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Ehmig: Gleichnisse

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Maria 3

24.3.2016
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Maria. Seiten 413-460.

Maria, 1. TeilMaria, 2. Teil

Maria, 3. Teil.

Maria bei ihren Lebzeiten vom heiligen Dionysius gesehen und Eindruck auf ihn.

Der heilige Dionysius, Bischof und Martyrer zu Athen, ein Schüler des Apostels Paulus, hatte von diesem Vieles über die gebenedeite Mutter Jesu gehört. Begierig, ihr holdestes Angesicht zu schauen und mit ihr zu reden, reiste er deßhalb nach Jerusalem. Nach seiner Rückkehr ward er des Glaubens wegen in´s Gefängniß geworfen. Aus dem Gefängnis schrieb er folgenden Brief an Paulus, um ihm seine Zusammenkunft mit der Mutter Gottes zu schildern und von den Eindrücken Rechenschaft zu geben, die sie auf ihn gemacht hatte. „Ich schätze mich unendlich glücklich, daß mir von der göttlichen Güte die Gnade verliehen worden, die Mutter unseres Herrn Jesu Christi, welche alle himmlischen Geister an Heiligkeit weit übertrifft, und Gott so ähnlich ist, als je ein Geschöpf sein kann, mit meinen Augen zu sehen. Da mich der heilige Johannes, dieser Fürst der Evangelisten und Propheten, zu dieser unvergleichlichen Jungfrau geführt hatte, fühlte ich mich äußerlich und innerlich von einem so wunderbaren Lichte umgeben und durchdrungen und von einer solchen Anmuth und Süßigkeit durchströmt, daß ich das Uebermaß der Glückseligkeit in meinem schwachen Leibe nicht ertragen zu können glaubte und fast in Ohnmacht dahin sank. Ich rufe daher Gott zum Zeugen an, dessen Gegenwart die heiligste Jungfrau erfüllte, daß ich sie selbst für den wahren Gott gehalten hätte, wäre ich nicht durch Deine Lehre eines Andern unterrichtet gewesen; denn Nichts scheint mir diese Herrlichkeit und Glückseligkeit zu übersteigen, deren unwürdiger und überglücklicher Zeuge ich gewesen. Dank sei dafür dem allmächtigen Gott, der unvergleichlichen Jungfrau, dem großen Apostel Johannes und Dir, Paulus, der Du mir so kostbare Gaben zugewendet. Lebe wohl!“ Der heilige Dionys hatte auch das hohe Glück, bei dem Hinscheiden der Mutter Gottes gegenwärtig zu sein.

Wer die Andacht zu Maria aufgibt, verfällt der Welt und den Lastern.

Der heilige Franz von Borgia, General des Jesuitenordens, war der allerseligsten Jungfrau mit kindlichster Liebe und mit größtem Eifer zugethan. Er wählte sie auch zur Patronin des Ordens. Absonderlich wünschte er, daß die Novizen die allerseligste Jungfrau als ihre besondere Patronin verehrten. Als er das Noviziat in Rom besuchte und vernahm, daß einige Novizen unter ihren Schutzpatronen Maria nicht nannten, ward er sehr ungehalten. Er sprach darüber mit dem Novizenmeister und gebot ihm, über ihr Heil zu wachen, indem er hinzufügte, er fürchte sehr, sie möchten im Orden nicht ausharren. Und der Erfolg zeigte klar, daß er dieß Wort nicht umsonst gesprochen. Denn man bemerkte in der Folge, daß alle diejenigen, die die Andacht zur heiligen Jungfrau vernachlässigten, ohne alle Ausnahme zuletzt die Gesellschaft verließen und sich wieder in die Welt zurückbegaben.

Maria wünscht das Ave maris stella gebetet, zum Schutz gegen geistliche und leibliche Feinde.

Nachdem die heilige Brigitta das Kloster Madsteno gestiftet und sechzig Nonnen in dasselbe geführt, zog sie auf Befehl des Herrn nach Rom, wo sie durch ihre Ermahnungen beitragen sollte, daß die Päpste, welche zum Schaden der Kirche in Avignon wohnten, nach Rom zurückkehrten. Während ihres Aufenthaltes in Rom hatte sie viele Offenbarungen, in denen die Fehler und Sünden der Bewohner dieser Stadt scharf mitgenommen wurden. Nachdem diese Offenbarungen bekannt wurden, entstand eine große Feindseligkeit gegen die Heilige, man lästerte sie, ja, man drohte ihr mit dem Tode. Sie fürchtete zwar Lästerung und Tod nicht, glaubte aber doch ihre Freunde und Hausgenossen, die mit nach Rom gegangen waren, vor Gefahren bewahren zu müssen, und wollte sich daher aus Rom eine Zeit lang entfernen. Doch Jesus und Maria versicherten sie ihres Schutzes. Die Liebe Frau erschien ihr und sprach: Mein göttlicher Sohn, der da mächtig ist über alle Menschen und Teufel und über jedes Geschöpf, hält jeden Versucht der Bosheit der Feinde zurück. Und ich will der Schild des Schutzes für dich und die Deinigen wieder alle Anläufe der geistlichen und leiblichen Feinde sein. Deshalb will ich, daß du und dein Hausgesinde alle Abende zusammenkommet und den Gesang: Ave maris stella, Gegrüßet seist du Meeresstern, singet und ich will in allen Nöhten euch Hilfe reichen.

