen niederschlug; Sie sehen einen großen Sünder vor sich! Ach, wie schwer ist die Last, welche mich drückt! Ich muß sie abladen! denn jenes Glas Wasser, mein Vater, das ich, um mein Versprechen zu lösen, an der Quelle getrunken habe, jenes Glas Wasser hat mein ganzes Wesen umgewandelt und ich kann nicht mehr leben, ohne mit Gott meinen Frieden geschlossen zu haben. Die demüthigste, von der aufrichtigsten Reue begleitete Beichte beschloß diesen Tag. Am folgenden sah er seinen jungen Stabsoffizier, auf dessen Brust das Ehrenkreuz glänzte, am heiligen Tische knieen und Liebesthränen flossen über seine Wangen herab, als seine vor Rührung zitternden Hände den heiligen Leib Jesu auf seine Lippen legten. Einige Stunden später reiste er ab, das Herz voll Freude und Dankbarkeit, und seine Bekehrung war ebenso dauerhaft, als sie aufrichtig gewesen. Zu tapfer, um menschliche Rücksichten zu scheuen, bekannte er sie ohne Furcht, als er bei seinem Regimente ankam, dessen Apostel er geworden, wie er dessen Vorbild ist. Ein Jesuitenpater, welcher ein Jahr später auf den heiligen Berg kam, erfreute das Herz des Superiors, indem er sagte: Ihr junger Offizier, M. N., dient der ganzen Stadt zur Erbauung. Er ist ein wahrhafter Missionär der unter seinen Waffengefährten tausendmal mehr Gutes stiftet, als wir zu stiften vermöchten.

Maria bekehrt eine große Sünderin.

Einer Schaar von Wallfahrern auf den Berg La Salette schloß sich eine jener liederlichen Dirnen an, die die Schande ihrer Familie und das Aergerniß der Gläubigen sind. Das arme Mädchen! Mit welchen Gewissenbissen hatte sie sich den Genuß ihrer Schande erkauft? Wie viel Elend hatte sie erduldet, sich die Freiheit ihres Lasters zu bewahren? Sie wurde auch heute von den Wallfahrern ausgestoßen, aber schweigend folgte sie ihnen, so nahe sie konnte. Es trieb und drängte sie etwas. Wie die Uebrigen wollte sie auch aus der Wunderquelle trinken; aber als sie sich ihr näherte, und das Glas an ihre Lippen setzen wollte, bemerkte sie im Wasser schwimmend eine taube Aehre. Sie ergriff sie und steckte sie schnell in ihren Busen. Niemand bemerkte etwas, nun aber entfielen große Tropfen ihren Augen. Ja, sie brach in Schluchzen und Weinen aus; sie bekannte sich schuldvoll und unglücklich und verlangte zu beichten, denn gereinigt wollte sie vom Berge hinabsteigen und eine würdige Magd Mariä werden. Ein kluger Priester rieth ihr, zuzuwarten, bis sie wieder in ihr Dorf zurückgekehrt sei. Sie folgte dem Rathe, und seitdem führt sie einen regelmäßigen Lebenswandel, ist fromm und erbauend. Die taube Aehre ist fruchtbar geworden.

Maria schützt eine christliche Jungfrau gegen die teuflischen Nachstellungen eines Zauberers.

Zu Antiochia lebte um das Jahr 303 ein junger Mensch, Namens Cyprian, dessen Aeltern sehr abergläubisch waren und die ihn in allen Geheimnissen der Zauberei unterrichten ließen. Um seine teuflischen Kenntnisse zu erweitern, machte er verschiedene Reisen zu solchen Orten, die durch ihre höllischen Künste berühmt waren, gab sich dann allen Lastern hin und ergoß sich bei jeder Gelegenheit in gottlose Schmähungen gegen die christliche Religion. Er erwürgte mehrere Kinder, um ihr Blut dem Teufel zu opfern. Besonders wandte er seine teuflische Wissenschaft an, um Jungfrauen zu verführen. Gegen christliche Jungfrauen blieben aber seine teuflischen Künste kraftlos. Um dieselbe Zeit lebte zu Antiochia eine durch Geburt und Schönheit ausgezeichnete Jungfrau, Namens Justina. Ihre Aeltern waren Götzendiener, sie aber hatte das Glück, Jesum zu bekennen, und ihre Bekehrung zog auch die ihrer Familie nach sich. Cyprian sah diese Jungfrau, entbrannte gegen sie in wilder Lust, und suchte sie durch seine Zaubermittel für sich zu gewinnen. Justina ward heftig versucht; sie ward von so großen Anfechtungen gequält, daß ihr aller Widerstand unmöglich schien. In dieser äußersten Gefahr erhob sie ihre Augen zum Himmel und rief mit thränenvollen Augen den Schutz und Beistand Mariä an. Die Mutter der Barmherzigkeit, die auch die größten Sünder nicht zurückweiset, welche bei ihr Zuflucht suchen, zögerte nicht, ihrer Dienerin beizustehen. Sie erhörte nicht bloß ihre Gebete, indem sie alle Geister der Finsterniß und Unlauterkeit, die ihre unschuldige Seele bestürmten, in einem Augenblicke zurückschlug, sondern erhielt ihr auch mit wahrhaft königlicher Güte die Gnade einer vollkommenen und beständigen Keuschheit bis zum Ende ihres Lebens. Ueberdieß erlangte sie von ihrem göttlichen Sohne jenem Elenden, der Justina in´s Verderben zu stürzen suchte, die Bekehrung; denn er erkannte das Unvermögen der höllischen Geister, schwur der unglückseligen Gemeinschaft mit ihnen ab und verlangte selbst ein Christ zu werden. Cyprian wurde getauft. Die heilige Justina ward durch diese göttliche Barmherzigkeit so ergriffen, daß sie sich die Haare abschneiden ließ, Gott ihre Jungfrauschaft zum Opfer brachte und Alles, was sie besaß, unter die Armen vertheilte. Unter dem Kaiser Diokletian wurden Beide durch das Beil hingerichtet und starben als Martyrer.

Ein beraubtes Marienbild blutet, der Frevler stirbt.

In der Stadt Bingen befindet sich ein berühmtes Marienbild. Einst wurde diese Stadt belagert und geplündert. Die Plünderer kamen auch in die Kirche und einer derselben begann mit einem Dolche die Steine aus der Krone des Marienbildes auszugraben. Was machst du, Nichtswürdiger, was machst du? schalt ihn sein Mitgesell; halt ein, hüte dich, zu berauben die Mutter der Barmherzigkeit, durch die allein nächst Gott und nichts anders, uns Heil widerfährt, sollte es uns ja zu Theil werden! Doch taub gegen solche Ermahnungen, riß der Tempelräuber sämmtliche vier Steine aus der Krone heraus. Sodann brach er mit verruchter Verwegenheit auch den fünften aus der Brust des Bildes heraus. Doch siehe, sobald er die Brust mit dem Dolche zu verletzen gewagt, fing das Bild allenthalben an zu schwitzen. Obgleich beim Anblick des Wunders etwas erschrocken, ließ dennoch der Frevler von dem begonnenen Werke nicht ab. Er brach den Stein aus der Brust. Und siehe, aus der Wunde strömte plötzlich Blut mit Milch vermischt in großer Fülle. Grauenhafter Schauer überfiel bei diesem Anblicke den Frevler. Vom Altare herabspringend holte er Staub vom Boden und versuchte, des Bildes Wunde zu verstopfen. Vergebens. Die Blutquelle strömte immer stärker. Da faßte Höllenangst den Frevler. Unverweilt floh er aus der Kirche. Entsetzen, Verzweiflung jagten ihn an den Nahefluß, er stürzte sich in die Fluth und ertrank. Das rinnende Blut sammelte ein Priester zur ewigen Erinnerung in ein Glas, und bewahrte es als heilige Reliquie auf.

Fortsetzung folgt auf Maria 3

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