Maria wirkt ein Wunder gegen die Bilderstürmer.

Bern in der Schweiz war dem Irrthum der Ketzer zuerst und mit fanatischem Eifer ergeben; einzig das Haslithal, tief in den Bergen gelegen, blieb dem katholischen Glauben getreu und einmüthig beschloßen die Einwohner desselben im Jahre 1528, die Religion ihrer Väter mit Gut und Blut zu schützen. Als das in Bern bekannt wurde, zog eine bewaffnete Mannschaft gegen sie. Tod oder Flucht waren die einzigen Mittel, welche den Katholiken blieben, ihre Treue zu bewahren. Die rohen Soldaten vernichteten alle Ueberreste der katholischen Religion. Das einfache Kreuz auf den Alpen, den Bildstock am Wege, die Denkmale der Heiligen in den Kirchen – Alles zerstörten die frechen Bilderstürmer. Bei einer solchen Zerstörung warf man auch ein Marienbild in´s Feuer. Schon schlugen die Flammen rings um dasselbe empor, da - o Wunder - hob sich das Bild langsam in die Höhe und blieb schwebend über dem Holzstoße in der Luft, ohne daß es von einem Gegenstande unterstützt wurde. Ein jäher Schrecken überfiel die freche Rotte, Keiner wagte auch nur seine Hand gegen das Bild zu erheben. Da eilte ein Hirtenknabe aus dem Lande Unterwalden, der von fern den Gottesraub der Soldaten und auch das Wunder gesehen, hinzu, ergriff das Bild, und ehe jene von ihrem betäubenden Schrecken sich erholten, war er damit verschwunden. Dieß Bild nahm der Knabe überall mit sich, und stellte es endlich in eine hohle Buche, woraus es sich nicht mehr entfernen ließ. Dahin zogen dann die Wallfahrer.

Maria bekehrt einen Gotteslästerer durch den Rosenkranz.

Der selige Kapuziner Ignaz von Kremona hatte eine so große Liebe zur allerseligsten Jungfrau, daß er ihr zu Ehren Gesänge dichtete, welche die zärtlichste Andacht athmen. In den vielen langen und heftigen Anfechtungen der bösen Geister war Maria seine Zuflucht und Hilfe. Absonderlich liebte er das Rosenkranzgebet und dasselbe hatte wunderbare Wirkungen, Als Ignaz sich in Como aufhielt, vernahm er, daß ein Edelmann sich so sehr an´s Fluchen gewöhnt hatte, daß er bei jedem Worte den Namen Gottes mit entsetzlicher Verachtung aussprach. Der eifrige Priester machte ihm hierüber mehrere Male Vorwürfe; als aber der Edelmann sich nicht bessern wollte, so nahm ihn Ignaz einmal auf die Seite und sagte ihm: Wir wollen einen Vertrag mit einander abschließen, der für euch sehr vorteilhaft ist: ich will jeden Tag den Rosenkranz auf Euere Meinung beten, wenn ihr mir nur versprechet, daß ihr euch jeden Tag von  irgend einem Fluche enthaltet. Der Edelmann nahm den Antrag an; Ignaz machte das Kreuzzeichen auf seinen Mund und von diesem Tage an hörte man keinen Fluch mehr über seine Lippen kommen, da der gute Priester immer fortfuhr, für ihn den Rosenkranz zu beten.

Maria schützt ein Kind gegen den Löwen durch den Rosenkranz.

Die selige Anna Alonida vom Kreuze trug schon als Kind eine große Andacht zur gebenedeiten Gottesmutter und betete zu ihrer Ehre gern den Rosenkranz. Ihre Aeltern hielten in einem Hofraume ihrer Wohnung einen Löwen gefangen. Eines Tages nun befand sich Anna, erst sechs oder sieben Jahre alt,  am Fenster, wo man in den Hof hinab sehen konnte. Da stürzte Anna, von der Dienerin nicht beachtet, mit dem Rosenkranz in der Hand zu den Füßen des Löwen, ohne sich im Geringsten zu verletzen. Das wilde, sonst so grausame Thier blieb ruhig stehen, denn Anna näherte sich ihm in kindlicher Einfalt, legte ihm ihr Rosenkränzlein auf den Hals und sprach zutraulich zu ihm: Thue mir Nichts zu leide, denn ich muß eine Klosterfrau werden. Das Thier that dem frommen Mädchen wirklich Nichts zu leid, denn Maria beschützte sie. Die erschrockenen Dienerinnen sahen, wie Anna, vom Löwen unberührt, den Hof verließ. Zur Jungfrau herangewachsen, hielt Anna ihren Vorsatz und trat in´s Kloster.

Das Bild Mariä in Eisenerz von der Natur ausgeprägt.

Im Jahre 1669 wollte eine Kommission den Bau auf Eisenerz bei dem Marktflecken Eisenärz in Steiermark aufgeben. Da brachten zwei Knappen eine Erzstufe. Es war dieß nämlich ein Stück Spateisenstein, der, als sie ihn zufällig zerschlugen, auf seinen inneren Flächen durch die natürlichen Schattirungen der Farben des Flinzes das Bild der Mutter Gottes mit dem Jesuskinde auf dem Arme darstellte. Von diesem Anblick betroffen und wie neu belebt, fanden die Gewerke einen Beweis besonderen Schutzes für den weiteren Betrieb des Bergbaues und sie fuhren nicht vergeblich fort. Es fand sich wieder genug Erz und gegenwärtig werden jährlich gegen dreihundert tausend Zentner gewonnen.

Strafe eines, die Reinheit Mariä anfeindenden Ketzers.

Zur Zeit des heiligen Hieronymus, der im Jahre 420 starb, erfrechten sich zwei gottvergessene Männer, Helvidius und Jovinian, die Ehre der Jungfräulichkeit der Mutter Gottes anzugreifen. Sogleich erhob sich der heilige Kirchenlehrer gegen diese Lästerer und kämpfte diese Verunglimpfung der reinsten Jungfrau nieder und der heilige Papst Siricius verdammte auf einer Kirchenversammlung zu Rom feierlich diese Ketzerei. Jovinian starb plötzlich bei einem Saufgelage.

Maria belohnt die Versagung eines Angenehmen, ihr zu lieb gethan.

Ein Jüngling in Mexiko hatte von einer feindseligen Person etliche vergiftete Süßigkeiten zum Geschenke erhalten. Schon war er daran, sie zu essen, denn er war ziemlich lüstern danach. Da aber eben Samstag war, so aß er sie aus Liebe zu Maria nicht, sondern sparte sie auf den kommenden Sonntag. Am Sonntage griff er wirklich zu den Leckerbissen, sie zu essen, aber – da waren sie schon verdorben. Hierüber bedenklich, untersuchte er die Ursachen der schnellen Verwesung und fand das verborgene Gift.

Die Verehrung Mariä gewährt Trost im Leiden.

Die gottselige Lucia war eine Spanierin, verehelicht und hatte das große Unglück, nach dem Tode ihres Gatten in die Hände der ungläubigen Mauren zu fallen, welche dazumal das Königreich Granada in Spanien erobert hatten. Als man sie gefangen fortschleppte, war sie gerade in gesegneten Umständen. Sie fiel in die Hände eines grausamen Herrn, dem sie die härtesten Sklavendienste verrichten mußte. Obgleich alles menschlichen Trostes beraubt, konnte sie doch der Mutter Gottes ihr Leid klagen und wenn sie den Rosenkranz zu ihrer Ehre beten konnte, dann fand sie sich immer wunderbar aufgerichtet und gestärkt. Gerade in der Christnacht lag sie im Stalle bei dem Viehe in schweren Kindesnöthen. Niemand war bei ihr, alle Hilfe war ihr versagt Da wandte sie sich denn wieder mit kindlichem Vertrauen zur Himmelskönigin und siehe da, die gütigste Mutter erschien, linderte ihre Schmerzen und Lucia brachte glücklich ein Kind zur Welt. Doch wer soll den Knaben taufen? Da erschien Christus der Herr in priesterlicher Kleidung, von Engeln umgeben, taufte das Kind und nannte es Marianus. Ehe aber der göttliche Heiland sich den Augen der überglücklichen Lucia entzog, mahnte er sie, ja in der Verehrung seiner geliebten Mutter zu verharren. Lucia ward nun von noch größerer Liebe zu Maria entflammt, setzte all ihr Vertrauen auf sie und dieses ließ sie auch nicht zu Schanden werden. Denn Maria befreite sie aus der Sklaverei und glücklich kehrte sie in ihr Vaterland zurück, wo sie dann später in den dritten Orden des heiligen Franziskus trat und selig starb.

Das Bild Mariä von einem Thiere verehrt.

Als die Kalvinerketzer im sechzehnten Jahrhundert die katholischen Kirchen verwüsteten, hatten die Bürger zu Buglose in Frankreich gerade noch so viel Zeit, das wunderthätige Marienbild zu verbergen. Diese Menschen starben weg und Niemand wußte später, wo das Bild sei. Im siebzehnten Jahrhundert gefiel es Gott, dasselbe auf folgende Weise zu entdecken. Ein Hirt, der seine Heerde bei einem Sumpfe auf die Weide zu treiben pflegte, bemerkte eines Tages, daß ein Ochs seiner Heerde weit in den Sumpf hineingegangen war, dort stehen blieb und unaufhörlich brüllte. Neugierig, den Grund hievon zu erfahren, stieg er, weil er in den Sumpf nicht hineingehen konnte, auf eine nahe Eiche und bemerkte von da aus, daß der brüllende Ochs eine aus dem Wasser hervorragende Statue von Zeit zu Zeit beleckte. Er stieg sogleich vom Baume herab, und zeigte die Sache seinem Herrn und dieser dem Pfarrer an. Diese holten die Statue aus dem Sumpfe und sahen nun, daß es ein sehr schönes Muttergottesbild sei. Die guten Leute hatten eine außerordentliche Freude, küßten und verehrten das Bild andächtig und stellten es in eine Nothkapelle, wo es häufig besucht wurde. Später baute man da eine von Wallfahrern stark besuchte Kirche, worin viele Wunder geschahen.

Maria wirkt Wunder auf Gelübde – die Nichterfüllung bringt Strafe.

Ein Mann hatte ein Töchterlein, welches mit vier Jahren noch nicht gehen konnte und man fürchtete, es möchte nie aufrecht gehen lernen. Der zärtliche Vater, darüber sehr betrübt, aber voll Vertrauen auf die Hilfe von oben, fiel auf die Kniee und gelobte, seine Tochter in die Kirche Unserer Lieben Frau in Buglose zu bringen, dort beichten und kommunizieren zu wollen, dann eine heilige Messe zur Danksagung lesen zu lassen, wenn sein Töchterlein binnen vierzehn Tagen zu gehen im Stande sein würde. Der lebendige Glaube des Mannes war Gott wohlgefällig. Das Kind konnte schon am folgenden Tage sich aufrichten, und an die Wand gestützt, auf eigenen Füßen gehen; bald darauf konnte es ohne alle Stütze gehen zur großen Freude des Vaters und der Mutter. Aber vierzehn Tage waren bereits verflossen und das Gelübde noch nicht erfüllt. Siehe, da fiel das Kind in seinen früheren Zustand zurück, seine Beine waren trocken und todt, wie zwei Stücke Holz. Doch Vater und Mutter erkannten sogleich, daß Nachlässigkeit in Erfüllung des Gelübdes die Ursache sei, daß ihr Kind in den früheren bedauernswerten Zustand zurückgefallen sei. Sie fielen auf´s neue auf ihre Kniee, und erneuerten das Gelübde. Da bekam das Kind auch den Gebrauch seiner Füße wieder und verlor ihn nicht mehr. Vater und Mutter begaben sich sogleich zu Unserer Lieben Frau nach Buglose, um ihr Gelübde zu entrichten und bestätigten den wunderbaren Vorfall mit ihrer eigenhändigen Unterschrift.

Maria schützt in Versuchung zur Unkeuschheit.

Der heilige Alphons Rodriguez (Anmerkung ETIKA: Es gibt zwei spanische Jesuiten dieses Namens, die zu gleicher Zeit lebten. Aus dem Buch eines von ihnen haben wir einiges abgeschrieben, siehe ETIKA-Bibliothek 18B) wurde auf´s heftigste von bösen Geistern versucht, die ihm seine Keuschheit rauben wollten. Sie erschienen ihm und thaten ihm alle möglichen Martern an. In seiner großen Noth flehte er die Mutter Gottes mit großer Zuversicht um ihre Fürbitte an, auf daß sie doch nicht zulassen möchte, auf daß er Gott, den er so sehr liebe, auch nur mit der geringsten Sünde beleidige. Mitten im Kampfe erschien ihm auch Maria und sprach zu ihm: Mein Sohn Alphons, fürchte dich nicht, denn du bist mir lieb. Alphons bestand siegreich den Kampf, und seine Seele ward dadurch engelrein und Gott immer wohlgefälliger.

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